Posts by Sturm

    Liebe Ange,


    wenn du technische (Fern-)Hilfe brauchst, um deine Fotos und Videos zu sichern, kann ich gerne versuchen dir Anleitungen und Vorschläge zu geben (z.B. telefonisch, aber natürlich auch schriftlich, wenn dir das lieber ist).


    Viel wichtiger ist aber: ich halte dich nicht für empfindlich. Und: du bist nicht schlecht. Du wurdest schlecht behandelt, aber das macht nicht dich zu einem schlechten Menschen sondern alljene, die sich so verhalten haben oder es noch immer tun. Das ist etwas, was ich selbst auch erst durch meine Geliebte lernen durfte und ich glaube zu ahnen, dass du es durch deinen Jürgen lernen konntest.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Bettina,


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    Aber es ging nicht!

    Da war alles wieder so unglaublich nah!

    das verstehe ich gut! Wie Luse schon schrieb: lass dir Zeit. Vielleicht stimmt irgendwann das Gefühl und du möchtest die Sachen wegräumen, weil es sich zu diesem Zeitpunkt plötzlich richtig anfühlt. Solange das nicht der Fall ist, würde ich mich an deiner Stelle nicht dazu zwingen. Alles, was man selbst beeinflussen und entscheiden kann, kann man doch ruhig mit Nachsicht und Abstimmung mit dem eigenen Gefühlsleben machen und sich genau die Zeit geben, die man eben braucht. Das ist allein deine Sache. So viel anderes haben wir nicht in der Hand, in so vielen Situationen müssen wir funktionieren und Entscheidungen oft einfach hinnehmen und mit den Folgen irgendwie klarkommen.


    Als ich zum Beispiel das Büro von meiner Freundin räumen und ihre Sachen abholen sollte, wusste ich, dass es mich emotional vollkommen überfordert und es für mich nur eine weitere Grausamkeit in einer Reihe von Grausamkeiten sein wird, die eben seit ihrem Tod passieren und die ich nicht steuern kann. Aber verständlicherweise ging es nicht anders und ich musste es machen, obwohl es schrecklich für mich war und ich nicht wollte.

    Die Kiste und Taschen diesen Sachen stehen jetzt noch immer im Flur rum. Erst ließ ich sie wochenlang im Auto und konnte sie einfach nicht aus dem Kofferraum nehmen. Irgendwann ging das und irgendwann wird es auch möglich sein, dass ich alles ausräume und wegräume. Jetzt noch nicht und nachdem wenigstens zu Hause niemand anderer Entscheidungen über H. und mich treffen kann, werde ich das wirklich erst dann machen, wenn ich es kann und will. Keinen Tag früher. Ich finde, das steht uns in unserer Situation zu.


    Für die Zeit im Ashram wünsche ich dir alles Liebe. Ich hoffe, es tut dir gut und du findest ein wenig Ruhe und Kraft!


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Shiva,


    was du hier schreibst

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    Abgeschnitten von sich selbst. Vom eigenen Leben. Von der gesamten Außenwelt. Ich empfinde dieses Dasein seither immer noch als "unreal", irgendwie. Ich tue Dinge, die irgendwie nicht ich tue. Weil ich das nicht (mehr) bin. Und somit kann ich Dinge tun und tue leider auch Dinge, die "mein früheres Ich" nie getan hätte, weil Ich ja nicht mehr Ich bin... Klingt total wirr...


    Schlimmer kann es nicht werden. Das ist es bereits. Und ja, dadurch, dass es nicht schlimmer geht, ist alles andere unwichtig.

    empfinde ich annähernd genauso. Für mich klingt es daher wirr und zugleich nicht wirr. Mir kommt das alles so bekannt vor, ich kenne das von mir selbst, nenne es für mich u. a. "Fremdkörpergefühl" weil mir alles so seltsam, unwirklich und fremd erscheint. Gleichzeitig vermute ich zu wissen, was du mit "wirr" meinst. Teil dieses Fremdheitsgefühls ist bei mir nämlich auch, dass einem die eigene Gedanken- und Gefühlswelt fremd und teilweise unnachvollziehbar geworden ist und das ist total komisch, weil einem doch eigentlich nichts näher ist als das, was man denkt und fühlt. Ohje, jetzt schreibe ich wirr, sorry.


    Es ist gut und wahnsinnig wertvoll, dass du einen Freund hast, der auf dich achtet und aufpasst, aber nicht urteilt und wertet. Denn das wäre das letzte, was noch gefehlt hat. Ich bin froh, dass du ihn in deinem Leben hast. Das macht sicher einen großen Unterschied, auch wenn es nichts daran ändert.

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    Vielleicht ist mein Problem, dass ich dieses Leben so nicht akzeptieren kann. Und nicht will. Ich arbeite, ich gehe einkaufen, ich treffe Bekannte, ich kann auch wieder Witze machen und flirten... aber ganz tief in mir drin weiß ich, dass es nicht das ist, was ich will. Was ich brauche. Was fehlt... Ich kann und will nicht.

    Ja, hundertmal ja. Einerseits spüre ich immer wieder meine Grenzen und ein sehr reales "Ich kann nicht mehr.", aber letztendlich hat auch das "Ich will es nicht. So will ich dieses Leben einfach nicht." einen großen Anteil, vielleicht auch den größten. So kann ich das Leben auch nicht akzeptieren.

    Ich weiß nicht, wie es dir damit geht, aber ich denke oft darüber nach, worum ich das so empfinde und welchen Einfluss dieses Gefühl auf dieses komische, leere Weiterleben hat. Ein paar Mal wurde mir im Laufe des letzten Jahres schon gesagt, ich wäre bockig oder würde darauf beharren traurig zu sein und wollte gar nicht getröstet werden. Für mich sind diese Einschätzungen absurd und grotesk, weil sich seit dem Tod von H. alles einfach total außer Kontrolle anfühlt und es ja wirklich nichts gibt, was trösten könnte. So als wäre mir seitdem alles - oder zumindest vieles - einfach aus der Hand genommen worden und so als würde nicht ich das Leben leben, sondern das Leben mich.

    Aber vermutlich hat man schon die Chance, aus dem Scherbenhaufen "etwas" zu machen oder auch nicht. Vielleicht ist es bockig wenn man daraus nichts machen will oder nicht weiß was. Für mich stellt sich einfach die Frage, ob man sich irgendwann weniger fremd und wieder mehr wie man selbst fühlt, wenn man versucht das alles zu akzeptieren. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man das jemals akzeptieren könnte, aber womöglich macht Akzeptanz das alles etwas einfacher und leichter?


    Vorstellen kann ich es mir nicht so recht. Andererseits habe ich es in meinem nächsten Umfeld so ähnlich erlebt. Mein Vater starb als ich wenige Monate alt war mehr oder weniger unvorhergesehen und ebenso wenige Monate später zog bereits ein neuer Mann bei meiner Mutter ein. Gedenken an oder Trauer um ihren ersten Mann habe ich bei meiner Mutter nie miterlebt. Das soll nicht heißen, dass es sie nicht gab, ich will mir nicht anmaßen, meiner Mutter Gefühle oder ihr Fehlen zu unterstellen, dafür weiß ich viel zu wenig über ihr Innenleben und habe auch seit Jahren viel zu wenig Kontakt. Dennoch ist es für mich heute, nachdem ich selbst den mir nächsten Menschen verloren habe, irgendwie noch unbegreiflicher und noch weniger nachvollziehbar als früher geworden, wie sie das sieht. "Warum soll ich mich ewig über etwas ärgern (- ja, sie sprach in dem Zusammenhang immer von "ärgern", nicht von traurig sein oder ähnlichem), was ich nicht ändern kann." und "Zusammenreißen und nach vorne schauen, alles andere hilft ja nichts." sind Sätze, die ich als Kind zig tausende Mal gehört und schon damals nicht richtig verstanden habe. Jetzt noch viel weniger, wohlwissend, dass H.s und meine Beziehung und unsere Liebe bestimmt eine ganz andere Ebene hatte, als die Beziehungen meiner Mutter.

    Trotzdem bleibt mir das alles unverständlich. Denn natürlich "hilft" es nichts, gedanklich und emotional an dem zu hängen, was war - aber wie soll es gehen, sich zusammenzureißen und einfach nach vorne zu schauen? Das ist doch nichts, was man entscheiden kann oder doch? Und "vorne", wo ist das überhaupt? Ich will kein "Vorne", keine Zukunft, ich kann mir derzeit keine Art von Zukunft vorstellen. Würde es helfen, wenn man das könnte? Vermutlich. Aber wie kann man können? Das sind Fragen, die ich mir oft stelle.

    (Und damit möchte ich auf keinen Fall ausdrücken, dass ich nicht nachvollziehen kann, wenn jemand nach dem Verlust seiner Liebe lernt, die Situation zu akzeptieren und einen neuen, positiven Zugang zum Leben findet (und vielleicht sogar einen neuen Menschen an seiner Seite). Das würde ich niemals pauschal verurteilen oder negativ sehen. Das Beispiel mit meiner Mutter ist sicher auch sehr subjektiv von unserer schlechten Beziehung geprägt und daher unfair.)


    Shiva, tut mir leid, dass meine Antwort so lange wurde. Wenn du möchtest, kann ich vor allem den letzten Teil auch zu mir rüber schieben.


    Ich hoffe, du hast ein ruhiges (oder lautes) Wochenende - je nachdem, was grade besser für dich ist!

    Liebe Grüße, Sturm

    Bettina, das klingt schrecklich!

    Wie kommt diese Person denn eigentlich auf die Idee, sich an dem Grab zu schaffen zu machen?


    In meinen Augen (!) steht es prinzipiell jedem zu, an einem Grab etwas abzulegen und um den verstorbenen Menschen zu trauern, egal wie eng oder wenig eng die Beziehung nun war. Aber etwas am Grab "verändern" klingt ganz, ganz anders und sehr unangenehm, vor allem weil du schon thematisiert hattest, dass du das nicht willst. Wirst du es noch einmal ansprechen und weißt du schon wie?

    Liebe Bettina,


    nein, das hat man sonst nicht. Aber leider ist das alles auch mit nichts anderem vergleichbar, genauso wenig wie sich eine Amputation mit einem Beinbruch vergleichen lässt.

    Man kann zwar weiterleben (oder muss), aber es wird nie wieder wie vorher und nie wieder ganz heile. Es wird immer etwas fehlen.


    Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht. Ich hoffe, dass du heute vielleicht etwas zur Ruhe kommen kannst, um dich von gestern zu erholen.


    Liebe Grüße, Sturm

    Auch einmal etwas irgendwie "Gutes": heute habe ich unter einem Schrank einen Notizzettel von H. gefunden, zusammengeknüllt und wahrscheinlich den Katzen zum Spielen geworfen und von denen irgendwann unter den Schrank gespielt.


    Drauf stand nichts besonderes, es war bloß eine Liste mit Erledigungen wie "X anrufen", "Y kaufen", "Z zur Müllstelle bringen" und sowas, aber anhand einiger Punkte konnte ich mich erinnern, wann in etwa sie ihn geschrieben haben musste und dieses Erinnern an solche banalen, langweiligen Alltagssachen hat mir gut getan. Natürlich tut es auch scheißeweh, aber es war auch gut und ich habe mich so über diesen dummen, kleinen Zettel gefreut. Ihre Handschrift, ihre Art, Wörter durchzustreichen und die 9 zu schreiben, eine kleine Kritzelei auf der Rückseite. Wie sehr kann man einen anderen Menschen eigentlich lieben?

    Liebe Speedy,


    dein Beitrag von Sonntag hat mich sehr getroffen.

    Denn du hast recht: ich hätte H. niemals irgendetwas vorschreiben wollen (- oder können, sie hätte das niemals zugelassen). Sie musste auf Grund ihres familiären bzw. kulturellen Backgrounds viele Jahre lang sehr um ihre Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen und es war für sie ein langer, schwieriger, schmerzhafter Prozess sich zu befreien und zu emanzipieren. Jemanden, der ihr sagt, was sie tun soll, wäre das letzte, was sie in ihrem Leben gewollt hätte und so hätte unsere Beziehung auch nicht funktioniert.


    Es ist - und das schreibe ich bei weitem nicht zum ersten Mal - vermutlich nicht sinnvoll diesen Gedankenkreiseln nachzuhängen, aber worum es für mich geht, ist trotzdem anders. Es geht nicht um Vorschreibungen, es geht darum sich um den anderen zu kümmern, ihn wahrzunehmen, hinzuschauen... Das sind die Dinge, die ich nicht oder zu wenig gemacht habe und das ist es, was ich mir nun mal vorwerfe, weil es für mich eigentlich selbstverständlich ist, wenn ich jemanden liebe.


    Du schreibst, du hättest deine Frau oft gefragt, immer wieder. Ich weiß nicht, ob ich mich heute in der selben Situation damit besser fühlen würde, aber so wie ich das sehe und erinnere: ich habe H. in diesen letzten Wochen eben nicht immer wieder gefragt. Geht es dir gut, was brauchst du, was kann ich tun, wie kann ich helfen, bist du sicher, dass du kannst/dass es geht? Gut, mein Erinnerungsvermögen ist total durcheinander und kaputt, aber so wie ich es heute sehe (- Achtung, auch die x-te Wiederholung -) hätte ich etwas merken und tun müssen. Und ja, hätte ich es besser gewusst, vielleicht hätte ich auch versucht ihr Vorschreibungen zu machen, auch wenn es ihr nicht gepasst hätte. Dieses eine einzige, entscheidende Mal.

    Du meinst es total gut und ich bin dir dankbar, aber letztendlich ist es unmöglich Ferndiagnosen über mein Versagen zu stellen. In meinen Augen habe ich in Liebe versagt. Vielleicht beurteile ich das irgendwann anders. Im Moment geht das leider nicht, obwohl ich es mir - auch wenn es bestimmt nicht so wirkt, sondern eher festgefahren und bockig - sehr wünsche. Ich glaube, du hast recht. Es dauert eben, so lange es dauert.


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    ich vermisse sie jeden Tag, das wird sich auch niemals mehr ändern, versuche jedoch, allmählich auch mal wieder was für MICH zu tun, ob ich allein irgendwo essen gehe oder mit dem Rad fahre ... es ist immer zwiespältig - einerseits bedaure ich natürlich, dass sie und der Vierbeiner nicht dabei sein können, zumindest nicht stofflich, andererseits merke ich, dass ich mich anschließend trotzdem etwas besser fühle ...

    Speedy, das klingt gut. Trotz der Ambivalenz. Mir kommt es von dem Punkt aus, an dem ich derzeit stehe, wie ein irrsinnig großer, schrecklich lebensbejahender Schritt vor, den du da gemacht hast. Etwas für dich tun, das ist viel. Mit dem Schmerz und der Trauer. Ich bin froh für dich und hoffe, du kannst damit weitermachen!


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Bettina,


    ich wusste gar nicht, dass man für die Ummeldung einen Termin benötigt. Es war in jedem Fall gut eine Email zu schreiben, dann kannst du belegen, dass du dich zeitgerecht um alles kümmern wolltest. Vielleicht wäre es sinnvoll, auch noch eine Email an den Anbieter der KFZ-Versicherung zu schreiben, die Situation und Probleme einen Termin zu bekommen, kurz zu schildern, denn die muss später auch umgeschrieben werden und vielleicht haben die einen Vorschlag? Ich bin ehrlich gesagt eher ein Versicherungstrottel, aber glaube, dass hierzulande KFZ-Versicherer manchmal mit den Zulassungsstellen vernetzt sind und in deinem Fall vielleicht weiterhelfen könnten. Ob das aber in Deutschland auch so ist? Leider keine Ahnung.


    Tut mir leid, dass du dich mit alldem befassen musst. Eigentlich ist das alles so "unwichtig", aber muss doch erledigt werden... Schlimm, dass das alles dann auch noch so schwierig und kompliziert ist.


    Liebe Grüße, Sturm

    Ja, liebe Stille Perle, ich denke auch oft, dass es sehr gut passt, denn die Zeit ist für uns doch tatsächlich stehen geblieben.

    Danke für dein Verständnis, manchmal komme ich mir selbst sehr, sehr eigenartig und an den Grenzen des Wahnsinns vor, weil all ihre Sachen so einen Stellenwert für mich haben und ich vermutlich durchdrehen würde, wenn etwas davon verloren ginge oder in andere Hände käme.


    Fühl dich auch umarmt - danke! Sturm

    Liebe Speedy,


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    Auch DAS muss man erstmal begreifen

    ich danke dir sehr für den Gedankengang. Es ist nicht einfach, das so an mich heranzulassen, aber ich spüre, dass ich es muss und wahrscheinlich in diese Richtung weiterdenken sollte. Das fällt mir schwer, weil genau dieses Thema Dreh- und Angelpunkt ist. Ich weiß, dass sie mich nicht (und auch sonst niemanden) belasten wollte, dass sie sich zurückgenommen hat und nicht an sich, sondern an jeden sonst gedacht hat. Sie hat immer geholfen und beschützt.


    Kurz vor ihrem Tod hatte sie Schwierigkeiten in der Arbeit, die ihr sehr zu schaffen machten. Zu dem Zeitpunkt sah es so aus, als hätte ein Fehler von ihr bzw. eine Entscheidung, die sie getroffen hatte, für jemand anderen negative Konsequenzen und sie wurde dafür bereits sehr hart angegriffen und kritisiert, bevor überhaupt genau klar war, inwieweit ihre Arbeit diese Folgen verursacht hatte. (Später stellte sich heraus: es war nicht ihr Fehler, in keiner Weise.) Jedenfalls war sie sehr belastet, hatte zugleich wahnsinnig viel zu tun - dann war sie auch noch krank und nicht richtig fit, unsere geplante Reise stand an und als sie danach wieder zurück ins Büro kam, stapelten sich zuvor liegengebliebene und ein Haufen neue, unerledigte Arbeit auf ihrem Schreibtisch. Trotzdem ließ sie alles stehen und liegen, um einem Kollegen aus der Patsche zu helfen und kümmerte sich zwei Arbeitstage lang nur um dessen Schwierigkeiten. Obwohl sie viel Druck von ihren Vorgesetzten hatte, obwohl sie zu dem Zeitpunkt davon ausging, einen weitreichenden Fehler gemacht zu haben, obwohl sie selbst in eigener Arbeit versank und obwohl es ihr nicht gut ging.

    Ich weiß, sie wollte niemanden belasten. Sie wollte mich nicht belasten und damit beschützen. Aber warum zur Hölle habe ich sie nicht beschützt und ihr geholfen? Sorry. Es sind die immer, immer gleichen Fragen, eine endlose Wiederholung. Aber ich werde über deine Zeilen nachdenken, auch wenn es eine große Qual ist.


    Wie geht es dir derzeit und wie kommst du durch deine Tage?


    Liebe Grüße, Sturm

    Sommermond, ich finde das auch sehr, sehr schön und bin froh, dass du dieses Kreuz hast.


    Wir hatten Ringe ohne Ehe, leider konnte/durfte ich ihren nicht bekommen. Meinen Ring trage ich immer und dazu noch ihre Armbanduhr, die sie an dem Tag nicht bei sich hatte. Leider funktioniert sie nicht mehr, sie ließe sich ganz bestimmt wieder in Ordnung bringen, aber ich bringe es einfach nicht über mich, sie zur Reparatur zu geben, nicht einmal für ein paar Stunden.

    Liebe Karin,

    möchtest du auf diesen Beitrag von dir noch Reaktionen lesen oder soll er für dich ein Schlusspunkt sein?


    Ich kann beides verstehen.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Speedy,


    deine Beschreibung von dieser Veränderung klingt so klar und friedlich, ich bin froh für dich (- auch wenn mir klar ist, dass "nur" traurig und diese Art von "traurig" bestimmt schon entsetzlich und schmerzhaft genug für drei Leben ist).


    Wie beeilt man sich denn?

    Hier liegen noch so viele, gefühlt unschließbare Wunden offen (über die ich derzeit inhaltlich gar nicht schreiben kann, die Umstände ihres Todes und nichts darüber zu wissen, die fehlende Möglichkeit eines Abschieds, der Krieg mit ihrer Familie etc.pp.), dass es mir von der Stelle, an der ich jetzt stehe, wie eine endlos lange Reise erscheint, bis ich irgendwann an einen Punkt kommen kann, an dem ich ein wenig Frieden finden und "nur" noch traurig sein werde. Trotzdem hoffe ich, dass ich ihm täglich etwas näher komme. Und wer weiß, vielleicht bin ich irgendwann selbst überrascht, dass ich tatsächlich an diesem Punkt angekommen bin. Das wäre bestimmt ein schönes Gefühl.


    Vor kurzem habe ich wieder durch Fotos und Videos gescrollt und bin in einer Chatgruppe mit Freunden auf ein kurzes Video gestoßen. Aufgenommen vor etwas mehr als einem Jahr, später Frühling 2019. H., mit chaotischen, ungewaschenen Haaren am Küchentisch sitzend, Gitarre in der Hand und "The Lion Sleeps Tonight" anspielend und singend. So ein bescheuerter, grässlicher Popsong und für mich plötzlich das traurigste Lied auf der ganzen Welt. Und H. in diesem Video: so real und im Leben und alles ist normal und gut. Wieder kommt es mir so unvorstellbar vor, dass sie _tot_ sein soll. Eigentlich ist das doch unmöglich.


    Liebe Grüße, Sturm

    und dann... meine basis und Rogers basis verschmolzen miteinander... es gab nicht mehr ZWEI Basen, sondern nur noch EINE basis bestehend aus zwei hälften...


    vorher, da war ich nur halb, aber dass wusste ich erst nachdem ich mit Roger zusammen war....


    und jetzt, jetzt bin ich nicht mal mehr halb, sondern garnichts mehr....

    Liebe Bine,

    es ist so schön wie du eure Liebe beschreibst. So schön und so traurig. Dieses Gefühl, jetzt gar nichts mehr zu sein, kann ich sehr, sehr gut verstehen.


    Dass es dir ein wenig gelingt positive Tage als solche wahrzunehmen, ist sicher ein gewaltiger Schritt und ja, vielleicht kann das irgendwann wieder eine Art Basis werden. Sicher nicht so, wie das was wir eigentlich darunter verstehen, aber womöglich auf andere Weise. Ich wünsche es dir und uns von ganzem Herzen.


    Liebe Tigerlily,

    ich danke dir so sehr für dein Verstehen (und das Verstehen von euch allen). Es ist so wertvoll, wenn man sich so abgekapselt und abgetrennt vom Rest der Welt fühlt und sich selbst oft nicht verstehen kann.

    Du hast recht, ich will auch nicht, dass die Trauer einfach weggenommen, weggezaubert wird. Das wäre seltsam und nicht richtig, das ist nicht der Weg.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Sunny,


    dein Wort drückt alles aus, mehr braucht es nicht. Danke, danke, danke dafür. Ja, die Basis fehlt. Und ohne Basis geht es nicht, kann es gar nicht.


    In einem Buch, das ich vor vielen Jahren las, beschreibt der Schriftsteller Haruki Murakami den Anfang einer Liebe wie einen heftigen Sturm, der alles aufwirbelt und hochschleudert, bis kein Stein mehr auf dem anderen ist.


    Dieses Bild mochte ich immer so gerne. Bis kein Stein mehr auf dem anderen ist. So war das für mich mit H. Als wir uns trafen war ich gerade erwachsen, als wir uns verliebten war ich 21. Bis dahin hatte mein Leben keinen Wert, es gab keine Perspektive. Es war sicher nicht alles schlecht bis dahin, aber eine Basis habe ich nie gehabt und ohne Fundament hat man nicht einmal eine leise Idee eines Zuhauses und keine Vorstellungen von einer Zukunft. Die meiste Zeit über baute ich nur Scheiße, um irgendetwas zu spüren, egal was, weil da sonst nur Leere und Orientierungslosigkeit waren und es gab niemanden der sich darum scherte, ob ich mir das Hirn wegkokse oder auf der Straße lande.

    Dann kam H. und sie kam wie eine Naturgewalt über mich und, ja, ließ keinen Stein mehr auf dem anderen. Sie gab mir eine Basis, baute mir ein stabiles, sicheres Fundament, das erste meines Lebens. So oft habe ich mich in all den Jahren gefragt, wie sie mich lieben kann, ausgerechnet mich, was sie an mir findet, was sie in mir sieht. Ich konnte es nicht verstehen und war zugleich so glücklich darüber sie an meiner Seite zu haben.

    Es ist so seltsam, ich hatte immer wieder schreckliche Angst, dass sie mich irgendwann verlässt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass sie es mit mir aushalten kann. Und zugleich gab es in meinem Kopf gar keine andere Möglichkeit, keine Alternative, keinen Plan B zu der Vorstellung dieses Leben mit ihr zu haben. Ich hatte Angst davor, dass sie mich irgendwann nicht mehr will, aber zugleich habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet, dass sie irgendwann nicht mehr da sein könnte und wie es ohne sie wäre.


    Jetzt ist alles anders. Ein neuer Sturm und wieder blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Bloß ist da kein Fundament mehr, keine Stabilität, keine Sicherheit. Nur noch Chaos und Scherben. Daraus kann man nichts bauen. Bitte entschuldige das selbstsüchtige Gequatsche, so war das nicht geplant. Plötzlich kamen so viele Worte, obwohl ich mich eigentlich nur für deine Zeilen bedanken wollte, sie fühlen sich so richtig an. Schmerzhaft richtig.

    Es tut mir unfassbar leid, dass du auch keine Basis mehr hast.


    Liebe Grüße, Sturm