Mein Leben ist nur noch ein Scherbenhaufen

  • Liebe Karin,

    Auch ich bin eine verwaiste Mama und hänge sehr an meinem geliebten Sohn.

    Für mich ist er immer um mich. Er ist nicht weg.

    Dünnhäutig bin ich, überaus gefühlsbetont und sehr verletzlich. So wie du.

    Weißt du was ich mit den Menschen mache, die mir nicht gut tun; Ich lasse sie "links liegen". Vielleicht kommt deine empathielose Schwägerin einmal in eine Situation in der ihr ein Mensch, wie du einer bist, gut tun würde.....

    Unser Leben ist sehr filigran.

    Es kann plötzlich so schnell alles anders sein.

    Du bist stark, liebe Karin. Wir alle! Wie hätten wir es sonst so weit gebracht, ohne unsere Liebsten.

    Lieber Gruß, Kathi

  • das Leben ist durch die Verluste die wir erleben mussten nicht mehr das was wir kannten, liebten und wohlfühlten. Man muss sich völlig neu orientieren. Es fällt mir absolut nicht leicht. Ich selbst habe nie viele Menschen um mich herum gebraucht. Es reichte mir wenn mein Mann da war da ich mir dort sicher war das er mich akzeptierte. Jetzt ist es nur noch ein rumprobieren wem kann ich vertrauen. Und aufgrund meiner Erfahrungen bin ich sehr sehr Misstrauisch geworden. Ist vielleicht auch nicht richtig, aber ich habe Angst vor erneuten Enttäuschungen.

  • Ich schwanke ständig zwischen zurückziehen und dem Bewusstsein, daß ich ohne soziale Kontakte nicht leben kann. Aber welche sozialen Kontakte tun mir gut??? Ich weiß es manchmal selbst nicht. Eigentlich nur meine eigenen Angehörigen. Meine beiden Brüder kann ich allerdings vergessen, mit dem einen letztes Jahr Weihnachten gebrochen, der andere naja, da habe ich immer das Gefühl sie haben Angst das ich wohlmöglich Hilfe von ihnen erwarte. Die einzigen die noch bleiben sind meine Tochter und die beiden Enkelkinder.

    LG Karin

  • Liebe Karin.Ich war mal sehr krank. Da habe ich lernen müssen, dass man von niemandem etwas erwarten sollte. Dann wird man auch nicht enttäuscht. Das ist nicht leicht zu akzeptieren, aber es ist der einzige Weg, den du gehen musst, damit es dir eines Tages besser geht. Ich habe mir etwas gesucht, worauf ich mich verlassen kann.Nämlich auf mich selbst. Ich habe mein Leben neu gestaltet. Alles habe ich weggeräumt, was da an Steinen im Wege lag,Ich habe mir professionelle Hilfe geholt. Alleine schafft man es nicht. Vielleicht überdenkst du mal meine Worte .Ganz liebe Grüße von Christine.

  • Liebe Christine,


    ja, das muss auch seit dem Tod meines Mannes lernen. Leider bin ich sehr krank. Versuche mein Leben zu organisieren. Enttäuschungen gab es sehr viele. Nur eine gute Freundin habe ich noch. Sie wohnt leider sehr weit weg.

    Auf sie kann ich mich verlassen. Ansonsten habe ich keine Verwandte mehr. Angebliche Freundinnen haben sich verabschiedet.


    Hätte nie gedacht , dass es so hart wird.
    es gab neue Kontakte. Die haben sich über mein Schicksal lustig gemacht , obwohl sie auch Menschen verloren hatten.


    Den besten Freund, den man hat ist man selber!


    schließt Freundschaft mit Euch selber. Ist ein schwieriger Lernprozess.

    Erwartet von anderen nichts. Dann kann man nicht enttäuscht werden.
    es wird auch kleine Überraschungen geben. Fremde Menschen sind hilfsbereit.


    traurige Grüsse

    Sonnenstrahl

  • Lieber Sonnenstrahl.Deine Antwort zeigt mir, daß der Mensch sich nach Liebe und Frieden sehnt. Dann frage ich,warum man in schwierigen Situationen oft auf so wenig Liebe und Verständnis stößt. Doch frage ich mich selbst ,was habe ich bisher in meinem Leben dafür getan.? Die Antwort mache ich mit mir selbst aus.Durch mein Schicksal mit meinem lieben Sohn denke ich zur Zeit viel über mich nach.Denn es ist so ,dass ich die Menschen nicht ändern kann ,das wäre ja vermessen.Es ist immer ein Ringen mit sich selbst, wie man auf sein Umfeld reagiert. Da muß ich manchmal radikal akzeptieren, dass es so ist und mein ganzes Dasein darauf richten,was mir guttut.Das muss ich herausfinden. Und es gibt doch viele schöne Dinge in unserer Welt,die man ganz alleine erleben kann. Liebe Grüße von Christine.

  • Heute ist es schon 1 Jahr her als mein Sohn für mich unverhofft mit 44 Jahren gestorben ist und im März hatte mein geliebter Mann seinen 2. Todestag. Das Leben geht irgendwie weiter, aber irgendwie ist es so ganz anders. Ich habe mich verändert fühle mich aber noch lange nicht in meinem jetzigen Leben angekommen. Ich habe gute Bekannte gefunden, mich mit meinem Bruder wieder versöhnt, da er auf mich zu kam, eigentlich läuft es könnte man sagen, wenn nur dieses unendliche Vermissen nicht wäre. Es spricht keiner mehr von meinen beiden, von meinem Sohn schon mal gar nicht, da er sich ja durch seine psychische Erkrankung von allen entfernt hatte, auch von mir. Das ich deshalb fast 2 Jahre keinen Kontakt mit ihm hatte macht mir heute noch sehr zu schaffen, ich grübeln ständig ob ich ihm nicht doch hätte helfen können und plage mich oft mit Schuldgefühlen. Ich kann nichts mehr ändern, ich wusste es nicht besser.

    Manche Tage fühle ich mich richtig leer, habe das Gefühl ich kann gar nichts mehr empfinden und so geht es Tag für Tag weiter, irgendwie.

  • Liebe Karin,

    ich habe mein Kind sehr eng durch ihre Zeit der Seelenqual begleitet. Es ist eine Art Art Krebs, der von innen her alles übernimmt und irgendwann zerstört. Heilung gibt es nur als die sogenannte Spontanheilung wie manchmal bei rein körperlichen Erkrankungen. Alles andere ist immer nur ein wahrlich grausamer Kampf. Mit der Krankheit, mit den Ärzten und Einrichtungen, mit der Gesellschaft und mit sich selbst. Wie hättest du, wie hätte ich, da etwas gegen tun können? Die Wissenschaft hat bis heute keine Ahnung, wie solche "Erkrankungen" zu behandeln sind. Tabletten richten meist mehr Schaden an.

    Das leere Gefühl ist wohl ein nun immer wieder auftretendes Gefühl, an das man sich gewöhnen muss.

    Du hast das nicht verursacht. Du konntest es nicht ändern. Du konntest ihn nicht heilen. Auch wenn du die Zeit immer wieder zurück drehen könntest. Es war sein Kampf. Und ob unsere Kinder den Kampf tatsächlich verloren oder vielleicht eher gewonnen haben, traue ich mich gar nicht zu bewerten.

    Sprich du von ihm. Laut und unüberhörbar. Ich musste das auch erst lernen. Ernte immer noch betretene Gesichter. Mir ist das jetzt sehr egal. Ich kann manchmal lachend Anekdoten erzählen und dabei ihren Namen nennen. Immer wieder. Sorry, ihr Überbesorgten! Da müsst ihr durch! Mein Kind lebt! Nicht so, wie ich es möchte. Aber sie lebt!

    Ich umarme dich ihn stillem, doch großem Verstehen, liebe Karin

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Liebe Karin,

    ich finde, Elster hat das sehr gut auf den Punkt gebracht. Ihr habt beide Eure Kinder verloren, jeder weiß genau, wie der andere fühlt….
    Ich weiß ja auch in Bezug auf meinen psychisch kranken jüngsten Bruder, dass Hilfe nur bedingt möglich ist. Man kann das versuchen, Angebote machen, mit Krankenhäusern, Reha Einrichtungen, Ärzten und Betreuern zusammenarbeiten…. Aber es gibt keinerlei Garantie, dass das zu einer Verbesserung führt (Heilung im Sinne von „das Problem verschwindet“ gibt es ja nicht). Klar fragt man sich, was hätte ich noch mehr oder besser machen können. Aber letztendlich ist es so, dass die Kranken Angebote erkennen, wertschätzen und annehmen müssen. Das können sie oft nicht (aus den verschiedensten Gründen). Und dann gibt es nichts, was man noch konkret tun kann. Und dann die berechtigte Frage: hat mein Kind den Kampf verloren? Wirklich? Alles eine Frage der Perspektive…..

    Fühle Dich verstehend in den Arm genommen…,

    Lg Cathrin🫂😘

  • Liebe Elster, liebe Cathrin,

    Ich danke für eure spontanen Antworten und eure lieben Worte, alles was ihr beide schreibt sagt mir mein "hoffentlich" gesunder Menschenverstand auch, wie von mir geschrieben es geht weiter auch ohne sie, was man anfangs kaum für möglich gehalten hat. Eine Wunde wird immer bleiben, für meinen Mann sowie für meinen Sohn. Glücklicherweise habe ich meinen 3-jährigen Urenkel, in ihm leben beide weiter. Er ist mein Sonnenschein.

    LG Karin

  • Liebe Karin56,


    schon 1 Jahr meine Güte wie die Zeit fliegt.

    Für Dich ist Sie stehen geblieben natürlich wie sollte es auch anders sein.

    Für mich stand Sie auch still, manchmal sogar heute noch.

    Das es mittlerweile über 5 Jahre sind ist für mich überhaupt nicht zu begreifen das kann nicht.


    Wie hab ich das bloß geschafft frage ich mich immer wieder.

    Ehrlich ich weiß es nicht.

    Manchmal bin ich einfach nur müde und erschöpft manchmal geht es mir richtig gut und manchmal ist es irgendwas dazwischen.


    Doch dieses Loch diese Leere die bleibt ist jedem Tag da das schließt sich nicht.


    Vlg. Linchen

  • Drei Jahre sind vergangen seitdem mein Mann nicht mehr bei mir ist, ich frage mich oft, wie habe ich es bis hierhin geschafft, irgendwie ging es immer weiter. Drei Jahre in denen viel passiert ist, viele liebgewonnene Menschen verloren, vor allem meinen Sohn. Ich wundere mich wirklich oft, was ein Mensch alles ertragen kann, der Tod hat für mich seinen Schrecken verloren.

    Dieses Jahr im Mai hätten wir Silberhochzeit, mein Mann war immer überzeugt, was soll schon passieren, das zu erleben schaffen wir auf jeden Fall. Ist leider nicht so.

    Ich habe mich in diesen 3 Jahren sehr verändert, habe wieder Kontakt mit meinem Bruder, wir Geschwister treffen uns jetzt regelmäßig, es hat wohl jeder begriffen, wie schnell alles vorbei sein kann.

    Ich bin jedes Jahr einmal mit meiner Tochter und Enkelkindern im Urlaub gewesen und konnte es sogar genießen.

    Vor allem, was für mich am wichtigsten ist, ich kann jetzt verstehen, warum meine Familie mit meinem Verlust so schlecht umgehen konnten, wir haben viel darüber gesprochen. Ich sehe vieles jetzt anders und kann verzeihen.

    LG karin

  • Trauer ist nichts Starres, Vorgeschriebenes. In und mit ihr gibt es Bewegung, Entwicklung. Deine innere und äußere Entwicklung ist der - ja, lebende Beweis dafür.
    Es nimmt die Trauer nicht weg, wenn man sich weiterentwickelt. Es verändert manchmal den Blickwinkel. Vielleicht bleibt der Blickwinkel auch gleich und man arrangiert sich damit. "Das Leben geht weiter". Ein Spruch, der in der Trauer wie Hohn klingt. Denn es geht ja nicht einfach so weiter. Das Leben um einen herum schon. Das eigene Leben sucht erst noch einen neuen Weg und das kann dauern. Wenn dann das hier im Zitat passiert, bzw. sich entwickelt.......

    Vor allem, was für mich am wichtigsten ist, ich kann jetzt verstehen, warum meine Familie mit meinem Verlust so schlecht umgehen konnten, wir haben viel darüber gesprochen. Ich sehe vieles jetzt anders und kann verzeihen.

    .... dann kann das eigene Leben vielleicht auch wieder Land sehen. Wenn von außen Verständnis kommuniziert wird, dann ist man plötzlich nicht mehr allein.

    Liebe Karin, Trauer entwickelt sich meiner Meinung nach immer weiter. Bis wir dann selbst den Weg hier beenden. Besondere Zeiten, wie die anstehende Silberhochzeit z.B. können uns kurz zurückwerfen. Du hast deine Geschwister sozusagen zurückbekommen und das wird dir bestimmt auf irgendeiner Ebene helfen. Du wirst es weiter tragen...er-tragen. Weil da doch viele Menschen sind, die dich um sich haben wollen und dich lieben.

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Liebe Elster,

    Danke für deine Worte. Du hast es passend formuliert was meine Geschwister betrifft. Ich bin auch sehr froh darüber, ich habe innerlich Frieden mit sehr vielen Dingen geschlossen, verbittert zu sein bringt mich auch nicht weiter und macht mich selbst nur unglücklich. Ich habe gelernt gut mit mir auch alleine klar zu kommen, habe ein paar gute Bekannte aus meiner Trauergruppe von vor 3 Jahren und meine Familie, das reicht mir auch ehrlich gesagt.

    Ich bin jetzt 70 Jahre geworden und möchte gerne in Frieden mit dem was mir geblieben ist leben.