Meine Ursel ist gegangen

  • Liebe Linchen,


    ich hab' 10 Löcher im Wohnzimmer mit fünffach Tape abgeklebt oder mit Sektkorken zugestopft, aber jedesmal kurz drauf ging wieder eins auf.

    Das Wunder ist ja, dass alle aufeinmal verschwanden und keine einzige neue aufgetaucht war. Zwei Tage vor Ursels Tod beugte sich eine Pflegekraft über sie um ihr eine Heparinspritze in den Bauch zu geben. Ich stand dahinter und sah wie eine Maus unter dem Bett vor kam und durch ihre Beine lief. Die Frau hat sie nicht gesehen, wäre mir das peinlich gewesen. Ich weiß nicht was Ursel mit ihnen gemacht hat, Hauptsache sie sind weg.


    Liebe Grüße von Dieter

  • Lieber Trommlerin,


    ja die knabbern sich durch das ist kein Problem für die kleinen Kerle.


    :D Gut das die Pflegekraft die nicht gesehen hat.


    Die sind ja echt süss nur in der Wohnung haben möchte ich die nun auch nicht es sei denn im Käfig als Haustiere. :D


    Was auch immer Deine Ursel getan hat es ist gut so, nun sind sie weg.


    Vlg. Linchen

  • Ihr Lieben,


    in letzter Zeit plagen mich wieder Flashbacks im Kopfkino, wo ich eigentlich dachte das wäre vorbei. Das sind Szenen aus dem Krankenhaus. Der meistgespielte Film ist aus der letzten Zeit in der Geriatrie. Sie hatte da keine Kraft mehr in den Beinen um aufzustehen, versuchte es aber immer wieder. Eines nachts schaffte sie es aus dem Bett und stürzte auf den Hinterkopf. Gehirnerschütterung und Riesenbeule waren die Folge. Ihre Bettnachbarin erzählte mir am nächsten Tag, sie hatte ins Dunkle gerufen: " Süßer, wo bist Du? ", Süße und Süßer, das war unsere gegenseitige Anrede. Sie hatte nach mir gerufen und ich war nicht da. Das macht mir immer noch sehr zu schaffen. Sie hatte nachts dort sehr viel geweint, fühlte sich natürlich einsam.

  • Lieber Dieter

    ich verstehe dich so gut. Auch ich habe Szenen, die immer wiederkehren und so schrecklich für mich sind, dass ich sie nicht mal schreiben möchte. Auch nach Jahren gibt es noch immer die Zeiten, wo die Bilder im Kopf plastisch werden und man zurückgeworfen wird. Es wird seltener (bei mir) aber ganz weg geht es wohl nicht. Manchmal getriggert, manchmal aus dem scheinbaren Nichts heraus.

    So wie ich die Welt auf ihren verschiedenen Ebenen verstehe, sind unsere lieben, geliebten Seelen aber nicht traurig - noch nicht mal ein bisschen - über diese Situationen, die uns hier so zu schaffen machen. Und nachtragend schon gleich gar nicht. Mach dir klar, was Ursel längst weiß: hättest du alles "richtig" machen können, dann hättest du es getan! Manches wissen wir erst zu spät und niemand dreht uns die Zeit zurück, damit wir "besser" handeln können. Manches liegt/lag einfach außerhalb unseres Einflussbereichs. Und Ursel weiß das. Die Minuten oder Stunden, die sie einsam oder ängstlich war sind längst nur ein kurzer, flüchtiger Moment geworden dort, wo es keine Zeit gibt. Sie ist sehr viel versöhnter mit allem, als du, als wir hier alle sind. Das ist meine feste Überzeugung.
    ..... und trotzdem geht es mir immer mal wie dir.

    Gerade dachte ich noch "na toll, jetzt bin ich wieder getriggert".... war ich auch kurz und dann durfte ich dir diese Antwort schreiben und nun sind meine Gedanken wieder gerade gerichtet. Ich habe mir selbst diese Antwort gegeben. Ich bin mit der Überzeugung beschenkt worden, dass es genau so ist, wie ich schrieb.

    Liebe Grüße
    Elster

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Lieber Dieter,

    Das vesöhnt mich jetzt mit mir. Ursel würde sagen: " Mach Dir nicht soviel Gedanken" . Ich werd's versuchen, Süße.

    versuch es, auch wenn es nicht gleich so einfach ist. Ich denke wie Elster , Deine Ursel weiß genau, Du hast Dein Bestes für sie getan. Unsere Lieben denken nicht mehr wie wir. Sie haben es überwunden und sind jetzt im Licht. Und sie schauen mit Augen voller Liebe und Licht auf uns.


       


    Liebe Grüße

    Lilifee

  • Ihr Lieben,


    ich hatte heute Nacht wahnsinnige Schmerzen von der Pobacke durch's ganze Bein bis in den Fuß. In den letzten Tagen hatte sich schon immer mal der Ischiasnerv gerührt, aber solche Schmerzen hatte ich mein ganzes Leben noch nicht. Laut Dr.Google kann das durch Trauer ausgelöst werden und heißt Piriformis-Syndrom. Ich seh' schon den Orthopäden mit den Augen rollen wenn ich ihm was von Trauer erzähle. Heute Nacht wurde mir schlagartig bewusst, wie sehr einem der Partner auch in solchen Situationen fehlt. Ein Schwager hat eine Physio-Praxis, aber leider in Konstanz.


    Liebe Grüße von Dieter

  • Ohhh.... das hatte ich auch mal! Google mal weiter, bzw durchwühle Youtube. Da hatte ich einen Physiotherapeuten gefunden, der Übungen dafür zeigt. Die haben mir dann wirklich geholfen. Ich konnte fast nicht mehr laufen. Natürlich mit ganz viel Augenmaß!!!! Nicht, dass mein toller Rat alles schlimmer macht.
    Gute Besserung!!

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    Aurelius Augustinus

  • Dankeschön liebe Elster, das ist meine Abendbeschäftigung das zu googeln. Die Arbeit und den restlichen Tag hab' ich bisher mit ein paar Ibus überstanden. Mir graust nur vor der Nacht. Mein Physio-Schwager wird noch anrufen und mir Tipps geben. Das ist ganz ein fieser Schmerz.

  • Lieber Dieter. Ich möchte auch noch etwas dazu sagen. Ich hatte im vergangenen Jahr einen Termin für eine Ablation am Herzen. Eine Woche vorher bekam ich früh nach dem Aufstehen solche starke Schmerzen ,durch den Ischiasnerv ausgelöst ,daß ich den Notruf gewählt habe. Ich konnte nicht mal mehr auftreten. In der Notaufnahme gab man mir ganz starke Schmerzmittel ,3 verschiedene ,dabei auch ein Opiat. Ich wurde wieder entlassen und durfte nun nur liegen .Ich wollte aber unbedingt den Termin zur Ablation am Herzen wahrnehmen. Ich habe es dann mit den Schmerzmitteln geschafft. Dann blieb ich ja ein paar Tage im Krankenhaus. Irgendwann wurde es besser. Der Ischiasnerv ist sehr empfindlich. Das sind grausame Schmerzen. Ich hoffe, dir kann auch geholfen werden. Liebe Grüße von Christine.

  • Liebe Christine,


    die letzte Nacht war wesentlich besser, ich habe die Ratschläge meines Schwagers befolgt. Er meinte auch ich solle keine Scheu vor Schmerzmitteln haben. Es könnte sonst ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entstehen. Das bedeutet dass man irgendwann Schmerzen hat obwohl der Grund dafür nicht mehr existiert.


    Liebe Grüße von Dieter

  • Lieber Dieter. Das hast du gut gemacht. Das haben mir die Ärzte auch immer gesagt. Ich hätte meine Hüftgeschichte sonst gar nicht überstanden. Ich habe mehrere Wochen lang Schmerzmittel genommen. Es wurden dann immer Niere und Leber untersucht. Ist alles okay. Die Organe erholen sich wieder. Alles Gute und weiterhin gute Besserung von Christine.

  • Heute Nacht hab' ich das erste Mal nach Ursels Weggang von ihr geträumt. Ich war mit meinem Schwager Erwin im Wald unterwegs und fand sie dort in der Nähe eines Waldparkplatzes auf dem Boden in einer Art Kuhle mit Reisig und Blättern liegend. Sie war verwirrt und sagte sie dürfe sich nicht mit mir treffen, das sei ihr gesagt worden.

    Mehr weiß ich nicht mehr. Jetzt bin ICH etwas verwirrt. Ich hab' mal gelesen man soll in Träume nicht soviel Bedeutung hinein interpretieren. Und so mach' ich das jetzt auch.


    Einen schönen, zumindest erträglichen Sonntag wünscht Dieter

  • Lieber Dieter. Genau so ist es .Träume sind manchmal schön,manchmal traurig, manchmal auch etwas gruselig. Es gibt Menschen, die können sich nie an Träume erinnern. Ich habe beobachtet, daß ein Traum eine Summe von Erlebtem,Erhofftem, Gedachtem,aber vor allem viel Unwirklichem ist.Manches wiederholt sich.Ich träume jede Nacht. Das Gehirn kennt keinen Schlaf. Ich habe mal wieder von meinem Auto geträumt, was ich geliebt habe. Wirklich geliebt. Klingt komisch. Aber ich werde immer noch dran erinnert, obwohl ich es schon vor ein paar Jahren verkauft habe. Es war mir zu teuer geworden. Wenn man nach einem Traum aufwacht,ist man noch ein Weilchen in der Stimmung des Traumes gefangen. Das vergeht aber schnell. Daß du von Ursel träumst,ist völlig normal. Ist ja auch nicht schlimm. Heute am Tage beginnt dann wieder die Wirklichkeit, das wahre Leben. Mein Sohn wäre morgen 61 Jahre geworden. Vielleicht träume ich etwas Schönes diese Nacht von ihm.Ganz liebe Grüße von Christine.