Plötzlich Witwe mit 57

  • Guten Morgen, liebe Sabi(e)ne, wieder schreibst Du so liebevoll über Deine Eltern und Dein Verhältnis zu Ihnen.

    Mein Verhältnis zu meinem Eltern war auch immer ganz o. k. Allerdings hatte ich das bessere Verhältnis zu meinem Vater. Sogar seine charakterlichen Züge hat er mir zu 100 % vererbt. Leider ist er aber schon vor 27 Jahren verstorben.

    Die Schilderungen über Deine Mutter kann ich 1:1 auf meine Mutter übertragen.

    Mich persönlich macht das sehr traurig. Im Sinne der Achtsamkeit mit mir selbst hat das inzwischen natürlich dazu geführt, dass ich mich innerlich bereits ein Stück weit von ihr verabschiedet habe.

    Möge es uns beiden gelingen, einen Weg zu finden, diese zusätzlichen Belastungen nicht zu stark an uns heran zulassen und auf jeden Fall immer an 1. Stelle achtsam mit uns selbst zu sein.

    Mitfühlende Grüße zurück.

    Gaby

  • Liebe Gaby,

    mich macht es auch immer froh, wenn ich etwas von der Ruhe und Gelassenheit und zuversichtlichen Grundhaltung meines Vaters bei mir entdecke. Zum Glück habe ich die nämlich auch mitbekommen. Meine Mutter sehe ich heute, nach viel Beschäftigung mit dem Thema, als leider früh traumatisiertes Kriegskind, das die erlittenen Verletzungen nie aufarbeiten konnte. Unser Verhältnis von früher hat sich jetzt gewissermaßen umgekehrt, jetzt bin ich die Stärkere, die Ratgeberin, die ein wenig Ruhe und Kraft vermitteln kann. Und wenn ich sehe, dass dies auch wertgeschätzt und dankbar angenommen werden kann, dann erleichtert das auch wieder vieles. Deine Mutter und dich eint ja leider die Erfahrung, dass ihr beide relativ früh eure Männer verloren habt. Vor 27 Jahren hat man seine Trauer vermutlich anders, weniger bewusst gelebt als wir heute. Vielleicht hat sie das hart gemacht und in ihrem Anspruchsdenken und ihrer Opferhaltung verfestigt? Nur so ein Gedanke ...

    Danke für den Austausch über dieses sensible Thema, es ist doch immer schön, wenn man Gemeinsamkeiten entdeckt.

    Alles Liebe für dich

    Sabiene

  • Liebe Sabine,

    ich möchte auch Danke sagen für den Austausch über dieses sensible Thema. Es tut wirklich gut, mal darüber schreiben zu können.

    Meine Mutter ist ohne Frage auch ein früh traumatisiertes Kriegskind, die die erlittenen Verletzungen nie aufarbeiten konnte. Hinzu kommt ebenfalls - ohne Frage - der früh erlittene Verlust des Mannes. Nicht nur, dass man früher anders, weniger bewusst, getrauert hat, als wir heute. Sie hat sich nie wirklich Zeit genommen zu trauern. Das Leben musste für sie ziemlich schnell weitergehen. Ich gebe Dir Recht, all' das hat sie hart gemacht. Sie hat so überhaupt kein Empfinden mehr für ihre Umwelt. Sie lebt irgendwie in ihrer eigenen kleinen Welt.... und lässt sich so überhaupt nichts sagen. Eine Ratgeberin bin ich so überhaupt nicht für sie.


    Auch für Dich alles Liebe,

    versuche stark zu sein!

    Gaby