Mein Mann ist mit dem Flugzeug abgestürzt, seitdem ist alles anders.

  • Vielen Dank ihr Lieben, für mich sind es momentan sehr schwere Tage, es sind jetzt fast 11 Monate, seit mein Mann gestorben ist und ich habe Mühe die Hoffnung aurecht zu erhalten, dass mein Leben irgendwann wieder einmal lebenswert wird, denn im Moment ist es nur eine einzige Qual, aber wem sage ich das, ihr wisst ja darüber bestens Bescheid!


    Ein kleines Licht in diesem Dunkel ist ein Bericht, den gestern jemand in einer Trauergruppe auf Facebook gepostet hat, es hat für mich die Hoffnung geschürt, dass es vielleicht doch nicht für immer so schmerzhaft bleibt:

    https://www.medmix.at/zeit-lin…N0I276LQ-CEfkf0ohoxqpc8ac


    Und dieser sehr schwierige Tag gestern hat mir auch wieder neue Erkenntnisse gebracht, ich schreibe hier wieder den Text, den ich soeben auf Facebook veröffentlicht habe, denn diese Erkenntnis ist so wichtig für mich und vielleicht wirft sie auch auf euer Erleben ein neues Licht:


  • Liebe Gabi,

    diese Studie kenne ich und ich muss sagen, dass die Erkenntnisse daraus nicht neu sind,

    aber sie verdeutlichen eben auch wieder, dass wir Geduld haben müssen und dass unser Trauerzustand normal ist und wir ihn akzeptieren müssen. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass wir unwiederbringlich allein sind. Das war auch für mich sehr ernüchternd, als ich das endlich realisiert hatte. Man wird alt und ist allein, zumindest im hiesigen Leben. Aber wie du schreibst, haben wir eine Lebensaufgabe zu erfüllen. Dabei werden wir unterstützt von unseren Lieben und das gibt uns Trost und Kraft zum Weitermachen.

    Ich wünsche dir einen erträglichen Tag und ein möglichst angenehmes Wochenende.

    LG Petra

  • Liebe Gabi,

    das Alleine leben - die fehlende Struktur...

    Mir ist ein Gedanke gekommen. Wie immer nur ein Gedanke und nur eine Idee.


    Wie wäre es mit einer Wohngemeinschaft? Vielleicht mit jemandem, mit dem du dich gut verstehst?

    Oder jemandem, dem du einen schönen Ort zum Leben geben möchtest?


    Diesen Gedanken wollte ich mit dir teilen. Bin gespannt, wie er bei dir ankommt.

    Lg. Astrid.

  • Liebe Astrid,


    es wäre schön, wenn es so jemanden geben würde, gibt es nur leider nicht.

    Und jemand völlig Fremdes in die Wohnung zu holen, dass wäre mir zu riskant, falls ich das überhaupt in Betracht ziehen würde, was ich definitiv nicht tue!


    Außerdem kann man eine lebenslang gewachsene Struktur nicht einfach mit Irgendetwas ersetzen, ich kann ja auch nicht meinen Mann mit irgendeinem anderen Mann einfach ersetzen.


    Nein, das muss ganz anders laufen, indem ich beginne neue Strukturen zu entwickeln, wie ich oben schon schrieb, aus mir heraus.

    Das ist eine große Herausforderung, aber indem ich es erstmalig überhaupt erkannt habe, habe ich nun die Möglichkeit es zu reflektieren und damit umzugehen, diese Möglichkeit hatte ich vorher nicht.


    Und, liebe Astrid, wie ich auch schrieb, handelt es sich in meinem Fall nicht nur um eine Riesenlücke in meinem Leben, so wie es beim Tod deines Sohnes war - denn soweit ich es verstanden habe, ist dadurch deine Familie nicht auseinandergebrochen, sondern ihr habt den tragischen Verlust gemeinsam getragen (verzeih, falls ich mich da geirrt habe), sondern bei mir ist es tatsächlich so, dass bis auf die materiellen Dinge und Erinnerungen nichts mehr da ist. Da ist niemand mehr, mit dem ich gemeinsam trauern kann und auch niemand mehr, mit dem ich alte Gewohneheiten aufrechterhalten und mit dem ich mich als Vertrauten abstimmen kann.

    Jede Trauer ist einzigartig und doch in ihrer Schwere uns alle verbindend. Aber eben wegen dieser speziellen Art meines Trauerweges ist es mir definitiv nicht möglich einfach kurzerhand mit irgendwem eine Wohngemeinschaft zu gründen.

    Ich muss definitiv ein komplett neues Leben für mich entwickeln.


    Das was ich zunehmend bemerke (und auch das ist sehr neu für mich), ist der Umstand, dass sich im Kontakt mit meinem Cousin eine zarte neue Verbindung aufbaut, noch nicht sehr belastbar, aber immerhin schon erkennbar und dass ich die Medialität als Lebensweg für mich erkannt habe - auch das sehr neu, sehr verwirrend und dennoch, ein kleiner Sprössling, der es wert ist, gegossen und gepflegt zu werden, um herauszufinden, was daraus wird.

    Dass meine Lieben für mich da sind und mich unterstützen, auch wenn sie nicht mehr physisch auf dieser Erde leben, bedeutet mich inzwischen auch immer mehr und der Gedanke daran, dass sie möchten, dass ich mich am Leben wieder erfreue, gibt mir den nötigen Mut weiterzumachen.


    Gerade dieses Wochenende bin ich wieder mal auf einem Seminar unterwegs und mehr noch, als ich durch den eigentlichen Inhalt (Mindflow ist das Thema) lerne, lerne ich unbefangen auf neue Menschen zuzugehen, ohne große Erwartungen, einfach nur weil sie da sind und dasselbe Ziel verfolgen wie ich. Ich bin richtig stolz auf mich, denn so etwas wäre mir vorher nie in den Sinn gekommen, einfach weil es für mich nicht nötig und auch nicht interessant war neue Menschen kennen zu lernen.

    Es ist ein wirklich schmerzhafter und schwerer Weg, den ich da beschreiten muss, aber auch überaus intensiv und lehrreich, das muss ich einfach zugeben.

  • Liebe Gabi,du schreibst so aus der Seele,gibst Hoffnung und...die kleinen Freuden,die das Herz berühren erlebe ich schon,bei den Kindern,bei manchen Menschen und wenn ich lese was du schreibst,DANKE!

  • Liebe Gabi,

    ich hoffe Dein, dass Du auf diesem Seminar Menschen triffst, deren Anwesenheit für Dich angenehm ist.

    Viellicht triffst Du auch jemanden mit dem der Kontakt sich vertieft.

    Nein, das muss ganz anders laufen, indem ich beginne neue Strukturen zu entwickeln, wie ich oben schon schrieb, aus mir heraus.

    sondern bei mir ist es tatsächlich so, dass bis auf die materiellen Dinge und Erinnerungen nichts mehr da ist.

    Du formulierst genau das, was ich für mein "Leben" auch erkannt habe.

    In Gesprächen, wenn jemand den oder einen ähnlichen Satz formulierte wie "... der Verlust von XY hat eine Lücke in meinem Leben

    hinterlassen..." dachte ich häufig, dass genau das den Unterschied für mich ausmacht.

    Einigen gelingt sich trotz ihrer Trauer an den Umgrenzungen dieser Lücke in ihrem Leben zu orientieren.

    Mir ist das nicht möglich, denn es gibt keine "Umgrenzungen einer Lücke" an denen ich mich orientieren könnte.

    Mein gesamtes Leben ist "diese Lücke", daher bleibt auch mir nur der Weg ganz neue Strukturen aufzubauen.

    Es geht dabei nicht um schwerer oder einfacher - es ist anders. Je nach dem welche Art von Leben man vor dem Verlust führte.

    Ich kann daher sehr gut nachvollziehen worum es Dir geht, Gabi.

    Ganz herzlich,

    Tereschkowa

  • Liebe Gabi,

    die Idee mit der Wohngemeinschaft ist mir eben auf zwei Ebenen gekommen. Das ständige Allein sein zu Hause macht dir zu schaffen. Du hast deine Familie und die Rituale nicht mehr.

    Und dann das Finden von Neuem - auf andere Menschen zugehen. Das hast du (berechtigt) stolz, ja schon öfters geschrieben.


    !!!!! Auf keinen Fall als Ersatz oder Lückenfüller für deinen Mann !!!!


    Ja, unsere Familie ist miteinander durch die Trauer gegangen - und tut es immer noch. Und ist auch noch gewachsen, ein paar Jahre nach Aarons Tod.


    Es ist auch anders, ob ein Kind oder der Partner stirbt. Ohne werten zu wollen, stelle ich es mir sehr schwer vor, wenn der Mensch mit dem ich alt werden will, nicht mehr da ist.


    Gabi, diese Idee mit der Wohngemeinschaft, die ist mir einfach so gekommen. Und mir komm ein bisschen vor, bei dir kommen meine Ideen wie Ratschläge an. Das möchte ich nicht. Es sind einfach Ideen, die ich hier aufschreibe. Ob sie bei dir eine Resonanz auslösen oder verwirren oder abstoßen, das ist eigentlich die Frage.

    Trotzdem möchte ich noch mal was wegen der Wohngemeinschaft schreiben.


    Heute und morgen ist es sicher nicht die passende Lösung. Doch vielleicht ergibt sich irgendwann etwas. Vielleicht auch mit jemandem aus den Seminaren,.... Zuerst ist es wichtig, dich selber und deine Strukturen zu finden. Es wäre eine Zukunftsmusik, die vielleicht irgendwann mal gespielt wird oder auch nicht.


    Auf jeden Fall möchte ich dir wünschen, dass du deine Strukturen finden kannst. Das, was dir wertvoll sein kann. Du hast schon so viel Neues probiert. Ich erinnere mich noch an den ersten Besuch deines Cousins und mittlerweile warst du bei ihm und planst auch Weihnachten bei ihm zu verbringen. Das macht mich wirklich sehr stolz auf dich. Und du darfst stolz auf dich sein! Du gehst zu Seminaren und stellst dich immer wieder neuen Ideen, Gedanken und Menschen. Du wagst es auch, alleine zu sein und dich und deine Trauer zu spüren.


    Gabi, so wie du deinen Weg gehst, das hat sich so sehr verändert seit den Anfängen. Du bist in Bewegung, du gehst deinen Weg.

    Sei ganz lieb gegrüßt.

    Astrid.

  • Danke liebe Astrid!


    du hast recht, ich reagiere auf Ratschläge und auch wenn es nur Ideen sind, seit dem Tod meines Mannes sehr überempfindlich, weil ich irgendwie nicht mehr adäquat damit umgehen kann. einerseits sehe ich ja (oft) die Wahrheit in diesen Vorschlägen, andererseits kann ich genau das aber für mich nicht annehmen, das ist wie ein vollautomatisches entsetztes "NEIN!!!!" das da in meinem Hirn entsteht.


    Ich würde mir ja auch nichts lieber wünschen, als wieder mit Menschen zusammen zu sein, die ich gern haben kann und ich weiß auch, dass sich mein Mann das für mich wünschen würde.

    Und dass es jetzt im Moment noch nicht geht ist mir auch klar, aber der Punkt ist, dass mein Vertraue in die Zukunft so schwach ist, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass sich für mich irgendwann einmal etwas Neues, Schönes ergeben wird und dass ich andererseits so ungeduldig bin, dass ich jeden vergangenen Tag ansehe und mich frage, wieviele dieser anstrengenden, kräfteraubenden, schmerzvollen Tage noch kommen werden?

    Manchmal zerreisst es mich fast in diesem Zwiespalt.

    Und ich merke auch, dass sich etwas verändert, es geht mir nur nicht schnell genug ;-)


    Gerade heute ist wieder so ein Tag - heute ist mein Mann genau 11 Monate tot.

    Ich habe mir soeben in Facebook Luft gemacht und möchte es in bewährter Manier in meinem Thread als Zitat einfügen:


  • mein Vertraue in die Zukunft so schwach ist, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass sich für mich irgendwann einmal etwas Neues, Schönes ergeben wird

    Liebe Gabi,

    ich habe das Vertrauen für dich. Solange du es noch nicht hast, trage ich es für dich. Mit der Hoffnung zusammen.



    das ist wie ein vollautomatisches entsetztes "NEIN!!!!" das da in meinem Hirn entsteht.

    Und dann schreib mir das auch bitte immer wieder. Ich möchte dich mit meinen Ideen nicht verletzen!


    Wie geht es dir heute - einen Tag nach dem 11. Monat?


    Bald hast du das erste Jahr geschafft. Das Jahr, in dem alles zum ersten Mal ohne den geliebten Menschen geschehen muss. Das zweite Jahr wird nicht unbedingt leichter - und doch wird es langsam anders werden. Deine Ungeduld ist mir sehr vertraut. Die kenne ich auch. Doch ich kann dir nur sagen, dass sie nichts weiterbringt. Kennst du den Vergleich: "Nur weil du am Gras ziehst, wächst es nicht schneller"? Das hat mir immer wieder ein kleines bisschen dabei geholfen, den Fuß vom Gas zu nehmen.


    Ich wünsche dir für heute einen der leichteren Tage.


    Lg. Astrid.

  • Liebe Astrid,


    wieder sind ein paar Tage vergangen, in denen ich nicht viel im Internet unterwegs war.


    In einem anderen Thread hast du vom Alleinsein geschrieben, das kann ich voll und ganz unterstreichen.

    Ich war früher auch ganz gerne allein, war sogar froh, wenn ich einen Tag ganz für mich hatte, ich glaube wirklich, niemand der das, was wir erlebt haben nicht selber erlebt hat, kann erfassen, wie sich diese grausame Einsamkeit anfühlt, die wir alle hier erleben.

    Zu diesem Thema komme ich, weil ich genau dazu in den letzten Tagen einige Erkenntnisse gewonnen habe und es mir scheint, als ob ich wieder einen weiteren bedeutsamen Schritt in meiner ganz persönlichen Trauerarbeit getan habe.


    Ich habe nämlich entdeckt, dass ich die ganze Zeit, seit mein Mann gestorben ist, versucht habe durch den Kontakt mit Freunden und Bekannten, diese Einsamkeit und diesen Mangel an Geborgenheit den sein Tod in mir ausgelöst hat, zu reparieren.

    Dadurch bin ich enorm unter Druck geraten, weil ich dauernd alle angerufen und versucht habe Treffen zu organisieren und zu reden Und jedes Mal wenn eine Absage kam war ich am Boden zerstört und ich fühlte mich auch gedemütigt, weil sich niemand von sich aus an mich wandte, fragte wie es mir geht, vorschlug gemeinsam etwas zu unternehmen etc. Immer ging die Initiative von mir aus.


    Seit einiger Zeit habe ich die Notbremse gezogen und rufe niemanden mehr an und versuche auch nicht mehr über meine Trauer zu sprechen, was mir zunehmend besser gelingt.


    Als ich mich also mit diesem Thema systematisch auseinandersetzte ist mir auf einmal die Einsicht gekommen, dass ich die Kontakte mit anderen Menschen unter völlig falschen Gesichtspunkten gesucht habe, dass es nett ist sich manchmal zu treffen und Kaffe zu trinken oder auf andere Art für Ablenkung zu sorgen - kurz das gesellschaftliche Leben in Gang zu halten - dass ich aber für mein persönliches Überleben gar niemanden benötige, dass ich als Gabi sehr gut für mich allein sorgen kann! und zwar nicht nur in materieller Hinsicht, wie ich es erfolgreich schon seit 11 Monaten getan habe, sondern auch in seelisch mentaler Hinsicht.

    Mir ist da buchstäblich urplötzlich der Knopf aufgegangen und auf einmal fühlt sich mein Leben erheblich runder an.


    Tatsache ist: Meine Lieben sind alle bei mir und unterstützen mich, auch wenn sie nicht mehr am Leben sind.


    Tatsache ist: Ich habe mein Leben völlig im Griff und gut gemeistert und ich habe mir selber Hilfe organisiert, bezahlte Helfer mit denen ich all meine Probleme besprechen kann und ich kann mir selber auf die Schulter klopfen, wie gut und in welcher Qualität mir das gelungen ist.


    Tatsache ist: Ich bin nicht alleine hier, ich habe noch Familie, auch wenn diese über 700 km weit weg ist, aber es ist Familie, die mir wohlgesonnen ist und wo ich mich jederzeit hinwenden kann, wenn es nötig ist.


    Tatsache ist: Es gibt Bekannte und Freunde, die mir helfen, wenn ich sie wirklich brauche, die ich aber nicht unnötig mit meinen Problemen belasten sollte, sondern mit denen man sich zwanglos trifft, wenn es sich gerade ergibt.


    Es sind jetzt bei weitem nicht alle Probleme weg und es ist immer noch nicht so, dass ich gerne lebe und es ist immer noch so, dass ich meinen Mann total vermisse und mit mir selber nicht so recht etwas anzufangen weiß, aber irgendetwas hat sich in mir gelöst, sodass ich das Problem mit der Einsamkeit wesentlich differenzierter betrachten kann als vorher.

  • Liebe Gabi,


    habe mit viel Interesse Deinen Eintrag gelesen - und wieder einmal festgestellt, wie unterschiedlich wir beide gestrickt sind. Gleich vorausgeschickt: mir macht das gar nix aus. Ich lese mit viel Interesse, Anteilnahme und Hochachtung über Deine Entwicklung.


    Bei mir ist es so: der Kontakt mit Menschen ist für mich etwas zentral-wichtiges. Deshalb habe ich mir wohl auch meinen entsprechenden (Traum-) Beruf gewählt. Jetzt merke ich, dass es manchmal ein wenig viel wird, weil ich doch eine Menge zu verdauen habe - da bin ich dann ganz froh, wenn ich einmal ein Wochenende ohne große Kontakte verbringen kann. Ich merke, dass ich schon mehr Ruhe brauche als früher. Oder bin ich nur sensibler für meine Bedürfnisse geworden?


    Ich finde es jedenfalls großartig, wie Du Deine Entwicklung beschreibst, und was sich bei Dir alles tut. Danke, dass Du mich / uns teilhaben lässt. Ich denke, Deinen thread zu lesen, ermutigt sicher viele.


    Hab einen schönen Abend :)

  • Liebe StillCrazy,


    leider stehe ich inzwischen nicht mehr so über den Dingen, wie es sich in meinem obigen Posting liest.

    Es geht mir schlecht.

    Offenbar stecke ich wieder in der Aussichtslosigkeit eines Trauerloches fest.


    Es fehlt mir der Trost von außen, das muss ich zugeben und der mir selbst verordnete Rückzug fällt mir sehr, sehr schwer.

    Ich habe solche Sehnsucht nach einem Menschen, der mich in den Arm nimmt und mir sagt, dass alles gut ist, wie es ist und der mir zu verstehen gibt, dass ich wichtig für ihn bin und dass er immer für mich da ist.

    Das Problem: dieser eine Mensch ist tot und auch wenn ich weiß, dass der Tod nicht bedeutet, dass es ihn nicht mehr gibt und dass ich mehrmals die Bestätigung bekommen habe, dass er immer noch für mich da ist, so fehlt mir doch diese vertraute Körperlichkeit.

    In meinem Cousin gibt es sogar einen wiedergewonnenen Verwandten, für den ich wichtig bin und der für mich da sein möchte.

    Und da merke ich dann mit brutaler Gewissheit, dass kein anderer Mensch als mein Mann mir die Geborgenheit geben kann, die ich mir so sehr wünsche. Ich bin froh und dankbar dass es Uli gibt und er ist mir Trost und Stütze, wenn ich mit ihm telefoniere, aber er kann mir meinen Schmerz und meine Einsamkeit nicht nehmen.


    Nichts und niemand kann das, so sehr ich mich auch bemühe, alles was mir widerfährt positiv zu betrachten und mich auf mein Leben einzulassen. Ich bin an einem Punkt wo ich nicht mehr weiter weiß.


    Mein Leben kommt mir vor wie ein Warten auf den Tod und das was ich nach außen zeige ist eine Fassade.

    Ich muss alles dransetzen, um wieder im Leben anzukommen. Es ist der Wunsch meiner lieben Verstorbenen und ich kann nicht einfach so aufgeben, dafür sorgen schon meine Seelenschmerzen, die mich zwingen und in Bewegung halten.

    Irgendwie muss ich einen Weg zu innerer Zufriedenheit finden, nur leider habe ich keine Ahnung wie das gehen soll.

    Mein einziger Wunsch ist es immer noch, endlich auch gehen zu dürfen und meinen Mann wieder in die Arme schließen zu können.


    Ich zermartere mir den Kopf, um etwas zu finden, was ich möchte, aber da ist nichts, es ist nur Leere in mir.

    Ich schaue in mein Herz und darin ist nur die Sehnsucht nach meinem Mann.


    Und weil das so ist, probiere ich alles mögliche und unmögliche aus, am Samstag war ich sogar mit Bekannten am Fussballplatz und habe für ihren 16 jährigen Sohn mitgefiebert. Das wäre mir in meinem alten Leben niemals in den Sinn gekommen und ich hätte auch keine Zeit für so etwas gehabt, aber ich muss zugeben, es war eine schöne Erfahrung.

    Und dann komme ich heim und da ist wieder diese Leere in mir.

    Und jeden Morgen nach dem Aufwachen dieser Schmerz des sich Wiedererinnerns.

    Und dann bekomme ich meine Trauer wieder in den Griff, um wenigstens mit den alltäglichen Dingen, mit meiner Arbeit weitermachen zu können.

    Und dann ist wieder ein Tag überstanden und ich werde ganz ruhig und gehe spät schlafen, um diese Ruhe so lange wie möglich auskosten zu können.

    Und dann kommt wieder ein neuer Tag und alles beginnt von vorne.

    Und dann unternehme ich etwas, ein Seminar, einen Workshop ein Treffen mit Bekannten und finde kurz Ablenkung. aber gleichzeitig habe ich dann wieder Angst vor den Tagen, wo es keine solche Ablenkung gibt, wo ich alles aufbieten muss, um diesen Tag zu überstehen und es geht weiter und weiter und weiter und es ist einfach nur anstrengend.


    Bei dir, liebe StillCrazy habe ich das Gefühl, dass du mitten im Leben stehst und aus dieser festen Position heraus mit positiven und hilfreichen menschlichen Kontakten deine Trauer aus tiefstem Herzen heraus voll und ganz durchleben kannst.

    Und es ist mit Sicherheit für dich weder einfacher noch schwieriger als für mich, aber du hast ganz recht, dein Weg ist ein völlig anderer als meiner und das ist gut so, denn wir können viel voneinander lernen, wenn wir unterschiedliche Erfahrungen kennen lernen.


    Ps.: Ich habe gestern diesen interessanten Vortrag gefunden und finde mich in der Charakterisierung des mütterlichen Symbiosetraumas wieder. Es erklärt viele meiner Gefühle und Verhaltensweisen!


  • Liebe Gabi,


    ich bin sehr betroffen von dem, wie Du Deine Tagesabläufe schilderst. Ich hoffe, dass es inzwischen wieder etwas positiver ist. Du schreibst viel von Leere... ich kan nmir vorstellen, dass das sehr belastend und schmerzhaft ist.


    Aber ich finde es auch gut, dass Du neuen Aktivitäten zumindest eine Chance gibst! Wenn es nicht der Fußballplatz ist, dann ist es eben eines Tages etwas anderes. Die richtige Sache zum richtigen Zeitpunkt - es wird passieren.


    Ja, ich stehe mitten im Leben. Ich habe meinen geliebten Job, ein hilfreiches Umfeld, meine mittlerweile wieder durchaus zugewandte Tochter, das Singen, den Sport, Pläne.

    Zu alldem kommt jetzt diese innere Sortierungsarbeit, die ich in meinen thread beschrieben habe. Es ist viel. Es ist aufwühlend. Es ist intensiv. Es ist widersprüchlich.


    Wir können uns die Herausfroderungen, die sich uns in den Weg stellen, nicht aussuchen. Deine sehen anders aus als meine, aber für uns beide gilt: wir müssen damit umgehen lernen, daran arbeiten, damit zurechtkommen und irgendwann einmal vielleicht daran wachsen und sie hinter uns lassen.


    Alles Liebe Dir!

  • Liebe StillCrazy,


    ich hab festgestellt, dass ich mich in der Zwischenzeit sehr verändert habe und dass die wenigen Menschen meiner Vergangenheit nicht mehr zu mir passen.

    Vor allem meine älteste Freundin, mit der ich viele Jahre gemeinsame Erebnisse hatte, zeichnet sich durch einen Mangel an Empathie aus der mich gerade heute wieder sprachlos gemacht hat. Ich bin ihr nicht böse, aber ich werde mich endgültig von ihr zurückziehen und bin eigentlich auch ziemlich stolz auf mich, dass ich das inzwischen so klar erkennen und auch glaube durchführen zu können.


    Wie gesagt, arbeite ich daran mit mir selbst zurechtzukommen und es auch auszuhalten mal wieder einen Tag allein zu sein, wenn es sich so ergibt.

    Aber ich habe auch erkannt, dass ich auf Dauer nicht alleine leben möchte und dass ich mir auch gar nicht sicher bin, ob ich den Rest meines Lebens in unserer Wohnung verbringen möchte.

    Es ist eine wunderschöne zentral gelegene Wohnung, perfekt für zwei Personen, die gemeinsam ihren Lebensabend verbringen möchten.

    Alleine fühle ich mich darin zwar geborgen, weil mein Mann irgendwie immer noch darin präsent ist, aber ich merke immer mehr, das es nicht mehr passt für mich.

    Irgendjemand hat mir da so einen Floh ins Ohr gesetzt und jetzt muss ich immer daran denken, wie es denn wäre eine WG zu gründen, vielleicht in einem alten Bauernhaus am Land, mit Platz für mehrere Personen, gemeinsamen Räumen, einem Garten und Möglichkeiten zur Tierhaltung. Wo immer jemand da wäre, wo man sich aber auch in die eigenen Räumlichkeiten zurückziehen kann, wenn man alleine sein will.

    Es ist jetzt nur mal so eine Spinnerei, aber es sorgt für gedankliche Beschäftigung und ich habe auch schon mehrere Bekannte getroffen, die dieser Idee durchaus etwas abgewinnen könnten, eine davon wüsste sogar passende Räumlichkeiten.


    Mir wird immer klarer, dass die Vergangenheit endgültig vorbei ist, samt der darin lebenden Personen.

    Es passt einfach nicht mehr.

    Alle mit denen ich jetzt zu tun habe sind eigentlich erst nach Hannes Tod aktiv in mein Leben getreten, wenn ich auch manche vorher schon gekannt habe.

    Ich frage mich noch immer, warum ich mir das in meinem Alter noch antun soll, ein völlig neues Leben in einer vollkommen ungewissen Zukunft zu beginnen, aber ich habe keine Wahl.

    Dass ich lieber nicht weiterleben möchte ist zwar noch immer so, aber nachdem ich dem Ableben definitiv nicht aktiv Vorschub leisten will, muss ich wohl auf unbestimmte Zeit am Leben bleiben und es irgendwie hinter mich bringen.

    Und da ich es auf gar keinen Fall aushalte, einfach so weiterzuleben wie bisher nur ohne meinen Mann (was das Ganze komplett sinnlos machen würde), muss ich wohl in den sauren Apfel beißen und mir Alternativen überlegen.

    Und mich in Geduld üben, was mir das Leben in Zukunft noch so vor die Füße schmeißt.


    Das sind momentan so meine Gedanken, wenn ich gut drauf bin.

    Wenn nicht, wenn mich mal wieder die große Trauer packt, wenn ich in Erinnerungen versinke und meine Vergangenheit gedanklich durchlebe, dann ist irgendwie wieder alles auf Anfang. Dann ist der Schmerz so groß wie am ersten Tag und der einzige Unterschied zu den ersten paar Monaten ist der, dass ich inzwischen weiß, dass die Trauerwelle wieder vorbei geht, dass ich einfach schon besser damit umgehen kann und dass ich die Trauer für mich alleine auslebe und niemandem mehr davon erzähle und mich auch nicht mehr dazu gedrängt fühle mit anderen darüber zu reden.

  • Liebe Gabi,dass Menschen aus der Vergangenheit nicht mehr zu uns passen,das empfinde ich auch so,wir sind ja nicht mehr die gleichen,unsere Welt hat sich sehr verändert und leider wollen uns manche Menschen da nicht begleiten.Meine beste Freundin seit 40 Jahren,gemeinsam mit unseren Männern haben wir so schöne Urlaube,Ausflüge,Erlebnisse genossen,will dass ich so bin wie vorher,halt ohne meinen Mann,damit ihre Welt wieder in Ordnung ist.Weil ich das nicht kann,bekomme ich sehr viel Verletzendes zu hören..von reiss dich zusammen bis zu lass dich behandeln,du bist nicht normal.Weh tut das schon,aber ich habe mich innerlich schon weit von ihr entfernt...manche Tage schaffe ich gut,erlebe auch Schönes,es gibt Menschen die mir beistehen,die mich nicht anders behandeln als vor dem Tod meines Mannes,nicht so als hätte ich eine sonderbare,ansteckende Krankheit.Und da kann ich auch einmal fröhlich sein,ich weiß,wenn die Trauer über mir zusammenschlägt,man kann sich das ja nicht aussuchen,ein Augenblick und alles ist wie am Anfang,dann bin ich da ganz selbstverständlich,brauche mich nicht verstellen,sie gehen mit mir.Das bedeutet mir viel.Das alleine sein lerne ich jeden Tag neu,ich habe immer gerne ein wenig Zeit für mich gehabt,aber jetzt ist ja nie mehr jemand da.Die Zeit,die noch zu leben ist....ich weiß es nicht wie...ohne meinen Mann fehlt mir die Freude und die Liebe,durch in war das Leben einfach so herrlich und wir waren so gerne zusammen.Das kann nie mehr ersetzt werden .Leben heißt momentan für mich Sehnsucht und Heimweh nach meinem Mann,aber auch weitermachen,mit großem Herzweh,darauf vertrauen dass er immer bei mir ist und dass ich für mich einen Weg finde,den ich gehen kann und will.Liebe Gabi,ich finde dich grossartig,wie du alles bewältigst,was in dir alles arbeitet,deine-noch vorsichtigen-Pläne und Gedanken,du bist mir irgendwie so vertraut,und....du kannst viel geben.Einen Tag mit etwas,das uns wenigstens ein paar Augenblicke Freude bringt,für DICH und uns alle,Adi

  • Liebe Gabi,

    ganz, ganz herzlichen Dank für Deine Nachricht - auch wenn sie an StillCrazy ist.

    Ich bin Dir immer sehr dankbar für Deine ausführlichen Berichte in denen Du uns teilhaben lässt an Deinen Versuchen

    mit Deinem vollkommen plötzlich, unerwartet und vor allem ungewollt veränderten Leben umzugehen.

    Mir hilft sehr Deine Texte zu lesen!

    In vielen Dingen geht es mir ähnlich wie Dir vor allem in dem Punkt, dass es für mich unmöglich ist

    auch nur einen Teil unseres gemeinsamen Lebens wieder aufzunehmen.

    Nicht weil ich es nicht "schaffen" würde, nicht weil ich unserer gemeinsames Leben nicht sehr schön fand, nicht weil

    mein vorheriges Leben "zu wenig selbstbestimmt" gewesen wäre, sondern weil es - wie Du trefflich auf den Punkt gebracht schreibst - nicht mehr passend ist bzw. ich nicht mehr passend bin für das Leben, das wir uns gemeinsam aufgebaut hatten.


    Dieses von Dir so schlicht und klar mit "nicht passend" beschrieben scheint allerdings meiner Erfahrung nach die schwerst zu vermittelnde

    Botschaft an alle "übrig gebliebenen" Personen unseres vorherigen Lebens zu sein.

    Allzu leicht werden unsere "Trauererfolge" daran gemessen, was wir "schaffen" von den Gewohnheiten und Handlungen unseres alten Lebens

    wieder auf zu nehmen.

    Das mag für einige Personen der mögliche Weg sein für andere ist das unmöglich.

    Aus welchen Gründen auch immer - diese gibt es wohl, doch das wäre einen eigenen sehr, sehr langen Text wert.

    Keiner dieser Wege ist einfacherer oder besser, sondern eben anders.


    Ich war in meinem Leben immer sehr zielorientiert und hätte nie gedacht, dass ich die Wörter "Erfolg" und "schaffen" ein Mal so hassen werden.

    Ja, hassen. Am liebsten würde ich dieses Wort jetzt hundert Mal schreiben - aber es ist Dein Thread. :)

    Ein Mal noch: Hassen. Dieses Wort verwendete ich früher nie, weil mir alles was passierte in meinem Leben zu gering erschien.

    Gerade diejenigen für die es nicht möglich ist an ihr vorheriges Leben wieder anzuknüpfen müssen sehr auf sich aufpassen, damit sie

    nicht durch die falschen Vorstellungen von Bekannten unter "Erfolgs- bzw. Rückkehrdruck" geraten, noch wichtiger jedoch ist nicht durch den eigenen Druck den Mut zu verlieren.


    Wir treffen für gewöhnlich auf Menschen, die Jahre bzw. Jahrzehnte Zeit hatten sich ihr - meist gemeinsames - Leben aufzubauen.

    Mit allen Freuden, Gewohnheiten, Notwendigkeiten ... so wie wir bei unserem vorherigen Leben auch.

    Nun sind wir gezwungen ein "neues" Leben von Grund auf zu entwicklen in viel geringerer Zeit, unter widrigsten Bedingungen und

    in geschwächtem Zustand. Ungewollt noch dazu.

    Das ist Schwerstarbeit!

    Ich finde es ganz, ganz großartig wie welchem Mut und Energie Du etwaige Möglichkeiten und "Lebensentwürfe" ausprobierst, entwickelst,

    prüfst und reflektierst! Und dann auch noch uns daran teilhaben lässt.

    Ich danke Dir,

    Tereschkowa

  • Ihr Lieben, wieder ist fast eine Woche vorbei, fünf Tage mit vielen Hochs und Tiefs und vielen Erlebnissen.

    Ganz vorsichtig wage ich die Behauptung dass bei mir gerade eine neue Freundschaft zu erblühen scheint und dass ich allgemein gesehen in dieser schweren Zeit neue Menschen kennen gelernt habe, wo ich noch nicht genau abschätzen kann, wohin sich das alles entwickelt, zu neu sind meine Erlebnisse und zu unerfahren bin ich in der Begegnung mit fremden Menschen, war ich doch mein ganzes Leben in einem Kokon geborgen, den ich mit meiner kleinen Familie gemeinsam gesponnen hatte.


    Ich weiß absolut nicht wohin das alles führen soll und was ich mit meinem neuen Leben ohne meinen geliebten Mann anfangen soll.

    Es gibt immer wieder Momente wie heute in denen ich wunderschöne Erfahrungen mache, ganz tiefe Erfahrungen mit Gefühlen, so stark und fremd und neu, dass ich gar nicht so recht weiß, wie ich sie in mein Leben einsortieren soll.

    Und dann wieder die inzwischen so vertrauten Momente tiefsten Schmerzes, großer Trauer, aber auch gleichzeitig großer Erkenntnisse.


    Das Seltsame dabei ist, dass ich mir diesen ausweglosen Schmerz, diese riesige Trostlosigkeit in den friedlichen Momenten gar nicht so recht vorstellen kann, dass ich aber dennoch fühle, dass der große Schmerz ganz dicht unter der Oberfläche lauert.

    Und umgekehrt, wenn mich die riesige Trostlosigkeit überfällt kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendwann wieder bessere Momente möglich sind, obwohl ich doch aus Erfahrung weiß, dass es sie gibt, diese besseren Momente.


    Diese Woche hatte ich wieder beides, ich habe soviel und mit ganz großer Trauer an meinen Mann gedacht, an sein Aussehen, an all die schönen Momente die wir hatten, an seine unbändige Lebensfreude, aber auch daran, dass er mir zu verstehen gegeben hat, dass ich mein Leben wieder genießen soll, dass ich meinen nächsten Schritt machen soll, einen neuen Schritt in ein Leben ohne ihn, aber nicht ohne seine Begleitung.

    Ich habe begreifen müssen, dass ich für diesen nächsten Schritt noch nicht bereit bin, dass ich Geduld und Zeit brauche, bis sich alles von alleine enwickelt, dass es nichts nützt, die Entwicklulng beschleunigen zu wollen, bevor alles an mir und in mir bereit ist dazu.

    Ich weiß, dass ich kreatives Potential habe, aber momentan ist es mir nicht möglich es zu nutzen.

    Ich schaffe es nicht, mich daheim allein hinzusetzen und mich einer Tätigkeit hinzugeben, egal welcher, es ist einfach nicht möglich, ich blockiere mich selber und ende damit, wie ein Tiger im Käfig herumzuwandern.

    Da ist es besser ich gehe aus mir heraus, nach draußen zu Menschen zu Ablenkungen, die ich nicht alleine machen muss.

    Die ganze Woche war in dieser Hinsicht eher schwierig für mich, dazu noch begleitet von einem nasskalten Wetter, welches seinesgleichen suchte.


    Heute wiederum hatte ich am Vormittag die gewohnte Trauerphase, bis ich mich überwinden konnte aus dem Haus zu gehen.

    Beim Einkaufen habe ich eine Bekannte (von der ich ganz vorsichtig behaupten mag, sie ist auf bestem Wege eine Freundin zu werden) getroffen und nach einem Schwätzchen mit ihr war ich viel besserer Stimmung.

    Danach war ich von lieben Bekannten eingeladen die Passionsspiele in Erl zu besuchen.

    Ich habe die Karte dazu geschenkt bekommen als vorzeitiges Geburtstagsgeschenk, ich war richtig gerührt!

    Für mich etwas ganz Neues, obwohl ich schon so lange in Tirol lebe, hatte ich mich vorher nie für so etwas interessiert und mein Mann auch nicht.

    Die große Familie meiner Bekannten nahmen an den Passionsspielen teil, was die Aufführung an sich schon für mich interessant machte.

    Das besondere an diesem Ereignis ist nämlich, dass es ausschließlich von Laiendarstellern des kleinen Tiroler Ortes Erl aufgeführt wird und es sind an die 500 Personen auf der Bühne zu sehen.

    Besonders war auch, dass die althergebrachte Passion von Grund auf erneuert worden war und zwar von dem berühmten Tiroler Dramatiker Felix Mitterer und mich erwartete ein großartiges Psychodrama, in dem Althergebrachtes mit modernen Elementen auf ganz hervorragende Weise verknüpft wurde.

    Die Inszenierung war absolut spektakulär, ich war tief ergriffen und fühlt mich in meinen Gefühlen angenommen wie selten zuvor.

    Wie schon einige Male vorher musste ich für mich feststellen, dass ich durch mein Schicksal zum ersten Mal in meinem Leben wirklich und wahrhaftig und ganz tief fühlen kann. Und dass sich in mir eine einzigartige spirituelle Dimension zu entwickeln scheint, eine Reife, die vorher nicht möglich gewesen ist, von der ich Mühe habe sie angemessen auszudrücken.


    Inzwischen wird mir immer mehr klar, dass meine Leben nie wieder "normal" im herkömmlichen Sinn werden wird, aber inmitten der Anstrengung, jeden Tag irgendwie zu überleben, inmitten der lähmenden Trauer keimt doch ganz zart eine Art Vertrauen in ein neues Leben, in diesen höheren Plan, in den wir allesamt eingebunden sind, ob wir es wollen oder nicht.

  • Liebe Gabi,ich bin momentan ganz am Verzweifeln,finde so gar keinen Sinn im Leben,mit meinem Mann kann ich nicht mehr leben,und ohne ihn will ich nicht leben,und in diesem Spagat zerreisst es mich.Das Begreifen ,dass ich jeden Tag meines Lebens ohne ihn bin,warum fällt mir das so unendlich schwer,warum trösten mich die 43 Jahre voll Liebe,die ich mit ihm geteilt habe nicht?Ich bin so verloren in der Welt ohne meinen Mann,ich fühle mich so fremd und unendlich einsam.Ich habe jetzt oft an dich gedacht,der Todestag deines Mannes ist der Geburtstag meines Vaters,als Kinder sind wir oft mit ihm am Flugplatz vorbeigefahren,ihn hat das Fliegen fasziniert und für uns war das immer etwas Besonderes.Du schreibst so intensiv,das ist wie ein Lichtblick,ein Hoffnugsschimmer,du hast so gute Gedanken und du bist,so finde ich auf dem Weg.Wohin,wer weiß,auf jeden Fall habe ich beim Lesen das Gefühl,es ist ein guter Weg.Darüber freue ich mich für dich.Auf dem Weg sind wir alle,wie viele Höhen und Tiefen,Abzweigungen und Rückschritte noch warten,wissen wir nicht.Ich gehe momentan mit großer Trauer,vielen Tränen,gezwungen vom Leben,aber wenn das auch die meisten Menschen nicht verstehen,MIT meinem Mann in mir,anders könnte ich es gar nicht,ich will und werde ihn mitnehmen,bis zum Ziel.Liebe Gabi,Danke dass du uns teilhaben lässt an deinem Weg,ich fühle mich immer viel besser,wenn ich bei"dir "war...LG Adi

  • Liebe Gabi,


    ich freue mich sehr, das zu lesen!!!!!!!!!!!!!

    Da tut sich was in Deinem Leben, und ich finde das sehr schön!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


    Auch wenn es nicht mehr so wird, wie es war - kann es doch wieder anders gut werden. Ich hoffe auf jeden Fall darauf. Und bin heute doch recht zuversichtlich :-)

  • Liebe Gabi,


    deine Beiträge tun soo gut!

    Danke <3

    Sie bauen auf.


    Du schreibst:

    " inmitten der lähmenden Trauer keimt doch ganz zart eine Art Vertrauen in ein neues Leben..."

    Wie schön!


    Möge das Pflänzlein weiter gedeihen, weiter wachsen und immer genügend gedüngt und gewässert werden. Das wünsche ich dir von Herzen.


    Dir alles,alles Liebe


    blaumeise:24:


    Werde am 14. fest an dich denken