Plötzlich ist da nur noch eine große Leere

  • Hallo !


    Ich suche hier in diesem Forum etwas Halt unter Gleichgesinnten. Ich habe das Gefühl wahnsinnig zu werden vor Sehnsucht nach ihm.


    Aber kurz zu meiner Geschichte:


    Ich musste meinen Mann (54 Jahre) (ich 42 Jahre) am Sonntag gehen lassen. Meinen besten Freund, mein Seelenverwandter. Er ist unter meinen Händen weggestorben. Ich konnte für ihn nichts mehr machen.


    Die negativen Gedanken dazu, was habe ich zum Schluss evtl. falsch gemacht. Hat er mein letzten Blick freundlich in Erinnerung? Ich konnte ihm einfach nicht helfen. Quälende Fragen.


    Seit Jahren ist mein Mann Diabetiker Typ2 mit Insulinpumpe.


    Zu Weihnachten 2013 hat er eine vorläufige Diagnose Multiples Myelom (Krebs) erhalten, welche sich am 2.1.14 bestätigte. Hochrisiko Patient (Aggressive Form dieser Krebsart). Die Chemo fing darauf gleich an, welche aber keinen Erfolg zeigte. Im August 2014 hat er eine autologe Stammzelltransplantation (THX) (eigene Stammzellen) erhalten. Dies hielt auch nicht lange an. Im Oktober 2014 (31.10.2014) erhielt er eine allogene THX (fremde Stammzellen). Nun sah es schon besser aus. Es wurde eine Erhaltungstherapie begonnen. Als die Werte wieder anfingen zu steigen hat er 2016 DLIs erhalten. Die ersten 3 Sitzungen zeigten keine Wirkung. Die 4. war erfolgreich. So gleich folgte eine heftige GVHD. Aber der Krebs war unter Kontrolle. Weiter mit der Erhaltungstherapie, und immer die Frage wie lange die Krankenkasse die Medikamente noch erstattet (privatversichert). Die KK sträubte sich schon seit längerem.


    Durch den Krebs hat mein Mann Osteolysen.


    Seit Anfang des Jahres hatte mein Mann starke Rückenschmerzen, so dass wir uns schlussendlich dazu entschlossen haben dies operativ beheben zu lassen. Mit einer Brustwirbelkörperversteifung (Kyphoplastie) an 2 BWKs. Laufen mehr als 300m ohne Schmerzen war nicht möglich. Es sollte ja durch diese OP alles besser werden.


    Am 2.7.18 rein ins KKH. Am 3.7.18 OP.

    Nach Erwachen aus der Narkose war mein Mann ab Achselhöhe abwärts vollständig gelähmt. Keine Sensibilität und Motorik mehr vorhanden. Am 4.7.18 erfolgte eine 2.OP : Spinalkanalerweiterung. Keine Besserung.


    Durch die Querschnittlähmung bedingte Probleme (Blasen- und Darm-Ausfall) (Anfängliche hartnäckige Verstopfungen, kurz vor Not-OP). Er konnte durch die Lähmung nicht mehr richtig Abhusten, die Bauchmuskulatur fehlte dazu.


    Am 12.7.18 ab in die REHA.

    Keine eigenständige Körpertemperaturregulierung mehr vorhanden. Durch den heissen Sommer hat er hohes Fieber gehabt, da kein schwitzen mehr vorhanden war.


    Fast 2 Monate lag er nur im Bett. Ende August konnte mit dem Rollstuhl gestartet werden. Anfängliche Kreislaufprobleme haben sich schnell beruhigt. Dann wurde er schnell stabil und es ging bergauf.

    Hilfsmittel wurden beantragt. Die KK wollte dies und jenes noch (sträuben, s.o.). Mein Mann war jetzt bereits schon fix und fertig durch die REHA (unter anderem auch durch den Pflegenotstand). So oft ich konnte (neben meinem Volltagsjob + Nebenjob + 2 Kids 14 und 18) habe ich meinen Mann in der REHA gepflegt, so dass er dem unfreundlichen Pflegepersonal nicht ganz ausgeliefert war. Es gab aber auch sehr liebe und einfühlsames Pflegepersonal!!!

    Schlussendlich haben wir uns dazu entschieden die techn. Hilfsmittel zu kaufen, damit mein Mann so schnell als möglich aus der REHA entlassen wird, denn er war bereits fit für den Alltag gemacht. Es gab nichts mehr zu erlernen.

    In der letzten REHA-Woche würde er mit Therapien noch zu gebombt. Hochleistungssport.


    Am 2.10.18 war es soweit, er kam nach Hause.


    Leider hatte er sich kurz vor Entlassung den Urinalnerv eingeklemmt. Im rechten Arm war keine Kraft und Greiffunktion mehr vorhanden, mit Schmerzen verbunden. Das sollte aber in einigen Wochen von allein weggehen, in seltenen Fällen mit einer OP.


    Anfänglich konnte er selbst kathetern . Später habe ich ihn aktiv Unterstützt, denn die Schmerzen wurden immer schlimmer.


    Durch den Transport von der REHA nach Hause hat er sich eine kleine Wunde am PO zugezogen. Diabetiker = Wundheilungsstörung. Gefahr einer Dekubitus. Auch hier zu Hause lag er tagelang im Bett, um das die Wunde endlich verheilt und der Arm zur Ruhe kommt. Wir hatten für diese Woche zwei Transporte zum Arzt geplant. Neurologe (Arm) und Onkologe (Krebs). Sonst hätte er seine Medikamente nicht mehr bekommen. Denn in der REHA wurde keine Verlaufskontrolle (spezielle Blutuntersuchungen) gemacht.


    Am Sonntag gegen 20.30 Uhr habe ich ihn bettfertig gemacht inkl. manueller Darmentleerung. Ihm ging es den ganzen Umständen entsprechend gut. Für die Darmentleerung musste er dafür auf der Seite liegen.

    Als ich ihn mit seiner Hilfe wieder in Rückenlage gebracht habe, habe ich gemerkt, dass er von jetzt auf gleich apathisch wirkte. Er driftete mir weg. Ich hab ihn in Seitenlage wieder gebracht, weil ich dachte, dass er sich verschluckt hätte. Auf dem Rücken geklopft. Keine Besserung. Geschaut, ob er seine Zunge verschluckt hat. Sanfte quälende Atemzüge sind ihm entwichen. Notruf 112. Ich sollte ihn wieder in Rückenlage bringen ohne Kopfkissen. Wenn er nicht atmen sollte, dann sollte ich wieder die 112 anrufen. Der RTW war bereits auf dem Weg. Er atmete nicht mehr. 112. Warteschleife. Endlich ging jemand ran. Herzdruckmassage. 1-2-3-4. 1-2-3-4. .... Der RTW kam. Mein Mann wurde vom Bett auf dem Boden gelegt. Ich sollte beim tragen den Kopf stützen. Ich hatte Angst, dass der Kopf mir aus den Händen gleitet und er auf dem Boden knallt. Auf dem Boden angekommen sollte ich mit der Herzdruckmassage weitermachen. Der Notarzt kam und löste mich ab. Gedanklich war ich schon beim Transport ins KKH, was ich alles mitnehmen muss. Schuhe waren schon angezogen. Dann kam die Frage nach einer Patientenverfügung. Flaues Gefühl in der Magengegend. Gesucht. Gefunden. Ausgehändigt. Dann kam die Aussage vom Notarzt, dass mein Mann keine lebenserhaltenden Rettungsmaßnahmen im unabwendbaren Sterbeprozess haben wollte. Ich wusste dies. Aber trotzdem waren bei mir nur noch Fragezeichen vorhanden. Ich fragte den Notarzt schließlich, wie denn jetzt überhaupt der aktuelle Stand meines Mannes wäre. Er sprach mit mir. Seit eintreffen des RTWs gab es nur noch eine Nullinie.


    Es wurde mir das weitere Prozedere erklärt. Ein 2. Arzt wird die Nacht noch kommen (der kam gegen 2.30 Uhr) und dann sollte ich entscheiden, wie lange ich seinen leblosen Körper noch zu Hause haben möchte. Bis zu zwei Tagen wären möglich gewesen. Ich sollte dann nach dem Arzt ein Bestattungsunternehmen kontaktieren. Dieses kam dann gegen 5 Uhr. Vorher mit meinen Kindern und Familie Abschied genommen. So gut es ging, wenn man noch völlig unter Schock steht. Als die Bestatter zum Abfahren bereit waren, konnte ich Ihnen nicht die Tür aufmachen, dass musste irgend jemand anders übernehmen. Ich konnte es einfach nicht. Ich hätte ansonsten meinen Mann aus der Wohnung und meinem Leben geschmissen.


    2 Tage später sitzt man schon beim Bestatter und klärt alles. Und immer wieder der Gedanke: das ist alles ein absoluter Alptraum- was machst du hier eigentlich???


    Nun sitze ich hier mit den ganzen Hilfsmitteln und versuche sie irgendwie zu verkaufen, damit für die Kinder wieder etwas wohnliche Normalität einzieht.


    Aber ich bin der festen Überzeugung, wenn wir die Hilfsmittel gemietet hättet, dass mein Mann es nicht mehr bis nach Hause geschafft hätte. Es war sein großer Wunsch zuhause zu sterben. Und ich hatte das große Privileg ihn bis dahin zu begleiten ?


    Ich habe das Gefühl es wird immer schlimmer. Egal wo ich hin gehe oder wohin ich schaue es erinnert mich alles an ihn. Ob es der Weg irgendwo hin ist, der Beifahrersitz im Auto, beim Einkaufen. Ich hab das Gefühl ich könnt durchweg brechen. Ständig driften die Gedanken weg, obwohl man es nicht will. Ich bin körperlich total platt bis hin zur Bewegungsunfähigkeit und doch habe ich das Gefühl, dass mir hier zuhaus die Decke auf dem Kopf fällt.

  • Liebe Hummelchen,

    Es tut mir sehr leid , das du auch so früh deinen Mann verloren hast. Und es ist ja noch ganz frisch....

    Willkommen hier im Forum. Habe auch 16 Monate Kampf hinter mir und vor 200 Tagen haben wir dann den Kampf verloren.

    Ich kann dich ganz gut verstehen.

    Weiss gar nicht was ich dir jetzt sagen soll. Versuche soviel wie du kannst hier einfach zu schreiben .

    Wünsche dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit.

    Es muss ja jetzt auch viel organisiert werden . Hast du Hilfe?

  • Guten Morgen Hummelchen,

    es tut mir leid, dass du deinem Mann verloren hast und was ihr die letzten Jahre für einen Kampf hattet.

    Wann ist die Beisetzung? Bekommst du Unterstützung von deiner Familie, Freunden, deinen Kindern? Wie alt sind deine Kinder?

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächsten Wochen und neben der ganzen Organisation, einige Momente der Besinnung.

    Petrella

  • Die Beisetzung ist Anfang Dezember. Dazwischen hat mein Sohn noch Geburtstag. Meine Kinder sind 14 und 18 und seine Kinder sind 16 und 25. Wir haben keine gemeinsamen Kinder. Meine Kinder kämpfen mit eigenen Vorwürfen. Es war nicht immer eine einfache Zeit mit meiner Großen. Sie hatte lange Zeit Angst, dass mein Mann mich ihr wegnimmt.


    Ja, ich habe familiäre Unterstützung. Aber da meist das Gefühl, dass ich sie aufbauen muss. Dass ich den starken Part übernehmen muss.


    Wie lenkt ihr euch ab, wenn die Sehnsucht unerträglich ist?

  • Liebe Hummelchen!


    Es tut mir sehr leid, dass du deinen Mann verloren hast.

    Bei dir ist es ja noch so neu, diese Situation, ich bewundere, dass du schon so viel Kraft hast, hier zu schreiben.

    Denn genau das hat mich lange Zeit sehr erleichtert und war sehr wichtig für mich.


    Daneben habe ich täglich mehrmals an meinen Mann geschrieben.

    Immer wenn ich glaubte, es nicht mehr zu ertragen, verzog ich mich in mein Bett und habe geschrieben.

    Diverse Trauerliteratur hat mich auch begleitet.

    Daneben immer wieder: die heilende Wirkung der Natur. Ich bin viel herumgelaufen, das hat mir auch gut getan, tut es bis jetzt!

    Ich wünsche dir, dass du auch einige Dinge findest, die für dich passen in dieser schweren Zeit!

    Sei lieb gegrüßt

    Hedi

  • Guten Morgen hummelchen,


    ich wäre jetzt gerne bei dir, um deine Hand zu halten. Leider ist das nicht möglich , aber ich kann sie dir wenigstens virtuell hinhalten.


    Wir sind hier wie eine große Familie und jeder hat ein offenes Ohr für dich.


    Den steinigen Weg, den du jetzt gehen musst, kann dir keiner abnehmen, aber wir können dich auf diesem Weg begleiten, dir Zeit hören und vielleicht so etwas sein wie ein Geländer, an dem du dich festhalten kannst und das dir etwas Sicherheit bietet.


    Weil mir die Worte fehlen , drücke ich dich jetzt stumm:24: und weine mit dir :13:


    Ich wünsche dir und deinen Kindern alle Kraft der Welt.


    AL

    blaumeise

  • Heute ist der schlimmste Tag!

    Es ist Sonntag. Ich durchlebe diesen Tag nochmal, nur mit dem Wissen, was heute Abend vor einer Woche unausweichlich ist - als Zuschauerin ... mir ist schlecht und ich habe keine körperliche Kraft um mich abzulenken.

  • Hallo Hummelchen,

    Du hast mich bewegt mich einmal wieder zu Wort zu melden...

    Zunächst einmal fühl Dich gedrückt...

    Du bist hier sehr gut aufgehoben.


    Hinter Deiner Geschichte steht ein dickes WARUM?und HÄTTE!

    Dieses Warum?-streich es aus Deinem Wortschatz...

    Das habe ich hier einmal gelernt...

    Was wäre gewesen wenn? Darauf wirst Du auch keine Antwort bekommen... Sorry wenn mein schreiben vielleicht hart klingt.

    Ich weiß wie sich das anfühlt,aber heute sehe ich alles mit anderen Augen...


    Dieses Gefühl "Ich weiß nicht wohin.Alles erinnert daran. "Bewahre Dir das. Du wirst es brauchen. Es wird anders...vertrau mir einfach. Was mir sehr gut geholfen hat. "Baue" Dir eine Art Altar...Ein Ort an den Du ein Foto stellst und vielleicht etwas was typisch war für Deinen Mann... Darf ich an dieser Stelle die Frage stellen wie Dein Mann hieß? Es schreibt sich einfacher.


    Wie kann man sich ablenken? Gar nicht!...

    und das musst Du auch nicht!Das gehört dazu...Du bist erst am Anfang... Ich will Dir keine Angst machen,aber Du wirst noch andere Stufen durchlaufen...Deine Säulen sind Marode...Stelle Dir Dein Leben als ein Gebäude vor und egal was passiert positiv,oder negativ sind Deine Säulen...Das was Du gerade durchlebst hat einige Säulen ziemlich angegriffen und zum Einsturz gebracht...


    Jetzt heißt es die vorhandenen zu kitten. Mit Erinnerungen. Nimm Dir die Zeit. Mach die erstmal wieder heile...und dann in ein paar Monaten fange an die zerstörten aufzubauen. Das passiert von ganz alleine,indem Du anfängst Dein Leben neu zu ordnen...


    ich hab da ein Lied für Dich...Udo Lindenberg stark wie zwei...Du bist stark für zwei...Nicht erst jetzt, sondern Du warst es schon immer...UND DARAN HALTE FEST...Du hast es Deinem Mann schön gemacht und hast so viel für ihn getan...UND DAS IST WICHTIG!Nicht was wäre gewesen wenn!?Ich schicke Dir ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße Daike

    Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

  • Liebes Hummelchen!

    Zuerst einmal mein tiefes Mitgefühl zu euer beider Leidensweg!

    Deine Gefühle teilen wir alle hier, leider wirst du nicht darum herum kommen, dich mit deinem Schmerz auseinanderzusetzen, das musste auch ich sehr qualvoll erfahren, aber in der ersten Zeit ist es wichtig erst einmal zu überleben.

    Mein Mann ist sehr plötzlich durch einen Unfall gestorben, aber meinen Vater habe ich letztes Jahr auch sehr lange gepflegt und begleitet, bis er im Juli 2017 friedlich sterben konnte. Ich habe von Anfang an alle Hilfe und auch Medikamente in Anspruch genommen, die ich bekommen konnte und habe auch versucht, die Tage und Wochen voll mit Terminen zu belegen, um nur ja nicht zu oft zu Hause zu sein, Jetzt nach viereinhalb Monaten werde ich langsam etwas ruhiger und es gelingt mir sehr, sehr langsam mich damit anzufreunden, dass ich weiterleben muss. Jetzt erst starte ich die ersten Versuche, alleine zu bleiben und meine Trauer auszuleben, vorher hätte ich das, glaube ich, nicht wirklich überlebt.

    Ich hoffe, du bekommst die Hilfe die du brauchst und ich umarme dich von Herzen und wünsche dir gute Gespräche und etwas Ruhe, so gut es halt klappt in dieser Situation.

  • Liebes Hummelchen

    ich heiße dich herzlich willkommen hier bei uns. Du hast uns sehr schnell gefunden.

    Der Schreck sitzt dir sicher noch tief in den Gliedern und das Unfassbare konntest du wahrscheinlich noch nicht fassen.


    Ich wünsche dir für diese Tage, Menschen, die dich unterstützen, dich begleiten und dir zur Seite stehen, so wie du es brauchst.

    Und auch für deine und seine Kinder wünsche ich euch, dass da immer Menschen sind, die Zeit und Mut und Geduld haben für euch.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Vielen Dank für Eure aufbauenden Worte und für das Gefühl nicht allein zu sein.


    Es ist sehr schwer, dass WARUM und HÄTTE zu verbannen. Es kommt automatisch und das Gedankenkarussel dreht sich.


    Ich habe den Wunsch einfach nur alles hinzuschmeißen und aus meinem jetzigen Leben rauszutreten (nein, kein suizid)- ich weiß noch nicht mal was die Alternative wäre. Mir ist irgendwie alles egal geworden - bis auf die Kids.


    Es ist schwer sich früh morgens aus dem Bett zu pellen, oder etwas im Haushalt zu machen, einkaufen etc.

  • Hallo Hummelchen,

    mach Dir keine Gedanken das ist OK...Zieh die Decke über den Kopf,wenn es die Zeit erlaubt. Rede mit ihm,fluche,schreie...Mir ist noch etwas eingefallen. Ich habe jeden Tag an Christo geschrieben,so eine Art Tagebuch...und eine Freundin hat mir so Zeugs zum Seifenblasen machen geschenkt...Ich habe,egal wo ich war und mir gerade die Luft weg blieb es aus der Tasche geholt und einen Gruss damit zu ihm geschickt...Ich habe das heute, nach 8 Jahren, noch immer in der Tasche...Die Leute halten einen zwar für irre, aber pfffg..."Hilf Dir selbst!"

    Ganz viel Kraft in die Ferne

    Liebe Grüße Daike

    Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

  • Ich werd mir morgen ein Tagebuch besorgen. An Seifenblasen habe ich schöne Erinnerungen mit/an Lutz. Ich glaub sowas kann ich noch nicht.

    Spontan kommen Heulattacken/-schübe, wo mir dann auch die Stimme weg bricht.

    Vielen Dank Salome für deinen Post.


    Wie lebt es sich schon 8 Jahre lang damit? Derzeit für mich unvorstellbar...

  • Guten Morgen Hummelchen,

    die Idee mit dem Tagebuch ist gut. Ich schreibe auch jeden Tag darin...mal an Michael gerichtet, mal einfach so, was den Tag passiert ist, wie es mir geht. Dazu habe ich mir ein Erinnerungsalbum gekauft. Da möchte ich Fotos, Eintrittskarten, Briefe einkleben und Erinnerungen an unsere gemeinsamen Jahre aufschreiben. Momentan gelingt mir das noch nicht so richtig, weil ich immer in Tränen ausbreche.

    Liebe Grüße

    Petrella

  • Das ist eine gute Idee mit dem Tagebuch, das werd ich auch versuchen, wenns vielleicht nicht mehr ganz so akut ist. Jetzt kann ich oft vor lauter Tränen nicht sehen was ich schreibe. Am PC ist das einfacher, da kann man speichern, ändern, später weiterschreiben...

    Liebe Grüße von Soraja

  • Ich habe angefangen täglich Tagebuch zu schreiben. Das hilft mir. Kurzfristig. Ein wenig.


    Heute morgen bin ich aufgewacht mit dem realen Gefühl, dass Lutz wieder da ist. Dass er uns eine 2. Chance gibt. (Er hat uns in den letzten Jahren schon mehrere Chancen gegeben, weil er seit knapp 5 Jahren gekämpft hat). Und dann fällst du früh morgens schon in ein Loch, weil du realisierst, dass dieser Alptraum die Wirklichkeit ist. Happy Saturday.


    Morgen ist Lutz schon seit 2 Wochen nicht mehr bei mir. Ich bin mir sicher, dass er mich hierher in dieses Forum geschubst hat.


    Euch einen schönen Samstag!

  • Guten Morgen Hummelchen,

    ich habe auch mal geträumt, dass mir jemand sagt: " Michael ist gar nicht tot"...man ist erleichtert, dann kommt man leider wieder in der Realität an. Schön, dass du Tagebuch schreibst. Es hilft, alles aufzuschreiben, auch wenn das Geschriebene oft von den fließenden Tränen verläuft. Ich schreibe auch nach 14 Wochen fast täglich....meine Trauer, meine Sehnsucht, meine Wut...

    Ich wünsche dir heute einen erträglichen Tag.

    Liebe Grüße

    Petra

  • Hallo Hummelchen?ja diese Träume sind so schön schrecklich. Bestimmt passt Lutz auf Dich auf... Glaube einfach daran! Der Glaube ist wichtig und hilft uns manchmal. Ich finde es schön, dass Du daran denkst, dass Lutz lange für Euch gekämpft hat und das ist es was zählt...und ihr seid die ganze Zeit füreinander da gewesen...Liebes Hummelchen fühl Dich gedrückt und schön,dass Du hier bist.

    Ich wünsche Dir ein ruhiges Wochenende und sende Dir Kraft

    Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

  • Heute war wieder Sonntag und es hat mich wieder voll erwischt. ?


    Ich war heute mit meinem Sohn eine große Runde spazieren. Das hat uns beiden gut getan. Die Große wollte nicht. Sie wollte heute alleine trauern.


    Morgen fängt die Schule wieder an und ich hoffe, dass mein Sohn morgen da auch ohne Probleme hingeht.

    Er wurde vor 2 Wochen nach einem 5wöchigen Klinikaufenthalt (Klinik für seelische Gesundheit im Kinder- und Jugendalter) entlassen.

    Freitag Entlassung und am Sonntag ist mein Mann verstorben. Zum Glück hatte der Kindsvater 2 Wochen Urlaub und mein Sohn konnte bei ihm sein und war dadurch etwas abgelenkt.


    Letzte Nacht hatte mein Sohn eine Panick Attacke. Er schlief dann die restliche Nacht bei mir im Bett.


    Nun haben wir heute die Mitteilung erhalten, dass die Mutter meines Ex heute verstorben ist. Herzinfarkt. Man konnte nichts mehr machen. Die Nachricht hat mich umgehauen. Ich stand ihr nicht Nahe. Ich hab mich wie vor 2 Wochen gefühlt. Den Tag heut sowieso nochmal erlebt und dann diese Nachricht, nachdem es mir schon wieder etwas besser heute ging. Mir wurde kurzzeitig etwas schwarz vor Augen.


    Meine Große hat damit ganz schön zu kämpfen. Nicht, weil sie wegen „Oma“ trauert (sie war keine Oma für meine Kids, dass empfinden sie auch selbst so) sondern wegen einer weiteren plötzlichen Todesnachricht.


    Ich habe das Gefühl keine Kraft mehr aufbringen zu können. Ich bin leer. Und ab morgen bin ich wieder arbeiten.


    Abrechnung mit Krankenkasse/Beihilfe, die Hilfsmittel stehen bei mir noch zuhaus im Wohnzimmer, suche eines Therapeuten für meinen Sohn, etwaige Nachsorgetermine bzgl. meines Sohnes, meine Große macht grad den Führerschein, selbstzweifel wg. Theorie, Aufbauarbeit, Ausbildung, die eigene Trauer, Trauer der Kinder, Arbeit.


    Mir ist zur Zeit alles egal. Ich bin leer.


    Ich hoffe ich habe bald auch ein wenig Kraft um Euch auch ein paar tröstende Worte dazulassen.