Was ist, wenn man niemals darüber hinwegkommt?????

  • Liebe Elster,


    das hast du wirklich sehr, sehr schön geschrieben! Vielen lieben Dank!


    Aber Bille hat trotzdem furchtbare Angst vor der Zukunft, denn die Zukunft wollte sie nicht alleine verbringen, sondern dachte, dass sie sie mit dem Menschen an ihrer Seite verbringen dürfe. Ich weiß, das habt ihr alle in der Situation gedacht und gehofft.


    ch möchte gar nicht diese andere neue Version von mir selbst. Bitte nicht falsch verstehen. Ich kann aber sagen: Ich weiß ganz genau, dass sich diese neue Version von mir selbst immer nur "halb" anfühlen würde. Erklären kann ich das nicht. Ich weiß nur, dass es so ist. So sieht es halt in meinem Herzen aus. Ich konnte schon immer ganz schwer loslassen. Eigentlich kann ich das gar nicht. So bin ich gepolt. Kann nicht loslassen und kann mich nicht gut auf Veränderungen jeglicher Art einlassen. Deshalb hatte ich es auch schon immer schwer im Leben. Selbst mit ganz "normalen" oder "unwichtigen" Dingen. Situationen, die andere gar nicht merken, hängen mir ewig oder auch ein Leben lang nach. Das ist mir mit den Jahren immer bewusster geworden.

  • Liebe Christine,


    genau das meinte ich ja mit "darüber hinwegkommen". Man kommt niemals darüber hinweg. Man vergisst nie. "Damit leben", das meinte ich.


    Ja, ich verstehe genau, was du meinst. Jedes Leben ist kostbar. Das stimmt. Ich möchte aber nicht ein Leben alleine. Ich kann das nicht. Ich brauche jemanden an meiner Seite. Habe ich zu wenig Selbstbewusstsein? Ja, mit Sicherheit. Als ich jünger war, hatte ich mehr davon. Ich traute mich auch viel mehr. Hatte viel weniger Angst. Aber man wird älter, macht Erfahrungen. Gute, schlechte, welche ohne besondere Bedeutung usw. Man denkt irgendwann an später. So richtig an später. Man registriert, dass man tatsächlich älter wird und das Leben endlich ist. (Wer denkt mit 18 schon daran?) Und dann sagen die einen: Ich kann und will das alles alleine schaffen. Ich brauche niemanden an meiner Seite. Und die anderen sagen eben: Ich kann es ohne Seelenpartner nicht schaffen, und ich will es auch gar nicht. Ich brauche einfach den Halt an meiner Seite. Und zu denen gehöre ich. Ich kann das wirklich ganz schlecht erklären, ohne total destruktiv zu wirken. Deshalb formuliere ich es halt immer so: Für mich persönlich hat das Leben keinen Sinn, wenn man es alleine verbringen muss. Anders kann ich's einfach nicht sagen.

  • Liebe Bille,


    "Bille hat furchtbar Angst vor der Zukunft" ...
    Das ist sooo tief und geht so unter die Haut, denn man (also garantiert sehr viele hier, aber ich kann ja nur von mir mit Sicherheit sprechen) kennen diese ganz eigene Angst. Eine Angst, die mit nichts anderem vergleichbar ist, nicht mal mit Existenzangst.

    Ich habe früher immer gesagt: "Ich bin neugierig auf die Zukunft." Als mein Mann starb, wich das schlagartig genau dieser Angst, die du beschreibst.
    Damals hätte ich das selbst nicht erwartet, aber diese Neugier auf die Zukunft stellt sich wieder ein und wächst. Aber anders. Komplett anders. Und die Angst, dass da dieser eine, durch nichts zu ersetzende Herzensmensch kein Teil dieser Zukunft ist, bleibt. Aber auch das anders.

    Nicht loslassen und dass man Veränderungen am liebsten mit einem trotzigem "Geh weg" begegnen möchte, egal welche, und wenn es ist, dass das Lieblingsrestaurant am Lieblingsurlaubsort plötzlich den Besitzer und damit auch die Küche und das Ambiente gewechselt hat, ist ebenfalls etwas, das ich so gut nachvollziehen kann.
    Und wenn die Veränderung dann ein derartiger Erdrutsch ist - da kann man nicht mal mehr von einem Schock sprechen, das geht durch und durch und ist einfach nicht zu verstehen und nicht zu akzeptieren. (Elster hatte da absolut Recht - wenn jemand frisch in der Trauer ist, dann hat dieses Wort noch eine ganz andere Bedeutung und alleine es zu lesen ist wie einem großen, bedrohlichem Fleisch gewordenem Schreckgespenst gegenüber zu stehen. Ich bin da übers Ziel hinaus geschossen, als ich das geschrieben habe, bitte entschuldige. Am besten ist, das Wort einfach zu ignorieren und ihm vielleicht sogar einen bildlichen Tritt zu verpassen, wenn es versucht, sich ungefragt in dich hinein zu schleichen, solange du noch nicht bereit dafür bist.)

    Du scheinst dich ein wenig mit der Frage nach einem Medium zu beschäftigen. Es gibt mindestens eine ganz liebe Seele hier im Forum, die da glaube ich zwei sehr gute Tipps geben könnte, denn ja, das mit dem seriös ist so eine Sache.
    Aber nicht nur das: Es muss auch jemand sein, der zu dir passt. Der oder die zu dir, deiner Situation, deiner Befindlichkeit, denen Bedürfnissen und Sehnsüchten passt.
    Aber das Allerwichtigste ist, wie du dich dabei fühlst. Wenn dein Herz im Moment sagt: "Nein!" dann hat das Herz die absolute Oberbefehlsgewalt über den Rest, inklusive dem Verstand.

    Ähnlich ist es mit dem Fühlen des Liebsten. Wenn du eher Angst davor hast, weil du das Gefühl hast, dass es die nicht stillbare Sehnsucht nur noch verschlimmern würde - dann versuche es nicht mit dem Fühlen.
    Und dein Mann wird das auch wissen, denn er kennt dich gut genug. Er wird sich dir nicht aufdrängen, wenn du das nicht willst. Okay, hört sich seltsam an, aber ich denke, so kann man es ausdrücken.

    Es ist so wichtig, dass du im Moment nur Dinge annimmst, die dir gut tun und alles, von dem du auch nur einen Hauch von Angst verspürst, dass es dir nicht gut tun könnte, von dir weg schiebst.
    Ich kann nur sagen, dass ich dieses sehr deutliche Spüren als unglaubliches Geschenk empfinde. Und nein, es ist keinerlei Leere da, wenn er nicht zu spüren ist.
    Aber am Anfang hatte ich auch diese Angst, diese Frage: Was ist, wenn das weniger wird oder weg geht?
    Es haben so oft Leute hier geschrieben, dass die "Zeichen" weniger werden, weil "der Punkt kommt, an dem wir klar kommen und unsere Liebsten das wissen".
    Davor hatte ich Angst. Dass mein Lohn dafür "klar zu kommen" sein würde, dass ich ihn dann komplett verliere. Also nicht nur physisch.
    Aber da kann ich dich beruhigen: Das ist nicht so. Absolut nicht.
    Es stimmt: Es ersetzt das physische nicht und es vertreibt auch das "Nie wieder" nicht. Die Sehnsucht bleibt und manchmal knallt sie mit voller Wucht rein, auch nach bei mir jetzt ungefähr 2,5 Jahren. Aber ironischerweise tröstet dieses Spüren dann sehr. Auf einer nicht zu beschreibenden Ebene, aber es ist so.

  • Liebe Bille. Gerade lese ich deinen Beitrag. Du hast mir geantwortet. Ich möchte einmal etwas zu dem Forum sagen. Ich bin nun fast 2 Jahre hier Mitglied. In dieser Zeit habe ich so viel gelesen von verschiedenen Menschen ,wie man es woanders wohl kaum findet. Ich habe mir immer die Frage gestellt, wie geht es demjenigen gerade,der geschrieben hat. Auch mich habe ich beobachtet. Es ist glaube ich richtig, wenn man merkt, daß man sich während dieser Zeit verändert. Es ist auch ständig ein Wechselbad der Gefühle, die man erlebt. Wir sind ja eine große Minderheit von Trauernden ,die hier schreiben, wenn m an bedenkt ,wieviel Menschen täglich sterben .Etwas hat mich immer berührt, wie verschieden wir doch alle sind. In einem aber sind wir doch alle gleich. Wir möchten unser Herz ausschütten ,wir möchten Antworten finden und Anregungen ,Zuspruch und Trost. Das schwierige dabei ist aber und das ist meine ehrliche Meinung,,daß es nicht möglich ist, dem anderen immer zu helfen , weil er ein ganz individuelles Leben führt, seine ganz eigene Vergangenheit hat und vieles mehr. Und bei dir liebe Bille sehe ich den Beweis. Du hast den sehnlichsten Wunsch nach Zweisamkeit im Gegensatz zu mir. Das hat was mit unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte zu tun. Deshalb neige ich dazu,gute Ratschläge zu vermeiden, sondern spreche immer nur von mir. Das hat mir gutgetan ,weil ich dann neben meinem Schmerz erkannte, welchen Weg ich gehen muss. Ich glaube auch, daß es mit der Sinn eines solchen Forums ist. Liebe Grüße von Christine.

  • Liebe Bille,


    doch ich hab Mama gespührt Ihre Anwesenheit Ihr Geruch Ihre Hand wie Sie mich streichelt Ihre Stimme die mir sagt alles wird gut.


    Die Zeichen waren so klar so deutlich es war nicht eine Feder oder sowas sondern ganz klare Zeichen.


    Ich kann Dir gar nicht so viel mehr schreiben weil so viele liebe wie Sonnenente schon so lieb und völlig richtig Dir geantwortet haben das man da gar nichts mehr weiter zu schreiben muss kann.


    Ich kann Dir nur sagen, ja Angst alles allein zu stemmen bewältigen zu müssen, sich neu wieder finden zu müssen ist echt schwer und ein Prozess.

    Du wurdest da von null auf hundert reingeschmissen und der Verlust Deine Trauer macht es nicht einfacher.

    Bei mir ist es etwas anders und hat nichts mit der Situation Mama zu tun.


    Vlg. Linchen

  • "Die Trauer vergeht nie." - Ein Satz, der Angst macht, weil er nicht beinhaltet, dass es zwischen Trauerphasen auch Erholungspausen gibt, bzw. geben wird. Pausen, die zuerst auch noch mal zusätzlich Angst machen werden. Denn man möchte nicht drüber hinweg sein. Man hat das Gefühl, die ganz schwere Trauer schuldig zu sein. Die erste Pause war schrecklich für mich. Ich wünschte mir sofortigst die schmerzhafte Trauer zurück. Ich wusste damals noch nicht, dass die Trauer nie vergeht. Das erste Mal, als ich ein Kleidungsstück von meinem Feechen hochnehmen konnte und dabei lächelte, hat mich bis ins Mark erschüttert. Ich verstand es nicht.
    Zusätzlich zu den Erholungspausen wird es leichter zu 'er'tragen. Ich nenne es 'Muckis auf der Seele'. Das Gewicht ist das Selbe, aber mit ausreichend Training fühlt es sich leichter, bzw. tragbarer an.

    "Die Trauer ist so groß wie die Liebe zu diesem Menschen." - Nur meine Auffassung: das ist ein sehr irreführender Satz. Und ich mag ihn überhaupt nicht! Nicht jeder trauert 'groß' oder laut oder wild, wenn er/sie groß und laut und wild geliebt hat und liebt. Sehr viele lieben nach der Akutphase (die echt lang dauern kann und manchmal Hilfe benötigt) einfach still weiter. Einfach so. Ja, Bille, wir lieben weiter. Völlig selbstverständlich. Und phasenweise ganz ganz leise. Trotz großer Liebe. Niemand trauert besser oder schlechter. Das impliziert dieser Satz. Und das ist schlicht nicht wahr!

    Liebe Bille, nach zwei bis drei Monaten seit dem fruchtbarsten Tag deines Leben musst du noch gar nichts bewältigt haben! Es gibt den ganzen formellen Mist, der sein muss. Aber die Bille, die da sitzt und nicht weiß, was nun werden soll mit ihr, die muss nur weinen dürfen. Weinen, klagen, schreien, das Universum verfluchen und mit dem verdammten Schicksal hadern. Das neu Ordnen, das das neue Leben annehmen (ja, Bille, annehmen), das Aufwachen in in diesem neuen Leben - das kommt erst viel später. Du schaust immer weit voraus. Das ist okay. So bist du. Nur gerade geht das gar nicht. Stell dir vor, man amputiert dir ein Bein. Kannst du dann die nächste Bergbesteigung planen? Du wirst wieder auf einen Berg steigen können, doch bis dahin gibt es viele kleine und große Schritte und Veränderungen die du vornehmen musst. Kannst du das, wenn du gerade eben erst amputiert wurdest und noch im Aufwachraum liegst? Kaum. Die wenigsten können das. Einige wenige schon, aber an denen sollte man sich nicht messen.
    Das bist gerade DU, Bille. Du wurdest quasi amputiert und du liegst im Aufwachraum und die Schmerzmittel wurden noch nicht angepasst. Es ist erst ein paar kurze Monate her! Schließ nicht von jetzt auf für immer. Auch wenn du dich so siehst. Du schreibst ja selbst - Bille war nicht immer so. Es gibt dich also in mutig. Wer außer deiner Angst sagt, dass das weg ist?

    Liebe Bille, das alles ist nur meine Sicht der Dinge. Wenn dir etwas davon gefällt dann nimm es gerne an!. Was dir nicht gefällt kann weg!

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Ein P.S. noch:

    Situationen, die andere gar nicht merken, hängen mir ewig oder auch ein Leben lang nach. Das ist mir mit den Jahren immer bewusster geworden.

    Da erkenne ich mich sehr sehr wieder! Ein sehr beschwerender Zustand. Der Sack hinter einem wird immer schwerer. Für mich ist es ein Kontrollzwang. Ich wollte das Jetzt, die Zukunft und sogar das Vergangene kontrollieren. Und diesen Kampf kann man nur verlieren.
    Tatsächlich ist das jetzt anders. Das Vorausgehen meines Feechens hat mir beigebracht, wie unnütz und unnötig das ist. Es ist nichts im Vergleich zu meiner Trauer. Nichts! Und nichts in dem Sack ist auch nur einen Blick wert. Das hab ich gelernt. Nicht sofort. Aber heute fühle ich es so.

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Liebe Bille,


    diese Medikamente sind Antidepressiva und deren Wirkung setzt erst nach einigen Wochen ein, machen aber normalerweise nicht abhängig.

    Ich hätte fast einmal die Möglichkeit gehabt an einer Veranstaltung mit einem berühmten Medium teilzunehmen. Eine ehemalige Stammkundin von mir hatte die Idee mich zu Paul Meek mitzunehmen, ließ es dann aber weil sie sich nicht sicher war ob sie mir damit einen Gefallen tun würde. Gegen Ende der Veranstaltung rief Paul Meek dann: wer ist Peters und dann nochmal, wer ist Peters? Es meldete sich aber niemand. Peters ist mein Nachname. Als mir die Frau das erzählte war ich erstmal total geschockt. Bald war ich mir aber sicher dass Ursel mir etwas sagen wollte. Ab dieser Zeit bekam ich immer wieder Zeichen von Ursel, die mir jedesmal ein großer Trost sind. Ich weiß dadurch dass es irgendwann weitergeht auf der Ebene auf die Ursel schon vorausgegangen ist. Natürlich vermisse ich sie hier in meinem Leben, das einmal unser Leben war, und der Niewiederhammer schlägt weiterhin zu, aber nach den Tränen kommt auch mal ein Lächeln. Ich habe ein tägliches Ritual mit ihr. Am Abend erzähle ich ihr von meinem Tag und trinke dazu ein Glas von ihrem Lieblingssekt. Dabei bin ich ihr sehr nah, schaue ihr sozusagen in die Augen und sage ihr auch manchmal dass ich es total sch..... finde dass sie vorausgegangen ist, wo wir doch gemeinsam alt werden wollten, aber auch dass ich weiß dass sie ja nichts dafür konnte. Ich will Dir damit sagen dass Zeichen sehr beglückend sein können, wenn man bereit ist sie anzunehmen. Sie ersetzen natürlich nicht den physischen Menschen, aber so ein "Hallo" von drüben finde ich einfach toll.


    Liebe Grüße von Dieter

    Es haben so oft Leute hier geschrieben, dass die "Zeichen" weniger werden, weil "der Punkt kommt, an dem wir klar kommen und unsere Liebsten das wissen".
    Davor hatte ich Angst. Dass mein Lohn dafür "klar zu kommen" sein würde, dass ich ihn dann komplett verliere. Also nicht nur physisch.
    Aber da kann ich dich beruhigen: Das ist nicht so. Absolut nicht.
    Es stimmt: Es ersetzt das physische nicht und es vertreibt auch das "Nie wieder" nicht. Die Sehnsucht bleibt und manchmal knallt sie mit voller Wucht rein, auch nach bei mir jetzt ungefähr 2,5 Jahren. Aber ironischerweise tröstet dieses Spüren dann sehr. Auf einer nicht zu beschreibenden Ebene, aber es ist so.

  • Ich schon wieder. Sorry, bin gleich weg. Aber Dieter erinnert mich gerade an die Medis.
    Ich habe seit Jahren Opipramol daheim. Ich nehme es nicht als Antidepressivum sondern als Bedarfsmedikament und da hilft es bei mir sehr sehr gut! Ich brauche es nur noch sehr sehr selten und setze es ausschließlich als Beruhigungsmittel ein, wenn ich doch mal wieder panikartige Zustände habe, aus denen ich nicht allein rauskomme. Ich habe 50mg hier, nehme aber nur ein Viertel bis eine Halbe davon.
    In der Trauer wird viel zu schnell ein Antidepressivum verschrieben. Trauer ist nicht gleich Depression. Depression ist etwas völlig anderes. Sie kann aus Trauer entstehen, ja. Aber dieses Ruhigstellen mit Hammermitteln kann sogar schädlich für den Prozeß sein. Es gilt immer: So viel wie nötig und so wenig wie möglich! Lass die Einnahme solcher Mittel sehr eng überwachen. Sie verstärken Suizidgedanken, wenn man Pech hat und lösen möglicherweise eine Depression erst aus! Das sagt dir nur kein Hausarzt oder Psychiater. Lass dich sehr umfassend beraten!

    So, jetzt aber genug Elstergeschwätz.

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Liebe Sonnenente,


    ja genau, diese Angst ist einfach mit nichts zu vergleichen. Sie lässt mein Herz bluten, sie schnürt mir die Kehle zu, sie lässt mich nicht mehr atmen. Diese Angst ist dermaßen allumfassend, das könnte man niemals jemandem beschreiben, der sie nicht selber kennt.


    Ich suche gerade auch nach einem anderen Wort für "Erdrutsch". Denn für mich fühlt es sich noch viel schlimmer an als eben ein Erdrutsch. Ich habe mir in meinem Leben schon sehr oft gewünscht, dass mich negative Situationen nicht sooo dermaßen mitnehmen, sondern dass vieles einfach an mir abprallen könnte, so wie bei vielen anderen Menschen, die nicht mal mit der Schulter zucken, während ich schon längst am Boden liege. Deshalb wusste ich ja immer, dass, wenn etwas wirklich Schlimmes und Dramatisches passiert, ich das nie überleben würde. Und genau das ist halt jetzt passiert! Deshalb versinke ich ...


    Die Sache mit dem Medium habe ich mal jetzt hintenangestellt. Ich hatte halt überlegt, weil ich einige Podcasts darüber gehört habe. Drauf einlassen könnte ich mich momentan nicht. Was du schreibst, habe ich aber sehr gründlich gelesen!

  • Liebe Christine,


    auch da muss ich dir vollkommen zustimmen! Einerseits denken und fühlen wir alle hier dasselbe, andererseits sind die Ausprägungen, Aussichten, Perspektiven usw. bei allen völlig anders, weil wir eigene Individuen mit eigenen Lebensgeschichten und Lebenserwartungen sind. Deshalb kann man immer nur schreiben, was einem selber vielleicht geholfen hat, aber genau das kann vollkommen falsch für jemand anders sein.


    So etwas habe ich gerade heute noch zu meinen Eltern gesagt, mit denen ich einen Podcast angehört hatte und meine Mutter dann anschließend meinte, ich könnte mir doch ein Beispiel daran nehmen. Sie meinte das gar nicht böse oder übergriffig - ganz im Gegenteil - aber die Formulierung von ihr oder das Ansinnen war so kontraproduktiv in dem Moment, dass wir uns anschließend gar nicht mehr unterhalten konnten.


    Aber egal, wie wir unser Leben hatten oder haben werden, oder was wir uns wünschen - wir sind alle froh, dass wir hier reden können, und das ist so viel wert!!!

  • Liebe Linchen,


    ich bekomme gerade richtige Gänsehaut, wenn ich das lese!!! Das ist so schön, so berührend und so tröstend. Auf der anderen Seite aber auch (für mich!) so traurig. Das hatte ich ja schon geschrieben. Ich glaube nicht, dass ich damit klar kommen könnte. Zu tief würde es bei mir gehen, genau das NIE MEHR im Leben haben zu können. Die Sehnsucht danach würde mich umbringen.

  • Liebe Elster,


    du drückst das sehr gut aus! Ich bin amputiert, ja. Völlig. Und ich kann morgen nicht einen Berg erklimmen. Ich weiß. Ich glaube, wenn ich jünger wäre (10, 20 Jahre ...), dann könnte ich mir auch "mehr Zeit lassen" mit der Heilung, mit dem Erklimmen des Berges. Dann wäre ich vielleicht nicht so angsterfüllt. Aber so denke ich quasi, dass mir die Zeit wegläuft. Dass ich in diesem desolaten Zustand, in dem ich jetzt bin, "alt" werde. Und alleine "alt werden" war immer schon eine ganz grausame Vorstellung für mich. Immer, wenn ich z.B. alte Frauen alleine im Supermarkt sah, dachte ich: "Ob sie wohl ganz alleine ist und nur für sich einkauft?" Und dann taten sie mir immer so leid, weil das eben diese Urangst von mir schon immer war. Und wie du so schön schreibst: "Bille in mutig". Die war eben viel, viel jünger und dachte nicht groß an den Rest es Lebens, weil sie noch viel zu viel Leben vor sich hatte!

  • Lieber Dieter,


    ich freue mich so für dich, dass die diese "Hallo's" hast und sie dich so glücklich machen!


    Ich stelle es mir gerade bei mir vor, wenn es jetzt so wäre. Dafür bin ich noch nicht gefestigt genug. Das sagt mir mein Inneres. Vielleicht ... eines Tages ... Ich weiß es nicht ... Vielleicht bin ich einfach zu labil dafür sein und werde es immer sein.

  • Liebe Elster,


    ich schätze dein "Elstergeschwätz" wirklich SEHR! :*


    Was sollen Ärzte auch sonst machen? Medikamente verschreiben ist doch immer das erste, was sie tun. Ich muss aber dazu sagen, dass ich irgendwann (nachdem ich aber vorher immer Nein dazu gesagt hatte) quasi drum "gebeten" hatte, aber nur, weil ich auch hier guten Willen zeigen wollte, damit es nachher nicht heißt: "Aber Sie lehnen ja jede Hilfe ab!" Mir war aber klar, dass ich sie nehmen würde.


    In der Selbsthilfegruppe sind Mitglieder, die nehmen seit Jahren mehrere Medikamente und hinterfragen das nicht mal. Sie nehmen sie einfach. Für mich ist das undenkbar!

  • Liebe Bille. Ich bin früh um diese Zeit öfter wach, schlafe dann aber nochmal ein.Dann schaue ich mal kurz ins Forum. Und daran erkenne ich dann immer,daß es zu meinem Begleiter geworden ist.Es ist schon etwas Besonderes. Da schreibt man sich monatelang mit verschiedenen Menschen, aber so richtig kennt man sich nicht.Zum Beispiel wie jemand aussieht, wie er spricht,welche Gestik und Mimik verbirgt sich hinter ihm. Ich kenne zumindest einige vom Foto her.Ich persönlich finde das schön,da ist die Verbindung lebendiger und manches sieht man manchmal mit anderen Augen. Ich habe kein Problem damit,daß mein Foto im Internet zu sehen ist. Wir sind fast 4 Millionen Einwohner, da bin ich nur ein kleiner Punkt in der Menge und meine Geschichte kann jeder kennen, ich nehme mich da nicht so wichtig. Aber eigentlich möchte ich noch sagen,daß ich es gut finde, daß du meine Gedanken zu deinem Schicksal erkannt hast. Niemand kann in den anderen hineinsehen und Gott sei Dank ist das so.Ich trage auch Eigenschaften in mir,die möchte ich gerne für mich behalten. Mir hat mal eine Psychologin gesagt:" Jeder Mensch hat einen geheimen Garten und da lässt er nur den rein ,den er möchte " Das finde ich ganz schön. Menschen können nämlich anderen sehr wehtun mit ihren Äußerungen. Und bei unserem Schicksal ,was wir alle gemeinsam haben, passe ich auf,was ich schreibe. Das habe ich lernen müssen. Ich kann mir nur annähernd vorstellen, wie es dir geht und erkenne aber deine Verzweiflung. In einem haben wir alle aber dieselbe Geschichte. Wir trauern um einen geliebten Menschen und da gibt es keine Abstufungen. Schmerz ist immer Schmerz, egal ob Ehepartner, Kind , Bruder oder Schwester oder Eltern. Auch der Verlust eines ganz engen Freundes kann schmerzhaft sein.Ich habe auch erkannt, daß man vorher nie weiß , wie geht man in der Zukunft mit diesem Verust um. Für mich war es auch nicht vorstellbar, wie ich ohne meinen geliebten Sohn leben soll. Es werden bald 2 Jahre. Es ist viel passiert in dieserZeit. Gutes und weniger gutes. Das Leben hat mich wieder voll im Griff .Dem konnte ich mich gar nicht entziehen. Meine Hüfte bekam eine Prothese ,was gar nicht so toll ist und jetzt habe ich aber eine wunderschöne neue Wohnung , was mich glücklich macht. So geht das Leben immer weiter. Ich bin ja nun schon über achtzig. Achtzig fängt mit "..ach .."an." Ach,"wie furchtbar schon so alt, aber ich sage mir auch,,Ach" was soll ich machen. "Nun ist es schon hell draußen. Ich wohne im 5.Stock, ich schaue auf den Himmel und auf die Gipfel von herrlichen großen Pappeln.Das ist ganz schön. Liebe Grüße von Christine.

  • Beitrag von CHRISTINE B ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
  • Liebe Christine,


    du bist eine ganz Liebe und noch eine total Hübsche dazu! :*


    Deine Lebensfreude ist so schön für mich zu lesen! Ich wünschte, ich hätte nur einen klitzekleinen Teil davon. Bei mir ist jede Freude verschwunden. Heute musste ich einen Fragebogen für ein Therapieprogramm der Krankenkasse ausfüllen. Eine der Fragen war: "Wie oft haben Sie keine Freude mehr an Dingen, an denen Sie früher Freude hatten?" Meine Antwort: "Beinahe täglich." Es war zum Ankreuzen, und eigentlich hätte "TÄGLICH" auf mich zugetroffen. Doch das stand nicht dabei. Es ist tatsächlich so, dass ich keine Freude mehr kenne. Und zwar tagaus, tagein. Das Leben war mal so schön. Ich konnte mich an ganz kleinen Dingen so sehr erfreuen, wie z.B. ein Miniblümchen am Wegesrand, das außer mir gar keinem aufgefallen wäre. Es mussten gar keine großen Sachen sein. Aber heute bewege ich mich wie in einer meterdicken Glaskugel durch die Umgebung und merke gar nicht, was neben, vor und hinter mir vor sich geht. Ich bin wie isoliert von allem und jedem.


    Du hast recht: Es gibt keine Abstufungen oder Hierarchien in der Trauer. Aber ich glaube, es gibt Unterschiede. Eine Frau in einer Trauergruppe sagte mal, dass eine Freundin von ihr, die ihren Mann verloren hatte, zu ihr gesagt hätte: "Bei dir ist der Verlust doch noch viel schlimmer als bei mir. Es war doch dein Kind." Ihre Antwort darauf: "Das stimmt. Aber ich komme nach Hause, und da ist noch mein Mann. Du aber kommst nach Hause, und da ist niemand mehr!" Ich wusste genau, was sie damit ausdrücken wollte. Mit schlimmer oder weniger schlimm hatte das nichts zu tun, sondern damit, dass der Verlust in der Struktur ein anderer ist.


    Eben war ich in einer Selbsthilfegruppe. Es war nicht gut heute, und da ich mich heute sowieso ganz schlecht und innerlich total leer fühle, war das so kontraproduktiv. Eine Frau, von der niemand richtig weiß, warum sie überhaupt da ist, hatte wieder viel zu viel und viel zu lange geredet, dass man gar nicht mitbekam, was sie eigentlich sagen wollte. Zudem kommt sie aus Venezuela, spricht zwar sehr gut Deutsch, aber es ist so anstrengend, ihr zuzuhören, dass man irgendwann abschaltet. Das Treffen hat nichts gebracht. Sobald ich dann wieder im Auto auf dem Heimweg saß, heule ich dann wieder Rotz und Wasser. Einerseits war es die Enttäuschung über das schlechte Treffen, andererseits kam bei dem schönen Wetter sofort der Gedanke: "Wie schön wäre es, wenn Tom jetzt nebenmir säße und wir könnten noch etwas unternehmen." Dann war's halt restlos um mich geschehen. Und wie sich diese Gedankengänge jemals ändern sollen, ist mir das allergrößte Rätsel. Meine Verzweiflung wird immer größer!


    GLG

    Bille