und plötzlich blieb die Welt stehen

  • Ich schloß die Bürotür und begann zu lesen.....


    Jeder Handriff an ihm wurde bis ins kleinste beschrieben.... gemessen, gewogen und es wurde ALLES untersucht. Schock

    Liebes Rienchen....

    Auch ich habe mich in mein Kämmerchen verzogen als der Obduktionsbericht ankam.....

    Wie du sagst....Alles wurde untersucht....

    Alles wurde beschrieben......

    Aber auch sehr respektvoll ausgedrückt.....


    Du warst sehr mutig und sehr stark dir alles anzusehen.... Ich ziehe meinen Hut vor dir!

  • Liebes Riechen,

    du musst sehr stark sein, um das alles durchzustehen.

    Herzinfarkt ist zwar auch irgendwie blöd, aber du hast wenigstens eine plausible Erklärung und weißt, dass dein Mann nicht lange leiden musste.

    Ich denke aber, egal was die Todesursache war, es macht für uns Zurückgebliebenen nichts einfacher.

    Fühle dich herzlich umarmt.

    Manuela

  • Du liebe liebe Rienchen :30::30::30::30: Du bist so unglaublich tapfer...

    Zu lesen, schwarz auf weiß... zu wissen, was geschehen ist... ist wichtig - auch wenn der Schmerz nicht weniger wird... Aber das Herz kann vielleicht anders damit umgehen wenn es "weiß"...

    Sei umarmt...:24:

  • Das war wirklich mutig und konsequent, was Du da gemacht hast. Sogar einen Rechtsanwalt bemüht.

    Und es ist gut, daß Du jetzt auch die letzten Meter und Minuten Deines Schatzes in Gedanken nachvollziehen kannst. Das bedeutet, daß ihr Euern Weg gemeinsam gegangen seit. Das war für ihn so und nun auch für Dich.

    Daß er nicht leiden musste, daß es so schnell ging finde ich beruhigend und trösten.

    Wenn man schon gehen muß, dann ist es für den Gehenden zwar plötzlich und unerwartet aber nicht sehr schmerzhaft. Um so weniger Schmerz der Gehende hat um so schwerer ist es für die Zurückbleibenden.

    Wenn ich vorher gefragt würde, was ich meinem Schatz Gutes tun könnte, dann wäre ich damit einverstanden. Wenn er es möglichst einfach hat auch wenn es für mich besonders schwer ist. Das würde ich für ihn in Kauf nehmen.

    Und ich denke, er bedankt sich dafür, daß es so gekommen ist. Wenn Frau es hätte beeinflußen können, dann wäre es genau so gelaufen. Für ihn weniger schwer..... Für die Liebe kann Frau viel ertragen. Hauptsache er hat nicht gelitten, oder wenig gelitten.

    Wenn es denn schon sein musste..... Daß er geht, dann so.

    Ich bin dankbar dafür, daß mein Ralf es recht schnell geschafft hat zu wechseln. So ähnlich hatte er es sich gewünscht. Sein Bruder war vom Sofa aufgestanden und tot umgefallen. Er hat nicht leiden müssen. So oder so ähnlich hat Ralf sich das auch gewünscht. Ganz so harmlos ist es für ihn nicht gelaufen..... aber es waren auch nur wenige Stunden auf der Kippe. Und letztendlich hat er bleiben wollen im Licht. Und das gönne ich ihm auch.

    Ich möchte es ihm zugestehen und mein Leben auch wieder ohne Leid leben. Aber das dauert noch. Aber ich leide für ihn. Weil ich ihn liebe.

    Ralfsheidemarie

  • Liebe Rinchen,


    Dieser Satz bringt überhaupt keinen etwas, so wie einige andere genauso wenig. Du hast vollkommen recht.


    Du hast mit dir zu kämpfen, wird schon wieder....


    Ja das kenn ich, mal mehr mal weniger, und mal tränenreicher, und mal aushaltbar.


    Den Arztbrief, den letzten, zu lesen, das ist ja auch etwas, das einem zum kämpfen gibt, ich hatte da auch lange damit zu tun. Alle Erwartungen, von, da hat jemand einen Fehler gemacht, sind dahin. Nein kein Fehler, er war nicht mehr zu retten. Aber ich hätte doch das und jenes anders machen können, dann wehre vielleicht das eine oder andere anders gekommen, das bleibt.


    Ich finde aus deinen Erzählungen heraus, hast du einen guten Weg, damit umzugehen, ja schon gefunden, und manchmal, da gehen wir halt ein wenig mit gesenkten Kopf, und etwas langsamer, aber doch weiter.


    Sei lieb umarmt

    Renate

  • Liebe Rienchen,


    ich kann dich so gut verstehen...und ich sehe es wie du...sie sind nicht böse, sondern denken nur nicht genauer darüber nach, was sie gerade gesagt haben.

    Sie können deinen Schmerz nur begrenzt nachvollziehen.

    Es ist überhaupt nicht gut, dass unsere Männer nicht mehr bei uns sind...


    Du musst deinen Schmerz nicht meistens mit dir austragen..

    schreibe hier...ich bin da...andere sind auch da...

    Ich drück dich und denk an dich :24:

    Wanderin

  • sie sind nicht böse, sondern denken nur nicht genauer darüber nach, was sie gerade gesagt haben.

    Ich glaube, es liegt eher daran, dass man sich die Situation ohne diese Erfahrung einfach nicht vorstellen kann. Die Situation ist ja auch für uns - oder zumindest für mich - nicht vorstellbar gewesen. Außerdem habe ich mich vor der Horrornachricht niemals ernsthaft damit auseinandergesetzt, wie es ohne meinen Partner weitergehen würde.... so kommen diese unpassenden Aussagen zustande: sie wissen es nicht besser.
    Manche können sich besser einfühlen als andere, deshalb gibt es auch vom Umfeld erstaunlich positive Aussagen, aber die meisten sagen einfach, was sie glauben, dass man in so einer Situation sagen soll.... sie wissen es nicht besser.

  • Ja, stimmt, man kann es sich einfach nicht vorstellen...und will es sich vielleicht auch nicht vorstellen..

    Ich ahnte schon vorher, dass es für mich schrecklich sein würde, ihn zu verlieren und verdrängte deshalb diese Gedanken immer gleich wieder....hatte viel lieber die Hoffnung...

    Die Wucht, mit der es mich umhaut, war tatsächlich für mich unvorstellbar.

    ich kann es nachvollziehen, dass manche einfach nicht so richtig wissen, wie sie sich uns gegenüber verhalten sollen.

  • Ganz genau....

    Ich schau meistens, dass ich schnell rauskomme aus der Situation, am liebsten ohne großes Aufsehen...


    jeder kommt einmal in so eine Situation, dann weiß er/sie eh, was für ein Schwachsinn die Sätze waren... ich bin nicht dazu da, die Welt zu verbessern, deshalb sag ich meistens nix oder eine im Voraus zurechtgelegte Antwort auf Standardsätze.... sie werden‘s schon merken eines Tages....

  • Liebe Rienchen,

    ich verstehe dich vollkommen.

    Wobei ich manchmal, ich gebe es zu, zu mir selbst sage, dass ich froh bin, dass mein Mann nicht gelitten hat, weil es einfach so schnell gegangen ist. Aber das mache ich dann mit mir selbst aus und wenn der Gedanke für mich in dem Augenblick hilfreich ist, dann ist es gut. Von allen anderen würde ich solche Aussagen als anmaßend empfinden.

    Ich schicke dir etwas Kraft.

    Liebe Grüße

    Monika

  • Mein Mann wollte in den letzten Tagen sterben und hat das auch so gesagt..es war kein Leben mehr für ihn, so dazuliegen..

    Es tat sehr weh, das so zu hören, aber ich konnte ihn so gut verstehen.

    Er wollte schon leben und bei mir sein, aber nicht in diesem Zustand.

    Wir haben öfter über den Tod gesprochen, er hatte keine Angst davor und sagte mir, dass er ein glückliches Leben gehabt hat..wir könnten uns nicht beschweren...

    Er ging, als unser Sohn und ich in seiner Nähe schliefen...

  • Das ist für mich nicht kitschig. Jede Erfahrung prägt uns. Und dass dieses „Ereignis“, diese Erfahrung zu deiner Aussage geführt hat, verstehe ich, kann ich gut nachempfinden.


    Ebenso wie deine Mutter wollte ich meinen Partner nicht gehen lassen. Ich tu mir schwer, seine Entscheidung zu akzeptieren. Wie weit ich die Situation getrieben hätte, ob ich so weit gegangen wäre, wie deine Mutter, vermag ich nicht zu beurteilen.

    Doch ich hadere mit der Entscheidung meines Partners, wünschte, er hätte mit mir gesprochen und er hätte mir erlaubt, den Kampf weiter zu führen. Wie weit? Wo ist die Grenze?


    Wenn ich dann lese, den geliebten Menschen gehen zu lassen, sei großherzig, sei barmherzig, fühle ich mich betroffen, denn daran fehlt es mir offensichtlich, wenn ich ihn nicht gehen lassen will.....

  • Wenn ich dann lese, den geliebten Menschen gehen zu lassen, sei großherzig, sei barmherzig, fühle ich mich betroffen, denn daran fehlt es mir offensichtlich, wenn ich ihn nicht gehen lassen will.....

    Liebe@Puzzle,

    ich war weder großherzig oder barmherzig.

    Ich war einfach nur machtlos.


    Fühl dich umarmt,

    Karin