Lieber Dieter. Ich möchte etwas sagen. Ich habe in letzter Zeit gespürt, dass es mich nicht mehr zum Schreiben hier im Forum hinzieht, wie es in der Vergangenheit war. Ich habe mir durchgelesen, was ich alles mal geschrieben habe. Ich würde mich wiederholen und das will ich nicht. Es gibt nicht für alles im Leben die passenden Worte. Da reicht eine Sprache nicht aus. Was in unserem Leben immer bleibt, ist die Erinnerung und sind die damit verbundenen Gefühle. Ich brauche nicht mehr lange Erklärungen ,was mich mit meinem Sohn verbunden hat. Es ist fest in mir verankert.Er ist ein kostbares Geschenk, daß nicht jeder Mensch bekommt und deine Ursel ist deine große Liebe. Daran wird sich in unserem Leben nichts mehr ändern. Was andere sagen hat keinerlei Wert."Worte können stören,wo sie nicht hingehören " heißt es in einem Lied. Schweigen ist oft mehr. Liebe Grüße von Christine.
Meine Ursel ist gegangen
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Lieber Dieter,
die Trauerspezialisten sprechen bereits seit längerem von continuing bonds, also von weitergehenden Beziehungen. Man hat mittlerweile verstanden, dass der Trauerprozess nicht dazu dient, mit jemandem oder etwas abzuschließen, sondern die gelebte Beziehung auf anderer Ebene und andere Weise fortzuführen. Also z. B. in lebendigen Erinnerungen und wohltuenden Ritualen. Du brauchst nichts abzuschließen, Du darfst Dich gerne an Deine Ursel erinnern.Solche Aussagen kommen immer von denjenigen, die keine eigene Verlusterfahrung haben und irrigerweise annehmen, man müsse „darüber wegkommen“ und oder „abschließen“. Leider ist sich gut gemeint nicht immer gut gemacht. Ich nehme solche Aussagen weder persönlich noch übel sondern verbuche sie einfach als ungeschickte Aussage. Nicht Betroffene können unseren Verlust und was es mit uns macht nicht erahnen. Sie haben Angst, mit dem Thema Trauer konfrontiert zu werden, wissen nicht, wie sie mit Dir umgehen sollen, wollen, dass es Dir (und auch ihnen) wieder besser geht. Klar, will man, dass es nahestehenden Menschen wieder etwas besser geht aber das lässt sich nicht durch „abschließen“ erreichen findet nur dadurch, dass man den Verlust ins Leben integriert.
Lasse Dich nicht beirren. Du gehst Deinen Weg und das darfst Du auch….
Lg Cathrin -
Liebe Elster, Christine und Cathrin,
Ursel ist deine große Liebe. Daran wird sich in unserem Leben nichts mehr ändern. Was andere sagen hat keinerlei Wert.
Ja, liebe Christine, so ist es und daran wird sichauch nichts ändern.
Nicht Betroffene können unseren Verlust und was es mit uns macht nicht erahnen. Sie haben Angst, mit dem Thema Trauer konfrontiert zu werden, wissen nicht, wie sie mit Dir umgehen sollen, wollen, dass es Dir (und auch ihnen) wieder besser geht.
Liebe Cathrin, das kann ich nachvollziehen. Ich hatte in meinem Leben noch nicht viel Kontakte zu Trauernden und ich kann mir vorstellen dass ich dann auch nicht viel wirklich tröstendes beigetragen habe. Das muss ich gestehen, den Tod hab' ich meistens verdrängt.
Alledings gehört zur Wahrheit, dass es eine Zeit, die individuell verschieden lang ist, dauert, bis man selbst verstanden hat, dass man nicht traurig sein muss, während man trauert.
Daran, liebe Elster, muss ich noch arbeiten. Manchmal gelingt mir das schon ein bisschen.
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Daran, liebe Elster, muss ich noch arbeiten. Manchmal gelingt mir das schon ein bisschen.
Es geht ja um das müssen. Wir dürfen immer. Es hat bei mir schon lang gedauert, bis ich mich getraut habe, mal nicht traurig zu sein.
Alles zu seiner Zeit. Deine Trauer ist ja noch so neu, sie lernt gerade erst zu stehen.
Ich hab gestern eine Reportage auf NHK Japan über das Windphone gesehen. Es hat ein Japaner erstmals für sich aufgestellt und die Idee bekam Flügel und nun gibt es sie überall auf der Welt. Auch in Deutschland. Es ist im Original eine Telefonzelle mit einem Wählscheibentelefon (das sind die meisten). Es ist nicht angeschlossen und die Idee dabei ist, dass man mit den Vorangegangenen spricht und der Wind trägt die Botschaft zu ihnen. Ich finde das so so so schön! Da war ein Mädchen, die ihren Papa Jahre zuvor in einem Tsunami verlor und noch nie über ihn hatte sprechen oder weinen können. Das Telefonat sprengte dann diesen Trauerpanzer und die Tränen flossen.
Es gibt so viele Wege mit Trauer zu leben. Manche Menschen gehen diesen Weg mit uns, und manche nicht. Das ist einfach so. Manches lehrt einen erst die Erfahrung. -
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echt super schön