Gedanken & Impulse von Isabel

  • Hallo ihr Lieben,

    Ich bin noch die ganze nächste Woche auf Urlaub, aber wollte mal schauen ob es hier etwas gibt,

    und wie ihr euch fühlt. Hab schon ein wenig nachgelesen und hatte dabei immer wieder das Lied von Glashaus im Kopf.

    "Gebt mir mein Leben zurück"

    Vielleicht kennt ihr das. Ich stell es hier mal rein. Mich hat es eine Zeit lang begleitet.

    Und es drückt den sehnlichsten Wunsch Trauernder aus.




    Kommt gut durch den Sonntag <3

    Isabel

  • Und hier noch den dazugehörigen Text:

    Glashaus- Gebt mir mein Leben zurück


    [Strophe 1]

    Wer soll sie ersetzen?

    Wo finde ich Trost?

    Was ist trauriger als ich jetzt bin?

    Wieso sind die Leiden so groß?


    [Refrain]

    Denn nichts auf dieser Welt könnte schlimmer

    Sein als das Fehlen des Glücks

    Ich lieb' es wie auf ewig und für immer

    Bitte gebt mir mein Leben zurück


    [Strophe 2]

    Wann nimmt das ein Ende?

    Warum, warum gerade ich?

    Wie lang muss ich noch kämpfen?

    Wie komm' ich zur Heilung für mich?


    [Refrain]

    Denn nichts auf dieser Welt könnte schlimmer

    Sein als das Fehlen des Glücks

    Ich lieb' es wie auf ewig und für immer

    Bitte gebt mir mein Leben zurück

    Denn nichts auf dieser Welt könnte schlimmer

    Sein als das Fehlen des Glücks

    Ich lieb' es wie auf ewig und für immer

    Bitte gebt mir mein Leben zurück

  • Liebe Isabel,


    ja Glashaus hat tolle Texte....ich weiß Du hast es in meinem Wohnzimmer auch gesehen ich kenne das Lied schon eine Ewigkeit, jetzt hat es eine total neue Bedeutung bekommen als es eh schon für mich hatte....


    Vlg. Linchen

  • ich weiß Du hast es in meinem Wohnzimmer auch gesehen ich kenne das Lied schon eine Ewigkeit, jetzt hat es eine total neue Bedeutung bekommen als es eh schon für mich hatte....

    Ja genau, vielleicht fiel es mir deshalb wieder ein :saint:

    Ich höre auch manchmal Lieder, die dann plötzlich eine neue Bedeutung haben <3

  • Liebe Isabel L.K.: ich hoff, Du bekommst diese Nachricht.


    Ich möcht Dich fragen mit Deiner Erfahrung: warum konnt ich noch nicht an diese letzte Stätte von meinem Jürgen gehen?? Andere sind Tag für Tag da, ich wünsch mir das auch, am liebsten würd ich dort meinen ganzen Tag verbringen.


    Aber ich schaff es noch nicht. Ich hab sogar Dinge für ihn!


    Nun hab ich irgendwas gelesen, daß man Zeit braucht, die Psyche, die Seele, um dieses endgültige, und das ist wohl das Grab, denn da steht es ja wohl auf Stein gemeistelt, daß er nicht mehr da ist, daß mein Innerstes wohl doch noch Zeit braucht, das zu verarbeiten, ich glaub, mich würd das sofort erdrücken, diese Gewissheit. und deshalb hab ich Angst, dahin zu gehen.


    Ange

  • Liebe Ange,


    ich glaube das ist bei jedem anders ist, ich bin von Anfang an jeden Tag gegangen ich brauchte das obwohl das nicht in mein Kopf wollte es war wie ein Traum wie ein Film.....ich konnte auch den Stein nicht anfassen oder über ihren Namen streichen das ging erst vor ein paar Tagen....ich glaube Du solltest Dir keinen Druck machen.


    Wenn Du soweit bist dann kommt das dann wirst Du das wissen.


    Vlg. Linchen

  • Liebe Niobe,


    das ist eine gute Aussage ganz genau die Seele kann nicht dort mit hin das passt so kann man es wirklich sagen.


    Man spaltet sich ab was man sowieso ist man hat sich gespalten körperlich ist man da macht alles was nötig ist, selbst arbeiten aber auch alles was mit der Beerdigung zu tun hat aber seelisch ist man nicht dabei.


    Vlg. Linchen

  • Liebe Isabel L.K.: ich hoff, Du bekommst diese Nachricht.

    Ich möcht Dich fragen mit Deiner Erfahrung: warum konnt ich noch nicht an diese letzte Stätte von meinem Jürgen gehen?? Andere sind Tag für Tag da, ich wünsch mir das auch, am liebsten würd ich dort meinen ganzen Tag verbringen.

    Liebe Ange,

    Das empfindet jeder anders. Für einige ist es tröstlich dort hinzugehen, und das Grab schön zu schmücken und zu pflegen- für andere kann es eine Belastung sein, so wie du richtig erkannt hast, weil es diese Endgültigkeit so zeigt.


    Es ist beides ok. Und wenn du soweit bist, wirst du auch hingehen können.

    Hast du mal versucht mit jemandem gemeinsam zu gehen?


    Ich mach es mit Klienten öfter so, dass wir immer nur ein Stück hingehen. Also bei dem Beispiel war es zwar eine Unfallstelle, aber genauso schwer für den

    Betroffenen. Und so sind wir immer nur ein Stück gegangen und wieder umgedreht, und dann immer ein Stück weiter.

    Das hat der Person sehr geholfen. Ganz wichtig, keinen Druck machen.


    Dein Jürgen ist immer bei dir <3

  • Liebe Ange,

    Ich möcht Dich fragen mit Deiner Erfahrung: warum konnt ich noch nicht an diese letzte Stätte von meinem Jürgen gehen?? Andere sind Tag für Tag da, ich wünsch mir das auch, am liebsten würd ich dort meinen ganzen Tag verbringen.


    Aber ich schaff es noch nicht. Ich hab sogar Dinge für ihn!

    ich hoffe es stört Dich nicht, wenn ich auch antworte bzw. von meinen Erfahrungen und "Strategien" berichte.


    Die Mutter meines Lebensgefährten, die (zumindest äußerlich) sehr stabil mit dem Tod ihres Sohnes umgegangen ist,

    kann das Grab nicht betreten.

    Sie versuchte es vor ca. einem Jahr und bekam schreckliche Atemnot kurz davor.

    Nun lässt sie es ganz und hat entschieden, dass sie es so lange sie lebt nicht mehr versuchen wird.


    Ich kann das Grab besuchen und es zu pflegen gibt mir Ruhe.

    Bereits zu Beginn u Beginn angewöhnt der Mutter meines Geliebten immer die gleichen Blumen, die ich

    an Grab bringe auch zu kaufen.

    Sie hat diese immer an einem Bild ihres Sohnes zu Hause stehen.

    Was ein wenig absurd ist, da ich widerum keine Fotos ansehen kann.

    Immer wenn ich komme, warte ich kurz im Vorzimmer, weil wegen mir das Foto umgedreht wird.


    Was ich allerdings auch nicht kann, ist die Schrift auf der Grabplatte lesen.

    Da habe ich mir "aktives Wegsehen" angewöhnt, was mittlerweile funktioniert.


    Ich leide sehr darunter keine Fotos ansehen zu können, das stelle ich mir etwas ähnlich vor wie es bei Dir

    mit dem Grab von Jürgen ist.

    Es gibt ganz, ganz viele Orte, Dinge und Gegenstände die ich vermeide.

    Manches fehlt mir nicht, anderes mehr ... aber es ist so. Und ich zerre nicht an mir herum.


    Das mit den Fotos jedoch ist für mich ein riesiges Problem, denn ich würde es mir so wünschen...


    Ein paar Mal ist passierte es, dass ich vollkommen unvorbereitet ein Foto sehen "musste",

    das hatte verheerende Auswirkungen.

    (Ich kann auch keine Fotos von mir mehr ansehen, die vor dem Tag X gemacht wurde.)


    Aber ich übe:

    Es gibt Zimmer, die ich kaum betrete. Dort stehen Fotos.

    Auch hier sehe ich "aktiv weg", wenn ich in die Zimmer gehe.

    Dennoch ist es mir wichtig, dass sie dort stehen.

    Ich schaffe es mittlerweile auch schon - ohne hinzusehen - mir zuerst einen Kuss auf den Finder zu geben und dann das Bild zu

    berühren. Das Gleiche mache ich mit der Grabinschrift.

    Für mich ist das ein "Fortschritt". (Was immer auch dieses Wort in diesem Zusammenhang meint.)


    Vielleicht gibt es für Dich ja auch ganz, ganz kleine Schritte zur Annäherung?

    "Aktives Wegsehen" ist für mich eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit nah zu kommen, ohne davon überfordert zu sein.

    Ich wünsche Dir ganz, ganz viel Kraft und Mut, liebe Ange,

    Tereschkowa

  • Danke, Tereschkowa. Hat gutgetan, Dein Schreiben zu lesen. Auch ich denk immer, ich kann keine Foto mehr anschauen, aber als es mir letztens so schlecht ging, hab ich einfach Fotos und auch Kurzvideos angeschaut und plötzlich: es hat mich sogar beruhigt, denn ich hatte Angst, mich würds zerreissen! Es hat mich tatsächlich ruhiger gemacht und ich bin so froh, so unendlich froh, diese Fotos und Kurzvideos zu haben und hüt sie wie ein Schatz.


    Das mit dem Grab: ich werd sehen, warten, einfach langsam immer mehr in diese Nähe zu kommen. Ach Gott, jetzt sind es bald zwei Jahre, aber weine täglich, täglich jeden Tag und mehrmals am Tag, auch jetzt, wenn ich das hier schreibe. Dieser unendliche Verlust, und dann hab ich niemand zu reden, wie einsam ich bin, hab ich an meinem Geburtstag gemerkt: meine Tochter Pia, meine Mutter und Götz, unser Bekannter, mehr sind es nicht. Sogar meine Patentante vom Odenwald, niemand angerufen. Mir hilft auch langsam nicht mehr, mir ständig zu sagen, daß es anderen noch schlimmer geht. Mein Leid und mein unermesslicher Verlust und mein Sehnen nach meiner einzigsten, tiefsten Liebe, mein Jürgen, das wird dadurch nicht weniger. Er war halt mein Halt, mein Beschützer, mein Mittelpunkt, mein Alles.


    Liebe Grüße von mir. Ange