Meine Lebensliebe ist gestorben

  • Liebe Wagi,


    genau so wie du es schilderst haben wir auch immer gedacht, wenn wir ältere Pärchen gesehen haben. Lachten darüber, wie ähnlich sie sich waren... Silberpüdelchen wollten wir uns dann nennen, obwohl mein Mann nur noch ein "Haarkränzchen" hatte.

    Alles nur noch Erinnerung, die weh tut.


    Heute habe ich fast einen Nervenzusammenbruch bekommen. Beim Einräumen von gekauften Ostersüssigkeiten ist mir eine Tüte mit Hustenbonbons aus dem Fach gefallen.

    Die hat mein Mann immer gelutscht und ich habe sie für ihn noch kurz vor seiner Krankenhauseinweisung gekauft.

    Diese "Kleinigkeiten", die immer wieder auftauchen, wenn ich sie nicht erwarte, machen mir sehr zu schaffen.


    Genau so wie bestimmte Musik und Fernsehsendungen, die er gerne gehört und gesehen hat.


    Sitze auch nur herum und lebe nicht mehr. Kann mich zu nichts aufraffen. So vergeht ein Tag nach dem anderen... sinnlos, weil er nicht mehr da ist.


    Und dabei diese Einsamkeit... diese Stille... dieses Nichtwollen... diese kalte Leere...dieser Seelenschmerz.


    Ich weiss nicht, wie lange ich es noch aushalte.


    LG Luise

  • Liebe Wagi, liebe Luise,

    habe heute auch nur vor dem Terrassenfester gesessen und rausgeschaut und geweint.

    Nachmittags wurde es langsam besser. Nichts getan den ganzen Tag, wozu auch und für wen.

    Tolles Leben, bestehend aus Erinnerungen, die einfach nur weh tun.

    Wünsche euch eine erträgliche Nacht

    LG Petra

  • Liebe Petra, liebe Luise,

    einfach nur rumsitzen, nichts tun, aus dem Fenster starren...

    so geht es mir auch ständig.

    Alles türmt sich um mich herum auf, und trotzdem bin ich nicht in der Lage zu agieren.

    Ich denke an euch!

    Petra

  • Liebe Wagi,

    das ist eine sehr interessante Frage. Die ich mir in abgeänderter Form auch schon stellte:

    Die Liebe lässt sich nicht so einfach vergessen, da ist sie eigensinnig und ungnädig.

    Es interessiert die Liebe nicht ob uns die Erinnerung an sie glücklich oder traurig macht... sie ist stärker als wir.

    Das müssen und dürfen wir akzeptieren.

    Herzlichst,

    Tereschkowa

  • Liebe Wagi,

    es tut mir leid, dass du diese blöden Floskeln hören musstest. Die Erinnerungen schmerzen jetzt noch sehr - mit der Zeit können sie zu wundervollen Schätzen werden, dann wenn der Schmerz über den Verlust seinen wiederhakenden Stachel verliert. Dann, wenn sich Sehnsucht statt Schmerz breit macht. Dann sind die Erinnerungen so wunder schön.

    Wäre es nicht besser jeder Mensch hätte nach dem Tod seines Seelenpartners einen Resetknopf und könnte sich auf Null setzen, dann gäbe es keine Erinnerung und das restliche Leben leichter.

    Auch wenn ich um deinen Schmerz ahne und deinen Wunsch insofern verstehen kann, was würden wir an Erfahrungen, an Tiefe (im Gegensatz zur Oberflächlichkeit) verlieren, hätten wir so einen Knopf. Denn wir würden ihn sicher nicht nur dann aktivieren, wenn ein Seelenpartner stirbt, sondern immer dann, wenn ein Schmerz da ist. Und wir würden nicht lernen und es würde uns nichts prägen.


    Unser verstorbener Sohn hat mein Leben am meisten geprägt. Sein Leben auf dem Hintergrund des Todes zu sehen. Den Schmerz zu durchleiden. Die Hoffnung zu spüren und den Weg, den ich gehen musste zu gehen. Nein, es war keinesfalls so leicht, wie es hier jetzt klingt. Es war sehr schwer und ich habe mir nicht nur einmal gewünscht, diese Qual und dieses Leben mögen vorüber gehen. Und heute bin ich dankbar - auch dafür, dass ich es überlebt habe.


    Ich wünsche dir, dass du eines Tages auf diese Zeit zurück blicken kannst und sagen wirst: Ich habe schöne Erinnerungen und jetzt tun sie mir nicht mehr weh, ich habe meinen Mann in meinem Herzen - ganz tief - und da verliere ich ihn nie wieder. Ich bin froh, dass ich keinen Resetknopf hatte, sondern den schweren Weg gegangen bin.

    Das wünsche ich dir und euch allen von Herzen - auch wenn es noch ein sehr weiter Weg bis dahin ist. Und ich gehe gerne mit euch, ein Stück dieses Weges (was ich ohne die Erfahrung mit Aaron sicher nicht tun würde, da wäre ich vielleicht auch ein Bekannte, die solche Floskeln vom Stapel lässt)

    Gruß Astrid

  • Liebe Astrid,

    das mit deinem Sohn Aaron tut mir sehr leid.

    Vielen Dank, dass du uns davon erzählst und uns damit auch Kraft und Hoffnung gibst.


    Ich akzeptiere die Trauer aus Liebe zu meinem Mann, sie (die Liebe zu ihm) und die Sehnsucht möchte und werde ich nicht vergessen wollen. Niemals. Ich hoffe nur, dass beides irgendwann erträglicher wird.


    Liebe Wagi, liebe Tereschkowa,

    ein Resetknopf würde uns auch um die schönste Zeit in unserem Leben bringen.

    Das wäre doch unsagbar schade. Erinnerungen werden irgendwann alles sein, was von unseren Seelenmenschen übrig bleibt. Dann tun sie bestimmt auch nicht mehr so weh.


    Bitte seid Menschen mit solchen Sprüchen nicht böse, sie können es nicht besser wissen, wenn sie so etwas noch nicht erlebt haben, wie wir. Wie sollen wir an uns denken, wenn wir unseren Lebensinhalt verloren haben.


    LG Petra

  • So einen Resetknopf möchte ich auch nicht haben, zuerst sind die Erinnerungen zwar bitter, dann werden sie bittersüß und irgendwann einmal bleibt nur mehr die Süße des Lebens übrig, dann hat du einen Reifeprozess mit wertvollen Erfahrungen hinter dir.

    Es ist zwar sehr grausam, was wir alle erleben müssen, aber ich muss auch sagen, in den fast neun Monaten, seit mein Mann nicht mehr lebt, habe ich wertvolle Erfahrungen über mich selbst gewonnen, die auf andere Weise nicht zu erlangen gewesen wären.

    Und auch wenn ich immer wieder in ein Trauertal abdrifte, wenn mir das Leben sehr oft sinnlos erscheint, wenn ich es vorgezogen hätte mit ihm gehen zu dürfen, habe ich eingesehen, dass nichts im Leben dem Zufall überlassen ist, dass wir in unserem schlimmsten Alptraum gleichzeitig am meisten über das Leben lernen und dass es ein entsetzlicher Verlust wäre unsere Erinnerungen an das was war, zu verlieren.

  • Liebe Wagi,


    genau so geht es mir.

    Heinz war auch so geschickt und stark.


    Manchmal bekomme ich irgendwas nicht auf, im Moment das Batteriefach meiner elektrischen Zahnbürste. Dann bin ich fertig mit den Nerven.


    Aber mein Mann konnte die letzte Zeit keine Wasserflasche mehr aufmachen... zu schwach geworden. Es tat mir weh, dass er mich bitten musste.


    LG Luise

  • Liebe Wagi,

    oweh, das ist ja schrecklich. Konntest Du es reparieren? Oder jemanden um Unterstützung bitten?

    das sind genau diese unplanbaren Momente in denen bei mir das bißchen mühselig aufgebaute Funktionieren in totale Verzweiflung umschlägt...

    Herzlichst,

    Tery

  • Liebe Wagi,

    Dein Nachbar ist wirklich toll!

    Ich muss hier auch immer aufpassen, dass ich Dinge, die kaputt gehen nicht einfach verdränge und so damit lebe ...

    zwei Glühbirnen, die bereits vor Monaten ausgefallen sind habe ich nicht ausgetauscht, weil ich dafür eine Leiter bräuchte.

    Es wäre gut, wenn Dein Sohn das repariert - denn irgendwie wird es doch noch schlimmer...

    Das mit der Kreativität kenne ich - ich bin bildende Künstlerin. Auf meinem Tisch liegt alles griffbereit für den Fall, dass es möglich wäre zu arbeiten - es geht nicht und erzwingen ist kontraproduktiv. Ich mache jeden Tag eine Zeichnung in ein Buch - das habe ich viele Jahre jeden Tag für meinen Geliebten auch gemacht. Das geht. Das Skizzenbuch liegt am Bett. Ich unterrichte eigentlich auch, aber das geht natürlich überhaupt nicht. Meine Ärztin hat mir auch wieder bis mindestens Ende April davon abgeraten.

    Das einzige worum ich mich gerade wirklich bemühe ist NICHT über mein "kommendes" Leben nachzudenken. So bald auch nur der leisestes Gedanke aufkommt, versuche ich das sofort abzustellen...denn selbst wenn der erste Gedanke noch "irgendwie" konstruktiv sein könnte, bricht spätestens beim zweiten in mir völlige Verzweiflung aus. Das versuche ich jetzt schon eine kurze Weile so: Ich halte mich wirklich bewußt davon ab. Ich habe ja nach wie vor nicht realisiert was passiert ist, da ist es unmöglich für mich "nach vorne" (Hasswort!) zu denken.

    Das hält mich zumindest momentan ein wenig stabil im Alltag, aber wer weiß wann diese dünne Prothesen-Strategie wieder bricht...vielleicht funktioniert das oder ähnliches ja auch bei Dir? Diese persönliche Katastrophe ist viel zu groß und zu unerträglich um sie sich in ihrem ganzen Ausmaß vorzustellen...

    Herzlich,

    Tery

  • Liebe Wagi,


    leider gibt es für diese Lichtblicke kein Rezept.


    Bei DIR war es der 05.12.2018, als DICH dein unendlich geliebter Mann verlassen hat.


    Etwas über 3 Monate.


    Bei mir sind es 8 Monate und ich sah noch keine Lichtblicke.


    Vielleicht haben wir die Kraft, dass wir uns in 3 Jahren dann erneut unterhalten.


    Ob Lichtblicke, JA oder NEIN.


    Liebste Grüße,

    Uwe.

  • Liebe Wagi,


    das hast Du wirklich souverän gemacht, ich denke auch Dein Mann hat gewollt das Du das sagst.



    LG Gabi & Mäuschen

    Einen erträglichen Abend und ein ebensolches Wochenende wünsche ich Dir.

  • Liebe Wagi,


    wie war dein Sonntag? Ich hoffe halbwegs erträglich? Ich konnte heute endlich mal im Garten arbeiten, war schlimm mit den tausend Erinnerungen, alleine auf der Terrasse gesessen, ganz schlimm, die Gartenarbeit aber auch helfend.


    Schlaf gut

    Mowi

  • Liebe Wagi,


    es wäre schön zu wissen, welche Musik Ihr gerne gehört habt. Wenn Du auf Youtube ein Video gefunden hast, das Du einstellen willst, lass es abspielen und gehe dann mit der rechten Maustaste auf das Video , dann wählst Du Video-Url kopieren aus und gehe auf Deine Seite um den Link einzufügen, danach auf den Button absenden, so wie Du es machst wenn Du Deinen Text abschickst, voila und Dein Video ist eingestellt.


    Hoffentlich habe ich mich verständlich ausgedrückt.


    Jetzt drücke ich Dich


    Gabi & Mäuschen senden liebe Grüße