Posts by mayatochter

    Ja genau, liebes Linchen1 , das ist bei uns sehr unterschiedlich.
    Innerhalb meiner Liebe zu meiner Mutter spielen ihre Hände, ihr Geruch, die Weichheit ihrer Haut und vieles mehr auch eine große Rolle, aber ich vermisse das nicht unermesslich, weil es das alles nie gab ohne viel Unerträgliches dazu.
    Im Gegenteil überwog das Schädigende in unserer Beziehung je älter wir beide wurden. Und darum ist die Trauer längst nicht so allumfassend wie bei dir, weil meine Mutter in meinem Erwachsenenleben immer weniger Teil von mir und meinem Leben war.
    Deshalb trauert meine Schwester jetzt zum Beispiel gar nicht und habe ich selber nie zuvor ein gegangenes Familienmitglied betrauert in unserer verkorksten Familie! Aber zwischen meiner Mutti und mir ging trotz allem Streit nie die Liebe und Zärtlichkeit im Hintergrund verloren! In ihren letzten Wochen kam sie noch sehr zum Vorschein!
    Und ich bin froh und dankbar, sie zu haben, diese Liebe und Zärtlichkeit! Und meine Unabhängigkeit!

    Liebe Grüße! mayatochter

    Liebe Mutti, der Oktober geht zuende und am 17. November bist du dann schon ein Vierteljahr nicht mehr hier bei uns.


    Gestern Nacht war Zeitumstellung und eine Zeitumstellung passiert auch in meiner Trauer.


    Viele hier im Forum schreiben, dass Monate und Jahre g a r n i c h t s sind in der Trauer, bei mir hat sich aber sehr sehr viel getan an innerer bewusster und unbewusster Verarbeitung.

    Nun habe ich mein Leben schon länger ohne dich gelebt, weil unsere Kontakte zu toxisch für mich waren, daran wird es liegen. Ich muss gar nichts Neues lernen, das Leben ohne dich!

    Dann habe ich auch zum 1. Mal bei dir überhaupt getrauert, das kannte ich zuvor gar nicht und so kann es auch sein, dass meine Psyche die Trauer eher ein bisschen dünn ausfallen lässt.


    Wenn Trauer aber in Wellen kommt und geht, gehe ich nicht davon aus, dass jetzt alles überwunden ist. Das soll es auch gar nicht, denn du bist ja dauerhaft körperlich weg von uns.


    Vielmehr glaube ich, dass etwas Neues auch in meinem Gedenken an dich entsteht. Denn niemals zuvor, seit Jahrzehnten, seit ich nicht mehr bei euch Eltern wohnte, wandte ich mich fast täglich an dich wie auf meiner Gedenkseite an dich oder hier.

    Das wäre ja sowas von nach hinten losgegangen!

    Wenn ich nun, nur aus der Liebe heraus, die immer zwischen uns da war, abzüglich allen anderen toxischen Mists, der jetzt wirklich vorbei ist, täglich an dich denke und schreibe, wie es meine Liebe anscheinend momentan als normal empfindet, dann normalisiert sich damit unser Mutter-Tochter-Verhältnis zu was, was es nie gab und was nur innerhalb der puren Liebe denkbar ist.


    Ich gehe aufgrund deines Glaubens davon aus, dass du in der puren Liebe wohnst, nun, beim Ewigen!


    Falls nicht, wüsste ich eh nicht, was außer meiner und deiner Liebe noch Bestand hätte zwischen uns. Von mir aus nichts!

    Liebe Mutti, nun bin ich doch noch etwas in die Depression gerutscht, aber nachdem ich vorhin mal lange mir alles in mein Tagebuch von der Seele geschrieben habe, fand ich raus, dass es nicht am Herbstblues/der Winterdepression liegt, an der ich oft litt wie du ja auch, es liegt auch nicht an der Trauer, denn mit beidem gehe ich gut und achtsam um und selbstfürsorglich.


    Es schrieb sich dann so raus aus meinen tiefsten Tiefen, wo ja keine Worte sind, sondern nur Bilder und Emotionen, dass es vielmehr nun nötig ist, an meine Kontakte und Reisen zum Wohnort meiner Eltern wieder m e i n e "Normalmaßstäbe" nach 7 Monaten Ausnahmesituation um Sterben und Tod von dir zu legen.


    Und da hatte sich auch einiges in mir aufgestaut, was in all den Monaten nicht an erster Stelle für mich stand, aber jetzt, denn ich bin nunmal eine chronisch kranke Seniorin, die wieder die Selbstfürsorge als erste Priorität nach vorne holen muss, um nicht aus meinem Alltag zu fallen, und dazu gehört dann auch, doch so einige Zumutungen an Rücksichtsnahme auf ziemlich egozentrische Verwandte und Freundinnen mal genauer zu betrachten und zu beenden.


    In den letzten 7 Monaten hielt ich mich an jedem Fünkchen Liebe fest, das mir Kraft gab, jetzt aber nicht mehr. Es lässt sich viel liebevoller im Liebeslicht leben, wenn Geben und Nehmen im Gleichgewicht sind, das weiß ich ja schon länger. Und ein Bedürfnis in der ersten Trauer, alles festzuhalten, was nun noch an Herkunftsfamilie da ist, lässt jetzt wieder locker und schaut sich genauer an, was davon schädlich ist und was nicht.


    Auch von Freundinnen von dir, die gerne nehmen, mich aber im Ungewissen lassen, wieviel Rücksicht auf meine Trauerbedürfnisse genommen wird, können mich gerne mal von Weitem sehen.

    Ich brauche sie alle nicht, habe auch vorher ohne sie gut gelebt, gerade teilweise ohne sie und wenn ich mir in den letzten Monaten Trauerblockiert zum Teil Zumutungen anhören musste und danach handeln musste, um Frieden zu erhalten in würdevoller Gestaltung aller nötigen Dinge, dann ist jetzt wieder Schluss damit!


    Ich schrieb ja schonmal davon, wie ich klar die "bucklige Verwandtschaft" auslud, womöglich hatte ich da doch noch nicht alle erwischt!


    Wie gut, dass ich dir das jetzt erzählen kann und nur Liebe als Antwort spüre, wo du früher viel zu sehr selber mit Vorsicht zu genießen warst. :24:<3




    Liebe Nessx00, ich sende dir mein tiefes Beileid zum Tod deiner Mutter. Du hast recht mit allem, was du schreibst! Und du bist damit hier im Forum richtig und von allen verstanden! Lies hier ein wenig herum, wenn du die Kraft dazu hast, und du findest deine berechtigten Trauerbedürfnisse und deine tiefen Trauerschmerzen, die nicht e i n f a c h vorbeigehen, vielfach hier nur anders formuliert, aber immer ähnlich erfahren, fassungslos, ausgeliefert, unverstanden!


    Aber du fühlst genau richtig und du darfst und musst so fühlen, damit dein Herz liebevoll bleiben darf und kann. Schreib dir alles von der Seele, deine Worte sind so klar und berührend wahr! Wir stärken uns hier gegenseitig!


    Liebe Grüße! mayatochter ,

    Liebe Mutti, heute in 2 Monaten ist Heiligabend! Und größer als meine Trauer ist bei dem Gedanken meine Dankbarkeit, dass du nie mehr so einsam sein musst wie am letzten Heiligabend, als dein Vermieterfreund erst Anfang Dezember verstorben war und seine Frau, unsere liebe Freundin, bei ihren Kindern war und du ganz allein Angst hattest, wie ich im Nachhinein weiß!

    Du hattest es dir auch mit deinen 4 Kindern so vermasselt, dass z.B. ich mich nie getraut hätte, mir die psychische Gesundheit mit einem Anruf, geschweige denn, Besuch bei dir zu gefährden. :13:
    Ich bin dankbar, dass diese verfahrene Situation nun vorbei ist und du deine geborgene Himmelsweihnacht hast! :5:

    In 1 Woche reise ich wieder zu Papi zum 1. November und einige Tage später seinem 98. Geburtstag!

    Heute Früh bin ich mit Sohni um 5 Uhr aufgestanden und er startete durch den Regen in seine Arbeitswoche! Brrr. . . dass ich mit ihm frühstückte, half aber!

    Gerade klingelt Gögas Wecker, er wird gleich duschen und in seinen Arbeitstag Homeoffice oder im Auswärtsbüro starten!

    Und ich bin nun ganz wach und will gleich mal noch schnell die Biotonne mit Winterschnitt vollpacken, bevor sie heute geleert wird! Und danach Hausarbeit machen und vielleicht um 12 Uhr zur Messe in die Bürgersaalkirche nach langer Zeit mal wieder fahren! Die Mystik der Jesuiten dort tut mir gut!


    :30:Liebe Mama von Jason! Mein tief empfundenes Beileid zu diesem tragischen Verlust, den du gerade erst erlitten hast! Ich weiß aus eigener Erfahrung schon, wie brennend leidvoll es ist, Kinder während einer Schwangerschaft verloren zu haben, so kann ich mir etwas vorstellen, wie schlimm das erst für dich jetzt ist! Wir alle Trauernden hier im Forum nehmen dich, wenn du erlaubst schützend in unsere Mitte und stehen dir still und mit dir trauernd bei!

    Dein Jason wird immer bei dir sein und du bist und bleibst seine Mama!

    Ich habe vor 2 Monaten meine Mutter verloren, die ein hohes Alter erreichte und doch trauere ich.

    Dein Söhnchen ging viel viel zu früh!

    Ganz leise sanfte Grüße von mayatochter <3

    Ora et labora


    Deine Wälder, deine Menschen, deine Blumen – ich habe sie in Karmin, in Smaragd, in Türkis gekleidet … Dein helles Antlitz malend, segne ich es Tag und Nacht …


    Marc Chagall (1887–1985; französisch-russischer Maler jüdischer Religionszugehörigkeit)

    aus: TeDeum, Stundengebet, 19.10.22


    Diese Herbsttage leuchten so sehr, fast sommerliche Temperaturen und ich muss denken, dass du Herbstkind, Mutti, dich mit einem Farbenrausch irdisch vom diesjährigen Blätterkleid der Pflanzen, der Bäume, verabschiedest, dem letzten Blätterkleid, das du in Frühlings- und Sommerfarben noch geliebt und genossen hast! Trotz sterbenskrank!

    Du bist immer morgens schnell aus deinem Zimmer im Pflegestift geflüchtet, vielleicht, weil der weite schöne Blick in Richtung unserer Wohnung ging?
    Dein Zimmer war bezaubernd wie der Blick, aber du wolltest da gar nicht sein, versteh schon!

    Als ich mit deinem Schwiegersohn, meinem Mann neulich am Panoramaerker auf das Pflegestift schaute, ein grauer Himmel, da schien auf einmal gleißend wie im Spotlicht mit einem Sonnenstrahl nur das Haus auf!

    „Deine Mutter!“ sagte sofort dein Schwiegersohn, der an nichts Übersinnliches glaubt! :-)

    Hymnus



    Alles Gelingen: in deine Fülle.

    In dein Erbarmen: meine Grenzen.

    Und meine Sehnsucht: in deinen Frieden.

    In deine Hände gebe ich mich.



    All meine Freude: in deine Schönheit.

    In deinen Abgrund: meine Klagen.

    Und meine Hoffnung: in deine Treue.

    In deine Hände gebe ich mich.



    All meine Wege: in deine Weite.

    In deine Schatten: meine Schwachheit.

    Und meine Fragen: in dein Geheimnis.

    In deine Hände gebe ich mich.

    (Stundengebet der Abtei Burg Dinklage

    aus: Te Deum Stundengebet, heute)

    Trauer 3 - also, eigentlich wollte ich von Anfang an über mich schreiben, komme aber andauernd auf andere kollektive Themen . . .


    Jedenfalls konnte ich von Jugendzeit an nicht mehr trauern.


    Vielleicht wollte ich es auch gar nicht, eben wegen der Schwäche


    und plötzlichen Selbstverantwortlichkeit, wo ich zuvor Familienmitglied,


    Familienmutter


    werden sollte und nun A L L E S.



    Als meine Omi starb Mitte der 70er Jahre trauerte ich nicht.

    Als meine Oma starb Ende der 70 er Jahre, trauerte ich nicht.

    Als mein Patenonkel starb in meinem Verlobungsjahr, trauerte ich nicht.

    Als meine Tante einige Jahre später starb, trauerte ich nicht.

    Als mein geliebter Opa starb, trauerte ich nicht.



    Es gab nie auch nur eine nennenswerte Unterbrechung im Alltag. =O


    Mir fiel dann im Zusammenhang mit meinen Depressionen erst auf, dass ich nie trauerte. Ja, ich kannte Liebeskummer, den zutiefst schmerzlichen, wenn eine Liebesbeziehung zuende ging. Das war eine Mischung aus Trauer, Verlustschmerz, Abschiedspein und Verlassenheitsängsten, das tat grausig weh.


    Also kannte ich es doch schon.


    Nur in Zusammenhang mit Familie fand mein Inneres es wohl zu gefährlich?


    Jedenfalls weiß ich, dass TRAUER ganz unten in den inneren Schatten ist, noch unter tabuisierter Wut.


    Und erst, nachdem ich da unten angelangt war in meiner Selbstreflexion, da konnte ich und kann ich jetzt um meine Mutter trauern. Aber ich muss das bewusst tun, denn von selber geht es viel zu selten. Von selber droht meine innere Routine das schnell wieder zu unterdrücken, wegzudrängen, dabei ist Trauer so kostbar, eine als Schwäche verkleidete und diskreditierte Stärke! Lebendigkeit der Emotionen, das Gegenteil von Tod.


    Liebeskummer! <3



    Trauer 2 - Trauer und Wut sind ja Schattenemotionen, also tabuisierte Emotionen, Trauer noch mehr als Wut, zumindest bei Männern, denn Traurigsein bzw. Weinen und Tränen galten ja lange und gelten auch inoffiziell immer noch verbreitet als Schwäche.


    Und da Frauen immer selbständiger und unabhängiger und durchsetzungsstärker wurden mit dem emanzipatirischen Zeitgeist der letzten Generationen, bei ihnen ungewollt oder gewollt wohl auch.


    Wut allerdings, bis heute, gilt ja bei Männern als cool und maskulin und bei Frauen als unweiblich und widerlich.


    Ganz schizophren ist es da in den letzten Generationen für Kinder geworden. Emanzipatorische Ellenbogenmentalität wird in jedem Beruf gefordert, aber die Pädagogik, die viele, wie ich, auch "Mädchenpädagogik" nennen, fällt natürlich allen Eltern eines Sohnes auf, wenn schon im Kindergarten jeglicher Bewegungsdrang und Wettkampfdrang pathologisiert wird und ganz augenscheinlich niemand zwischen gesund und ungesund unterscheiden kann.

    Dann aber wiederum wird sich beschwert, wie dick und entwicklungsverzögert und bewegungsarm, Mediensüchtig und passiv aggressiv vor Ballerspielchen die kids sind - das ist anerzogen und anderes Verhalten schon in jungen Jahren abgestraft.


    Also ist das "geheime Wissen, der geheime Lehrplan", nämlich das, was hinterher im Beruf und Erwachsenenleben gebraucht wird, riesig dick und kein Wunder, dass passiv-aggressives Verhalten blüht wie Mobbing, Bossing, dass Ausbrüche wie Amokläufte sich häufen, wenn so irrsinnig viel an kindlichen natürlichen Bedürfnissen schon flächendeckend in den inneren Schatten landen und dann aber im Beruf unausgesprochen da sein müssen zwischen allen EinzelkämpferInnen.


    So wissen jetzt nur nicht nur Frauen n i c h t, was alles in ihren Schatten innerlich wartet, sondern auch Männer. Und, noch komplizierter, genau das Verdrängte und Unterdrückte ist aber im Berufsleben gefragt.

    Ein Bekannter, lieb und übergewichtig, findet keine Stelle trotz Ausbildung in einem Personalmangelbereich, weil er dick und lieb ist. Ja, er hat nun Depressionen.


    War es meiner Generation der Babyboomer schon recht schizophren mit lebenslanger Selbst-Überforderung und Zerrissenheit, einerseits das geprägte Ideal der Frau ihrer patriarchalischen Kindheit zu sein und andererseits ganz plötzlich das emanzipierte Ideal der Frau ab Jugendzeit, wurde es für die Kinder- und EnkelInnen-Generationen nach mir nun noch härter und betrifft nun nicht mehr nur die Frauen, sondern ebenso die Männer.

    Bei allen aufgeklärten Zeitgeistphrasen auf den Lippen und Selbstverantwortung global für die ganze Welt, sind mehr Emotionen und natürliche innere Entwicklungsbedürfnisse verdrängt und unterdrückt als jemals zuvor.




    Trauer- dazu nehme ich jetzt mal die Lieblingsfarbkombi meiner 2019 am 9. Mai ganz plötzlich verstorbenen engsten Freundin Bettina! Niemand wusste, wie krank sie war, obwohl, als ich sie ein dreiviertel Jahr zuvor gesehen hatte, als sie und ihr Mann Urlaub bei uns in der Gegend machten und wir uns - wie immer seit sie leider einmal lang von Süden nach Westen umgezogen waren, - einmal im Sommer in ihrer alten Heimat trafen, da sah sie schon erschreckend abgemagert und krank aus und machte ich mir Sorgen, weil alle ihre Geschwister mit Anfang 60 Jahren an Krebs gestorben waren wie Bettina letztendlich auch. :33:

    Als ich aber hörte, wie sehr diese Pest in ihrem Körper schon verbreitet war, war ich nur froh, dass ihr, wie sie es sich immer gewünscht hatte, ein schneller Tod beschieden war. So hypochondrisch und panisch sie vor allem, was mit Krankheit und ÄrztInnen zu tun hatte, immer gewesen war, war ich froh und dankbar, dass sie ihre Sterbenskrankheit gar nicht mehr so richtig realisiert hat und dass ihr auch die Coronazeit erspart wurde.


    Jaja, das sagt alles mein Verstand.


    Mein Herz trauerte z i v i l i s i e r t,


    schrieb sich wie jetzt auch,


    aber damals in keinem Trauerforum,


    das Gedenken und die Trauer von der Seele.



    Und ging dann . . . . .



    außer an den nächsten beiden Todesgedenktagen,


    wieder zum Alltag über wie gehabt.


    In diesem Jahr fühlte es sich schon "n o r m a l e r" an,


    gar nicht mehr an ihrem Todestag ihrem Witwer zu schreiben.



    Und das fand er wohl auch ganz "normal", denn er hat


    sich nach dem 1. Trauerjahr, in dem er täglich neue


    Trauerbilder- und texte in seinem WhatsApp-Profil


    postete, schon sehr viel lebensfroher und lebensoffener


    gezeigt und war/ist auch wieder deutlich auf der Suche


    nach einer neuen Liebe.



    Irgendwie nahm ich wahr, dass er das trotz aller Trauer schon


    schnell wieder war.


    Dass es aber eine große Liebe von jung an zwischen ihm und


    seiner Frau von jung an gewesen war, ist sicher.


    Aber dieses "Bereitsein" für Neues bei gleichzeitiger Trauer,


    hier im Forum lese ich ja auch öfter darüber.


    Ob das bei Frauen und Männern unterschiedlich ist?









    Ja, mache ich auch von Kleinauf und habe erst vor einigen Jahren rausgefunden, dass man das "therapeutisches Schreiben" oder "Seelenschrei ben" nennt, weil es real wirkt in der Psyche. . . . aber mehr dazu jetzt wirklich nicht, da hast du recht.

    Liebe Bettina, ich lese hier gerade über euer Wutthema mit und es spricht mich sehr an, weil ich auch einige Male in meinem Leben sooo tief verzweifelt in meiner Lebenssituation war und ewig und ewig nicht da heraus fand und wer weiß wie litt und keine Änderung und Lösung sah innerlich oder äußerlich, sondern immer nur unzumutbaren Schmerz und unzumutbare Verzweiflung und unzumutbare Lebenssituation, die ich nie und nimmer verdient habe. Als ob das Leben selbst so hoch aggressiv und zerstörerisch austeilt gegen mich und ich selber kann meine wütende und aggressive Reaktion aber nicht dem Leben um die Ohren hauen und sitze und sitze und sitze immer weiter in demselben Mist und bin es weder schuld noch kann es schnell ändern.


    Und dann dachte ich immer, dass es genau wie auch in Sachen Stress eine gesunde Wut gibt und eine ungesunde Wut. Die gesunde Wut tut gut, zerstört nicht, erleichtert und bringt weiter. Die ungesunde Wut hat keinen Adressaten und gräbt sich stattdessen tief in mich selber hinein und ich werde sie nicht los.

    Das Problem an dem Ganzen ist aber, dass das Leben selber oder das Schicksal oder wie ich es nennen soll, so brutal in Menschenschicksale reinhaut wie es gewalttätiger nicht geht und wie es traumatischer nicht geht, schauen wir uns doch die Welt an. Auch abzüglich alles Menschenverursachten, und das ist viel, sind Natur und Schicksal aber grausam und scheren sich nichts darum, wie wir danach als Wrack und Stückwerk weiter vor uns hinkrebsen.

    Ich habe also dieses Leben in seiner Grenzenlosigkeit an Extremen echt fürchten gelernt, wie es überrollt und nimmt und gibt, völlig willkürlich und anarchisch. Ich bin mindestens unfreiwillig solange in der Dunkelheit im Leben unterwegs gewesen wie im Licht. Das Leben ersparte mir nichts und zu der ganzen Fülle des Erlebten gehört soviel Dunkles und Böses wie Helles und Gutes, weil das Leben so ist, jeden Tag und weltweit irgendwo und in viel zu vielen Notlagen Unschuldiger.


    Also gehören da auch alle Emotionen dazu, was mir das Schicksal um die Ohren schlug und ich habe auch zurückgeschlagen.


    Aber letztendlich, wenn das Leben selber schon uns nicht genug Fürsorge entgegenbringt, habe ich gelernt, dann will wenigstens ich in meiner Selbstfürsorge mich nicht zu sehr auch enttäuschen und in meiner Selbstfürsorge da schmerzt mich alles Gewalttätige und Gewaltbereite, das ich in mir bekräftige, auf eine selbstzerstörerische Weise, die sich dann immer tiefer einfrisst und ich nicht loswerde und eben die zerstörerisch ist.

    Darum, so berechtigt und auch bewusst erlebt und geäußert Wut ist, weil sie grundlegend zum Leben gehört und uns begegnet in Übermaß, so wichtig ist es auch für mich, sie wieder los zu werden.

    Bloß ist mein Umgang damit nicht einfach nachzumachen. Ich transzendiere sie, also schaffe sie in meine spirituellen Sphären und gebe sie da ab an Stellvertreter oder agiere sie in Fantasieszenen aus, die dann automatisch archetypisch werden wie in Märchen oder Legenden, wo ich dann die Kriegerin bin und das Böse bekämpfe.


    Das ist jetzt vielleicht nicht sehr verständlich, sorry, im Grunde geht es mir nur darum, dass ich existentielle Wut im Leben und ihre Berechtigung absolut verstehe, ein wichtiges Entwicklungsthema in Lebenskrisen finde, wenn man ganz unten ist und es nicht mal schuld ist, dass Wut auf Dauer aber zerstörerisch ist wie eben die ganze Wut in unserer Welt auch schon anzusehen ist.


    Erst jetzt spüre ich wieder diese Herbstmelancholie, die mich sonst immer im August so sehr schmerzt, dass ich depressiv abstürze für Tage und Wochen, aber meist seit 3 Jahren nicht mehr den ganzen Winter bis in den Frühling hinein.
    Abschied, Trauer, verschwindendes Licht, verschwindende Farben, Sommerwärme, Lebensenergie des Frühlingsaufbruchs und der Sommerernte, geerbte Gefahrenwahrnehmung der zunehmenden Dunkelheit, Kälte, Kargheit in der Natur aus dem kollektiven Menschheitswissen.
    Sterben, Tod und Ausnahmesituation hatten dieses Herbstgefühl bei mir ganz verschoben und überdeckt. Auch Depritage des zu tiefen Absturzes in den Herbstblues verhindert. Ich bin mal gespannt, ob der Tod meiner Mutter was daran ändert. Bzw. der Tod ihres Körpers bzw. die Wandlung ihres Körpers und mit seiner Auflösung ihrer körperlichen Person, denn Null Lebensenergie irdisch und im Kosmos ging verloren, s t a r b, kein Stillstand trat ein.
    Das, was wir als körperliche Person ansehen, das hat sich aufgelöst in alles, was ist in der Natur. Das, was ihr Wesenskern, ihr Bewusstsein von sich selbst, ihr Geist, ihre Seele, ist, hat damit seinen körperlichen Ausdruck verloren. Aber ist nicht weg.

    Tod also in Form des unwiederbringlichen Auslöschens von Körper, Geist und Bewusstsein einer Person gibt es für mich nachgewiesen gar nicht.
    Und ich erfahre ja selber schon seit dem Alter von Anfang 40, dass alles, was mein Körper an Kraftpotential verschlissen und verloren hat, dass das gleichzeitig mindestens an derselben geistigen Kraft und Präsenz in mir zugenommen hat. Damit ist nichts "Mentales" gemeint, das mich leistungsorientiert besser funktionieren lässt, sondern ein stärkeres Hinleben in die Welt der Geisteswesen, aus der ich komme und in die ich wieder einmünde nach meinem Ablegen des Körpermantels oder meines Hinaustretens daraus.

    Das Entscheidende aber, das mich trägt, ist der Hintergrund der Liebe hinter allem, weil ich dazu und dahin gehöre.


    Es fühlt sich nicht wie Depri an, sondern wie Ausruhen und mich mal ganz sacken lassen, dass ich die letzten Tage vor allem im Bett verbracht habe! Es fühlte sich gut und friedlich und entspannt an und nur mieser, wenn und seit ich realisiere, wieviel zu tun ist. Aber das war es ja immer. . .

    Im Trauerforum hier und auch in den Online-Gedenkseiten anderswo, wo ich täglich bin, schreiben viele Trauernde seit Jahren, Jahrzehnten, deren Leben mit den Liebsten, die starben, auch zuende war und bleibt. So ist meine Trauer nicht.

    Dennoch trauere ich und schreibe, lese und entzünde Kerzen auf Muttis Gedenkseite online jeden Tag.

    Auch da sehe und lese ich, dass das Gedenken täglich Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte weitergeht.

    Ich bin gespannt, wie das bei mir wird.

    Meine Mutter gehörte mehr als 62 Jahre lang in mein Leben und auch wenn ich Distanz halten musste, fühlt es sich ganz und gar nicht so an, als ob sie nicht mehr zu meinem Leben gehörte.

    Die letzten Tage hat meine ältere Schwester, da das Haus, in dem die Elternwohnung ist, jetzt ganz plötzlich verkauft werden kann (oder nicht, aber niemand weiß das), zusammen mit Brüderchen und Schwägerin und Muttis Freundin vor Ort schon eine Menge ausgeräumt und dem eine neue Heimat bei einem der Drei gegeben - das ist schön, weil nicht achtlos weggeworfen, aber die Wohnung sieht dadurch jetzt wohl schon etwas "gerupft" aus, wie es Schwesterlein nennt.

    Ich bin froh, dass sie das gemacht hat und haben, denn ich bin ja in Sachen Aufräumen eine Katastrophe, aber unseren Herzen war das natürlich jetzt unter dem Zeitdruck zu schnell. Mir wäre lieber gewesen, das wäre erst gegen Winterende passiert, aber wann geschieht schon etwas ideal? Ich bin auch froh, dass wir die ganzen Monate seit April ungestört hatten und diese Eile erst jetzt passiert.

    Trotzdem reißt diese Eile jetzt auch schmerzlich an meinem Herzen und vor allem, wie schnell so eine lebenslange Sammlung von Lebenskostbarkeiten in einer Wohnung ausgeräumt sind.

    Natürlich waren meine Eltern darin einzigartig vorbildlich, nur das im Alter zu behalten, was ihnen was bedeutete und alles so zu organisieren, dass wir Angehörigen nicht im vollen Chaos stehen von Dingen aus fast einem ganzen Jahrhundert!
    Ja auch alles Testamentarische und alles rund um die Beerdigung war ja und ist ja von meinen Eltern genau vorbereitet gewesen, auch finanziell, soweit sie es konnten. alles hinterlegt.
    Da war keine große Suche nach Papieren, die waren uns schon immer gezeigt worden.
    Und trotzdem war es ja noch viel zu tun, aber wir mussten nicht viel suchen.

    Meinem Papi scheint es auch einigermaßen zu gehen, er erkannte meine Schwester jetzt auch sofort wieder.<3
    Heute habe ich in der SZ gelesen, dass es eine psychische Diagnose "Trauerstörung" gibt, dass also eine zu starke Trauer nicht gleich Depression ist.
    Natürlich geht sie wie alles Mögliche vom gesellschaftlichen Funktionieren aus und besagt, dass eine Trauerstörung vorliegt, wenn jemand länger als ein halbes Jahr aus seinem normalen Alltag fällt und zu krank zum Arbeiten ist.
    Dabei steht da gleichzeitig, dass es 2 Tage "Trauerfrei" gibt nach dem Tod naher Angehöriger.
    Also, was ist denn mit den Leuten, die nach diesen 2 Tagen vor lauter Trauer noch nicht wieder "funktionieren"?

    Alles immer etwas seltsam.

    Aber bei mir ist es auch so, dass ich nicht vor Trauer aus meinem Alltag falle. Zwar gönne ich mir jetzt ein paar Schlappitage, weil ich die sonst nie habe, auch nicht mal im Urlaub, wenn ich sie mir nicht einfach nehme, aber es stimmt schon, dass auch die alltägliche Aktivität hilft bei der Trauer und dass mich die Trauer sogar erst aktiver machte.

    Dass man sich gar nicht leisten kann, einfach ganz aus dem Alltag auszusteigen vor lauter Trauer, das hat auch sein Gutes. Und trotzdem ist das Ganze auch furchtbar ignorant, finde ich. Wie sehr außer dem reinen Funktionierenmüssen alles um dieses Funktionieren oft bei Trauernden zusammenbricht und nie mehr dasselbe ist wie zuvor, das interessiert bei solch einer Diagnose keinen? .

    Danke Mayatochter, ich dachte das sei hier.

    LG Eli

    Liebe Eli, ja, ich wollte das auch erst hier aufmachen, aber das klappte irgendwie technisch wiederholt nicht, ich weiß nicht, was da schief lief, als ich es versuchte, und dünnhäutig und bedürftig nach Einfachem, wie ich war, habe ich es anderswo gemacht.

    Liebe Mayatochter, wie geht das mit der Gedenkseite?

    Wir haben keine Parte?

    Danke Eli

    Liebe Eli, ich weiß nicht, ob man hier auch eine machen kann bei aspeTos, wozu auch das Forum gehört. Ich bin auf einer Seite, die heißt einfach gedenkseiten.de und da bin ich jeden Tag eine ganze Weile und das tut mir gut, denn vom Grab wohne ich ja weit entfernt.