Mein Mann ist mit dem Flugzeug abgestürzt, seitdem ist alles anders.

  • und der dritte vielleicht sein ganzes restliches Leben.

    Das werd ich wohl müssen.


    Ich lebe auch heute nach über 13 Monaten immer noch in diesem verdammten Moment und grübele, wie ich hätte schneller reagieren müssen und dass ich meine libe Dorit mit der Erkältung nicht hätte den weiten Weg zum Auto zu Fuss gehen lassen, alles Wahnsinn, den ich getrieben habe und solange Dorit nicht wieder zurück kommt und ich nicht bei ihr bin, da bleibt eben dieser schlimme Moment stehen, es überlagert eben alles Gute, weil das eben Geschichte ist und warum, wegen dieser halben Stunde, wo ich meinen Verstand und auch dorit ihren sonstwo gelassen hatten und das wird mich bis ans Lebensende beschäftigen, komme einfach nicht darüber hinweg, und alle Therapeuten haben mit Fingerübungen zwischen den Gehirnhälften gearbeitet, gebracht hat es eben nichts, weil dort in diesem Moment mein bisheriges Leben kaputt ging und bleibt.


    Matthias

  • Liebe Luse,

    vielen Dank für deine lieben Worte, "so jung" das habe ich schön öfter gehört, wobei 62 Jahre alles andere als jung sind und ich mich wirklich schon ziemlich alt fühle.

    Mein Cousin ist 8 Jahre älter als ich, er wird heuer Siebzig. Ich mag ihn eigentlich, trotzdem ist es nicht genug, um dafür zu sorgen, dass ich gerne weiterleben möchte. Ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll, um nicht total undankbar und egoistisch zu wirken.

    Ich würde ja gerne wollen, aber es geht einfach nicht. Und ich wüsste auch keinen anderen Menschen bei dem ich mir das vorstellen könnte.

    Und ich selber?

    Da ist nichts mehr in mir drin, was mich aus diesem Sumpf in dem ich stecke herausziehen könnte. Es fällt mir sowieso immer schwerer auf mich selbst zu achten. Ich mache es nur, weil ich die Notwendigkeit dazu einsehe, um nicht völlig zu vergammeln, aber nicht, weil ich es gern tun würde. Wie schon erwähnt - alle positiven Gefühle sind verschwunden, nur mehr die negativen sind übriggeblieben. Ich kann wirklich nur mehr hoffen, dass sich irgendwann etwas von selber tut, denn ich weiß mir keinen Rat mehr und weiß auch nicht mehr, wo ich noch suchen, was ich noch ausprobieren soll, um mich aus meiner ausweglosen Lage zu befreien.


    Liebe Helga,


    ich bin ja sowas von dankbar, dass ich so ein behütetes schönes Leben hatte!

    Das Problem ist nur, dass ich eben übriggeblieben bin.

    Und die Kunst ist, weiterzuleben in produktiver, freudiger Form, anders macht das für mich keinen Sinn.

    Die Lösung dafür? Ich weiß es nicht. Je länger es dauert, desto ratloser werde ich.


    Lieber Matthias,


    du hast dein Lager gut abgesteckt:

    Die Schuld, nicht genug auf deine geliebte Dorit geachtet zu haben.

    Die Wahrheit, dass du dein Leben lang trauern wirst.


    Zweiteres, da gebe ich dir Recht, wird so sein und es geht darum, diese Trauer zu leben, ohne sich komplett vom Leid auffressen zu lassen.

    Beim Ersten gehe ich nicht so ganz konform mit dir, weil in so einer Tragödie immer noch andere Kräfte mitwirken, die wir hier auf Erden nicht bewusst kontrollieren können, so gerne wir das auch würden.

    Ich kann dir deine Schuldgefühle nicht nehmen, dich aber bitten, sie nicht unwiderbringlich einzuzementieren, sondern dabei zu bleiben, sie immer mal gedanklich hin und her zu bewegen und neue Erkenntnisse zuzulassen.

    Wir sitzen wirklich alle im selben Boot, was unsere Trauer betrifft und für dein Alltagsleben drücke ich dir die Daumen, dass du jemanden findest, der dir in deiner prekären Lage hilft, damit wenigstens deine Basis funktionert, denn das macht, bei allem Schmerz, das Leben doch erheblich leichter.


    Euch allen alles Liebe und hoffentlich einen erträglichen Tag!

  • Wie schon erwähnt - alle positiven Gefühle sind verschwunden, nur mehr die negativen sind übriggeblieben. Ich kann wirklich nur mehr hoffen, dass sich irgendwann etwas von selber tut, denn ich weiß mir keinen Rat mehr und weiß auch nicht mehr, wo ich noch suchen, was ich noch ausprobieren soll, um mich aus meiner ausweglosen Lage zu befreien.

    liebe Gabi,


    nein, da gebe ich dir NICHT recht in bezug auf deine gefühle:24:


    deine positiven gefühle drücken sich z.b. im "mit-fühlen" aus.... du interagierst mit deiner trauer, setzt dich damit auseinander, teilst deine gefühle mit uns hier im forum und versuchst trost zu geben..... was ist das anderes, als positive gefühle, liebe Gabi?


    du hast dein fünkchen positivität bewahrt... für deinen Cousin, für uns, und selbst für DICH, indem du dich eben NICHT vergammeln lässt :24:


    solange dieses fünkchen noch in dir vorhanden ist, hast du immer noch dein leben selbst in der hand, liebe Gabi....


    erst wenn davon nichts mehr vorhanden wäre, wärst du im negativen verfangen..... aber da du das licht in dir trägst, wird das niemals passieren :24:


    übrigens kenne ich das mit dem vergammeln lassen wollen von mir selbst.... es kostet viel kraft sich nicht einfach aufzugeben und die winzigkleine positive selbstachtung die noch vorhanden ist, verhindert diesen letzten schritt zum vergammeln lassen....


    lieber gruß von Bine

  • Liebe Tigerlily,


    Bine hat wirklich Recht. Wenn Du Dich für gar nichts mehr interessieren würdest, hättest Du Dich schon lange aus diesem Forum verabschiedet. Aber, die Menschen, die hier auch alle um das Liebste trauern, das sie verloren haben, sind Dir eben nicht gleichgültig.


    Es ist einfach so, ich hatte mir den Abschied von dieser Welt auch anders gewünscht, nämlich zusammen mit meinem Schatz. Aber, dagegen hatte jemand etwas. Und jetzt müssen wir eben alle sehen, dass wir die restliche Zeit so umkriegen, dass die, die schon vorausgegangen sind, sagen:"Siehst Du, Du schaffst das, auch wenn es Dir sehr schwer fällt.".


    Ob ich wissen möchte, wann ich auch endlich gehen darf ? Nein, will ich nicht ! Eine vor Jahren verstorbene Freundin, die leider psychische Probleme hatte, besuchte regelmäßig eine Frau, die ihr die Karten legte. Sie war jedesmal erstaunt, was die für sie fremde Person alles über sie wusste. Wirklich geholfen hat es ihr aber nicht.


    Ob ich wissen möchte, wie es meinem Schatz geht ? Natürlich ! Aber dafür würde ich keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Das Einzige was uns bleibt, ist (leider) abwarten, bis es soweit ist. Und wenn Du ehrlich bist, werden Dir ein paar liebe Menschen einfallen, die sich darüber freuen, dass es Dich auf dieser Seite der Welt noch gibt. Und vielleicht kommt von irgendwo doch noch die Lösung, auf die Du so lange gehofft hast. Es ist vielleicht ähnlich, wie bei Dingen, die man sich so sehnlichst wünscht, und die einfach nicht passieren wollen. Erst wenn man denkt:"Dann eben nicht.", geht ein solcher Wunsch doch noch in Erfüllung.


    Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen

    und schicke Dir einen lieben Gruß

    Luse (und Ich)

  • Ja liebe Tigerlily,


    wie immer versuchst Du und das rechne ich Dir hoch an, Dinge aufzuweichen, die sich bei mir so festgesetzt haben.


    Wir alle sitzen natürlich im gleichen Boot und haben einen schlimmen, eigentlich unüberwindlichen Verlust erlitten.


    Ich glaube trotzdem, diese Schuldgefühle sind leider real, natürlich haben sich auch Andre wie ihre Angehörigen vor meiner Zeit und auch Ärzte kaum richtig mit Dorits Krankheiten beschäftigt, sie selsbt war irgendwie einfach zu bescheiden bis bequem, nicht darüber zu klagen, ist natürlich nun egal.


    Aber grade deshalb hätte ich wenigstens Dorit besser helfen müssen, klar ist es jetzt zu spät, darüber nachzudenken, aber wenn mal sieht,


    welch sinnlosen Tod Dorit gestorben ist und da fällt es bei dieser Zusammengeschweisstheit eben unmachbar schwer, solch einen Tod jemals annehmen gar akzeptieren zu können. Wenn man meine Geschichte liest und all die näheren Zusammenhänge betrachtet, dann ist es eben nenne es meine


    private Tragödie, dass ich so einen sinnlosen Tod niemals werde akzeptieren können, sogar wenn er einer mir weniger bedeutenden Person passiert wäre...


    Und damit soll ich persönlich fertig werden, was eigentlich gar nicht geht, deshalb kann die Erlösung irgendwann einmal der Weggang von der Erde diesen schlimmen Ereignissen sein....


    Ansonsten hast Du, Tigerlily, wieder das wesentliche richtig zusammengefasst.


    viele Grüsse vom Burgsee

    Matthias

  • lieber Matthias,


    natürlich sind deine schuldgefühle REAL...... aber sie sind real weil du ihnen selbst diese macht gibst:24::24:


    warum willst du dich so sehr mit deinen schuldgefühlen quälen, lieber Matthias? ohne ende, ohne VERGEBUNG dir selbst gegenüber? deine geliebte Dorit hat dir doch schon lange VERGEBEN - du hast zum zeitpunkt ihres gehens, genau SO gehandelt, wie du in der lage warst zu handeln....


    es ist ja nicht so, dass du zu diesem zeitpunkt dachtest "ach, ich könnte ja der Dorit jetzt helfen, WILL es aber nicht....." wenn du SO gedacht hättest, dann wäre es aus einem bösen willen heraus geschehen und das wäre wirklich nicht entschuldbar.... aber du hast NICHT aus bösem willen gehandelt....


    lieber Matthias, du tust mir soooo sehr leid..... niemand hier kann dir helfen..... niemand... selbst deine Dorit scheint dir nicht helfen zu können, obwohl sie es doch nach deinen aussagen in deinen medium-kontakten so sehr versucht...... ;(;(


    entschuldige bitte, aber ich komme heute nicht mehr aus dem weinen heraus....


    liebe umarmung von Bine

  • Naja, ihr habt Recht und auch wieder nicht.

    Schon allein die Sache mit dem Mitgefühl: Das ist mir nämlich auch abhanden gekommen. Klingt merkwürdig, weil ich hier ja gerne schreibe, aber wenn ich es genau betrachte ist es immer eine Art Selbstreflektion und kein echtes Mitgefühl, so wie ich es vorher oft hatte.

    Möglicherweise, war es vorher aber auch übertrieben (gerade beim Unterstützen anderer musste mich Hannes manchmal vor mir selbst retten) und jetzt ist es auf ein gesundes Maß geschrumpft?

    Ich weiß es nicht.

    Ich habe Riesenprobleme meine Gefühle zu fühlen, sie kleben alle wie ein schlecht angeklebtes Etikett auf den Menschen, Tieren, Ereignissen und Dingen, sodass ich für mich adressieren kann: "Aha" das war jetzt lustig, oder "Aha" der oder die hat Schreckliches erlebt, oder wie heute: Da hat alles reibungslos geklappt, was ich mir vorgenommen habe und ich war danach richtig beschwingt und habe mich gefreut - und dennoch: Es war wie schon öfter ein freudiger Moment der zusammenhanglos in der Luft schwebt und dann schwebt er fort und ich kann ihn nicht einfangen, zuordnen und etwas damit anfangen. Er lebt nunmehr als bleiche Erinnerung, die ich zwar erzählen, aber nicht mehr richtig nachfühlen kann.

    Es ist so furchtbar schwierig zu erklären, kurz gesagt: Alles fühlt sich irgendwie falsch an und bleibt immer nur für einen Moment, den ich manchmal kaum bemerke bevor er wieder vorbei ist. Früher war das definitiv anders und deshalb habe ich geschrieben, alle positiven Gefühle sind weg, weil mir diese Gefühle so eigenartig entgleiten, wenn sie denn mal wirklich kommen.


    Bei den negativen Gefühlen, wie Trauer, Wut, Schmerz, Einsamkeit, ja in letzter Zeit auch mal Neid und Eifersucht ist das nicht so.

    Die haben fett und breit mein Leben belagert und fühlen sich sehr, sehr echt und vor allen sehr, sehr dauerhaft an.

    Es gab zwar auch schon Momente, da konnte ich einfach nicht trauern, worüber ich mich gewundert habe, ja sogar schockiert war. Aber diese Momente fühlten sich ganz schrecklich an, da war da so eine Riesenlücke, wo eigentlich Gefühle hätten sein sollen - angenehm war das auch nicht.


    Ich will ja nichtmal, dass mir jemand meinen Zustand ganz einfach wegzaubert, denn ich glaube, das wäre noch schlimmer.

    Die Trauer muss durchlebt werden mit all ihren Facetten, aber ich würde gern verstehen, was da mit mir, mit uns allen hier passiert.

    Das schon!

    Allein der Vergleich mit allen anderen, das Aufschreiben für mich und euch klärt so manches, auch wenn ich es erst später begreife.


    Auch der Matthias muss sich selber helfen letztenendes ...

    Aber das Wiederkäuen immer derselben Kümmernisse, das tut so gut.

    Lieber Matthias, ich verstehe dich gut und will dir wirklich deine Schuldgefühle nicht nehmen, das wäre sogar ein Akt der Grausamkeit, denn an ihnen hältst du dich fest, sie sind das Gerüst deines Lebens ohne Dorit.

    Und deine Postings halten auch immer wieder mir einen Spiegel vor.

    Nein, du kannst die Schuldgefühle nicht loswerden oder mit ihnen fertigwerden oder sonst irgend eine Aktion starten.

    Die sind genauso lange für dich da, solange sie du dringend brauchst und werden sich von Zauberhand auflösen, sobald du bereit dafür bist. Ob in diesem Leben, oder im Jenseits, wo das dann hoffentlich alles viel einfacher ist, das weiß niemand.

    Aber ich persönlich glaube, jede Wiederholung, jedesmal wenn du uns oder sonst irgendjemand, der mitfühlend genug ist, es sich anzuhören, von deinem Kummer und deinen Schuldgefühlen erzählst, gibt es die Chance, dass die dicke Mauer, hinter der du dich verschanzt hat ein wenig zu bröckeln beginnt.


    Ich sende euch allen eine herzliche Umarmung vor allem dir liebe Bine, weine ruhig, das tut dir auch gut!

    Alles Liebe Gabi

  • Wurzeln,



    die tief in der Erde den Baum aufrecht halten und nähren, sieht man nicht. Menschen, die an den Fundamenten arbeiten, damit das Haus erhalten bleibt, sieht man auch nicht, aber sie sind wichtiger als Menschen, die ständig mit der Fassade beschäftigt sind, damit sie vom großen Publikum ja nicht übersehen werden.


    © Phil Bosmans

    (1922 - 2012), belgischer Ordenspriester, Telefonseelsorger und Schriftsteller (›der moderne Franziskus‹). Die Texte von Phil Bosmans liegen in deutscher Sprache im Verlag Herder vor, (c) Verlag Herder GmbH, Freiburg. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Verlags

    Quelle: Bosmans, Ich hab' dich gern, Herder Verlag 1986

  • Ich bedanke mich bei Euch allen und ihr habt sicher Recht, aber diese Tragödie mit der Verwicklung all dieser Umstände......

    ....wenn Dorit 5 Jahre Krebs gehabt hätte und der Tod unabwendbar gewesen wäre,.....dann könnte ich es akzeptieren....


    ...aber nein, bloss weil ich zu doof war, rechtzeitig zu erkennen, dass sie eben nicht einfach nur gestürzt war, sondern umgefallen war wegen Herztod und ich SOFORT hätte reagieren müssen, das raubt mir den letzten Nerv.....


    ...wie sagte heute wieder so ein kluger Mensch zu mir: Schliessen sie ab, sie können es nicht mehr rückgängig machen und ich habe mich gefragt, wenn ich ihn in den Hintern trete, dann wird Dorit auch nicht wieder lebendig......Frohnaturen wie Dorit dürften eigentlich gar nicht sterben.....


    ....aber es stirbt ja gar niemand, nur der Körper stirbt und die Seele wird frei, aber hat jemand schon einmal die Seele der Verstorbenen wirklich gesehen...ich noch nicht....


    Gute Nacht

    Matthias

  • Hallo Robert,


    ich weiss, was Du gerade durchmachst und ich hatte auch geglaubt, der Jahrestag wenn er vorbei ist, dann kommt vielleicht Erleichterung....


    ...sie kommt bei mir leider nicht, und meine Ärztin hat leider Recht, der Zustand des Patienten (mir) verschlechtert sich mit der Zeit....


    WEiter schreibe ich in meinem eigenben Thread....meine Hände sie zittern heute den ganzen Tag, ich nehme meine dritte Beruhigunghstablette,


    Anfangs vor einem Jahr da bin ich mit der Tagesdosis hingekommen, ABER DORIT trotz allen Weiterlebens der Seele.......DORIT wie Deine liebe Christi


    SIe SIND VON UNS AUF EWIG GEGANGEN in FÜR UNS WAHRNEHMBARER FORM, das kapiere ich erst jetzt im vollen Umfang...


    LG

    Matthias

  • Hallo Matthias,



    ich habe meinen Liebsten durch Krebs verloren.


    Ich habe seinen 9 Jahre langen schmerzhaften Kampf mit angesehen.


    Ich habe sein immer WENIGER werden gesehen.


    Ich habe gesehen,als er seinen Mut verloren hat.


    Ich habe Seinen letzten Atemzug miterlebt und weiß,er war dann von seinen Schmerzen erlöst.


    Ich habe bis zum heutigen Tag Probleme seinen Tod zu akzeptieren.


    Ich habe nur verstanden ,für Ihn war es besser so.


    Mein Egoismus wünscht ihn trotzdem körperlich weiter bei mir.



    Dieses zu Deinen Worten die mich treffen : ....wenn Dorit 5 Jahre Krebs gehabt hätte und der Tod unabwendbar gewesen wäre,.....dann könnte ich es akzeptieren....


    Vergleiche bitte nicht nochmals eine Todesart mit der Anderen,


    Es ist ein grausames Geschehen,für jeden Angehörigen fürchterlich.


    Hättest Du wirklich den körperlichen Verfall sehen und erleben wollen?


    Hättest Du sehen wollen,daß die Hirnmetastasen sämtliche geistige Fähigkeiten zerstörten ?


    Hättest Du hören wollen,wie Dir dein geliebter Mensch täglich sagt: ICH KANN UND WILL NICHT MEHR:


    ES zerriss mir mein Herz,diese Wort der Hoffnungslosigkeit über Monate zu hören.


    Da mußte ich es akzeptieren,seine Zeit ging zu Ende


    Alle müssen diesen Verlust ertragen.


    Karin









  • Liebe Karin (Medina),


    was Du und viele andere mit ihren Liebsten erleben mussten, blieb meinem Schatz und mir erspart. Mein Mann ist innerhalb von nicht einmal 14 Tagen auf der wirklich liebevoll betriebenen Intensivstation eines Krankenhauses, auf der jeder Patient sein eigenes Zimmer hatte, im künstlichen Koma friedlich eingeschlafen. Seine Organe haben plötzlich einfach den Dienst versagt, und nichts half mehr. Ich war jeden Tag bei ihm und habe ihm Geschichten vorgelesen. Sein Weggang vor 20 Monaten macht mich immer noch traurig, auch weil ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte. All das passierte nach einer sehr gut verlaufenen OP. Und so richtig realisiert und akzeptiert habe ich das trotzdem noch nicht. Wieviel schwerer muss es aber sein, wenn man seine Liebsten über eine lange Zeit hinweg leiden sehen muss und, nicht helfen kann?


    Wie Du schon sagst, Dein einziger Trost ist, dass er nicht mehr leiden muss, mein Trost ist, dass ich nicht weiß, was auf meinen Schatz zugekommen wäre und ihm vielleicht auch viel erspart geblieben ist.


    Mir bleibt jetzt nur, das, was er so sehr geliebt hat, weiterzupflegen : Seine Blumen, sein Aquarium, sein Zuhause und mich! Ich weiß, dass er immer an meiner Seite ist und mir dabei hilft. Trotzdem freue ich mich auf den Tag, an dem ich ihn endlich wiedersehe.


    Ich wünsche Dir weiter ganz viel Kraft und einen Weg zu finden, der das Leben ein wenig erträglich macht.

    Einen lieben Gruß

    Luse (und Ich)

  • Ja liebe Medina ich weiss, wie schlimm es ist, einen lieben Menschen zu verlieren auch nach jahrelangem Todeskampf.


    Ich meinte damit nur, weil meine Mutter solange Diabetes mit allen Komplikationen hatte und ich glaube aber inwzischen zu wissen, warum ich ihren Tod irgendwie besser überstanden habe als den von Dorit.


    Es hatte wohl nichts damit zu tun, dass die Todesart so unterschiedlich war, sondern wohl eher, als meine Mutter starb, da hatte ich Dorit an meiner Seite, die im selben Jahr ihre Mutter verloren hatte und das ist es wohl, was die Unterschiede in der Trauer ausmacht:


    Hast Du einen lieben Partner, der Dich versteht und Dich tröstet, dann kommt man vielleicht eher darüber hinweg als wenn man allein hat und den letzten lieben Menschen verloren hat.


    wenn Dorit 5 Jahre Krebs gehabt hätte und der Tod unabwendbar gewesen wäre,.....dann könnte ich es akzeptieren...

    Ja da haeb ich wohl etwas falsch eingeschätzt, ich meinte nur, dass bei Dorit der Tod so plötzlich ohne ein Abschiedswort eingetreoffen ust noch dazu an meiner EIGENEN HAND, ohne dass ich es gleich bemerkt habe....

    ...Diesen Unterschiewd zwischen langjährigem Tod mit der Möglichkeit, sich zu verabschieden gegenüber dem Blitztod ohne ein Abschiedswort wollte ich nur erwähnen......


    Natürlich ist der Verlust des letzten lieben Menschen NICHT AKZEPTIERBAR...


    Egal wie die Umstände waren...................und noch dazu, welch sinnlosen Tod Dorit gestorben ist an einem wegen überflüssigen KH-besuch bei meinem Vater eingefangenen Grippevirus, der Dorits Atmen so behindert hat, dass der Herztod die Folge war und ich, wäre ich ein logisch denkender Mensch gewesen, Dorit niemals hätte soweit zu Fuss gehen zu lassen, egal ob sie drauf bestand oder nicht...........


    So bleibt eben als einziger Trost, dass jeder neue Tag die Wartezeit auf das Wiedersehen in der geistigen WElt verkürzt......aber das ewige Warten mit dem Sehnsuchtstrennungsschmerz das ist eben die Hölle....


    Liebe Grüsse

    Matthias

  • Hallo Matthias,


    bei allem Verständnis,auch ein Trauernder sollte über den Tellerrand hinaus schauen.


    Ich bat darum,keine Todesarten zu vergleichen.


    Was heißt verabschieden,mein Liebster ist gestorben,er ist unwiederbringlich fort.


    Glaubst Du,nur weil ich mich verabschieden konnte,fällt mir mein jetziges Leben leichter?


    Mein Liebster ist fort,also bin ich trotz aller Hilfsangebote allein mit meinem Vermissen.


    Jeder ist letztendlich allein mit seiner Trauer.


    Hier findet ein Austausch statt.


    Hier wird mir "zugehört".


    Ich möchte nicht gestreichelt ("gebauchpinselt ") werden".


    Hier kann ich meine Gedanken äußern, aber meine Trauer ist meine Trauer.


    Meine Trauer ist nicht größer,schlimmer und verzweifelter .


    Meine Trauer ist nicht vergleichbar.


    Karin

  • Liebe Karin,


    Es wird dir " zugehört" , sagst du. Ein bisschen mehr noch vielleicht : Es wird mit-Dir- gefühlt. Deine Gefühle werden ( grösstenteils) verstanden.

    In deiner mail fühle auch ich mich gut verstanden. Wir dürfen keine Hierachien der diversen Trauerschmerzen aufbauen, nicht wetteifern ,wer den grösseren hat. Wir wollen uns gegenseitig helfen durch Zuhören, durch gegenseitiges Tragen , und nie egoistisch unseren Fall in Vordergrund stellen-

    Wenn ich mich an die vielen Kondolenzschreiben erinnere; sie vor mir sehe, sie in meinem Schmerz aufnahm, dann war e i n Wortlaut in einem Brief besonders wahr; er wirkte wie Balsam auf m einer offenen .klaffenden Wunde. Der Brief eines Mannes , der aus Erfahrung schrieb :
    " Ich weiss wie Du leidest. Ich ahne Deinen grossen Schmerz".


    Das wollte ich zur Betrachtung Deiner Trauer hinzufügen. Ich ahne Deinen grossen Schmerz, Karin.

  • Liebe Medina,


    :2:


    Danke für deine beiden letzten Einträge.


    Danke für die klaren Worte a Thomas. . Sie sprechen mir aus der Seele.



    Ich halte es für sehr gefährlich, hier Rechnungen aufmachen zu wollen, welche Todesart schwerer zu ertragen ist.


    Der Schmerz ist eine ganz individuelle Empfindung.


    Nichts wäre hier in "unserem" Forum schlimmer als ein Wettbewerb a la :

    "Mein Schmerz ist aber schlimmer als der deinige"


    Wir sind hier um "gehört" zu werden, verstanden zu werden, um einander beizustehen, um Erfahrungen auszutauschen, um zu lesen bzw daraus zu lernen, wie andere mit der schlimmen Situation "fertig" werden können, wie es ihnen gelingt, wieder "nach vorne zu schauen" und und und.


    Das bedeutet nicht, dass jeder die Meinung des anderen für sich annehmen muss.

    Aber vielleicht ist hin und wieder ein Anstoß dabei, eine Anregung, der die eigenen , vielleicht festgefahren Gedanken in eine hilfreiche Richtung lenkt und evtl. Erleichterung verschafft.


    Und wenn die Anregungen nicht zu euch passen, dann seid ihr eben auf einem anderen Weg oder (noch) an einer anderen Stelle.

    Dann dürft oder sollt ihr die Anregungen ruhig verwerfen. Das ist dann auch. o. K.


    Ich glaube, das ist in diesem Forum ebenso wichtig, wie durch Einfühlsamkeit und Mitgefühl Trost zu erhalten.


    Nur eines dürfen wir nicht: in einen Wettkampf treten.


    Dadurch würden wir die Trauer des anderen nicht ernst nehmen , würden sie mit Füßen treten und den anderen in seiner Person nicht respektieren.


    Ende der Dienstag predigt:)


    blaumeise, heute mal wieder oberlehrerhaft ;)