Mein hübscher Mann fehlt mir so sehr

  • Heute vor 7 Wochen ist mein Mondsteinchen aus meinem Leben gegangen. Ich musste heute viel an ihn denken, und bestimmt genauso oft musste ich weinen.


    Leider konnte ich den heutigen Tag zu nichts Besonderem machen. Das Haus wollte geputzt werden, morgen kommt eine Spedition zum Angucken, um ein Angebot für das Einlagern der Möbel erstellen zu können. Und am Wochenende kommen die potentiellen Nachmieter zur Besichtigung. Das kann ich mir noch gar nicht vorstellen, wie ich mich dabei fühlen soll.


    @ Charlott: Danke für den Tipp. Auf den ersten Blick hab ich nur gesehen, dass das Buch 36 Euro kostet... ganz schön happig.

  • Sorry Sverja, aber ich fühle mich etwas bedrängt von dir.


    Mir geht es gerade schlecht. Meine Haupttraurigkeit wird von dem Bedauern ausgelöst, dass er vieles nicht mehr erleben wird und diese schreckliche Krankheit abbekommen hat. Dann kommt das Grauen aus dem Krankenhaus hinzu, dass er innerlich verblutet! Ich hatte den Drang in mir, Hilfe zu holen, den Notarzt anzurufen! Aber ich wusste natürlich, dass uns niemand auf der ganzen Welt mehr helfen kann...


    Heute will ich mich aber irgendwie nicht beruhigen. Was bricht da gerade aus mir raus?

  • Liebe Markiin,


    es tut mir sehr leid, dass es dir gerade schlecht geht.

    Wenn ich merke, dass ich unmittelbar davor stehe von meinen Gefühlen überrollt zu werden, hilft oft leider gar nichts, aber manchmal tatsächlich (und ich weiß, das klingt profan und wie aus dem "Trauer für Dummies"-Ratgeber): Bewegung. Ich gehe dann raus und laufe ziellos durch die Straßen (nachts) oder auch die Natur (tagsüber), habe dann neben allem anderen so einen komischen "Fluchtdrang" in mir und irgendwie nimmt es mir ein wenig von dem Gefühlsstau, wenn ich einfach losgehe, an der frischen Luft und in der Kälte bin. Ändert alles nichts an den Gedanken und Gefühlen, die hochkommen, aber mir geht es damit zumindest ein bisschen besser.


    Ich hoffe, du kommst gut durch die Nacht. Liebe Grüße, Sturm

  • liebe Markiin,


    wenn diese wellen bei mir anrollen hilft mir nur eins - ich setze mich vor die stereoanlage und höre mir dark rock an. kräftig, bombastisch, mit engelstimmen-sängerin und archaischen klängen, ich weine dann, schreie und rufe nach roger, lasse alle emotionen mit der musik heraus.


    nicht immer, aber manchmal hilft mir das :30:


    lieber gruß von Bine

  • ich bin manchmal in den Wald gefahren und habe dort sehr laut geweint und geschrien. Habe meinen tiefen

    inneren Schmerz laut heraus geschrien. Meistens nur den einen Satz: Mutti, Muttilein, ich möchte Dich wieder

    haben. Danach war es mir etwas leichter und ich fühlte mich ruhiger. Bis zur nächsten Trauerwelle.Aber so findet jeder seinen Weg,

    was ihm gut tut und etwas bei diesem unmenschlichen starken Schmerz hilft.

    Heute bete ich und mache einen längeren Spaziergang.

    Alles Liebe

    Kornblume

  • Habt vielen lieben Dank für euren Zuspruch und Hilfen. ♥


    Laufen oder Spazierengehen war früher mein Allheilmittel. Das habe ich auch am 1. Januar mal wieder ausprobiert, aber eigentlich will ich mich nur vergraben. Doch dem Drang kann ich gerade nicht komplett nachgeben: Ich muss meine "Koffer packen". Ende März muss ich hier raus sein...


    Stopp- und Loslass-Gedanken helfen leider nur bei Gedanken. Ich weine wegen dem tiefen Schmerz in mir. Dazu brauche ich nichts denken. Erst wenn ich mich frage, was los ist, kommen meine oben beschrieben Gedanken dazu.


  • Liebe Markiin,

    mir geht es wir Sturm und Kornblume, ich habe in der Trauerwelle ein enormes Bedürfnis nach Bewegung, weil ich dabei so extrem unruhig bin,

    innerlich und körperlich.

    Strammes Laufen hilft mir etwas, die extremen Gefühle zu kompensieren und mich abzureagieren.

    Im Moment stecke ich wieder ein einer Trauerwelle fest, da hilft es mir etwas, wenn ich mit dem Hund gehen muss.

    Ich weine viel, im Büro, draußen und zu Hause. Mein Umfeld muss das eben ertragen.

    Ich kann mir vorstellen, wie furchtbar es für dich sein muss, in dieser Situation dein Hab und Gut einpacken zu müssen.

    Hoffentlich hast du Hilfe dabei, die könntest du vielleicht bei deinen Freunden und Familie einfordern. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.

    Ich kann dir leider nichts raten, du musst deinen eigenen Weg durch die Trauer finden und vieles ausprobieren.

    Aber ich drücke dich virtuell ganz fest und wünsche dir viel viel Kraft und Unterstützung!

    Sei lieb gegrüßt

    Sabine

  • Hi Markiin,

    Leihbücherei? Sonst gibt es youtube videos von ihm.

    Ich will nicht oberschlau auftreten, ich versuche nur alles, um anderen zu helfen.


    Theoretisch habe ich Familie, praktisch bin ich auf mich selber gestellt. Schlimme Erfahrung, schlimm, schlimm, schlimm. Soviel zweiter Schmerz.

    Und mein Mann und ich waren selber so oft Fels in der Brandung für andere, Nachbarn, Familie, Kollegen.


    Ich habe bemerkt, daß der Trauerschock etwas mit oder viele merkwürdige Dinge mit dem Gehirn macht.


    Ich wollte zur Bestattung eine bestimmte Wolljacke anziehen, die mein Mann so sehr mochte, nicht gefunden, zwei Nächte in Weinkrämpfen diese Jacke gesucht, mich übergeben, das Herzrasen abgearbeitet und weitergesucht - verschwunden, wie mein Liebster, und jetzt vor einigen Tagen sehe ich sie, sie hängt an ihrem Platz im Schrank.

    Ich bin Kathastrophenüberlebende, hört sich schräg an, ich weiß, was ich sagen will, etwas ist fundamental mit uns passiert. So war ich noch nie, mein Verstand, meine Sinne.

    Ich habe das Gefühl, das Trauernde in die wehleidige Überempfindlicheecke abgeschoben werden, aber etwas ist mit uns passiert.

  • Ach, liebe Sabine, vielen lieben Dank. ♥ *ich drück dich auch ganz lieb*


    Ja, ich muss das alleine mit mir ausmachen. Schön, dass wir diese Forum haben, wo wir das wenigstens ausdrücken können. Und uns gegenseitig zuhören können. ♥


    Meine Psychologin sagte, dass innere Unruhe und das Bedrüfnis nach Bewegung vom Fluchtimpuls kommt. Vermutlich ist das bei mir anders, weil ich ja in der Klinik erfahren musste, dass ich nicht wegrennen kann, stillhalten muss, während mein Mann langsam stirbt.


    Kann mich an einen kurzen Alptraum in der Klinik erinnern: Um meinen Mann und mir herum war alles gefählich für ihn. Einiges konnte ich abwehren, aber es wurden immer mehr "Angriffe". Da habe ich die Bremsen an seinem Krankenhausbett gelöst und habe ihn quer durch die Straßen der Stadt (wir waren in Mainz) geschoben, auf der verzweifelten Suche nach Hilfe.


    Jetzt bin ich in Schockstarre. Weiß, dass ich meinen Gefühlen, dem Schrecken und dem Leid einfach nicht davon laufen kann. Und natürlich fühle ich mich von dem Umzug bedroht. Das Heim zu verlieren, triggert ja unserer Existenzangst. Und obwohl ich das weiß, muss ich nicht nur weinen, sondern werde regelmäßig auf den Boden gedrückt.

  • Liebe Charlott, da haben wir gleichzeitig unsere Posts verfasst. Daher konnte ich auf dich noch nicht eingehen.


    An Youtube hatte ich gar nicht daran gedacht. Unglaublich. Daher danke für diesen Hinweis.

    Leihbibliothek ist gerade keine gute Idee, weil ich die Bücher sonst nur im Umzugschaos verliere.


    Und du hast Recht, der Schock, die Trauer machen etwas mit unserem Gehirn. Als erstes ist es ein imenser Stress, der unseren Körper mit allen diesen Stresshormonen überflutet (Vorbereitung auf Kampf oder Flucht). Unser Gehirn ist dann nicht mehr in der Lage, richtig abzuspeichern. Egal, ob Eindrücke, Erlebnisse oder blanke Daten. Ich hab da immer mal wieder einen Tick an einem Augenlid.


    Dann der Schock ob des Todes eines Gefährten, lässt uns sogar ebenfalls Todesangst spüren oder uns schwer verletzt fühlen. Ich denke zeitweilig, dass ich verblute, kann fast das Blut in meinem Mund schmecken. Total irre! Da helfen mir dann wieder Stopp- und Loslassgedanken. Aber da es einen sehr grundlegenden Überlebungsmechanismus in uns betrifft, ist das nicht so wirkungsvoll als wenn es um einen blauen Elefanten geht.


    Wenn ich das alles über die Jahre durch meine Depressionstherapien nicht erfahren hätte, würde ich wohl verzweifeln und mich über die körperlichen Auswirkungen zu Tode ängstigen.

  • Ja, es ist immer noch unbegreiflich. Dabei stand ich an seinem Bett und streichelte sanft seinen Arm als er einschlief. Doch je länger es nun her ist, desto unwirklicher kommt mir das Erlebte vor. Fühlt doch hier alles so unwirklich an! Es kann nur ein schrecklicher Alptraum sein. Ich muss nur aufwachen und alles ist gut!


    Irgendwie bin ich auch nicht in der Lage, mich alleine zu fühlen. Er ist hier im Haus!

    Warum fühle ich mich nicht einsam? Oder wäre diese Erkenntnis wieder in ihrer Gänze zu unerträglich und unsere Körper regelt hier nach?


    Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass ich vor Trauer vermutlich sterben würde, wenn mein Körper nicht unbewusst dagegensteuern würde!

  • Liebe Markiin!

    Es ist noch nicht solange her bei dir,aber ich habe nach einem Jahr immer noch gedacht,das es nicht wahr sein kann.

    Ich habe auch eine Sitzecke,wo Ralf immer gesessen hat um auf der P4 zu spielen und ich sehe ihn da immer

    noch sitzen,aber es bleibt da stehen.In jedem Zimmer steht ein Bild,so ist er immer bei mir.Wir brauchen diese

    Dinge und ich spreche mit ihm,als sei er noch da.Ich wollte mich auch nie alleine fühlen,hab mir immer

    wieder gesagt,nein das kann nicht sein,er kommt wieder.Unser Körper ist so und sonst könnten wir

    das alles nicht aushalten,dazu ist unsere Trauer zu groß.Und wir wissen,das es nie mehr so wird wie es

    war,aber wollen es nicht wissen.Liebe Grüße Helga

  • kommt wieder.Unser Körper ist so und sonst könnten wir

    das alles nicht aushalten,dazu ist unsere Trauer zu groß.Und wir wissen,das es nie mehr so wird wie es

    war,aber wollen es nicht wissen

    Ja das geht mir ganz genauso, irgendwie glaube ich immer noch, dass das ganze bloss ein Albtraum sein kann. Nur wann erwache ich endlich mal aus diesem Albtraum. Ich grübele seit diesem tragischen Moment, wo ich in das tote Gesicht meiner lieben Partnerin nach 24 ! gemeinsamen Jahren erst 54 Jahre sehen musste nach Methoden, die Verstorbene wiede5r zurückzuholen. Ein Mensch verlischt nicht einfach ins Nichts. Der menschliche Körper besteht aus soviel Energie, die über quantenverschränkung mit dem Universum verschränkt ist, habe ich in etlichen Internetsitzungen und Büchern seitdem gelernt, sodass man getrost davon ausgehen sollte, dass dieser Mensch als Seele noch lebt, aber unsere Sinne die können nur die Realität akzeptieren, die wahrnehmbar ist und da kommt eben die Trauer um den toten Körper, ich will wieder versuchen, in dieser Trauer an die Seelenexistenz zu glauben, es zu wissen.


    LG

    Matthias

  • Vielen lieben Dank für eure Unterstützungen! ♥


    Die Besichtigungen der Nachmieter haben sehr viel Kraft gekostet. Obwohl alle super nett waren, empfand ich sie tief in mir drin als Eindringlinge, die mir mein Heim wegnehmen wollen. Jetzt bin ich verzweifelt, weil es einfach keinen Ausweg gibt. Mir führen diese Besichtigungen deutlich vor Augen, dass meine Zeit hier im Haus bald vorbei sein wird.


    Der Tod meines Mannes hat mich aus meinen schönen Leben gerissen und lässt mich nun mutterseelen allein in einer verbrannten Welt zurück. Kein Stein steht mehr auf den anderen...

  • Mein liebes Mondsteinchen,


    das verflixte 13. Jahr war noch nicht ganz angebrochen, als wir einfach so mit allem überrollt wurden ... dabei dachte ich niemals daran, dass wir uns in diesem Jahr trennen würden. Wir wollten anfangen und stattdessen unsere Hochzeit für 2020 planen (das haben wir nach der Diagnose vorgezogen).


    Nun bist du fort. Und ich fühle mich wie in der Zeit erstarrt. Alles steht still. Die Tage gehen ohne Bedeutung, aus Respekt vor deinem Tod.


    Mein Herz schmerzt nicht mehr so, wie noch letzte Woche, aber ich weine wohl im Schlaf. Morgens sind meine Augen nun ganz verquollen. Erinnern kann ich mich aber an nichts. Nur ein merkwürdiges Gefühl von Leere und Belanglosigkeit, von Schwere und Bitterkeit lässt mich keinen schönen Tag erwarten.


    Meine Angst vor dem Umzug habe ich nun weggeschoben. Lasse keine negativen Gedanken mehr zu. Was würde es mir bringen, mich daran aufzuarbeiten? Ändern würde es nichts. Also kann ich es auch genauso gut ignorieren. Hinnehmen was ich nicht ändern kann.


    Mit deinem Tod habe ich das auch schon versucht. Doch da funktioniert das nicht. Dabei ist das auch etwas, das ich niemehr nicht ändern kann. Der Unterschied liegt wohl darin, dass die Angst vor dem Umzug an und für sich unbegründet ist. Der Schmerz und die Trauer ist aber real.


    Das ist im Moment das zentrale Gefühl, das zentrale Thema. Alles andere verblasst davor, wird unwichtig und egal.