Erinnerungen an Liebgewonnenes

  • Ich hadere immer noch damit, ausgeschlossen worden zu sein. Ich wünschte, ich hätte dieses Bild. Ich wünschte, ich hätte dabei sein dürfen.... ich weiß nicht, ob es besser gewesen wäre. Offenbar, nachdem ich das nicht durfte, meint das Schicksal, es wäre nicht besser gewesen. Und doch hadere ich. Es fällt mir schwer, darauf zu vertrauen, dass die Dinge im Leben genau so ablaufen, wie wir es verkraften können und dass das Schicksal, wenn wir schon grauenhafte Dinge erleben müssen, den für uns „richtigen“ Weg wählt.

  • Liebe Puzzle,

    mein Liebster bekam bei seiner ersten CA.-Op. einen Herzstillstand.

    Er wurde wiederbelebt.

    In den folgenden neun Jahren kehrte der Krebs immer wieder in den verschiedensten Organen zurück,bis mein Liebster austherapiert war .

    Auch wir hatten eine geschenkte Zeit,ich wusste durch meine Ausbildung,die gemeinsame Zeit ist endlich.

    Mein Liebster mochte nicht mit den Ärzten sprechen,das wäre mein Part.

    Macht das Wissen es wirklich einfacher,oder macht das Nichtwissen,wie schwer eine Erkrankung ist,das Lebensgefühl etwas leichter.

    Gut,ich habe über Jahre mitangesehen,wie mein Liebster alle Kraft verlor.

    Aber macht dieses Sehen meine Trauer wirklich leichter?


    Komm gut durch deinen Tag,

    Karin

  • Das kann ich dir nicht beantworten, liebe Karin. Was mich über viele Wochen beschäftigt hat, war der Gedanke, ist es wahr, dass mein Partner tatsächlich gestorben ist?
    Ich habe seinen Leichnam nicht gesehen, wurde nicht vom Begräbnis informiert, konnte mich nicht verabschieden. Diese Wochen des Zweifelns wären mir erspart geblieben. Ob der Prozess des Trauerns dadurch insgesamt „leichter“ geworden wäre, kann ich nicht beurteilen.... aber „was ist passiert?“ hätte ich mich nicht fragen müssen und „ist das wirklich passiert oder ist es nur ein grausames, perfides Theater?“....


    Puzzle, unschlüssig....

  • ich "musste" meinem Schatz und Mama beim Sterben zusehen, es waren grauenvolle Tage, diese Bilder gehen nie mehr aus dem Kopf. Ich kann es trotzdem nicht realisieren, dass beide nie mehr bei mir sind...

  • Ja,da gebe ich dir vollkommen recht.

    Diese Fragen brauchte ich mir nicht stellen,entschuldige bitte.

    Karin

    oh bitte, es besteht kein Grund, dass du dich entschuldigst, du hast nichts falsch gemacht!


    Nachdem ich mir tausende von Fragen gestellt habe, wären an deren Stelle andere Fragen getreten.
    Es ist nun mal, wie es ist. Für jeden von uns.

  • ich "musste" meinem Schatz und Mama beim Sterben zusehen, es waren grauenvolle Tage, diese Bilder gehen nie mehr aus dem Kopf. Ich kann es trotzdem nicht realisieren, dass beide nie mehr bei mir sind...

    Dieses Realisieren fällt mir auch manchmal schwer, unabhängig davon, ob ich mich gefragt habe, ob er denn nun wirklich gestorben ist oder ob man mich nur auf unvorstellbar pietätlose Art verarscht.

    Das Unabänderliche, Endgültige scheint nicht in unseren Horizont zu passen, so fühlt es sich für mich an.

  • Sie sind gegangen

    Mein Conclusio: Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass ich einfach einen Ausweg aus dem Schmerz der Trauer suche und deshalb alle Eventualitäten durchspiele. Am Ende dieser Fragen wird mich die Erkenntnis ereilen, dass sich die Situation auch dann nicht ändert, wenn ich hundert Umwege über „Ich wünschte, es wäre dieses oder jenes anders gewesen....“ gehe. Bis zum Akzeptieren ist es halt weit... und die Direttissima bin ich sonst auch nie gegangen.....


    Bitte verzeih, falls ich dir mit meinen Fragen zu nahe getreten bin. Dem Liebsten machtlos beim Fortgehen zuzusehen, sprengt meine Vorstellungskraft. Wahrscheinlich hätte ich diese Kraft nicht, weshalb mich das Schicksal auf meinen Weg geschickt hat....

  • Liebe Puzzle,

    du bist mir keinesfalls zu nahe getreten.

    Als ich in dieser Situation stand,habe ich nur funktioniert.

    Heute nach fast drei Jahren kommen sehr viele Erinnerungen neu hoch,und ja,ich falle auch heute noch in ein tiefes Trauerloch.

    Aber ich habe keine Fragen.

    Mein Liebster ist seinen Weg gegangen,ich muss meinen Weg finden und ihn dann gehen.


    Rienchen hatte vor kurzem eine Geschichte eingestellt.


    Welchen Sinn hat mein Leben noch?

    Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass ich einfach einen Ausweg aus dem Schmerz der Trauer suche und deshalb alle Eventualitäten durchspiele.

    Hier setzt bei mir der Glaube ein,ich habe keinen Einfluss.ich kann den Tod nicht abwenden.

    Du hast bei Nash ein Gebet eingesetzt.


    Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.



    Auch dies zeigt ein wenig meine hart erkämpfte Einstellung.

    Wir bekamen zu Weihnachten von seiner Rehaklinik eine Karte genau mit diesem Vers.


    Lass den Tag ruhig in den Abend gehen,

    Karin