Trauern, was kann das bedeuten. Info.

  • Liebe Trauernde, liebe Gäste,

    als ich vor einem halben Jahr hier in dieses Forum kam war mein Lebensgefährte 3 Tage vorher gestorben.

    Für mich war einfach alles neu. Nicht nur das Forum sondern auch alles was mit Trauer zu tun hat.

    Ich habe viel gelesen auch viel geschrieben. Habe mir Bücher bestellt, habe im Netz geforscht und wollte verstehen was mit mir passiert.

    Und da ich mir vorstellen kann, daß alle, die nach mir kamen und kommen werden vielleicht ähnlich unwissend sind möchte ich dieses Wohnzimmer aufmachen.

    Es kann dann mit Infos gefüllt werden, die von uns allen in Erfahrung gebracht wurden. Wer hat Interesse und macht mit? Was glaubt Ihr ist wissenswert für neue Mitglieder und Trauernde? :2:

  • Es wirkt vielleicht befremdlich, aber besonders ergreifend empfinde ich die Trauer des Löwen<3


    Tiere trauern genauso, um ihren Menschen.


    Manche sterben vor Trauer, weil sie Futtern verweigern.


    Der Spitz meiner Urgroßmutter bei ihrem Tod.


    Unsere Gini hat auch 8 Tage lang fast nichts gefressen, nur Wasser getrunken, später dann etwas mit Handfütterung.


    Also im Grunde ist der Trauernde, wie das trauernde Tier, wir gestehen uns diese Reaktion nur nicht mehr zu.


    Wobei wir bei den überlebenswichtigen Strategien der ersten Tage wären:33::5::33:


    Gini+Bettina

  • liebe Heidemarie mit Ralf im Herzen und Leben💖🌈💫💝

    Ich mache sehr gerne mit... Bin aber im Moment gerade tags sehr im realen Leben ( Garten- und Landschaftspflege) .

    Doch ich wollte dir JETZT einfach DANKE sagen 💖🙏💕

    Einen bestmöglichen Tag ALLEN

    wünscht 💖🙏 Sverja

  • Heutige Zeitungsmeldung:


    Fast zwei Wochen lang wachte Schnauzer Toby am Totenbett seines Frauchens. So lange dauerte es, bis die alte Dame, die alleinstehend wohnte, vermisst wurde.


    Neben dem Bericht ein Foto des abgemagerten Toby, der sein verstorbenes Frauchen noch bei Eintreffen der Polizei bewachte und verteidigte.


    Nur ein Mann vom Tierschutzverein konnte Toby beruhigen. Er kann sich nicht erklären, wie der Hund überlebte. In der Obhut des Tierschutzvereins ist Toby 💛jetzt.

  • liebe RalfsHeidemarie  <3 und liebe individuell so verschieden trauernde Menschen<3:24::30:

    und da sind wir schon bei der gewissen Problematik

    individuell so verschieden trauernd...

    Zuerst

    habe ich bei der Eröffnung dieses <3Threads<3 gedacht

    wunderbar...

    ja, wirklich wunderbar !

    Eigentlich ist es auch immer noch wunderbar !

    Nur jetzt sehe ich die ganze Komplexität des Trauerns

    sowohl die Trauer seit Anbeginn der Menschheit ,, Es gab schon immer Totenkulte und Rituale ...

    und

    ich bin der Meinung , das sie alle irgendwie in uns einen "Teil" der Trauer mit beeinflussen , Ja sogar in uns " wachsen" und "vergehen" ...

    UND...

    wie oben geschrieben sehr , sehr durch das Leben was wir führten, welche Einstellung wir zum Leben haben unser Trauerverhalten zeigen...


    Sehr gravierend finde ich auch wie man sich mit seiner eigenen Sterblichkeit alleine auseindersetzt...

    also sich ganz KLAR macht :"ich kann in der nächsten Minute sterben !

    Das ist ja durchaus möglich... Bei uns allen !


    Ich finde Kinder waren bei mir die "Hilfreichsten" in meiner Trauer... und danach kam die garnicht immer so harmonische Familie und ja Freunde...


    Ein Beispiel für die Weisheit von Kindern...

    Meine Enkelin ging mit dann ja meinem Hund nach der Urnenbeisetzung im Ruhewald mit mir spaziere Sie war damals etwas über 7 Jahre UND liebte meinen Lebenspartner SEHR... Sie nahm meine Hand , schaute mich ganz lieb an... war und ist auch voller LIEBE ...

    Dennoch sagte sie

    "Oma, wir lieben dich sehr ,doch wir haben nicht so viel Zeit um dich viel zu besuchen. Es ist am besten du verliebst dich wieder"...

    und

    das sagte sie mit einem lieben Gesicht und mir die Hand haltend und auch etwas streichelnd...

    Das aus Kindermund zur Partnerschaftstrauer ...

    und dennoch sie hat viel geweint um ihren eigentlich "dritten Opa" weil mein Lebenspartner und ich ja keine gemeinsamen Kinder haben...


    12 Tage vorher war ja mein/ unser Papa gestorben . Mein einer Bruder aus Australien konnte nicht kommen , da er mitten in einer Betriebsabnahme in Malaysia steckte ( Ingenieur)...

    Wir drei anderen Geschwister merkten auf einmal das wir wirklich WAISEN waren... Trotz unseres Alters waren wir von Gefühl her eine gewisse Zeit uns so fühlen "Waisenkinder"

    und durch unsere völlig unterschiedlichen spirituellen oder christlichen Glaubensvorstellungen auch verschiedene Wege der Trauer gingen...


    Da sind wir MEINER Meinung bei der Problematik...

    Ich kann nicht stichpunktartig schreiben was "gut" oder hilfreich ist

    vor allem heutzutage...

    Ich lese z. B. erst jetzt Trauerliteratur . Allerdings sehr buddhistisch geprägt...

    Ein Trauerforum wie hier das Aspetos ist hilfreich, kann aber auch zu starken Verletzungen führen...

    weil wir ALLE durch die Trauer aus ALLEM erst einmal hinauskatapultiert wurden...

    wirklich aus ALLEM...

    Da helfen auch einem ERST EINMAL selber nur sehr, sehr bedingt der innere Glaube... Auch er muss erst einmal wieder gefunden werden...

    Trauernde die schon länger trauern sehen und fühlen schon vieles ANDERS ...

    nicht besser ... nicht schlechter sondern ANDERS...

    Ich fühle mich z. B. BEIDES "alt - und frisch trauernd"


    Ich kann ja auch immer nur von MIR schreiben... Ich werde jetzt bald 73 Jahre...

    Die erste Tote die ich gesehen habe war meine Uroma . Da war ich auch etwas über 7 Jahre... Ja und ich habe sie gesehen , sie berührt... und es war nicht "gruselig"...

    Die erste Freundin habe ich mit 18 verabschieden müssen an Leukämie erkrankt... Da war ich sehr politisch engagiert ...

    ooooo , es wird zu lang ...

    viel zu lang ...


    vielleicht ist das aber genau MEINES , was ich brauche und vielleicht auch andere ???

    Lebensgeschichten erzählen und lesen ,

    weniger Rat ???...

    mehr erzählen und "zuhören" ??? ...


    Ich hoffe wenn diese gerade in der Trauerzeit die so notwendige Hilfe durch die Coronabestimmungen dann wirklich wieder nicht online , sondern real angeboten werden können, sich die Menschen auch endlich sich nicht nur mit ABSTAND begegnen können,

    das es dann auch wieder ruhiger wird...

    mehr die Nähe spürbar wird ... die man so dringend in der Trauer braucht...


    Doch , was ganz Konkretes ... aber auch nicht in Bezug auf das Forum... Wieder sich überlegen TRAUERARMBINDEN sich anzuziehen...

    Schwarz als Kleidungsfarbe ist zu sehr Modefarbe ...


    aber eine Schwarze Trauerbinde oder eine schwarze Trauerschleife anstecken ... könnte hilfreich sein...

    und

    bei mir ganz persönlich ist die buddhistische L lebenseinstellung hilfreich gewesen. Meinen erste "Bekanntschaft" war Zen- buddhistischer Art mit etwas über 10 Jahren ...

    Mir hilft sehr auch das unten eingestellte Video ... was natürlich nur einen minimalen Eindruck vermittelt...

  • Liebe jetzt schon Trauernde <3

    und liebe zukünftige Trauernde<3


    obwohl , da sind wir auch schon wieder bei einer Problematik...

    Jeder hat schon Trauer und Tod meinem Gefühl nach erlebt...


    ich habe bewusst nur ein ganz kurzes Video ausgesucht , wo es ja nicht in dem Sinne um Trauer geht , sondern eben um die Lebenseinstellung und ja Meditations auswirkungen...

    Meinem Gefühl nach auch sehr hilfreich in der Trauer..

    Diese Lebenseinstellung hat MEINER Meinung nach auch IMMER Auswirkungen auf die Trauergefühle ...also die TRAUER...


    NAMASTE

    ich grüsse die Göttlichkeit in uns... das ist meinem Gefühl nach so

    <3Sverja

  • Hallo Ihr Lieben,

    Ihr seit echt süss. So schnell und zahlreich Eure Beiträge! Ich muß lächeln und amüsiere mich wie wenig ich offensichtlich klar machen konnte, worum es mir ging. 🤔😂

    Aber ich muß gestehen, so gern ich Euch gelesen habe, kann ich mir nicht vorstellen, daß diese Texte mir zu Beginn meiner Trauer genauerer erklärt hätten was Trauer alles bedeutet.

    Aber gut, was auch immer in diesem Wohnzimmer "besprochen wird" , wir gestalten es zusammen.

    Ralfsheidemarie


    PS. Wer mehr über das Bild vom Grabmal wissen möchte, geht bitte in mein Wohnzimmer. Das ist nämlich mein Lieblingsthema und könnte mehrere Seiten einnehmen.

  • Die erste Zeit der Trauer sah für mich so aus:

    Die Zeit steht still. Die Tage ziehen sich unendlich langsam dahin.

    Die Gedanken kreisen um den geliebten Menschen wie Schmetterlinge die nirgendwo landen können.

    Begleitet wurde das bei mir von einer totalen Gefühllosigkeit gegenüber allem und jedem, was nicht das Thema geliebter Verstorbener betrifft.

    Adrenalin hat meinen Körper überschwemmt. Ich war fast rund um die Uhr hellwach, habe kaum mehr als ein, zwei Stunden geschlafen, hatte keinerlei Hunger mehr und ständig das Bedürfnis mich zu bewegen.

    Ich hielt es in meiner Wohnung keine 5 Minuten aus ohne was zu tun.

    Ich suchte krampfhaft den Kontakt zu anderen Menschen und wollte nur mehr ausschließlich über meinen Mann reden.

    Innerhalb von 2 Wochen nahm ich um die 15 kg ab und legte jeden Tag um die 20 km in schnellem Tempo zurück.

    Mein Verstand funktionierte wie ein Roboter was mich dazu befähigte alle notwendigen behördlichen und wirtschaftlich organisatorischen Schritte zu unternehmen und das in absoluter Gefühllosigkeit.

    Dazwischen Zusammenbruch und endlose Heulattacken.

    Medikamente nutzten mir persönlich nichts. Medikamente dämpften zwar ein wenig meine Unruhe, aber dieses Grauen und der Schmerz blieben.

    Nach den ersten paar Wochen im Schock fingen die Trauerwellen an.

    Ich fühlte mich grundlos ruhiger, manchmal fast gelassen und heiter, es fühlte sich aber fremd an, so als würde ich neben mir stehen, diese Ruhephasen wechselten sich ab mit gewaltigen, schmerzhaften Trauerattacken, bei denen mir die Luft weg blieb und die mich erneut zur Aktion zwangen - reden, rennen, schreiben war mein Motto und in dieser Zeit meldete ich mich im Forum an.

    Um es kurz zu machen: das erste Trauerjahr verging fast unbewusst im Schockzustand.

    Das zweite Trauerjahr war dann erst richtig schlimm, denn ich erlebte die Abwesenheit meines Mannes voll bewusst und äußerst schmerzhaft.

    Das dritte Trauerjahr brachte eine gewisse Gewöhnung und mehr innere Ruhe mit sich, wofür ich sehr dankbar bin. Dennoch bin ich noch mitten im Trauerprozess und auch nach drei Jahren ist es mehr Überleben als richtig leben. Es erschüttert mich ein wenig, wenn ich den weiten Weg betrachte, den ich gegangen bin und mich immer noch so weit vom Ankommen im neuen Leben vorfinde. Aber die Hoffnung bleibt aufrecht.


    Zu den psychischen Symptomen kamen auch einige körperliche.

    Zwar nicht so schlimm, wie ich es bei manch anderen Trauernden gehört und gelesen habe, aber meine persönliche Schwachstelle ist seit dem Tod meines Mannes die Lunge, die Schulter und Nackenbereich.

    Vorher gab es da nie Probleme.

    Das Gewicht habe ich übrigens sehr bald wieder zugenommen, nachdem der akute Stress vom chronischen Stress abgelöst wurde.


    Zu Beginn des Trauerprozesses bekam ich hier im Forum den unendlich wertvollenTipp, möglichst nur in der Gegenwart zu leben und die Tage in mehrere Abschnitte einzuteilen.

    Sich regelmäßig Termine vorzunehmen, an denen man sich sozusagen festhalten und sich damit von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag weiterhangeln kann.

    Meine Psychologin klärte mich über Trauerphasen, paradoxe Gefühle und die zu erwartende Zeit des Trauerprozesses auf und begleitet und ermutigt mich immer noch, wieder intensiver seit mein Cousin krank geworden war.

    Ich hatte die Gelegenheit mich intensiv der psychischen und körperlichen Genesung zu widmen und ich kann jedem Trauernden nur empfehlen, sein Leben selber in die Hand zu nehmen und jede mögliche Hilfe anzunehmen, die sich anbietet und die sich gut anfühlt.


    Trauer ist kein Ereignis das eintritt und nach kürzerer oder längerer Zeit wieder endet, Trauer ist ein Prozess im Leben der uns lange begleitet. Ob Trauer je ein Ende findet kann ich noch nicht beurteilen.

    Ich kann aber den Trauernden, die noch am Beginn des Prozesses stehen sagen, dass sie sich von meinen Aussagen nicht abschrecken lassen sollen.

    Man wächst sozusagen langsam in dieses neue Leben hinein und irgendwann gewöhnt man sich an diesen neuen Zustand. Selbst die Trauerwellen eben ab und wenn wieder mal eine Phase kommt die kaum auszuhalten ist, weiß man aus Erfahrung, dass es irgendwann wieder leichter wird.

    Für mich persönlich waren und sind die gut gemeinten und aufmunternden Ratschläge vom "nach vorne blicken", "das Schöne in den kleinen Dingen sehen", "positiv ins Leben gehen" und so weiter etwas, was Schuldgefühle und massiven Druck erzeugt. Und zwar darum weil impliziert wird, dass man sich nicht genug anstrengt, dass man sich für positive Gefühle entscheiden könnte.

    Und dann stelle ich fest (und damit bin ich nicht alleine), dass ich das nicht fertigbringe und fühle mich noch oben drauf schlecht.

    Inzwischen bin ich der Meinung, dass diese Starre in der sich viele von uns befinden nur von innen, aber niemals von außen gelöst werden kann und dass es nur zusätzlich unmenschlichen Druck erzeugt, wenn von außen eine Positivität eingefordert wird zu der die innerliche Bereitschaft fehlt.

    Das ist der Grund warum es so gut tut sich gegenseitig die innersten Gefühle zu erzählen, so destruktiv das für Außenstehende auch wirken mag. Es hilft die Einsamkeit zu mildern, man fühlt sich verstanden und kann sich auf dieser Basis besser weiterentwickeln.

    Das ist meine tiefe innere Überzeugung.

    Den Weg müssen wir alleine gehen, aber wir können uns gegenseitig stützen.

    Und zu denen, die die Gnade besitzen, das Leben grundsätzlich als positiv und lebenswert anzusehen, kann ich nur sagen, dass sie diesen ganz besonderen Schatz sorgsam hüten und ihr Leben danach ausrichten und sich freuen sollen, dass ihnen das Glück vergönnt ist, sich einen sehr schmerzhaften Teil des Trauerweges erspart zu haben oder aber ihn sehr rasch überwunden zu haben.

    Sie werden ihresgleichen finden und können mit Ihnen gemeinsam Ihren ganz persönlichen Trauerweg beschreiten.

    Der eine Weg ist ebenso richtig wie der andere.

  • Das ist ein absolut guter Text.

    Ich bin gefläscht. Geflasht? Oder??? Liebe Tigerlily.



    Von dem Tag an, an dem ich urplötzlich in einen Schockzustand stürzte.... blieb für mich die Welt stehen.

    Es war das Schlimmste passiert. Das Allerschlimmste. Und ich konnte es nicht begreifen, nicht fassen. Es war unmöglich geschehen. Die Welt konnte sich unmöglich weiterdrehen. Und doch tat sie es.

    Es began ein neues Zeitgefühl.

    Vorher / nachher. Eine neue Zeitrechnung.

    Ich lernte verschiedene Arten zu Weinen kennen. Einfach nur Tränen, lautes bitterliches Weinen, schreien, rufen, betteln, jammern, heulen bis zum Erbrechen. Schüttelfrost, zittern.

    Ich konnte mich auf nichts konzentrieren. Kein Fernsehen gucken. Kein Buch oder Zeitschrift lesen. Wenn ich mit roten überanstregten Augen einschlief wachte ich irgendwann auf und dachte ich bin in einem Alptraum aufgewacht. Schlafen war eine Pause. Die Einzige.

    Ich konnte nichts anderes tun als im Forum zu sein oder etwas über Trauer zu erfahren. Nichts anderes war möglich.

    Ich habe meine Post nicht mehr auf gemacht. Ich habe nicht mehr geduscht. Ich habe kaum was gegessen und zu viel Alkohol getrunken.

    Was auch immer ich mir unter Trauern vorgestellt hatte...... es war unbeschreiblich schmerzhaft und leidvoll.

    Immer und immer wieder fand ich mich in meinem Gedankenkarusell wieder. Es drehte sich und drehte sich. Weshalb, warum, hätte, wäre, wenn.......

    Bestimmte Bilder tauchten im Kopf auf und gingen nicht mehr weg.

    Ich suchte meine Schuld an dem ganzen Drama. Suchte den Zeitpunkt an dem es eine Veränderung hätte geben können.

    Und immer wieder der Satz: Nie wieder.


    Ich wäre lieber mit ihm mitgegangen. Wollte auch tot sein, Hauptsache bei ihm sein.

    Ich vergesse viel. Weiß manchmal nicht wo ich zu Ende bin. Bin fähig und unkonzentriert. Bin müde und völlig ohne Antrieb. Verliere und verlegte Sachen.

    Meine Fähigkeit Freude zu empfinden, Begeisterung zu spüren oder auch nur Interesse - weg. Ganz weg. Ausgelöscht.


    Und keine Idee oder Gedanke an die Zukunft. Ich schaue nur zurück oder auf meine Füße. Weiter geht nicht.

    Es gibt noch viel hinzu zu fügen. Aber das überlasse ich jetzt erstmal dem Nächsten.

    Ralfsheidemarie

  • der Tag X, ein unbeschreiblicher, schmerzlicher nie vergessen werdender Tag.


    Und dann die leere in meinem Kopf. Da war nichts mehr. Ich weiß nicht wie viele Wochen, ich nur weinte, nicht denken konnte, nur an , nein das darf nicht sein, nur an, das ist sicher nicht real , ich träume nur, nur an , bitte , bitte, bitte lass das nicht passiert sein, dachte.

    Ich lag nur da. Die Wanduhr tickte so laut, als ob sie in meinem Kopf gewesen wäre. Ich hab nicht gegessen, getrunken, geschlafen, gesprochen nur geschrien, vor mich hin gestarrt, ins leere und geweint, war zu nichts im Stande, konnte nich mal alleine auf die Toilette gehen, ertrug keinen Fernseher, kein Radio, eigentlich keinen Ton, ich wollte zu ihm.




    Danach die Vorwürfe, hätte,er, hätte ich, und dann die Schuldzuweisungen, alles meine Schuld, ich hab nicht geachtet auf ihn.


    Das stechende brennen in der Brust, die roten Augen das eingefallenen Gesicht, die Mundwinkeln so lange, nach unten gezogen, das ich heute ein schlaffes Hautfältchen unter meinem Kinn habe, das dort vorher nie war.

    Diesen Schmerz, und diese Wucht, die da plötzlich da war, ich kannte das nicht. Ich wusste, das weiß ich heute, überhaupt nichts, von trauer.

    Danach die Unruhe, das innerliche unruhig sein, immer in Bewegung, nur nicht stehen bleiben, immer weiter, immer weiter.


    So viele Wunden, die niemals, ganz verheilen werden, immer da sind, aber erträglicher werden.


    Fasst 60 Wochen, gehe ich diesen Weg, und es verändert sich immer noch, täglich, mein Gemütszustand.


    Oft hab ich schon Tage, wo ich mit einem Lächeln an unser gemeinsames Leben denke, und dann mit Tränen, und Verzweiflung, weil es weg ist, einfach so weg.


    Trauer ist Schwerstarbeit, und ich bin noch mitten dabei.

  • Da sehe ich wieder mein "anders"...

    leider habe ich meine Texte von damals um die Trauer meines Partners gelöscht...

    Wir hatten nach dem Tag der Diagnose am 19.06.2012 2 inoperable Glioblastome , absolut nicht heilbar ! absolut ! dadurch auch keine Hoffnungszeit.


    Dadurch war die ALLERTIEFSTE TRAUER BEI MIR IM LEBEN !

    zusammen im Leben ...lebendig zusammen...

    Das war für mich die schlimmste Trauer !!! bis WIR unsere tiefste innigste Liebe in dieser Zeit wiederfanden.

    und ja, das habe ich ja auch schon geschrieben .

    Wir hatten den gleichen Meister , der für viele als Scharlatan angesehen wurde. Der uns beide aber durch Therapieformen und Meditationen Möglichkeiten der Trauerbewältigung gegeben hat...

    Wieder einmal merke ich das ich gestern zu früh geschrieben habe das ich gerne diesen Thread mitgestalten will...


    Ich habe sowohl bei meinem Lebenspartner mit dem ich 27 Jahre zusammen war , als auch bei meinem Papa und meiner Mama

    tief getrauert ...doch mehr im Leben des Krankheitszeit !!!

    Bei Tigerlily  <3 und allen die plötzlich durch einen UnfalL, plötzlicher Herztod ihres Kindes wie bei Mutz  <3 oder sogar versuchten Mordes oder Freitodes fühle ich und denke das man dadurch völlig , ja völlig aus der Bahn geworfen wird

    und

    unbedingt psychologischen Beistand braucht ! GLEICH ! und nicht nach 6 oder mehr Monaten...


    Doch noch einiges was mir dann nach der Trauer geholfen hat

    Sofort VOM ERSTEN Tag an mit unserem Hund das Ritual zu dem Baum wo dann seine sterbliche Hülle dann versenkt wurde zu gehen... Täglich... dann auf den Andachtsplatz und meditieren...

    Den Essplatz verlegen in einen Raum , der nicht von zu vielen gemeinsamen Zeiten "belegt " war.

    Akzeptieren das smoothies und Suppen langen...

    Tägliche Telefonate mit Menschen , die auch einen Partner eine Partnerin mit diesem bösartigsten Hirntumor hatten zu führen und manche erkrankte Menschen wollten mit MIR Kontakt haben , was ja auch dann geschah...

    Vipassana Meditation...

    lectures von meinem Meister und auch vielen buddhistischen Lehrern mir anhören...

    mein Krafttier suchen und finden...

    das nicht vollende Haus weiter ausbauen soweit mir das geldlich noch möglich war,,,

    die Illusion damals gehabt zu haben , das dieses "Haus" dann eine langjährige Begegnungsstätte für erkrankte Menschen die einen Hirntumor haben und ihre Angehörigen zu schaffen.

    Es hat mir und vielen GUTES gegeben... das ist viel ...

    In dieses Forum bin ich erst nach über einem Jahr Trauerzeit nach dem Tod meines Partners gekommen... und habe mich in JEDEM der hier schrieb ETWAS wiedergefunden...


    Ich bin nach wie vor heute nicht in meiner Mitte ...

    deswegen schicke ich das ab...

    Vielleicht ist es dennoch für jemanden hilfreich ?

    <3Sverja

  • Aber bestimmt ist es das. All die Texte, die Eure Erfahrungen schildern sind großartig und hilfreich.

    Eigentlich hätte ich beim Erstellen dieses Wohnzimmers an eine recht objektive Anreihung von Gefühlen, Verhaltensweisen oder verlorenen Fähigkeiten gedacht. Nun ist es ein sehr subjektives Wohnzimmer geworden. Und das gefällt mir sogar noch besser.

    Ich danke Euch für Euere Berichte.

    Ralfsheidemarie

  • Nun ist es ein sehr subjektives Wohnzimmer geworden. Und das gefällt mir sogar noch besser.

    Ich danke Euch für Euere Berichte.

    Ralfsheidemarie

    das erfreut mich...

    ja , das erfreut mich , obwohl ich im Moment durch ein Ereigniss GANZ privat !! traurig bestürzt bin...

    es hat mit einer Coronaerkrankung ausserhalb des Forums zu tun...

  • Ihr Lieben,

    lch habe versucht, meine Trauer so chronologisch und objektiv wie möglich zu beschreiben und weiß von anderen in einer ähnlichen Lage, dass es ihnen ähnlich ergeht, daher ist mein Bericht zwar subjektiv, kann aber in gewissem Maße auch objektiv gesehen werden.

    Die Form der Trauer, die Sverja beschreibt, wird von einem, von mir sehr geschätzten Forenmitglied in ihrem Thread sehr berührend beschrieben: StillCrazys erster Thread

    Und noch mehr! Sie hat in ihrem zweiten Thread Es ist geschehen ihren persönlichen Weg zurück ins Leben beschrieben.

    Ich möchte das hier in Erinnerung rufen, weil StillCrazy ein absolutes Vorbild für mich ist und weil sie diesem Forum ein Vermächtnis hinterlassen hat, das vielen Trauernden beim Weg zurück ins Leben helfen kann.

    Ich kann dieser vornehmen, liebevollen und wertschätzenden Trauernden nicht genug für ihre Hilfe danken.


    Durch Ulis Leidensweg und Tod habe ich, dadurch dass ich hautnah damit konfrontiert wurde, ein zusätzliches Verständnis für den speziellen Leidensweg eines Krebspatienten erhalten.

    Es sind sehr, sehr schwere Erfahrungen, die ich zu bewältigen habe, aber ich möchte noch extra betonen, dass ich sehr demütig und auch dankbar dafür bin, weil sie mir tiefe Einsichten bescheren, die anders leider nicht erreichbar scheinen.

  • Ihr Lieben,


    Ja das kann ich sehr , sehr gut mitfühlen

    Durch Ulis Leidensweg und Tod habe ich, dadurch dass ich hautnah damit konfrontiert wurde, ein zusätzliches Verständnis für den speziellen Leidensweg eines Krebspatienten erhalten.

    liebe Tigerlily<3:30:


    und ALLE die diesen Weg als jetzt hier Schreibende in ähnlicher Art und Weise MITgegangen sind ...


    Kommt alle bestmöglich durch diesen Tag der keiner Pflege bei dem geliebten Menschen mehr bedarf ...

    das ist genau das , was man sich dennoch so wünscht...

    doch

    es wird wirklich ANDERS...

    für MICH lichter, wärmer...

    <3Sverja