Liebe Tagpfauenauge,
Bei deinen Worten hatte ich fast Tränen in den Augen. Gerne darfst du mich in den Arm nehmen und mich drücken. Einfach mal gehalten zu werden hilft manchmal sehr.
Danke für den Mut, den du mit deinen Worten schenkst, nicht nur mir hier, sondern auch in anderen Herzenshäusern und vor allem auch in deinem eigenen. Mut, einen Weg zu gehen, der nicht leicht ist.
Wie es kein Weg ist, den man sich in der Trauer entscheidet zu gehen, egal, wie dieser Weg aussieht.
Ja, das Zulassen ist zu einem wichtigen Teil des Weges geworden. Ein bewusstes Zulassen, das nichts mit "ich ergebe mich" oder gar "ich resigniere" zu tun hat. Sondern eher als ein bewusstes dem "Wegdrücken" Entgegenwirken. Fließen lassen ... was ja immer schon eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat. Sich dem zu stellen, aber nicht entgegen stellen. Nicht immer leicht und manchmal mag ich auch einfach nur wie ein kleines Kind in eine selbstgebaute Höhle krabbeln und die Decke über den Kopf ziehen. Und auch das habe ich für mich gelernt: Zuzulassen, dass man eben manchmal einfach schwach sein will. Und darf.
Zulassen hat für mich viele Facetten. Wenn es bewusst ist. Und ehrlich. Ehrlichkeit ist für mich so immens wichtig. Und dazu gehört auch die Ehrlichkeit zu sich selbst.
Zulassen - genau das habe tatsächlich auch letzte Woche am Donnerstag, als das Katerchen gegangen war, zu zwei lieben Freundinnen gesagt, die mir an dem Tag ganz besonders ein warmer Halt waren (und sind):
"Ich kenne den Ich-funktioniere Modus und weiß ihn zu nutzen. Wir sind ja alle ziemlich vertraut damit. Aber ich jage ihn jetzt bewusst dahin, wo der Pfeffer wächst und wähle stattdessen den "Ich-lasse-zu Modus."
Zum Glück war es mir vergönnt, und es gab weder am Donnerstag, noch am Freitag oder am Wochenende irgendwas, was ein Funktionieren erfordert hätte.
Die Nummer vom Tierbestatter hatte ich schon parat - ich kannte den Rosengarten ja schon von meinem Knöpfchen. Die machen das ganz wunderbar und einfühlsam, da war es leicht. Ich brauchte also nicht groß zu recherchieren, was ich denn nun tun soll.
Und ansonsten fiel einfach glatt mal dankensweiser nichts an, was meiner unbedingter Aufmerksamkeit bedurfte.
Also wurde ganz bewusst der "Ich-Funktioniere-Modus" ausgeschaltet, so dass ich komplett und ganz bewusst in den "Ich-Lasse-Zu-Modus" gehen konnte.
Das bedeutete viele Tränen, viele Fragen, viele unerwartete Trigger, aber das war okay. Weil ich mich bewusst entschieden hatte, es nicht wegzudrücken.
Die Trigger waren (und sind) dabei sehr eigenartig. Wie generell die Trauer. Denn sie konzentriert sich zum einen natürlich auf das Katerchen, denn das ist ja ganz frisch. Aber es wühlt auch die Trauer um Thomas auf. Um meinen Papi. Um mein Knöpfchen.
Und da kommen teilweise grad Trigger, die vorher kein Thema waren. Grad natürlich was Thomas angeht.
Das ist einerseits sehr aufwühlend und irritierend, aber andererseits stehe ich auch fast staunend davor, weil fast jeder Trigger, der dann von einem kleinen Trauerhammer gefolgt wird, beim Abebben ein Gefühl der Wärme und des Trostes mit sich bringt.
Die Trauer ist jetzt, hm, irgendwie weniger diffus.
Auch wenn das bedeutet, dass der Schmerz selbst grad wieder "deutlicher", intensiver ist. Nicht schreiend, das zum Glück nicht. Aber sehr intensiv.
Liebe Tagpfauenauge, ich möchte dir deine schönen Worte, die du hier für die Seelen findest, zurück geben: Schön, dass es dich gibt!
Auch dein Weg ist von Erlebtem gepflastert, bei dem so manche(r) die Segel streichen, resignieren würde. Du hast für dich einen Weg gefunden, in dem es, so wie ich es zwischen deinen Zeilen in deinem Herzenshaus lese, auch viel Platz für das Zulassen gibt. Dein Glaube ist dabei ein warmer Begleiter. Aber du bist es, die den Weg beschreitet.