Mein Leben , mein Herz,meine einzige Liebe,mein Halt ,mein bester Freund .....einfach fort! ein bester Freund ist

  • Liebe Anja,

    ich habe mit meinen Geschwistern ja , schrecklichen Egoismus erlebt, als mein Mann , der ja auch ihr Schwager

    war starb.

    Wir hatten "schwierige" Eltern und ich habe Mutterstelle an meinen Geschwistern vertreten.

    Soweit zu meinem Hintergrund.

    Ich lese gerade von Megan Devine Es ist okay, wenn du traurig bist.

    Ihr Mann war 40, als er überraschend beim Schwimmen umkam.


    Mit tut ihre " Trauerberatung" gut, besonders der Teil, wie man mit schwierigen Verhaltensweisen von Familie umgehen kann und sollte. ( S.96)

    Vielleicht wäre das ja auch etwas für dich ?


    liebe Grüße

    Bettina

  • Ich danke Euch für Eure lieben und tröstenden Worte....es tut einfach immer wieder gut.


    Heute wollte ich eigentlich meinen Haushalt etwas auf Vordermann bringen ....daraus wurde nichts. Stattdessen habe ich in Tigerlillis Wohnzimmer gelesen .....stundenlang.


    Mir hat das neue Impulse gegeben . Ich bin ja noch am Anfang meines langen Weges durch das Tal der Trauer aber ich habe 2 feste Punkte ...oder mehr? für mich gefunden um meinem Leben hier einen Sinn zu geben.


    Klar....für die Kinder da sein aber versteht mich nicht falsch ....das mache ich schon seit 30 Jahren und die Kinder gehen trotz des Verlustes auch ihren eigenen Weg. Natürlich begleite ich sie so lange ich hier lebe aber das reicht mir nicht. Ich will mich nicht an meine Kinder klammern. Um ihnen eine echte Stütze in ihrem Leben zu sein muss ich mich erstmal um die Reparatur des Basisschiffes kümmern das durch den Seitenwechsel von Ronald schwer beschädigt ist.


    Erst dann kann ich das für unsere Kinder sein was sie brauchen.


    Also habe ich heute tief in mich hineingehorcht.

    Weiter in Privathaushalten putzen oder mich von Reinigungsfirmen an der Nase rumführen lassen ....damit konnte ich leben als Ronald noch wie gewohnt an meiner Seite war. Jetzt sind mir andere Dinge wichtig geworden . Ich möchte etwas sinnvolles tun, da wo Menschen gebraucht werden, wo Menschlichkeit, Mitgefühl, Empathie und Liebe gebraucht und wertgeschätzt wird.


    Ich werde mich also informieren wo ich etwas entsprechendes finde im Bereich mit alten Menschen, behinderten Menschen. Sterbebegleitung wäre auch ein Bereich den ich gerne ausüben würde aber ich muss schauen welche Vorraussetzungen zu erfüllen sind. Ich möchte meine verbleibende Erdenzeit sinnvoll einsetzen. Ich werde die geistige Welt um Unterstützung bitten und wenn das der Weg ist werde ich die richtigen Impulse bekommen.


    Dann werde ich mich weiter mit unserer geistigen Heimat beschäftigen und allem was dazugehört. Ich sitze hier in Schleswig Holstein und leider nicht in der Schweiz aber auch hier werde ich um Unterstützung bitten.


    Vielleicht lassen sich auch beide Bereiche miteinander verbinden. Ich werde sehen wohin die Reise geht.


    Ich mache mir nichts vor...es wird sicher nicht einfach aber ich bin fest entschlossen hartnäckig auf mein Ziel hinzuarbeiten.


    Noch vor kurzem habe ich es als Last empfunden das ich erst 54 bin und war am Boden das mir vielleicht noch so viel Zeit übrig bleibt bis auch ich zu Ronald gehen kann. Jetzt sehe ich das nicht mehr so . Ich sehe es jetzt so das mir noch genug Zeit bleibt ....wenn mein Lebensplan es denn so vorsieht...etwas sinnvolles mit dieser Zeit anzufangen und den Menschen dieser Welt etwas von der Liebe abzugeben die ich 36 Jahre durch Ronald erfahren durfte.


    36 Jahre hatte ich den besten Lehrmeister darin, bedingungslos geliebt zu werden , beschützt, gehalten und getragen zu werden ....jetzt bin ich dran . Ich habe die Wahl....mich in der Trauer zu verlieren oder den Menschen etwas abzugeben . Ich wähle das zweite und hoffe mir bleibt noch genug Zeit.


    Ich hoffe auch das unsere Kinder etwas davon für sich mitnehmen und auch ihre Zeit die sie hier in unserer Welt verbringen sinnvoll nutzen.

  • Anja, ein sehr guter Vorsatz, die Reise geht weiter, ein schöner Gedanke...viel Kraft, viel Glück....sicherlich eine gute Entscheidung,... jeder geht seinen, für sich richtigen Weg....oder auch nicht,...oder erst nach einer Weile,....oder er bleibt, .....bleibt stecken in seiner Vergangenheit, ....du hast schon recht,...ein altes Sprichwort sagt,....jeder ist seines Glückes, eigener Schmied....Wenn's nur so einfach wehre..

  • Renate 1967

    Nein....einfach ist es nicht und wird es auch nicht mehr sein. Wie oft hab ich in den letzten Wochen gedacht...ich will nicht mehr, ich möchte nicht mehr leben. Aber zumindest meine Tochter (25) und mein Sohn (16) haben mir gesagt.....wir brauchen dich, du bist wichtig für uns.

    Ich fühlte mich wie zwischen zwei Stühlen....zwischen dem Wunsch bei Ronald zu sein und dem Wunsch für unsere Kinder da zu sein.


    Es ist noch garnicht lange her da war ich traurig...hab ihn gefragt ....was mach ich wenn Du mal nicht mehr bist. Er hat mir gesagt, dann musst du für die Kinder da sein. Ich hab dann in meiner Traurigkeit gesagt...ich schaff das nicht....er sagte mir ...doch du bist stark.


    Das habe ich immer in dieser Situation von ihm gehört....das ich stark bin ....ich hab es ihm nie geglaubt und vor allem ....ich habe mir selber nicht geglaubt.


    Aber es bleibt....so hat er mich gesehen .


    Vor allem weiß ich.....er hätte nicht aufgegeben, er wäre für unsere Kinder da gewesen.


    Ein weiterer Aspekt ist dazugekommen im Laufe der letzten Wochen. Wir sind Seele, wir sind hier um Erfahrungen zu machen um dann wieder in unsere geistige Heimat zu gehen.


    Für mich hat das eine tiefe Bedeutung. Wie oft hab ich vor unserem Tag X gesagt....ich fühle mich hier falsch, ich fühle ich gehöre hier nicht hin. Mich hat das immer verwirrt, konnte mit meinem Gefühl nichts anfangen. Jetzt weiß ich das es die Erinnerung meiner Seele ist an unsere eigentliche Heimat. Eine Erinnerung die immer mal wieder wie durch einen Schleier durchgeblitzt ist ohne das ich sie verstanden habe.


    Dann hab ich bei mir, bei Ronald und bei anderen Menschen erlebt das wir uns im Laufe der Jahre verändern, reifer werden, tiefere Einsichten gewinnen, wachsen im positiven Sinne .....und wofür? Wenn doch dann unser Leben vielleicht hoch betagt einfach vorbei ist und dann nichts mehr kommt, nichts mehr bleibt. Ich konnte mich nie damit anfreunden, es ergab einfach keinen Sinn, war für mich nicht logisch. Für mich wäre es nur logisch gewesen wenn wir weiter leben. Da wusste ich noch nichts bewusst von der geistigen Welt....ich dachte mehr so daran das wir hier als Mensch weiterleben und nicht alt werden und dann sterben. Das dies aber nicht sein würde....das wusste ich ja nun.


    Ich hab oft gedacht....dann können wir unser Leben auch jetzt beenden ...wozu noch Erfahrungen machen wozu auch durchaus schmerzliche Erfahrungen gehören....niemand führt ein Leben das nur glücklich ist.


    Wäre nicht unser Tag X gekommen würde ich mich immer noch in dieser Gedankenschleife befinden. So traurig wie es ist....erst durch unseren Tag X hat sich der Schleier gelüftet. Jetzt ergibt alles einen Sinn, jetzt verstehe ich meine Gedanken die ich all die Jahre wie eine Last mit mir herumgetragen habe.


    Ich werde nächstes Jahr 2 Geburtstsge für Ronald feiern. Der 24.05. als Geburt seiner Seele in diese Welt und den 31.07. als Geburt seiner Seele zurück in die geistige Welt.


    Auch ich werde ihn weiterhin vermissen in dem Sinne das er in seinem physischen Körper nicht mehr bei mir sein kann. Es wird auch immer etwas von diesem Vermissen , der Sehnsucht , der Traurigkeit bleiben aber ich kann mein erlangte Wissen nicht mehr einfach beiseite schieben.

  • liebe Anja,


    du bist stark.... :24: wir alle sind stark, sonst wären wir vermutlich garnicht mehr hier..


    und es ist toll, wie du dein neues, nicht gewolltes leben angehen möchtest :24:


    ja, das mit diesen ehrenämtern haben viele hier ebenfalls in angriff nehmen wollen, mich eingeschlossen... irgendwie ist dies meist der erste gedanke, um irgendeinen neuen sinn im leben zu sehen.... ich denke immer, wir sind soooo voller liebe zu unseren verstorbenen dass wir einfach garnicht wissen wohin mit dieser liebe weil sie nicht mehr - real - gegengeliebt wird.... und von daher wollen wir diese überbordende liebe an bedürftige menschen weiter geben....


    aber meist hakt es dann auf einmal und nichts will funktionieren in dieser richtung.... manche von uns lassen es dann wieder bleiben mit den ehrenamtsversuchen, weil es tatsächlich so aussieht als sollte es doch nicht sein.... auch Tigerlilly ist vor längerer zeit wieder vom gedanken an ehrenamt abgekommen. Tigerlilly, ich hoffe du entschuldigst dass ich das in deinem namen hier schreibe :24:


    dazu gibt es einige hier die eh schon immer ehrenamt machten und von daher dies ihr halt war und immer noch ist in der trauerzeit.


    es ist jedenfalls schön zu lesen, wieviel mut du hast und wieviel in dir steckt, liebe Anja, bleibe auf diesem weg.


    alles liebe von Bine

  • Liebe Anja,

    es ist toll, wie du versuchst mit der neuen Situation klarzukommen. Ich wünsche dir ganz viel Kraft, auch wenn es vermutlich immer nur kleine Schritte sein werden.

    Aber so wie ich dich einschätze, schaffst du das.

    Ich schicke dir eine Umarmung.

    Monika

  • Danke Mausebaer,

    ob das alles klappt weiß ich nicht aber ich muss auch noch etwas Geld verdienen. Ich habe aber gemerkt das ich andere Prioritäten setze. Was vor meinem Tag X noch ok war ist es jetzt einfach nicht mehr.

    In meinen alten Beruf als Anwaltsgehilfin werde ich wohl kaum noch arbeiten können.....für diesen versnobten Bereich bin ich zu stark tätowiert und seit 25 Jahren raus.


    Ich werde lernen müssen zu vertrauen. Ich glaube das ist eine weitere Aufgabe für meine Seele.....vertrauen. Ich habe mich gebetsvoll an die geistige Welt gewandt und tue es weiterhin. Heisst nicht das ich mich zurücklehne und warte aber ich bin überzeugt das sie mir auf die eine oder andere Art und Weise die entsprechenden Impulse geben werden.


    Ich hatte ja auch schon mal die Idee noch mit dem Stricken von Islandpullovern selbstständig zu machen. Ich war steicktechnisch immer eine Niete....dann hab ich vor 2 Jahren damit angefangen ....erstaunt über mich selber , denn die Muster in der Passe , wo man ständig zählen und Farben wechseln muss ....einfach gruselig. Aber komischerweise flutscht das bei mir und ich hab die schwierigsten Modelle gestrickt und es hat mir Spass gemacht.


    Aber wie in immer in meinem bisherigen Leben ....ich bin nie in den Quark gekommen auch mal was umzusetzen obwohl ich das Potenzial dazu hatte.....es war so schön bequem mich von Ronald durchs Leben tragen zu lassen .


    Vielleicht ist jetzt Die Zeit gekommen mein Potenzial zu entfalten.


    Wie gesagt ich vertraue darauf das meine Gebete erhört werden und mir die richtigen Impulse gegeben werden.


    Liebe und Frieden für Euch Alle in dieser schwierigen Zeit in der sich Alle hier befinden.

  • LIebe Anja,

    ich finde es wirklich bewunderungswürdig, dass du beschlossen hast dein Leben in die Hand zu nehmen.

    Das heißt auch, alles was zu deinem alten Leben gehört hat auf den Prüfstand zu stellen, um einen gangbaren Weg für dich und zumindest die zwei Kinder, die zu dir stehen, zu finden.

    Es wird mit Sicherheit ein schwerer Weg werden, aber meiner Meinung nach auch ein lohnender!

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg mit deinen Plänen! Gabi

  • Ich werde mich also informieren wo ich etwas entsprechendes finde im Bereich mit alten Menschen, behinderten Menschen. Sterbebegleitung wäre auch ein Bereich den ich gerne ausüben würde aber ich muss schauen welche Vorraussetzungen zu erfüllen sind. Ich möchte meine verbleibende Erdenzeit sinnvoll einsetzen.

    Liebe Anja, ich finde das einen tollen Gedanken und wünsche dir, dass sich alles so umsetzen lässt, wie du möchstest! :24:

    LG Andrea

  • Ihr Lieben,

    danke für Eure Worte. Ja ...ich werde schauen was sich umsetzen lässt. Die Gewissheit das unsere Lieben nicht fort sind, noch bei uns sind,uns begleiten ....das hilft schon sehr.


    Nur grad hat mich ein Tief erwischt. Ich stehe gerade mit meinem Auto auf der Auffahrt und denke.....wie schön wäre es wenn er mir jetzt entgegenkommt....und ich habe förmlich meine Erleichterung gespürt....ok war doch alles nur ein böser Traum.


    Mein Tag war heute stressig...heut morgen sprang mein Auto nicht an, ADAC anrufen....meine Tochter ist gekommen, sie hast wieder repariert.


    Hilfe hab ich , ich kann mit einem guten Freund jederzeit unterhalten, gestern Abend war ich bei Freunden zum Kaffee.....aber das füllt die Lücke nicht aus.


    Ich hab selten jemanden mit dem ich über Ronald reden kann. Wenn ich unseren Freund anrufe....drehen sich die Gespräche im Kreis. Bei unseren Freunden wo ich zum Kaffee war hab ich es so gut es geht vermieden meine Trauer allzustark zu zeigen. Als ich sie hab durchblicken lassen spürte ich die Hilflosigkeit und die Angst der anderen. Wäre mir genauso gegangen.


    Ich finde in dem Umfeld das zu UNS gehörte einfach keinen Platz mehr und auch ich komme nicht damit klar wenn ich die Angst bei den anderen spüre....die Angst davor das ihnen so etwas auch passieren könnte. Das erinnert mich an meine Angst wenn ich mit so etwas konfrontiert wurde ...nur das es jetzt für mich Realität geworden ist.


    Immer wenn ich einen stressigen Tag hatte verfalle ich gleich wieder in alte Muster...alles grau, ich schaff das nicht usw. Das war auch schon so als Ronald noch körperlich da war.


    Ich bin nie morgens normal aufgestanden....ich bin aufgestanden und habe meine Kriegsrüstung angezogen ...allzeitbereit um in die Schlacht zu gehen. Daran konnte auch Ronald nichts ändern. Ich hab das Leben eigentlich immer als Kampf empfunden.


    Ronald war immer die Ruhe selbst und sein Susisonnenscheingemüt hat mich manchmal zur Verzweiflung gebracht. Wir waren da grundverschieden.


    Ich frag mich wie ich ohne diesen Ausgleich zurecht kommen soll.

  • Liebe Anja,

    "Susisonnenscheingemüt" welch eine Wortschöpfung, genial.

    Es kann kein, auch noch so guter Freund,

    Deinen lieben Mann ersetzen. All die Erlebnisse, die Höhen und Tiefen, die Ihr gemeinsam erlebt habt, sind einmalig und leider auch unwiederbringlich. Hast Du Dich schon einmal gefragt , ob Du wirklich in Dein Umfeld hineinpassen möchtest.

    Auch wenn es bittertraurige Erlebnisse sind, die uns trafen, so haben sie unserer

    Seele einen tiefgehenden Sinn verliehen, den wir in der Welt draußen am ehesten bei Trauernden wiederfinden.

    Vielleicht ist das Leben ein Kampf. Wenn ich ganz unten bin, fällt mir manchmal eine Redewendung ein. "Wenn die Nacht am dunkelsten ist, beginnt der Tag."

    Magst Du Deine Kriegsrüstung wieder anlegen und weiter gehen? Dein lieber Mann begleitet Dich.

    Liebe Grüße

    Sommermond

  • Liebe Anja,

    ich kenne da Gefühl fehl am Platze zu sein und die Reaktionen sind bei vielen in meinem Umfeld genauso. Man spürt förmlich die Angst, dass ihnen dasselbe passieren könnte.

    Das mit der Kriegsrüstung kenne ich auch, leider verleiht einem die Rüstung noch ein zusätzliches Gewicht, das zu der Last, die man herumschleppt, dazukommt.

    Ich wünsche dir einen ertäglichen Sonntag.

    Liebe Grüße

    Monika