Meine Liebste ist gestorben. Nur noch Leere und Verzweiflung

  • Lieber Josh,


    erstens sehe ich, dass du wieder lebst und liebst, das alleine ist doch schon schön! Versuche mit ihr wirklich ehrlich zu sein, sag ihr deine Bedenken, lass dich zu nichts zwingen, versuch aber auch nicht, sie zu ändern - du wirst es nicht schaffen.

    Vielleicht gelingt auch unter diesen Bedingungen eine Beziehung, ich wünsche es dir,

    liebe Grüße

    Mowi

  • Liebe Mowi,


    vielen Dank. Wir haben gestern Abend lange geredet.


    Wir versuchen, einander gut zu tun.


    Wir geben einander Zeit.


    Wir geben uns Freiräume.


    Es gibt kein hin und her mehr. Wir sprechen uns rechtzeitig ab, ob wir ein Wochenende gemeinsam verbringen wollen.


    Es gibt keine Spirituosen mehr.


    Sie akzeptiert, wenn ich nicht trinken will.


    Jetzt schauen wir mal, was die Zeit bringt.


    Kummer bereitet mir immer noch der Alkoholkonsum. Und ich weiß, dass ich ihr da kaum helfen kann. Der Süchtige muss selbst erkennen, dass er ein Problem hat und willens sein, dieses zu lösen. Leider erkennen das die meisten erst, wenn sie ganz unten sind. Von Außen kann man das kaum beeinflussen, außer durch Vorbildfunktion. Ich spreche da von beruflicher wie auch privater Seite aus Erfahrung.


    Viele Grüße

    Josh

  • Das klingt doch erstmal sehr passend!


    Sucht kann nur von jedem selbst beendet werden. Und wenn du schreibst, dass du auch berufliche Erfahrung hast, dann weißt du auch, welch schwerer Weg es ist. Ich finde, es gilt IMMER wertschätzend und achtsam mit dem Menschen zu sein. Gemeinsam zu überlegen, welche anderen Möglichkeiten es gibt, statt dem Suchtmittel. Wenn sie z.B. immer trinkt, wenn sie alleine ist, zu überlegen, was das Alleine sein leichter machen kann.

    Und es gilt absolut KLAR gegenüber der Sucht zu sein. Ich will nicht dass du trinkst, denn du bist mir wichtig. Wenn du es tust, verurteile ich nicht dich, sondern den Teil in dir, der sich nicht gegen die Sucht wehren WILL.


    Ein nicht Können im Moment ist eine andere Sache, als ein nicht Wollen.


    Ich wünsche dir auf jeden Fall jetzt wunderschöne Momente mit A. Vielleicht spielt mit der Zeit der Alkohol keine so große Rolle mehr, wenn sie sich geborgen fühlen darf. Vielleicht - ich würde es euch beiden wünschen (auch wenn ich weiß, dass es kaum möglich ist und der Weg ein langer sein wird) so ist der Wunsch, dass ihr euch gegenseitig wohl tut.


    Lg. Astrid.

  • Ach Astrid, sie weiß um ihr Alkoholproblem. Wir haben da ausführlich darüber geredet, ich bin da sehr direkt. Sie hat es bereits seit 20 Jahren und auch schon einen Entzug hinter sich, aber den hat sie nur gemacht, um den Führerschein wieder zu bekommen. Sie ist nicht gewillt, es zu lösen. Sie trinkt, wenn sie alleine ist und sie trinkt, wenn sie in Gesellschaft ist. Sie hat einen Job, bei dem sie noch bei der Kundschaft das eine oder andere Glas Sekt trinkt und danach Auto fährt. Da mache ich mir große Sorgen. Um sie und um andere.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Lieber Josh,

    hast Du noch nicht genug Sorgen?

    Am Anfang einer Beziehung oder Freundschaft möchte ich mir keine Sorgen machen, sondern da soll es stimmig sein.

    Alkoholismus ist für mich keine Krankheit. Jeder hat Probleme, jeder hat mal ne Phase mit mehr Alkohol, und dann soll es wieder gut sein. Wer danach zu Alkohol oder Drogen greift hat es selbst so gewollt. Jeder weiss heutzutage um die Gefahren. Das ist meine Meinung zu dem Thema.

    Ich hatte einen Kollegen, zu dem sich eine Freundschaft entwickelt hat. Dann rückte er mit der Sprache von wegen alkoholkrank raus. Ich habe ihn Monate lang unterstützt, seine Arbeit zum Teil mit erledigt ( wir teilten uns eine Abteilung) war auch privat für ihn da und habe ihn bei einem Entzug unterstützt. Dafür hat er mich belogen, gekränkt, und ist wieder rückfällig geworden. Ich kann Dir nur eins sagen: mein Leben gehört mir und es ist zu kurz, um sich zu "opfern"

    Ich kann mir vorstellen, das Du nicht gern allein bist und auch mit Deinem Verlust kämpfst. Ich finde auch nichts daran, wenn Du Dich verliebt. Du hast in Lebzeiten treu für Deine Freundin gesorgt. Chapeau.

    Aber mit Verlaub, es gibt viele viele Menschen die allein leben. Ohne Alkoholproblem.

    Ich kann den Beitrag wieder löschen, wenn er Dir zu direkt ist.

    Liebe Grüße Ros

  • Liebe Ros,


    vielen Dank für Deine aufrichtigen Worte.

    Ich kenne A. schon lange und sie liegt mir am Herzen. Jetzt tut sie mir gut. Wohin der Weg führt, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich sie nicht nach ganz unten begleiten werde. Ich weiß, wie viel Kraft ich habe und ich kenne meine Grenzen.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Liebe Ros,


    Alkoholismus ist keine Krankheit ????


    Da hat sich aber in den letzten Jahren viel getan.


    Oder hast DU ein neues medizinisches Buch aufgelegt.


    Mit neuen Erkenntnissen, die ich leider nicht finden kann.


    Dann entschuldige ich mich natürlich bei DIR.


    GOOGLE doch mal !!!!





    Lieber Josh,


    Aber ich weiß, dass ich sie nicht nach ganz unten begleiten werde. Ich weiß, wie viel Kraft ich habe und ich kenne meine Grenzen.

    dieser Satz erinnert mich an unsere "sogenannten" Freunde.


    Jetzt tut sie mir gut.


    So lange Rosi gesund war und geben konnte, da standen sie Schlange bei ihr.


    Bei ihrer Krankheit verabschiedeten sie sich nach und nach.


    Und die letzten, sehr schweren Jahre von Rosi, da waren nur noch sehr wenig, selbst krank, da.



    DU BIST EIN GUTER FREUND FÜR A. !!!!!!!!!!!


    Liebe Grüße,

    Uwe.


    PS.: Warum rege ich mich überhaupt auf, kostet viel Energie. Bei gewissen Sachen sollte ich mir "Scheu-Klappen" aufsetzen,


    das lässt unsere Pferde auch ruhiger durch das Leben traben. Oder ich halte mich an die drei Affen. Daran halten sich ja die


    meisten Menschen und wenn dann was passiert, dann ist das Geschrei groß.

  • Iiebe Ros, lieber Josh,


    ich muss Uwe Recht geben, Alkoholismus ist eine Krankheit, Hinweise es sei längst bekannt das Alkohol,Heroin oder Kokain irgendwann abhängig machen können , aber auch nicht in jedem Fall müssen, führen zu nichts.


    Diejenigen die süchtig sind haben auch nichts von Schuldzuweisungen in der Art, Du hättest das wissen müssen das es so kommt, hör einfach wieder damit auf. so einfach ist es nicht. Ich spreche aus Erfahrung mit Suchtmitelkranken in meiner Familie, Freundes und Bekanntenkreis-


    Mehr will ich nicht schreiben, mich hat bereits gestern erschüttert was ich hier gelesen habe. Falls dieser Post nicht gewünscht ist, kann ich ihn gerne wieder löschen.



    LG Gabi & Mäuschen

  • Ihr Lieben,

    es geht doch hier um Josh und darum, wie er mit seiner Trauerbewältigung und mit dem Problem von A. klarkommen kann.

    Ich verstehe was Ros meint. Er hat nicht nur seinen Berg zu erklimmen, sondern noch einen zweiten, vielleicht sogar viel höheren.

    Josh, du schreibst selbst, dass du weißt wieviel Kraft du hast. Und das ist gut so.

    Bitte gebe auf dich acht.

    LG Petra

  • Liebe Petra,


    es ist schön, dass DU Ros und Josh verstehst.


    Das ist deine Meinung und die akzeptiere ich, da es einfach zu langatmig werden würde,


    wenn ich nun permanent meinen Senf hinzugebe.


    Ich habe nur Mitleid mit A.


    Sie wird hier bewertet.


    Auch ohne Nennung eines Namens handelt es sich hier um einen lebenden Menschen.


    Wie schrieb ich mal: Trauernde werden wie Aussätzige behandelt.


    Darunter leiden wir.


    Hier ist es nun ein alkoholkranker Mensch.


    Wie wird er behandelt ???????????


    Wir müssten doch wohl gelernt haben.


    Das habe ich zum Ausdruck gebracht.


    Ich bleibe ja auch noch nett bei meinen Ausführungen.


    Würde lieber in einer anderen "Sprache" schreiben.


    Das ist aber nicht erlaubt.


    Damit ist das Thema für mich beendet.


    Ich bin masslos enttäuscht, sogar traurig.


    Keine lieben Grüße,

    Uwe & Prinz & Thunder.

  • Lieber Uwe,


    wenn ich die Beweggründe eines Menschen nicht verstehe, versuche ich mich in seine Lage zu versetzen. Das ist nicht schwer, da wir hier alle das gleiche Los haben.

    Wir haben alle mehr oder weniger ausführlich unsere schreckliche Geschichte geschildert, die wir bis jetzt nicht verarbeitet haben - und ich spreche jetzt nur für mich - und wohl nie verarbeiten werden kann.


    Ich frage mich jeden Tag, wie ich weiter leben soll ohne meinen geliebten Menschen, wie ich meine Trauer noch länger ertragen soll. Wie ich die Erinnerungen an die schwerste Zeit in meinem Leben verarbeiten kann.

    Jetzt und unter diesen Bedingungen verlangt man von mir, noch zusätzlich die Verantwortung für einen schwerkranken Menschen zu übernehmen, der seine Krankheit nicht als solche akzeptiert und selbst nichts dazu beiträgt, diese Krankheit loszuwerden.

    Natürlich möchte ich diesem Menschen helfen, weil ich ihn mag. Ich weiß aber auch, dass meine Kraft nicht ausreichen wird für diese Schwerstarbeit. Dass ich endgültig daran zerbrechen werde.


    Dürfen wir von jemandem verlangen, die Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen? In welchen Gewissenskonflikt bringe ich ihn damit und wie wird er damit umgehen?


    Gibt es keine andere Lösung, die wir ihm anbieten könnten?


    LG Petra

  • Grüße euch alle hier,

    ich bin gerade sehr ambivalent.

    Natürlich gönne ich dir Josh, dass dir das Zusammensein wohl tut.

    Auf jeden Fall bin ich auch bei Uwe, der meint, dass kein Mensch ausgenutzt oder bewertet werden soll.

    Ich finde es sehr wertschätzend von Uwe, dass er seine Wut in solch freundliche Worte fasst. DANKE dir dafür!


    Auch ich habe Probleme damit, wenn einem kranken Menschen (Und SUCHT IST eine KRANKHEIT!) eine Hoffnung gemacht wird

    und wenn es dann nicht mehr wohl tut, dann wird er fallen gelassen. Ja, das ist wie bei Menschen in der Trauer. So lange sie

    funktionieren, dürfen sie am Leben teil haben. Nur wenige werden auch so genommen, wie sie sind, wenn es gerade dunkel und

    schwer ist.


    Noch immer finde ich, dass mit der Sucht radikal umgegangen werden soll: Ich mag nicht, dass du so viel trinkst und dich damit kaputt machst. Oder sogar: Die Sucht mach dich und mich kaputt.

    Und ich finde noch immer, dass der Mensch achtsam und wertschätzend behandelt werden soll: Du bist mir wichtig, ich möchte, dass es dir gut geht.


    Was mir absolut nicht gefällt, ist ein Denken, dass ich den Weg so lange mitgehe, solange es für mich gut ist. Wie Uwe schrieb: Erinnert euch das nicht an etwas in eurem Leben? Ihr kritisiert alle, wie unsensibel und wenig empathisch das Umfeld ist. Und jetzt wird genau so eine Haltung unterstützt?


    Lieber Josh, natürlich gönne ich dir, dass dir das Zusammensein wohl tut. Doch bitte bedenke auch, in welche Tiefen du A. stürzt, wenn du sie dann, wenn deine Kraft nicht mehr reicht, wenn deine Grenzen erreicht sind, fallen lässt. Sie ist ein WERTVOLLER MENSCH, wie du und ich. Sie hat es nicht verdient, als Übergangsfreundin herzuhalten. Es tut mir leid, doch dieses Wort ist mir gerade in den Sinn gekommen und ich konnte nicht anders als es aufzuschreiben, denn es ist das, was bei mir nach deinem letzten Post, anklingt:

    Ich kenne A. schon lange und sie liegt mir am Herzen. Jetzt tut sie mir gut. Wohin der Weg führt, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich sie nicht nach ganz unten begleiten werde. Ich weiß, wie viel Kraft ich habe und ich kenne meine Grenzen.

    Also, wenn dir A. am Herzen liegt, dann sei wertschätzender mit ihr.

    Sei ihr dankbar, dass sie dir jetzt gerade wohl tut.

    Wohin der Weg führt wissen wir nie.

    Dass du den Weg nicht mit ihr zu Ende gehen willst, das erschüttert mich - das klingt nach ausnützen für mich.

    Die eigene Kraft und die Grenzen zu kennen ist die eine Sache, was ist mit der Kraft und den Grenzen von A.? Und was ist, wenn sie dich fallen lässt, weil ihre Kraft und ihre Grenzen erreicht sind? Und was ist, wenn sie gerade in schwersten Zeiten deine Nähe und Kraft braucht und du sie nicht gebe kannst?

    Willst du wirklich auf diesem Hintergrund eine Beziehung führen?


    Ja, es ist gerade sehr schwer, weil du noch sehr trauerst. Und Ja, du hast das Recht auch wieder Freude im Leben zu haben. Und Ja, ich gönne es dir von Herzen. Doch ich mache mir Sorgen um A. Und ich mache mir Sorgen um dich.

    Ihr braucht beide Hilfe und vielleicht könnt ihr euch die auch gemeinsam holen. Ihr könnt euch nicht gegenseitig helfen. Ich könnt schon zu Beginn eurer Beziehung eine Therapie machen - du aus der Trauer heraus, sie aus der Trauer und der Sucht heraus. Gemeinsam könntet ihr es schaffen, wenn es euch Wert ist.

    Mir kommt gerade eine Frage in den Sinn: Hat sich die Alkoholsucht entwickelt oder verstärkt, als der Sohn von A. gestorben ist?


    Ich hoffe, dass dich meine Worte nicht zu sehr verärgern, sondern dass sie dich zum Denken anregen.


    Immer noch liebe Grüße

    Astrid.

  • Mir kommt gerade eine Frage in den Sinn: Hat sich die Alkoholsucht entwickelt oder verstärkt, als der Sohn von A. gestorben ist?

    Nein, sie ist schon seit 20 Jahren alkoholkrank.


    Ihr Lieben,


    manche Beiträge lassen mich nur den Kopf schütteln. Ich habe in meinem Leben doch schon einiges hinter mir und bislang JEDEN Menschen unterstützt, so lange meine Kraft reichte.


    Jetzt lasse ich mal die Hosen runter. Und verzeiht, wenn meine Wortwahl meinem damaligen Empfinden entspricht.


    Zunächst zum Thema Alkohol. Damit bin ich bestens vertraut. In meiner Jugend habe ich gesoffen wie ein Loch. Vor ca. 28 Jahren hatte ich drei Jahre lang einen Nebenjob in einer Kneipe, immer Sonntags von 11 - 18 Uhr. Um 11:05 hatte ich den Würfelbecher in der Hand und diesen erst um 18 Uhr wieder weggelegt. Meistens machte ich danach noch vor dem Tresen weiter. Um 11:10 floss schon der erste Whisky durch meine Kehle. Hinterm Tresen verträgt man mindestens vier mal so viel wie vor dem Tresen. Es gab dort eine Sorte Whisky, welche nur ich getrunken habe. Zu meinen "Glanzzeiten" trank ich eine Flasche Whiskey und etliche Weinschorle während der Arbeit. Irgendwann mal machte mich einer der größten Säufer darauf aufmerksam, dass ich schon die zweite Flasche Whisky an den Spender hänge. Da hat es bei mir klick gemacht. Wenn mir ein Säufer sagt, dass ich ein Säufer sei, dann musste da was dran sein. Ich war stark alkoholgefährdet, vielleicht sogar schon abhängig.


    Ich habe am nächsten Tag meinen Nebenjob gekündigt und ein Jahr lang überhaupt keinen Alkohol mehr getrunken. Zum Glück hatte ich keinerlei Entzugserscheinungen und ich habe den Alkohol auch zu keiner Zeit vermisst. Irgendwann dann begann ich wieder, ab und zu Alkohol zu trinken. In Maßen und höchstens an den Wochenenden. Und dann nur gute Sachen, und dann nur ein Glas. Nein, ein Heiliger bin ich nicht, wenn eine Party ist, lasse ich es auch heute noch krachen, aber das passiert noch zweimal im Jahr.


    Und ich kenne alle Ausreden von alkoholkranken bzw. alkoholgefährdeten Menschen, habe ich sie doch lange selbst verwendet. Und ich habe viele Menschen am Alkohol zugrunde gehen sehen. Ich habe damals eine Initialzündung bekommen und bin rechtzeitig dem Teufel von der Schippe gesprungen. Wie gerne würde ich A. eine solche Initialzündung geben können.


    Weitere Süchte, mit denen ich Bekanntschaft gemacht habe.


    Da ist die Eifersucht, einhergehend mit Verlustangst. Vor 20 Jahren hatte ich eine Beziehung mit T. Sie erzählte mir, dass sie als Säuglinge zur Adoption freigegeben wurde und seither unter Verlustangst leide. Ich dachte mir, egal, das schaffst Du schon, mit Deiner grenzenlosen Liebe kannst Du ihr helfen. Ich gab T. nie auch nur einen einzigen Grund zur Eifersucht. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich erlebt habe. Ich durfte weder Duschgel noch Deo wechseln, weil mir sonst unterstellt wurde, dass ich bei einer anderen Frau war. Benutzte ich einen anderen Weichspüler, wurde sie eifersüchtig, weil ich anders roch.


    Zu der Zeit war ich beruflich viel unterwegs und musste in Hotels übernachten. Da ich im sozialen Bereich tätig bin, arbeite ich überwiegen mit Frauen zusammen. T. verbot mir, abends mit meinen Kolleginnen essen zu gehen. Selbst daran habe ich mich gehalten. Eines Abends ging ich aus dem Hotel um noch eine zu rauchen, da sah ich ihr Auto. Sie hatte sich krankschreiben lassen und mehrere Nächte vor meinem Hotel verbracht, um mich zu kontrollieren. Dazu ist sie eigens 220 Kilometer gefahren.


    Wir redeten und redeten darüber, ich bat sie, eine Therapie zu machen, ich bot ihr eine Paartherapie an. Vergebens. Nach einigen weiteren Vorfällen dieser Art habe ich sie verlassen. Ich konnte nicht mehr, die Kraft war am Ende. Und ich bin kein Therapeut. Und ich wurde allmählich selbst krank.


    Dann kam ich vom Regen in die Traufe. Ich lernte H. kennen. Nachdem wir einige Wochen zusammen waren, beschlossen wir, gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Am Vorabend der Fahrt erzählte sie mir, dass sie Bulimie habe, einhergehend mit selbstverletzendem Verhalten. Wir redeten den ganzen Abend darüber und wieder kam mir der Gedanke, dass ich ihr mit meiner großen Liebe helfen könnte. Diese Beziehung hielt zwei Jahre. Ich bin Hedonist, ein Genussmensch. Ich gehe gerne essen. Das ging alles mit ihr nicht. Irgendwann fiel auch meinem Freundeskreis ihr seltsames Verhalten auf und ich begann zu lügen, erzählte was von Lebensmittelallergien.


    Alle zwei Tage brach sie einen Streit vom Zaum. Sie fuhr dann nach Hause bzw. ich ging dann. Nach unserer Trennung erzählte sie mir dann, dass sie das bewusst gemacht habe um alleine ihren Ess- und Brechanfällen nachgehen zu können.


    Sie hatte bereits eine Therapie hinter sich. Diese hatte sie nur auf den Wunsch ihres Vaters gemacht und ging mit dem festen Vorsatz in die Therapie, nachher genauso weiter zu machen. Ich sprach sie auch ein paar mal auf eine Therapie an, nein, sie wollte nicht.


    Diese ewigen Streitereien machten mich fertig. Ich war mit meiner Kraft am Ende. Und ich bin kein Therapeut. Ich trennte mich von ihr.


    Ach, ihr lieben Leute, ich kenne mittlerweile meine Grenzen. Und natürlich will ich A. helfen, für sie da sein, sie unterstützen. Aber alkoholkranke Menschen müssen oft ganz unten sein, um ihr Problem anzugehen. Oftmals gehen sie erst in den Entzug, wenn sie keine Perspektive mehr sehen, von allen verlassen werden. Ich kenne mich da sehr gut aus, glaubt es mir.


    Und ich kann auch A. nur Kraft und Unterstützung geben, so lange ich Kraft habe.


    Gestern Abend hat sie mich überraschend besucht. Leider hatte ich noch eine Flasche Sekt im Kühlschrank und sie trank diese. Ich habe nicht mitgetrunken.


    Wir haben viel geredet. Sie hat viel mehr Seelenschutt als ich abzuladen. Darüber will ich mich aber hier nicht auslassen.


    Silvia konnte ich bis an ihr Ende begleiten. Es hat mich unglaublich Kraft gekostet. Sie nahm meine Hilfe gerne an. Ich konnte sie stützen, ihr Kraft und Halt geben, ihr Hoffnung geben.


    Ich möchte A. auch Kraft und Halt geben, glaubt es mir. Und ich liebe diese Frau.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Vielleicht eine dumme Frage, doch was könnte eine Initialzündung bei A. sein?


    Ja, du hast schon viel durch in deinem Leben und ich weiß nur zu gut, dass kein Mensch durch die Liebe eines anderen gerettet werden kann. Dass es immer die Selbstliebe dazu braucht.


    Vielleicht ist es verständlicher, was ich meine, wenn ich es (hoffentlich) in Kürze versuche.


    Es klingt für mich berechnend, wenn du schreibst, dass sie dir im Moment wohl tut ... und wenn es schwer wird, bleibe ich bei mir.


    Ja, das ist Selbstfürsorge, doch es muss geklärt sein. Zwischen euch. Ich denke auch, dass es vielleicht eine Initialzündung werden kann, wenn du ihr heute schon sagst, ich gehe mit dir den Weg so lange ich kann, wenn der Alkohol unsere Beziehung oder Dich oder meine Gefühle für dich zu zerstören droht, dann kann ich nicht bei dir bleiben. Ich werde dir aber sagen, wenn es so weit ist. Dann kannst du immer noch entscheiden, ob du den Weg mit mir oder mit dem Alkohol gehen magst. Und dieser Entscheidung müssen Taten folgen, die nicht nur sichtbar, sondern im Leben spürbar sind.


    So wäre es für mich nicht mehr berechnend. Es wäre eine klare Aussage und du gibst ihr die Verantwortung, die du nicht tragen KANNST!


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Ach Astrid, das geschriebene Wort. Das kann immer irgendwie interpretiert werden. Ich denke, im persönlichen Gespräch würden wir uns besser verstehen.


    Und ja, wir reden auch über den Alkoholkonsum. Und ja, auch was Du schreibst, habe ich angesprochen. Ein erster Schritt ist ja immerhin die Abmachung, keine Spirituosen mehr zu trinken.


    Und berechnend bin ich nicht. Ich bin ein absoluter Gefühlsmensch. Ein Gefühlsmensch mit Erfahrungen.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Liebe Tina, ich danke Dir.


    Das Wochenende. Heute vor einem Jahr ist meine Mutter gestorben. Heute werde ich also zwei Friedhöfe besuchen und mich heute Abend vermutlich meiner Trauer hingeben.


    Morgen gehe ich mit A. essen. Ich bestelle dann zwei Prisecco (alkoholfrei) und eine Flasche Mineralwasser. Wenn sie Wein trinken möchte, soll sie das tun. Wenn sie nach dem Essen Schnaps bestellt, haben wir Redebedarf. Aber ich freue mich auf den morgigen Abend.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Lieber Josh,


    die Worte von Astrid


    .... ihr könnt euch nicht gegenseitig helfen, ihr braucht beide Hilfe ...


    könnten doch ein Lösungsansatz sein.


    Vielleicht findet ihr hier einen für beide gangbaren Weg.


    Liebe Grüße

    Petra