Lieber Dieter,
Ja, das ist leider nur zu wahr. Die einen schauen weg, bzw. nicht bewusst weg, sondern gar nicht erst hin, und andere meinen es gut, machen es aber leider aus Unkenntnis falsch.
Ich lese viel in den erwähnten Gruppen mit und allein dadurch lernt man, wie viele Unterschiede es gibt, wenn es um die artgerechte Aufzucht oder auch nur Hege der Tiere geht. Das fängt schon ganz wichtig bei der Fütterung an. Ich hätte zum Beispiel nie geahnt, dass ungewürztes, schlonzig gebratenes Rührei auf dem gestatteten Speiseplan für Igel ganz oben steht oder dass es Vögel gibt, die unbedingt mit pflanzlicher Nahrung oder ausschließlich bestimmten Insekten, andere hingegen auf keinen Fall damit erstversorgt werden dürfen. Und dass in den allermeisten Fällen erstmal gar kein Futter und oft auch kein Wasser angeboten werden sollte / darf.
Aber ein paar Dinge sagt wirklich schon der Instinkt und erst mal sichern und dann warm halten gehört grad bei Jungtieren unbedingt dazu.
Und ja, dann einfach ins Phone schauen. Oder bei einem Tierarzt oder wenn es nicht zu Öffnungszeiten ist, bei einer Tierklinik anzurufen. Dort hat man oft Listen von Päppelstationen.
Denn nein, ich schaue tatsächlich auch nicht weg. Ich kann mich an einen Fall erinnern, als mein Mann beim Spazierengehen einen Vogel bemerkte, der am Wegesrand hockte und bei Annäherung zwar ein wenig versuchte, fort zu hüpfen, aber offensichtlich nicht fliegen konnte. Meinem Mann fiel dann schnell auf, dass ein Flügel merkwürdig vom Körper abstand.
Er rief mich an und dann haben wir quasi sowas wie eine Telefonkonferenz gemacht - ich rief, mit meinem Mann noch in der Leitung, die Tierarztpraxis unseres Vertrauens an (damals wusste ich noch nichts von diesen Hilfsgruppen z.B. auf Facebook, bzw. die waren auch noch nicht so präsent und verbreitet).
Die Helferinnen vom Tierarzt suchten dann eine Päpplerin in der Nähe heraus, die ich dann ebenfalls anrief.
Sie erklärte mir, wie man den Vogel am besten sichert und transportiert - ich glaube, mittlerweile haben wirklich schon viele Menschen das Wort "Handtuchnest" ggf. mit selbst gemachter Wärmflasche (eine PET Flasche mit handwarmem Wasser zu füllen ist nun wirklich kein Hexenwerk) gehört.
Ich bereitete dann alles vor und holte meinen Mann samt Vogel ab und wir fuhren zur Päpplerin. Diese sah sofort, dass der Flügel gebrochen war. Sie würde sich drum kümmern.
Als ich sie ein paar Tage später anrief, um mich zu erkundigen, erzählte sie mir, dass sie mit dem Kleinen beim Tierarzt war und der Flügel dort so gut wie möglich gerichtet wurde, er aber nie wieder würde richtig fliegen können und daher bei ihr in Dauerpflege bleiben würde.
Und diese Geschichte ist nun wirklich nichts Besonderes. Man muss eben nur hinschauen und vielleicht ein klein wenig Zeit aufbringen, um sich dem Tier anzunehmen und dafür zu sorgen, dass es in fachkundige Hände kommt.
Was die Päppler angeht, so habe ich höchsten Respekt vor dem, was sie tun. Sie gehen oft an ihre Grenzen und Kapazitäten, denn grad bei Jungtieren muss man ja z.B. manchmal stündlich füttern, die Temperatur im Inkubator regelmäßig kontrollieren, etc. und das rund um die Uhr.
Und dann das Emotionale. Das Bangen, ob ein Schützling es schafft. Das Finanzielle, denn sie sind oft auf Spenden angewiesen und zahlen nicht selten viel aus eigener Tasche. Wobei es auch immer mehr Tierarztpraxen gibt, die für Findlinge oder Streuner in der Erstversorgung selbst aufkommen und einen Notfall kostenlos behandeln.
Hehe, ja, ich weiß - du weißt das natürlich alles und gehörst ja selbst du denen, die sich annehmen, auch wenn du nicht direkt ein Päppler bist, aber fast.
Aber hier lesen so viele mit und es haben ja auch schon einige der hier Schreibenden signalisiert, dass sie sich interessieren. Und da kann ein wenig Info nicht schaden, wenn es darum geht, was man machen kann, wenn man das nächste Mal mit offenen Augen unterwegs ist.