Ich kann einfach nicht begreifen, dass mein Schatz nie mehr nach Hause kommt

  • Liebe Petra,


    zum Thema " Sachen wegräumen" ich habe letztens ein löcherpaar dicke Wintersocken von meinem Mann weggeworfen, nachts heulend wach geworden , Joggingsachen über Schlafanzug und dann nachts mit Taschenlampe über unserem Gemeinschaftmüllcontainer- heulend- gehangen

    und habe versucht den Müllbeutel mit den kaputten Socken wieder herauszufischen:33::33::33: vergeblich


    Bernie ( mit 60 nach 11 Monaten Therapie) ist vor 1 jahr 8 Monaten dem Krebes erlegen und es kommt mir vor wie vor 3 Tagen......


    Ich hatte, glaube ich bei Renate, den Tip eingestellt , den ich gelesen hatte,

    schöne , große Box bereitzustellen und wenn etwas beiseite getan werden muß,

    es ersteinmal in die Box zu verräumen, die verschließen und wegzustellen.


    Wegen unser Trauerdemenz vergessen wir häufig Sachen, ich auf alle Fälle,

    deswegen

    empfiehlt sich kleines Büchlein anzulegen zu der Box, was du da hinein räumst, oder auch weg tust, damit du dich nicht später quälst, wo ist das bloß geblieben ??????


    liebe Grüße

    Bettina

  • Liebe Petra,


    dass es dir vor der Beerdigung graut, das verstehe ich, jeder hier versteht das. Man möchte diesen Tag nicht und doch muss man

    ihn irgendwie überstehen.

    Für mich war es so, dass ich mich in den Tagen vor der Beerdigung (mein Mann hatte eine Erdbestattung, ich wollte ihn nicht

    kremieren lassen) mit aller Liebe die ich in mir hatte damit beschäftigt habe, die Trauerfeier für ihn so schön vorzubereiten, wie ich

    sie für meinen Schatz haben wollte. Ich wollte diesen letzten Tag mit meinem Schatz, so schön und würdevoll machen, wie es nur ging.


    In der Trauerhalle des Bestattungsinstituts wo die Trauerfeier stattgefunden hat, sind vorne wo der Sarg aufgebahrt wurde und in

    der Mitte der Stuhlreihen der Trauergäste, zwei große Monitore. Dort hat man mir erklärt, kann man während die Musik spielt,

    Bilder laufen lassen. Ich sollte so viele Bilder wie ich nur finden kann raussuchen, Bilder aus seinem Leben, auch inmitten von Familie

    und Freunden. Das habe ich getan.


    Ich habe den Lebenslauf, Lebensstationen, Wichtiges und Schönes aus dem Leben meines Mannes in Stichpunkten aufgeschrieben,

    weil ich genau diese Dinge in der Trauerrede erwähnt haben wollte. Ich habe die Traueranzeige alleine entworfen und 5 Lieder habe

    ich ausgewählt. Das alles hat mehrere Tage gedauert und bei allem habe ich fast durchweg nur geweint. Aber .... es war tiefe, ganz

    intensive Trauer, die ich in diesen ersten Tagen nach seinem Tod aber auch ganz genau so gebraucht habe. An diesen Tagen wollte ich

    alleine sein, alleine mit meinem Schmerz.


    Der Trauerredner war hier bei mir Zuhause und wir haben über 3 Stunden über meinen Mann gesprochen, er hat sich die von mir

    ausgesuchten Bilder und Lieder auf einen Stick gezogen. Er hat sich aus dem was ich von meinem Schatz erzählt habe, wo so viel

    gemerkt, in der Trauerrede hat er Dinge erzählt von denen ich nicht mal wusste, woher er das hat. Es war eine wunderbare Trauerrede.

    Und die Trauerfeier war wirklich genau so, wie ich sie mir für meinen Schatz gewünscht habe. Das mit den laufenden Bildern, immer wenn

    eines meiner ausgesuchten Lieder gespilet wurden, das war wunderschön. Es gab so viele Tränen, aber bei manchen Bildern sogar auch

    mal ein Lachen und das war gut so.


    Ich habe 5 Lieder ausgewählt.

    Willst du bei mir bleiben - von Max Raabe

    Sehnsucht - von WIRTZ

    So wie du warst - von Unheilig

    Ich würd dich gern besuchen - von Unheilig und als letztes Lied,

    Stark - von Unheilig


    Vielleicht hilft dir das Ein oder Andere als Tipp weiter. Ich weiß wie dankbar ich für Tipps war, weil der Kopf gerade in den ersten Tagen,

    ganz besonders blockiert ist.


    Eine herzliche Umarmung :30:, Kerstin


    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • Liebe Ralfsheidemarie,


    das hast Du wunderschön geschrieben.

    Ich denke auch, dass jeder selbst entscheidet, wann und ob er bestimmte Sachen seines geliebten Menschen wegschmeißt, aussortiert oder wegräumt.

    Ich werde es einfach nach meinem Bauchgefühl entscheiden. Und wenn ich es gar nicht kann, dann lasse ich es auch.

    Ich möchte mich nicht von anderen beeinflussen lassen, ich möchte es so machen, wie ich es für richtig halte.

    Natürlich erhält man immer wieder Ratschläge, wo ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Und denke: Sind die noch normal?


    Du hast vollkommen recht, wenn die anderen Menschen das, was wir hier gerade durchmachen, nicht selbst erlebt haben, dann können sie es überhaupt nicht nachempfinden.


    6 Monate ist Dein Schatz nicht mehr bei Dir. Einfach undenkbar, ich habe ihn vor einer Woche verloren und bin jetzt schon am Ende.


    Ich danke Dir für Deine hilfreichen Worte.


    Liebe Grüße

    Petra

  • Liebe Bettina,


    oh es tut mir so leid für Dich. Dein Verlust. Es ist einfach nur furchtbar.


    Dass hätte ich auch sein können, nachts wieder raus zur Mülltonne und das Weggeworfene wieder reinholen wollen.


    Aber die Idee mit der Box hört sich richtig gut an. Wenn man irgendwann Sachen wegräumt, sind sie nicht ganz weg sondern man kann sie immer wieder hervorholen, wenn man sie ansehen und fühlen möchte.


    Ich habe das T-Shirt, welches mein Mann als Nachtzug vor dem Krankenhaus hier zu Hause anhatte. Es riecht noch nach ihm. Ich stecke jeden Tag meine Nase dort hinein und weine bitterlich. Aber anscheinend brauche ich das.


    Trauerdemenz ist klasse ausgedrückt. So geht es mir auch seit er weg ist. Ich finde vieles nicht wieder und weiß nicht, wo ich was hingelegt habe.


    Ich danke Dir ganz herzlich.


    Liebe Grüße

    Petra

  • Liebe Petra,


    das mit der Trauerdemenz kenne ich auch. Vergesse ständig Sachen die ich machen wollte, verlege Dinge u. s. w.


    Wenn ich so die anderen Beiträge lese scheint das normal zu sein. Hoffentlich gibt sich das wieder.


    LG

    Scopas

  • Liebe Kerstin,


    ich danke Dir für eine Tipps. Ja auch ich beschäftige mich momentan ganz viel mit der Beisetzung. Ich fahren von Friedhof und Friedhof, um einen geeigneten Platz für ihn zu finden. Und auch ich bin fast nur am weinen.


    Du hast ja wirklich alles für eine wunderschöne Trauerfeier und einen würdevollen Abschied für Deinen Mann getan. Ich glaube, das hilft einem selbst auch, wenn man weiß, man hat sein allerbestes gegeben und es hätte ihm gefallen. Toll. Ich bewundere Dich auch dafür.


    Ich habe ein Lied im Internet gefunden: "Ich lass Dich frei" von Sotiria. Das höre ich mir abends manchmal an und weine und weine und weine.


    Ich merke auch, dass ich zwar froh bin, wenn ich Abwechslung mit Freunden habe, die sich lieb um mich kümmern. Aber nach 2-3 Stunden muss ich wieder nach Hause, allein sein, für mich sein, meinen Gedanken nachhängen können und weinen.


    Liebe Grüße und vielen Dank.

    Petra

  • Lieber Scopas,


    ja, das hoffe ich doch sehr, dass sich diese Trauerdemenz wieder gibt. Aber ich glaube schon. Man ist gedanklich mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, man ist in Gedanken bei seinem Schatz und Erinnerungen, ich denke, es ist normal, wenn man dann nicht auf alles konzentriert sein kann.


    Aber ich bin beruhigt, dass es Euch auch so geht.


    Liebe Grüße

    Petra

  • ich habe auch eine grosse Box, wo ich viele persönliche Sachen von meinem Schatz aufhebe. Sogar die Medikamentenbox, die er sich noch selbstgefüllt hat. Aber vieles liegt auch noch an dem Platz wo es immer lag, als mein Schatz noch bei mir war.

    An den Tag der Beerdigung kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, alles wie im Traum. Es wurde mir gesagt, das wahnsinnig viele Menschen anwesend waren, das die Trauerrede von seinem Arbeitskollegen wunderschön war, das es eine würdevolle Beerdigung war....

    Den Abend nach der Beerdigung hat meine Schwester mit einem feierlichem Besäufnis entwürdigt und zerstört...

  • Liebe Nasch,


    die Idee finde ich auch wirklich toll mit der Box, besser geht es doch gar nicht. Weil ich dann bestimmte Dinge nicht wegschmeiße sondern nur in die Box tue, wo ich sie immer wieder hervorholen kann.


    Vor der Beisetzung graut es mir. Aber da muss man wohl einfach das irgendwie durchstehen.


    Dass mit dem Abend nach der Beerdigung tut mir so leid für Dich. Dass muss furchtbar für Dich gewesen sein.


    Liebe Grüße

    Petra

  • ja liebe Petra, weder die Beerdigung noch den Abend werde ich je vergessen....ein respektloses Verhalten meinem Schatz gegenüber, sowie noch weitere Äusserungen in den folgenden Monaten. Mein Schatz wurde nur 48 Jahre. Im April hatte er seinen 50. Geburtstag. Es standen Blumen und Kerzen neben dem Grab zu seinem Geburtstag, diese hat mein Vater einfach entsorgt.

    Soviel zu meiner Familie.....Und 10 Monate später ist dann auch noch meine Mama gestorben. Nur mit ihr konnte ich über meine Trauer und meinen Schatz reden.

    Ich habe auch Alben angelegt von meinem Schatz und Mama, von den letzten schönen Erlebnissen bis zu ihren letzten Tagen und der Beerdigung.

    Liebe Grüsse

    Eva

  • Liebe Eva,


    dass ist ja furchtbar, wie geht man dann damit um? Verzeiht man es der Familie, geht das? In seinem eigenen größten Schmerz solche Respektlosigkeiten, dass ist unmöglich.

    Es ist furchtbar, dass Dein Schatz nur 48 Jahre alt wurde. Und das Deine Mama dann auch noch 10 Monate später gehen musste, ist so traurig.

    Wie gehst Du nur mit den Verlusten um? Es muss doch megaschwer sein, dass alles zu verkraften.


    Mein Micha ist jetzt mit 56 Jahren gegangen. Nächste Woche wäre er 57 Jahre alt geworden.


    Liebe Grüße

    Petra

  • ich danke euch... ich habe immer noch meine Trauergespräche alle 2 Wochen für 2 Stunden....In der Trauer ändert sich nicht viel bei mir, der Schmerz ist immer noch ganz heftig...ohne Ablenkung bin ich nur am Heulen...wir reden auch ganz viel über die familiären Probleme, über das Loslassen der Familie.....das tut auch sehr weh....aber nur mit Distanz wird es mir besser gehen, damit ich weiterhin an meiner Trauer arbeiten kann.

  • Liebe Petra,


    ich habe wochenlang das letzte ArbeitsT-Shirt getragen, daß mein Mann vor dem letzten Krankenhaustermin an hatte. Kurz gewaschen, TRockner, gleich wieder angezogen. In ganz schlimmen Nächten auf seiner Bettseite in Decken gehüllt geschlafen...:33:


    wenn du noch KLeidung hast, die nach deinen Mann duftet, :8:könntest du die , wenn es kleinere Stücke sind, wie T-shirts in Flugzeugbeutel tuen.

    Der Duft verfliegt sonst leider schnell und es gibt vielleicht später Phasen, wo die Erinnerung aussetzt, man ist dann überglücklich, wenn man etwas hat an dem der Duft noch anhaftet.- Habe ich leider nicht-


    Es können noch, müssen aber nicht :4:noch ganz merkwürdige Phasen kommen, deswegen jetzt aufbewahren, was nur geht:24::24:Sprachnachrichten- Handy?


    liebe GRüße

    Bettina

  • Liebe Eva,


    es tut mir auch alles sehr leid für Dich. Wie bist Du denn an diese Trauergespräche oder Trauerbegleiter gekommen?

    Wir haben hier bei uns ein Trauercafé, wo ich am überlegen bin, ob ich da mal hingehe.

  • man könnte auch sein Deo oder sein Parfüm auf Kleidung oder Bettzeugs sprühen....

    Whatsapp-Nachrichten hab ich unendlich viele....alle schon zigmal gelesen....Es kommt keine neue Nachrichten mehr und keine neuen Fotos...und und und....finitooo

  • Liebe Bettina,


    das mit dem Beutel ist eine gute Idee, damit der Duft von ihm erhalten bleibt. Vielen Dank dafür.


    Ich werde aufbewahren, was geht. Und leider leider habe ich keine Sprachnachrichten von ihm, auch nicht auf dem Handy, weil wir immer viel telefoniert haben, wenn ich auf der Arbeit war. Und seine Stimme fehlt mir so unendlich...


    Lieben Dank für Deine Hilfe.


    Liebe Grüße

    Petra

  • Liebe Eva,

    ja das ist auch eine tolle Idee, sein Deo oder Parfüm, da bin ich auch noch nicht drauf gekommen. Danke!


    Leider habe ich keine Sprachnachrichten von ihm, dass wäre jetzt wirklich so schön, seine Stimme noch einmal hören zu können. Sie fehlt mir so. Alles fehlt mir so.

  • wir haben früher ganz viele Videos gemacht, von unserem Hochzeitstag, Urlaube, der 18. Geburtstag von unserer Tochter usw....

    Im Moment kann ich nichts anschaun, keine Fotos, Filme, Alben, tut alles so weh.....