und plötzlich blieb die Welt stehen

  • Liebe Rienchen,

    Der Verlust deines Mannes tut mir unsagbar leid. Eine so plötzliche Trennung nach so vielen gemeinsamen Jahren.


    Ich weiß ihr habt alle das gleiche durchgemacht aber ich muss es einfach mal aussprechen …. Ich ersticke sonst an der Trauer

    Du kannst hier jederzeit alles niederschreiben. Es hilft! Die Trauer wird nicht weniger, aber man verarbeitet, sortiert sich und wird verstanden.

    Fühl dich hier willkommen <3

    Isabel

  • liebes Rienchen,


    es tut mir so leid für dich... du hast deine große liebe verloren, einfach so, bumm, aus..... ich kann alles nachempfinden, wie es in deinem herzen aussieht und in deiner seele....


    ich selbst habe meinen mann am 31.12.2018 an den krebs verloren, wir haben gekämpft und doch verloren... mein mann war alles für mich, alles auf der welt und jetzt stehe ich kurz vor seinem zweiten todestag und doch fühlt es sich für mich an, als wäre es erst gestern gewesen....


    ich selbst bin spirituell im denken und fühlen und ich persönlich weiss, dass eine seele weiter existiert, da drüben irgendwo, und ich weiss für mich, dass dein geliebter mann immer noch bei dir ist, auf andere art als vorher. wir haben hier einen thread "zeichen von unseren verstorbenen" da kannst du, wenn du möchtest, nachlesen, welche erlebnisse der eine oder andere schon mal hatte mit dem geliebten verstorbenen menschen.


    dein kleiner enkel, der hat noch diese feinfühligkeit in sich, er hatte kontakt zu seinem opa, da bin ich mir sicher, und er war in der tat mit ihm spazieren....


    jedenfalls von mir eine ganz liebe umarmung :30:


    alles liebe von Bine

  • Liebe Bine,


    du hast Recht. Wissenschaft ist das Eine, aber das Leben mit seinen Geheimnissen und seinen verworrenen Wegen und Wundern ist die Wirklichkeit.

    Das Wunder Leben entsteht und die Kraft und Energie der Seele kann nicht einfach verschwinden.

    Wir alle sind ein Beispiel dafür. Wenn wir zur Ruhe kommen oder auch ganz unverhofft streicheln unsere Liebsten unsere Seele. Es lässt sich nicht erzwingen, aber es tut uns so gut. Wir sehnen uns nach diesen Momenten wo wir ihnen ganz nahe sind.

    Diese Momente und die Momente mit Euch geben mir Mut jeden Tag aufzustehen.

    Danke liebe Biene....

  • auf einer traueranzeige las ich:


    ich glaube nicht, dass mit dem tod alles aus ist,

    dieser wunderbare menschliche körper,

    dieses so unendlich komplizierte system,

    unsere seele, unsere fantasie, unsere gedanken-

    alles nur für ein einmaliges kurzes erdenleben?

    nein, das glaube ich nicht.

    ken schöpfer wäre so verschwenderisch.

    wir verlassen die erde. aber wir kommen wieder.


    heinz rühmann

  • Liebe Rienchen,

    gerade habe ich noch eine Antwort an deine Pinnwand geschrieben und leider erst danach deinen Thread entdeckt!

    Ich kenne das Furchtbare, das dir geschenhen ist allzu gut und es tut mir so leid, dass du es auch erleben musstest und dich nun in diesem ganz speziellen Club mit lauter unfreiwilligen Mitgliedern befindest, im Club der Trauernden.


    Wenn die Trauer noch so frisch ist wie bei dir, ist der Schmerz so unfassbar groß, dass man sich nicht vorstellen kann wie leben gehen soll.

    Auf der Stelle zu sterben und dem geliebten Partner nachzulaufen scheint das Richtige zu sein und dennoch vergeht ein Tag nach dem anderen und das LEben schert sich nicht darum, wie wir uns gerade fühlen.

    Es gibt keinen trost, den ich dir anbieten könnte, nur eine Schulter zum Weinen und die Zusicherung, dass ich dir zuhöre, dass wir alle den Weg mit dir gemeinsam gehen und uns gegenseitig stützen und wärmen in dieser grausamen Kälte die das Herz umfängt.


    Alles Liebe und viel Kraft für die kommenden Herausforderungen Gabi

  • Hallo Ihr Lieben.

    heute ist wieder Freitag. Heute wird es wieder nicht leicht.

    Die Arbeitskollegen sind schon wieder ganz aufgekratzt- Wochenende- nach Hause zu ihren Liebsten… schöne Zeit…

    Letzte Woche habe ich mich anstecken lassen. Ich dachte so innerlich: juhu Wochenende und dann im gleichen Moment wurde mir klar was ich verloren habe……

    Früher habe ich am Freitag immer etwas früher Feierabend gemacht. Auf den Weg nach Hause , beim Bäcker vorbei . leckeren Kuchen besorgen und dann unverzüglich nach Hause, ich wurde erwartet.

    Mein Mann war freitags zu Hause und hat Feuer im Kamin gemacht (nur im Sommer nicht), meine Schwiegertochter hat den Kaffeetisch gedeckt und mein Ingo hat dann durchs Haus gerufen; die Oma kommt. Meine kleine Rasselbande hat mich dann von der Tür abgeholt……

    Freitags nach der Arbeit habe ich nichts gemacht- ich hatte Zeit für meine Familie…. mit meinem Mann kuscheln…. mit meinen Enkelkinder spielen…. Seele baumeln lassen… das ganze lange Wochenende lag vor uns… Was hatte ich für ein glückliches Leben…..

    Wenn ich dran denk könnte ich heulen - vor Glück und vor Trauer…………

    Jetzt komm ich Heim und der einzige der sich freut ist der Hund und der ist mit seinen 17 Jahren so durcheinander das er neben sich steht. Wir setzen uns in die Sitzecke und sind wir beide allein…….

    Ein alter Hund und eine steinalte Frau, die Angst hat raus zu gehen, die sich zu jedem Handschlag motivieren muss …. Schöner Freitag…….

    Ich hab dann erst einmal ein halbes Stündchen geheult.

    Nur gut das ich durch Corona ein Einzelbüro habe.

    …nun es ist wieder Freitag….

    Ich hab mir überlegt- wenn es nicht besser wird besuch ich meine große Schwester……

    LG

    Rienchen

  • Liebe Rienchen,

    Durch solche Ereignisse bekommt man wieder vor Augen geführt was man verloren hat.

    Vielleicht tut dir ein Besuch bei deiner Schwester wirklich gut. Wohnt sie weit weg von dir?


    Komm gut durchs Wochenende und schreib hier wann immer dir danach ist <3

    Isabel

  • Hallo liebes Rienchen,

    Oh weh...

    Du tust mir so leid!

    Mein Mitgefühl.....


    Erstaunlich und beeindruckend , was das Enkelkind erlebt hat mit dem Opa, deinem lieben Mann!

    Das gibt dir sicher etwas Trost....?


    Bettina 🦋

  • Hallo Ihr Lieben,

    vielen Dank für eure warmen Worte. Es tut so gut......

    Ich hab das Wochenende mit viel Arbeit geschafft!

    Ich hab mir das mit den Freunden durch den Kopf gehen lassen.

    Das mit den Freunden ist so eine Sache......

    Ich habe immer mit Männern zusammen gearbeitet. Wenn sich eine Frauen- Freundschaft angebahnt hat, habe ich sie nicht gepflegt. Ich habe immer die Familie vorgeschoben. Ich hatte Angst mich zu öffnen.

    Seit ein paar Jahren habe ich 2 Freundinnen. Beide kommen mit ihrer Umwelt nicht so klar. Ich mochte sie sehr.

    Ich hatte beim kleinsten Anruf immer Zeit und ein offenes Ohr und habe mich um sie gekümmert.

    Jetzt brauchte ich Beistand.

    Ich habe versucht die Erste mehrmals zu erreichen..... keine Reaktion.

    In meiner Ohnmacht habe ich eine Nachricht mit der Sterbeanzeige geschickt.

    Endlich der Rückruf.... nach 2 Sätzen wurde mir der Tod ihres Onkels in aller Einzelheit erzählt und was ihr 10 Jähriger Enkel erzählt usw

    und das sie aber nicht zur Beerdigung kommen kann und und und ........

    Gestern nach 111 Tagen bekam ich eine Whats App: "Wie geht es Dir? Wir könnten ja wieder mal telefonieren."

    Heute habe ich ihr die Freundschaft gekündigt. Das kann keine Freundschaft sein......


    Die 2. wollte gleich am 2. Tag zum Kaffee kommen - ich hab gesagt ich bin noch nicht soweit ..... nie wieder ein Anruf.....

    Vor 14 Tagen habe ich sie auf der Strasse getroffen. Wie geht es Dir? Ich hab sie eingeladen,.... komm doch mal wieder vorbei....

    ...keine Reaktion.....

    Richtige Freunde im Leben findet wenn man Glück hat nur einmal- oberflächliche solange es dir gut geht öfters....


    Meine Freunde sind im Moment meine Tochter und meine Schwester.

    Warmherzige Menschen gibt es viele um mich herum.

    RalfsHeidemarie, du hast deinen Liebsten erst mit 60 Jahren kennengelernt.

    Vieleicht schaffe ich es mit 61 Jahren eine gute Freundin zu finden.


    LG Rienchen

  • Liebe Bettina,

    ja du hast recht. Die Kinder helfen mir zu Leben.

    Mit ihrer Unschuld und ihrer Zuversicht halten sie mich mit ihren kleinen Händchen und zeigen mir zu GLAUBEN.

    Das Leben ist nicht zu Ende.

    ....hinterm Regenbogen gibt es weder Leid noch Tod,

    Du hälst meine Hand und alles wird gut.....

    Der Opa bleibt Teil unseres Lebens. Gestern plapperte die kleine Sonja: " Oma komm raus - zum Opa.....


    .......

  • Weißt du, die meisten sind überfordert.

    Sie wissen nicht was sie sagen sollen und sagen dann das Falsche, aus lauter Angst.

    Oder sie ziehen sich zurück, oder sie befürchten kein guter Gesprächspartner zu sein...

    Es muss nicht bös gemeint gewesen sein.


    Aber ja! Wir sind sehr empfindlich in unserem Zustand.. ⭐


    Liebe Grüße von Bettina 🦋

  • so ging meine Geschichte in mir weiter....

    die Todesnachricht am Telefon - Zusammenbruch -

    Ich war im Schockzustand - ich sagte meinen Kindern Bescheid und versank in meiner unserer Welt (zuerst unfähig zu denken).

    Ich kam zum Schluss - das kann nicht sein, was erzählen sie da.

    Mein Mann war in seiner Jugend Leistungssportler, hat dann im Ort Fußball gespielt, ist, wenn er zu Hause war, täglich mit dem Hund gute 2 Stunden spazieren gegangen (stramm und bergauf), freitags war er zu Hause und ist regelmäßig zum Reha- Sport gegangen, ich hab immer gekocht, er hat nicht geraucht oder getrunken, hatte keine Beschwerden, er war stark, ein Mann wie ein Baum.......

    ... es konnte nicht sein.....

    Meine Kinder kamen und wir funktionierten.

    Ich stand auf, machte meine Arbeiten wie Kochen und Haushalt wie eine Maschine und wir kümmerten uns gemeinsam um alles andere....

    Nach dem Schock kamen die Schuldgefühle - Hätte ich etwas anders machen können? Hätte ich es verhindern können?

    Tagelang ging ich gedanklich durch die letzten 2 Jahre unseres Lebens und machte mir die unmöglichsten Gedanken.

    Wir haben unseren Sohn in der oberen Etage unseres kleinen Wohnhauses eine Wohnung eingerichtet. Wir lebten im EG und er oben.

    Ich hab immer gesagt, wir können unsern Hintern sowieso nur auf einen Stuhl setzten. So machten wir uns es gemütlich und kuschelig.

    Im Frühjahr haben wir die ganze Wohnung renoviert. Genauso wie wir beide im Alter leben wollen, bequem und modern. Das habe ich mit einem alten Bekannten in der Woche gemacht. Ich habe das Material besorgt und nach der Arbeit mitgeholfen. Und am Wochenende schmiedeten wir neu Pläne.

    Mein Mann war ein riesen Fußballfan. Er lebte und zelebrierte Fußball und so holten wir uns ein riesigen TV ins Wohnzimmer. Ich bekam vor ein paar Jahren ein Kamin. Ich habe ihn entworfen und mir einen Arbeitskollegen gebaut. So war jedes Eckchen unsere Wohnung speziell und auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet.

    Mein Ingo hat immer gesagt: er kommt so gern nach Hause, wir haben es so schön (er war seit über 25 Jahren auf Montage) und dabei hat er mich immer angestrahlt.

    Im Mai haben wir angebaut. Ein Zimmer für unser 2. Enkelkind (Dach gehoben, Vorbau aufgestockt).

    Es war meine Baustelle mit verschiedenen Fremdfirmen. Mein Mann hat dazu die Fußbodenheizung gemacht. 1 Wochenende vorbereitet- 1Wochenende verlegt-

    Erste Augustwoche war alles fertig. Die Gardienen hingen, der Außenputz war dran. Wir waren glücklich. Alles kann nun so bleiben - bereit fürs Alter.

    Die Selbstzweifel fressen an meiner Seele. Ich kann ihn nicht überfordert haben....

    Die Last habe ich getragen. Er hat sich voll auf mich verlassen. (hab ich auch gern gemacht)

    Ich hätte dann sterben müssen. Ich habe unsagbaren Druck im Beruf. Ich habe Übergewicht, Bluthochdruck schwer kontrollierbaren hohen Zucker und muss 3x Spritzen. Ich lebe ungesund und mache keinen Sport. Warum hast du mich nicht geholt, warum muss ich weiterleben. Jedes Eckchen im und um unseren Haus ist voll Erinnerung und hat eine Geschichte.

    Nach dem Schock und der Ohnmacht steigt die mir den Atem nehmende Trauer in mir hoch....

  • ja ich war ein starker Mensch....

    was übrig davon ist, ist ein trauriges Häufchen Mensch, das sich ab und zu mal aufbäumt und wieder in sich zusammensackt wenn mich die Stiche in der Seele treffen.

    Der ehemalige Arbeitgeber zum Beispiel hat mich beginnend am Todestag genervt ich soll die Arbeitshose zurück schicken (3 Anrufe dazu und ein Brief für eine einfach blaue Latzhose). Ich habe ihn gesagt dass sie bei der Gerichtsmedizin zerschnitten wurde. Was wollte er damit? Er fragte mich wo er den letzten Monatslohn hin überweisen soll. Unser Konto würde doch jetzt gepfändet (Erbgemeinschaft). Sein Lohn kam 8 Wochen später und es wurden 80% davon einbehalten. Angeblich eine Überzahlung von vor 2 Jahren..... 2 Anrufe wann die Beerdigung wäre.... Grund - er hat von dem eingesammelten Geld von de Arbeitskollegen ein Blumengesteck durch seine Sekretärin schicken lassen. Ich hatte für die ganze Sch... keine Kraft, soll er doch machen was er will - nur mich in Frieden lassen.

    Bei meinem Arbeitgeber bin ich warmherzig aufgenommen worden. Meine Arbeitskollegen wissen zwar nicht wie sie mit mir umgehen sollen, aber sie sind mitfühlend und freundlich und so bekomme ich meinen Arbeitstag irgendwie rum

  • Hey Rienchen....

    Hab dich noch gar nicht begrüßt aber jetzt bin ich da....

    Niemand wird sich jemals zugetextet fühlen da sei dir sicher...

    Ich selbst denke manchmal ich schreib zu viel und doch zu wenig... Tja

    Schreibe soviel du kannst/willst es ist eine Art Erleichterung.... ich sollte im Moment viel viel mehr schreiben in meinem Wohnzimmer aber es funktioniert gerade nicht.... auch das wird dir vielleicht passieren...nicht schreiben können....dedwegen schreibe schreibe schreibe solang es geht.

    :24:Tamara