Mama erlitt im Krankenhaus einen schweren Herzinfarkt und starb am 2.3.2020

  • Hallo liebes Trauerforum,

    Ich lese schon ein paar Tage mit und freue mich, dass es dieses tolle Forum gibt.


    Ich bin Andrea, 37 und habe 2 Söhne im Alter von 4 und 1 Jahr.

    Meine Mama war 65 und sie sollte an der Hüfte operiert werden, sie hatte scho länger Schmerzen und konnte immer schlechter gehen. Ansonsten war sie fit. Sie hat mir mit den 2 Kids immer sehr geholfen und konnte es damals kaum erwarten endlich Oma zu werden. Der Wunsch wurde ihr erfüllt. Sie war immer da als ich sie brauchte. Nach meinem 1Jahr Elternzeit kümmerte sie sich einen Tag in der Woche um meinen Sohn, damit ich wieder arbeiten konnte. Alles war gut. Wir unternahmen öfter was zusammen und waren jede Woche zum Essen eingeladen und es war immer schön zusamnen. Sie wurde 2019 zum 2.Mal Oma. Sie entschied sich, dass sie bald die Hüfte operieren lässt, da sie auch dann wieder für den 2.Sohn fit sein wollte um sich einen Tag um ihn zu kümmern. Eigentlich sollte sie in eine Spezialklinik nach Garmisch gehen zur OP, das hätte aber so lange gedauert, dass sie sich doch für das nächst gelegene Krankenhaus entschied in dem deutlich schneller ein OP Termin frei war, nicht erst Anfang Mai. Ich hatte sie noch ermutigt, dass sie es doch schneller machen soll, da sie sicher Schmerzen hat und das sie auch schon im Mai wieder auf meinen Sohn aufpassen kann.. es ist doch heutzutage eine Routine OP...ihr Bruder war auch schon wegen einer neuen Hüfte in diesem Krankenhaus.

    Sie ging dort hin und sagte den Termin in Garmisch ab. Es gab Voruntersuchungen, es lief normal. Die OP verlief auch normal, ich brsuchte sie mit den Enkeln. Sie freute sich sehr. Sie klagte aber über Atemnot und ein starkes Engegefühl links in der Brust, ausserdem war ihr schlecht...seit nach der OP...

    Ich war da, wir redeten...es war schön...ich googelte kurz, "Engegefühl Brust Hüft OP"

    Und bekam als Ergebnis" Herzinfarktrisiko nach Hüft und Gelenk OP erhöht" und dachte mir, oh nein, das darf ich ihr jetzt nicht vorlesen! Sie ist hier im kh und die wissen schon was zu tun ist.

    Meine Mutter hat uns bereits als Kind schon immer gesagt, dass sie mal einen Herzinfarkt bekommt weil es genetisch ist, ihr Vater hatte auch einen mit 79...und sie will auch einfach mal umfallen und tot sein. Aber sowas sagte sie immer wieder so dahin...

    Jedenfalls verabschiedete ich mich, gab ihr Bussis und ging wieder. Am nächsten Tag um 10 esvwa rein Montag, hatte sie Physio und konnte ihre ersten Schritte wieder gehen. Zurück ins Bett gelegt bekam sie einen heftigen Hinterwand Infarkt. Sofort waren Ärzte da und wie wurde versucht zu reanimieten, aber es gelang nicht. Es wurde ein CT vom Kopf gemacht es waren bereits schwere Hirnschäden eingetreten...

    Ich bin mit meinem Vater dann ins Krankenhaus und sie lag an Schläuchen angeschlossen da, als würde sie schlafen. Ein Auge zu und eins offen. Wir weiten, wir riefen, dass sie aufwachen soll, wir brauchen sie noch. Wir waren verzweifelt und hofften doch, dass alles gut wird...aber es wurde nicht gut. Die Worte vom Oberarzt, dass Mama einen schweren Hinterwandinfarkt hatte und in den nächsten Stunden versterben wird, riss mir den Boden unter den Füssen weg.

    Das kann nicht wahr sein...ich atmete nochmal ihren Geruch, ich streichelte sie...ich weiss nicht, ob ich das wirklich sehen hätte wollen, wenn ich die Wahl gehabt hätte. Soll ich es als Geschenk sehen, mich " verabschieden zu können" auch den Tag davor, dass ich sie nochmal lebend gesehn habe... weder mein Vater noch meine Schwester hatten dieses Privileg...


    Es ist so schrecklich, ich kann es nicht verarbeiten. Plötzlich musste eine Urne und Sterbebilder ausgesucht werden. Sie hat uns immer gesagt, dass sie mal verbrannt werden will. Wiso redete sie immer wieder vom Tod und dann trifft es genauso ein...


    Mir wurde so viel Zeit mit meiner Mama genommem, wir hatten Pläne...


    Sie war vor 10 Jahren mal bei einem Wahrsager er sagte ihr 2 Enkel voraus und das sie keine 80 Jahre alt wird... ich hatte es immer im Hinterkopf und sie auch und dachte dann werde ich eben 79, genau wie nein Vater...


    Ich fühle mich so leer, ich will zu ihr, sie anrufen, wenigsten eine WhatsApp schreiben, sie hat mir nicht mal zum Geburtstag gratuliert. Sie ist wirklich nicht mehr da und wenn ich mir immer noch einrede, sie kommt wieder, die ist ja nur auf Reha...dann weiss ich natürlich, dass sie nie mehr kommt. Keine neuen Erinnerungen...nichts...nie mehr.

    Nun ist der 15.6

    Mitte des Jahres, Mitte des Monats...

    Ich weiss nicht, wie ich diesen Tag heute überstehen soll...

    Ich glaube einfach nicht, dass sie tot sein soll, sie war doch immer an meiner Seite. Ich bin hilflos...

    Ich fühle mich alleine...

    Ich will einfach nur meine Mama zurück!!!!

    Mama, ich liebe Dich so sehr

    Happy Birthday<3:5:

  • Liebe Andrea! Mein tiefes Mitgefühl für deinen schweren Verlust! Es tut mir sehr leid, was ihr alles mitgemacht habt! :(

    Hast du jemand, der dich unterstützt? Ich wünsche dir viel Kraft, sei lieb umarmt! :30:

    LG Andrea

  • Ich danke euch von Herzen ❤ für euren Zuspruch.

    Heute war ihr Geburtstag. Es war furchtbar, die ganzen Erinnerungen...Fotos...FB Erinnerungen an ihren Geburtstag. Habe heute sehr viel geweint. Man sagt mir immer ich soll los lassen...wwnn das doch so einfach wäre.


    Ich mache mir Vorwürfe, dass sie wegen mir in dieses Krankenhaus zur OP ging und nicht zu den Spezialisten, wo sie eigentlich hin sollte. Wäre es dort auch passiert. Hätten sie ihre Brustschmerzen vielleicht ernster genommen...wieso nur....


    Glaubt ihr, dass die Lebenszeit von vorne herein fest steht?


    Mama, du fehlst mir so. Ich bin jeden neidisch der noch eine Mama hat. Wie soll es weiter gehen, wann tut es nicht mehr so weh?


    Ich danke euch fürs Lesen und da sein♡♡♡

  • wann tut es nicht mehr so weh?

    Liebe Andrea,

    Dein Verlust tut mir sehr leid. Diese Frage können wir leider alle nicht beantworten. Nur so viel- es braucht Zeit, bis es nicht mehr so weh tut.

    Wer ist den bei dir in dieser schweren Zeit?


    Hier kannst du uns immer schreiben- und ich hoffe es hilft dir mit dem Schmerz umzugehen.

    Fühl dich willkommen <3

    Isabel

  • Liebe Andrea


    Auch von mir mein aufrichtiges Beileid und Mitgefühl. Ich kann alles genau nachfühlen, wie es dir geht. Die Unfassbarkeit, die Ohnmacht und Hilflosigkeit, das Vermissen, die Sehnsucht und das Heimweh. Dann noch die bohrenden Fragen, ob man es hätte verhindern können. Schuldgefühle. Es ist so viel, womit die Psyche konfrontiert ist, und alles so plötzlich und ohne jede Vorbereitung. Es ist so schwer, nach einem solchen Verlust weiterzuleben. Es tut so weh, jede Sekunde; und jede Minute, die verstreicht, ist eine Minute mehr ohne den über alles geliebten Menschen. Das auszuhalten ist mehr als man denkt, verkraften zu können. Und doch hält man es aus, muss man irgendwie durch die Tage kommen.


    Bei mir ist es seit gestern 11 Wochen her, seit mein über alles geliebter Vater gestorben ist. Wir hatten auch ein sehr enges Verhältnis, ich habe ihn jeden Tag gesehen und wir haben Tür an Tür gewohnt. Ich weiss nicht mehr, wie ich die ersten zwei Wochen überstanden habe, da hatte ich dieses Forum noch nicht gefunden. Ich vermute, dass ich im Schockzustand war und erst nach und nach wirklich realisieren konnte, was passiert ist und vor allem, was es bedeutet, ohne meinen Papa leben zu müssen. Und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, mein Herz ist so schwer vor Trauer, aber auch meine Liebe wächst von Tag zu Tag. Und das tröstet mich immer wieder ein wenig.


    Was mir hilft ist das Schreiben über meinen Schmerz. Das Weinen. Das bringt ein wenig Erleichterung, wenn auch nur kurzfristig, aber immerhin. Und das Gefühl, verstanden und ernst genommen zu werden. Das finde ich ich hier im Forum. In der realen Welt ist es oft schwer, echtes Verständnis zu finden, bzw. irgendwann wird es den Menschen um uns herum zu viel mit unserer Trauer und sie wissen nicht mehr, was sie sagen oder tun sollen. Für mich aber ist es das wichtigste Thema überhaupt und ich brauche einen Ort, wo ich das leben kann, wo ich erzählen kann über meinen Vater, darüber, was passiert ist, wie es mir geht, auch wenn es sich wiederholt. (Und das tut es.) Und auch das finde ich hier.


    Ich habe mir auch Bücher über das Trauern gekauft, die mir vor allem in der ersten Zeit ein wenig Trost gespendet haben und Verständnis für mich selber und meine Situation. So ein Verlust ist purer Stress für unsere Seele, und damit umzugehen, verlangt uns so viel ab. Auch hier im Forum lese ich immer wieder, dass Trauern Schwerstarbeit ist für Körper und Seele. Und das empfinde ich genau so. Das ganze Leben ist auf den Kopf gestellt, und doch muss man irgendwie weitermachen.


    Gerade an schönen, ruhigen Abenden wie heute, bin ich besonders traurig, weil ich dann immer daran denken muss, dass mein Vater nie mehr diese Ruhe und Milde des Abends spüren kann, nie mehr die frische, laue Abendluft tief einatmen kann und nie mehr das Auge schweifen lassen kann über See und Berge. Manchmal, ganz sachte, spüre ich aber dann auf einmal eine tiefe Verbundenheit mit meinem Papa und spüre ihn ganz nah. Und in solchen Momenten wird mir ein wenig leichter ums Herz und ich habe Hoffnung, dass ich es schaffe, irgendwann wieder ein wenig Frieden zu finden.


    Liebe Andrea, alles Liebe von mir und ganz liebe Grüsse

    Silvia

  • Liebe Silvia,

    welch schöne Worte du verwendet hast.

    Wow, das tat gut zu lesen, dass man nicht alleine ist und es auch noch andere Nenschen gibt, die genau das Fühlen, was man nur fühlen kann, wenn man es selbst erlebt hat.


    Dir auch mein herzlichsten Beileid für deinen Papa, du schreibst so schön und liebevoll, da wird mir gleich warm ums Herz. Ich fühle mich gerade wirklich verstanden und ich bin wohl nicht alleine. Diese wahnsinnige Sehnsucht nach dem geliebten Menschen, genau um den man sich immer so sorgte, weil man ihn einfach so wahninnig lieb hat soll plötzlich nicht mehr da sein? Nie mehr, so lange man noch lebt. Das kann doch nicht wahr sein. Nie mehr, die Stimne, das Lachen und die guten Ratschläge eines seiner Lieblingsmenschen hören.. puh, wie schmerzlich kann etwas sein. Sowas habe ich bisher noch nie erlebt. Und dann noch diese Schuldgegühle, dass sie wegen mir in eine andere Klinik ging, damit sie wieder schneller fit ist um auf meine Kinder aufzupassen.. während ich arbeiten gehe wie egoistisch...nun wird sie nie mehr auf die Beiden aufpassen können....mein Herz ist voller Schmerz, hätte sie den Infarkt dort auch bekommen, oder hätten die ihre WARNSIGNALE ernster genommen oder kann ich froh sein, dass das Krankenhaus so nah war und schnell bei ihr war und keine knapp 2 Stunden fahren musste ....hätte ich sie einen Tag vor dem Infarkt dann nicht mehr besucht ...ja allrs Fragen, die immer wieder in meinem Kopf ablaufen...und wenn ich sie jemand erzähle, höre ich nur, dass ich es akzeptieren muss und los lassen soll. Ich fühle mich dann nicht vetstanden.


    Kannst du, liebe Silvia, ein tolles Buch empfehlen? Die Auswahl ist riesig.


    Wie schafft ihr es zu arbeiten?

    Kannst du dich ablenken ?


    Liebe Grüsse

    Liebe Umarmung

    Andrea

  • Liebe Andrea


    Ja, dieses "nie mehr" ist so schrecklich, und jeden Tag realisiert man mehr, was nie mehr möglich sein wird. Absolut grausam und für jemanden, der so einen Verlust noch nicht erlebt hat, einfach nicht nachvollziehbar. Auf so etwas ist man wirklich nicht vorbereitet, auf so einen Schmerz und auf all die Gefühle, die so ein Verlust noch mit sich bringt. Für mich ist es das Allerschlimmste, was bisher in meinem Leben passiert ist. Niemals hätte ich mir vorstellen können, wie tief der Schmerz ist, wie schwer das Herz einem sein kann in jeder wachen Minute und wie sehr einen Bilder und Gedanken quälen können.


    Ich kann deine Fragen, die du dir stellst, absolut verstehen. Die Grübeleien darüber, wie der Tod hätte verhindert werden können. Wenn man vielleicht eine andere Entscheidung getroffen hätte. Wenn die Umstände andere gewesen wären. Wenn, wenn, wenn,... Mir geht es genauso. Auch jetzt noch ertappe ich mich manchmal wieder dabei, wie ich ein Szenario in meinem Kopf durchspiele, bei dem mein Vater überlebt hätte. Und da gibt es immer wieder neue Versionen davon, weil mir immer noch mehr Dinge einfallen, die wir vielleicht hätten anders machen können. Mir ist natürlich klar, dass das alles nichts mehr ändert, und doch kann ich es oft nicht stoppen. Gerade in den ersten Wochen waren diese Gedanken sehr präsent, unterdessen kommt es zum Glück nicht mehr so häufig vor, aber eben immer noch ab und zu. Ich kann nur hoffen, dass ich irgendwann wirklich Frieden finden kann mit den Ereignissen und dieses Hadern aufhört. Erst dann ist wohl ein Akzeptieren möglich. Aber davon bin ich noch weit entfernt.


    Ich hatte, als ich nach drei Wochen wieder anfing zu arbeiten, schon Bedenken, ob ich es schaffen würde. Mir hat es aber geholfen, ein Stück weit wieder ein wenig Normalität zurückzugewinnen. Und erstaunlicherweise ging und geht es recht gut. Aber ich arbeite auch nur an zwei Tagen pro Woche, so dass ich noch genügend Zeit habe für mich und für meine Gedanken, für Besuche auf dem Friedhof oder für Spaziergänge. Die Arbeit ist tatsächlich eine Ablenkung, die einzige, die bei mir funktioniert, da ich mit meiner Arbeit nicht sehr viel mit meinem Vater verknüpfe, eigentlich fast gar nicht. Das heisst, da erinnert mich nichts an ihn, da gibt es keine Trigger, die etwas auslösen könnten.


    Mein liebstes Trauerbuch ist "Meine Trauer wird dich finden" von Roland Kachler. Mir hat das Kerstin (Nelo) empfohlen, sie ist auch hier im Forum. Ich kopiere dir meinen Eintrag zu diesem Buch hier herein, dann bekommst du vielleicht einen Eindruck, ob es auch etwas für dich wäre. Der Autor ist Psychotherapeut und hat seinen Sohn verloren, als dieser 16 Jahre alt war, er schreibt also wirklich aus eigener schmerzhafter Erfahrung.



    Nun wünsche ich dir eine erholsame Nacht und dass du gedanklich ein wenig zur Ruhe kommen kannst.


    Ganz liebe Grüsse

    Silvia

  • Roland Kachler´s Buch hat mir auch etwas bei meiner Trauer geholfen. Er erkannte als Psychotherapeut, erst nach

    dem Tod seines eigenen Sohnes, das er seine Klienten, falsch beraten hat und bis dahin auch nicht wirklich verstanden

    hatte. Ja, um einen trauernden Menschen zu verstehn, muss man wirklich selbst einen geliebten Menschen verlieren,

    sonst ist man Meilenweit von dem Trauernden entfernt. Und wir Trauernde spüren sofort, ob uns Einer versteht oder

    nicht. Trauernde haben sehr, sehr feine Antennen dafür entwickelt.

    Alles Liebe

    Kornblume

  • Hi, ihr lieben Mittrauernden. Mir tut es so gut von euch zu lesen. :2::2::2: Heute war bisher ein guter Tag. Ich kam gut klar und war abgekenkt.

    Ich gehe auch immer die Szenarien durch, was gewesen wurde, wenn sie doch in das andere Krankenhaus gegangen wäre, dass ihr eigentlich empfohlen wurde und auf Hüftops spezialisiert war. Hätten sie dort die eindeutigen Anzeichen eines Herzinfarktes ernster genommen...

    Es ist so unfair, dass sie einfach weg ist.


    Heute ist Freitag, am diesem Tag Waren wir immer bei Mama zum Essen, den ganzen Nachmittag hatten wir viel Spass.

    Puh, muss versuchen mein Leben nun anders zu gestalten...was so schwer ist.


    Am Mittwoch ist ein Gottesdienst für Mama. Wegen Corona musste ja slles abgesagt werden..

    Das wird wieder hart werden.


    Ich umarme euch alle♡♡

  • Liebe Andrea


    Bei uns war am Sonntag auch ein Gedenkgottesdienst für meinen Vater. Und es hat mich sehr mitgenommen, es war ein bisschen wie eine zweite Beerdigung. Gleichzeitig aber konnte ich sehr intensiv an meinem Vater denken und ihn sehr nah bei mir spüren. Der Gottesdienst war schön gestaltet, die Musikauswahl hat mich überrascht, es waren keine typischen Kirchenlieder, sondern sehr stimmungsvolle Musik, von einer Sängerin mit wunderschöner Stimme und mit viel Gefühl vorgetragen. So war es trotz all der Tränen doch gut, auf diese Weise noch einmal Abschied zu nehmen und zu wissen, dass nun in der Kirche auch ein Lichtlein für meinen Vater brennt, an der Osterkerze entzündet.


    Du sprichst mir aus dem Herzen, wenn du schreibst, wie schwer es ist, dass wir nun unser Leben, das so eng mit unseren verstorbenen Eltern verknüpft war, neu ausrichten müssen. Wir werden dazu gezwungen, ganz plötzlich und ohne Vorbereitung ohne sie zu leben, und das, wo sie doch so einen wichtigen Teil unseres Lebens ausmachten, wir uns immer auf sie verlassen konnten und sie uns so viel Stabilität und Lebensfreude geschenkt haben. Mein Vater fehlt mir jeden Tag so sehr, all die kurzen, zufälligen Begegnungen, im Garten, im nahen Park, auf dem Parkplatz, im Strandkorb - passieren einfach nicht mehr, nie mehr. Und die grösseren, geplanten Treffen, etwa zum Mittagessen oder zum Kaffee draussen auf der Terrasse hinterlassen eine riesige Lücke.


    Es wird noch so lange weh tun und diese Lücke kann nichts und niemand schliessen.


    Eine liebe Umarmung

    Silvia

  • Liebe Andrea,


    ich kann dir dein Gefühlschaos wirklich sehr gut nachempfinden:(

    ich trauere seit mehr als zwei Jahren um meine Mutter, die ich drei Jahre lang durch Höhen und Tiefen ihrer Krebserkrankung begleitet habe. Es war ein kräftezehrendes Auf und Ab, letztendlich starb sie 84jährig. Vielleicht denkst du: "Immerhin 84 Jahre alt geworden", und ja, du hast recht, wenn ich mir vorstelle, sie bereits mit 65, so wie du deine Mutter, verloren zu haben, darf ich mich glücklich schätzen!

    Aber meine Trauer ist unendlich;(

    Meine Mami war meine beste Freundin und Vertraute, jugendlich im Aussehen und im Denken. In ihrer Gegenwart glaubte man nicht, einen alten Menschen vor sich zu haben.

    Ich kann dich also sehr gut verstehen, wenn du schreibst, wie eng euer Verhältnis war.

    Keiner versteht mich, keiner versteht diesen Verlust. Alle lenken schnell ab und erzähle von ihren "Problemen" das ist echt schlimm...

    Damit habe ich ebenso zu kämpfen! Es ist so schmerzhaft, wenn man nicht mehr über den geliebten Menschen reden darf! Ja, ich schreibe bewusst: "reden darf", denn es kommt mir beinahe wie eine Todsünde vor, einen anderen mit meinem Thema "Mutter" zu behelligen.

    Bei mir lenkt schon gar keiner mehr ab, da wird einfach flott drüber hinweggegangen, als hätte ich überhaupt nichts gesagt ...

    Und den Verlust zu verstehen, das ist für Außenstehende ohne Trauererfahrung eine Unmöglichkeit (bis sie es selbst einmal erleben werden ...).

    Ich war immer für alle da, aber so richtig ist es keiner für mich. Es ist gerade mal 4 Monste her und es wird Schlimmer, statt besser. Ich hab das Gefühl es nicht mehr auszuhalten.

    Ich hoffe, dein Mann ist dir eine Stütze.

    Dass es schlimmer anstatt besser wird, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. 4 Monate ist noch keine Zeitspanne für eine schwere Trauer.

    Das erste Trauerjahr war echt schlimm für mich, doch im zweiten Jahr waren die Gefühlsschwankungen bei mir noch ausgeprägter. Ich funktionierte zwar wieder viel besser, konnte wieder klar denken und war wieder mehr ich selbst, aber meine "Abstürze" in die Trauerlöcher waren noch tiefer und dauerten länger an. Ganz schlimm war das. Aber man hält das aus, es ist erstaunlich, aber man hält es aus, Tag für Tag, Woche für Woche ... bis sich unmerklich leichte Veränderungen hin zur Besserung einstellen.

    Ich arbeite normal, zwischen Haushalt und den Kids, schlafe wenig. Frage mich manchmal wie lange ich das so aushalten kann.. ob irgendwann der Punkt kommt, an dem ich nicht nehr kann...

    Liebe Andrea, gerade in der Trauer ist es enorm wichtig, sich jede erdenkliche Hilfe einzufordern, die möglich ist.

    Ohne genügend Schlaf wirst du diesen Stress auf Dauer wirklich nicht aushalten.

    Schlaf war und ist für mich ein Heilmittel.


    Ganz liebe Grüße


    Kerstin:30:

  • Liebe Kornblume , Silvia S. Liebe Nelo :2:

    Für eure lieben Worte :30: Und Anteilnahme für meine Geschichte.

    Ich wusste, dass es schwer wird, der Verlust meiner Mutter, aber do schwer, hätte Ich nicht gedacht. Mir tut es sehr gut hier von euch zu lesen umd den Tatsachen, dass ich nicht alleine bin.


    Das keiner mehr was hören will, wenn ich von Mama erzähle, macht mich sehr 😢 traurig. Dschte das kommt erst irgendwann später. Habe manchmal das Gefühl, dass man solche Themen meidet oder schon gar nicht mehr drüber sprechen will, wenn es aufkommt, das Thema Mutter und Tod. Es ist schon fast als interesiert es Niemand, keiner will es mehr hören...oder fragt nach. Hätte ich so auch nicht erwartet. Echt unglaublich. Aber ds merkt man, dass man einfach total auf sich gestellt ist. Meinem Vater und meiner Schwester fällt es viel leichter. .


    Mama fehlt mir so. Gerade Freitags, haben wir uns immer den ganzen Tag gesehen. Habe jetzt immer Angst vor den Freitagen.


    Das es seibst nach 3 Jahren noch nicht besser ist, tut mir sehr leid. Sie fehlt einfach ein Leben lang, es wird einfach nie mehr wie früher...

    Man muss nun wirklich den Rest seines Lebens damit irgendwie klarkommen...


    Ja, ich wünschte, ich hätte sie auch bis 84 behakten dürfen. ..aber es hätte auch noch früher sein können und dann bin ich einfach mal dankbar, dass sie wenigstens 65 Jahre als werden durfte und sie sich noch ein paar Wünsche erfüllen konnte...z.B Oma werden, meine Hochzeit, eine Reise nach Thailand, meinen Vater zum Nichtraucher zu machen.. und keines ihrer Kinder vor ihrem eigenen Tod verlieren zu müssen...

    Ich versuche wirklich für alles dankbar zu sein, dass ich noch habe, 2 gesunde Kinder, einen Mann, Schwester, Vater, ein schönes Haus, einen Job und natürlich Gesundheit. Diese Gedanken helfen mir irgendwie gut über den Tag zu kommen.

    Dankbarkeit für das was man noch hat und nicht ständig dran zu denken, was man nicht mehr hat.


    Alles liebe<3