und plötzlich blieb die Welt stehen

  • liebes Rienchen,


    du brauchst dir keine gedanken zu machen.... schreib' soviel du möchtest......alles muss von der seele geschrieben werden :24::24:


    manchmal hat man viele worte in sich, dann wieder garkeine.... so wie ich zur zeit.... eher garkeine....


    ich fühle mit dir:30:


    alles liebe von Bine

  • Seit mir nicht böse, wenn ich euch so zutexte, aber wenn ich es mir von der Seele schreibe versuche ich zu verarbeiten, was mir eigentlich passiert ist- so etwas unfassbares...

    Rienchen

    Liebe Rienchen, dein Wohnzimmer ist ja dafür da, dass du dir alles von der Seele schreibst! Sei lieb umarmt! :30:

    LG Andrea

  • Nach der Beerdigung sind meine Tochter wieder nach Berlin und mein Sohn und seine Frau wieder zur Arbeit.

    Ich sah mich als elendes Häufchen und begann wieder mit dem, was ich am besten kann - arbeiten-

    Jeden Tag ein kleiner Schritt- und wenn ich nicht konnte dann spätestens am nächsten Tag. 9 Wochen war ich daheim.

    Ich verlegte Gehwegplatten, jätete Unkraut, schnitt im ganzen Garten die Hecken und Bäume, brachte den Äste und Blätter in meinem kleinen Corsa zum Bauhof, räumte sämtliche Hinterlassenschaften der Anbaumaßnahme weg wie Bauschutt, Dämmwolle, Holz und Metall. Verschenkte die rückgebauten Dachziegeln, begradigte die Rasenflächen und säte sie an und brachte sämtliche Arbeitssachen meines zum Container. Ich konnte sie nicht mehr ertragen. Ausgenommen sein letzter Pullover. Den habe ich in die True ganz unten hineingelegt.

    Mein Grundstück und mein Haus sind wie geleckt.

    Anfang Nov. hat das Grab ein Holzrahmen bekommen und ich konnte es endlich bepflanzen und das Grab mit Tannenreisig abdecken und hübsch machen. Ich habe es allein geschafft. Ich habe mir ein Wägelchen genommen und die Säcke mit Erde und für die Umrahmung mit Edelsplitt über den ganzen Friedhof gebracht. Das Grab sieht gut aus. Das mit der Erde und den Steinchen hat mir keiner gemacht. Alle haben mich abgewiesen. Bis ich mich selber aufgerappett habe.

    Ich hab es geschafft. Er wäre stolz auf mich.


    Jetzt gehe ich wieder zur Arbeit. Es fällt mir alles so schwer. Ich schaffe kaum mein Haushalt. Letzt Woche habe ich meiner Tochter ein Weihnachtspaket fertig gemacht. Es ist mir unsagbar schwer gefallen. Endlich hatte ich alles besorgt, eingepackt und zur Post gebracht. Gestern kam es wieder zurück. Alles zerfleddert mit Rotwein durchtränkt, die Würste angeschimmelt und die Hälfte geklaut. Ich habe geheult. Jetzt muss ich wieder los, einkaufen, einpacken, zur Post.... Fröhliche Weinachten.


    Raubt Euch die Trauer auch die ganze Kraft. Ich kann nicht- weil ich traurich bin. Und wenn ich will kann ich nicht- weil ich keine Kraft habe.

    Ist das nicht völlig verrückt?


    LG Rienchen

  • Liebe Rienchen

    Jetzt musste ich doch geschwind in dein Wohnzimmerchen kommen... Es tut mir weh, was du erleben musstest! Es ist ja wirklich noch gar keine Zeit dass du deinen Mann gehen lassen musstest! Du hast mein ganzes Mitgefühl... fühle dich einfach ganz fest in den Arm genommen....


    Das was du über deine Enkelchen schreibst...

    JA so ist das!

    Glaub mir: Die Kinder wissen so viel mehr als wir!!!! Nur glauben ihnen viele leider nicht und denken sie erzählen Phantasiegeschichten... Nein, das tun sie nicht! Die kleinen Kinder erzählen so oft "vom Himmel" - ganz von alleine (wenn man es ihnen nicht ganz schnell abtrainiert...was leider viele tun, weil sie denken, Kinder "flunkern"...) wir müssen nur zuhören... Oft verstummen sie, wenn man nachfragt oder sie merken, dass man sie "belauscht" (wenn sie es einem nicht direkt erzählen...). Das ist so ein heiliger Moment! Ich bin immer so dankbar und gerührt, wenn "meine" Kinder (...ich hab 22 davon... :saint: ...jedes Jahr in wechselnden Konstellationen... :S ...bin Kindergärtnerin...) davon erzählen. Das sind Perlen, Edelsteine, Goldstücke...

    Bewahre dir diese Geschichte fest in deinem Herzen! Schreib sie auf... hüte sie...

    Weißt du, viele gehen zu einem Medium oder "Hellsichtigen" um zu wissen, wo ihre Lieben sind... DAS was du da beschreibst, das ist die Antwort auf so viele Fragen! Kindlich und so einfach!

    Wir werden unsere Lieben wieder sehen - daran besteht kein Zweifel!


    GENAU DAS!

    Alles wird dann wieder gut sein... darauf darfst du hoffen!

    Ja, der "Opa" wird immer bei euch sein - bis ihr euch wiederseht.. <3:24:<3

    Liebe Rienchen, ich bin froh, dass ich in dein Wohnzimmer gespickelt hab...

    Sei von Herzen gegrüßt von Mirachen<3

  • Liebe Rienchen,

    aus Deiner Schilderung wird erfahrbar,

    wie harmonisch und liebevoll Eure Beziehung ist. (sie besteht fort).


    Trauer kostet sehr viel Kraft, Appetitlosigkeit, Unruhe und Schlafstörungen setzen uns zu.


    Kein Wunder, dass Du Dich erschöpft fühlst, zumal Du in Deiner Trauer schon so manches geleistet hast.


    Lass Dich beruhigend in den Arm nehmen,

    Du kreative, anpackende und leider traurige Frau, sei lieb umarmt.


    Verbundene Grüße

    Sommermond

  • liebe Rienchen,


    körper, herz und seele sind in der trauer im ausnahmezustand.... daher braucht es alle kraft, um überhaupt den tag überstehen zu können und nicht mehr viel bleibt davon übrig für alltägliches.... alles ist normal...


    versuche dich ein bisschen zu schonen, nichts ist jetzt wichtiger als du selbst:24:


    du hast das toll gemacht mit der grabgestaltung deines geliebten mannes, ganz alleine, ich kann mir vorstellen wie schwer das war und ja, er IST stolz auf dich, er weiss was du geleistet hast :24:


    alles liebe von Bine

  • hallo Rienchen


    mehr als :30: kann ich Dir momentan nicht geben - zu sehr erinnert mich der Ablauf des Todestages Deines Mannes an den meiner Lebensgefährtin :13:


    aber Du kannst sicher sein, Dir hier ALLES und in unbegrenzter Menge von der Seele schreiben zu können

  • Ich hab mich aufgerafft und das Paket fertig gemacht …. Geschafft….

    Ihr habt mir Mut gemacht meine kleine Weihnachtsgeschichte zu erzählen. Sie ist sehr persönlich…

    Ihr glaubt an Zeichen …. Und ich mittlerweile auch. Ich bin überzeugt davon.

    Einestages werde ich meinen Enkelkindern eine Geschichte erzählen……..

    Es war einmal eine Oma und ein Opa. Beide haben viele, viele Jahre miteinander glücklich gelebt. Doch eines Tages musste der Opa gehen und ließ die Oma alleine. Die Oma war sehr sehr traurig und hatte so eine Sehnsucht nach ihm, das sie immer weinen musste. Und das Jahr verging und es ging auf Weihnachten zu. Es war der 3. Advent. Die Oma saß in ihrem Sessel, da kamen ihre Enkelkinder durch die Tür. Oma wollen wir nicht ein bisschen schmücken, es sieht so traurig aus. Die Oma stand auf und holte die großen Weihnachtskiste heraus. Die Kinder lachten und freuten sich und forschten sich neugierig durch die Kiste. Ihre Augen leuchteten. Die Oma lächelte und rief: „Vorsichtig die Glaskugeln gehen kaputt ihr kleinen Schelme.“ Doch dann sah sie einen Brief….. einen der vielen Briefchen, die der Opa manchmal schrieb. Sie bekam ihn vor 2 Jahren zu Weihnachten mit einer Einladung ins Meeresmuseum mit Abendessen. Das hatte heimlich von seinem Trinkgeldern gespart.

    (mußte er nicht- wollte er aber)

    Die Oma öffnete den Brief und las:

    Mein liebes Rienchen,

    Weihnachten mit dir zu feiern ist das größte Wunder für mich.

    Nichts auf der Welt will ich lieber haben als dich.

    Jeder Tag ist voller Geschenke: dein Lächeln, dein Körper, dein Sinn.

    Ich steh oft sprachlos und einfach glücklich, dass ich dein Ehemann bin.

    Deine Liebe begleitet mich Tag für Tag.

    Weihnachten ist täglich für mich, weil ich dich zur Ehefrau hab.

    Die Oma weinte vor Glück. Stand auf und schmückte alles sehr weihnachtlich…..


    LG

    Rienchen

  • Liebe Rienchen,

    wie wunderschön diese Einladung in einem Moment zu finden, in dem Du besonders traurig warst. Ich glaube, Dein lieber Mann hat das gespürt und Dich wieder eingeladen, eingeladen um mit ihm weiter in die Zukunft zu gehen und irgendwann wieder Hand in Hand neuem Leben entgegenzusehen.

    Sei liebevoll gegrüßt.

    Sommermond

  • Ach liebes Rienchen...jetzt musste ich auch weinen vor Rührung... Ja, das ist heilsam für deine Seele <3 :30::30::30: <3

    Schön dass DU da bist!

  • "Die Engel backen Kekse."

    Ob unsere Engel auch dabei sind? Beim Kekse backen?

    Da wäre der Ralf ziemlich ungeschickt. Kartoffeln könnte er gut schälen, und dann auch gut stampfen. Das war immer seine Aufgabe. Aber Kekse backen? Kann ich mir kaum vorstellen. Er war auch kein "Süsser", ass nicht oft Süsses.

    Ralfsheidemarie

  • Ach Heidi,

    meiner war Herzensgut, aber mit backen und kochen hatte er nichts am Hut.

    Gegessen, ja gegessen hatt er sehr gerne .... und alles was auf den Tisch kam. Und wenn es ihm schmeckte kam ein leises mmmm, ein Blick zu mir und ein Lächeln....

  • Ach Rienchen,

    Oh wie süss. Das hört sich ja wirklich super toll an. So ein lieber Mann. Beneidenswert. Wieviele Jahre durftet Ihr zusammen sein?

    Ach wenn ich doch zaubern könnte. Dann käme ich bei Dir vorbei. Wir würden einen Keksmann backen und ihn verzaubern in Deinen Mann. ( wie heißt Dein Mann?)

    Ralfsheidemarie

  • Mein mann heißt Ingo

    verhetatet 41 Jahre (mit 20 Jahren)

    zusammen 45 Jahre (mit 16)

    wir waren Schulkammeraden als wir die ersten zarten Bande geschnürt haben......

    Als wir beide in die Lehre gingen wurden wir getrennt 250km - aber die Beziehung hielt

    Danach kam bei mir die Uni 450 km entfernt,

    als ich endlich fertig war mußte er zu Armee und seither war er auf Montage in Germering.

    Bei uns im Dorf und drumherum ist es sehr schlecht mit Arbeit.

    Noch 14 monate (jetzt noch 12) dann wäre er in Rente gegangen und wir wären endlich zusammen gewesen.

    Wir gaben schon rückwärts gezählt, so haben wir uns darauf gefreut,


    Ach Heidi, das längste das wir am Stück zusammen waren waren mal 4 Wochen.....

  • Oh, Rienchen,

    Jetzt fange ich an zu weinen. Das ist alles so ungerecht und schrecklich.

    So oft getrennt. Und doch immer zusammen geblieben.

    Eine Bilderbuch Beziehung.

    Wenn ich Dir doch bloß helfen könnte. Aber ich kann ja nicht mal mir selber helfen.

    Ich bin seit Januar in Rente. Und im Febr. kam die Diagnose Lungenkrebs.

    Ich hatte so Angst ihn zu verlieren und nun ist es wirklich passiert.

    Manchmal sitze ich hier mit meinen Hunden und halte die Luft an und starre vor mich hin. Wie kann man nur lernen damit klar zu kommen?

    Ich mache gerade ab letzten Samstag Quarantäne damit ich Weihnachten zu meiner Schwester fahren kann. Ich habe keine Symptome war aber mit einigen Personen zusammen. Allerdings fast nur draußen. Aber sicher ist sicher.

    Abends, wenn ich vom letzten Spaziergang wiederkommen trinke ich 2 Glas Wein. Dann ist es etwas erträglicher.

    Wo und wie bist Du an Weihnachten?

    Vielleicht wird es besser, wenn das Fest vorbei ist. Und ich warte auf das Corona Ende. Ich habe ein Wohnmobil und ich denke manchmal, daß ich vielleicht losfahren könnte und Euch besuchen könnte. Vielleicht können wir uns kennen lernen?

    Wenn es eine Medizin gäbe, die das Trauern abkürzt oder ganz weg zaubert. Würdest Du die nehmen?

    Ich bin mir nicht sicher ob ich es täte.

    Ralfsheidemarie