Mein hübscher Mann fehlt mir so sehr

  • Gerade habe ich wieder eine Wein-Attacke.


    Und ich frage mich, warum mir das hauptsächlich abends passiert?

    Morgens wäre das viel verständlicher, weil der Serotoninspiegel am niedrigsten ist. Aber vielleicht sind morgens unsere körpereigenen Drogen höher, abends dann aufgebraucht sind?


    Heute morgen stand ich definitiv unter diesen Drogen, hatte wohl schlecht geträumt, konnte mich aber kaum erinnern...

  • liebe Markiin,


    versuche es garnicht wissenschaftlich hormonell zu erklären...

    Irgendwann abends hören einfach die Aktivitäten des Tages auf.. die ja auch ablenken...

    und man kommt zumindest etwas zur Ruhe.... dann fangen die Gedanken an zu kreisen... um den geliebten, so vermissten Menschen...


    und du hast hier durch das lesen, das mitfühlen...

    auch ich schreibe bewusst manchmal auch mitleiden... die Grenzen sind sehr fliessend...


    das diese Zeit nie, nie mehr wiederkommt.

    ausserdem

    ist es bekannt, das man den Schlaf auch als den "kleinenTod" ansieht...

    auch das muss man erst einmal annehmen.


    Mir hat damals geholfen, dass ich mich erst einmal auf die Seite, wo mein seelenmann schlief , gelegt habe ...

    Ich bin immer noch der festen Ueberzeugung das Tränen heilen

    fühl dich umarmt , wenn du dir das vorstellen magst

    <3lichst Sverja

  • Liebe Sverja,


    doch, denn so habe ich mehr Verständnis für mich. Bekomme weniger Angst, habe mehr Geduld und vor allem bekomme ich kein schlechtes Gewissen, weil ich nicht ständig weine, obwohl ich spüre, dass das eigentlich der Fall sein sollte.


    Ich bin hier derzeit alleine in einem großen Haus. Echte Ablenkung habe ich nur durch Serien gucken auf Netflix oder Prime, hier mitlesen und schreiben, oder doch mal ein Spiel mit Freunden online zocken.


    Den größten Teil des Tages habe ich heute mit dem Waschen und einpacken von Kissen und Reserve-Bettzeug verbracht. Da waren viele Trigger dabei, aber ich musste nicht weinen. Den ganzen Tag über nicht. Erst gegen 22 Uhr als ich meine Tasse in die Küche brachte und ich plötzlich dachte, dass mein Schnuffi niemehr wieder mit mir kuscheln wird.


    Daher wundert mich das eben. Es ist ja nicht so, dass ich ähnliches nicht schon mal am Tag gedacht hätte!


    Vielleicht erleben wir die Trauerwellen ja, weil unsere Körpereigenen Drogen so ausgeschüttet werden?


    Je tiefer die Verbundenheit war, desto größer ist die emotionale Verwundung. Tatsächlich Quit pro quo, laut den Psychologen. Desto mehr dieser Drogen brauchen wir.


    Wenn ich das jetzt nicht so wüsste, würde ich auch versuchen, mich zum Weinen zu bewegen. Das stelle ich mir kritisch vor, weil auch unsere körpereigenen Stoffe überdosiert werden und uns so schädigen können. Doch so halte ich "still" und lasse das Nicht-Weinen zu.


    Lieben Gruß

    Markiin


    Edit:

    Eben wurde mir beim Mitlesen anderer Threads bewusst, dass mich dieses Wissen um die Körperfunktionen auch vor der Verzweiflung bewahrt, wenn sich alles so fremd, schräg und gleichgültig anfühlt. Es wird irgendwann besser werden.



  • Und ich frage mich, warum mir das hauptsächlich abends passiert?

    Morgens wäre das viel verständlicher, weil der Serotoninspiegel am niedrigsten ist. Aber vielleicht sind morgens unsere körpereigenen Drogen höher, abends dann aufgebraucht sind?


    Heute morgen stand ich definitiv unter diesen Drogen, hatte wohl schlecht geträumt, konnte mich aber kaum erinnern...

    Liebe Markiin,

    Tatsächlich ist das meist abends. Es sind auch die Eindrücke des Tages die sich entladen. Um alles zu verarbeiten. Auch wenn du mit der Trauer sehr beschäftigt bist, fließen ja doch viele Eindrücke auf dich ein, die du vielleicht nicht bewusst wahrnimmst. Auch in der Arbeit mit Burn Out Erkrankten wird mir oft gesagt, das abends vieles über sie hereinbricht.


    Wenn du weinen kannst, ist das sehr gut und zeigt von einem gesunden Mechanismus.

    Einen angenehmen Tag <3

    Isabel

  • Vielen lieben Dank, Isabel!


    Burn out? Könnte also doch auf mein vermutetes Chronisches Erschöpfungssyndrom hinweisen, dass ich seit 2-3 Jahren in etwa habe und es erst im Mai 2019 realisierte. Wollte mich gerade um eine Diagnose und Reha kümmern, als bei meinem Mann die Krankheit bekannt wurde.


    Daher schone ich mich im Moment und schlafe viel, mein Hausarzt hat mir Johanniskraut verschrieben. Bewegung hilft mir nicht wirklich, macht mich nur sehr müde.


    Und ich kann mir gut vorstellen, dass nach einer gewissen Anzahl von Triggern über den Tag einfach das Maß voll ist. Wobei heute bin ich schon jetzt traurig. Es ist halt jeder Tag etwas anders. Aber im Moment habe ich mal keine Herzschmerzen. Das ist selten.

  • Heute Nachmittag döste ich mal kurz nach dem Mittagessen vor dem Fernseher ein. Da hatte ich einen ganz kurzen Traum, wo mein Mann nur zu mir sagte: "Natürlich bin ich jetzt auch ein Schutzengel!"

    (Wobei er nur noch "Schutz" sagte und das "Engel" irgendwie komisch langgezogen und verzerrt war.)


    Davon bin ich sofort aufgewacht und fühlte mollig geborgen.<3

  • Hallo Markiin.


    Das soll dir sagen, ich bin noch hier bei dir, nur in einer anderen Wahrnehmungsform.


    Auch das sollte dir wieder ein Stückchen Trost bringen auf dem langen Weg deiner Trauer.


    Liebe Grüsse

    Dieter

  • Ja, das wollte ich nach dem Umzug angehen. Am Freitag habe ich schon einen Arzttermin dazu.


    Wegen dem Umzug bin ich gerade am Boden zerstört. Es gibt einfach keine schöne Wohnung, die ich mir leisten kann. Und als ich eben auch noch die Anzeige meiner Vermieterin für "unser" Haus sah, brach ich in Tränen aus.


    Eben stehen wir noch finanziell sehr gut da und im nächsten Augenblick bin ich nicht mehr in der Lage eine bezahlbare Wohnung zu finden.


    War es das jetzt?

    Kann ich mich demnächst bei Hartz IV anmelden?

    Werden jetzt wirklich alle meine Alpträume gleichzeitig real?


    Weine mich jetzt erstmal in den Schlaf. ;(

  • Das mich das mit dem Inserat des Hauses so aus der Bahn wirft, hätte ich nicht gedacht. Mir geht es heute auch nicht besser. Bin wieder den ganzen Tag am weinen. Merke, dass ich eigentlich in Panik ausbrechen möchte, aber meine Losslass-Gedanken sind immer noch einen Tick schneller.


    Und immer wieder frage ich mich, ob das nun das Ende aller meiner Träume war. Denn dann habe ich ja vom Leben nichts mehr zu erwarten... und das Aufgeben und sich treiben lassen hat schon seinen Charm. (Weiß gerade nicht, wer das die Tage geschrieben hat.) Aber wie kann ich mich dann finanzieren? Vor Hartz IV hab ich schrecklich Angst, daher kann ich das nicht zulassen.


    Aber ist das nicht eh alles egal?


    Meine Schwiegereltern meinten, ich soll mich nicht weiter so stressen. Ich kann bei Ihnen einziehen und mir dann die Zeit nehmen, die ich bräuchte. Die Reha wird ja auch so 6 bis 8 Wochen dauern...

    Nur ist das auch emotional nicht ganz so leicht. Ich werde in das alte Zimmer meines Mannes ziehn. Das haben seine Eltern immer bewahrt, damit wir notfalls bei ihnen schlafen konnten, wenn wir zu Besuch da waren und es spät wurde.


    Ach mein Mondsteinchen, damals warst du gerade mal 18 Jahre alt als wir uns endlich persönlich kennenlernten und ich das erste Mal bei dir in diesem Zimmer zu Besuch war! (Wir kannten uns vom Hören - damals über Teamspeak - schon 2 Jahre, weil wir als Freunde zusammen Online-Spiele spielten. Er hat mir alles beigebracht! Die Taktiken, die Sprache. Dieses Hobby alleine fortzuführen, fällt mir auch besonders schwer. Hört sich für euch vielleicht komisch an, aber dort fehlt er mir besonders deutlich.)


    Kommt gut alle durch die Nacht.


    Liebe Grüße

    Markiin

  • Liebe Markiin.


    Auch wenn du im Moment extrem leiden musst, dann glaube ich doch nicht dass das , das Ende deiner Träume ist.


    Gib diese Träume nicht auf, träume sie weiter und erfülle sie dir so gut es geht auch im Sinne deines Liebsten.


    Und zu dem Einzug in das Jugenzimmer deines Mannes, ich hätte Angst.


    Angst das meine Gefühle zu übermächtig werden und mich umhauen.


    Vielleicht wäre es doch besser an einem neutralen Ort zu gehen und dort langsam aber sicher einen Neuanfang zu starten.


    Das wird sicher nicht einfach, aber er wird für dich in der Zukunft unumgänglich sein, um deine Schmerz zu bewältigen.


    Alles Gute Dieter

  • Liebe Markiin!

    Ich kann dich sehr gut verstehen,nichts klappt mehr,die Wohnungen sind überall knapp.besonders

    was preiswerte Mietwohnungen angeht.Es ist alles ungerecht.Auch ich hatte und habe immer noch

    angst,das ich aus der Wohnung doch nochmal raus müßte.Auch mit den Online Spielen kann ich

    gut verstehen.Ralf hat mir da auch viel gezeigt,aber er war eben ein Fan der P4 und da hat er

    oft gespielt und ich dann am PC.Aber ich habe seit über einem Jahr noch kein Spiel mehr

    gemacht am Pc.Ich schaue genau auf seinen Platz wo er immer gespielt hat und es ging einfach

    nicht.Hat du denn die Kraft in das Zimmer zu ziehen,wo all die Erinnerungen an die schönen

    Zeiten sind.Aber diue Hoffnung darst du nicht aufgeben,dann gibt es doch den Spruch,wenn

    du denkst es geht nicht mehr,kommt von irgendwo ein Lichtlein her.Ich wünsche dir alles

    gute und du weißt,ob es die richtige Entscheidung ist erst zu den Schwe.zu ziehen.Alles Liebe

    Helga

  • Lieber Dieter, liebe Helga, vielen lieben Dank. :*


    Ja, ich denke vorübergehend geht das schon. Und ich werde das Zimmer, wohl komplett umgestalten. Mal sehn.


    Besorgt bin ich wegen meiner Katze. Sie wird im Sommer 8 und ist dann 2 Jahre bei uns. Sie ist hier eher der Einzelgänger, weil sie von einigen Katzen aus der Nachbarschaft oft verkloppt wird.

    Sie war unserer Vermieterin zugelaufen und war dann bei dem Haus hier dabei. Wegen dem Stress mit den Nachbarskatzen bauten wir eine chipgesteuerte Katzenklappe ein. Seitdem wurde das anfängliche Nervenbündel ruhiger und ist inzwischen fast schon verschmußt. Nun ist sie Familienmitglied und ich lass sie nicht hier in einer ungewissen Zukunft.

    Meine Schwiegereltern haben aber schon 5 Katzen. Zudem ist sie eigentlich Freigänger, durch das Wetter aber im Moment fast nur drinnen. Wird sie das alles mitmachen? Und dann auch noch vorübergehend. :rolleyes:

  • Meine Schwiegereltern meinten, ich soll mich nicht weiter so stressen. Ich kann bei Ihnen einziehen und mir dann die Zeit nehmen, die ich bräuchte. Die Reha wird ja auch so 6 bis 8 Wochen dauern...

    Nur ist das auch emotional nicht ganz so leicht. Ich werde in das alte Zimmer meines Mannes ziehn. Das haben seine Eltern immer bewahrt, damit wir notfalls bei ihnen schlafen konnten, wenn wir zu Besuch da waren und es spät wurde.

    Liebe Markiin,

    Wie schön, dass du diese Hilfe angeboten bekommst. Ich hoffe du kannst es annehmen, um die Zeit zu haben in Ruhe nachzudenken wohin der Weg weiter geht...


    Alles Liebe <3

    Isabel

  • Liebe Isabel,


    ja, ich werde es annehmen.


    Es kostet nur im Moment eine so wahnsinnige Anstrengung aufzustehen! Fühle mich müde und erschöpft, obwohl ich viel schlafe. Schaffe kaum was einzupacken. Merke, dass ich wieder in einen Schockzustand gefallen bin. Mein Herz klopft und meine Hände zittern. Dieser Schock ist tiefer als der letzte in der vergangenen Woche.


    Und doch kann ich mir vorstellen, woher das kommt. Mit Bekanntwerden der Krankheit meines Mannes habe ich auf "Funktionsmodus" umgeschalten. Mein Mann hat versucht, seine Todesdiagnose zu ignorieren und ich habe ihn dabei natürlich unterstützt. Habe versucht, so normal wie möglich mit ihm umzugehen, nicht zu weinen und nur das nötigste bezüglich der Krankheit oder seines Todes anzusprechen.


    Welches Recht hätte ich denn gehabt, meinem sterbenden Mann diesen Wunsch nicht zu erfüllen?


    Meine Schutzmechanismen, die ich da über Monate bewusst angelegt hatte, bauen sich wohl langsamer ab, als ich dachte. Ich dachte, wenn ich nicht mehr funktionieren muss, spätestens nach der Beerdigung, würde das alles hervor brechen. Aber inzwischen weiß ich, dass das unser Körper verhindert und nur dosiert rauslässt, damit das eigene Überleben sichergestellt ist.


    Vielleicht ist es aber auch nur der Umstand, hier aus unserem Heim ausziehen zu müssen, der mir so nahe geht? Nein, er geht mir nicht nahe, er macht mir eine Heidenangst! Meine letzte Zuflucht wird fallen und ich fühle mich bedroht.

  • Liebe Markiin,


    Es ist ein großer Schritt den du nun gehen musst.

    Kannst du dir vorstellen etwas symbolisches für euer gemeinsames Zuhause mitzunehmen? Sodass du das Gefühl irgendwie "einfangen" kannst und mitnehmen?


    Es ist kein Ersatz für irgendetwas, aber vielleicht eine kleine Erleichterung <3

  • Liebe Isabel, danke für die Idee. ♥


    Ich werde mal darüber nachdenken, so ad hoc fällt mir nichts dazu ein. Aber seit ich das realisiert habe, warum es mir so schlecht geht, merke ich auch, dass sein Zimmer einfach die nächste und allerletzte Zuflucht in der Rangfolge ist. Das hilft mir auch ein wenig.

  • Liebe Markiin,


    mir haben früher sehr die Arbeiten von Bessel van de Kolk zum Thema Trauma geholfen.


    Ein phantastischer Traumatherapeut.


    Ich stelle jetzt fest- an mir- das diese seelenpartner Verlusttrauma doch vieles in körperlicher Hinsicht auch aufweist! Vielleicht findet du bei Kolk Info´s die für dich zutreffend sein könnten.


    Ich denke, wir kämpfen hier nicht nur in der Trauer, sondern auch mit neurologischen Traumafolgen.

  • Liebe Markiin<3


    darf ich dich fragen, wie es dir heute geht? Du musst natürlich nicht antworten, da es ja kein müssen gibt.


    Eine herzliche <3 Umarmung die "hier lassend" wenn du sie magst

    deine Sverja