Posts by Ange

    Liebe Tereschkowa,


    mir tut es gut, daß Du mir so eine lange Nachricht geschickt hast. Für mich allein, so was kenn ich nicht, daß sich jemand so viel Mühe macht für mich. Ja, Schritt für Schritt. Ich darf halt nicht so viel von mir auf diese Stätte machen, da die Tochter meines Jürgen das alles macht, sie allein hat eben diese Generalvollmacht, ich bin dagegen nur geduldet. Ich werd auch nur einen Satz, den mir mein Jürgen sagte, auf diesen Engel schreiben ohne meinen Namen, könnt ja wieder auch sonst Diskussionen geben, das möcht und kann ich nicht verkraften. Aber das reicht auch. So langsam will ich sogar ganz allein diese Stelle für mich haben und mich drum kümmern, mal sehen, ob sie mir es erlauben. Aber noch nicht jetzt! Geht nicht.


    Es ist so schön, wie Du schreibst, danke dafür!!


    Ange

    Liebe Sverja,


    Ja, es ist und war ein großer Schritt, für mich. Jetzt werd ich mir noch einen Satz einfallen lassen, der für mein Jürgen und mich besonderen Wert hat, dann bei der Engelsfigur draufschreiben. Ich möcht diese Sachen selbst hinbringen, eigentlich, aber schon bei dem Gedanke im Moment jetzt, bekomm ich Schweissausbrüche und mir laufen die Tränen. Nicht gut, also lieber abwarten.

    Ange

    Ich muss mal wieder schreiben, denn nur, und wirklich nur hier kann ich mein Innerstes preisgeben. Am 07.10. war ich in der Nähe vom KH, wo mein Jürgen zuletzt war, ich hab von weitem die Zimmer gesehen, wo wir zuletzt lagen, bzw. er dann zuletzt war. Ich hab mir alles reingesaugt, auch diese Schrift: RBK, das Schild hat er zuletzt gesehen. Ich hab es ganz oft mir angesehen und dabei gedacht: genau das hast Du, mein Herz, zuletzt mit Deinen Augen angesehen.


    Danach suchte ich mir einen Platz auf der Höhe, wo man diese Fenster sehen kann. In Gedanken sehr tief bei ihm.


    Hab immer noch nicht seine letzte Stätte besuchen können. Aber: ich hab mal einen ersten Schritt gemacht: hab bei Netto einen Engel gesehen mit einem Licht, ein kleines Grabgesteck. Ich wunderte mich, daß ich das konnte. Hab andere Menschen beobachtet, ob die mir ansehen und wissen, daß ich was für einen Verstorbenen such. Aber egal, ich hab was gefunden für Dich, mein Herz.


    Meine Tochter Pia und meine Mutter werden dies diese Woche dahin bringen.Ich kanns noch nicht. Es ist für mich zu endgültig.


    Ich selbst leb, Gott sei Dank hat er mich aufgenommen, immer noch bei unserem gemeinsamen Freund Götz, der ja fast blind geworden ist, meine Sachen sind in einem Müllsack, aber im Moment gehts nicht anders, weil ich noch da bin. Und leb immer noch bei ihm und schlaf auf der Couch, würd langsam schon gern mal wieder ein Zuhause haben. Ich wart ab, was das Leben mit mir vor hat. Besser, als daß ich auf der Straße leb. Für mich ist es halt schlimm, daß ich kein eigener Raum mehr hab, wenn ich ein T-Shirt anziehen möcht, dann muß ich im Müllsack suchen. Es ist so natürlich kein Leben. Aber: mein Alles, mein Halt, meine einzigste Liebe, mein Beschützer, mein Leben, meine Seele, mein Jürgi: Du bist eben nicht mehr da, und da braucht es halt Zeit, bis ich wieder ok werde.


    Ange

    An Euch Alle!


    Wenn ihr Alle so an uns denkt, mein Jürgen, mein ALLES mit mir, es tut so gut, es hilft mir. Ich hab Euch gern, auch wenn ich öfters mal mich im Schreiben daneben benehm, aber ich fühl nichts böses. Ihr seid mir so wichtig geworden, egal was wahr.


    Ich weiss, Uwe, grad alle in so einer Trauer um ihn. Ich denk grad an Dich Sverja , Du bist so herrlich geerdet, so schöpfst so viel Kraft aus der Natur, das ist schön und ich möcht es auch so gerne, ich versuch es zumindest.


    Auch versuch ich, weiterzumachen für meine über alles geliebte Tochter Pia, und bin sehr dankbar, daß mich unser Freund Götz momentan bei sich aufgenommen hat, weil ich allein nicht mehr zurecht komm. Er ist fast blind, ich versuch, so gut ich kann, ihm zu helfen. Bin auch froh daß ich täglich bei meiner Mutter sein kann, es hilft mir, diese Abwechslung.


    Ich war und bin immer, wirklich immer, so mitfühlend mit hier Allen, bei manchen ganz besonders.


    Aber jetzt ist grad eine Blockade, in mir ist jetzt grad nur noch: mein Jürgen, mein Halt, mein Beschützer, mein Zuhause, denn da wo Du warst, war ich daheim. Manchmal reichte es mir schon, Dich von weitem zusehen, Hauptsache, Dir ging es gut, da war ich schon zufrieden. Wie oft hab ich in Deiner Wohnung nur gerufen: Jürgi?? Wenn dann Deine Antwort kam: Ja?, dann war ich glücklich!! Mein Herz. meine einzigste Liebe. Mein Sinnen mein Wollen war, daß ich Dich bis zum Schluss vor einem Pflegeheim bewahrt hab, war seit Jahren Tag und Nacht bei ihm, damit er, fast bis zum Schluss, bei sich zuhause leben konnte. Das war mein Ziel, mein Bestreben, denn ich liebte ihn, mehr wie mich selbst. Und dafür hab ich Jahre gekämpft, daß keiner von seiner Familie ihn ins Heim bringt. Hab mich von Arbeit befreien lassen und konnt dann rund um die Uhr für ihn da sein. Und es war so wunderschön, so vertraut, so voll Innigkeit, die ich niemals mehr in diesem Leben erleben werde.


    Bis zum Schluss konnten wir unsere Hand halten, wir hatten uns immer berühren müssen, vom Anfang an. Nur am letzten Tag ist Deine Hand so schwach und feucht gewesen. Aber ich hielt sie und sprach viel mit Dir. Am Sonntag, einen Tag bevor Du gingst, bist so unruhig geworden, ich nahm Dich immer wieder in den Arm, Du warst so schwer, mein Herz, aber ich drückte Dich und sagte immer wieder: Du brauchst keine Angst zu haben, mein Herz, Du bist ein Engel, keine Angst, dann bist Du wieder ruhig geworden.


    Immer wenn ich nicht in der Nähe war, bist Du unruhig geworden, und wenn ich wieder bei Dir war, hast Du Dich beruhigt. Also konnt ich Dir doch noch viel zum Schluß geben, meine ganze Liebe, mehr geht nicht.


    Als ich kurz am Montag, den 07.10. das Krankenzimmer verliess, hast Du gehen können, vorher war es Dir nicht möglich, denn laut Medium, wo wir immer wieder Kontakt haben dürfen, Gott sei Dank, denn ich sagte Dir immer: Jürgi, Du weisst, ich kann nicht ohne Dich leben. Ja, nachdem ich kurz gegangen war, um Dich bisschen in Ruhe zu lassen, wie mittags immer, da hast Du losgelassen. Du sagtest mir über unser Medium: Das hätte sie nicht verkraftet. deshalb hast Du gewartet, bis ich ging. Als ich wieder zurückkam, sahst Du genauso aus, wie ich gegangen bin, ich hielt Dich an der Schulter und schaute nur aus dem Fenster. Das Medium teilte mir mit, da waren anscheinend absolut überhaupt keine Gedanken bei mir zu lesen, zu spüren, es war nur Fassungslosigkeit. Was mir entsetzlich war: ich schaute Deine Füße an, jeder Zeh, den ich so geliebt habe, aber es war mittlerweile ein Bändel an Deinem linken Fußgelenk, ich wußte, was das bedeutet, warum sie Dir das umgebunden haben. Das hat mich in diesem Moment wirklich erschüttert, wohl diese Realität, was grad passiert ist. Dieses Endgültige.


    Bis heut konnt ich noch nicht an diese Stelle, wo Deine Hülle jetzt ist. Ich schaffs nicht, Du mein Liebstes, meine geliebte Seele.


    Der letzte schönste Moment bei uns war: in Deiner Wohnung, nach Deinem Mittagsschlaf bin ich zu Dir, bist grad aufgewacht, noch so lieb verschlafen, ich hockte mich zu Dir daneben auf die Bettcouch, sagte: ach Jürgen, und hab mich einfach über Deinen Schoß gelegt, und ich spürte, wie Du Deinen Arm über mich legtest. Wir waren wie zwei Kinder, die einfach fassungslos von diesem Schicksal sind, aber trotz allem so innigst waren diese paar Minuten und so unendlich nahe unsere Seelen, verbunden für immer.


    Jürgen, unsere Liebe, bis in alle Ewigkeit und darüber hinaus. Ange Oh Gott, mein Herz, wie sehr liebe ich Dich.




    Liebe Andrea, liebe Sverja,


    ja, ich denk, es ist besser, ein bisschen pausieren. So kann ich immer noch hier reinschaun und mitlesen, denn ich hatte schon bei der Verwaltung gekündigt, aber ich spür, daß ich mir selbst dadurch ein gewisses trautes Gefühl, so Art Zuhause hier, damit kaputt machen würd und ich mich doch nach Hier sehnen würd, deshalb mach in einen Rückzieher. Ich bin ja hier so ein bisschen wie Daheim. Wär nicht gut. Ich bin absolut kein Mensch, der ein Hin und Her macht, noch nie, diesmal ist es halt eine Ausnahme. Wir sind alles nur Menschen mit ganz tiefen Gefühlen, allein schon durch diesen entsetzlichen Verlustschmerz.


    Liebe Sverja: mich hat es besonders gefreut, daß Du mir so geschrieben hast.


    Eure Ange

    Ich dachte immer, die Augen sind das letzte, was geht, laut Studien. Gerad deshalb hab ich bei meinem Jürgen, als er tot war, nochmals ein Auge geöffnet, und es zitterte. Aber egal. Es tut so und so weh. Ange