Trauer um Vater - fühle mich allein

  • Hallo liebe Community!


    Ich bin nue hier und habe mich hier angemeldet, weil ich allein nicht mehr mit meiner Trauer zurecht komme.
    Ich hoffe, ich kann mich hier gut einfügen und dem einen oder anderen eine Unterstützung sein.


    Das ist meine traurige Geschichte:
    Mein Vater ist am 28.7.2015 verstorben. Wir hatten nur ein sehr sporadisches Verhältnis zueinander, da meine Eltern sich vor vielen Jahren haben scheiden lassen und meine Mutter mit uns ca. 800km weit weg zog.
    Das Verhältnis war immer schon schwierig für mich, weil mein Vater Alkoholiker war, was er sich aber selbst nie eingestand.
    Trotz allem war er ja mein Papa und ich hatte ihn lieb.


    Im Mai erfuhr ich, dass er an Leber- und Darmkrebs erkrankt ist. Ich wollte natürlich gleich hinfahren, aber er rief dann sehr kurz vor meiner Abreise an und meinte, ich solle bitte nicht kommen, da er sich ausruhen wolle für die bevorstehenden Behandlungen. Ich fuhr also nicht hin. Meine ältere Schwester fuhr trotzdem, obwohl er auch sie gebeten hatte nicht zu kommen.
    Ich rief ihn dann öfter mal an, ließ es phasenweise wieder etwas schleifen, weil ich es irgendwie nicht wahrhaben konnte, um was es da eigentlich ging. Schlussendlich kam die Hiobsbotschaft, die zu erwarten war, die mich aber dennoch traf wie ein Schlag, nämlich dass mein Vater nicht mehr lange zu leben hätte.
    Die Informationen reichten von einem Zeitraum von 4-6 Wochen und weniger Tage, sodass ich mich entschloss sofort hin zu fahren.
    Doch wieder wurde ich von der Lebensgefährtin meines Vaters irgendwie vertröstet. Ich solle nicht gleich kommen, er solle sich erst einmal ausruhen, es ginge ihm derzeit eh zu schlecht....
    Nur wenige Tage später rief sie an und meinte, ich solle sofort kommen, sobald ich könne.


    Also fragte ich meine Mutter, ob sie mich denn begleiten könne. Erst sagte sie ja, dann wieder nein, dann meinte sie, sie könne aber nur für drei Tage, was mir dann schließlich zu doof wurde, sodass ich meine beste Freundin fragte mich zu begleiten, da ich nicht allein sein wollte mit dieser Situation.


    Er starb schon in der darauf folgenden Nacht. Seitdem ist etwas in mir erstarrt. Nach meiner Rückkehr nach Hause habe ich dann natürlich auch geweint, aber meist habe ich funktioniert. Das Schlimmste ist, dass meine Mutter gar nicht begreift, wie allein ich mich ihretwegen gefühlt habe und wie ätzend ich es finde, dass sie immer wieder betont, wie froh sie ist, dass sie nicht dabei sein musste. Natürlich verstehe ich sie irgendwo und es ist ja ihr Recht sich zu verabschieden, wie sie es für richtig hält, aber es kränkt mich sehr, dass sie nicht einen Moment daran gedacht hat, wie es mir geht, dass sie nicht einmal gesagt hat, dass es ihr leid tut, dass ich meinen Vater so verlieren musste.


    Vielleicht projiziere ich gerade auch meine Wut auf alle anderen, aber ganz allgemein geht mir (mein eh schon spärlich besetztes Umfeld) auf die Nerven. Ich höre immer wieder diese Floskeln der Hilflosigkeit wie "Es war besser für ihn". Aber darum geht es nicht. Ich fühle mich einfach allein gelassen. Sogar mein Freund steht dem ganzen so unendlich hilflos gegenüber. Er kommt nie von sich aus und nimmt mich mal in den Arm, im Gegenteil, er ist reizbarer und angriffslustiger geworden. Aus jeder Mücke wird ein Elefant gemacht und ich habe manchmal das Gefühl einfach keine Kraft mehr zu haben.


    Ist es okay, dass man sich auch mal selbst leidtut, darf ich erwarten, dass sich mal jemand um mich kümmert? So einfach, damit ich trauern kann und mich nicht trotzdem noch um alles kümmern muss? Bin ich zu egoistisch? Oder ist das alles mehr oder weniger normal?


    Na ja, ich wollte das einfach mal loswerden, weil ich wirklich im Moment niemanden habe, mit dem ich ganz offen darüber reden kann ohne das die- oder derjenige sich angegriffen fühlen würde.


    Vielen Dank fürs Durchlesen!


    Liebe Grüße Anny1007

  • Liebe Anny,


    KEINE Floskel von meiner Seite... Du bist VÖLLIG richtig hier....
    da hier aber bei mir eine große Gewitterfront aufzieht ( auch angesagt)... muss ich noch schnell die Abendrunde machen mit meinem Hund...


    Du liest ja schon dich in einige Berichte ein... das ist gut... Aber achte auch darauf, dass du dich nicht überforderst.... Wir "sehen" uns bald wieder...
    Bis dahin...
    wie gesagt ...herzlich willkommen... in dem Kreise , wo Trauer vollkommen AKZEPTIERT wird... und alle aufkommenden Emotionen als normal gelten...


    deine Amitola

  • Liebe Anny!
    Mein herzliches Mitgefühl! All deine Gefühle sind "normal"!!!


    Hast du deiner Mutter gesagt, wie sehr du dich von ihr im Stich gelassen fühltest und fühlst mit der ganzen Situation? Es war dein Vater, Familiengeschichten hin oder her, DEIN PAPA! Du darfst traurig sein und dich innerlich erstarrt fühlen. Gut, dass du dich trotz der Meinungen deines Umfeldes dazu entschlossen hast, deinen Vater zu besuchen. Wie war die Verabschiedung? Möchtest du uns davon erzählen?


    Ich drück dich jetzt mal virtuell :30: und du darfst dich wirklich innig umarmt fühlen und all deine Schmerzen und Tränen rauslassen!


    Erwarte nicht zuviel von deinem Umfeld. Jeder Mensch verarbeitet Trauer anders. Wichtig erscheint mir, dass du dich um dich selbst kümmerst! Offenbar hast du ja eine wunderbare beste Freundin! Umgib dich bewusst mit Menschen, die dir in dieser Notlage auch eine echte Stütze sind!
    Hier im Forum wird immer ein "virtueller Engel" ein offenes Ohr für dich haben!!!! Sei dir gewiss, dass du mit deinem Kummer nicht alleine fertig werden musst!


    Alles Liebe und <3 -liche Grüße von Marsue!

  • Liebe Anny,
    sei herzlich willkommen hier bei uns. Wie Marsue so treffend sagt: Erwarte nicht zuviel von deinem Umfeld. Die allermeisten Menschen sind überfordert mit Trauernden, sie wissen zu wenig über Trauer oder haben über falsche Informationen oder Vorstellungen vom Trauerprozess, außerdem haben sie keine Ahnung wie sie sich verhalten sollen und was tröstet oder hilft. Das macht das Zusammenleben schwer - für beide Seiten. Was deinen Freund betrifft, erkläre ihm doch wie es dir geht, wie du dich fühlst und wenn du in den Arm genommen werden willst, dann mach du den ersten Schritt, hilf ihm deine Bedürfnisse zu erkennen und deine Gefühle und dein Verhalten nachvollziehen zu können.


    Natürlich darfst du trauern. Ich weiß nicht, in welcher Beziehung deine Mutter in letzter Zeit zu deinem Vater gestanden hat. Vielleicht ist da kein emotionales Band mehr zwischen ihr und ihm gewesen und vielleicht trauert sie nicht um ihn, oder nicht so stark wie du und es wäre für sie nicht stimmig gewesen dabei zu sein. Und vielleicht ahnt sie wirklich auch nicht, dass sein Tod für sich ein viel größerer Verlust ist als ihrer.


    Wenn wir trauern, müssem wir unter anderem lernen Geduld zu haben, Geduld mit uns selbst, aber eben auch mit den anderen, die nicht im Gleichklang mit uns fühlen und sich deshalb auch völlig anders verhalten.
    Alles Liebe Christine

  • Liebe Anny,


    jetzt noch einmal ... in aller RUHE... fühle dich hier herzlich willkommen und vor allen Dingen , gut aufgehoben , mit all deinen Emotionen und der Trauer ...
    Wirklich ...ALLES ... hat seine Berechtigung...


    Eines möchte ich dir wirklich sagen.... KEINESWEGS musst du dich hier EINFÜGEN... Das ist das befreiende und wohltuende an diesem Forum... Jeder schreibt und stellt sich dar, wie es in ihm aussieht... was er fühlt... welche Gedanken sich in ihm ausbreiten... und das ist so GUT...


    Versuche einfach deine Trauer um deinen Papa, den du ja liebst... auch wenn er Alkoholiker war... nicht zu vergleichen mit den Gefühlen die deine Mutter hatte..
    Sie war seine Partnerin und hat vielleicht sehr schmerzvolle Erfahrungen mit deinem Papa hinter sich zu bringen...zu verarbeiten... ist... einfach für sich...
    Du schreibst ja selber , das du die Vermutung hast "vielleicht projiziere ich ja meine Wut auf alle anderen..."
    Damit gehst du durchaus schon einen Weg in deiner Trauer, der die Wut als eines der Gefühle beschreibt , die durchaus aufkommen können...ja sogar kommen dürfen...


    Wenn ich deinen Beitrag so durchlese kommt in mir... aber ich möchte betonen , dass es MEIN Gefühl ist... als ob du dich ein wenig schuldbewußt fühltest...
    Dieser Eindruck entsteht in mir, weil du schreibst dass deine ältere Schwester sich nicht von seinem "Verbot"... ihn nicht zu besuchen... abgehalten hat...
    Ich finde es sogar von dir sehr ehrlich und schätze dich dadurch als dich selber gut beobachtend ein... dass du dir HILFE von deiner Mama holen wolltest und sie durch deine Freundin bekommen hast...


    Es spricht für DICH und für DEINE FREUNDIN, dass ihr euch gegenseitig Hilfe gebt und euch beisteht...


    Wie wir hier schon ALLE festgestellt haben, kommt die Umwelt selten mit dem Gefühl der Trauer... vor allen Dingen nicht für LÄNGERE ZEITRAUM ... klar...
    Trauern ja, aber bitte doch nur eine bestimmte, möglichst kurze Zeit...
    Da kann ich mich absolut meinen Vorschreiberinnen anschliessen , diese einfach ausser Acht zu lassen und hier weiter schreiben... Du wirst sehen , oder besser fühlen... wie gut und hilfreich das für dich ist...Natürlich ist ein mit-fühlen von deiner Freundin und deiner älteren Schwester ? , vielleicht nach einer Zeit , auch in anderer Art und Weise... deine Mama.. als realer Bezug noch viel bestärkender für dich...
    Viele haben hier aber auch die Erfahrung gemacht, gerade weil sie eine gewisse Distanz ja hier haben... dass sich viele Gefühle viel besser beschreiben können, als so vis á vis...


    Sehr, sehr gerne würde ich wieder etwas von dir lesen...
    und möchte dich gerne begleiten
    wie wir ALLE hier
    auf DEINEM Trauerweg der Liebe zu deinem Papa...
    der dir ... denke ich ... nicht weh getan hat... was es ja leider auch gibt
    herzlichst deine Amitola <3

  • Liebe Anny,


    ich schließe mich Amitola's Vermutung an das bei Dir starke Schuldgefühle im Spiel sein könnten, denn als ich Deinen Bericht las erinnerte mich Deine Geschichte bei recht vielen Punkten an die Eigene mit meinem Vater.


    Auch mein Vater und ich hatten nie eine einfache Beziehung da ich nicht wirklich seinen Vorstellungen entsprach und einen sehr anderen Weg ging als er es für mich erhofft hatte. So war unser Verhältnis zwar liebevoll aber eben auf Distanz. Hinzu kam das unsere emotionale Entfernung nicht nur seelisch war, sondern auch das ich weit weg in einem anderen Land lebte als meine Eltern. So kam ich 1-2 Mal im Jahr zu Besuch, und wie Du Dir sicherlich vorstellen kannst war das stehts eine viel zu kurze Zeit um wirklich durch und durch wieder zu einander zu finden. Lange Rede, kurzer Sinn ... im schon sehr hohen Alter wurde bei meinem Vater ein Lungeempfesem diagnostiziert, und dann stürzte er auch noch die Treppen hinab. Kurzum er wurde zum intensiven Pflegefall. Eine Situation die komplett an meiner Mutter haftete da man es im ländlichen Italien nicht so hat mit Pflegedienste die meist auch noch von der Krankenkasse finanziert werden. Gegen Ende bat mich meine Mutter einige Male zu kommen und für sie ein wenig zu übernehmen damit sie ein bisschen neue Kraft tanken konnte, aber sehr zu meiner Scham drückte ich mich davor. Wußte nicht was mich erwarten würde und wollte mich irgendwie für immer an meinen Vater so erinnern können wie ich ihn als noch ge-
    sunden Menschen gekannt hatte. Meine Mutter ließ jedoch nicht locker und fing an mich am Ende seelisch damit zu erpressen das ich es mir nie verzeihen würde wenn ich mich nicht von meinem Vater verabschieden käme. Kann es nicht in Worte fassen mit was für großem Widerwillen ich meine Reise antrat, und wie schwer es für mich war oft stundenlang mit meinem Vater alleine im Haus zu sein - wo er nun meist nur noch vor sich dahin dämmerte.


    Ehrlich gesagt tat ich was von mir verlangt wurde und zählte still schweigend die Stunden bis ich wieder heimfliegen konnte. Ja, und wenige Wochen später bekam ich den Anruf das er gegangen war und den Vorwurf nicht lange genug geblieben zu sein - als seine einzige Tochter. Schon als ich zu seiner Bestattung erschien grenzte meine Mutter mich aus und tat so als ob ich kein Recht hätte um meinen Vater zu trauern. Schließ-
    lich war ich ja in jungen Jahren ins ferne Ausland abgehauen und hatte mich nie großartig um ihn gekümmert. Und auch wärend der Jahre die folg-
    ten brüllte sie mich jedes Mal über den Haufen wann immer ich es nur wagte seinen Namen in den Mund zu nehmen. Der Grund warum ich jahrelang heftige Alpträume hatte in denen ich immer wieder an seinem Sterbebett saß und Nichts für ihn mehr tuen konnte.


    Erst als ich mich mit diesem Thema richtig auseinander setzte und aufhöhrte mich schuldig zu fühlen wie es zwischen uns gelaufen war höhrten diese Alpträume auf. Und erst als recht viele Jahre vergangen waren war es wieder ok mit meiner Mutter über ihn ganz normal zu sprechen. Den-
    noch hat sie mich nie bis heute gefragt wie ich seinen Tod damals empfunden habe und ob in mir noch eine gewisse Trauer steckt darüber das er gegangen ist.


    Wie Amitola sagte, ein Jeder von uns empfindet seine Trauer anders und egal wie viele gute Freunde und Verwandte man hat, ist das etwas was man letztendlich mit sich selber ausmachen muß. Es mag hart klingen, aber selbst die allerbeste Freundin kann das Thema irgendwann nicht mehr höhren. Das macht sie nicht zum bösen Menschen sondern eher liegt es an der Tatsache das für uns Alle irgendwann das ganz normale Leben wieder weiter gehen muß.


    Ich wünsche Dir viel viel Kraft Deine Trauer gut verarbeiten zu können und alles Liebe dazu,


    Hanna

  • Hallo Ihr Liben!


    Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten und eure persönlichen Erfahrungen.
    Es hat mir sehr geholfen zu wissen, dass ich nicht allein damit bin und dass ich verstanden werde.


    Die Schuldgefühle bei mir beziehen sich nur auf die kurze Zeit, als mein Vater krank war, denn vorher war der Kontakt halt mehr als sporadisch und von ihm aus kam auch nichts. Ich denke auch nicht, dass ihn das wirklich sehr tangiert hat, denn er hat sein Leben gelebt, hat viel mit seiner Lebensgefährtin unternommen und ich glaube, dass er nicht unglücklich war.
    Ja, natürlih fand er das alles nicht optimal, dass wir erst so weit weggezogen sind und ich dann auch noch in ein anderes Land gezogen bin, aber ich hätte nie zu ihm nach Berlin ziehen können.


    Eigentlich war ich vielmehr enttäuscht, dass meine Mutter mich da so ein bischen im Stich gelassen hat. Sie sieht diesen Aspekt bis heute nicht so ganz, glaube ich. Aber ich denke auch, dass sie mich in meiner Trauer vielleicht sogar ein wenig stören würde, da sie doch leider - trotz der Tatsache, dass ie wirklich immer versucht eine gute Mutter zu sein, oder vielmehr Freundin...- etwas egozentrisch ist und oft ein Einfühlungsvermögen wie ein Betonpfeiler hat.


    Insgesamt ist es halt schwierig für mich auszudrücken wann ich jemanden bräuchte und was ich mir dann wünschen würde. Es gibt halt auch immer die verschiedensten Stimmungen. Mal bin ich total müde und fertig, dann total aufgekratzt, dann traurig, dann erstarrt, dann geht es mir wieder eingermaßen gut und ich glaube, das ist es, was meine Umwelt gerade gar nicht versteht. Sogar meine beste Freundin war davon schon etwas irritiert, weil sie letztens einen Tag erlebt hat, an dem ich alles sofort ganz persönlich genommen habe und ziemlich gereizt auf alles reagiert habe.


    Aber ich bin wie gesagt sehr dankbar, dass ich dieses Forum gefunden habe und dass ich hier einfach mal schreiben kann wie es mir geht und was ich denke/fühle. Denn wenn euch das zu anstrengend ist, könnt ihr den Thread einfach zu machen. ^^


    Ich wünsche euch allen noch einen schönen Tag! Ich denke an euch!


    Ganz liebe Grüße
    Anny

  • Liebe Anny,


    da habe ich jetzt schon seit ungefähr 5 Minuten versucht...Worte zu finden, die dir weiterhelfen, aber ich "muss" erst einmal meine Empfindungen und Worte niederschreiben für einen lieben Menschen und seinen Mann, die jetzt auch in "zwei verschiedenen
    Welten " sich bewegen... Ich schreibe dir bald ausführlicher,
    aber...
    KEINER wird hier es als zu anstrengend empfinden, diesen DEINEN Thread mit DEINER Trauer " einfach zu zu machen", wie du leider wieder etwas selbstzweiflerisch empfindest.


    SCHÖN, das du geschrieben hast... weiter so...
    denkt und fühlt deine Amitola

  • Liebe Anny!


    Schuldgefühle entstehen in dir selbst! Versuche dir selbst diesbezüglich den Wind aus den Segeln zu nehmen! Du brauchst dich in keinster Weise schuldig zu fühlen - wofür überhaupt????


    Du hast so schön geschrieben, dass dein Vater sein Leben gelebt hat!!! Diesbezüglich darf und soll er dir ein gutes Beispiel sein - DU MUSST DEIN LEBEN LEBEN!


    Fühl mal in dich hinein und überlege dir, was dir in der Trauerphase gut tun könnte - Sport vielleicht? Spaziergänge in der freien Natur? Stricken? Singen? Malen?,.... da gibt es x-Millionen Dinge die einem persönlich weiterhelfen können!


    Deine Gefühlsschwankungen sind völlig normal! Gefühle entstehen in dir selbst, es liegt an deiner inneren Einstellung, ob du "das Gefühl" annimmst und wann du es wieder loslässt!!!!
    Du hast geschrieben, dass du letzens alles persönlich genommen hast - du bist auf einem sehr guten Weg, denn nicht jeder reflektiert in dieser Feinheit seine Gemütsschwankungen :thumbsup: und überlegt sich, woran er persönlich arbeiten kann!


    Vielleicht fällt es dir auch leichter deine Mutter zu verstehen, wenn du dir mal ihre persönliche Lebensgeschichte vor Augen hälst! Jeder Mensch macht unterschiedliche Erfahrungen - positiv wie negativ. Jeder empfindet anders - da wären wir jetzt wieder am Anfang ... Gefühle entstehen in einem selbst!
    Was dem einen nicht stört, bringt einen andern auf die Palme,....


    Ich vertraue in deine Gabe, die Dinge weiterhin mit riesigem Feingefühl wahrzunehmen und wünsch dir ganz viel Kraft und Mut für deinen persönlichen Weg!
    Fühl dich innig umarmt! :24:
    Lieben Gruß von Marsue!

  • Liebe Anny,


    ich möchte auch noch einmal etwas zu Deinem letzten Posting hinzufügen - zum Thema Mutter. Da können wir einander ja echt die Klinke reichen denn auch die Meinige hat oft das Mitgefühl eines "Betonpfeilers" wie Du es so herrlich beschrieben hast.


    Vielleicht ist das so eine Sache die sich einfach entwickelt wenn man älter wird und seine eigenen Wege geht, bzw. das man zwar noch mit einan-
    der gut verbunden ist aber dennoch irgendwie sich von einander peu a peu entfremded. Sich zwischendurch neu entdeckt und dann doch wieder getrennte Wege geht. Seit ich klein war wollte ich es meiner Mutter immer recht machen und mir immer wieder ihre Zuneigung erobern. Du kannst es mir glauben das ich sehr darunter gelitten habe das sie dies nur zuließ wenn sie gerade Lust darauf hatte. Momente wo sie auf einmal beste Freundin und Allesversteher war. Und natürlich fiel ich immer wieder auf sie rein jedes Mal glaubend das sie tatsächlich endlich zu mir ge-
    funden hatte.


    Eigendlich merkte ich schon als mein Vater verstarb wie sehr fremd wir einander letztlich geworden waren, denn zu dem Zeitpunkt gab es nur sie die das Recht hatte zu trauern und folgedessen gestaltete sie auch seine Bestattung so als ob es mich nicht gäbe. Einige Jahre später fand sie dann einen Partner mit dem ich überhaupt nicht klar kam. Bestimmt nicht weil ich ihn ihr nicht gönnte, sondern weil er mir wärend unserer zwei sehr kurzen Begegnungen als extrem dominan und arrogant erschien. Der Typ der stehts Alles besser wußte und für jedes Problemchen den passenden Experten kannte. Ja, und die Jahre wärend denen sie mit ihm zusammen war existierte ich so gut wie nicht. Und wenn wir uns in Berlin trafen quatschte sie mich nur mit der Großartigkeit dieses Typens voll oder versuchte mich an allen Ecken und Kanten klein zu machen. Das war dann auch der Zeitpunkt wo ich zu dem Entschluß kam das ich es meiner Mutter wohl nie recht machen werde - weil sie selber es gar nicht will. Liebe Anny, ich schreibe Dir all Das nur weil ich beim Lesen Deiner Zeilen immer wieder das Gefühl habe das Deine Mutter letztlich auch nicht besonders heiß auf eine enge Beziehung mit Dir ist. Sicherlich sehr sehr traurig wenn dem so sein sollte, aber leider auch eine Realität mit der man lernen muß leben zu können.


    Wie gesagt, ich habe fast mein ganzes Leben gebraucht um es endlich zu kapieren, aber seit dem geht es mir deutlich besser wenn ich etwas Zeit mit meiner Mutter verbringe weil ich nichts Großartiges mehr von ihr erwarte. Und ich glaube sie hat das inzwischen auch verstanden denn wann immer wir uns sehen wird über allmögliches gequatscht außer sehr persönlichen Dingen - über Tod und Trauer schon gar nicht. Es mag hart klingen, aber obwohl ich sie immer noch sehr mag bin ich froh das ich sie und ihre Welt nicht gleich um die Ecke habe.


    Ich kann es mir sehr gut vorstellen wie sehr es Dir weh tut das Deine Mutter so blockiert und so wünsche ich es Dir von Herzen das auch Du recht bald den Absprung finden wirst um damit deutlich besser leben zu können.


    Sei liebevoll gegrüßt,


    Hanna

  • liebe Anny, liebe Hanna,


    puuuuhhhh,
    was soll man so als Mutter einer Tochter und eines Sohnes so zu euren "gefühlten Betonpfeilermüttern" sagen,
    wenn man durchaus auch sich nicht total im Leben und seinen Lebensvorstellungen zurückgenommen hat,
    seinen Kindern durchaus eine Mutter (aber ungewöhnlich)gewesen ist
    Sie in der Kindheit durchaus auch durch die Wohnungssituation ( KEINE Zwangs -WG´s)
    mit auf Demonstrationen "geschleift " hat... sagen...???


    Vielleicht auch "Betonpfeilermutter"??? Weil ich immer meinen Weg gegangen bin, aber meine Kinder zu selbständigen, auch durchaus altersgerechten , autarken Persönlichkeiten "mitbegleitet " habe... aber wahrhaftig nicht das Hausmütterchen war. Dies war schon alleine dadurch nicht möglich, da ich ja für unseren Lebensunterhalt fast alleine aufkommen musste...


    Ich möchte noch einmal etwas über Mutter und Tochter Beziehung schreiben... Sie ist häufig weitaus mehr angespannt als die Mutter Sohn Beziehung...


    Ich habe mir immer eine Tochter gewünscht... zuerst kam mein Sohn und 7 Jahre später mit einem anderen Mann dann meine von mir heiß ersehnte Tochter...


    Wie ich dann nach der Geburt sie zum ersten Mal zu Hause wickelte... diese "kleine Frau"... überkam mich eine
    große Rührung
    und gleichzeitig eine Angst und auch sogar eine gewisse Panik...
    Ich war damals 33 Jahre alt und hatte ja schon ein intensives Frauenleben... gerade auch mit Männern und den daraus resultierenden Erfahrungen hinter mir...


    Ich wollte, das meine Tochter bestimmte Erfahrungen absolut nicht machen sollte...
    Aber... gleichzeitig ... gerade wie ich auf diese "kleine Frau" blickte...
    wusste ich... Ich kann ihr gar nichts ab-nehmen... nichts für sie vermeiden...
    Das geht glaube ich bewußt oder unbewußt in vielen Müttern zu ihren töchtern vor sich... und deswegen herrscht da durchaus öfter eine gewisse Anspannung..


    Wir Frauen wissen viel besser, wie Frauen "ticken"... wissen um das "abstrampeln" es gut machen zu wollen... zu den Vätern und den Müttern...
    weil wir Frauen selten, leider viel zu selten ... GLEICH und KONTINUIERLICH... unser Leben in die Hand nehmen... mit power und GESUNDEM Egoismus unseren Lebensweg gehen...oder wie ich hier eingestellt habe , das Gedicht von Charlie Chaplin über die SELBTSLIEBE...


    Meiner Meinung nach... natürlich sehr vereinfacht
    sagt der Mann... ICH BIN ... und ...ICH WILL
    die Frau sagt eher ..ICH HOFFE ZU SEIN... und ICH MÖCHTE...


    Meine Tochter hatte und hat manchmal immer noch durchaus Schwierigkeiten mit meiner Lebenseinstellung und auch Vorstellung; aber sagt ganz klar..." geliebt hast du uns immer und das hilft mir immer noch"
    und das ist mittlerweile für sie und für mich das WICHTIGSTE... Auch wir führen völlig verschiedene LEBEN...ACHTEN uns aber...

    Mein Sohn sagte zu seiner ersten Frau....
    " Ich brauche mich fast gar nicht mehr für irgendetwas engagieren, dass habe ich alles mit meiner Mama in der Kindheit und Jugend hinter mich gebracht"...


    Burkard war dann der 3. für mich bedeutenste Mann... Ich war fast 38 Jahre und er fast 31 Jahre wie wir uns kennenlernten und meine Tochter hat ihn als ihren allerbesten Lebensbegleiter ... eigentlich mehr als ihren Vater angesehen... Das alles hat sie auch in einer sehr persönlichen, herzerweichenden Trauerrede bei der Urnenbeisetzung gesagt...


    Also, vielleicht sind "eure Betonpfeilermütter" gar nicht so hart, sondern sind Frauen, die sich sooo gerne selbst verwirklichen wollen... und es nicht in der Vergangenheit so konnten, sondern jetzt erst einmal nach den Trennungen, Scheidung und "gehen von dieser Erde" herausfinden... auch Schritt für Schritt
    IHR LEBEN leben...


    shanti, shanti
    NAMASTE
    eure Amitola

  • Da ist doch mein PC abgestürzt und der Text war dann im PC .Nirwana... ;)
    Also, auf ein Neues...


    Liebe Anny,
    aufmerksam habe ich noch einmal Marsue´s Bericht gelesen, die sie ja immer.. Einen so sehr motivierend und "aufrüttelnd schreibt"...


    Gerne möchte ich dir weiter bei deiner inneren KLÄRUNG der Trauergefühle helfen... Doch auch da kommen wieder so einige Fragen oder Aspekte auf, die du, wenn du möchtest... beantworten kannst, damit vor allen Dingen DU in deiner Gefühlswelt eben halt mehr KLARHEIT hineinbekommst...


    Es ist zwar tatsächlich mein Gefühl... meine Vorstellung... aber vielleicht liege ich ja doch nicht so falsch in der Annahme , dass du dir eigentlich nicht so ganz klar bist... wohin mit deiner liebenden Trauer zu deinem Papa, der ja durch die Scheidung und sein Leben, nicht sehr lange und vor allen Dingen nicht kontinuierlich bei dir und deiner Schwester war ?


    Jedes Kind und auch eigentlich trotz des innerlichen, notwendigen Aufbegehrens gegen die Eltern im jungen Erwachsenenleben, möchte jeder eigentlich "normale Familienverhältnisse" haben... Geborgenheit... auch eine gewisse Ordnung... emotionale Stabilität...
    Diese war bei euch nicht da und bei ungemein vielen anderen Kindern auch nicht, wenn man sich die Statistiken der Scheidungen ansieht und da kommen ja auch noch Kinder dazu, die nicht in einer ehelichen Beziehung aufgewachsen sind...


    Wie gesagt es ist eine Vermutung... Könntest du dir vorstellen, dass die "Anteile" von Liebe... Trauer... Wut... fast gleich groß bei dir sind ?
    Du konntest nie deine Liebe im "ganz normalen Alltagsleben" mit deinem Vater ausleben. Du schreibst auch, dass es nie eine Möglichkeit gewesen wäre, dass du nach Berlin zu ihm gezogen wärst... Ich kann mir vorstellen, dass dich das immer wieder einmal sehr traurig und zugleich wütend gemacht hat..Dann hast du auch nicht das Gefühl der Unterstützund durch deine Mutter. dazu habe ich aber oben schon sehr viel geschrieben...
    allerdings möchte ich ganz wertfrei... wenn man das überhaupt sein kann..., sagen das du auch nicht DEINE LIEBE bis jetzt ausleben kannst...


    Für mich irrt DEINE LIEBE so im "Nirgendwo ankommend" herum...
    Ich hoffe sehr, dass ich damit nicht zu weit gegangen bin, aber es geschieht aus der emphatischen Motivation heraus, das
    DU KLARHEIT IN DEINE GEFÜHLE bekommst...


    KLARHEIT in das wohin mit der LIEBE zu deinem PAPA
    KLARHEIT in das wohin mit der LIEBE zu deiner MAMA
    KLARHEIT für dein wohin MIT DEINER SELBSTLIEBE .. in DEINEM LEBEN


    Gerne würde ich dich weiterhin auf diesem Weg eine Weile begleiten
    shanti, shanti
    NAMASTE
    deine Amitola

  • Hallo Ihr Lieben!


    Nochmals vielen Dank für Eure Antworten und Gedanken zu diesem Thema!
    Im Moment geht es mir nicht sehr gut. Die Fahrt nach Berlin, die Beerdigung und der Aufenthalt dort haben mir viel abverlangt. Wieder zurück fühle ich mich ziemlich müde und ausgelaugt.


    Aber ich werde ganz sicher wiederkommen, wenn es mir besser geht und dann werde ich etewas näher darauf eingehen, wie meine Umgebung und ich selbst mit meiner Trauer umgeht(e).


    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


    Anny

  • Liebste Anny,


    laß Dich in Gedanken feste drücken und Dir auftragen dieses Wochenende tüchtig die Flügel hängen zu lassen und Dich so gut wie möglich aus-
    zuruhen.


    Ich glaube es gibt Keinen den eine Beerdigung nicht völlig k.o. gemacht hat weil es eben ein totaler Ausnahmezustand im Leben eines Menschens ist. Nicht nur der ganze Rummel drumherum, sondern vor Allem die Konfrontation mit der absoluten Entgültigkeit. Und gerade das letztere braucht seine Zeit und Ruhe um im tiefsten Inneren zu sacken.


    Dir ein ruhiges und vor Allem sehr erhohlsames Wochenende und viele liebe Grüße dazu,


    Hanna

  • Hallo Ihr Lieben!


    Nach langer Zeit melde ich mich endlich zurück. Nochmals vielen Dank für Eure lieben Worte und Eure Gedanken zu meinem Thema.
    Derzeit halte ich mich ganz gut. Zwischendurch muss ich schon weinen und bin sehr traurig, aber in Ermangelung an Verständnis von der Außenwelt und vermutlich auch an meiner Bereitschaft hierzu, weine ich meist für mich allein und lebe meine Trauer auch ganz für mich aus.
    Inzwischen ist es mir auch egal, dass meine Mutter hauptächlich von sich, ihren Problemen und ihren neuen Typen monologisiert.
    Ich nicke das meiste ab, versuche hie und da etwas von mir einzubringen, was meist in ein-zwei Minuten durch ist und sie direkt wieder auf sich selbst lenkt.



    Insgesamt habe ich leider noch nicht viel von dem geschafft, was ich mir vorgenommen habe, nämlich das mich öfter bei meiner Familie in Berlin melden, das Anlegen eines Fotoalbums von meinem Vater und das Einscannen aller Fotos von meinem Vater, damit ich sie auf lange Sicht erhalten kann. Auch mein Studium steht gerade still, was ich aber auf jeden Fall ab nächster Woche ändern möchte.


    Ich habe aber die Schuldgefühle meinem Vater gegenüber verloren und bin nun gerade dabei die letzten Stunden, in denen mein Vater noch lebte, zu verarbeiten. Ich versuche Abschied von diesem Bild zu nehmen, damit ich ihn so in Erinnerung behalten kann, wie er war, bevor er krank wurde.


    Vielleicht kann ich das schaffen, vielleicht schaffe ich es allein. Fest steht, dass ich es wohl oder übel allein schaffen muss, da ich einfach nicht mehr dauernd sagen mag, dass es mir schlecht geht. Ich will nicht immer andere auffordern müssen mir zuzuhören... :/


    Aber das ist jammern auf hohem Niveau, glaube ich.


    Ich wünsche Euch jedenfalls ein schönes Wochenende!


    Ganz liebe Grüße
    Anny

  • Liebe Anny,


    schön... schön... schön...das du dich wieder gemeldet hast. :24:
    eine dicke virtuelle Umarmung noch einmal deswegen EXTRA :24:
    Letztendlich können wir von sehr vielen , lieben Menschen umgeben sein...
    dennoch ALLES, wirklich alles...
    an Gefühlen , Gedanken , das Leben an und für sich.. ERSCHAFFEN wir aus uns heraus... alleine...


    Wenn du das Wort all-eine so wie ich es gerade geschrieben habe trennst, birgt es so eine wunderschöne Lebensanschauung in sich... Von dem All- Eine als Einzelwesen ist man doch gar nicht weit von dem All-Eins-Sein entfernt...
    Wenn du das innerlich fühlst, auch gerade weil du all-eine weinst,
    all-eine dein Studium wieder aufnehmen willst ,
    all-eine irgendwann in naher Zukunft die Bilder ein scannst,
    all-eine durch dieses all- eine deiner Gefühle und Erinnerungen zu deinem Papa gehst,
    all-eine eine jetzige innere Distanz zu deiner Mutter dir aufbaust,
    all-eine dich "hälst".
    Wirst... DU... ALL-EINE... STARK ...WERDEN...


    Schwäche es nicht ab durch das "wohl" oder "übel"


    Hehhjjj 8o , wenn wir wählen können, und das können wir immer..
    WÄHLEN zwischen WOHL und ÜBEL ... Zu was werden wir uns ENT-SCHLIESSEN?
    Doch wohl zu dem WOHL... ^^


    Gehe für dein WOHL , halte das übel ganz, ganz klein... winzig klein...
    Das WOHL mache GROSS und STARK für DICH, ....GANZ.... ALL-EINE...

    So dass sind meine Gedanken zu dem Wort ALL-EINE in seiner so GUTEN, uns Er-LEICH-ternd

    Gestern kam ich auf der Bank sitzend, nach einem langen Spaziergang mit den Hunden , so über die Wiesen und Felder blickend, zu einer ganz neuen ,mich faszinierenden Erkenntniss...


    Ich denke, dass sie dir durchaus hilfreich ist... Du sprichst hier einige Lebensituationen , einige
    Vorhaben an , die du nicht bisher in deinen Alltag einfügen konntest ...


    Unter Alltag stellen wir uns ja auch wie bei dem Wort all-eine nichts besonderes vor...


    Alltag... Alltag... Alltag...


    Ohhh, das klingt so ermüdend, sogar ein bisschen geistlos, nichts besonderes, einfach fade...


    Wie gesagt ich saß da auf der Bank... Noch 5 Minuten vorher war Alltag ebenso für mich kein sonderlich Begeisterung auslösendes Wort....
    Ja, auf einmal kam ja dieser Gedankenblitz und es ging sofort in ein Glücksgefühl über...


    In ALL-TAG steckt doch wahrhaftig so ungeahnt viel Besonderes darin... wenn wir es WOLLEN...
    wir leben in diesem so großen ALL-TAG... ALL-TAG... ALL-TAG...
    Das ALL ist so unermesslich tief, eine sagenhafte Weite beinhaltend...
    Die können wir ALLE in einer großen Vielfalt in den ALL-TAG hineingeben...


    Das Niveau ist dann kein jammern mehr...
    sondern
    ist einfach HOHES NIVEAU ...


    JAAA, ich nehme sehr gerne deinen Wunsch nach einem schönen Wochenende AN ^^ :8: :P
    und wünsche DIR
    ein gutes ALL-EINS-SEIN für dieses Wochenende ^^ :) :thumbsup:


    und deinem baldigen , so voller Potential für dich... in der nächsten Woche in
    DEINEM ALL-TAG
    <3 lichst
    deine Amitola
    .

  • Liebe Anny,
    obwohl deine Trauer noch tief ist, du klingst "angriffslustig", was dein Leben angeht: Du hast es dir zum Ziel gemacht, es zu schaffen und das ist ja wohl die beste Voraussetzung dafür, dieses Ziel zu erreichen. Wenn du nicht alles schaffst, was du dir vorgenommen hast, kein schlechtes Gewissen! Trauer ist Arbeit, die Zeit und Kraft braucht und man hat daher weniger Zeit und Kraft für Dinge, die man sich sonst vorgenommen hat. Wie heißt es so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!
    Zeit, Geduld und ganz viel Kraft wünscht dir
    Christine :)


    P.S.: Unsere liebe Amitola kriegt hier noch mal den Motivationspreis des Trauerforums! :24:

  • Hallo liebe Anny,
    lasse Dich erstmal ganz dolle knuddeln. Hier bist Du sehr gut aufgehoben!



    Ich möchte Dir mal eine Art von Geschichte erzählen, oder wie auch immer man das nennt....Ich habe sie hier vor langer Zeit gelernt und habe sie in mir behalten und zu einem Teil meines Lebens gemacht....


    stelle Dir vor, dass das Leben ein Gebäude ist! Sagen wir mal...Ein wunderschönes Schloß. Säulen tragen dieses Gebäude. Legen wir auf jedes dieser Säulen einen Teil des Lebens. Was ist egal,denn für jeden sind die Prioritäten anders.


    Jetzt passiert etwas unvorhergesehenes. Ein Mensch stirbt....Wie bei einem Erdbeben kommt es zu Schäden an diesen Säulen und das ganze Gebäude ist in Gefahr....Eine Säule bricht, entweder ganz ein, oder bekommt starke Risse.Das hängt ganz davon ab wie sehr man an dieser Person gehangen hat....Jetzt wo alles einzustürzen droht,da ist es wichtig an dem Gebäude zu arbeiten.


    Zunächst beginnt man langsam an den größten Schäden zu arbeiten...Man versucht den Tod zu verarbeiten...Man versucht evtl. zu kitten, oder man ersetzt alte Steine. Egal wie man zum Ergebnis kommt,Hauptsache die Säule hält, damit das Leben weiter gehen kann...Das kann eine sehr lange Zeit dauern. Das liegt daran ob man alleine mauern muss, oder ob man Verstärkung hat...


    Natürlich werden andere Säulen auch in Mitleidenschaft gezogen. Je nachdem was diese Säulen bedeuten. Vielleicht der Job, oder Freunde, oder die Familie, oder, oder, oder....Bei Dir ist es z.B dein Umfeld, Deine Mutter und das Andenken an Deinen Vati...Fotos einscannen usw....


    Stück für Stück baut man das Schloß wieder auf. Es soll ja genauso schön werden wie vor dem Erdbeben...Manchmal ist es aber nötig das Gebäude abzustützen und ganz neue Säulen zu errichten und die alten auszutauschen. Manchmal muss man sich von altem lösen um freier zu sein um glücklicher zu sein!.....
    (ok,ok....so langatmig wurde mir die Geschicht nicht erzählt, aber ich habe eine blühende Phantasie)


    Vielleicht projiziere ich gerade auch meine Wut auf alle anderen....


    Die Wut ist eine Stufe der Trauer und ganz normal...sei wütend!


    Ich höre immer wieder diese Floskeln der Hilflosigkeit wie "Es war besser für ihn".


    Einige Menschen wissen nicht mit Trauer umzugehen.Sie sind Hilflos und wissen einfach nicht was sie sagen sollen.Sie denken sie müssen etwas sagen und es kommt dann soetwas da raus.Statt einfach lieber den Mund zu halten und Dich in den Arm zu nehmen. Das können meistens die Menschen nicht, die in der Situation noch nicht waren....Einige gehen auch den anderen Weg und versuchen von dem Thema abzulenken, obwohl man gerade darüber reden möchte, weil sie unbewußt der Meinung sing das ist nicht gut für Dich und anstatt dir zu helfen tuen sie Dir damit weh.....


    Ich hatte mal eine Erlebnis in einem Laden, bei uns im Dorf....Eine Frau beriet sich mit der Verkäuferin darüber was sie in eine Trauerkarte schreiben solle, weil das ja alles so schrecklich ist..... Ich mischte mich ein, hatte es ja selber gerade erlebt....Ich sagte, sie sollte lieber eines dieser süßen Engelchen schenken und gar nichts sagen, sondern die Person einfach in den Arm nehmen das sagt mehr als tausend Worte....


    Beide schauten mich an, als ob ich von einem anderen Planeten komme. Sie überlegten kurz und der Engel ging über den Verkaustresen... :005:


    Liebe Anny,
    egal was Du tust, egal was Du denkst, egal was Du fühlst,egal von wem,oder was, Du dich lossagst....Alles ist richtig um Dein Schloß prunkvoller erstrahlen zu lassen!!!!!


    Liebe Grüße
    Daike

    Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

  • Hallo zusammen!


    Ich bin hier zum ersten mal weil ich hoffe unter Menschen zu sein, die mich verstehen.
    Hier meine Geschichte.
    Meine geliebte Mam ist am 22.09.2015, genau heute vor zwei Wochen gestorben. Mit ihr ist mein Herz und meine Seele mit gestorben.
    Sie war mein Lebensinhalt, mein ein und alles. Sie hat soviel für mich getan und musste auf so viel verzichten. Ich vermisse sie sosehr !!!
    Ich gebe mir die Schuld an ihrem Tod und kann einfach nicht verstehn was da passiert ist.
    10 Jahre habe ich meine Mam gepflegt. Sie hatte Kinderlähmung, und war nach einem Oberschenkelhalsbruch auf den Rollstuhlangewiesen. Es war, zugegeben, nicht immer leicht, da ich kein eigenes Leben mehr hatte. Keine Zeit für ein Privatleben und immer unter Zeitdruck. Einkaufen ging nur wenn die Hauskrankenpflege kam. Aber es machte mir nichts aus. Man gewöhnt sich an alles. Ich habe gar nicht bemerkt wie es mit meinen Kräften bergab ging.
    Anfang des Jahres kam sie wegen Verdacht auf Gallensteine in eine Klinik in Graz. Da wurde dann eine Lungenentzündung festgestellt. Leider hat Mam eine Menge Medikamente nicht vertragen und unter anderem eine paradoxe Reaktion auf Schlaf.-und Beruhigungsmittel gehabt. Das heißt , statt ruhig wurde sie total
    aufgekratzt. Ich habe das alles bekannt gegeben und trotzdem haben sie ihr 2 verschiedene Beruhigungsmittel gegeben. Darauf hin wurde sie total unruhig. Worauf hin ihr ein Narkosearzt irgendwas gespritzt hat. Am nächsten Tag war sie nicht mehr ansprechbar, wie nach einem Schlaganfall. Durch dieses Mittel hatte sie einen Demenzschub und ich hab Wochen gebraucht bis es ihr wieder so halbwegs ging. Am Tag war es nicht schlimm, aber die Nächte wurden immer anstrengender. Sie war eine ganz liebe, nie böse oder aggressiv. Aber in der Nacht wusste sie nicht das ich ihre Tochter bin oder das sie in ihrer Wohnung war.
    Und dann kamen die Halluzinationen. Ich konnte nicht mehr schlafen und sie auch nicht, und dann hat meine Ärztin leider meine Mutter gegen ihren Willen einweisen lassen. das ich das zugelassen habe, war ihr Todesurteil. Da ich nicht bei ihr bleiben konnte wurde sie unruhig und sie haben sie an Händen und Füßen nieder gebunden. Das sagte mir eine Bett Nachbarin im Vertrauen als ich am nächsten Tag meine Mutter röchelnd und mit Fieber im Bett antraf. Sie wurde in ein anderes Spital überstellt, in der Nacht ist sie fast gestorben, aber sie hat sich durch gekämpft. Zwei Wochen wurde sie behandelt und dann als aus therapiert in ein anderes Spital überwiesen. Ich wusste das war ein Fehler, aber leider hab ich mich auf die Ärzte verlassen. Zum Schluss bekam sie Morphium, obwohl sie keinen Tumor oder sonstiges hatte und auf meine Frage warum sie es bekommt hieß es, weil sie so schwer atmet .Gut, das war auch so, aber sie haben ihr zu viel gegeben und die Atmung wurde nur schlechter und sie war nicht mehr ansprechbar. Am Donnerstag kam sie in gutem Zustand dort hin, am Dienstag war sie Tod. Ich kanns nicht glauben und weiß ich hätte sie - erstens nicht einweisen lassen dürfen, denn das LSF ist nicht gut. Zweitens - Nach dem aus therapieren hätte ich sie nach Haus nehmen sollen. Und Drittens hätte ich verhindern müssen, das sie so viel Morphium bekommt. Das alles zusammen hat sie umgebracht. Ich war zwar jede Minute neben Ihr aber hab nichts richtig gemacht. Sie hat so gekämpft, weil sie wusste das sie nicht sterben hätte müssen. Ich höre noch ihren letzten Atemzug und den letzten Herzschlag. Habe sie angefleht nicht zu gehen. Ich werde ihr trauriges Gesicht nie im Leben vergessen, sehe es Tag und Nacht vor mir. Sie ist nicht mehr da und ich weiß nicht wie ich jemals im Leben damit klar kommen soll. Ich hab sie so lieb gehabt und vermisse sie so sehr ...........