Mein hübscher Mann fehlt mir so sehr

  • Heute war ein komischer Tag. Irgendwann bemerkte ich, dass sich etwas in meiner Trauer verändert hat. Heute empfinde ich plötzlich die Zeit mit meinem Mondsteinchen als einen schönen langen Traum, aus dem ich jetzt aufgewacht bin. Nun befinde ich mich wieder in einem tristen Leben, aus dem ich doch so sehr entkommen möchte! Aber natürlich weiß ich ganz genau, dass es kein Entkommen geben kann.


    Wie kann es denn sein, dass sich plötzlich die Blickrichtung ändert und sich das alte Leben nicht mehr real anfühlt? Sollte das nicht umgekehrt sein und sich nicht das neue Leben unwirklich anfühlen? Heute habe ich auch wieder Herzschmerzen, die spürte ich tagelang nicht mehr...

  • Liebe Markin!

    Die Trauer ist wie ein Wellengang.Es gibt Tage,da kann man nur weinen und keinen anderen Gedanken fassen,

    dann an manchen Tagen fließen keine Tränen.Mal fühlt sich unser altes Leben so gut und nah an und dann wieder

    so fern.Es ist so ein auf und ab und wir haben das alle schon mitgemacht,glaube ich.Die Trauer verändert sich,

    und man selber verändert sich.Dinge die sonst unwichtig sind und die man nie beachtet hat ,sind auf einmal

    wichtig.Es ist schon eigenartig,was die Trauer alles bewirken kann.Ich wünsche dir alles Gute .

    Ganz liebe Grüße Helga

  • Liebe Markiin,

    dass sich die Trauer ständig verändert, merke ich selbst auch.

    Es gibt einigermaßen "gute" und dann wieder schlechte Tage, wo man durch ein tiefes Tränental geht.

    Manchmal ist mir mein Mann auf einmal so fern, da bricht mir das Herz.

    Der Alltag kostet unheimlich Kraft und ich merke, dass man als unfreiwilliger Single viele Kompromisse eingehen muss, um in der Welt draußen zu bestehen.

    Mein liebster Verbündeter ist nicht mehr da.


    Sein Unglück

    ausatmen können

    tief ausatmen

    so daß man wieder

    einatmen kann

    Und vielleicht auch sein Unglück

    sagen können

    in Worten

    in wirklichen Worten

    die zusammenhängen

    und Sinn haben

    und die man selbst noch

    verstehen kann

    und die vielleicht sogar

    irgendwer sonst versteht

    oder verstehen könnte

    Und weinen können

    Das wäre schon

    fast wieder

    Glück


    Erich Fried

  • Der Alltag kostet unheimlich Kraft und ich merke, dass man als unfreiwilliger Single viele Kompromisse eingehen muss, um in der Welt draußen zu bestehen.

    Mein liebster Verbündeter ist nicht mehr da.

    Ja das ist auch der tieftraurige Teil meines Daseins momentan, man hat mir die erst 53jährige gute Partnerin entrissen und für unsere physische Wahrnehmung bis ans Ende unseres Erdenlebens.


    So wollen wir alle hoffen und wissen, dass es deren Seelen jetzt gut geht und sie manchmal bei uns sind.

    Ob meine Dorit mitbekommt, wie traurig ich bin und erst beim Schmökern in den Fotoalben etwas Rughe bekomme.


    LG

    Matthias

  • Liebe Markiin,

    Trauer verändert sich stetig. Man weiß oft nicht in welche Richtung. Es kann sich nach einiger Zeit wieder verändern. Körper und Seele nehmen sich die Wahrnehmung mit der sie es zu der Zeit am besten schaffen.


    Ich schick dir liebe Grüße,

    Isabel

  • Der Alltag kostet unheimlich Kraft und ich merke, dass man als unfreiwilliger Single viele Kompromisse eingehen muss, um in der Welt draußen zu bestehen.

    Mein liebster Verbündeter ist nicht mehr da.

    Liebe Sabine, ja, das ist doch komisch! Dabei denkt man immer, dass man in einer Beziehung viele Kompromisse macht. Doch jetzt kommt einen das ganz anders vor... eben weil wir so ja gar nicht leben wollen. Die in der Partnerschaft gemachten Kompromisse hingegen wollte wir. Wie sehr sich alles verkehrt.

    Unsere liebsten Verbündeten, Freunde und Lebensgefährten durch dick und dünn... auf einmal weg. Für immer.

    :33:;(:24:


    Liebe Isabel, vielen Dank für deine Erklärung! Das beruhigt mich sehr. :thumbup:


    Kommt alle gut durch die Nacht.

  • Ich fühle mich kaputt, funktionsunfähig, schwer verletzt. Ich weiß gerade nicht einmal, warum ich das schreiben möchte!? Einfach weil ich merke, dass es so ist.


    Und auch ich denke mir, wie viele andere hier im Forum, was soll jetzt schon noch großartiges kommen? Klar, einerseits möchte ich nicht, dass etwas Neues und Schönes kommt. Aber andererseits sehe ich die Zeit davon fliegen, während ich mich selbst wie versteinert fühle; unfähig mich zu bewegen; außerhalb der Zeit existiere.


    Eine schöne Zukunft ist so unvorstellbar, so unglaublich und unerhört! Alle diese Gefühle empfinde ich gleichzeitig. Dabei bin ich Rollenspielerin. Dafür braucht man eigentlich viel Fantasie. Aber das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.


    Ist das wirklich nur die persönliche innere Verweigerung der Realität? Des Todes meines lieben Mannes? Irgendwie fühlt es sich nach mehr an. Etwas, das über meine innere Haltung hinausgeht, nicht ausschließlich von mir zu sein scheint.


    Wie kann das aber sein? Bin ich und wenn ja wie viele? Oder wie? Anflug von Wahnsinn? Chaos in Geist und Seele!

  • Wie kann das aber sein? Bin ich und wenn ja wie viele? Oder wie? Anflug von Wahnsinn? Chaos in Geist und Seele!

    Liebe Markiin,

    Chaos in Geist und Seele beschreibt es wohl am besten. Alles ist durcheinander. Die Vorstellung eines zwar anderen, aber neuen Glücks ist kaum vorstellbar, aber den Rest der Zeit wie versteinert zu leben erscheint auch nicht möglich.


    Zeit heilt zwar keine Wunden. Aber Zeit ordnet, sortiert...

    Gibt es für dich irgendeinen Anker der dich etwas stärkt, oder eine andere Orientierungsmöglichkeit in dieser Zeit?


    Liebe Grüße <3

    Isabel

  • Irgendwas mache ich falsch. Warum sonst habe ich solche Wellenberge auszuhalten? Meine Psychologin meinte, dass das der Fall wäre, wenn... tja, und da bin ich mir nicht sicher, was sie gesagt hatte. Wenn ich die Abwechslung zwischen Trauer und Nicht-Trauer nicht habe? Oder wenn ich den Schmerz länger nicht mehr spüre?


    Letzters ist immer mal wieder Fall. Aber ich mache doch nichts, um das zu provozieren! Seit gestern ein ständiges Auf und Ab. (Gestern hatten hier einige geschrieben, dass es ihnen schlecht ginge. Ein Zufall?)


    Es tut wieder so weh! Egal was ich anfasse, um es in die Umzuskisten einzupacken, erinnert mich an sein Fehlen und unsere geplatzten Pläne und Träume. Ich weine nur noch. Und dann ist plötzlich alles wieder ruhig und ich spüre nichts. Nur um dann bald wieder vor Schmerzen nach Luft zu ringen. Mein Herz schmerzt auch wieder fürchterlich.


    Wenn ich damit nicht wirklich alles verlieren würde, würde ich mich am liebsten einfach auf den Boden legen und nicht mehr aufstehen. Aber dann würde man mich wohl einliefern und entmündigen. Bisher hielten mich diese Konsequenzen davon ab. Aber so langsam wird das immer verlockender. Dann wäre es ein klarer Schnitt und ich wäre meinen gesamten Balast los. Nur finanziell wäre es wohl auch der absolute Ruin.


    Doch wäre das nicht ebenfalls egal? Es wäre doch nur folgerichtig! Wenn ich doch eh emotional am Ende bin, keine Kraft mehr habe ... warum bleibe ich nicht einfach liegen?

  • Zitat von Markin:

    Es tut wieder so weh! Egal was ich anfasse, um es in die Umzuskisten einzupacken, erinnert mich an sein Fehlen und unsere geplatzten Pläne und Träume. Ich weine nur noch


    Das kann ich nachvollziehen. Tage ohne Trauer da hast Du manchmal etwas Glück. Ich habe diese nicht, ist aber auch bei mir ne andere Situation, weil ich in das tote Gesicht der Partnerin sehen musste, mit der ich kurz zuvor gemeinsam mich auf dem Gehweg noch unterhalten habe und eigentlich so vieels auch an diesem Tag falsch gemacht und damit den schnellen Herztod nicht verhindert habe. Sei froh, wenn Du diese trauerlosen Tage hast, ich würde Dich darum beneiden.


    Ich sehe in meiner ganzen Umgebung nur das Fehlen meiner Dorit, das spüre ich einfach überall, weil sie überall dabei war. In Gedanken mit ihr reden und eine innere Stimme wahrnehmen, versuche ich, klappt aber nur manchmal.


    Es wäre doch nur folgerichtig! Wenn ich doch eh emotional am Ende bin, keine Kraft mehr habe ... warum bleibe ich nicht einfach liegen?

    Ich wollt, ich könnte es. Mich treibt der Wahnsinnsaufschrei jeden Morgen hoch und kann nichts dagegen tun. Ein erfahrener Arzt hat mir gesagt, dass diese Bilder bis ans Lebensende bleiben werden. Gefragt habe ich ihn, wann es denn endlich soweit sei, er hat keine Antwort gegeben.

    Ich hoffe nur, dass die Bilder endlich vergehen, wenn ich im Jenseits wieder mit ihr zusammen bin.

    :saint:<3

    Irgendwie und das hört sich eigentlich verrückt an, fehlt jegliche Kraft, etwas anzupacken, weil ich immer darauf warte, dass sich meine Dorit meldet und wir wieder wie früher gemeinsam alles angehen. Aber so geht nur einfachste Routine, selbst Umzugskisten packen, dazu wäre ich nicht mal imstande.


    Naja trotzdem liebe Grüsse

    Matthias

  • liebe Markiin,


    diese wellen sind völlig normal. eigentlich hat die jeder hier im forum immer in der einen oder anderen art :30: warum deine psychologin nun meint, du würdest etwas falsch machen, weil andernfalls diese wellenbewegung nicht vorhanden wäre, kann ich nicht nachvollziehen.


    es geht ständig hoch und wieder runter.... die wellen kamen bei mir im tagesabstand, dann mal wieder im wochenabstand....in letzter zeit aber zeigt sich bei mir diese wellenbewegung innerhalb von stunden... eben noch kann ich einigermaßen gut durch atmen, im nächsten moment geht es schon wieder in den keller und ich weine mir die seele aus dem leib.


    ja, einfach liegen bleiben :30::30: warum wir das nicht machen kann ich mir nur so erklären, dass wir immer noch ein fünkchen lebenswillen ins uns herum tragen, auch wenn wir dieses garnicht bewusst spüren...


    lieber Matthias,


    wenn du mit deiner Dorit wieder zusammen bist, wirst du diese schrecklichen bilder niemals mehr sehen müssen, da bin ich mir sicher. mit deiner Dorit zusammen wirst du nur noch in der reinen liebe existieren dürfen - mit ihr zusammen :30:


    lieber gruß von Bine

  • Lieber Matthias, in dem Buch, das ich gerade zu Nachtod-Kontakten (von Evelyn Elsaesser - vielen Dank an reinreich für die Empfehlung) lese, wird berichtet, dass diese Kontakte und Zeichen immer dann stattfinden, wenn wir gerade nicht an die Verstorbenen denken und nicht in unserer Trauer versunken sind.


    Das Buch trifft genau meinen Nerv, weil ich eben als Atheistin (also gottlos) nicht an einen Himmel oder Hölle glaube. Auch dem reinen Esotherischen kann ich nichts abgewinnen. Ist mir zu viel Hokuspokus. Allerdings weiß ich seit meiner Kindheit, dass es Seelen und ein Leben nach dem Tod gibt. Dazu brauchen wir - aus meiner Sicht - kein göttliches Wesen. Es ist einfach die natürliche Weltordnung, dass wir eine Seele haben. Gerne würde ich für den Begriff "Seele" ein anderes Wort verwenden, eben weil er religiös geprägt ist, aber so weiß andererseits jeder sofort, was gemeint ist.


    Ja, wir vermissen unsere Liebsten so sehr, dass es schmerzt, uns die Luft nimmt und zu Boden drückt. Es wird dauern, bis unser Herz den Verlust akzeptieren kann.

  • Irgendwas mache ich falsch. Warum sonst habe ich solche Wellenberge auszuhalten? Meine Psychologin meinte, dass das der Fall wäre, wenn... tja, und da bin ich mir nicht sicher, was sie gesagt hatte. Wenn ich die Abwechslung zwischen Trauer und Nicht-Trauer nicht habe? Oder wenn ich den Schmerz länger nicht mehr spüre?

    Liebe Markiin,

    Die Trauer gleicht tatsächlich einer Berg und Talfahrt- oder eben Wellen. Wir bekommen immer so viel wie Körper und Seele ertragen können. Das können wir auch nur sehr eingeschränkt beeinflussen. Das kommt einfach... meist unerwartet.

  • Liebe Isabel,


    mich erschreckt nur immer diese Heftigkeit mit der mich diese Wellen treffen und fast verschlingen. Und dazu meinte eben meine Psychologin, dass es sanfter verlaufen würde, wenn ich mich so und so verhalten würde. Doch ich weiß nicht mehr, was das genau war.


    Warum wird man von den Fachleuten auch immer wieder gefragt, ob man die Trauer immer spüren kann? Manchmal ist sie nicht im Vordergrund, da fühle ich mich dann aber wie betäubt. Bin auch eher unfähig etwas zu tun.


    Warum kann ich nicht mehr stundenlang durchweinen? Das hat mit früher immer geholfen, wenn ich beispielsweise großen Liebeskummer hatte. Jetzt sind es Weinattacken, die vielleicht mal eine halbe bis ganze Stunde dauern. Dann eine in etwa ebenso lange Pause, und dann wieder weinen. Nach 2-3 solcher Wellen bin ich so erschöpft, dass ich mich hinlegen muss. Dann schlafe ich 1-2 Stunden.


    Läuft das bei euch ähnlich ab?

  • Solche Abläufe habe ich jeden Tag. Die Medien sagen, wenn die Welle beson ders heftig ist, dann versuchen unsere Verstorbenen, uns zu trösten und es wird besser.

    Manchmal, aber nur sehr selten, da habe ich wirklich diesen Eindruck.

    Echten Trost und eine Verbesserung finde ich nur beim Stöbern in den Fotoalben und sehe Dorits herzhaft lachendes Gesicht und höre sogar manchmal die Lachsalve im inneren Ohr.

    Kaum ruft der Alltag, ich bin wieder fort von diesem Bild und verliere wieder die Ruhe und etwas Kraft. Das eine Foto trage ich jetzt den ganzen Tag mit mir herum.


    Wenn ich mal Zeit habe, werde ich Bilder aufs Smartfone laden und sehe sie mir dann immer wieder an.


    LG

    Matthias

  • Liebe Markiin,

    Ich würde beim nächsten Mal deine Psychologin fragen was sie gemeint hat. Falls du das noch nicht machst, es ist oft eine Gedankenstütze bei Beratungen ein wenig mitzuschreiben, da man sich in dieser Stunde nicht so viel merken kann. Und Zuhause nochmal nachlesen tut oft gut.


    Liebe Grüße,

    Isabel

  • Lieber Matthias, ich habe Fotos auf Leinwand drucken lassen und mir einen kleinen Gedenkaltar mit Kerzen damit gemacht. Und ein kleines Kissen fürs Bett zum Hineinweinen und Kuscheln bedrucken lassen. Aber ständig kann ich mir sie nicht angucken. Manchmal tut es einfach zu weh...


    Liebe Isabel, danke für den Tipp. So richtig habe ich bisher noch nicht mitgeschrieben. Muss ich aber das nächste Mal besser mal machen.

  • ... Die Medien sagen, wenn die Welle beson ders heftig ist, dann versuchen unsere Verstorbenen, uns zu trösten und es wird besser. ...

    Ja, das würde einiges erklären. Zudem ist an sich schon ein tröstender Gedanke und hat mich gut durch die Nacht gebracht. Vielen lieben Dank dafür, Matthias!

  • Ja durch die Nacht hoffentlich gut.


    Aber heute morgen da war es bei mir wieder besonders schlimm. Ich glaube, ich bräuchte einen Raum, wo den ganzen Tag nur ein Film aus besseren Zeiten läuft und ich vom Alltag abgekoppelt wäre. Aber das scheitert schon daran, dass ich und mein Vater schon gar nichts mehr zu Essen hätten und leider auch daran, dass man eigentlich weiss, dass die Partnerin nicht mehr da ist.


    Wenn man sein jetziges Leben komplett vergessen könnte, nicht mehr führen müsste und bis in alle Ewigkeit in die schönen Bilder aus den Fotoalben hineinprojizierbar wäre und zusammen leben könnte, dann wäre alles in Ordnung.

    Wenn man sich überlegt, dass das im Jenseits praktisch so wäre.


    Ab dem Moment, wo das reale Leben wieder beginnt, da war bei mir das Weinen wieder da.


    Matthias an einem Morgen eines neuen, traurigen Tag des Sehnsuchtstrennungsschmerzes

  • Ja, lieber Matthias, das wäre schön. Wie ein Holodeck von Star Trek. Doch dann lebten wir nur noch in der Vergangenheit. Es gäbe keine Entwicklung mehr...


    Warum das sooo schlecht wäre, kann ich gerade aber auch nicht sehen. Bin selbst viel zu traurig. Sorry.