Verlust der Mutter und jetzt der Vater

  • Dass ich jetzt frei wäre haben mir auch viele gesagt. Ich finde das nicht gut. Klingt ja so wie, zum Glück bist du sie los.

    So mag ich gar nicht denken.


    Das Laufen mit dem Kollegen war super. Ich konnte selten mit wem so gut reden wie mit ihm.
    Er hat auch nicht so komische Sachen gesagt sondern einfach zugehört und mitgefühlt.
    Seine Frau war sogar extra vor gelaufen, damit ich unbefangen erzählen kann. Weil ich sie nicht kenne. Das fand ich wirklich großartig.

    Ich habe morgen ein vor Infogespräch für eine Trauergruppe. Ich bin mal gespannt, was mich da erwartet.

  • Liebe Eva!

    Das war doch ein positives Ereignis.Ja und das tut gut,wenn man mit einbezogen wird.

    Viele wollen gar nicht mehr darüber reden,weil sie nicht wissen wie man mit

    so etwas umgeht.Du weißt was dir gut tut und wenn dich der Kollege nochmal fragt,mitmachen.

    dann kommt man wenn auch nur kurz mal etwas auf andere Gedanken.

    Und die Menschen,die selbst schon einen Verlust erlitten haben,können besser mit so etwas umgehen,

    das stimmt.Liebe Grüße Helga

  • Hallo Eva,


    es ist schön zu lesen, dass du jemanden gefunden hast, der nachvollziehen kann wie du dich fühlst. In meinem Freundeskreis gibt es nur eine Person, die jemanden plötzlich verloren hat. Und tatsächlich ist es so, dass nur sie die richtigen Worte finden kann. Und es mir am meisten hilft mit darüber zu sprechen. Wir hatten davor gar nicht all zu viel miteinander zu tun, aber nach dem Tod meiner Mutter hat sie mich auch immer gefragt ob ich sie irgendwo hin begleiten möchte oder ob wir einfach so zusammen was machen wollen. Sie hat dafür gesorgt, dass ich nicht all zu tief in das riesige Loch falle. Durch sie hab ich auch andere Menschen viel besser kennengelernt und bin heute enger mit ihnen befreundet als vorher. Weil sie sich auch immer mit Gedanken gemacht haben, ob ich nicht einfach mal mit essen kommen möchte z.b.
    Das Bild meiner Mama steht an meinem Bett mit ihrer Kette und ihrem Ring daneben. Aus beruflichen Gründen kann ich die Sachen selbst nicht tragen. Bzw hab ich eher Angst davor, dass mir die Dinge doch mal verloren gehen. So hab ich abends, wenn ich ins Bett gehe, für mich die Gewissheit, dass sie über mich wacht. Manchmal denk ich es ist zu wenig. Ich würd gern etwas bei mir tragen was ich den ganzen Tag bei mir habe. Aber bis jetzt hab ich da noch keine Lösung gefunden...


    Ich wünsche euch einen schönen Abend.

  • Dass ich jetzt frei wäre haben mir auch viele gesagt. Ich finde das nicht gut. Klingt ja so wie, zum Glück bist du sie los.

    Liebe Eva,

    wenn du den Satz mit der Freiheit für dich so umdenkst:


    Jetzt ist sie frei von ihrem Leiden und ich frei von der Pflege.

    Jetzt sind wir verbunden durch unsere Liebe und ich kann

    die Zeit wieder freier einteilen.


    Wie klingt das für dich?

    LG. Astrid.

  • Das klingt besser. Vielen Dank!

    Ich habe mich heute ein wenig geärgert. Ich suchte Leute, die am Samstag die Wohnung ausräumen mit mir. Zwei, von denen ich sicher war dass sie mir beistehen, kommen jetzt nur mit zeitliche Einschränkung. Die eine will nachmittags Fußball gucken, die andere mit ihrem Freund ausgehen. Vielleicht bin ich zu empfindlich, aber das verstehe ich nicht unter „wir sind immer für dich da“.
    Wenn ich sowas bei jemanden machen müsste wäre ich erst dann weg, wenn die Arbeit erledigt ist.

  • Liebe Eva!

    Ja das sagen viele,wenn du mich brauchst bin ich da,aber jetzt siehst du es.Auf Fussball kann man verzichten oder es aufnehmen

    und das ausgehen mit dem Freund kann auch mal etwas später stattfinden.Nur Ausreden.Wenn ich mal etwas verspreche dann

    halte ich es auch und wenn mir einfallen würde ,oh,dann fällt es weg.Zugesagt ist Zugesagt.Ich hoffe,das es einigermaßen klappt.Liebe Grüße Helga

  • Nein, liebe Eva, wir sind nicht zu empfindlich. Helga hat Recht, dass sind nur Ausreden. Ich habe festgestellt, dass die immer wieder sagten "melde dich wenn du Hilfe brauchst, bin zu jeder Zeit für dich da" verschwunden sind. Zwei meiner besten Freunde haben mich in einer Sache total im Stich gelassen. Ich bin nicht mehr wütend auf die, sondern zutiefst enttäuscht. Und von manchen Anderen total überrascht, weil die von sich aus, Hilfe anbieten, womit ich nie gerechnet habe.


    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass alles klappt.


    Liebe Grüße

    Sveti

  • Danke, sveti und hasi!

    Ich verstehe es wirklich nicht, wie man sowas sagen kann wenn jemand gerade in einer Situation ist wie ich. Wie gesagt, andersrum würde ich bei jemandem helfen, egal wie lange es dauert. Es hat sich doch niemand so eine Situation zum Spaß ausgesucht.


    Aber daran sieht man doch, wie ich bezogen manche Menschen doch sind. Aber du hast recht, sveti, Es gibt auch andere Menschen. Zum Beispiel hat der Kollege, mit dem ich laufen war, spontan seine Hilfe angeboten. Ganz von alleine, das fand ich total nett. Wenn es wirklich so ist, dass die zwei Freundin mich am Samstag nach der Hälfte stehen lassen, werde ich mich auch von denen abwenden. Sowas kann ich einfach niemanden vergessen.


    Mein Bruder und ein ziemlich guter Freund sind beide jeweils mit ihren Familien gerade im Urlaub. Mein Bruder schickt mir ständig Bilder von seiner Familie und ihm am Strand.

    Von den Kindern, Sonnenuntergänge Sonnenaufgänge… Ich kann es irgendwie nicht sehen. Es tut mir fast leid, aber im Moment ist es einfach nicht der richtige Moment für sowas. Ich sitze hier mit der ganzen Arbeit alleine, da kann ich mich auch nicht für andere freuen.

    Er meint es aber wahrscheinlich nur gut, denke ich mir mal so. Deshalb schreibe ich auch einfach was gezwungenes freundliches zurück. Er ist eben der Rest der Familie den ich noch habe. Da will ich nicht riskieren, dass wir uns irgendwie streiten.


    Gerade habe ich mich über WhatsApp dann mit dem guten Freund gestritten, der auch im Urlaub ist. Seit dem Tod meiner Mutter haben wir uns nicht einmal persönlich länger unterhalten können. Er hat auch nie gefragt, ob wir uns mal treffen wollen. Das fand ich schon blöd. Und jetzt fragt er mich Sachen aus dem Urlaub per WhatsApp. Die einfach nicht in Nachrichten zu fassen sind. Ich habe ihn jetzt gefragt, warum er mich das per Nachricht fragt. Daraufhin meinte er, er wüsste nicht was mit mir los ist und könnte das auch lassen. Ich fühle mich einfach unverstanden. Er hatte sich vorher mit mir treffen können, oder er soll anrufen aber manche Dinge kann man einfach nicht per Nachricht besprechen.

    Heute ist irgendwie alles doof. Gerade wurde das Auto meiner Mutter zum Verkauf abgeholt. Das war noch mal echt schwierig. Ich habe immer noch vor Augen, wie sie da drin saß als ihr noch gut ging. Sie war so eine lebenslustige, fröhliche Frau. Ich habe dem Auto alles Gute gewünscht, dass es seinen neuen Besitzern Glück bringt und sie immer gut nach Hause bringt. Irgendwie war ich echt emotional. Obwohl es nur ein Gegenstand ist.

  • Hallo Eva,


    mir kommt das Alles nicht unbekannt vor was die Hilfe, dass für Dich immer da sein usw angeht.

    Wenn ich etwas verspreche, dann halte ich das ein, Punkt. Und diese Ausreden sind immer die selben...Fussball, noch Essen gehen, noch Jemand anderen helfen müssen, usw ...


    Bei mir ist es leider so, dass ich mich immer gerne freiwillig bereit erklärt habe mitzuhelfen wenn zb ein Umzug anstand, und wenn ich nun zb bei einem Umzug Hilfe gebrauchen kann, wird das sehr schwierig werden auch nur 1nen zu finden, der mir mithelfen wird.

    Bei mir steht nun kommenden Monat auch ein Umzug bevor, da ich eine andere Wohnung gefunden habe. Wie ich den bewerkstellige werde muss sich aber erst noch zeigen. Denn freiwillig bietet sich mir zb Niemand an das er mir ja helfen könnte dabei...obwohl sie es wissen.

    da herrscht wie üblich das schweigen im Walde. Und ich frage ungern nach oder bitte darum ob man mir nicht helfen könne.

    Oder wie Sveti schon richtig schreibt, dann sind sie plötzlich verschwunden.



    Ne, dann frage oder besorge ich mir lieber "fremde" Personen und wenn ich die dann halt bezahlen muss.


    Mit dem Auto kann ich gut verstehen Eva, auch wenn es "nur" ein Gegenstand ist, dennoch hat es deiner Mutter gehört und es hat sie immer sicher dort hin gebracht wo sie hin wollte. Und das du deine Mama immer noch in dem Auto sitzend vor Augen hast, ist doch natürlich.


    Meine Mama zb hat so oft in meinem Auto neben mir gesessen, auf kurze aber auch sehr langen Strecken. Ich habe sie auch immer noch vor Augen wie sie neben mir sitzt, und wenn ich un alleine in meinem Auto fahre dann rede ich trotzdem mit ihr als würde sie neben mir sitzen.

    Und wenn das Auto nun verkauft ist, geht damit natürlich ein weiterer Bestandteil der deiner Mutter gehört hat fort. Es bleiben nur die Erinnerungen...das Gewohnte geht fort. Aber lieb von dir, dass du den neuen Besitzern Glück mit dem Auto gewünscht hast und das es sie immer gut nach Hause bringt. 😊


    Mit den Whatsapp Nachrichten usw sehe ich auch so. Manches sollte man darüber einfach nicht abklären oder bereden, geht einfach nicht. Und ein kurzer Anruf zb sollte doch immer möglich sein und falls man nicht zu weit auseinander wohnt auch ein kurzfristiges Treffen.

    Aber es ist ja soooooo bequem geworden alles per Klicks heute zu erledigen.


    Lieben Gruß

    Dieter

  • Liebe Eva,


    man kann nicht vergessen, wenn man mit seinen Problemen alleine gelassen wird. Ich weiß auch noch nicht, wie ich mich verhalten werde, wenn die "Verschwundenen" wieder auftauchen.


    Dein Bruder meint es bestimmt nur gut mit den Bildern und es ist ihm gar nicht bewusst, dass es dir gar nicht gut tut.


    Das Verhalten von deinem Freund ist unfassbar. Da fehlen einem die Worte......... Alles was bei dir passiert ist und was in dir vorgeht, kann man doch nicht mit ein paar Worten in einer Nachricht zusammen verfassen.


    Das du beim Verkauf des Autos traurig warst, kann ich gut nachvollziehen. Habe Mamas Auto auch vorgestern verkauft. Es ist zwar nur ein Gegenstand aber es gehörte unseren Mamas.


    Liebe Grüße

    Sveti

  • Vielen Dank für eure Antworten! Ich muss mich gerade mal aufregen: ich hatte gestern ein LED Licht auf das Grab meiner Mutter gestellt. Heute ist es weg, hat jemand geklaut. Was sind das für Menschen? Ein Gast von der Trauerfeier hatte auch ein normales Grablicht aufgestellt, das war am nächsten Tag auch weg. Ich bin gerade richtig wütend.

  • Das passiert bei uns auf dem Friedhof auch ab und zu mal. Mich macht das immer sehr traurig, weil ich so was nicht verstehen kann. Haben denn manche Menschen überhaupt kein Herz für ihre trauernde Mitmenschen? Tut einfach nur weh.

  • ...ja das passiert...leider...,man kann es nicht verstehen oder nachvollziehen! Viele Leute haben irgendwie vor nichts mehr Achtung oder Respekt...nicht mal auf den Friedhöfen...

  • Ich würde dir jederzeit beim Umzug helfen, Dieter!


    Heute habe ich eine Freundin gefragt, ob sie am 23. Dezember mit zum Weihnachtslieder singen geht. Sie schrieb nur zurück da kann ich nicht, mein Freund wird 40. Ich kann es irgendwie verstehen, andererseits finde ich es schade. Es ist ja nur mein erstes Weihnachten ohne meine Mama, und da hätte ich mich einfach gefreut wenn jemand sowas mit mir unternimmt. Naja. Kann man nicht ändern.
    Vielleicht finde ich noch jemand anderes zum mitgehen. Seit ich wieder arbeiten gehe, mag ich mit den Kollegen gar nicht mehr Mittagessen. Es wird mir in Gruppen im Moment schnell zu viel.

    Wir haben so eine WhatsApp Gruppe zum Mittagessen, da habe ich reingeschrieben, dass ich im Moment mit so vielen Leuten nicht Mittagessen gehen mag, weil mir das schnell zu viel wird. Das wurde auch nur so stehen gelassen, da hat mal nicht jemand nachgefragt geschweige denn, dass mal jemand zu mir hoch gekommen wäre. Bei manchen Leuten merkt man doch, wie oberflächlich die Beziehung bisher war.


    Nach dem Ärger mit dem Grablicht habe ich das Grab heute wieder sehr schön hergerichtet. In die Grabvase kamen Crysanthemen, die mochte meine Mutter besonders gerne. Nachdem ich den Kranz gestern runter genommen habe, habe ich mehrfarbige Heide gepflanzt. Die fand sie zu Lebzeiten immer sehr schön.

    Durch das gute Wetter war es wirklich sehr schön auf dem Waldfriedhof. Meine Mutter liebte auch den Herbst, es würde ihr da wirklich gut gefallen.

  • Hallo Zusammen!

    Ja Eva ,da sieht man immer wieder welche Menschen zu einem halten und welche denen alles egal ist.

    Ja das kommt auf Friedhöfen immer mal wieder vor,obwohl ich das nicht verstehe,warum können,sie das

    nicht alles so lassen und was haben sie davon.

    Mein Mann ist ja unter einem Baum beerdigt,da klemme ich immer eine Blume hinter das Schild,weil

    man da ja nichts hinstellen darf.Aber auch da stehen soviele Grablichter,die aber dann von den

    Gärtnern entsorgt werde,weil es verboten ist und eigentlich wissen das die Leute,aber da zählt

    der Moment,das man dem Verstorbenen etwas gutes tun will.

    Ich stelle da nichts hin,weil ich weiß,das es ein paar Stunden später wieder weg ist.

    Aber bei den richtigen Gräbern verstehe ich das nicht,auch Blumensträüße wurden

    entwendet.Schrecklich.Herzliche Grüße Helga

  • Ich hatte heute auf dem Friedhof das erste Mal Kontakt mit einem anderen Angehörigen, von einem anderen Grab. Irgendwie bin ich echt gerne da, weil ich mich dann meiner Mutter nahe fühle und auch die Anwesenheit von anderen Trauernden als angenehm empfinde. Weil ich denke, sie wissen wie das ist. Dann bin ich ein bisschen weniger allein mit meinen Gedanken. Bei den letzten drei Besuchen mochte es irgendwie nicht so klappen mit dem sprechen. Am Anfang habe ich meiner Mutter am Grab immer alles erzählt. Heute ging es wieder einigermaßen, da bin ich ganz froh. Ich dachte schon, ich hätte irgendwie den Bezug zu ihr verloren. Aber dann dachte ich mir, es ist auch o. k. einfach still bei ihr zu sein. Wenn ich gehe gebe ich ihrem Grabkreuz immer einen kleinen Kuss. Das finde ich wirklich tröstlich.

  • Liebe Eva!

    Es ist doch schön,wenn du dich deiner Mutter nahe fühlst.Dann gehe ruhig öfter hin,wenn du wieder das Bedürfnis hast,ihr etwas zu sagen.

    Sie wird es spüren,das du da bist.Liebe Grüße Helga

  • Morgen ist der erste Geburtstag ohne meine Mutter. Ich habe ihn ganz gut „geplant“ aber gerade bin ich alleine zu Hause und da kommt wieder ein Schwung Trauer.


    Liebe Mama! Für die vielen Geburtstagstische der letzten 32 Jahre möchte ich Dir von Herzen danken!

    Deine Liebe und Fürsorge haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Ich bin stark und unabhängig dank Dir.

    Ich hoffe, du bist jetzt an einem besseren Ort ohne körperliche Schmerzen und seelische Dunkelheit.

    Küßchen, deine Evi

  • Liebe Eva!

    Ja das wird ein schwerer Tag.gut das du dann nicht alleine bist.

    Deine Mutter wäre stolz,wenn sie deine Zeilen gelesen hätte und sie wird es

    spüren,wie sehr du sie liebst.

    Ich wünsche dir,das du den Tag gut überstehst.

    Liebe Grüße Helga

  • Liebe Eva! Ich finde deine Zeilen total schön <3, ich wünsche dir heute viel Kraft für diesen 1. Geburtstag ohne deine Mama! Und hoffe, du kannst diesen Tag auch vielleicht ein klein wenig genießen! :30:

    LG Andrea