Erinnerungen an Liebgewonnenes

  • Liebe Karin,


    wie gut, dass Du einen Weg für Dich gefunden hast, mit Deinem Verlust umzugehen und wie schön, dass Du uns an Deinen Erfahrungen teilhaben lässt. Vielleicht kann man dadurch seine eigenen Gedanken in eine andere Richtung lenken und erfährt, wie jemand anders es schafft, seinen Schmerz erträglicher zu machen. Und selbst wenn das nicht gelingen sollte, es ist tröstlich, zu erfahren, dass es irgendwann in unserem Leben wieder ein wenig heller wird. Dafür danke ich Dir.


    Yoda

  • Guten Morgen


    https://www.ardmediathek.de/vi…i1hMjNhLWFkNzlhMmRiNTI5Yg


    ich bin sehr aufgewühlt.

    Schaute mir gestern einen Beitrag in der WDR Mediathek an.

    Er löste die allergrößten Erinnerungen bei mir aus.

    Ich schrieb mal,mein Liebster bekam auch noch Hirnmetastasen zu seinen Primärtumoren dazu.

    In diesen Film wird fast eins zu eins geschildert,wie unser Leben in den letzten Wochen vor seinem Tod gewesen ist .

    Wie dieses fürchterliches Vergessen begann,mein Liebster es aber am Beginn noch mit bekam.

    Er seine Veränderung begriffen,seine Stimmungen entsprechend waren.

    In die Gefühlswelt der Ehefrau kann ich mich nur zu gut einfinden.

    Diese stete Endlichkeit zu fühlen und zu wissen….war sehr kräftezehrend.


    Ich bin froh,dass meine Kräfte ausgereicht haben,mein Liebster durfte von zu Hause aus diese Welt verlassen.


    Ich wünsche einen ruhigen Samstag

    Karin

  • Ja, es ist immer wieder beeindruckend, hier in den Wohnzimmern zu lesen, welch Kräfte liebende Partner in diesen Situationen entwickeln.

    Ich habe große Hochachtung davor. Liebe kann so viel!

    Hedi

  • Guten Abend,


    ich fliege Anfang Juni 22 mit einer Freundin nach Ägypten.

    Im Dezember waren wir gemeinsam auf Teneriffa.


    Ist es für mich nur eine Ablenkung ?

    Nehme ich nichts von meinen Reisen mit,auch wenn mich Zuhause niemand erwartet ?


    Was ist denn die Alternative?



    Hatte vor einigen Tagen einen Link zu einem Film eingestellt.

    Dieser Film hat mir persönlich nochmals ( durch seine Ähnlichkeit zu unserem Leben/dieser Krankheitsverlauf ) gezeigt,unsere gemeinsame Zeit war beendet.


    Ich habe mich entschieden meinen Weg allein weiter zu gehen.

    Ich möchte Dinge,Erlebnisse jetzt für mich haben.



    Dieses Wissen,dass die gemeinsame Zeit beendet ist,macht es nicht leichter.Ich male mir bestimmte Bilder...meist helfen sie für eine begrenzte Zeit


    Ein Phantasiebild von mir…

    Mein Liebster ist der tiefe See...die neuen Menschen...meine Reisen.. alles Neue…

    sind Uferbepflanzungen…

    Vom Ufer schaue ich immer auf den See und kann sagen...gefällt dir diese Bepflanzung?

    Irgendwann komme ich in den See.


    Ich komme von meinen Reisen in die leere Wohnung.Aber nur die Räume sind leer.Wir haben hier gelebt ,ich komme in unser Zuhause.Während der Reise spreche ich mit ihm,zuhause rede ich mit ihm…

    Mein Mann ist gestorben,ich bin noch da.

    Meist bin ich mir selbst genug.

    Durch meine Einstellung und Akzeptanz meines jetzigen Lebens habe ich neue Menschen kennen gelernt,habe neue Dinge kennen gelernt.

    Diese neuen Menschen sind regelmäßig,ob am Telefon oder live mit mir zusammen.Sie ertragen mich und meine Trauertäler.

    Ich bin auch gern mit mir allein zusammen.Hier überdenke ich mein Leben und bin bereit jeden noch so kleinsten Sonnenstrahl dankbar anzunehmen.



    Blaumeise hat mal etwas bei mir eingesetzt


    Für mich sind Viktor Frankls Schriften eh ein echter Schatz., obwohl manche teilweise schwer zu lesen sind.


    Er schrieb unter anderem:


    "Für gewöhnlich sieht der Mensch nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit; was er übersieht, sind die vollen Scheunen der Vergangenheit.

    Im Vergangenen ist nämlich nichts unwiederbringlich, verloren,

    vielmehr alles unverlierbar geborgen."


    Er sagte auch einmal: " Wie oft sind es erst die Ruinen, die den Blick frei geben, auf den Himmel"


    Auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrung und der Erfahrungen anderer, die er später in seiner Praxis behandelt, argumentiert Viktor Frankl, dass wir das Leiden nicht vermeiden können, aber wir können wählen, wie wir damit umgehen, einen Sinn darin finden und mit einem neuen Ziel voranschreiten




    Ich bin eine glückliche Frau,ich habe die Liebe meines Lebens gefunden und mit ihm gelebt.

    Dass er nur diese Zeit,die ihm gegeben war,bei mir war,lag weder in seiner noch meiner Macht.

    Er musste gehen,ich werde mich den Gegebenheiten anpassen.

    Es sagt nichts darüber aus,wie schwer es mir fällt.


    Habt einen ruhigen Abend,

    Karin

  • Oh was für ein beeindruckender Text, danke dafür! Ich kann mit vielem, was du schreibst, mitschwingen, in manchem (dem Reisen z.B.) bin ich noch nicht soweit, sehe es aber als lohnendes Ziel an und versuche, mich darauf zuzubewegen! Und danke für die Zitate von Viktor Frankl, ich kenne und schätze sie ebenfalls sehr.

    Herzlichen Gruß

    Sabiene

  • Liebe Karin,

    Das ist etwas was ich hoffe irgendwann zu erlangen.

    Und das es trotzdem schwer fällt, das ist verständlich.


    Ich bin dabei, ob es mir irgendwann gelingt, das weiß ich nicht.


    Ich bewundere deine Einstellungen und deine Akzeptanz.


    Auch dir einen ruhigen Abend

  • Guten Morgen,

    ich habe ein wundervolles Video auf Facebook gefunden.

    Auf dem Film läuft ein Schriftzug.

    Leider kann ich das Video nicht einstellen.

    Den Autor kann ich nicht nennen,ich habe ihn nicht gefunden.



           


           


            


         


         



    Wie schön wäre es, wenn wir jemanden aus dem Himmel zurückholen könnten.

    Können Sie sich das vorstellen?

    Die Möglichkeit, einen ganzen Tag mit dieser Person zu verbringen.

    Auch wenn es nur ein Tag ist.

    Ein letztes Mal,

    ihr noch eine letzte Umarmung, einen letzten Kuss geben,

    ihre Stimme noch einmal hören.

    Eine weitere Gelegenheit zu haben, "Ich liebe dich", "Ich vermisse dich", "Ich liebe dich von ganzem Herzen" zu sagen.

    Ich vermisse dich so sehr, weißt du?

    Ich würde alles geben, um dich wiederzusehen... Auch wenn ich nicht will, dass es ein Abschied ist.

    Es schmerzt mich, dass ich mich nur mit ihrer Erinnerung trösten muss.

    Was würde ich nicht dafür geben, eine Möglichkeit zu haben, eine kleine Möglichkeit, mich von dir zu verabschieden.

    Ich würde gerne in der Zeit zurückreisen, nicht um Fehler zu vermeiden, sondern um jemanden zu umarmen, der heute nicht mehr bei mir ist.

    Ich weiß, dass du dort oben auf mich aufpasst, aber ich vermisse dich hier so sehr, so sehr, dass ich manchmal in den Himmel schaue und versuche, dich zwischen all den Sternen zu sehen.

    Ich suche dein verlorenes Gesicht in den Schatten, ich zeichne dein Gesicht in die Wolken, die vorbeiziehen, und ich reise ohne Ziel und lasse mich vom Mond leiten und frage mich: Wo bist du?

    Und gleich darauf bin ich unruhig, und ich gebe mir selbst die Antwort, und ein kleines Lächeln und eine Träne machen die Antwort auf meine Frage verständlich: Du bist in meinem Herzen, ich weiß, was du für mich fühlst, denn ich fühle es tief in mir, in meinem Herzen, und das kommt aus jeder Pore meiner Haut, wie eine ewige Liebe, die mich erleuchtet.

    Von dort oben, wo du ruhst, bis hier unten, wo alle Menschen weiterleben und lernen, breitest du das Geschenk deiner Ewigkeit über mich aus, von dort oben zeigst du mir mit deiner Erinnerung, wie schön das Leben sein kann.

    Ich spüre dich an meiner Seite, du schaffst es, mich zu beschützen und mir auf deine Art zu sagen, dass du mich vermisst, dass du willst, dass es mir gut geht. All das gibt mir Kraft, gibt mir Halt und ermöglicht es mir, weiterzumachen.

    Es spielt keine Rolle, was mit mir geschieht oder was in meinem Leben passiert. Es spielt keine Rolle, welche Hindernisse sich mir in den Weg stellen. Du wirst immer da sein, und du wirst immer wissen, wie du mich führen kannst.


    Ich habe den übersetzten Text mit eingestellt.


    Habt einen ruhigen Sonntag,


    Karin

  • Zitate von Viktor Frankl, die Deinem Leben mehr Kraft und Sinn geben

    „Die Aufgabe wechselt nicht nur von Mensch zu Mensch – entsprechend der Einzigartigkeit jeder Person – sondern auch von Stunde zu Stunde, gemäß der Einmaligkeit jeder Situation.“


    „Die Spielregeln des Lebens verlangen von uns nicht, dass wir um jeden Preis siegen, wohl aber, dass wir den Kampf niemals aufgeben.“


    „Erst der Mut zu sich selbst wird den Menschen seine Angst überwinden lassen.“


    Karin

  • Guten Morgen,


    von Samstag auf Sonntag besuchte ich meine Freundin,ich übernachtete dort.

    Samstag besichtigten wir unter anderem den Paderborner Dom.


       


       



       


          





    Es fühlte sich alles sehr gut an.

    Gestern erschien aus dem Nichts der ungebetene Gast.



    Der ungebetene Gast

    Die Trauer ist ein unerwarteter Gast.

    Eines schönen Tages klopft sie an Deine Tür und fragt nicht erst, ob sie hereinkommen darf, sondern sie setzt sich mitten in Dein Wohnzimmer und macht es sich bequem und gemütlich.

    Am Anfang denkt man sich *nun gut, irgendwo muss sie ja sein* und bleibt gastfreundlich.

    Dann kommt der Punkt, wo man sich denkt *nun könnte sie aber mal langsam wieder gehen* und versucht, mit allerlei diplomatischen und weniger diplomatischen Mitteln, sie dazu zubringen, aufzustehen und sich zu verabschieden, weil man gern mal wieder für sich sein möchte.

    Aber nein, sie hockt da, stumm und unversöhnlich und bewegt sich kein bisschen vom Fleck.

    Du versuchst sie raus zu zerren, raus zu ekeln - aber sie sitzt da einfach.

    Jeden Tag versuchst Du es wieder, doch wie ein Sack nasser Zement thront sie auf Deinem Sofa und schaut Dir die ganze Zeit über die Schulter. Du fühlst Dich beobachtet und unwohl - aber sie sitzt da einfach.

    Und schweigt.

    Und wartet.

    Und Du weißt nicht mal worauf, geschweige denn wie lang.

    Und noch ein Tag und noch ein Versuch, sie zum gehen zu bewegen.

    Herrgott, in unserer modernen Welt muss es doch möglich sein, der Lage Herr zu werden!

    Aber nein, dieses Ding hockt da wie eine Spinne im Netz und wartet.


    Ok, raus will sie nicht.

    In Deinem Wohnzimmer ist zu wenig Platz.

    Also fängst Du an, Dich an sie zu gewöhnen. Stellst den Tisch ein bisschen weiter da und den Stuhl ein bisschen weiter dort - und nun sitzt sie zwar noch immer da, aber nicht mehr in der Mitte.

    AHA! - denkst Du Dir!

    Ich kann sie nicht zum Gehen bewegen - aber ich kann mich um sie herum bewegen.

    Ein bisschen Möbel umstellen, ein bisschen Perspektive wechseln und schon sieht sie nicht mehr so bedrohlich aus. Tatsächlich kannst Du sogar um sie herumgehen und sie von hinten anschauen - unspektakulär..

    Weitere Tage vergehen und sie setzt schon langsam ein bisschen Staub an, bis sie sich plötzlich wieder mal schüttelt, eine Trauer-Staubwolke aufsteigt und Dich einhüllt.

    Du stellst den Tisch noch ein bisschen mehr dort und den Stuhl noch ein bisschen mehr da, und auf einmal ist sie nur noch der Rand Deines Wohnzimmers und nicht mehr das Zentrum.

    Aber sie sitzt noch immer da.

    Manchmal wirft sie Dir einen vorwurfsvollen Blick zu und Du fühlst dich versucht, sie wieder in die Mitte auszurichten.

    Manchmal schüttelt sie sich und hüllt Dich in eine Staubwolke...

    Aber irgendwann ist sie so eins geworden mit Deinem Wohnzimmer, dass Du sie nicht mal mehr siehst, außer wenn sie sich grad schüttelt.Und das wird sie immer wieder tun.


    Doch so hast Du aus der Not eine Tugend gemacht und dank dem ungebetenen Gast, der nicht mehr gehen wollte, eine ganz neue Perspektive in Dein Leben gebracht.

    Und würde man nun die Trauer aus Deinem Wohnzimmer entfernen - so würde ein hässlicher , kahler Fleck bleiben.....


    Der Verfasser ist mir unbekannt



    Was blieb mir anderes übrig,als seinen Besuch abzuwarten.


    Habt einen ruhigen Tag,

    Karin