Meine Ursel ist gegangen

  • Lieber Dieter,


    mir geht es wie Dir. Ich habe auch kein großes Bedürfnis nach Gesellschaft, und schon gar nicht wenn glückliche Paare dabei sind. Viele können das sicher nicht verstehen, aber das ist mir egal und Depressionen habe ich auch keine. Wir wurden nicht gefragt ob wir dieses Leben wollten. Ob wir unfreiwillig alleine sein wollen. Gestalte Dein Leben wie es für Dich am erträglichsten ist. Nichts anderes zählt. Und genau das tue ich auch. Die Trauer ist schlimm genug. Es geht nur noch darum was Dir gut tut. Was andere dazu meinen spielt keine Rolle.


    Liebe Grüße

    Lilifee

  • Hallo Ihr Lieben,


    heute habe ich zufällig einen ehemaligen Nachbarn getroffen. Er erzählte mir dass im Mai 2025 seine Frau verstorben ist. Sein Sohn, um die vierzig Jahre alt,

    hat das überhaupt nicht verkraftet und ist ihr im November mit einem Broken Heart Syndrom gefolgt. In einem Jahr Frau und Sohn verloren. Das hat mich total erschüttert. Demnächst werden wir mal zusammen ein Bier trinken.


    Liebe Grüße von Dieter

  • Das ist wirklich sehr grausam. Ihr werdet bestimmt viel Verständnis füreinander haben. Das kann sehr gut tun.

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Ein wunderschönes Lied: Wolken von Johannes Oerding, in dem er nachdenkt was wohl kommt, wenn wir hinüber gehen. Leider verstehe ich den Text nicht immer, deshalb hab' ich ihn gegoogelt. Es ist nicht das erste Lied von ihm über das Leben nach dem Tod.



  • Guten Morgen Dieter.Ich habe noch das Lied von Peter Maffay und Johannes Oerding gehört. In dieser Art von Musik versteht man den Text schlecht. Die Botschaft verstehe ich. Es ist nun eine höchstpersönliche Geschichte mit dem :" Was kommt danach?" Wir wissen es alle nicht.Deshalb träumen wir uns etwas zusammen, damit der Abschied leichter wird. Der eigene und der unserer Lieben. In der Geschichte der Menschheit war das schon immer ein Thema. Vor allem spielten da die Götter noch eine große Rolle. Ich ganz persönlich lebe immer im Hier und Jetzt. Wir gingen zwar früher auch in die Kirche, aber nur ,weil es Tradition war.Wenn ich manchmal einige Fußballer beobachte, wenn sie nach ihrem Tor beide Hände dankend zum Himmel strecken, berührt mich das immer sehr. Das Vaterunser kann ich auch. Den Inhalt habe ich erst viel später verstanden. Genauso die 10 Gebote. Sie haben einen tiefen Sinn und man findet ihre Botschaft jeden Tag in unserem Leben. Leider wird die Religion tausendfach missbraucht,immer und überall auf der Welt. Wenn wir im Jenseits auf ein besseres Leben hoffen , dann ist das ein ganz menschlicher Wunsch. Wir sind jedoch noch auf unserer Erde ,die soviel Schönheit hat. Man muss sie nur sehen. Ganz liebe Grüße von Christine.

  • Hallo Ihr Lieben,


    seit Ursel gegangen ist bin ich ganz oft übernervös, fange an zu schludern und werde dann wütend auf mich. Kürzlich schmiss ich beim Umdrehen in der Küche den gerade aufgegossenen Kaffefilter runter, die halbe Küche war versaut. Solche Dinge meine ich, oder ich ertappe mich dass ich die Kiefer zusammenpresse und innerlich völlig verkrampft bin. Um runterzukommen rufe ich mir jetzt immer Ursels Stimme in die Ohren, wie sie sagt "ganz ruhig Süßer, ganz ruhig."

    Und es wirkt, ich werde ruhiger und muss manchmal lächeln weil sie das meistens sagte wenn ich in irgendeiner Situation anfing zu hudeln, wie wir in Franken

    sagen.


    Liebe Grüße von Dieter

  • Lieber Dieter,


    du beschreibst das so lebendig, dass man es richtig vor dem inneren Auge sehen und auch fast diese Stimme hören kann ...
    Zumindest geht es mir grad so. Und ich muss auch lächeln - wie so oft bittersüß.
    Denn es ist schon eigenartig; vieles an der Trauer ist sehr, sehr individuell, aber manches kommt irgendwie (erschreckend?) bekannt vor.

    Eine solche Phase hatte ich auch - wobei es bei mir eher Ungeduld statt Nervosität war, gepaart mit absoluter Unnachsichtigkeit mir selbst gegenüber. Wenn mir ein Malheur passiert ist, weil ich total unkonzentriert war, habe ich total abgeklärt und wie mechanisch reagiert und es gerichtet - so wie ich das immer schon konnte - mit dem riesen Unterschied, dass ich danach total sauer auf mich selbst war.
    Und das mit der Stimme ... ohja, das hat in diesen Situationen auch immer sehr geholfen. Die Stimme und das Lächeln dazu.

    Ich finde es wunderschön, dass es dir gelingt, dir ihre Stimme ins Ohr zu rufen und dass du dabei ruhiger wirst und nicht nur das: du musst sogar lächeln.
    Wunderschön; und doch sind es auch gerade solche Momente, die uns zeigen, wie sehr sehr sehr und wie tief uns die liebsten fehlen. ✨💖

  • Dass du lächeln kannst, wenn du Ursel "hörst" ist für mich eine Form der Akzeptanz. Meiner Ansicht nach hast du voll und ganz akzeptiert, dass Ursel noch da ist. Ein spontanes Lächeln bedeutet: kein Zweifel mehr. Alles ganz normal.
    Aber es wird nie nie niemals reichen!!!!

    Das Zubeißen ist ein großes Problem für mich. Ich mache mir die Zähne kaputt damit. Wenn ich mich dabei erwische und allein bin lasse ich den Kopf runterhängen und schüttle ihn wie beim Nein sagen. Dabei lass ich den ganzen Mund locker. Das hilft ein wenig. Hat mir Feechen gezeigt. Für nachts habe ich eine Aufbissschiene.

    Das Schludern hab ich phasenweise immer wieder. Da bin ich weder hier noch dort mit den gedanken. Sehr lästig.

    Trauer ist erschreckend vielseitig.

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Es passieren auch noch schöne Dinge. Seit gestern darf ich zwei Eichhörnchenkinder bewirten. Ich hatte schon gedacht, heuer würde keins her finden, und gestern gleich zwei. Keine Geschwister, sie sind unterschiedlich alt. Das kleinere ist von Angela, die säugt es auch noch nebenbei. Es muss jetzt ordentlich futtern, es ist schon spät im Jahr. Das größere ist schon recht selbstbewusst. Der Screenshot ist das kleine, es versucht sich an einem Stück Möhre.