Mein anderes Ich ist nicht mehr da

  • Liebe Kornblume,

    Dein Gedicht - so schön, so tteffend...schon 7 Jahre ohne Deine geliebte Mama?

    Wo ist nur die Zeit geblieben?

    Meine geliebte Mama sagte immer, je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit, ich sehe das mittlerweile auch so. Die Zeit geht vorbei wie im Flug, aber die Liebe und die Verbundenheit vergehen niemals.

    Hoffentlich bekommst Du den Tag gut herum 🙏🙏🙏, 🌻

  • wenn ich heute abend mir das Lied an höre:

    Ach ich hab in meinem Herzen da drinnen mit Rudolf Schock zusammen mit dem Kinderchor gesungen,

    da werde ich sicherlich weinen. Das war ein Lieblingslied von meiner Mutti, Wir spielten es auch an ihrer

    Beerdigung. Wir haben es sehr oft zusammen angehört. Wir liebten diese Zeiten, die wir mit diesen Liedern

    zusammen verbrachten. Zusammen saßen wir vor meinem Computer, den mir meine Mutti schenkte, und

    hörten uns dieses Lied an. Nun höre ich es jedes Jahr einmal ohne Mutti an. Und weine und drücke ihr Bild an

    mein Herz. Schon wenn ich das hier schreibe, kullern mir die Tränen aus meinen Augen.

    Ach Muttilein unsere schöne gemeinsame Zeit fehlt mir sehr. Oft ertappe ich mich dabei, wie ich mir wünsche,

    dass jetzt bald die Entrückung kommen wird und ich dabei sein darf, um Dich endlich wieder sehen zu können.

    Es ist gut möglich, dass mir Jesus deshalb böse ist, aber Er kennt ja eh meine Gedanken und Sehnsüchte.

    Aber ist das nicht menschlich Muttilein? Jesus und Du Mutti, bedeuten mir am Allermeisten. Ihr seid die, die ich

    am allermeisten liebe, ist es dann nicht normal, dass ich bei Euch sein möchte?

    Aber, wenn ich noch eine Aufgabe hier auf Erden zu erfüllen habe, werde ich diese so gut wie ich es kann, erledigen.

    Manchmal habe ich so ein Gefühl in mir, als wenn Jesus mich noch für irgend etwas vorbereitet. Nur weiß ich noch

    nicht für was. Ach Mutti, seid dem ich wieder Jesus habe, hat sich bei mir sehr viel geändert und ich verstehe auf

    einmal so Vieles, viel besser. Das ist spannend und sehr interessant. Da musste ich so alt werden, um noch so viel

    zu lernen und zu verstehen. Jesus öffnet mir meine Augen und Ohren jeden Tag neu für seine Welt. Und diese ist

    schön. Sehr schön sogar. Aber auch nicht immer ganz leicht. Aber das ist mir egal. Jesus hat mich gerettet und das

    ist einfach s u p e r . Erst durch Ihn lebe ich wirklich. Danke.

    Alles Liebe

    Kornblume

  • Liebe Kornblume, nein, das musst du nicht, auf keinen Fall!!!

    Es imponiert mir, dass du so stark gläubig bist und dir dieser Glaube bei der Trauer hilft...

    Ich kenne diese Rituale, meine Mama hat sie 30 Jahre lang für ihre Mama begangen. Erst jetzt scheint mir begreiflich zu werden, was sie da geleistet hat. 30 Jahre Trauer, das ist unvorstellbar. Erschreckend. Beängstigend. Schon die 7 Jahre, die du ohne deine Mama leben musst, liebe Kornblume, empfinde ich als Berg, den ich niemals erklimmen kann.


    So, nun muss ich gerade meine Gedanken sortieren, ich möchte ja jedem entsprechend antworten...


    Liebe Sveti, es tut mir leid, dass du nun auch mit der Wohnung solche Probleme hast. Als wäre es nicht schon schwer genug! Da bin ich wirklich froh, dass wir zusammen gelebt haben und ich dies zumindest nicht auch noch auf mich nehmen muss. Obwohl ich sagen muss, dass Mamas Zimmer sehr unterschiedliche Gefühle in mir auflöst. Oft habe ich furchtbare Angst, nur daran vorbei zu gehen. Meistens weine ich. Manchmal bin ich dort und sehe sie vor mir, setze mich aufs Bett "zu ihr" - und fange wieder an zu weinen... :/

    Und ich kann es total verstehen, dass dich diese Nörgeleien wütend und traurig machen! Gute Entscheidung mit dem Makler!

    Bei mir wurde angefragt, wann Mamas Rollstuhl abgeholt werden könne. Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vor ging. Schlussendlich habe ich ihn gekauft. Keine Ahnung, warum. Ich konnte ihn nicht abholen lassen.


    Liebe Sunflower, deine Nachricht hat mir sehr viel bedeutet. Die vielen Parallelen zwischen uns, ich habe gelesen, auch du hast Katzen, die dich am Leben halten. Auch wenn meiner Mama Krebs glücklicherweise erspart geblieben war, hatte auch sie die letzten 10 Jahre gesundheitlich viel Pech. Denn "erst" vor zehn Jahren wurde sie allmählich bettlägerig, ohne dass ihr ein Arzt großartig helfen konnte. Das war schwer. Ich weiß nicht, wie meine Mama das geschafft hat. Meine Mama, die immer irgendetwas zu tun haben musste, immer am Herumwirbeln war, immer aktiv, plötzlich im Bett. Das war hart.

    Ich hatte mir, nachdem sie vor ca 4 Jahren auch immer weniger in den Rollstuhl konnte, angewöhnt, alles, was mir begegnet, was ich draußen so erlebe, zu merken und ihr zu erzählen. Dass im Supermarkt umgeräumt wurde. Dass die Apfelbäume blühen. Dass ein Hase am Feldrand saß. Unterschiedliche, zum Teil banale Dinge. Dank des Smartphones konnte ich auch vieles fotografieren. Einkäufe habe ich meistens sogar ans Bett gebracht und dort ausgepackt, damit meine Mama immer "up to date" war, das Gefühl hatte, dabei zu sein.

    Doch nun wartet niemand auf meine Erzählungen zuhause. Ich bleibe auf halbem Weg mit den Einkauf stehen und trage ihn weinend zurück in die Küche. Unsere beiden Samtpfoten werden nun überhäuft von Erzählungen, die meistens von panischen Tränenausbrüchen unterbrochen werden. Und wie immer stehen sie dann ganz treu an meiner Seite, putzen meine Hände, als ob sie mich erinnern wollten, dass ich über Suizid nicht einmal nachdenken darf.


    Siamesische Zwillinge, ja, so wurden wir auch genannt. Und ich frage mich, wie man ohne diesen elementaren Part weiterleben kann. Meine Mama war meine Sonne, der Grund für mich, täglich aufzustehen, meine ganze Freude. Sie war mein Leben. Ich ertrage es nicht, ohne sie zu sein.


    Am Sonntag ist Muttertag. Ich bin froh, wenn er vorbei ist. Meine Kräfte sinken, ich funktioniere nur und das eigentlich nur unseren Samtpfoten zuliebe. Sie sind sozusagen meine Kinder, die mich brauchen und mich von "Dummheiten" abhalten. Die mir auch das Gefühl geben, nicht gänzlich alleine zu sein.


    Ich habe immer das Verhältnis zu meiner Mama verteidigen müssen. Die Wenigsten haben das verstanden. Viele dachten, meine Mama sei dominant und könne nicht loslassen oder ich, auf der anderen Seite, sei nicht lebensfähig, könne mich nicht abnabeln. Meine beste Freundin, Italienerin, war immer die einzige gewesen, die unser Verhältnis für vollkommen selbstverständlich gesehen hatte (und nie als "ungesund"). Und es ist für mich so W E R T V O L L hier mich mit euch austauschen zu können, die ihr genau so ein Verhältnis hattet und genauso leidet und die auch nicht "nur" die Mama verloren haben, sondern die beste Freundin, die Wegbegleiterin, die bessere Hälte, das andere Ich.


    Danke euch! Und fühlt euch alle mal gedrückt, ich gehe jetzt noch eine Runde heulen...<3:30:

  • Ja, liebe Alika, ich empfinde es auch manchmal als Verrat, dass ich noch lebe und sie nicht. Auch das wollen unsere Mamas nicht sehen, aber wir haben keinen Schalter den wir umschalten können.


    Ich fühle mich auch sehr einsam und verlassen und bin todunglücklich. Ich habe auch zu nichts Lust. Bin froh, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und ich für mich bin. Dann gibt es aber auch Tage, da nervt mich das Alleinsein :95:

    Darauf wollte ich doch nochmal antworten!


    Danke, liebe Sveti... das stimmt, ein solcher Schalter wäre aber durchaus hilfreich... Ich bin ebenfalls meistens dankbar dafür, alleine bzw. "nur" in Gesellschaft der beiden Süßen zu sein, wo ich mich nicht zusammen nehmen muss, keine Erwartungen erfüllen, nicht so tun, als ob. Und dann kommen auch bei mir diese Tage, wo ich über diese Einsamkeit schon fast in Panik gerate. Oft denke ich dann: das wird sich nie mehr ändern, denn Mama kommt nie mehr zurück. :13:

    Und das kann ich irgendwie immer noch nicht verstehen...

  • meine Mutti war auch meine beste Freundin. Mutti und ich waren uns genug. Wir waren eine kleine Familie.

    Meine Mutti hatte einen Rollator vom Sanitätshaus. Ich konnte diesen nicht zurück bringen. Meine Schwägerin hat

    es dann getan. Ich wäre damals im Sanitätshaus zusammen gebrochen. Der Rollator (wir nannten diesen ihr Mercedes)

    gehörte einfach zu meiner Mutti dazu.

    Auch ich konnte mich in Muttis Zimmer nicht aufhalten, es tat einfach nur weh. Da ich mir dann eh eine kleinere

    Wohnung suchen musste, löste sich das Problem vom selbst. Aber im Bad hängt heute noch ihr Bademantel, im Wohnzimmer

    viele Bilder von ihr und im Schlafzimmer habe ich eine kleine Erinnerungsecke hergerichtet. Und diese Dinge lasse ich so,

    bis ich auch sterbe. Und was die Leute denken, ist mir egal.

    Ja, uns gab es auch nur noch im Doppelpack. Ich habe mich sehr früh von meiner Mutti abgenabelt. Als ich nach dem Tod

    meines Papa´s wieder zu ihr gezogen bin, habe ich mich wieder angenabelt. Und liebe Alika, was die Leute reden ist doch

    Schnurzegal, die sind doch nur neidisch, weil sie keine so innige Beziehung und Liebe zu ihren Müttern hatten.

    Beim Einkaufen habe ich auch noch sehr lange wie ich es gewohnt war, 2 Rostbraten gekauft und daheim würgte ich diesen

    dann voll mit Tränen im Hals hinunter. Ach, die ersten 3 Jahren nach Muttis Tod waren die Hölle. Schlimmer geht's nimmer.

    Keiner kann das verstehn, der das nicht selbst erlebt hat. Die Hölle kann auch nicht schlimmer sein.

    Dass Liebe so sehr weh tun kann, hätte ich vor Mutti´s Tod nicht für möglich gehalten. Das ist die Kehrseite der Liebe.

    Aber für nichts auf der Welt hätte ich sie missen wollen. Sie war das Beste, was mir passieren konnte.

    Ich würde Dir sehr gerne ein paar Worte schreiben, welche Dich trösten, aber die gibt es nicht. Gib Dir Zeit, alle Zeit der

    Welt, die Du für Deine ganz persönliche Trauer benötigst. Ganz egal, was Andere Dir sagen. Folge Deinem Herzen.

    Es wird leichter, aber das brauch Zeit, sehr viel Zeit.

    Alles Liebe

    Kornblume

  • Liebe Alika,

    ich danke Dir sehr für Deine lieben Zeilen und kann - erneut - alles, was Du beschreibst, absolut nachvollziehen, glaube mir, mir geht es ganz genau so 😪, alle sagen " das Leben geht weiter"... " der Tod gehört zum Leben dazu"... aber wie soll man weiterleben, wenn man seine Lebensaufgabe verloren hat?

    Für mich war meine geliebte Mama der Sinn meines Lebens, für sie musste und konnte ich stark sein, mein ganzes bisheriges Leben lang. Jetzt ist da nur noch vollkommene Leere und: das Gefühl trotz aller medizinischen Kenntnisse (gelernte Arzthelferin) versagt zu haben. Ich konnte sie trotz aller Bemühungen letztendlich nicht retten 😪, sie hat sich auf mich verlassen, fühlte sich nur sicher, wenn ich bei ihr war, es hat nichts genutzt, auch wenn die Ärzte mir immer wieder versicherten, dass ich alles für sie getan habe und ihr mehr Lebenszeit geschenkt habe, als man jemals für möglich erachtet hätte (Beginn der Metastasierung: März 2017).

    Keine Liebe ist so ehrlich, so tief und so rein wie die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, diese Liebe ist durch überhaupt garnichts zu ersetzen, nicht durch Geschwister, Partner etc. Die Verbindung und das Vertrauen, das man zur Mama hat, sind einzigartig, nicht mit Worten zu beschreiben.

    Wer dafür kein Verständnis hat, tut mir leid aber irgendwann werden auch solche Menschen eines Besseren belehrt werden, ganz sicher. Was ich damit sagen möchte, gräme Dich nicht über das Unverständnis mancher "Andersgearteter",Du siehst, dass es Menschen gibt, die genau so empfinden wie Du, die nicht mehr wissen, warum sie morgens aufstehen sollen, warum sie überhaupt noch da sind, was jetzt überhaupt noch Sinn macht.

    Alles - mit Ausnahme unserer "Kinder" - ist unwichtig geworden, Dinge, über die wir uns früher aufgeregt haben, lächerlich...nichts im Vergleich zur Situation jetzt.

    Das Bewusstsein dieser Endgültigkeit für den Rest unseres eigenen "Lebens" ist immerdar. Meine einzige Hoffnung: Das Wiedersehen mit meiner geliebten Mama im Himmel, ich sagte ihr kurz vor ihrem Tod: "Nichts kann uns trennen, warte im Himmel auf mich und mache Dir keine Sorgen, ich werde Dich finden." 😪😪😪, 🌻 Was Dich betrifft, liebste Alika, schreibe nun UNS allen hier, was Du siehst, z. B. beim Einkaufen, welche Empfindungen Du hast, was Dich bewegt.

    Wir alle sind durch unsere Trauer miteinander verbunden, egal wie alt wir sind oder unsere Mamas waren, als sie uns verließen. Vom Alter her könntest Du meine Tochter sein. Deine Sunflower 🌻

  • Hallo zusammen


    Es tut soo gut die schönen Worte und Texte von euch zu lesen.


    Ich habe heute das schöne Wetter auf dem Balkon genossen. Und viel in den Himmel geguckt .... welche ist wohl die schönste Wolke , das sitzt bestimmt Mama drauf. Dann zog die Wolke weiter..sie hat wohl viel zum da oben.


    tja 😔

    Morgen wieder Muttertag, etwas gruselt es mich immer vor so einem Tag.

    Aber dann denke ich gleich , jetzt geht es ihr gut. Sie muss sich nicht an den ganzen Geräten quälen! Ich glaub ich hab eine Menge erspart und dafür ist sie bestimmt sehr sehr dankbar.
    Und sie würde auf keinen Fall wollen , das ich traurig bin. Ich höre sie fast.... genieße dein Leben....


    ich hab mal n Frage

    Ist es bei euch so , das eurer Umfeld es nicht so versteht. Es gibt nun Mal zwischendurch Tage , das geht es mir nicht soo gut und ich bin auch schneller am Wasser gebaut. Das scheinen viele nicht zu verstehen.... Dann komme so Fragen wie. was ist denn los ? Oder ...müsste doch schon besser sein.

    Ich weiß , das ich mich verändert habe. Aber bin doch mit meiner Therapeutin auf dem Weg es zu verarbeiten,zu verstehen, zu verdauen. Ich lerne es so anzunehmen.

    Manchmal denke ich , dass ich nicht schnell genug bin.

    Ich hab echt tolle Freunde, aber wenn man nicht schon seine Mama verloren hat. , kann man es nicht so nachvollziehen oder???????????

    Dadurch das ich nicht gerne über mich und meine Gefühle reden, bewirken sie glaub ich genau das Gegenteil.

    Rückzug.


    lg Kleene

  • Liebe Kleene,


    Muttertag, ohne unsere Mütter :13:


    Unser Umfeld kann nicht mit Trauernden umgehen. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Anfangs war ich wütend und traurig. Aber mittlerweile denke ich, diese Leute können sich eben nicht in uns hineinversetzen, wenn sie keinen Verlust erleiden mussten.


    Mich haben diverse Aussagen sehr wütend gemacht wie zum Beispiel : alles wird gut, es ist besser so, du bist jetzt frei usw.


    Als meine Mutter und ich die Diagnose im März 2018 erfahren haben, war ich in meiner Freizeit immer bei Mama. Mir war nicht nach irgendwelchen Feierlichkeiten oder ähnlichem zumute. Dann kamen solche Sprüche wie: denk an dich, du bist nicht für deine Mutter verantwortlich :95:

    Wenn nicht ich, wer dann......


    Meine Mama war bis zuletzt kein Pflegefall. Ich war trotzdem täglich bei ihr, weil ich es so wollte und ich heute sehr froh darüber bin, jede freie Minute mit ihr verbracht zu haben.

    Gut gemeinte Ratschläge können nach hinten losgehen.....


    Ich wurde auch über das Verhalten von einigen "Freunden" überrascht. Plötzlich meldeten sich viele nicht mehr obwohl genau diese anfangs immer gesagt haben, melde dich wenn du mich brauchst, bin immer für dich da, du bist nicht alleine usw. Als ich in einigen Sachen Hilfe benötigte, war keiner da. Diese Personen sind "Schönwetterfreunde" :4:


    Trauer dauert....... und wer nicht mit klar kommt, dass man

    "noch immer trauert"

    soll von mir aus weg bleiben :95:


    Lass dir Zeit und lass dich von Niemandem unter Druck setzen.


    Liebe Grüße :24:

  • Hallo liebe Gleichgesinnte,

    Muttertag ohne unsere geliebten Mama's - einfach undenkbar und grausam.

    Das Bewusstsein, dass wir sie niemals mehr mit unserem Besuch und einem Strauß Blumen in der Hand oder mit anderen liebevollen Geschenken erfreuen können, schmerzt einfach nur.

    Lasst uns trotzdem alle unserer geliebten Mütter gedenken, in der Hoffnung, dass es Ihnen dort, wo sie jetzt sind, besser geht.


    Ich grüße Euch alle und wünsche uns allen, dass wir den Tag einigermaßen herumbekommen.

    Alles Liebe, 🌻🌻🌻❣🙏

  • Ihr Lieben,


    eure Nachrichten spenden mir tatsächlich so etwas wie Trost; dafür allein schon mal vielen Dank vorneweg!


    Ich hatte gestern eine so heftige Migräne-Attacke, dass ich den Tag glücklicherweise nicht sonderlich stark mitbekommen habe. Sämtliche Apps, die irgendwie auf den Muttertag hinweisen könnten, habe ich gar nicht erst geöffnet und die Benachrichtigungen deaktiviert. Zusammen mit den Kopfschmerzen, die mich ausgeknockt haben, ging das dann.

    Dafür dann heute der "Trauer-Alltag"...


    Ja, ihr habt natürlich Recht. Es kann einem egal sein, was die Leute denken und eigentlich sollte man sogar mit ihnen Mitleid haben, dass sie nicht eine solche große und aufrichtige Liebe erleben dürfen/durften.

    Mir sagte man auch immer, dass ich vergesse zu leben wegen meiner Mama. Dass ich ihretwegen nicht ins Ausland gegangen war, z.B. während des Studiums, und und und. Das stimmte teilweise. Es stimmte nicht, dass ich es deswegen nicht gemacht hätte, weil ich sie aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität nicht hätte alleine lassen wollen. Das war EIN Grund, aber nicht der wichtigste. Der wichtigste Grund war der, dass ich immer wusste, dass, egal wann wir getrennt würden, die Zeit zusammen zu kurz gewesen wäre und ich jede Minuten mit ihr zusammen sein möchte, die ich kann.

    Meine Mama selbst meinte oft, ohne sie ginge es mir besser. Ich bin mir sicher, dass sie wusste, dass das nicht stimmte und sie damit kompensierte, dass sie Angst hatte, ich würde ihretwegen, wegen eines "falschen" Pflichtbewusstseins, auf irgendetwas verzichten. Aber ich weiß, dass sie wusste, dass sie damit im Grunde genommen falsch lag. Trotzdem habe ich aktuell Probleme, mir etwas "Gutes" zu tun, weil ich sofort denke, sie sitzt da oben auf ihrem Stern und sagt: Siehste! Und ich dann sage: Nein! Nein! Nein! Ich muss ja irgendwie weiter machen, das willst du doch auch...


    Ich kaufe nach wie vor für zwei Leute ein. Koche Nudeln, unser Lieblings- und Seelenessen bei Kummer und Frust, und stehe dann heulend vorm Nudelsieb. Du musst ja schließlich irgendetwas essen!, habe ich neulich von jemanden gehört...


    Glücklicherweise habe ich nicht viele Kontakte. Ich habe beruflich mit so vielen Menschen zu tun, dass ich mir im Privatleben den Luxus leiste, zwei sehr gute, richtige Freundinnen zu haben. Das ist nicht nur per se ein Glück, sondern auch in Hinblick der unangemessen Kommentare, die mir so meist erspart bleiben.

    Heute hatte ich mit einer Kollegin telefoniert. Wegen meiner chronischen Erkrankung gehöre ich zur Muskelgruppe und bin im home office (welch ein Glück!) und habe sporadisch mit ihr Kontakt, die alleine im Büro die Stellung hält. Wir haben nur wenige Aufgaben, da wir, wie gesagt, viel mit Menschen arbeiten und ja sämtliche Aktivitäten und Kurse nicht stattfinden. Jedenfalls fragte sie mich, ob ich mir zu einem bestimmten Projekt in den letzten Wochen Gedanken gemacht hätte. Ich sagte: Nein, danach stand mir wirklich nicht der Kopf. Kurz vor Ostern fragte sie mich, wie ich die Feiertage verbringe. Da war Mama gerade mal ein paar Wochen nicht mehr da. Oder die Arzthelferin, die mich fröhlich am Telefon begrüßt und überschwänglich fragt, wie es mir geht. Das sind tatsächlich so Momente, wo ich mich frage, ob manche meiner Mitmenschen ihr Herz und ihren Kopf auch im übertragenen Sinne nutzen oder ausschließlich zu anatomischen Zwecken.:4: Mittlerweile habe ich mir ein Schutzschild, eine Maske angewöhnt, die mir in der Vergangenheit schon gute Dienste erwiesen hat. Diese Mauer bewahrt mich, zeigt meine Trauer und meinen Kummer nicht, mein Desinteresse an dieser Welt und die Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit meiner besch***** (sorry!) Existenz, sondern bietet die Rolle einer "normalen" Person, auf die die Umwelt nicht besonders reagieren muss. Das erspart meiner Umwelt die Empathie und mir unnötigen Kummer.


    Und so "freue" ich mich über euch! <3 Auch wenn ich für uns alle wünsche, dass wir keinen Grund hätten, uns in diesem Forum auszutauschen. Ich sagte mal zu meiner Mama: "Mama, du stirbst, wenn ich auch sterbe und dann werden wir gemeinsam begraben." Hat leider nicht geklappt. Obwohl ich mir durchaus so vorkomme. Ich existiere nur noch, mein Körper nimmt seine Aufgaben war, meine Physis ist präsent. Aber mein Inneres ist tot. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, wo mein anderes Ich doch auch nicht mehr da ist...


    Ihr kennt doch bestimmt Udo Lindenbergs "Hinterm Horizont", oder? Ich habe es erst kürzlich mal bewusst gehört. Mir blieb nichts anderes übrig, ich saß im Auto. Seit Mama nicht mehr da ist, höre ich eigentlich keine Musik mehr, obwohl ich Musik so sehr liebe und immer wichtig war für mich, für uns, unser beider Trost und vermutlich deshalb kommen mir bei absolut jedem Lied die Tränen. Jedenfalls fiel mir ein, dass meine Mama dieses Lied sehr mochte und ich weiß gar nicht, ob es einen bestimmten Grund dafür gab. Vielleicht hat sie immer an ihre Mama gedacht. Auch ich finde ich es heute so unsagbar treffend:


    "Und dann war's passiert

    Hab es nicht kapiert

    Ging alles viel zu schnell

    Doch zwei wie wir

    Die können sich nie verlier'n!

    Hinterm Horizont geht's weiter

    Ein neuer Tag

    Hinterm Horizont immer weiter

    Zusammen sind wir stark!

    Das mit uns ging so tief rein

    Das kann nie zu Ende sein

    Sowas Grosses geht nicht einfach so vorbei!

    Du und ich

    Das war einfach unschlagbar

    Ein Paar wie Blitz und Donner

    Zwei wie wir

    Die können sich nie verlier'n.
    Hinterm Horizont geht's weiter

    Ein neuer Tag

    Hinterm Horizont immer weiter

    Zusammen sind wir stark!

    Das mit uns ging so tief rein

    Das kann nie zu Ende sein

    Denn zwei wie wir

    Die können sich nie verlier'n"


    Und plötzlich bekommen für mich Regenbögen eine ganz andere Bedeutung - frei von Corona, aber voll von Schmerz, Trauer und Hoffnung....:13::5:<3

  • Oh meine arme liebe Alika,

    Du bringst mich zum Weinen und Du hast so Recht... all' das habe ich auch erlebt.

    Da man meine Mama und mich hier bei uns in der Stadt nur im Doppelpack kannte, werde ich ständig und von allen Seiten gefragt, wie es mir geht, dabei gibt es Menschen, die aus Interesse fragen und sehr mitfühlend reagieren - die Anderen fragen, um zu fragen, am besten ist immer die Frage: "Und...alles gut?

    Das sind immer die Gleichen, denen ich schon x-mal geantwortet habe: "Nichts ist "gut", und wird es auch nicht mehr...wie auch?" Beim nächsten Zusammentreffen wieder das Gleiche: "Und? Alles gut?"

    Mittlerweile sage ich nichts mehr, drehe mich weg und gehe weiter. Solche einfallslosen Mitmenschen braucht niemand. Einfach nur plump.

    Die, die wirklich Anteil nehmen, fragen eher: "Geht's Dir immer noch so schlecht? Das tut mir leid, Du warst ja auch dermaßen eng mit Deiner lieben Mama, ich verstehe, dass sie Dir so fehlt. Dann bekommt man noch eine Umarmung und nimmt gute Wünsche entgegen. Das finde ich auch nett, auf die Dummen oder dumme Fragen/Bemerkungen kann ich verzichten.

    Die Vorstellung, dass meine liebe Mama irgendwann stirbt, war für mich seit der Kinderzeit der blanke Horror. Ich habe immer gesagt, dass ich keine Sekunde ohne sie leben könne, dass mein Leben dann auch zu Ende wäre, das konnte niemand so richtig verstehen, ich glaube sogar, dass man mich für verrückt gehalten hat nach dieser Aussage. Meine arme Mama wusste, dass ich so denke, auch deshalb hat sie so gekämpft, all' die Jahre, in erster Linie für mich, das weiß jeder. Unsere Beziehung war - genau wie bei Dir und Deiner Mama- besonders, einzigartig, so tiefgreifend und voller Liebe, es war ein Geschenk.

    So sah ich es auch als absolut "normal" und zusätzlich als meine Pflicht an, mich um sie zu kümmern, bei ihr zu sein, alles zu organisieren und zu erledigen. Es war für mich nie ein Opfer, ich habe es gerne getan und würde es, hätte ich noch einmal die Möglichkeit, absolut genau so machen, oder nein, ich würde noch mehr versuchen. Ich hätte, wie ich es vor vielen Jahren vor hatte, Medizin studieren sollen, dann wäre der Kampf gegen den Krebs vielleicht ein anderer gewesen, wobei mein Engagement im Rahmen meiner medizinischen Kenntnisse und Möglichkeiten den Ärzten (Onkologen, Hausärzten, etc.) oft genug sauer aufstoß...Kämpfe, die noch zusätzlich geführt werden mussten... als wenn die Krankheit als solche nicht schon schlimm genug ist, auch für die Angehörigen :95: aber davon, dass die Angehörigen auch in einer schlimmen, verzweifelten Situation sind und eigentlich auch Hilfe brauchen (so, wie es in den Kliniken auf Plakaten sogar propagiert wird), habe ich nichts gemerkt, das Gegenteil war der Fall. Jedenfalls ist mein Vertrauen Ärzten gegenüber komplett gewichen, da gibt es nur noch ganz wenige Ausnahmen.

    Traurige Realität ist, liebe Alika, dass wir Übriggebliebenen, nachdem wir alles Mögliche unternommen haben, über uns selbst hinausgewachsen sind und am Ende dann auch noch den Fortgang unserer Herzensmenschen mitansehen mussten, einsam und leer zurückbleiben. Die Aufgabe, die wir über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, gerne übernommen haben, gibt es nicht mehr. Ein großes schwarzes Loch hat sich vor uns aufgetan, wir fallen hinein und wissen aber garnicht, ob wir uns überhaupt noch einmal anstrengen sollen, um irgendwie wieder nach "oben" zu kommen. Zumindest empfinde ich es oft so. Und wie tut man sich selbst etwas Gutes? "Du musst jetzt mal langsam an DICH denken..."

    Das hast Du bestimmt auch schon oft gehört, oder? Falls nicht, dann kommt's noch...

    Kunststück! Für mich war meine geliebte Mama immer das Wichtigste...ging es ihr schlecht, ging es mir auch schlecht, das war so...jetzt soll ich mit Ü50 "an mich" denken...

    Meine liebe Alika, Du siehst, wir sitzen mit vielen Anderen im gleichen "Boot", wir Paddeln gegen Wind und Wellen, unser Kapitän ging bereits über Bord. Entweder schaffen wir es gemeinsam, unser Boot in den nächsten Hafen zu schippern (Gemeinsam sind wir stärker) oder wir kentern.

    Wir durchleben Gefühle von Trauer, Wut und Angst, leiden unter Selbstzweifel, Antriebs- und Freudlosigkeit, alles in ständigem Wechsel, mal mehr, mal weniger ABER: Es bleibt uns nichts anderes übrig: Wir müssen da irgendwie durch...

    Fühle Dich nun ganz ganz fest gedrückt von mir :30::24:<3, Sunflower 🌻

  • Liebe Sunflower,


    auch ich wollte tatsächlich Medizin studieren. Mit fünf Jahren hatte ich das beschlossen. Meiner Mama ging es damals sehr schlecht und ich hatte meinen (Stief-)Vater gefragt, wie ich ihr nur helfen könne. Das könne nur ein Arzt und der ist gerade unterwegs, hatte er mir erklärt. Ich weiß gar nicht mehr genau, was es war (meine Mama war immer stark und hat sich viel zu sehr zusammen genommen, also muss es eigentlich schon was "Schlimmeres" gewesen sein), aber es war die Geburtsstunde meines Wunsches, Ärztin zu werden.

    Na ja, es hat aus vielen Gründen nicht geklappt und ich habe lange damit gehadert. Vor allem in der Zeit, als meine Mama auf der ITS lag. Es mag arrogant und vermessen klingen, aber ich fragte mich oft, ob ich ihr hätte helfen können. Ich hatte panische Angst, die Ärzte würden nicht ihr Möglichstes tun. Wenn ich zu ihr kam, kontrollierte ich erst mal alles. Hatte sie blaue Flecken, die sie nicht haben dürfte? Welche neuen Medikamente hingen am Perfusor und warum? Ich hakte nach, genau wie du, liebe Sunflower. Das habe ich immer getan und meine Mama hat sich immer auf mich verlassen. Es war mir immer egal, ob die Ärzte oder das Pflegepersonal das störte oder nervte. Mich störte es auch, dass ich ihnen "vertrauen" musste, das Wichtigste in meinem Leben ihnen anvertrauen musste und mich hat schließlich auch niemand gefragt, wie es mir damit ging.


    Gestern vor 3 Monaten war der schlimmste Tag meines Lebens. Unfassbar. Drei Monate! Sie fühlen sich auf der einen Seite wie Jahrhunderte an und auf der anderen Seite wie drei Sekunden. Sämtliches Zeitgefühl ist verschwunden. Ich lebe im Vakuum. Es gibt Tage, da bin ich mir sicher: diesen Schmerz überlebst du nicht. Das kann niemand ertragen, niemand überleben, das ist zu viel und geht über meine Möglichkeiten. Dann kommen Tage, wo ich gar nichts fühle. Ich bin dumpf und, ich muss es wiederholen, wie im Vakuum. Ich stehe auf und irgendwann gehe ich ins Bett. Ich vermeide, in das Zimmer meiner Mama zu schauen. Wenn ich ihr Bild anschaue und merke, wie mein Herz bricht (wie oft kann das eigentlich brechen?!), schaue ich schnell weg. Es ist das Überlebensmanöver meiner Seele, zwischendurch radikal zu verbarrikadieren, wenn ich vor Schmerz nicht durchdrehen will.


    Und dann diese entsetzlichen Sachen, die man erledigen muss. Abos kündigen. Konto auflösen. Vieles kann ich erst jetzt machen und auch das nur Stück für Stück. Dieser Satz, dass meine Mama... nicht mehr da ist, das fällt mir so unsagbar schwer, zu schreiben. "verstorben", es brennt unter den Fingerkuppen, wenn ich diese Buchstaben im Bezug auf meine Mama schreiben muss. Als würde ich etwas endgültig besiegeln, was ich einfach nicht glauben kann.


    Ich habe eine einzige Kondolenzkarte erhalten, die ich wirklich... na ja... den Umständen entsprechend "schön" fand. Ich möchte es mit euch teilen:


    "Der Tod ist nichts. Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, ihr seid ihr. Das was ich für euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt. Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. Gebraucht nicht eine andere Redeweise, seid nicht feierlich oder traurig, lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. Betet, lacht, denkt an mich, betet für mich, damit mein Name ausgesprochen wird, so wie es immer war, ohne irgendeine besondere Betonung, ohne die Spur eines Schattens: das Leben bedeutet das, was es immer war. Der Faden ist nicht durchschnitten.

    Warum soll ich nicht mehr ihr eurel Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?

    Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges." (Charles Pierre Peguy)


    Das hätte meiner Mama gefallen. Und ich glaube daran, dass es stimmt. Ich will es glauben. Ich stelle mir vor, wie sie gerade jetzt neben mir steht und den Kopf schüttelt, dass ich so leide, dass ich sogar ein Trauerforum "besuche" und mit "Gleichgesinnten" spreche. Dass sie ihre Hand auf meine Schulter legt und sagt: Mein Engel, ich bin immer bei dir und das wird sich nie ändern. Dass sie eigentlich spürbar nah ist, nur eben nicht sichtbar, weil diese Seiten durch eine unsichtbare Wand voneinander getrennt werden.


    Aber soll ich was sagen? Es hilft nicht. Es hilft auch nicht, dass ich genau weiß, was sie wann sagen würde. Sie fehlt mir. Ich möchte es HÖREN, was sie sagt, ich möchte ihre Hand SPÜREN und ihre strahlenden Augen SEHEN, die mich anblicken. Ich möchte dieses Bild aus meinem Kopf verbannen, wie sie im Sarg unter der Erde liegt und dieses entsetzliche Verlangen verbannen, sie "da raus zu holen". Ich möchte dieses Bild nicht mehr sehen, wie sie auf dem Krankenbett lag. Lebendig. Und nur eine halbe Stunde später: tot. Ich möchte dieses Wort, "tot" , nicht mehr im gleichen Satz mit meiner Mama verwenden.

    Ich möchte aufwachen und weinend nach nebenan laufen. Mama, ich habe etwas ganz furchtbares geträumt. Und dann von ihr in den Arm genommen und getröstet werden.

    :33::33::33:

  • Ach meine liebe liebe Alika 😪😪😪,

    Du ahnst ja nicht, wie Du mir aus dem Herzen sprichst (schreibst), ich habe gerade das Gefühl, dass das von Dir Geschriebene von mir stammt...unglaublich, diese nahezu identischen Ereignisse, Gefühle, Gedanken...bei Dir sind es schon 3 Monate ohne Mama, bei mir 6,5...

    Ich bereue heute sehr, dass ich nicht Medizin studiert habe, in erster Linie aus den genannten Gründen und 2. weil ich den heutigen Umgang der Ärzte mit Schwerkranken unmöglich finde, wenn ich daran denke, dass ein Arzt zu meiner Mutter 1 Tag vor ihrem Ableben sagte, dass sie doch jetzt einmal langsam ans Sterben denken soll... es war der Chefarzt, er wunderte sich, dass meine Mama alle lebenserhaltenden Maßnahmen wünschte, so stand es auch in der Pat.-verfügung. Damit war der "Herr", so wie ich es heute und mit dem nötigen Abstand sehe, nicht einverstanden. Bei Krebskranken wird z.B. bei Nierenversagen auch keine Dialyse mehr gemacht!!! Aus meiner Sicht absurd, aber so wird es gehandhabt, man kann nichts dagegen tun. Genauso ist es bei Organtransplantationen. Ich war bereit, meiner Mutter einen großen Teil meiner Leber zu spenden, nachdem 1 Metastase dort gefunden wurde...abgelehnt.

    Vlt. hättest Du und auch ich etwas "tun" können, wie werden es niemals erfahren, und Du klingst weder arrogant noch vermessen.

    Nach allem, was ich im Zuge des Leidensweges meiner armen Mama miterleben musste, komme ich - genau wie Du - über Vieles, was mir jetzt erst richtig bewusst geworden ist (nach der Schockstarre) nicht hinweg, es lässt mich nicht los...

    Ich weiß nicht, wie oft ich schon nachts mit meinen PKW durch die Gegend gefahren bin, und dabei laut geschrien habe, weil der Schmerz einfach raus musste, das war das Einzige, was mir geholfen hat, wenn ich das Gefühl hatte, sonst vor Kummer zu ersticken. Auch Rachegefühle den Ärzten gegenüber schwingen mit hinein, weil sie nichts mehr versuchen wollten und auch nichts gemacht haben.

    Ich war über Wochen Tag und Nacht bei meiner Mama im Krankenhaus, bin nachts bis zu 7x mit ihr zum WC, die Schwestern hatten keine "Arbeit" mit ihr, eine von Ihnen hat mich sogar angebrüllt, als ich geweint habe, nachdem meine Mutter mir nachts um 02:00 Uhr mit Atemstillstand in meine Arme gefallen ist. Ich brüllte nur:"Mama atme, Mama atme, da begann sie wieder zu Atmen, 6 Stunden später ist sie in meinen Armen gestorben, das war 18 Stunden nach dem Eingriff, den sie garnicht hätten machen dürfen.


    Du siehst, liebe Alika, so viele Fehler, so viele Dinge, die wir nicht beeinflussen können, passieren einfach, Fehler, die niemals ans Tageslicht kommen und man kann nachher nichts beweisen und es wird immer schlimmer. Es hat nichts damit zu tun (wie jetzt womöglich Mancher denkt), dass wir für das Geschehene, das nicht Abwendbare einen Schuldigen suchen...nein...das ist es nicht.

    Wir haben nunmal unsere Liebsten, unsere Herzensmenschen verloren, das kann niemand mehr rückgängig machen und es verändert alles, auch die eigene Lebenseinstellung.

    Meine einzige Hoffnung ist, dass unsere Lieben um uns sind, in irgendeiner Form, dass sie über uns wachen, uns unterstützen, uns fühlen lassen, dass sie in uns weiterleben und dass sie uns im Himmel in Empfang nehmen, wenn unsere Zeit gekommen ist, daran klammere ich mich.

    Und ich spreche zu meiner Mama, begrüße sie morgens und wünsche ich eine gute Nacht, bevor ich ins Bett gehe...


    DIE LIEBE ZWISCHEN MUTTER UND TOCHTER IST FÜR IMMER.


    Liebe Alika, schreibe, wann immer Dir danach ist, ich bin da! (Und ganz viele andere, denen es ähnlich geht).

    Ich umarme Dich ganz fest und denke an Dich,

    Deine 🌻:24:

  • Hallo ihr Alle...


    Nun ist es vier Monate her. Vor vier Monaten ist meine Welt stehen geblieben und mein Herz gebrochen. Es fühlt sich an wie Jahrzehnte und gleichzeitig wie Millisekunden. Die Bilder gehen nicht aus dem Kopf.


    Ich versuche, mir zu sagen, dass ihr vieles erspart geblieben ist. Mit einer derartigen Herzmuskelschwäche weiterleben, hätte sie nicht gewollt. Wahrscheinlich hätte sie sich noch weniger "bewegen" können, vermutlich hätte sie das Bett endgültig nicht mehr verlassen können. Nein, das ist grausam. Und wenn dieser Sommer tatsächlich so schlimm werden soll, wie es manche Meteorologen voraussagen, denke ich auch: gut, Mama, dass du das nicht erleben musst, wo du ohnehin immer unter der Hitze gelitten hast. Sie hasste den Sommer, obwohl sie im Juli geboren war.


    Doch es hilft nicht wirklich. Es stellen sich dann die Fragen ein: warum musste es denn überhaupt so weit kommen? Warum musste dieser Herzinfarkt auch noch kommen? Warum musste sie überhaupt diese elendigen Schmerzen und unfähige Ärzte haben, die ihr nicht helfen konnten, sodass sie überwiegend auf das Bett bzw. den Rllstuhl angewiesen war?

    Warum haben manche ihre Eltern so lange und ich durfte meine Mama nur 28 Jahre bei mir haben?


    Ich erwische mich oft dabei, dass ich Dinge "abspeichere", um sie ihr später zu erzählen. Als wäre sie im Urlaub, als würde eines Tages jemand klingeln und sagen: Das war nur ein Test, wie viel du ertragen kannst, jetzt ist alles wieder gut! und ich kann sie endlich wieder in die Arme nehmen und ihr sagen, wie unendlich sehr ich sie liebe. Wie dankbar ich ihr für alles bin, für jede Minute, jede Sekunde mit ihr. Ich möchte ihr ihre Lieblingsblumen mitbringen und mich freuen, wie sehr sie sich über banale Kleinigkeiten erfreuen und begeistern kann. Ich möchte wieder mit ihr lachen und weinen, mit ihr kindisch gackern und todernst über das Leben sprechen. Ich möchte mit ihr unseren gemeinsamen Traum von Italien leben und mit ihr gemeinsam Tagträumen hinterherhängen.

    Ich möchte ihr sagen: ich könnte hunderte Menschen um mich haben und doch bist du es, der mir fehlt, du bist es, ohne den ich so entsetzlich einsam bin. Du bist meine zweite Hälfte und ohne dich bin ich nur ein halber Mensch. Und auch wenn ich genau weiß, was du wann sagen würdest, möchte ich es dennoch HÖREN. Von dir.


    Die Einsamkeit wird gerade zur Normalität und dennoch zur schmerzhaften Unfassbarkeit. Obwohl ich immer wusste, dass mir nie so viel Zeit mit meiner geliebten Mama vergönnt sein wird, wie ich es gerne hätte, bin ich von der Wucht dieses Schmerzes, dieser unerträglichen Endgültigkeit überrannt. Ein Teil in mir sagt: endlich brauchst du keine Angst mehr davor haben, vor diesem einen Tag, an dem dir das Wichtigste und Liebste genommen wird. Endlich brauchst du keine Angst mehr vor irgendwas haben, denn das Schlimmste, was dir passieren konnte, ist geschehen.

    Und dann brüllt der andere: und ich hätte noch tausend Ängste ausgestanden, wenn wir hätten zusammen bleiben können! Meine Angst, sie zu verlieren, war eine alternativlose Realität entsprechend meiner Liebe für sie. Wer hat denn bitte keine Angst, wenn er liebt? Wenn meine Katzen husten, kommt die Angst. Auch die Vernunft, es ist nur ein Husten, das ist mal ok, aber auch die Angst. Und wie könnte es denn nicht normal sein, dass meine größte Angst die war, das wichtigste in meinem Leben zu verlieren?


    Fühle ich mich jetzt befreit? Nein. Der Preis für diese Freiheit war zu hoch. Auch wenn ich weiß, dass sie nun keine Schmerzen mehr hat, bleibt doch der Schmerz, denn ich weiß auch, dass sie gerne gelebt hatte, vor allem mit mir.

    Trauer ist zum großen Teil eine Form von Egoismus. Ich hätte sie gerne wieder bei mir und in diesem Gefühl ist eine große Gleichgültigkeit gegenüber möglicher Schmerzen, zumal sie diese doch seit über zehn Jahren gewohnt war. Diesem Gefühl folgt dann meine Liebe zu ihr. Nein, sie hat so viel für mich ertragen, generell so viel ertragen, noch mehr Pein und Schmerzen hat sie nicht verdient. Unsere Liebe wird ewig sein, aber ihr Leiden hat ein Ende und das ist gut so.


    Und trotzdem laufen mir die Tränen, während ich das schreibe, und trotzdem zerreißt es mich. Wie heißt es doch? Das Schicksal ist ein mieser Verräter.