Liebe Puzzle,
Deine Katze sieht ja sehr majestätisch aus, und was Du über sie schreibst ist leider eine ganz normale Reaktion auf Verluste. Zwei Bezugspersonen waren auf einmal weg, und die Katze weiß ja nicht warum. Sie spürt nur den Verlust und trauert genauso wie wir. Der Unterschied ist, wir wissen warum wir trauern, was die Trauer aber auch nicht erträglicher macht. Deiner Katze konntest Du leicht helfen. Bei uns geht das leider nicht so einfach. Ich kann nicht mal eben so wegschieben was ich mir mein ganzes Leben lang ersehnt, und dann aber nur für kurze Zeit bekommen habe.
Mir
geht es äußerlich gut, schrieb ich ja auch schon einige male, aber
deshalb ist mein Leben nicht wieder bunt und schön. Ohne finanzielle
oder gesundheitliche Probleme leben zu können, und Menschen im
Umfeld zu haben die mich verstehen ist natürlich sehr viel wert. Das
weiß ich auch zu schätzen, denn sonst wäre die Trauer
unerträglich. Es ist auch nicht so, daß ich pausenlos an das denke
was ich nicht mehr habe, aber die Sehnsucht nach Andreas ist nun mal
da. Sie ist real. Die Frage ist auch nicht so sehr ob ich sie
wegschieben oder loslassen könnte. Die Sehnsucht läßt mich nicht
los, sie läßt sich nicht einfach wegschieben, und etwas Schönes
auf das ich mich konzentrieren könnte gibt es nicht mehr. ![]()
Du
erwähnst die Kraft der Suggestion. Sie
kann stark sein und auch Gutes bewirken. Ob
das
funktioniert
ist aber auch
eine
Frage der Mentalität. Mir etwas schönreden was nicht schön ist war
noch nie mein Ding. Dafür bin ich wohl zu realistisch eingestellt,
und die Erfahrungen aus meiner Kindheit waren
zu
prägend. Um bei Deinem Beispiel zu bleiben, ich könnte auch zwei
Stunden lang über Kopfschmerzen nachdenken und hätte trotzdem
keine. Aber ich verstehe natürlich was Du meinst. Diese Kraft gibt
es, und manche Menschen sind richtig gut darin sich etwas einzureden,
ob es nun etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist. Aber dazu habe ich
noch nie geneigt. Ich habe mich schon mal gefragt ob ich
hypnotisierbar
wäre.
Es würde mich sogar reizen das mal auszuprobieren wenn ich die Möglichkeit
hätte, aber ich kann es mir nicht vorstellen. ![]()
Deine
Strategie mit der Ablenkung funktioniert, so lange Du Ablenkung hast.
Aber was ist dann? Du schreibst es selbst, dann bricht Dein
schönes Suggestionskonzept in
sich zusammen. Mit
Mittelwegen tue ich mir auch sehr schwer wenn es um emotionale Dinge
geht. Und was könnte einer sein? Sich tagsüber möglichst viel
ablenken und dann nur abends den Verlust empfinden? Das klingt für
mich nach Betäubungsversuchen. Deine Tage sind ausgefüllt, meine
nicht. Das stört mich aber nicht. Ich bin froh daß ich keine
Verpflichtungen mehr habe und langweile mich nicht. Wenn ich etwas
tun will tue ich es, und wenn nicht dann eben nicht. Die innere Leere
läßt sich auch durch noch so viele Aktivitäten nicht betäuben.
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Ich
könnte ja mal versuchen mir das Leben schön zu saufen.
Machen ja
viele aus den unterschiedlichsten Gründen. Leider bin ich aber als
Säufer völlig ungeeignet. Bei meinem Umzug vor fast drei Jahren
habe ich eine Flasche Rotwein mitgebracht. Die ist immer noch da und
guckt mich manchmal etwas vorwurfsvoll an. Wie lange willst Du mich
denn noch stehen lassen, fragt sie dann. Dabei würde ich gerne mal
ein Gläschen trinken, aber bevor ich die Flasche leer hätte wäre
der restliche
Wein
schlecht geworden, und es ist schon mehr
als einmal vorgekommen
daß ich Wein wegschütten mußte. ![]()
Diese Erkrankung kann jene erwischen, die immer weitermachen, die immer lächeln, denen es immer „gut geht“… und ich bin genau so eine. Mir geht es immer gut…. …. aber nicht weil es mir gut geht, sondern weil ich es nicht spüre, wenn es mir schlecht geht. Ich muss darüber tatsächlich nachdenken. Tatsächlich musste ich lernen zu erkennen, „jetzt ist es genug“. Burnout-Erkrankte haben die Verbindung zu sich selbst verloren.
Irgendwie wundert es mich nicht, daß Du unter dem Burnout Syndrom gelitten hast. Für manche ist das -wie auch die Migräne- nur eine willkommene Ausrede, aber das stimmt so natürlich nicht. Die wirklich Betroffenen sind sehr bedauernswerte Menschen. Burnout hat für mich auch sehr viel mit der Mentalität zu tun, und deshalb war ich da nie gefährdet. Davor hat mich auch die gute Portion Faulheit geschützt, die ich in mir habe. Nach Perfektionismus habe ich nie gestrebt, das war für mich eh unerreichbar. Aber manche Menschen können wohl nicht anders, und das macht das Syndrom so schwer behandelbar.
Ich hatte eine Kollegin die ich sehr gemocht habe. Wir sind ein Jahrgang, haben uns bei der Ausbildung kennengelernt und sind beide ziemlich gleichzeitig in den Vorruhestand gegangen. Die Kollegin war sehr perfektionistisch, aber wir haben uns trotzdem sehr gut verstanden. In all den Jahren hatte ich immer das Gefühl, sie ist wie eine Kerze die von beiden Enden brennt. Das habe ich ihr hin und wieder gesagt, sie wußte es auch selbst, aber sie konnte nicht anders. Es war ihre Mentalität. An Burnout hat sie aber nicht gelitten.
Du
hast nicht gemerkt wenn es Dir schlecht geht, hattest die Grenze
Deiner Kraft und Leistungsfähigkeit überschritten und auch das
nicht wahrgenommen. Burnout ist allerdings
eine
sehr hinterhältige gefährliche Krankheit, aber Du hast es geschafft
sie zu besiegen. Zwischen Perfektionismus und Schlamperei ist eine
riesige Spanne, und da gibt es auch einen Mittelweg mit dem man leben
kann. Den zu finden war sicher nicht einfach weil sich die Denkweise
ändern muß, und
das geht nicht wenn man sich auf sein Gefühl verläßt. Da ist mehr
der Verstand gefragt, aber den hast Du ja. ![]()
Eine
wirksame Strategie gegen die innere Leere haben wir aber immer noch
nicht gefunden. Vielleicht gibt es auch keine. Also lassen wir es
grau sein wenn es nicht anders geht.
Vorhin
habe ich den Spruch gelesen, wenn alles grau ist, dann ist schwarz auch
eine Farbe. So kann man es auch sehen.
Hab einen schönen Donnerstag
Alles Liebe
Lilifee