Posts by Sturm

    Liebe Gabi,


    ich habe oft an Hannes und dich gedacht und dann doch nicht den Weg hierher gefunden, weil ich nicht konnte.

    Jetzt lese ich, dass dein Cousin verstorben ist und was sonst so aktuell bei dir los ist. Ja, was kann man dazu schon sagen. Für manches gibt es einfach keine Worte, die neu wären oder noch ungesagt sind. Wenn ich an dich denke, habe ich immer so ein inzwischen sehr selten gewordenes Gefühl. Schwer zu erklären, aber was du schreibst (- selbst wenn du es gerade hier ja über dich und für dich schreibst), ist für mich immer so, als würde mir jemand die Hand auf die Schulter legen und "Ich verstehe dich." sagen. Ja, deine Worte sind für mich tiefes, wenn auch ungewolltes Verständnis für Trauer und ihre vielen Facetten. Nicht "Alles wird wieder gut.", auch nicht "Alles ist aussichtslos.", sondern einfach ein reales, realistisches Gefühl des Verstehens. Dafür war ich dir schon so oft dankbar.

    Selbst wenn ich ganz tief in mir krame, finde ich nicht viel Hoffnung, aber wenn es irgendwo noch einen Krümel gibt, dann hoffe ich damit, dass du dich irgendwann wieder auf der helleren Seite des Lebens findest.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Ange,

    ich wünsche dir was du dir wünscht und hoffe, so sehr, dass es klappt mit einer kleinen Wohnung für dich und einem besonderen Platz für Jürgen, der nur ihm und dir gehört und euch keiner nehmen kann.


    Bitte schreib hier, wann immer du doch wieder das Bedürfnis dazu hast. Ich denke immer wieder an dich, weil es mir so unendlich leid für Jürgen und dich tut. Vor allem auch die Situation mit seinem Grab.


    Alles, alles Liebe für dich, es wird mir fehlen von dir zu lesen. Sturm

    Liebe Shiva,

    Rainer und du, Brigitte und du, ihr habt euch das schönste Geschenk gemacht, das sich liebende Menschen machen können. Er hat dir sein Innerstes anvertraut und du hast ihn dafür geliebt, genauso wie er sein will und genauso wie er ist. Er-Sie, Brigitte-Rainer, ganz egal. Ihr zwei, wie auch immer: Liebe.


    Aber viel, viel, viel zu wenig Zeit. Es tut mri so leid, Shiva. Ich bin froh, dass Rainer bei dir frei sein konnte. Bin auch traurig, dass er es nur bei dir sein konnte. Die Welt ist grausam. Dass H. ausgerechnet in eine radikal sunnitische Familie geboren wurde und trotz ihres Freischlagens am Ende alles so kommen musste, wie es kam und ihr Tod in der Gefangenschaft endete, der sie immer entflohen ist... Dass Rainer in seinem Umfeld nie frei sein durfte. Vielleicht werden wir das nie verkraften können. Umso wichtiger, dass du ihm Freiheit geben konntest.


    Ich denke an euch, Sturm

    Ich habe viele schöne Erinnerungen und ich glaube ich habe schon mal geschrieben, dass ich bei allem was traurig war, wenn ich niedergeschlagen war, wenn ein unangenehmer Termin zu absolvieren war, wenn ein Unglück passiert ist, immer wusste, dass es etwas gab auf das ich mich freuen konnte und das habe ich dann als Ankerpunkt fürs Durchhalten benutzt.

    Das fehlt jetzt.

    Es gibt nichts mehr worauf ich mich freue, wirklich freue.

    Liebe Gabi,

    es ist verrückt, wie sehr deine Worte meinem Innenleben Ausdruck geben.


    Die Ankerpunkte, ja. Ich würde an der Stelle sogar in zwei Punkten noch weiter gehen - vielleicht ist es für dich anders oder auch ähnlich. SOrry, wenn es nicht zu deinem Empfinden und auch nicht zum Thema passt.


    Der erste Punkt der mir in den Sinn kommt und worüber ich schon oft für+ mich nachdachte: durch die Liebe und Beziehung und Lebenspartnerschaft konnte ich eine stabile und vertrauensvolle Resilienz entwickeln. Dabei geht es für mich nicht nur darum einen unangenehme Termin zu überstehen oder eine anstrengende, schwierige Lebensphase, weil man sich mit dem Lebensmenschen sicher ist, dass auch wieder bessere, schönere Zeiten oder Zeitpunkte komme (- aber ja, das kenne ich auch!), sondern ein Grundvertrauen ins Leben und eine Grundsicherheit im Leben. Und mit dieser Basis war es auch einfach dem Leben freudig und offen für die kleinen und großen schönen Dinge zu begegnen, sie wahrzunehmen und schätzen zu können. Vielleicht ist es in Augen mancher Menschen ein Armutszeugnis, dass man diese Fähigkeit nicht aus eigener Kraft, alleine und für sich selbst entwickeln kann. Das mag vielleicht so sein. Mir ist das egal, weil ich geliebt wurde und lieben durfte und alles was sich daraus entwickelte, ist ein großes Glück für mich. Für mich weiß ich: alleine hätte ich das so niemals erfahren und erleben können.


    Ja, und zweitens: die Ankerpunkte sind nicht nur wichtig, um blöde Tage und schlechte Zeiten zu überstehen. Sie sind grundsätzlich wichtig, weil sie das gemeinsame Leben zu dem gemeinsamen, einzigartigem Leben machen. Deine und Hannes Ankerpunkte sind ausschließlich eure Ankerpunkte, H.s und meine sind ganz andere und so hat jeder Mensch, hat jedes Paar die eigenen, individuellen. Sie geben dem sonst fahlen, dahinplätschernden Alltag Kontur. Salz in der Suppe sagt man doch, oder? Wenn es das nicht mehr gibt, ist das Leben nur noch ein tristes, ödes, konturloses Dahinplätschern. (Und dann ist da ja noch der Schmerz und die Trauer, die Sehnsucht und Einsamkeit. Dazu vielleicht noch Probleme, mit denen man nun alleine fertigwerden muss). Dieses Dasein ohne Ankerpunkte, ohne Freude, aber mit Trauer und Einsamkeit machen es sehr schwer, Lebenssinn und Lebenswillen zu finden.


    Quote

    Ich weiß, manche von euch werden sage, freue dich doch an den kleinen Dingen, die Vögel, die bereits den Frühling besingen, das gute Essen, das du dir zubereitest, die Gespräche mit Freunden.

    Aber das ist es nicht, was ich meine.

    Es stimmt, dass ich mich in den ersten beiden Trauerjahren selbst daran nicht mehr erfreuen konnte und dass es schön langsam wieder wird und dass das auch gut so ist, aber das ist es nicht.

    Ja.

    Manchmal freue ich mich. Oder eher anders: ich bemerke etwas, worüber ich mich im Normalfall freue. Deine Beispiele passen gut, ein Vogel vor dem Fenster, die Katze macht etwas Lustiges,... Ja, ich sehe es und "freue" mich, aber - und das soll in keiner Weise undankbar klingen - es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, der sofort verdampft und kein nachhaltiger Trost ist oder die Leere nicht für eine längere Zeit als diese Sekunde des Erlebnis ein bisschen füllt.

    Meistens spüre ich auch sehr deutlich (- und das ist dann oft ein bitterer Moment), dass die Freude einfach nicht ganz in mich eindringen kann. Ich muss vielleicht auch mal über etwas lachen oder schmunzeln, aber was ich viel stärker wahrnehme ist diese unsichtbare Grenze, Mauer? Schlucht? Die unüberwindbar sind. Es fehlt die Brücke.


    Und vielleicht sind unsere die Brücke, die uns fehlt, um von Gefühlen wie Freude, Hoffnung, Sicherheit, Vertrauen erreicht werden zu können?

    (Ich meine das nicht im plastisch ausgedrückten, esoterischen Sinn, sondern sehe für mich (!) meine Beziehung zu H. wirklich als Fundament an für alles andere.)

    Ohne stabiles Fundament, ohne feststehendes Gerüst kann man so viele freudige Erlebnisse auftürmen und aufstapeln wie man will, sie werden wackeln und einstürzen.


    Es ist vielleicht zu simpel gedacht, aber über diese "Unfähigkeit" optimistisch zu sein, sich zurück ins Leben zu "kämpfen", sich Freude und Glück wieder anzueignen und das UNverständnis von Menschen, die genau das erfolgreich hinkriegen, habe ich schon oft in dem Kontext nachgedacht:


    Die Bedürfnispsyramide von Pawlow (ich weiß auch um die Kritik an diesem Zugang und bin auch zu ungebildet in dieser Thematik um das Konzept vollständig zu begreifen), aber Pawlow hat die menschlichen Grundbedürfnisse einer Art pyramidenförmigen Hierarchie untergeordnet und sagt z.B:


    1. Stufe (unterste Ebene) = Grundbedürfnisse, die für die menschliche Existenz und ein Überleben nötig sind, z.B. Schlaf, Trinken, Essen

    2. Stufe = Sicherheitsbedürfnisse wie Schutz vor akuten Gefahren, aber auch sowas wie Kälte, Wetter, also: Wohnraum/Schutzraum, Kleidung, Sicherheit für wirtschaftlichen Risiken usw.

    3. Stufe = Soziale Bedürfnisse, Beziehungen, Liebe, Freundschaften, Geborgenheit, Körperlichkeit

    4. Stufe = Selbstverwirklichung


    Die Theorie dahinter ist, dass erstmal Stufe 1 erfüllt werden muss, damit sich der Mensch Stufe 2 widmen kann. Ganz einfach und überspitzt-amateurhaft ausgedrückt: jemand der akut am Verdursten ist oder an akutem Schlafmangel leidet, wird vermutlich in dem Moment keine Nerven dafür haben, eine Freundschaft durch irgendeine nette Geste zu pflegen.


    Vielleicht habe ich das ganze Konzept zu wirr oder sogar ganz falsch erklärt, vermutlich ist es auch schon seit hundert Jahren überholt. Für mich persönlich passt es an ganz vielen Stellen nicht, aber was ich damit ausdrücken möchte: für manche Menschen ist die Beziehung und Liebe zu ihrem Lebensmenschen vielleicht existenziell, d. h.: Stufe 1.

    Und wenn so ein elementarer Bestandteil von Stufe 1 wegbricht, ist es nunmal schwer bis unmöglich sich über vorbeifliegende Schmetterlinge zu freuen. Zumindest: aufrichtig und von Herzen zu freuen.


    Das hat dann auch nichts damit zu tun:

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    Auch dabei gibt es wieder die Kehrseite, weil man es auch ganz anders interpretieren kann: Als Rumjammern, sich gegenseitig runterziehen, nicht die Liebe für den verstorbenen Menschen feiern, sondern sich im Leid suhlen.


    Denn ich glaube, wie man Liebe und Liebes- bzw. Lebensbeziehungen oder Lebensmenschen in sein Leben integriert, um bei dem hoffentlich nicht vollkommen missglücktem Beispiel mit dieser Bedürfnispyramidengeschichte zu bleiben, ob in Stufe 1, 2, 3, 4... ist - meiner Meinung nach !!! - KEINE bewusste Entscheidung.

    Es hat, glaube ich, mit der Persönlichkeitsstruktur zu tun, mit der eigenen Prägung, Lebensgeschichte und sicher noch viel mehr. Es ist auch sicher kein Indikator für das Ausmaß von Liebe oder Beziehungsqualität. Das würde ich niemals behaupten wollen.

    Aber ich glaube, manchen Menschen haben nach dem Verlust ihrer Liebe einfach nur begrenzte Möglichkeiten und Perspektive. Und ich glaube: das ist nicht ihre Schuld und selten eine bewusste Entscheidung.


    Ganz ehrlich: wer leidet denn schon gerne? Wenn ich ein Mittel finden würde oder einen Weg, der zu einem 10% erträglicherem Leben führen würde, der mir ein klitzekleines bisschen Lebensqualität geben würde und so vielleicht auch Hoffnung und Zukunftsperspektive: ich würde diese Gelegenheit sofort schnappen.


    Sorry für die wirren, vielleicht zusammennhangslosen Gedanken, ich hoffe es crasht nicht dein Thema, liebe Gabi.

    An der Stelle deswegen auch besser mal Schluss, obwohl du noch viel viel viel mehr schriebst, womit ich mich identifizeiren kann.


    Danke!


    Liebe Grüße, Sturm

    Ich fühle mich heimatlos. Ruhelos. Ich möchte nicht hier sein. Möchte nicht bei mir in der Wohnung sein. Ich fühle mich wie ein Vertriebener... wissend, wo und wer Heimat war. Verloren. Vorbei. Vermissend.

    Liebe Shiva,

    ich "freue" mich dich zu lesen, weil ich oft an dich denken musste. Was du schreibst, kann ich verstehen und trotzdem wünschte ich, dass alles anders wäre für dich, für uns alle.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Kikiro,

    vielleicht war es das, was du unbewusst gebraucht hast und dann ging es einfach nicht anders? Manchmal (oder auch oft) kann man einfach nichts, egal wie sehr man muss oder sollte oder möchte.


    Wie auch immer: schön, von dir zu lesen.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Birgit,


    noch immer fehlen mir die Worte angesichts dieses Albtraums, der deiner Familie und dir geschehen ist.

    Ja, wir versuchen hier für dich da zu sein und du kannst hier immer, immer, immer schreiben, wenn dir danach ist, aber leider kann das nichts gegen deinen Schmerz und die Leere ausrichten. Aber dennoch weißt du, dass du hier immer offene Ohren und Menschen findest, die an dich denken und versuchen da zu sein.


    Bitte mach dir aber keinen Druck, hier schreiben zu müssen, wenn du es nicht schaffst. Alles muss so unerträglich sein. Es gibt überhaupt kein Müssen mehr, mach nur, was für den Moment einigermaßen erträglich für dich ist.


    In Gedanken bei Helmuth, dir und eurer lieben Nadja. Das Leben ist so grausam. Es tut mir unfassbar leid, liebe Birgit.

    Sturm

    Verbuendete


    Liebe Waltraud,

    hier noch zu deiner technischen Frage:

    Verbuendete wrote:

    Ich habes nicht kappiert.

    Hat das dann was damit zu tun, wenn ich es zb bei Sturm in sein WZ stelle dann kann nur er es lesen....oder wie ist das gemeint

    Nein, die Spoiler-Funktion ist personen- und wohnzimmerunabhängig und funktioniert in jedem Beitrag gleich. Was du in das Spoilerkästchen setzt (- sieht im Text-Fenster genau wie das Zitat-Kästchen aus), wird im abgeschickten Beitrag erstmal versteckt angezeigt. Nur, wenn man gezielt drauf klickt, wird angezeigt, was hinter dem Spoiler versteckt ist.


    Ein (technisches) Beispiel zum Ausprobieren:


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Tereschkowa, liebe Mit-Mitglieder!


    Danke für diesen Thread, ich denke auch gerne an solchen allgemeinen Themen rum (- und werde gerne daran erinnert, an welchen Punkten ich mich vielleicht selbst an der Nase nehmen muss).


    Mich hat kürzlich nachdenklich gemacht, was gia65 in ihrem Thread zu dem Thema schrieb und warum sie sich manchmal nicht an einem Gespräch beteiligt, obwohl sie vielleicht gerne würde (- was ich persönlich sehr schade finde, ihre Gründe zugleich aber auch verstehen kann). Dazu habe ich mich damals nicht geäußert, weil sie darum bat, das so stehen zu lassen. Deswegen ist es schon mal gut, hier einen neutralen Raum zu haben, um sich drüber auszutauschen.


    Eigentlich ist es einfach (- egal ob online oder im "Real Life"): man muss nicht zu allem seinen Senf dazu geben.


    Prinzipiell finde ich einen vielseitigen und kritischen Austausch immer gut, aber was persönliche Ansichten (z.B. den eigenen Glauben), Gefühle und Wahrnehmungen betrifft, gibt es einen Unterschied: sie sind nun mal nicht anfechtbar und damit oft unberührbar von vermeintlicher Mehrheitslogik oder gut begründeten Einzelargumenten.


    Ich glaube, warum man sich speziell hier trotzdem oft äußert, hat zwei Gründe. Einen hast du, Tereschkowa, schon genannt und gut beschrieben - eine so empfundene Bedrohung des eigenen Gedanken-/Glaubens-/Gefühlskonstrukts. Mir fällt daneben noch der Grund ein, helfen und unterstützen zu wollen und dabei im Eifer des Gefechts zu übersehen, dass sich die eigene Meinung und der eigene Weg nicht jeder anderen Person (- obwohl in einer ähnlichen Situation befindend) überstülpen lässt. Die Intention ist gut, die (Re-)Aktion nicht ganz bzw. nicht immer.


    Dass Grund 1 oft zum Greifen kommt, finde ich trotz allem verständlich. Wir alle sind SO verletzlich und unser Gerüst an teils mühsam zusammengeklaubten Gedankenzugängen, die wenigstens ein bisschen beruhigend, schmerzlindernd, tröstend wirken, ist SO instabil. Kein Wunder, dass man oft sogar da reflexhaft in eine Verteidigungshaltung driftet, wo es gar nicht nötig ist und schon gar nicht gefragt. Mit der Zeit entwickelt man aber vielleicht auch ein vages Gefühl für den Austausch und die Themen im Forum. Für mich selbst weiß ich wenigstens grob, welche Bereiche oder welche einzelnen Themen mir nicht so gut tun. Dann ist es allein an mir, zu entscheiden, ob ich einen Thread anklicken möchte oder auch innerhalb eines Threads einen Beitrag/eine Passage überscrolle. Manchmal hat man es eh nicht in der Hand, weil oft nur ein Wort oder Halbsatz reicht, um einen Triggerpunkt zu berühren und dann: Zack-Bäm-Wusch-Treffer. Aber so ist das, wenn Menschen mit Menschen zu tun haben. Es gibt keine 100%-Garantie auf ein ausschließlich kuschelweiches Babykatzen-Sonnenschein-Miteinander mit Rosenduft und herzförmigem Konfetti. Ein gewisses Maß an Respekt, Umsicht, Sensibilität und Toleranz sind aber ganz hilfreich. (Auch hin und wieder daran erinnert zu werden.)


    Bezüglich Trigger-Warnungen und Spoiler sehe ich das wie du: die Verantwortung kann nur bei dem lesenden Mitglied liegen, anders herum würde es die Intention des Forums ad absurdum führen und die Freiheit des schreibenden Mitglieds einschneiden.


    Dennoch schadet es im Zweifelsfall vielleicht auch nicht, eine Warnung oder einen Spoiler einzubauen, wenn man selbst beim Schreiben das Gefühl entwickelt, dass es irgendwie passt. Das sollte aber allein dem/der Schreiber:in unterliegen, denn manchmal bricht ein Text so spontan aus einem raus, dass man einfach nicht auf dem Schirm hat, während des Schreibens an die Leser:innen zu denken. Das muss meiner Meinung nach auch okay sein. (Wo sonst, wenn nicht hier?)

    Tatsächlich kam bei mir nach längerem Nachdenken bezüglich der Spoiler-Funktion auch das Gefühl auf, dass damit optisch gerade etwas verdeckt und versteckt wird, was viele sich außerhalb des Forums nicht trauen zu äußern, was sie im Alltag verbergen und unterdrücken müssen, weil es nicht sichtbar sein darf, vom Umfeld als falsch und unnormal gesehen und als negativ bewertet wird.

    Aber (leider) gehören jetzt auch diese (vermeintlich) hässlichen, schlimmen, schwarzen Gefühle und Gedanken zu uns und irgendwie gefällt es mir persönlich, glaube ich, doch nicht so gut, sie dann auch noch hier zu verstecken. Für mich fühlt sich daher die Triggerwarnung am Anfang eines Beitrages besser an, aber das ist nur mein Gefühl dabei. Wie du auch schon schriebst, solche Warnungen sind ohnehin mehr ein Zeichen von Achtung und Sensibilität dem verletzlichen Mit-Mitglied gegenüber, als tatsächlich eine treffsichere Schutzmaßnahme. Eben weil Trigger so vielfältig und manchmal von der eigenen Tagesverfassung abhängig sind und oft gar keiner Logik unterliegen.


    Abschließend also:

    Die Verantwortung bleibt bei der Person, die liest.

    Kritik und (wertende) Meinung als Reaktion zu Empfindungen und zum Glauben von anderen Menschen

    halte ich für mehr als lässlich in einem Trauerforum.

    Ja.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Birgit,

    ich verstehe dich. Manchmal denke ich, dass alles, was ich bin, auf H. programmiert ist. Mein Verstand, mein Herz, aber auch mein Körper, jeder Reflex, jeder Automatismus. Wie oft nehme ich in der Früh automatisch ZWEI Tassen aus dem Schrank und bemerke es nicht einmal? Das ist einfach in mir und es geht nicht weg (- aber ich will es auch nicht weghaben).


    Unsere Lieben sind Teil unserer DNA. Deswegen fehlen sie uns bis ins Mark und bis in jede Zelle.


    Ich denke an dich, Sturm

    Liebe Clarissa,


    es tut mir leid, dass deine Mutter so früh gestorben ist und dich das belastet.

    Keine Ahnung, ob meine Erfahrung ähnlich genug ist, aber als mein Vater starb, war ich noch kein Jahr alt. Er und sein Tod hatten in meiner Kindheit irgendwie auch nie Raum, das heißt, es wurde selten von ihm erzählt und zeitweise auch aus reiner Grausamkeit der Kontakt zu Menschen, die gern von ihm erzählt hätten, verboten.


    Bei mir ist es auch anders als bei dir, ich habe nicht das Gefühl ihn zu kennen und das machte mich früher oft unglücklich. Wenn er von Erwachsenen erwähnt wurde, dann nur negativ und das führte bei mir in kindlichem und später pubertärem Trotz wahrscheinlich dazu, dass ich ihn in meinem Kopf unbekannterweise total überhöhte und idealisierte und mir ein aalglattes, fancy Fantasie-Bild zurecht zimmerte, das für mich zwar stimmig war, aber vermutlich nichts mit dem Menschen zu tun hat, der er war. Für mich war das eine Weile trotzdem gut, aber irgendwann hörte das auf, weil man ja nicht an ein Hirngespinst denken will, sondern an die reale Person, mit realer Persönlichkeit und realen Eigenschaften, egal ob positiv oder negativ. (Vor allem, weil ich oft genug den Vorwurf hörte, genau so blöd zu sein, wie er.)

    Später hatte ich dann durchaus die Chance, mit anderen Leuten über ihn zu reden und Fragen zu stellen. Schade finde ich, dass er mir emotional trotzdem immer irgendwie fremd blieb. Ich habe auch kein Foto gemeinsam mit ihm (- Erinnerungen sowieso nicht). Mein älteres Geschwister hat beides, Erinnerungen und Fotos und dementsprechend ist da auch viel mehr Verbindung da. Auch Trauergefühle, glaube ich. Bei mir ist es eher so: obwohl es später mehrere Stiefväter gab in meinem Leben, hat mir "mein" Vater gefehlt. Ob er als Person mir gefehlt hat, weiß ich aber nicht.


    Gab und gibt es denn Menschen in deiner Familie, mit denen du über deine Mutter sprechen kannst und die auch um sie trauern?

    Ich glaube, das ist wichtig. Hätte es Gespräche und Trauer gegeben, wäre es für mich vielleicht auch anders und persönlicher.


    Liebe Grüße, Sturm

    Liebe Ralfsheidemarie,


    ich weiß nicht, ob man beim Trauern etwas falsch oder richtig machen kann. Aber ich finde, es ist schon ziemlich viel, dass du "etwas" spürst. Wenn du dich bei dem Gedanken nach Hause zu fahren, unwohl fühlst und Angst hast, hat das wahrscheinlich einen Grund und es ist gut, dass du bei deiner Schwester bleiben kannst. Dass unsere Lieben nicht da sind, ist so eine ungewollte, schlimme Zwangslage aus der wir uns nicht befreien können, deswegen versuche ich mich - da wo möglich - nicht auch noch selbst zu Dingen oder in Situationen zu zwingen, die mir nicht gut tun. Oft funktioniert das nicht, weil mir im Vorfeld das Gefühl fehlt und ich vorher oft gar nicht einschätzen kann, was gut oder schlecht für mich ist. Aber wenn ich doch mal etwas spüre, versuche ich mit dem zu gehen und mich danach zu richten.


    Vielleicht wäre es gerade morgen zu schlimm und zu viel für dich, alleine zu sein und dein Gehirn hält dich deswegen schon seit Sonntag zurück? Kann das sein? Vielleicht ist das auch ganz falsch, es ist nur ein Gedanke ins Blaue.


    Liebe Grüße, Sturm