Was ist, wenn man niemals darüber hinwegkommt?????

  • Liebe Elster,

    liebe Linchen,

    liebe Kerstin,


    ihr seid wirklich so lieb zu mir! Ich bin euch immer wieder aufs Neue aus tiefstem Herzen dankbar für eure tröstenden Worte! Ich umarme euch alle ganz fest!!!


    In der Theorie weiß ich all das, was ihr schreibt, ganz genau ... Aber die Emotionen stehen auf einem anderen Blatt. Das habt ihr ja auch alle mitgemacht. Euch muss ich das nicht sagen. Ich weiß.


    Immer wenn ich leise anfange zu denken: Vielleicht kann ich seinen Tod jetzt etwas akzeptieren, denn ich weiß ja rational, dass er nicht wiederkommt, schwappt in dem Moment eine riesige Welle über mich und ich merke, nein, das klappt noch überhaupt nicht. Da bin ich noch meilenweit entfernt davon. Aber auch das wird euch ja nicht unbekannt vorkommen, oder?


    Liebe Elster:

    Ja, du hast vollkommen recht: Ich habe große, große Panik und unbändige Angst!!! Das trifft es haargenau! Weil ich ein sicherheitsbedürftiger Mensch in allem bin, und diese Sicherheit ist nun weg!


    Liebe Linchen:

    Genauso drücke ich es auch aus: Man hat nun ein geteiltes Leben: eins DAVOR und eins DANACH!

    Ich freue mich sehr für dich, dass du eine so tolle Therapeutin hattest.


    Liebe Kerstin:

    Ich bin auch bei einer Trauerbegleiterin. War aber erst einmal dort. Kommende Woche sehe ich sie nochmal. Sie machte einen sehr netten und kompetenten Eindruck, aber da wir zumeist über organisatorische Dinge wie Krankschreibung gesprochen hatten, kenne ich sie in bezug auf Trauerbegleitung halt noch nicht.


    LG

    Bille

  • Du bist sehr tapfer, liebe Bille. Du lässt nichts unversucht. Diese Stärke hat dir dein Mann und eure Beziehung zueinander gegeben. Ich weiß - du fühlst dich ganz und gar nicht stark. Aber da ist ein Funke in dir und den hat dir die Liebe gegeben. Denn die stirbt nicht. Niemals. Beidseitig. Und akzeptieren geht irgendwann mal. Es eilt nicht wirklich. Erst muss man von ganzem Herzen begreifen, dass akzeptieren nicht das das selbe ist wie loslassen oder gar gutheißen. Was es bedeutet wirst du von ganz allein für dich bestimmen, wenn es so weit ist.

    Wenn dir die Trauerbegleiterin sympathisch war, dann ist das sehr gut. Dann hoffe ich, du hast nächste Woche ein gutes Gespräch mit ihr!

    Herzliche Grüße
    Elster

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Ich war mir nicht sicher ob ich nochmal antworten soll.


    Am Anfang war es mein unbedingter Wille zu sterben.
    Es war unerträglich und bis heute ,im Oktober sind es vier Jahre ,verheilt ist diese Wunde nicht und ich weiß das es niemals passieren wird.

    Aber ich habe mich damit arrangiert ,ich muss nicht über diese Tragödie hinweg kommen und mein Herz wird bis zu meinem Ende gebrochen sein.

    Ich sehe in fast allem was du schreibst,das was ich damals gefühlt habe.

    Ich wusste es wird besser ,aber ich habe es nicht gefühlt,daher stammt das Gefühl das man denkt es wird nie wieder besser.

    Dieses überleben ist ein Zustand in dem man nicht ewig hängen bleiben kann.

    Ich wurde dann monatelang von einer absoluten Gefühlskälte gefangen gehalten.

    Aber selbst die war besser ,als der unerträgliche Schmerz über den Verlust.

    Bin dann aufgrund , vielleicht schwarzen Einstellungen in eine schwere PTBS+Depression gerutscht die weiter dafür gesorgt hat das es weiter bergab mit mir geht.

    Es hat sich im Laufe der Zeit ein neues Leben eingespielt,ohne das ich es wollte.

    Mein innerstes hat sich dagegen gewehrt ein Leben ohne meinen Sohn zu führen.

    Wie kann ich weiter leben wenn er niemals die Sonne gesehen hat und es auch nie wird .

    Keiner kann dir ganz versichern daß es besser wird.

    Ich habe dem Leben jahrelang keine Chance gegeben ,aber es gibt noch eine Art von Leben , für mich und ich glaube auch für dich.

    Du stehst noch ganz am Anfang, das entsetzen darüber ist sehr groß.

    Das war jemand aus dem Forum hier der mir endlich ein Wort für einen großen Teil des Gefühls was ich hatte gegeben hat.

    entsetzen ,es beschreibt perfekt die erste Zeit.


    Vom ganzen Herzen wünsche ich dir ,das auch für dich wieder die Sonne scheint.

  • Liebe Bille,

    mein aufrichtiges Beileid. Es ist unfassbar traurig seinen Herzensmenschen zu verlieren. Verloren im Leben. Ohne Rückkehr. Aber niemals verloren in deiner Seele. Jede Faser deines Körpers sehnt sich nach dem, was mal war. Ja. War. Es ist grausam, nicht zu verstehen. Nur noch Fotos, Erinnerungen, vielleicht Videos. Und Liebe. Sie ist durch nichts zerstörbar. Sie bleibt. So wie auch deine Trauer bleibt. Sie verändert sich, aber sie bleibt. Damit zu "leben" ist eine Veränderung in dir. Bleib so stark wie möglich und erzwinge nichts. Wir alle verstehen deinen Schmerz,es gibt keine Worte. Nicht dafür. Alles liebe und alles gute. Hier hast du immer jemanden, der bei dir ist. LG Billi 🌻

  • Danke, liebe Melanie,


    danke, dass du so viel von dir preisgegeben hast. Diese Worte, die ich eins zu eins auch so fühle. Es gibt mir Hoffnung, dass es dir nun besser geht. Wirklich! Auch wenn ich mir heute noch nicht vorstellen kann, dass es auch mir vielleicht eines Tages besser gehen wird. Denn das kann ich wirklich nicht. Da bin ich ganz ehrlich.


    Auch dir aus meinem tiefsten Herzen alles nur erdenklich Gute!!!

  • Liebe Billi,


    ich danke dir! Es tut mir wirklich so gut, immer wieder zu lesen, dass ihr alle auch dieselben Gefühle habt und hattet. Denn ich dachte ja, ich sei verrückt mit dem, was sich in mir abspielt! Diese Erinnerungen, die mich ständig und bei allem einholen. Von früh bis spät. Egal wo ich bin und was ich tue. Übersteht man das alles wirklich nur, indem man einfach weiter "existiert" von einem Tag auf den anderen? Viele sagen, ich müsste Medikamente nehmen, um mich zu beruhigen. Ich habe auch welche verschrieben bekommen, nehme sie aber nicht. Ich möchte meinen Körper nicht auch noch damit belasten.


    LG

    Bille

  • Liebe Bille,


    Wie alle anderen möchte auch ich sagen, wie leid es mir tut zu lesen, dass noch eine Seele, du, einen so tiefen Schmerz erleiden muss.
    Und wie alle anderen möchte ich bestätigen, dass wir das alle kennen und noch viel wichtiger: Dass du immer und jederzeit schreiben kannst (darfst, sollst und musst), was du empfindest.
    Denn ja, man fühlt sich manchmal wie ein Alien. Und dann tut es gut, wenn man merkt, dass dem gar nicht so ist.
    Aber auch in Punkten, wo man vielleicht wirklich anders fühlt, ist das egal - denn es gibt in der Trauer kein richtig oder falsch. Vielleicht ist man in dem ein oder anderen Punkt ein Alien - aber hier werden Aliens akzeptiert und respektiert. Denn irgendwie sind wie alle, jeder für sich, ein ganz besonderes Alien.
    Individuen, so individuell wie die Trauer individuell ist, denn es ist "unsere" Trauer. Sie gehört uns. Uns ganz allein. Da hat niemand ein Recht, uns reinzureden. Und das ist gut so.

    Du fragst als Überschrift "Was ist, wenn man niemals darüber hinweg kommt?"
    Gibt es darauf eine Antwort? Muss man darauf überhaupt eine Antwort haben? Ja, ich weiß, du sehnst dich so bitterlich danach, eine Antwort zu haben. Eine, die nicht nur deinen Verstand erreicht, denn der ist hellwach und kapiert das alles, sondern deine Seele. Denn die muss erst diese neue Sprache lernen. Ein ultimatives Übersetzungstool "Davor < - > Danach" mit dem Dialekt "gebrochenes Herz" gibt es nicht.

    Bei mir war es sogar so, dass ich zu Beginn gar nicht darüber hinweg kommen WOLLTE. Der Gedanke "darüber hinweg zu kommen" hat mich erschreckt. Ich wollte das nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass ich bewusst in ein tiefes Loch fallen wollte oder dass ich bildlich gesprochen die Vorhänge in einem eigentlich lichtdurchfluteten Raum nicht nur zuziehen, sondern gleich auch noch diese Stangen zum wieder-öffnen abmontieren wollte.

    Im Gegenteil. Ich bin nie in ein Loch gefallen und ich konnte von der ersten Sekunde an bei den Gedanken und Erinnerungen an meinen Schatz warm lächeln, obwohl der Schmerz bodenlos tief war (und ist). Aber das bin ich. Andere können das nicht. Andere wollen das erzwingen, aber es stellt sich nicht ein. Bis eines Tages vielleicht, ganz unverhofft, eine Träne zu einem Lächeln wird. Wieder andere müssen generell erst wieder lernen zu lächeln.
    Aber bei so ziemlich allen (zumindest den Seelen, die empfinden, wie wir hier - es gibt sicherlich auch da genügend andere), verändert sich das Lächeln selbst. Bei mir auch. Die Unbeschwertheit geht verloren. Wehmut überlagert alles. Eine nicht erfüllbare Sehnsucht nistet sich ein und geht (vielleicht) nie mehr (ganz) weg.
    Und diese Gefühle, diese Gewichtung der Emotionen in einem Lächeln oder einer Träne, die sind es, die sich ändern. Die milder - anders - werden. Milder trifft es dabei noch nicht mal ganz. Es kann durchaus sein, dass es sogar intensiver wird. Viel intensiver. Aber gleichzeitig erträglicher.
    Wie gesagt: Ich meine das ganz und gar nicht allgemeingültig. Das ist alles lediglich so beschrieben, wie ich ganz persönlich das empfunden habe und empfinde.

    Und das bringt mich wieder zurück zu "der Gedanke darüber hinweg zu kommen hat mich erschreckt" und "ich wollte gar nicht darüber hinwegkommen".
    Denn irgendwie war das für mich gleichbedeutend mit diesem unsäglichen "loslassen" oder gar "abschließen" oder, für mich eines der gruseligsten Worte überhaupt, nicht nur in der Trauer, aber da ganz besonders: "verarbeiten".
    Ist es aber nicht. Also gleichbedeutend. Und niemand sagt, dass man das muss. Und die, die es doch sagen, können getrost dahin gehen wo der Pfeffer wächst. Oder um es noch deutlicher zu sagen: Dorthin wo die Sonne niemals scheint, denn dieser Ort ist gleichzeitig der Ausdruck für das, wofür ich diese Menschen halte, die das erwarten oder fordern.

    Nein, man muss nichts davon. Man muss damit irgendwie "klar kommen", damit "leben", seinen "Weg damit finden". Aber das sind alles fließende Prozesse.
    Nicht so wie "abschließen", "verarbeiten", "darüber hinwegkommen" - das bezeichnet zwar auch alles Prozesse, die aber einen sehr endgültigen Schlusspunkt haben. Und ist der erstrebenswert? Nö.

    Meine Antwort auf deine Frage ist also ganz einfach: "Lass die Frage so lange stehen, wie sie sich dir stellt. Und irgendwann wirst du feststellen, dass sie sich gar nicht mehr stellt."

    Für mich war eine sehr wichtige Weiche der Punkt, an dem ich festgestellt habe, dass ich "es" akzeptieren kann. Dass ich akzeptieren kann, dass mein geliebter Mann gestorben ist. Dass er nie wieder physisch bei mir sein wird. Und so viele, viele andere "nie wieder". Ich weiß nicht genau, wann dieser Punkt war. Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich es akzeptiere. Was nichts, aber auch gar nichts damit zu tun hat, dass ich nicht dennoch damit hadere.
    Es gibt Momente, da hadere ich ganz gewaltig damit. Aber ich habe mich dem Gedanken gestellt. Diesen doofen, beschissenen, unfairen, unsäglichen Nie-Wieders. Der Sehnsucht. Der Wehmut. Dadurch gehen diese Gefühle nicht weg. Aber ich habe Macht über sie und nicht sie über mich. Nicht zu verwechseln mit Kontrolle haben. Ich habe keine Kontrolle über diese Gefühle. Aber sie auch nicht über mich. Was immerhin etwas ist.

    Ich weiß nicht, ob ich deine Frage beantworten konnte, denn die ehrlichste Antwort, die ich darauf kenne ist, dass es keine Antwort gibt.
    Und ich weiß erst Recht nicht, ob diese Zeilen dir als fühlendes Wesen irgendwas bringen. Vielleicht ja auch nur dem denkenden Wesen in dir. Und vielleicht sagt schon das denkende Wesen "was für ein gequirlter Schwachsinn!".
    Das wäre genauso berechtigt, wie jede andere Reaktion. Aber dann wüsstest du zumindest gleichzeitig auch schon mal, wie du es NICHT haben willst.

    Denn abschließend nochmals: Die Trauer und alles was damit zusammenhängt, ist hochindividuell. Die Dauer. Die Art des Schmerzes. Die Trigger. Wie man mit Erinnerungen umgeht. Und all die anderen Facetten.
    Wichtig ist, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem denkendes und fühlendes Wesen eins werden. Wann das ist ... du wirst es wissen.
    Heute mit Sicherheit noch nicht, aber das muss auch nicht.

  • Liebe Bille,


    besser als unsere liebe Sonnenente kann man es nicht beschreiben absolut nicht.


    Weist Du zu mir hat meine Freundin gesagt und wir sind seit der Schulzeit befreundet.

    Ich hätte mich verändert und es wäre schön wenn ich wieder die alte wäre das ist 3 Jahre her.


    Ich hab Ihr geantwortet sorry Du musst mich so nehmen wie ich jetzt bin, diese Haltestelle gibt es nicht mehr.

    Sie hat es akzeptiert und mittlerweile findet Sie es okay so wie es ist.


    Vlg. Linchen