Heute wie damals?????????

  • Liebe Astrid,


    Habe Deine Botschaft auf Kiwis Seite gelesen und habe mir gedacht, ich antworte jetzt auf diese Weise. Dort soll es ja um ihre Geschichte gehen und nicht um meine...


    Als ich meine Mutter verloren habe, war alles sehr, sehr schwierig. Mit meinem Vater habe ich mich nie gut verstanden, bis zu seinem Tod nicht. Er hatte für uns Kinder wenig übrig, war psychisch vermutlich ziemlich unreif, frauenfeindlich. Wir haben alle unter ihm gelitten.

    Neben mir gab es noch meinen Bruder, ein Jahr jünger als ich, ein ganz armer Kerl. Seine ersten neun Lebensmonate hat er im Spital verbracht. Er hatte innere Missbildungen und musste mehrfach operiert werden.

    Wir beide hatten auch nicht das beste Verhältnis. Noch dazu in dem Alter, da ist ein jüngerer Bruder nicht unbedingt ein Ansprechpartner.

    Ich war die Große, die Kluge, Mamas Liebling und Vertraute. Und dann musste ich zusehen, wie sie immer dünner wurde, sich ständig erbrach, knochig und blass ist die dagelegen. Oft, wenn ich von der Schule heimgekommen bin und in ihr Zimmer gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob sie noch lebt oder ob sie vielleicht schon tot ist. So schrecklich hat sie ausgesehen. Da war sie im 47. Lebensjahr.


    Dann ist sie gestorben. ein paar Wochen später habe ich maturiert. Und alles, was ich bisher an Struktur gehabt hatte, ist weggefallen. Die Schule, die Klassenkollegen, der Stundenplan - alles auf einmal futsch.

    Einen "Engel" hatte ich damals, und der ist mir bis heute erhalten geblieben: eine Lehrerin, mit der ich immer noch (und jetzt wieder verstärkt) in Kontakt bin. Sie hat vor drei Jahren ihren Mann nach einer langen Leidensgeschichte verloren, und jetzt geht es ihr wieder wirklich gut. Ich habe ihr schon gesagt "Du bist mein Vorbild" und sie hat nur geantwortet "ja gern". Leider wohnt sie ziemlich weit weg, Sie hat mich aber schon wiederholt eingeladen, sie zu besuchen.


    Und jetzt.... natürlich habe ich große Angst, dass es wieder wird wie damals. Nur dass ich jetzt älter bin, nicht mehr die Energie habe wie damals, nicht mehr diese Aufbruchstimmung. Ich bin dann nämlich, sobald ich volljährig war, von zu Hause mehr oder weniger angehauen und habe mir in Wien eine neue Existenz aufgebaut, mein Studium über weite Strecken selber finanziert.


    Einmal, als die Diagnose meines Partners relativ frisch war, habe ich mir gedacht: das halt ich nicht noch ein zweites Mal aus. Da gehe ich lieber auch...

    Es war nur ein Moment, aber ich habe ihn noch sehr deutlich in Erinnerung.

    Ich halte mich nicht für jemanden, der sich selber etwas antun würde. Aber damals war ich eben so verzweifelt.


    Im Moment ist das, was mich am meisten belastet, wenn ich sehe, wie blass er ist, wie er abgenommen hat. Nicht, dass es dramatisch wäre - aber er braucht nur einmal ein Hemd mit einem zu weiten Kragen anziehen, und schon kommt alles in mir hoch. Ich denke, da holen mich die Bilder von damals ein.


    Tja, so ist das in den dunklen Momenten.

    In den hellen lache ich mit meinen Kolleginnen, uns fällt immer etwas zum Blödeln ein - und da bin ich voll dabei. Ich freue mich, wenn ich gut Tennis spiele oder wenn ich von jemandem ein lustiges Bild geschickt bekomme.

    Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich zwei Existenzen. Eben eine helle und eine dunkle.

    Und ja: ich kann es auch mit Rudi schön haben, lachen, lästern, gut essen. Aber irgendwie ist das auch schwierig, denn irgendwann kommt der Gedanke: wie lang können wir das noch genießen, was wird werden...


    So, jetzt habe ich viel geschrieben.


    Dank Dir für alles! Für's Mitdenken, für's Fragen und überhaupt :)

  • Liebe StillCrazy!


    Ich bin zwar nicht Astrid, möchte aber gerne dazu etwas schreiben.

    Deine Erzählung hat mich sehr berührt, was du so jung schon durchgemacht hast, hat dich sicher geprägt.


    Ich kann den Gedanken , "Das will ich nie wieder erleben!", vollkommen nachvollziehen.

    Ich glaube ich hätte das auch gedacht, wenn mein Mann so eine Diagnose bekommen hätte (bei ihm war es ja ganz plötzlich, wir wussten nicht, dass er krank ist). Denn auch ich habe meine Vorerfahrungen und weiß, was bei einem Todesfall auf einen zukommt.


    Aber ich möchte dir sagen, so komisch es jetzt klingt: Mir hat diese Vorerfahrung viel geholfen. Ich weiß wie man mit Trauer "umgeht", ich weiß, dass es irgendwann leichter wird. Natürlich ist kein Todesfall genau mit dem anderen vergleichbar, so wie ja auch die Beziehungen zu den einzelnen Menschen unterschiedlich sind. Jedoch: man kann wirklich auf gewisse Erfahrungen und "Strategien" zurückgreifen und das hilft.

    So wie ich dich hier erlebe, als sehr reflektiert und in sich hineinspürend, denke ich, du wirst es auch gut überstehen!

    Sei mir nicht böse, dass ich das jetzt so anspreche, denn immerhin lebt dein Mann noch. Ich finde es aber sehr gut, dass du den Gedanken, dass er dich verlassen wird, zulässt. Und hoffen darf man trotzdem immer noch!


    Deine zwei Welten finde ich wichtig und richtig. Wem würde es in irgend einer Form helfen, wenn man ständig nur im Tief wäre?


    Ich finde es sehr bewundernswert wie klar du alles siehst und

    wie du diesen schwierigen Weg beschreitest.

    Da ist nicht deine Lehrerin ein Vorbild, du bist auch eines!

    Ganz liebe Grüße an dich!

    Hedi

  • Liebe Still Crazy


    Deine Offenheit hat mich sehr beruehrt...


    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir oft Angst haben wegen unserer Erlebnisse in der Vergangenheit.

    Man wurde geprägt und weiss wie schmerzhaft es war. Dies versucht man im Jetzt und in der Zukunft zu vermeiden.


    Doch die Angst ist NUR in unserem Kopf. Wir haben in der Vergangenheit anders gefuehlt wie wir die Erinnerung daran haben. Unsere Erinnerung ist komprimiertes Leid. Das Gehirn merkt sich schmerzhafte Ereignisse besser wie schöne. Und indem wir die Angst haben, das Szenario sehen oder durchspielen ist es im Jetzt ECHT. Das Gehirn unterscheidet da auch nicht, ob es wirklich oder vorgestellt ist.


    Und wenn man dann mal in der vielleicht wiederholten Situation ist, merken wir auf einmal, dass es doch ganz ANDERS ist und anders abläuft und wir durch unsere vorherige Angst schon Schmerzen hatten die manchmal sogar schlimmer waren wie in der realen Situation dann an sich.


    Du und Rudi werdet merken, dass ihr viel mehr verkraftet und stärker seid als ihr je gedacht hättet. Und was ich auch erlebt habe... man spuert eine tiefe Liebe in einer Intensität, die man "ohne Krankheit" im normalen Alltag nicht gefuehlt hat.


    Ich denke an Euch beide

  • Liebe Still Crazy

    Diese Rückkoppelungen mit dem zu weiten Hemdkragen sind für mich absolut verständlich. Vor allem finde ich es wertvoll, dass du das so klar definieren kannst. Weiß Rudi das? Könnt ihr über solche Dinge auch reden?


    Dieser erste Gedanke:

    das halt ich nicht noch ein zweites Mal aus. Da gehe ich lieber auch...

    der ist ganz normal und hat nichts mit Suizidgefahr zu tun. Man nennt das "Nachfolge-Gedanken" bei dir wären es wahrscheinlich "Mitgeh-Gedanken". Es ist die Sehnsucht nicht alleine zu sein, gemeinsam dort zu sein. Es ist vielleicht ähnlich wie wenn ein Partner auf Urlaub fährt. Wir wünschen uns dann vielleicht auch, dort zu sein. Vielleicht ein blöder Vergleich.


    Wie geht es dir mit deinem Bruder heute?


    Es ist schön, dass du diese zwei Welten hast. Und dass du deine Zeit mit Rudi auch genießen kannst. Der Schatten:

    wie lang können wir das noch genießen, was wird werden...

    wird dich und euch wohl begleiten. Er kann auch durch die Sonne des Lachens nicht verschwinden - und doch befreit das Lachen.

    Vielleicht könnt ihr auch miteinander lachen UND weinen - je nach dem, was die Situation gerade braucht.


    Ich wünsche euch beiden für den Weg, das ihr einander ehrlich begegnen könnt und euch nicht gegenseitig aus "Schutz" ausschließt. Ich denke, das ist eine große Gefahr. Wenn mein geliebter Mensch leidet, will ich ihn schützen und ihm nicht noch mein Leid aufladen. Dabei ist es schlussendlich doch genau der Schutz, der das Leben schwer macht.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • liebe StillCrazy<3


    "verstehe " es bitte <3 nicht falsch, wenn ich von mir jetzt an DICH schreibe... Es hat durchaus etwas mit der Angst, dass nicht zu schaffen, alles wieder alles GLEICH zu fühlen... zu tun...


    jetzt habe ich doch wieder vieles Geschriebene gelöscht...


    weil deine Gefühle und Gedanken DEINE Gedanken sind...

    VERSUCHE einfach das VERTRAUEN in dich zu haben, dass DU eine wahrhaft beeindruckende Entwicklung HINTER dir hast... damit meine ich nicht deine berufliche, obwohl die einem sehr viel geben kann...


    Es ist eine Empfehlung... obwohl alles jetzt zusammen-fällt... im wahrsten Sinne des Wortes zusammen-fällt...

    Deine Mutter ist gestorben , als dudein 18.tes Lebensjahr erreichtest..

    JETZT bist du 52 Jahre und verabschiedest dich langsam von deinem an Krebs erkrankten PARTNER...

    dass sind zwei "unterschiedliche Beziehungswelten"... LIEBENDE ...gar keine Frage... dennoch "anders"....


    Verzeihe

    es kann eine Täuschung sein ... ich spüre viel familiären Groll bei dir...

    Jeder Groll , jedes Gefühl hat durchaus seine Berechtigung und will GESEHEN und erst einmal ANGENOMMEN werden...ABSOLUT...

    Für den eigenen Seelenfrieden ist es aber nach einem bestimmten Zeitpunkt sehr wichtig , dass man sich im verzeihen übt,,,es klappt nicht immer sofort8)

    Ich schreibe dir das aus vielen eigenen Erfahrungen...:huh::thumbdown:<3:thumbup::saint:

    Wir kommen nicht darum herum....

    Es war und IST unsere Familie...


    Du wirst,<3:24::30:<3

    das ist keine Drohung<3<3<3 sehr, sehr viel körperliche und vor allen Dingen INNERLICHE Kräfte brauchen... in denen wir DIR ja nur virtuell beistehen können....

    also

    VERTRAUE auf ..... mmmhh. Ich nenne es doch einmal so... deine INNERE WEISHEIT , deine INNERE MITTE findend ...DEINE LEBENSENERGIE...

    aber

    bitte nähre sie

    innerlich und äusserlich...

    herzliche , mit-fühlende Grüsse und die wichtigen leider nur gedanklichen Umarmungen<3:24::30:<3

    sendet dir deine Claudia Amitola

  • Danke Euch allen für die lieben Zeilen, jeder Einzelnen!


    Liebe Hedi,

    das was Du da schreibst, ermutigt mich wirklich. Sowas brauche ich so dringned und es tut so gut: dass mir jemand schreibt "du kannst das, du schaffst es".

    Genau das kann ich mir im Moment leider gar nicht zutrauen. Mir fehlen im Moment die emotionale Sicherheit und das Selbstvertrauen dazu. Sowas gehört ja auch zu den Kennzeichen einer Krise, glaube ich, dass man diese Sicherheit nicht hat.

    Deshalb tut es so gut, das von aussen zugesprochen zu bekommen: dass ich es schaffen kann. Bitte mehr von der Sorte ;););)

    ich habe übrigens vorhin nachgesehen: wenn ich das richtig im Kopf habe, hast Du die Seite mit den Lichtblicken voriges Jahr am 21. 3. gestartet - zu Frühlingsbeginn. War wohl keine tiefere Absicht dahinter, das genau an dem Tag zu tun. Ich finde aber trotzdem, dass es ein schönes Zeichen ist.


    Liebe Claudia Amitola,

    ich empfinde keinen Groll, wenn ich über meine Familiengeschichte berichte. Es ist ein Faktum, dass es so war. Hätte es einen Sinn, die Dinge zu beschönigen?

    Meine Eltern waren beide traumatisiert von Krieg und Besatzungszeit, die sie als Kinder miterlebt und zutiefst bedrohlich empfunden haben. Mein Vater war ein unglücklicher und wohl auch an Depressionen leidender Mann (damals hat man das speziell bei Männern ja nicht so genau hinterfragt, ob sie Depressionen haben). All das hat sich sehr negativ auf das Familienleben und uns Kinder ausgewirkt. Da gibt es nichts zu verzeihen, weil niemand Schuld hat. Es war eben so - und so wie es war bzw. wie ich es empfunden habe, beschreibe ich es, wenn mich jemand danach fragt. Natürlich in dem Wissen, dass andere es noch viel schwerer gehabt haben.

    Noch einmal - welchen Sinn hätte es, die Dinge so zu schildern, wie sie nicht waren?


    So, jetzt muss ich wieder arbeiten.


    Euch allen alles Gute :):):)

  • Liebe StillCrazy!


    Ich meine es auch echt ganz so wie ich es gesagt habe.


    Hätte mir jemand gesagt, dass ich so früh Witwe werde, ohne meinen Mann weiter leben soll, niemals hätte ich gedacht, dass ich das irgendwie schaffe.

    Und siehe da: Ich schaffe es und es ist zu überleben.


    Auch du wirst alles schaffen was auf dich zukommt, ganz sicher!

    Nur muss man ehrlich sagen, dass es sich echt manchmal so was von Sch..... anfühlt. Aber das kennst du ja.

    Trotzdem ist es eindeutig zu überleben und auch daran zu wachsen.


    Alles Gute für morgen und heute ein paar unbeschwerte Stunden beim Konzert!

    Lg Hedi

  • Liebe StillCrazy


    dann gerne auch von mir: Du bist schon durch so viele schwere Zeiten gegangen - du kennst den Schmerz und du weißt, dass es wieder leichter wird. Ich bin überzeugt, du schaffst das! :8:Ziemlich sicher nicht hüpfend und jubelnd aber du kannst den Weg gehen, ohne daran zu zerbrechen - auch wenn dein Herz ein weiteres Mal bricht. Ich möchte dir hier eine Geschichte erzählen, vom schönsten Herz im ganzen Tal - und ich bin überzeugt, du hast ein wunderschönes Herz:


    Das perfekte Herz (aus: https://www.trennungsschmerzen…-perfekte-herz-t4111.html)

    Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe.

    Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt.

    Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten.

    Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.

    Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: "Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines."

    Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben,

    es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige

    ausgefranste Ecken..... genau gesagt .... an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an:

    wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?


    Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: "Du musst scherzen", sagte er, "dein Herz

    mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen."

    "Ja", sagte der alte Mann, "Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen,

    dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück

    ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige rauhe Kanten, die

    ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten.


    Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat.

    Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind,

    bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde....und ich hoffe, dass sie eines Tages

    zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?"

    Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.


    Liebe StillCrazy, auch wenn es unendlich schmerzt, dein Herz bleibt verbunden mit der Liebe zu Rudi und er wird immer einen Platz dort haben - denn er ist Teil deines Herzens. Und wenn das gebrochene Herz durch viele Tränen und wütende und beklagte Stunden wieder ein bisschen heil wird, dann - ja dann ist dein Herz dein Herz. :24:

    Lg. Astrid.

  • liebe Still Crazy<3:24:<3

    Jetzt ....

    und Jetzt ....

    und jetzt .....


    Natürlich schaffst du dass<3:24::30:<3:24::30:<3:24::30:<3

    liebe StillCrazy<3

    du hast schon in einigen Berichten gelesen, du bist HIER gerade von lauter Trauernden UMGEBEN...ALLE die hier schreiben

    und

    jeder kennt hier Trauernde die hier NICHT mehr schreiben, weil sie alle ihren jetzt ICH WEG gehen ...mit <3 neuem Partner oder Freunden die sie in ihrem veränderten LEBEN mit-begleiten

    Deswegen

    du schaffst das.... du schaffst das....dur schaffst das<3<3<3<3<3<3<3<3<3<3<3<3

    deine Claudia Amitola


    kein PS


    ich finde GERADE:!::!::!: deine völlig richtige:!::!: Offenheit ...beeindruckend ....<3:thumbup:<3:thumbup:<3


    Ich sehe allerdings einen Unterschied zwischen Groll und Schuld....


    Schuld ... vereinfacht ausgedrückt ... gibt es gar nicht ... sie wird durch die Gesellschaft , die moralische Ansichtsweise definiert...

    Groll ist für mich :!: ein Gefühl...

    Du kannst ja, wenn du WILLST:!: dir mal den Thread "Mütter ...geliebt ... gehasst..." durchlesen...


    JA:!: unsere Eltern waren durch den Krieg traumatisiert .... <3


    und noch einmal

    du schaffst das... du schaffst das... du schaffst das<3<3<3<3<3<3

  • Vielen Dank für die wunderbare Ermutigung und für die berührende Geschichte!!!!!!!!!!!


    Ich bemühe mich darum, meinem Leben "gerecht" zu begegnen. D. h. anzusprechen was schwierig war / ist. Und gleichzeitig zu wissen und mitzuteilen, dass vieles gelungen ist, dass ich mit vielem Glückt hatte.

    Ich bin immer wieder zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Leuten in Kontakt gekommen (sonst wöre ich heute nicht die, die ich bin), ich habe das große Privileg, meinen Begabungen entsprechend leben und arbeiten zu können. Wie viele Frauengenerationen konnten das nicht? Tatsächlich hat sich diese Möglichkeit für breitere Kreise doch erst vor ein paar Jahrzehnten eröffnet. Und das auch nur in den reichen Industriestaaten.


    Ich vergleiche das Leben gerne mit dem Jonglieren: man hat eigentlich zu viele Bälle für die zwei Hände. Trotzdem gelingt es immer wieder. Dann einmal nicht. Dann bückt man sich und fängt von neuem an. So ähnlich sehe ich das, wenn ich meine, das eigene Leben gerecht zu betrachten. Manchmal geraten die Dinge ins Ungleichgewicht, dann ist man entweder mega-glücklich (das geht ja noch, das lässt man sich gern gefallen ;)) oder man leiden unter seinem schweren Schicksal. Dann gilt es eben, neu ins Gleichgewicht zu kommen, die Bälle wieder von neuem in der Luft zu halten.


    Und danke für die Anregung - das mit den Müttern werde ich mir ansehen.

  • Liebe StillCrazy


    was für ein schöner Vergleich mit den Bällen und dem Jonglieren.

    Besonders gefällt mir der Satz:


    Manchmal geraten die Dinge ins Ungleichgewicht, dann ist man entweder mega-glücklich (das geht ja noch, das lässt man sich gern gefallen ) oder man leiden unter seinem schweren Schicksal.

    Egal ob mega-glücklich oder leidend - die Bälle müssen wieder aufgehoben und neu begonnen werden.


    Darf ich dieses Bild für andere wieder verwenden (hier im Forum oder auch im realen)


    Lg. du gefühlvolle, liebende, trauernde, freuende, lachende, weinende, jonglierende Frau. Schön, dass du da bist.

    Astrid.

  • Liebe Astrid,


    jetzt sind mit richtig die Tränen gekommen, als ich Deine Zeilen gelesen habe...

    Natürlich!!!!!!!!!!!! Es ist mir eine große Ehre, wenn Du mit dem Bild vom Jonglieren etwas anfangen kannst und es weiter verwenden möchtest.

    Ich freue mich sehr darüber :28::28::28:

  • Danke. Bilder sind so wichtig. Und für einen Menschen das Passende zu finden ist oft nicht leicht. Um so besser, wenn das Repertoire groß ist. :2::2::2:

  • Heute hatte ich wieder einmal einen Termin bei meiner Psychologin in der Krebshilfe. Und da ist es auch viel um "damals" gegangen. Wie es war, als meine Mutter so krank war, wie ich das erlebt habe - mit meinen damals so beschränkten Möglichkeiten. Da gab es keine Angebote für die Kinder der Kranken, es gab keine Hospizteams, keine Trauerbegleitung - und von Palliativmedizin mit ihrem speziellen Wissen war damals in meinem Umfeld auch kaum etwas spürbar. Allenfalls ein Hausarzt, der von gewissen Therapien abriet, weil sie mehr Belastung als Nutzen gebracht hätten.

    Tja... so war es damals in der ersten Hälfte der 1980er Jahre...


    Ich schreibe das jetzt nicht, um zu jammern. Vielmehr ist mir da schon wieder klar geworden, wie "gut" ich trotz der widrigen Möglichkeiten mit der Situation zurecht gekommen bin. Ich meine: ich musste folgsam sein, durfte also so manches nicht, was mir vielleicht gut getan hätte (einfach allein fortfahren und Verwandte besuchen z. B.). Es gab keine Handys und keine E-mails, wenn ich Leute angerufen habe und Trost gebraucht hätte, habe ich also oft niemanden erreicht. Weil die Leute nicht daheim waren.


    Und trotzdem habe ich es geschafft, Unterstützung zu finden. Trotzdem hatte ich ganz viel Positives in meinem Leben.

    Ich hatte einen Brieffreund in England. Ich war gut in der Schule. Ich habe ein Café entdeckt, in dem ich gern gesessen bin und den Spiegel gelesen habe.

    Es hat in jeder Phase (nach der Diagnose, während ihrer Krankheit, rund um ihr Sterben, in der Zeit danach) immer wieder Dinge gegeben, die mir Freude bereitet haben. Ich habe Menschen kennengelernt. Ich habe ein Studium begonnen. Ich habe gelacht. Ich habe mich über den Sommer gefreut.

    Ich habe es geschafft, auch das Gute zu sehen. Wenn ich mich jetzt zurück erinnere, dann weiß ich: es war unglaublich schmerzhaft, aber es hat nicht mein ganzes Leben zunichte gemacht. Da gab es trotzdem Dinge wie Freundschaft, Neugier (bei mir ganz wichtig), Lebenshunger.


    Jetzt, während ich darüber schreibe, fällt mir auf, wie viel (trotz allem) "gut" war.

    Seltsam: auch in Therapien ist es so oft darum gegangen, wie schwierig diese Zeit war. Und das war sie ja auch! Und natürlich habe ich schon auch darüber gesprochen, was ich damals interessant gefunden habe, oder welche Formen der Unterstützung ich hatte.

    Aber dass ich systematisch das "Gute" während dieser Zeit betrachtet hätte, das war nie der Fall....

    Jahrzehnte lang nicht. Könnt Ihr Euch das vorstellen??????

  • Eine sehr schöne Erkenntnis....


    <3

    Die Wahrheit triumphiert nie, nur ihre Gegner sterben aus (Max Planck)


    rilke.de/briefe/160703.htm


    VORÜBUNG FÜR EIN WUNDER


    Vor dem leeren Baugrund
    mit geschlossenen Augen warten
    bis das alte Haus
    wieder dasteht und offen ist

    Die stillstehende Uhr
    so lange ansehen
    bis der Sekundenzeiger
    sich wieder bewegt

    An dich denken
    bis die Liebe
    zu dir
    wieder glücklich sein darf

    Das Wiedererwecken
    von Toten
    ist dann
    ganz einfach

    (Erich Fried)