Mein Mann ist mit dem Flugzeug abgestürzt, seitdem ist alles anders.

  • Ihr Lieben,


    ein Testament habe ich nicht, mein Sohn wird so oder so alles erben,

    das ist gesetzlich geregelt, eine Vorsorgevollmacht hat mein Sohn.

    Um meinen Nachlass mache ich mir überhaupt keine Gedanken, da bin ich völlig

    sorglos. Die Immobilie haben wir O. als Schenkung übergeben,

    das ist mit einem Übergabevertrag geregelt.

    Da wir ein Familiengrab haben, ist meine Bestattung auch geregelt.


    Alle Ordner, die das Vermögen betreffen, sind im Büro meines Mannes, O. kennt den Platz.


    Liebe Grüße

    Maike

  • liebe Flora, liebe Maike,


    danke, aber juristisch versiert bin ich lediglich in den grundzügen... immer so, wie man es von zeit zu zeit braucht, ihr lieben.

    ein testament würde ich jedenfalls immer anraten, auch wenn alles zu gleichen teilen gehen soll, bei zwei kindern.... ein haus z.b. kannst du nicht teilen, es muss verkauft werden, wer soll für den verkauf zuständig sein, oder wer soll ausbezahlt werden von beiden....

    es gab schon aus den nichtigsten gründen familienkriege über mehrere generationen hinweg, wegen fehlender nachlassregelung....

    gute nacht ihr lieben

    eine umarmung von Bine:24:


    (habe meinen ursprünglichen text zu Tereschkowa gezogen)

  • Ich habe die Vorsorgevollmacht einem unserer Freunde und seiner Frau gegeben, die sind Mitte Vierzig, sehr bodenständig und vernünftig.

    Mein Testament habe ich notariell hinterlegt, wer mein Erbe ist, weiß nur ich, ich kann frei bestimmen, denn es gibt keine lebenden anspruchsberechtigten Verwandten mehr.

    Außerdem nutze ich für die Finanzen einen Steuerberater, der kostet zwar etwas, bringt mir aber die Sicherheit nichts falsch zu machen.


    Ich habe nach Hannes Tod alles alleine geregelt, das hat mir einen gewissen Halt verliehen.

    Ich habe ein Talent in einer Krise ziemlich emotionslos zu funktionieren, das war mir auch diesmal sehr dienlich.

    Mein Vorteil war sicherlich auch dass wir eine Beziehung auf Augenhöhe geführt haben, in der beide Partner über alles Bescheid wussten und sich auch mit allen wesentlichen Details des Zusammenlebens ausgekannt haben.

    Meine Psychologin hat mir erzählt, dass man manchen Klienten, leider meistens Frauen tatsächlich bei ganz profanen DIngen, wie das Tätigen von Bankgeschäften, oder das Betanken eines Autos unterstützen muss, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie furchtbar das ist, wenn das Alltagsleben eine unüberwindbare Hürde darstellt.

    Ich kann auch die Erlebnisse von manchen Frauen nicht bestätigen, dass man ohne Mann über den Tisch gezogen wird.

    Ich wurde nach Hannes Tod mit sehr viel Respekt behandelt und ich hatte auch mit den Behörden kaum Schwierigkeiten.

    Hannes war in unserer Heimat sehr geachtet und unsere geschäftlichen Beziehungen waren fast freundschaftlicher Natur und ich habe während meiner Berufslaufbahn bei einer Behörde gearbeitet, kann daher mit Vorschriften und Gesetzen und den dahinterstehenden Personen gut umgehen.


    Mir ist sehr bewusst, welch gesegnetes Dasein mir beschieden ist und ich bemühe mich nach Kräften, an dem was ich besitze auch andere teilhaben zu lassen.

    Inzwischen dämmert mir auch langsam, dass ich nichts mehr tun muss, wenn ich nicht will, oder besser gesagt, dass ich eigentlich meine Tage ncht untätig verlebe, dass mir aber immer vorkommt, ich tu nichts, weil das was ich tue für mich nicht als Arbeit zählt.


    Das was mir fehlt ist tatsächlich ein Anker im Leben, jemand oder etwas, wonach ich mich richten kann (muss) und das nicht mehr zu haben ist für mich nur sehr schwer zu verkraften.

    Das ist besonders deshalb schwer zu verstehen, weil ich mir selber und der Umwelt zweieinhalb Jahre bewiesen habe, dass ich alleine sehr gut zurechtkomme und definitv keinen Partner in materieller Hinsicht brauche.


    Das was ich so oft schon gehört habe, dass man für sich selber Verantwortung übernehmen soll, dass man sich nicht von anderen Menschen abhängig machen soll und besser keine Beziehung aus versorgungstechnischen Gründen eingehen soll, ist wohl richtig, aber für mich von keinerlei Relevanz.

    All das und noch viel mehr tue ich bereits und ich bin stolz auf mich und auf das was ich alleine geschafft habe.


    All das bleibt aber unberührt von der Tatsache, dass für mich selbstbestimmtes Leben alleine zwar funktoniert, aber nicht lebenswert ist, wenn der SInn darin fehlt und die Gefühle im Herzen praktisch zugemauert sind.

    Ja ich bin tatsächlich der Meinung Leben ohne Liebe macht keinen Sinn, auch wenn rein äußerlich alles zu stimmen scheint.


    Das was viele Menschen, die die Forderung erheben, man solle sich nicht gehen lassen, sondern es sei geradezu Pflicht nach vorne zu schauen, Mitgefühl mit anderen zu entwickeln und sich sinnvolle Beschäftigung zu suchen, wenn nicht sowieso gerade eine vorhanden ist, nicht beachten ist der Umstand, dass man sich mit dem Verstand zu allerhand zwingen kann und dass es zwar manchmal nützlich ist den inneren Schweinehund zu überwinden, dass man aber niemals die echten Gefühle zwingen kann zu kommen oder zu gehen.

    Die sind einfach da und wollen ausgelebt werden, ohne zu interpretieren und zu verdrängen.


    Wenn da nur Trauer, Schmerz, Leere und Sehnsucht ist, kann man nicht verlangen, das Leben als schön und lebenwert zu empfinden.

    Jeder Versuch es trotzdem zu tun, so ala positives Denken, verkehrt die Bemühungen ins Gegenteil, weil man Schuldgefühle entwickelt, wenn man es nciht schafft am Morgen aufzustehen und sich am neuen Tag zu freuen

    und dann versucht man die Trauer zu verdrängen und alles wird noch viel schlimmer.

    Besser ist es die Gefühle anzunehmen wie sie gerade kommen, sie zu äußern und zu durchleben und irgendwann verwandeln sie sich und das Herz öffnet sich und unvermutet empfindet man einen freudigen Moment, ein echtes Lachen steigt tief aus dem Inneren auf und das ist der erste Schritt zur Heilung.


    Die Tücke dabei, die Falle, in die ich immer wieder getappt bin, war es zu glauben, man hätte in diesem Moment die Trauer überwunden, wo sie einem doch nur eine kurze Pause gegönnt hat.

    Ich kann aber nach zweieinhalb Jahren sagen, dass die Pausen lämger werden, bevor man wieder ins tiefe Trauerloch fällt.

    Und dass das Tal der Tränen mich nicht mehr so erschreckt wie zu Beginn miner Trauerzeit.

    Es ist tatsächlich so, dass man sich an ein Leben mit der Trauer gewöhnt.

  • liebe Gabi

    Ja ich bin tatsächlich der Meinung Leben ohne Liebe macht keinen Sinn

    da bin ich völlig deiner meinung...

    ich für mich kann sagen "ja,ich liebe"... ich liebe einen mann der leider nicht mehr in dieser dimension existiert....

    für mich stellt sich da die frage, macht ein "leben MIT liebe sinn", wenn die gegenliebe NICHT real erlebt werden kann? reicht es, liebe im herzen zu tragen ohne sichtbaren gegenpart?


    du hast recht, man kann sich nicht zwingen die gefühle einfach abzustellen... weder den schmerz noch die liebe....


    und ich denke, der sinn IST einfach... jeden morgen beim aufstehen, jeden tag, jede nacht.... schmerz, liebe, kummer, abgründige sehnsucht.... das ist der sinn....


    alles liebe von Bine

  • Liebe Bine,


    mit Erbschaften kenne ich mich nur oberflächlich aus, als mein Vater starb, eröffnet

    ja der Notar das Testament, wir saßen nur da und hörten zu als der Notar das

    Testament verlas.

    alles war juristisch in trockenen Tüchern.

    Bei mehreren Kindern ist es nicht so einfach wie bei mir, mit einem Kind.

    Laut Gesetz erbt er sowieso alles, nur wenn ich ein Teil der Erbschaft

    spenden würde, oder Zuwendungen verteile, wäre ein notarielles Testament

    notwendig.


    liebe Grüße

    Maike

  • :2: liebe Flora,


    wie du selbst sagst, steuerlich sind schenkung und erbschaft gleichgestellt, von daher bringt es keine vorteile, ausser du hast ein riesenvermögen, dass du nach und nach, jedes jahr einen teil, verschenken möchtest anstatt alles auf einen schlag - dies würde erhebliche steuerersparnis bringen weil die jährliche besteuerung nicht so hoch ausfällt, als wenn das riesenvermögen auf einen schlag verschenkt wird.


    kinder haben grundsätzlich einen freibetrag von 400.000 euro, alles was an vererbten wertanlagen darüber liegt, muss versteuert werden, das staffelt sich dann nach oben immer weiter auf.


    eigenheim, da gibt es soweit ich weiss eine ausnahmeregelung. wenn du dein zuhause vererbst in dem du also selbst gewohnt hast, und das kind sofort in dieses haus oder eigenheim einzieht, und dazu danach mind. 10 jahre wohnen bleibt, ist auch dieses eigenheim steuerfrei, selbst wenn es über den regelwert fallen würde.


    so, das ist was ich davon weiss ;)


    alles liebe von Bine


  • Der springende Punkt ist der, dass ich momentan das Gefühl habe diese feinen Signale nicht spüren zu können.

    Du hast recht, ich liebe meinem Mann und meine kleine Familie, auch wenn sie nicht mehr hier auf Erden sind, das ist im mir drin verwurzelt und wird auch niemals verschwinden.

    Die Sache ist aber die, dass sich mein Herz wie eingemauert anfühlt, ich kann mich selbst kaum spüren und auch nicht das Schöne, das es in dieser großen chaotischen Welt tatsächlich in großem Maße gibt.

    Ich bin mir sicher die Gefühle sind alle in mir drinnen, aber ausleben kann ich momentan nur die eine Hälfte davon, der Rest ist verschüttet, sodass ich keinen Weg heraus finde und daher, vielleicht fälschlicherweise, auf einen Trigger von außen hoffe, der mich aus dieser Starre befreit.


    Andererseits stelle ich fest, dass ich in letzter Zeit längere Phasen in ruhiger Stimmung erleben darf, zwar relativ gefühlsneutral, aber immerhin in einem Ausmaß angenehm, dass ich mir neuerdings vorstellen kann in diesem lauwarmen Ruhezustand den Rest meines Lebens verbringen zu können.

    Es fühlt sich an, als hätte man nach einem beschwerlichen Aufstieg eine Plattform erreicht, auf der man sich von den Anstrengungen ausruhen und neue Kraft für den Rest des Weges sammeln kann.

    Angesichts dessen neige ich momentan eher der Auffasung zu, dass ich mich in einem Prozess des Auftauens eingefrorener Gefühle befinde und die Lösung nicht von außen kommen wird, sondern sich allmählich in mir entwickelt.


    Und dann, wenn meine Innenwelt mein neues Leben annehmen kann, kommen all die Dinge, die ich mir jetzt vergeblich erhoffe, von selber auf mich zu.

    Einfach, weil wieder Platz für Neues ist.

  • Liebe Flora,


    Bine hat es schon geschrieben, aber das Schenkungsrecht ist ist sehr kompliziert.

    Bei einer Schenkung mit Nießbrauch können deine Kinder noch mehr Steuern sparen.

    und das Nießbrauchsrecht bietet dem Schenker eine Absicherung auch im Pflegefall.


    Aber nur mit Fachanwalt für Erbrecht oder Notar.


    alles Liebe

    Maike

  • liebe Gabi,


    alles hat seine zeit... jetzt ist die zeit der wanderung durch's trauertal.... hoch und runter über alle hügel....stetig ein wenig weiter hinaus, nach oben, wo die sonne dich manchmal, fast zufällig, erreichen kann...um ein bisschen wärme zu geben und irgendwann ist die sonne stark genug um dich auftauen zu können.....


    diese sonne entwickelt sich in dir selbst, Gabi. ist es ein chemischer prozess? wenn die trauer lange genug angedauert hat, sehnt sich dann die seele nach sonne?


    wir wissen, es gibt keine abkürzung.... nein, es gibt keine trigger von aussen, solange dein inneres sich nicht selbst getriggert hat. und das ist ein prozess, den du willentlich nicht beeinflusssen kannst.


    alles liebe von Bine

  • Liebe Bine,


    du hast so was von Recht- ein Leben ohne Liebe ist kein Leben.... ein Leben ohne Sonne ist Dunkelheit und Kälte.

    Aber wir dürfen vor lauter Trauer und Tränen nicht vergessen dass wir wieder anfangen müssen uns selbst ein wenig zu lieben.

    Alles Elend das wir erfahren mussten hat uns unsagbar traurig, unsicher und einsam gemacht.

    Wie schön dass es Euch gibt.

  • ein Leben ohne Liebe ist kein Leben.... ein Leben ohne Sonne ist Dunkelheit und Kälte.

    das ist sowas von wahr, und wir erleben und durchleben gerade ein ungewolltes Leben in Dunkelheit und Kälte. Genauso fühlt es sich an. Ich wünsche uns allen, daß irgendwann wieder wenigstens ein bißchen Sonne in unser Leben kommt.



    Eine warme und sanfte :24:für alle, die umarmt werden möchten

    Lilifee

  • liebe Rienchen:24:

    Aberwir dürfen vor lauter Trauer und Tränen nicht vergessen dass wir wiederanfangen müssen uns selbst ein wenig zu lieben.

    du hast so recht... aber im grunde hat es ja nichts mit vergessen zu tun, sondern weil wir es halt einfach nicht KÖNNEN.... wenn die schmerzenden gefühle alles überlagern, kann man keine selbstliebe in sich finden, sie ist überdeckt von allem kummer....


    alles liebe von Bine<3