Er ging ins Meer und kam nicht wieder

  • Im Sommer dieses Jahres war ich mit meinem Lebensgefährten im Urlaub am Meer, an einer deutschen Küste. An unserem ersten Urlaubstag vor Ort haben wir direkt beschlossen gleich zu Beginn unseres Aufenthalts einen Strandtag einzulegen; das Wetter war schön, es bot sich an. Wir bekamen einen Strandkorb in der ersten Reihe, „haben Sie ein Glück“, meinte die Frau von der Strandkorbvermietung noch lachend zu uns, „die Schlüssel für die Körbe in der ersten Reihe hängen hier normalerweise keine fünf Minuten.“ Der Strand war gut besucht, das Meer war voll, Familien, Eltern, Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, ältere Menschen, alle plantschten unbeschwert in den Wellen. Mein Lebensgefährte und ich, wir saßen entspannt im Strandkorb, sahen dem fröhlichen Treiben zu. Es war windig an dem Tag, aber keine rote Fahne wehte, keine Gefahr in Sicht. Gegen frühen Nachmittag meinte mein Schatz zu mir: „Ich gehe jetzt mal ins Wasser.“ Gab mir einen Kuss und seine Sonnenbrille. Stand auf, stapfte durch den heißen Sand hinunter zum Wasser. Ich saß im Strandkorb sah ihm nach, wie er ins Wasser ging. Verlor ihn aus den Augen, dachte mir „lass ihn mal, der genießt das Meer, wie immer. Bis mir irgendwann auffiel, dass er nicht wiederkam. Bis man ihn anfing zu suchen und nicht fand. Bis sein Leichnam elf Tage später an einem anderen Strandabschnitt angetrieben wurde und man nur noch seinen Tod feststellen konnte. Mein geliebter Schatz, ein guter Schwimmer mit drei Tauchscheinen, kerngesund - ertrunken, einfach so. Ich weiß seitdem nicht, wohin mit mir, meiner Traurigkeit, meiner Fassungslosigkeit, meiner Ungläubigkeit, meiner Ohnmacht. Danke fürs lesen. Romy

  • Liebe Romy!

    Erst mal meine aufrichtiges Beileid und herzlich willkommen im Forum!

    Das ist eine sehr traurige Geschichte.Man fährt gutgelaunt in den Urlaub und dann das.Es muß sehr schwer für dich sein und dann die 11 Tage Ungewissheit,was ist passiert,warum und warum er?

    Es ist sehr schwer damit klar zu kommen,aber hier im Forum kannst du alles schreiben und jeder hier versteht dich,denn wir alle haben einen geliebten Menschen verloren und versuchen damit klar zu kommen und es ist so schwer und tut so weh,das der liebste Mensch in unserem Leben nicht mehr da ist.Ich begreife es immer noch nicht.Liebe Grüße Helga

  • Liebe Romy,


    ich wünsche dir erst einmal mein aufrichtiges Beileid.

    Du hast einen großen Verlust erlitten, dein Schmerz wird unerträglich sein. Hier, im Forum kannst du all dein Leid schildern,

    es ist kein Trost für den erlittenen Schmerz, aber es hilft ein wenig.

    ich umarme dich still , Maike

  • Liebe Romy,

    auch von mir mein aufrichtiges Beileid. Was hast Du nur durchgemacht - das darf ich mir gar nicht vorstellen. Diese Ungewissheit!! Wie Du sicherlich schon gelesen hast, haben wir alle unseren Herzensmenschen verloren. Ich bin auch noch nicht lange hier im Forum, aber es tut gut sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Denn nur wer so ein Unglück miterlebt hat kann nachvollziehen, wie es uns geht. Vor allem, wenn wir abends alleine zu Hause sitzen. Alles Liebe, Pauli

  • liebe romy,

    mein herzliches beileid zu deinem riesigen verlust. du stehst sicher noch unter schock, deine wunde ist noch so frisch.

    wir haben alle hier einen schicksalsschlag erlitten, jeder auf unterschiedliche weise. schreib dir alles von der seele,

    es wird verstanden.

    liebe grüße

    flora

  • Liebe Romy! Ich möchte dir mein herzliches Beileid zu diesem großen Verlust aussprechen! Im Urlaub, wo man ja eigentlich nur Schönes erleben sollte, das durchzumachen, ist sehr schlimm und das tut mir sehr leid! :( Ich drücke dich mal virtuell <3, LG Andrea

  • Liebe Romy, tragisch, traurig, furchtbar und unbegreiflich was Dir, Euch, zugestoßen ist, mein Mitgefühl ist Dir sicher!

    Hier im Forum bist Du willkommen und nicht alleine, hoffentlich hast Du in Deinem Umfeld Menschen die Dir beistehen. Liebe Grüße von Karo

  • Liebe Romy,

    Auch von mir , mein aufrichtiges Beileid. Ich kann mich nur allen , dir vor mir geschrieben haben , anschließen. Es ist furchtbar was du erlebt hast , so etwas braucht viel Zeit zum verarbeiten . Hier im Forum kannst du Tag und Nacht schreiben , vielleicht hilft es dir , irgendwann mit deinem Schicksal besser um zu gehen .

    Wir alle hier können es nachvollziehen.

    Fühl dich gedrückt.


    Liebe Grüße

    Birgit und Fine

  • Liebe Romy,


    auch ich spreche Dir mein aufrichtiges Beileid aus. Es ist furchtbar, so etwas erleben zu müssen und diese Ungewissheit zu durchleben. Es tut mir so leid...


    Liebe Grüße

    Josh

  • Hallo Helga, Maike, Pauli, Flora, Andrea, Karo, Birgit, Fine, Josh, Astrid und Karin, eigentlich wollte ich jedem Einzelnen von euch ein liebes Dankeschön für eure Anteilnahme schicken, über die ich mich SO freue!! Ich habe aber noch nicht herausgefunden, wie man hier Nachrichten einzeln beantwortet, sofern es diese Funktion überhaupt gibt; daher schicke ich nun eine Antwort an alle. Astrid hatte gefragt, wie ich die Zeit bisher überstanden habe; das frage ich mich auch. Der Badeunfall meines geliebten Lebensgefährten ist Ende Juni passiert. An dem Tag, an dem er nicht mehr zurückkam aus dem Meer, habe ich mich abends gefühlt, als würde mir jemand bei lebendigem Leibe einen Arm abreißen. Als die Polizei mir abends riet vom Strand wegzugehen, in die Ferienwohnung zurückzugehen, die wir gebucht hatten für die zwei Wochen, die eigentlich vor uns liegen sollten, da sind mir so verrückte Gedanken gekommen, wie: „Aber ich kann doch jetzt nicht einfach so weggehen hier vom Strand! Es wird doch kälter jetzt am Abend und er hat doch nur eine Badehose an! Ich kann ihn doch nicht alleine lassen nur mit Badehose bekleidet ganz alleine im Wasser, bald wird es doch Nacht und es wird doch kalt! Ich muss ihm wenigstens irgendwie warme Klamotten organisieren, wenn er schon im Wasser bleibt!“ So völlig wirres Zeug habe ich gedacht. Habe nur geweint, während mich der Notarzt, die Sanitäter in der Ferienwohnung befragten. „Sollen wir Sie ins Krankenhaus bringen, dort würden sie ein Beruhigungsmittel bekommen“, sagten sie, aber ich schüttelte den Kopf. Nein, ich wollte kein Beruhigungsmittel. Ich wollte mich nicht beruhigen. Kurz darauf kam ein Seelsorger von der Gemeinde, die Sanitäter dampften ab. Der Seelsorger ging mit mir nochmal zum Strand, dann verabschiedete auch er sich. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich habe gedacht, „ich kann doch nicht schlafen, da lasse ich ja meinen Schatz in Stich. Ich kann doch nicht schlafen, während er ganz alleine ist im Wasser“. Es war ganz komisch: Einerseits war ich wie unter Schock, andererseits wusste ich schon in jener ersten Nacht ohne ihn, dass er tot war. Andererseits wiederum kann ich es bis heute noch nicht glauben. Elf Tage, nachdem er verschwand, wurde er gefunden, tot, ertrunken. Wenige Tage später wurde er überführt von dem Ferienort in unsere Heimat und begraben. Seitdem fahre ich regelmäßig an sein Grab, stelle immer neue Kerzen und frische Blumen drauf. Spreche mit ihm, erzähle ihm von der Woche. Weine. Kann es nicht fassen. Wieder Danke fürs Lesen. Romy

  • Liebe Romy,

    Du hast geschrieben, dass du gleich in der ersten Nacht gespürt hast , das dein Lebensgefährte tot ist . Wenn man mit einem Menschen so eng verbunden ist , dann weiß man genau was kommt . Als mir die Ärztin im Krankenhaus mittags sagte , es sieht nicht gut aus , wusste ich , dass mein Mann den Tag noch gehen wird und unser gemeinsames Leben nach 35 Jahren zu Ende ist . Thomas ist Abends dann für immer eingeschlafen .

    Wir durften bei ihm sein , das hilft ein klein wenig .

    Es tut mir ohne Ende leid , was du in den 11 Tagen der Ungewissheit durchleben musstest , das ist verdammt hart . Trösten kann uns hier niemand aber es hilft seinen Schmerz von der Seele zu schreiben , in der Hoffnung es wird irgendwann besser . Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Kraft.

    Eine dicke Umarmung


    Liebe Grüße

    Birgit und Fine

  • Liebe Romy,


    mein herzliches Beileid.

    Schön, dass du uns gefunden hast, hier wird man dich verstehen und dir zuhören.

    Ich bin auch seit dem Sommer hier und fühle mich gut aufgehoben.


    Es ist schlimm, was du erleben musstest. Und alles geschah so unerwartet und plötzlich.

    Ein Tag, der perfekt begann, endete in einem Alptraum.

    Ich verstehe deine Fassungslosigkeit. Man bleibt sprachlos zurück.

    Mich erinnert die Art, wie es dir deinen Mann entrissen hat, ein wenig an meine Geschichte...

    Eben war noch alles in Ordnung, dann bricht die ganze Welt zusammen. Andere wollen irgendwie helfen. Stellen Fragen...

    Aber man selbst kann es immer noch nicht glauben, starrt nur vor sich hin.

    Dann im nächsten Moment denkt man, er kommt gleich wieder. Da durch die Tür.

    Aber eigentlich weiß man schon, was los ist... nur das Herz kann es nicht begreifen, will es nicht begreifen.


    Jemanden so plötzlich zu verlieren ist grausam und... man hat Schwierigkeiten es zu begreifen, weil man es nicht verstehen kann.

    Bleibt immer die Frage: Warum?

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit.

  • Liebe Romy! Deine Geschichte berührt mich sehr, 11 Tage Ungewißheit und das alles im Urlaub, das ist wirklich schlimm und dauert sicher, bis du das überhaupt begreifen und verarbeiten kannst! :( Ich wünsche dir ganz viel Kraft! <3 LG Andrea

  • Liebe Romy,

    Thomas ist am 28.11.18 für immer gegangen . Er hatte eine schwere Blutvergiftung , mit Not Op, dabei multiples Organversagen. Dazu kam dann eine Lungenentzündung und Herzprobleme , auch die Nieren haben dann versagt. Er ist Montagmorgen um 6.30 ins Krankenhaus, nach der Operation hieß es noch 50 zu 50 Überlebenschance , Tendenz nach oben . Auch Dienstags wurde es uns so mitgeteilt, erst Mittwochmittag hat eine Ärztin uns reinen Wein eingeschenkt .

    Wir durften die letzten Stunden bei ihm sein , bis er dann um 20.35 für immer eingeschlafen ist .

    Dafür bin ich auch dankbar , trotzdem ist die Trauer nicht weniger .


    Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Kraft, gerade weil du dich von deinem Lebensgefährten nicht so verabschieden konntest . Warum uns allen hier das Schicksal so hart mitgespielt hat , kann ich auch nicht beantworten. Niemand hat so etwas verdient und trotzdem muss man weitermachen und kann nur hoffen, dass es irgendwann erträglicher wird.


    Ganz liebe Grüße

    Birgit und Fine

  • Liebe Romy,


    du hast etwas ganz entsetzliches erlebt, 11 Tage Ungewissheit, ich bin Fassungslos.

    Du schreibt, schon in der ersten Nacht wusstest du dass er nicht mehr lebt.

    Als mir die Oberärztin am nächsten Tag nach der OP mitteilte, ihr Mann ist schwer krank, es kann bei diesem Krankheitsbild, jede Minute etwas passieren.

    Es ist seiner absolut guten Kondition zu verdanken, dass er den Transport überhaupt überlebt hat. Laut med. Statistik Überleben

    80 % dieser Patienten den Transport nicht.

    Tief im Inneren spürte ich dass er das nicht überleben wird, verdrängte es aber erfolgreich.


    auch ich umarme dich, liebe Grüße Maike