Plötzlich Witwe mit 57

  • Danke, liebe Susanne. Dieses "nie wieder", das quält uns alle hier so sehr. Und auch dass man sich gar nicht verabschieden konnte, das fand und finde ich immer noch schlimm. Ich habe es trotzdem versucht, ihm nach seinem Tod noch manche Dinge zu sagen, in der Hoffnung dass er das irgendwie mitbekommt, aber eine Gewissheit habe ich natürlich nicht.

    Ich wünsche dir viel Kraft und gib bitte die Hoffnung nicht auf, dass die ganz dunklen Stunden auch irgendwann vorbeigehen werden. Die Trauer wird bleiben, aber sie wird sich verändern, wird milder werden und auch wieder Raum geben für Schönes, das sagen viele hier, die schon länger dabei sind. Und auch ich glaube fest daran. Alles Liebe!

  • Liebe Sabine,

    auch ich hoffe meine Trauer verändert sich und ich kann mit ihr ein Leben führen das es sich zu leben lohnt. Der Weg dahin ist weit. Aber die Tatsache sich hier angemeldet zu haben sagt mir : Wir alle wollen dieses Ziel erreichen

  • Ihr Lieben,

    geht es euch eigentlich auch so, dass ihr euch mit euren eigenen Beiträgen hier mitunter selbst Mut macht? Wenn es mir wirklich schlecht geht, schreibe ich hier nämlich nichts, dann ist mir die Anstrengung des Formulierens, des Findens der richtigen Worte schon zuviel (meistens ist dann bei mir ja auch eine Migräne mit im Spiel). Aber ich lese dann trotzdem weiter mit, fühle mich irgendwie gut aufgehoben in der Gemeinschaft all derer, die es auch gerade so schwer haben. Und manchmal lande ich bei meiner Suche nach etwas Mutmachendem dann bei meinen eigenen früheren Beiträgen und erinnere mich wieder daran, dass ich auch schon bessere Phasen hatte und vermutlich auch wieder haben werde. Die mutmachenden Beiträge von euch, die es ja auch gibt, finde ich dann meistens nicht wieder, dafür ist dieses Forum dann doch zu groß und unübersichtlich. Ich habe in meinem Leben nie Tagebuch geführt, in den letzten Jahren nur sporadisch mal Dinge festgehalten, die mir wichtig waren, meistens Erkenntnisse und Einsichten nach der Lektüre von manchen Büchern oder nach intensivem Durchdenken von irgendetwas. Ich ahne jetzt aber, dass die hier in diesem Forum aufbewahrte Dokumentation unseres Trauerwegs mit allen dazugehörenden Gefühlen und Gedanken und dem Austausch darüber uns später noch mal wichtig werden könnte.


    DANKE dass es dieses Forum gibt und ihr alle ein Teil davon seid!

  • Liebe Sabiene,

    bei mir ist es genau anders rum.Ich schreibe wenn es mir gar nicht gut geht.

    Wenn ich ganz unten bin ,laufen gleichzeitig die Tränen in Bächen runter und ich kann mir

    alles von der Seele schreiben.Für den Moment hilft mir das.

    Auch ich bin froh das Forum gefunden zu haben.

    Lg,Gaby

  • Gedanken von heute Abend


    Immer wieder diese Kraftanstrengung.

    Tage und Nächte bewältigen, möglichst ohne Schmerzmittel, ohne Beruhigungsmedikamente.

    Der Verzweiflung widerstehen, die einen wie ein Sog in die Tiefe ziehen will.

    Die Ängste wahlweise akzeptieren oder mit klugen Gedanken zu entkräften versuchen, sie bleiben doch.

    Die kleine Flamme der Hoffnung auf ein besseres Leben bewahren, dass sie nicht erlischt.

    Und wofür das alles?

    Für die Familie, die Kinder, den verstorbenen Liebsten, dass sie sich keine Sorgen um einen machen?

    Damit am Ende irgendjemand, man selber womöglich, sagt, ja, du hast es okay gemacht, hast dich nicht unterkriegen lassen, hast deine Aufgabe bewältigt, jetzt kann die nächste kommen...

    Ist es das? Und will ich das? Und wenn nicht, gibt es eine Alternative?

  • Liebe Sabine,

    nicht für andere sondern für dich solltest du leben wollen.

    Es ist mein Glaube daran, dass meine Zeit hier noch weitergeht. Mir um die Zukunft Gedanken machen ist mir zu weit weg. Tag für Tag ist meine Zähleinheit.

    Wie du so treffend schreibst versuche auch ich die kleine Flamme der Hoffnung am brennen zu halten.

  • Liebe Pia, liebe Steffi,

    danke für euer Verständnis.

    Heute war ich im Erntedank-Gottesdienst. Ich dachte, ich muss mal wieder unter Menschen. Hab aber leider gemerkt, wie wenig ich im Moment aushalten kann. Die vielen KiTa-Kinder, die Unruhe, die laute Orgelmusik, alles war mir zuviel. Zum Glück hat sich hinterher noch ein schönes Gespräch mit einer langjährigen lieben Bekannten ergeben. Unser Weg zurück ins Leben ist so schwierig ... immer nur alleine ist nicht gut und unter Menschen hält man es auch nicht lange aus...

    Liebe Steffi, tolle Geschichte, das mit deiner Heizung. Glückwunsch! Mein Problem sind gerade bei einem Depotübertrag mysteriöserweise verschwundene Wertpapiere. Ob es da auch youtube Videos gibt? Und das wo ich gerade erst angefangen hatte, mich mit Banken und Finanzen überhaupt zu beschäftigen. Das hatte ich früher - leider - alles meinem Mann überlassen. Naja, so wie mit deiner Heizung!

    Liebe Grüße

    Sabiene

  • Ihr Lieben,

    ich habe hier schon manchmal darüber geschrieben dass mir meine Erfahrungen in bezug auf körperliche Schmerzen und Krankheit auch jetzt in meiner Trauer hilfreich sind. Unter anderem hatte ich gelernt, das Bewusstsein nicht immer nur auf den Schmerz zu fokussieren, weil dieser sich durch die auf ihn gerichtete Aufmerksamkeit nur verstärkt. Statt dessen sollte man versuchen, auch positive Aspekte der Situation, kleine Freuden, angenehme Empfindungen etc. bewusst wahrzunehmen und Dankbarkeit dafür zu kultivieren. Soweit sicher richtig und sinnvoll, und in gewisser Hinsicht wohl auch übertragbar auf die Trauersituation, aber vielleicht doch nur die eine Seite der Wahrheit? Jetzt in der Trauer höre ich nämlich eher den Rat, den aufkommenden Schmerz auch zu fühlen, sich ihm hinzugeben, weil der Weg nur durch den Schmerz hindurch führt und nicht an ihm vorbei. Auch das klingt für mich einleuchtend.

    Wie also mit diesem Widerspruch umgehen? Wenn ich heute versuche, Phasen intensiver Traurigkeit zuzulassen, dann sehe ich häufig, wie die Gründe dafür zusammenspielen, sich nicht wirklich trennen lassen. Ich bin traurig, weil mein Leben um so vieles ärmer geworden ist, weil ich mittlerweile auf so vieles verzichten muss, weil mein Leben sich immer mehr reduziert, weil mir die Leichtigkeit und Unbeschwertheit verloren gegangen sind. Ich versuche also, dieser Traurigkeit mehr Raum zu geben, anstatt mich sofort auf positive Aspekte meines Lebens zu konzentrieren. Andererseits kenne ich durchaus die Gefahr, sich dem Schmerz zu sehr hinzugeben und dann in Selbstmitleid wie in einem Strudel zu versinken, und ich weiß âus eigener leidvoller Erfahrung, dass das eigentlich nur alles schlimmer macht. Wie findet man da den richtigen Weg? So, wie man auch sonst im Leben "die Spur hält", durch Suchen, Ausprobieren und immer wieder Gegensteuern und Korrigieren?

    Eure Gedanken hierzu würden mich interessieren.

  • Liebe Sabine,

    Krankheit und die daraus resultierenden Schmerzen sind mit Trauer und die damit verbundenen Schmerzen nicht zu vergleichen.

    Bei Krankeiten gibt es Therapien, definierte Verläufe und Prognosen.

    Trauer ist für jeden anders. Es gibt keinen Therapieplan den man abarbeiten könnte. Es ist nicht DIE Lösung in Sicht. Prognosen über Dauer sind nicht zu machen.


    Den Blick aufs Positive lenken, zu sehen was man schon geschaft hat und dabei zu denken mein Schatz wäre stolz auf mich. Ja an manchen Tage schaff ich das.

    Aber dann kommt der eine Tag an dem ich denk. Ich schei.... drauf wer alles stolz auf mich ist. Das hilft mir nicht. Ich bin einsam und sehne mich nach meinem Mann. Die Trauer überrollt mich. Einfach nur weinen-- um unsere Liebe, unsere Pläne, unsere Wünsche. Wir waren ein Paar, ein Team. Von jetzt auf gleich alles vorbei. Egal was ich auch positives schaffe es bringt mir mein Leben nicht zurück.


    Meine Hoffnung ist einmal da anzukommen wo ich sagen kann ich will und kann so leben. Mein weg dorthin besteht aus schauen was mir hilft und wer mir gut tut.

    Ein gesunder Egoismus. Achtsamkeit sich selber gegenüber. Nicht jedem meine wahren Gefühle zeigen.

  • Liebe Sabiene,

    du fragst nach unseren Gedanken....tja, die sind sehr wechselhaft. Auch ich empfinde mein Leben ärmer, trauriger und einsamer und ständig suche ich nach Wegen wie der ständige Druck, der Schmerz auf der Brust weniger wird. Meine Therapeutin sagte gestern, dass ich die Trauer annehmen und die Schmerzen akzeptieren soll. Trauer dauert einfach seine Zeit und ist schmerzvoll. Wenn man sie verdrängt, wird sie länger dauern. In der Zwischenzeit soll ich meinen Tag strukturieren, mir gutes tun und achtsam mit mir umgehen. Das tägliche etwas Tun macht es leichter als zu grübeln und in seinem Schmerz versinken. Aber das sagt sich so leicht... am meisten fehlt mir die Zweisamkeit, Geborgenheit und Nähe zu meinem vertrauten Partner. Doch es ist müßig zu beklagen was fehlt, ich hoffe, dass durch das Leben der neuen Struktur des Alltags sich die irgendwie als Gewohnheit festsetzt und es leichter wird. Aber das sind Hoffnungen. Ob das funktioniert, muss ich ausprobieren.... da ich nicht mehr berufstätig bin, kann die Woche schon sehr lang werden.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag. LG Martina

  • Liebe Sonnenblume,

    Ich arbeite auch nicht mehr. Habe Zeit mich dem Kummer hin zu geben.

    Seit dem 23.11.2020 überlebe ich jeden Tag. Bis neulich unterwegs.

    Seitdem ich mit meinem Wohnmobil fast 3 Wochen unterwegs war und mich zurecht finden mußte mit unterschiedlichsten Situationen geht es mir sehr viel besser.

    Es ist nicht ganz ein Jahr um seitdem mein Schatz Ralf so plötzlich und für mich unerwartet diese irdische Welt verlassen hat.

    Zuerst hat sich mein Denken und Glauben verändert. Denn ich habe 5 Nächte lang nach seinem Tod das Gefühl gehabt er sendet mir Botschaften.

    Dadurch hat sich meine aauffassung geändert, daß nach dem Tod nichts mehr kommt.

    Ich war recht früh nach seinem Tod bei einem Medium und habe über diese Frau etwas von ihm gehört.

    Ich habe sehr viel erfahren über das Trauern und die Veränderungen im Körper und der Seele.

    Ich habe so viel und so unterschiedlich geweint wie ich es nie für möglich hielt.

    Ich habe den unsagbaren Stress gefühlt, den Trauern in uns auslösen kann.

    Ich habe ihn so sehr geliebt. Ich habe ihn so sehr vermisst und ich habe unsagbare Sehnsucht nach ihm gehabt.

    Ich war zu nichts mehr in der Lage. Jede Kleinigkeit war ein riesiges Unterfangen. Ich habe nach Auswegen gesucht, nach Möglichkeiten das Trauern zu überleben.

    Ich habe Fantasiereisen gemacht und ihn, meinen Schatz getroffen.

    Ich habe Einschlaf und Trauermeditationen gehört. Ich habe Trauer Bücher gelesen.

    Das Thema Trauern, seine körperlichen und seelischen Bedingungen...... nichts anderes hat mich mehr interessiert. Nur das.

    Viele Stunden am Tag war ich im Trauerforum. Das war mein einziger Lebensinhalt.

    Ich habe mich vernachlässigt, nicht mehr geduscht, kaum noch mit den Hunden raus gegangen, Post nicht geöffnet, nicht mehr aufgeräumt oder oder oder.....

    Da ich Ergotherapeutin bin und auch mit eigenen Therapien Erfahrungen habe habe ich auf fremde Hilfe verzichtet. Nicht weil ich es nicht gewollt habe sondern weil ich nicht wußte wie dran kommen. Corona hat ihren Teil dazu bei getragen.

    Und nun. Nach all diesen Geschehnissen, Übungen, Gedanken und Überlegungen kann ich frei und erlöst in die Zukunft blicken.

    Wahrscheinlich wird auch die Traurigkeit wieder zu spüren sein, oder das Vermissen und die Sehnsucht.

    Aber im Moment fühle ich Dankbarkeit und Zufriedenheit dafür, daß ich Dich 6 Jahre haben durfte. Und Dich weiterhin in meinem Herzen bei mir tragen darf.

    Ralfsheidemarie

  • Danke für eure Antworten, liebe Steffi, Martina und RalfsHeidemarie. Vieles von dem, was ihr schreibt, kann ich gut nachvollziehen. Ich fasse mal zusammen:

    Den Blick aufs Positive lenken, wenn und solange man das schafft, und dann auch immer wieder von der Trauer sich überrollen lassen.

    Den Schmerz akzeptieren, aber nicht in ihm versinken, den Tag strukturieren, sich Gutes tun, nicht grübeln.

    Sich intensiv mit der Trauer befassen, kognitiv und emotional, lesend, schreibend, meditierend. Und offen sein für Veränderung, die kommt, wenn die Zeit dafür reif ist, nicht wenn ich es will.

    Klingt alles einleuchtend, wenn auch nicht gerade einfach...

    Über den Zusammenhang bzw. die Vergleichbarkeit von körperlichem und seelischem Schmerz denke ich weiter nach, ich sehe da nämlich nach wie vor Parallelen. Auch Hirnforscher konnten ja schon zeigen, dass in beiden Fällen offenbar die gleichen Gehirnareale beteiligt sind.

  • Liebe Sabiene, RalfsHeidemarie, Steffi

    ja, wenn ich deine Zusammenfassung lese hört es sich ganz einfach wie ein roter Leitfaden an, aber das ist es natürlich nicht. Es klappt auch nicht oft nur manchmal ein bisschen...:13:Ich versuche die Tage herumzubekommen und sie mit Aktivitäten zu füllen. Ich glaube, dass ich noch keinen Tag alleine war seit mein Liebster gegangen ist. Irgendwie organisiere ich immer Termine, Besuche oder ähnliches in die Tage. Wenn ich das so schreibe, sehe ich, dass ich das Leid immer noch nicht ganz zulasse. Es schmerzt so...

    Ich bin beeindruckt von RalfsHeidemarie und ihrer Energie soviel auszuprobieren und freue mich von Herzen, dass es ihr besser geht. Aber gleichzeitig wie sie schreibt, ging es ihr sehr schlecht und sie hatte lange Zeit kaum die Kraft aufzustehen.

    Vielleicht muss es mir noch schlechter gehen, damit es wieder aufwärts gehen kann. Verrückt? aber vielleicht wahr? Ich weiß es einfach nicht... Was meint ihr?? Muss man erst an einem Tiefpunkt sein, um wieder ins neue andere Leben zurück zu kommen?

    Ich empfinde mich als Suchende, die liest, redet, das Forum als ständigen Begleiter hat, aber eigentlich nicht zur Ruhe kommt. Die Trauer ist immer in meinem Kopf und mittlerweile erlebe ich mich schon zwiegespalten beim Zusammensein mit anderen. Ich kann doch nicht nur über meine Trauer reden, aber erlebe nicht viel anderes, um die üblichen Alltagsgespräche zu führen. Die Distanz von mir zu Freunden, Bekannten wird von meiner Seite größer, obwohl ich sie dringend brauche, um nicht noch mehr alleine zu sein. Nach Hartmuts Tod habe ich soviel Zuspruch bekommen, dass man immer zu mir hält. Aber mittlerweile klingelt das Telefon seltener.... ihr seht beim Lesen das Durcheinander in meinem Kopf und meine Ratlosigkeit wie es weiter gehen kann. Die Ratschläge meiner Therapeutin, ich solle meine Trauer annehmen, es sei doch noch frisch ( 10 Monate empfinde ich als Ewigkeit) helfen nur bedingt. Zu Anfang war ich hoffnungsvoller, weil ich mir von der Trauergruppe, Therapeutin etc versprochen habe, dass es mir danach wieder gut geht. Aber mir wird langsam klar, dass alle nur Ratschläge geben können und irgendwas in mir passieren muss, um aus dem Loch herauszufinden. Aber was und wann?


    Liebe Sabiene, ich hoffe, dass es okay war, dein Wohnzimmer zu füllen mit meine Gedanken. Sie flossen einfach so und ich weiß gar nicht, ob ihr sie unter Sonnenblumen finden würdet.


    Ganz liebe Grüße und ich lese sehr gerne deine Beiträge. Sie bringen mich zum Nachdenken. Martina

  • Liebe Martina,

    Das siehst du richtig- es können hilfreiche Impulse von außen kommen, die etwas in dir verändern. Aber passieren tut es immer

    im inneren von uns. Und dann ist es auch nachhaltiger.


    Ich denke nicht, dass man immer ganz unten ankommen muss, damit sich etwas verbessert. Ich glaub wir können das auch nicht so linear sehen. Was für den einen schon ganz furchtbar ist, ist für den anderen vielleicht noch nicht so schlimm.

    Tatsache ist- es braucht auf jeden Fall Zeit. 10 Monate fühlen sich wie eine Ewigkeit an, sind es aber in der Trauer oft nicht.

    Die Trauer annehmen klingt vielleicht wirklich seltsam, weil sie ja ohnehin immer da ist. Vielleicht hilft dir der Gedanke "Trauer ausleben"- Wege zu finden deiner Trauer Ausdruck zu geben..?!


    Liebe Grüße <3

  • Liebe Martina,

    ja, ja, ja, ganz vieles von dem was du schreibst kann ich so gut nachempfinden! Auch mir geht es so, dass es mir schwer fällt, zur Ruhe zu kommen. Kein Wunder dass ich dauernd Migräne habe... Das Forum als ständiger Begleiter, ja, immer noch sehr verhaftet in der Welt der Verstorbenen und der Trauernden, immer noch Gedanken- und Gefühlswirrwarr im Kopf, Schwierigkeiten damit, an der normalen Alltagswelt teilzunehmen. Nur allein, das bin ich - schon migränebedingt - häufig, Verabredungen traue ich mich ja kaum einzugehen und wenn dann muss ich sie häufig wieder absagen. Aber das Alleinsein ist keine Wohltat mehr, so wie ich das früher oft empfunden habe, sondern meistens nur die schmerzliche Erinnerung daran, dass das Leben jetzt weitgehend ohne mich stattfindet. Ja, und auch bei mir meldet sich kaum noch jemand. Einige warten darauf, dass ich mich melde, das schon, aber dafür müsste es mir erst besser gehen.

    Ob ich das Leid genug zulasse, das frage ich mich auch mitunter. Meistens schiebe ich solche Gedanken aber schnell wieder weg, im Grunde vertraue ich doch meiner Psyche, dass sie es für mich auf das erträgliche Maß dosiert. Meiner Intuition mehr zu vertrauen, was für mich gut ist und was nicht, das immerhin habe ich in den letzten Jahren gelernt.

    Dass es den einen Tiefpunkt im Leben gibt, von dem aus es nur wieder besser werden kann, glaube ich eher nicht. Das ganze Leben ebenso wie die Trauer ist ja eine ständige Wellenbewegung, geprägt von Höhen und Tiefen, die aber nicht regelmäßig und schon gar nicht vorhersagbar sind. Dass unser Glücklich- oder Unglücklichsein zu einem großen Teil nicht von unseren Lebensumständen, sondern von unserer Einstellung dazu abhängt, davon bin ich eigentlich immer noch überzeugt, aber mitunter kostet es schon sehr viel Kraft, sich von den Umständen nicht überwältigen zu lassen!

    Ich war ja glücklicherweise schon ziemlich schnell an einem Punkt, an dem ich den zu frühen Tod meines Mannes und mein Übrigbleiben in dieser Welt akzeptieren und als Herausforderung, als Lernaufgabe für mich ansehen konnte. Aber dass ich seitdem irgendwie weitergekommen wäre, das sehe ich im Moment auch noch nicht. Es braucht wohl Geduld, auch so eine Lernaufgabe, die meisten Menschen haben ja ein Problem damit.

    Ich grüße dich ganz herzlich

    Sabiene