Mein Mann ist mit dem Flugzeug abgestürzt, seitdem ist alles anders.

  • Liebe Tigerlilly,

    dieses Buch habe ich auch gelesen, ein Wissenschaftler, der offen ist für die jenseitige Welt. Ich kann dir auch das Buch "Brücken zwischen Leben und Tod" empfehlen. Es war meine erste Lektüre in dieser Richtung.

    Liebe Grüße

    Johanna

  • liebe Gabi,


    immer wieder bekommen wir unsere aufgaben, leider, wir wollen sie garnicht.... aber wir ackern sie durch und wir halten sie irgendwie aus.... und ganz zum schluss... da bekommen wir die belohnung.... ganz zum schluss werden wir ERFAHREN, warum das alles und wir werden wieder VÖLLIG eins sein mit unseren liebsten und endlich, endlich werden wir wieder ZUHAUSE sein MIT all unseren liebsten....:30::30::30:


    wir halten das zusammen durch, Gabi<3<3<3


    eine liebe umarmung von Bine:24:

  • Ich habe schon lange nichts mehr in mein Wohnzimmer geschrieben, habe allerdings auch sonst nicht viel im Internet gestöbert, weil mich der Alltag ziemlich gefordert hat.

    die neue Situation bringt mir nun eine Aufgabe und ich muss sagen, wieder einen strukturierten Alltag zu haben und einen Sinn im Leben tut mir gut.

    Ich hätte mir nur etwas Schönes gewünscht und nicht diese hässliche Krankheit, aber leider muss man im Leben immer nehmen was gerade kommt und versuchen damit umzugehen.

    Mein Cousin ist ein Mensch, der sehr gerne lebt und grundsätzlich alles positiv sieht.

    Er stellt sich tapfer seiner neuen Situation und ich bemühe mich ihn darin zu unterstützen, seinen Alltag in Ordnung zu halten.

    Wir haben viele Gespräche über Leben und Tod und es gibt gute und schlechte Tage und schön langsam entwickelt sich dieses neue Leben zu einer gewissen Routine.

    Nachdem ich mich vom ersten Schock der Diagnose erholt hatte (ja auch für mich war es ein Schock, auch wenn nicht ich es bin, die dieses schreckliche Krankheit aushalten muss), fing ich an über das Leben an sich nachzudenken, denn nach dem Tod meines Vaters und kurz darauf dem tragischen Unfall meines Mannes ist dieser neue Einschnitt in den Lebensweg eines mir nahen Menschen eine Veränderung, mit der ich wieder umgehen lernen muss.


    Momentan ist meine schmerzliche Trauer einer ruhigen in sich gekehrten Trauer gewichen. Und die Gefühlslosigkeit der letzten Wochen schwindet gleichermaßen und macht einer gewissen Rührung Platz, woran der kleine Ben mit seiner drolligen, vertrauensvollen Art einen großen Anteil trägt..

    Ich werde auch diese Aufgabe meistern, so wie alle Aufgaben meines Lebens bisher.

    Und dann noch alle, die danach kommen bis zur Letzten.

    Und dann darf ich endlich nach Hause, darauf freue ich mich sehr.

  • liebe Gabi,


    Momentan ist meine schmerzliche Trauer einer ruhigen in sich gekehrten Trauer gewichen. Und die Gefühlslosigkeit der letzten Wochen schwindet gleichermaßen und macht einer gewissen Rührung Platz, woran der kleine Ben mit seiner drolligen, vertrauensvollen Art einen großen Anteil trägt..

    Ich werde auch diese Aufgabe meistern, so wie alle Aufgaben meines Lebens bisher.

    Und dann noch alle, die danach kommen bis zur Letzten.

    Und dann darf ich endlich nach Hause, darauf freue ich mich sehr.

    .... das ist der "weg in den fluss dessen was passiert"..... der weg des schicksals.... wir haben unter'm strich ja eh keine andere wahl :24::24:


    dein cousin ist ein tapferer mann.....


    alles liebe von Bine<3

  • Liebe Gabi,

    Du bist wirklich eine starke Frau. Ohne Klage nimmst Du an, was Dein Leben Dir bringt. Wie selbstverständlich Du sagst, dass Du alle Aufgaben, die von Dir verlangt werden, meistern wirst, das gibt auch mir etwas Mut. Du freust Dich auf den Weg nach Deinem wirklichen Zuhause, das gibt mir Hoffnung.

    Ich danke Dir von Herzen.

    Liebe Grüße

    Sommermond

  • So stark bin ich gar nicht, die Situation ist irgendwie ein Selbstläufer und ich muss aufpassen, dass ich nicht von ihr verschluckt werde.

    Ich möchte tun was wichtig und richtig ist, aber keine Opfer mehr bringen, niemals mehr!

    Es stimmt tatsächlich, jetzt ist es an der Zeit auf mich selber zu schauen, weil es niemanden mehr gibt, der das für mich tut.

    Und wie schrecklich die Situation für meinen Cousin auch sein mag, und wie leid es mir tut, dass es so kommen musste, muss ich doch eine klare Linie ziehen, was ich zu leisten bereit bin und was nicht.

  • Ihr Lieben,

    gerade erwacht aus meinen Träumen habe ich mich mit meiner Vergangenheit beschäftigt.

    Mit allem was schön war, mit allem was traurig war.

    Ich hatte das Gefühl meine Gedanken sofort aufschreiben zu müssen, bevor sie wieder verfliegen.

    Und ich merke es fängt schon an ...


    Also mal los!


    Als ich so in meinen Erinnerungen geschwelgt habe ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, was so anders ist bei mir als bei vielen anderen in meiner Umgebung.

    Für diese Menschen ist das Leben eine selbstverständliche Basis, die niemals angezweifelt wird und mit der man bestmögich umgehen muss, um ein schönes Leben zu haben. Und wenn es mal schlimm kommt ist es Pflicht, das Schlimme möglichst schnell hinter sich zu lassen und daran zu arbeiten dass es wieder schön wird.

    Für mich war das Leben an sich niemals die unangezweifelte Basis, sondern ich lebte eine relative Bezogenheit zu einem Leben, an dem ich nur hing durch die Hingabe an meine Eltern, von denen ich wusste ich würde ihnen unendlichen Schmerz zufügen gäbe es mich nicht mehr, wohingegen ich sie mit meinem Wohlverhalten sehr stolz machen und ihnen mit meiner Liebe Glück bescheren könnte.

    Es war also meine Verantwortung, den Menschen gegenüber die mir alles bedeuteten, alles zu geben was ich konnte und ein veritabler Grund für mich am Leben zu bleiben.

    Dann kam Hannes und die Positionen wechselten.

    Meine Eltern gaben ihre Verantwortung an meinen Mann ab und für mich galt das obengesagte nun nicht mehr nur für meine Eltern, sondern auch und ganz besonders (!) für meinen Mann, dem ich in Liebe treu ergeben war und der es mir seinserseits mit Liebe, Freundschaft und einer Zuverlässigkeit, die viele andere Menschen so nie kennen lernen durften, dankte.

    Das ist die Basis meines Lebens.

    Ich lebe nicht eigenständig für mcih, sondern in Bezug zu anderen geliebten Menschen.

    nun sind sie alle fort und nur mehr einer ist übrig, mein Cousin, dem ich mich verpflichtet habe, ohne ihn zu lieben wie meine Lebensmenschen. deswegen betrachte ich seine Betreuung als letzte Lebensaufgabe, die ich ebenso treu und zuverlässid erfüllen werde, wie alle meine Lebensaufgaben vorher.

    Und dann ist Schluss, dann gibt es nichts mehr für mich zu tun hier und ich kann in Ruhe darauf warten, diesen Planeten verlassen zu dürfen.

    Das was für viele Menschen so ungeheuerlich klingen mag resultiert aus meinem sechzigjährigen Lebenskonzept, dass für mich Leben an sich nie die Basis war, sondern immer nur Leben in Bezug zu anderen, geliebten Menschen und Tieren.

    Meine Heimat ist nicht von dieser Welt.

    Gerade heute morgen habe ich das wieder so empfunden, als ich aus einem intensiven Traum erwachte und deshalb wollte ich es gleich aufschreiben, damit es in dieser Klarheit für mich und für die, die meine Texte gern lesen erhalten bleibt.


    Aber es gibt noch mehr, was mich beschäftigt.

    Es hängt mit dem oben Geschriebenen zusammen, geht aber noch weit darüber hinaus, sodass ich mich in einem neuen Posting damit befassen möchte, um beide Teile voneinander zu trennen.

  • Doppelposting aus gegebenem Anlass


    Ich habe viele schöne Erinnerungen und ich glaube ich habe schon mal geschrieben, dass ich bei allem was traurig war, wenn ich niedergeschlagen war, wenn ein unangenehmer Termin zu absolvieren war, wenn ein Unglück passiert ist, immer wusste, dass es etwas gab auf das ich mich freuen konnte und das habe ich dann als Ankerpunkt fürs Durchhalten benutzt.

    Das fehlt jetzt.

    Es gibt nichts mehr worauf ich mich freue, wirklich freue.

    Ich weiß, manche von euch werden sage, freue dich doch an den kleinen Dingen, die Vögel, die bereits den Frühling besingen, das gute Essen, das du dir zubereitest, die Gespräche mit Freunden.

    Aber das ist es nicht, was ich meine.

    Es stimmt, dass ich mich in den ersten beiden Trauerjahren selbst daran nicht mehr erfreuen konnte und dass es schön langsam wieder wird und dass das auch gut so ist, aber das ist es nicht.


    Es ist etwas Grundsätzlicheres, das mir verloren gegangen ist und wie ich hier im Forum zum ersten Mal erfahren habe, nicht nur mir sondern auch anderen Trauernden, was ich als ungemein tröstlich empfunden habe.

    Auch dabei gibt es wieder die Kehrseite, weil man es auch ganz anders interpretieren kann: Als Rumjammern, sich gegenseitig runterziehen, nicht die Liebe für den verstorbenen Menschen feiern, sondern sich im Leid suhlen. Und dass es eigentlich unzumutbar ist zu lesen , dass es soviele andere Menschen gibt, denen es schlecht geht und dass man diese aufmuntern müsste und nicht mit ihnen zusammen die schlechte Stimmung verfestigen.

    Es gibt Trauernde, die zieht es unglaublich runter, wenn sie von den Tragödien lesen, die vielen Trauernden geschehen sind, vor allem wenn sie lesen, dass sich diejenigen auch nach einem Jahr noch ganz tief in ihrem Trauerloch befinden. In ihren Augen ist das Leben immer und unter allen Umständen lebenswert und der Tod das Böse schlechthin.

    Sie lieben das Leben an sich und es ist ihnen von untastbarer Heiligkeit, auch unter widrigsten Umständen, teilweise in dem Glauben, man hat ja nur eines. Und leiten daraus die Verpflichtung ab, das Beste daraus zu machen.

    Es ist eine Lebenseinstellung vieler Menschen, ja ich behaupte mal, der Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft und eine unausgesprochene Doktrin, die nicht angezweifelt werden darf.


    Ich gehöre nicht zu dieser Mehrheit und habe ein Leben lang damit zu kämpfen gehabt, die Glaubenssätze der Menschen um mich herum nicht verstehen zu können, ja nicht einmal darüber reden zu können, weil jeder Versuch das zu tun in die Rubrik "Ungehöriges" eingeteilt war, was dazu führte, dass ich meine Gedanken und Gefühle mit niemandem geteilt, sondern versucht habe mich anzupassen und zu verstehen, warum ich so falsch war und wie ich so werden und empfinden könnte wie die anderen.

    Das ist mir aus Gründen, die ich jetzt erst verstehe nicht gelungen und hat lebenslange Scham und Schuldgefühle in mir ausgelöst.

    Mein ganzes Leben war ein Kampf mit mir und gegen mich selbst und ich hätte ihn fast gewonnen, hätte das Schicksal mir nicht meine stärkste Stütze und Lebengrundlage genommen.


    Und dann stand ich da und wusste nicht, wer ich tatsächlich bin, wie ich tatsächlich hätte werden sollen, in diesem Leben.

    Bis ich nach Hannes Tod wie durch ein Wunder nicht nur unter den Trauernden hier und in anderen Gruppen mit Menschen reden konnte, die das genauso empfinden wie ich.

    Erst da habe ich erfahren, dass es auch Andersdenkende und Andersfühlende gibt!

    Und ich fange langsam an zu entdecken warum das so ist, und was uns von den anderen, der Mehrheit unterscheidet.


    Das was ich bisher rausgefunden habe (und ich nehme ausschließlich für mich in Anspruch das als Wahrheit zu empfinden), ist der Umstand, dass es in manchen von uns eine tiefe Sehnsucht nach unserer eigentlichen Heimat gibt, dass wir den Tod nicht als endgültig, sondern als Übergang in unser tatsächliches Leben sehen, das wir für die Dauer unserer Inkarnation aufgegeben haben, um hier in der dichten materiellen Atmpsphäre der Erde Erfahrungen des Getrenntseins, der Verletzbarkeit, der Angst und von Entscheidungen zu machen, die nirgends anders so intensiv erlebt werden können wie hier.

    Dazu war es nötig zu vergessen wo wir herkommen, und dass es eigentlich keine Trennung gibt, dass wir alle verbunden und geliebt sind und das was wir erleben nicht das Einzige ist was existiert.

    Bei vielen Menschen hat dieses Vergessen so gut funktioniert, dass sie tatsächlich davon überzeugt sind, dass dieses Leben das Einzige ist, was zählt.


    Aber dieser Ruf, diese gewisse Sehnsucht nach der Heimat ist in allen Menschen vorhanden und soll uns Antrieb sein, den Weg zurück in die Liebe, den Weg nach Hause zu finden und so kommt es, dass es andere Menschen, Menschen wie mich, gibt, die diesen Ruf stärker spüren, aber nicht wissen was es ist. Und weil in unserer Gesellschaft dieses Thema total ignoriert und nur in Jahrhunderte alten verkrusteten religiösen Gemeinschaften sehr dogmatisch gelehrt wird, muss jeder einzelne von uns, der diesen Ruf spürt, lernen ihm zu folgen ohne Unterstützung von außen, was die ganze Sache noch viel schwieriger macht.

    Und bei mir dazu geführt hat dieses Erdenleben nicht so zu würdigen, wie es das möglicherweise verdient hat.


    Denn eine Gruppe von Menschen habe ich noch vergessen. Nämlich diejenigen, die schon einen Schritt weiter sind und diese Verbundenheit zu Gott und der geistigen Welt sehr stark in sich spüren und ein inneres Wissen in sich tragen und aus diesem Grund die Gelegenheit, ein Erdenleben führen zu dürfen sehr schätzen.



    Nach diesem Exkurs in die spirituellen Hintergründe meines Erdenlebens komme ich wieder auf das eigentliche Thema zurück.

    Auf das Thema, warum einige von uns ihre liebsten Verstorbenen, in meinem Fall den Lebenspartner, so vermissen, dass sie sich ein erfülltes Leben nach deren Tod nicht mehr vorstellen können und warum diese Vorstellung für andere so schwer zu ertragen ist, dass sie glauben, wenn sie nur eindringlich genug erklären würden, wie man denken und handeln muss, um davon zu lassen und wieder das Lebensglück zu finden, könnte man diese erste Gruppe erfolgreich von ihren verschrobenen Ansichten kurieren.


    Die Krux an der Geschichte, die die gut gemeinten, mit fast missionarischem Eifer vorgetragenen Vorschläge nicht nur ins Leere laufen lassen, sondern sogar als verletzend aufgefasst werden ist die, dass wir alle (und ich spreche absichtlich nicht nur von mir selbst, weil ich im Austausch mit anderen deren Erfahrungen teilen durfte) solche wohlmeinenden Anregungen schon reichlich von unserer Umgebung im RL empfangen durften, dass wir uns alle schon sehr oft Gedanken darüber gemacht haben, was mit uns nicht stimmt und wie wir wieder so schnell wie möglich in dieses sogenannte "normale Leben" hineinfinden, dass wir aber herausgefunden haben, dass das nicht so einfach funktioniert und dass dieser Kampf mit dem Leben und der wohlmeinenden Außenwelt sehr anstrengend und zermürbend ist.

    So zermürbend, dass man eine Pause dringend gebrauchen kann.

    Und diese andere Umgebung, in der man nicht verurteilt wird, wenn man rumjammert, wenn man die Leute mit seiner Stimmung runterzieht und sich nicht zusammennimmt, wie es sich für einen anständigen Erwachsenen verdammt nochmal gehört, diese Oase in der Welt der äußeren Ordnung, wo die Dinge richtig laufen oder geächtet werden, diese Oase ist dieses Forum.

    Oder zumindest der Teil des Forums, wo sich Menschen treffen, die sich gegenseitig die Unterstützung geben, die sie anderswo auf die Art und Weise nicht bekommen können.


    Es ist in Ordnung, die Dinge anders zu sehen und das auch zu artikulieren.

    Nicht in Ordnung ist für mich, wie ein Elefant im Porzellanladen durch das Forum zu stürmen und die kleine heile Welt der verletzen Seelen aufzumischen und bei Gegenwind, der meiner Meinung nach sehr berechtigt war, beleidigt zu reagieren und sich als Opfer einer intoleranten Gruppenbildung zu sehen, in einem Forum, von dem man nach kurzem Hineinschnuppern sowieso entäuscht ist, weil es nicht so funktionert, wie ein Trauerforum gefälligst sein sollte, damit es den eigenen Ansprüchen genügt.


    Ich persönlich stehe über den Dingen und kann über die Trotzköpfe, die mit dem Kopf durch die Wand wollen und den missionarischen Eifer anderen seine Meinung darreichen zu wollen nur schmunzeln.

    Worüber ich dann aber nicht mehr amüsiert bin ist der Umstand, dass Menschen, die eine echte Bereicherung für dieses Forum sind, die anderen zu jeder Zeit eine helfende Hand gereicht haben, durch solches Verhalten verletzt werden und zwar so stark, dass sie lieber das Forum verlassen, als sich solche Angriffe weiterhin anzutun.

    Das ist ein öffentliches Forum, in dem jeder und jede seine Meinung schreiben kann, das nicht überreguliert wird und in dem keine Zensur stattfindet (außer der Verfasser der Zeilen möchte seine Beiträge selber zensieren).

    Dieses Forum ist ein seltener Schatz!

    Das Forum spendet Trost und gibt echte Lebenshilfe und es ist sehr lebendig.

    Deswegen ist es wichtig sich seiner Verantwortung als Verfasser seiner Texte bewusst zu sein.

    Die Scherben aufzukehren ist erheblich mühsamer, als den Tontopf erst gar nicht zu zerschlagen.

  • Liebe Gabi,


    wieder einmal hast Du es genau auf den Punkt gebracht, und ich sage mit Kikiro :2: :2: :2:. Ich empfinde genau wie Du, und Deinen klugen und feinsinnigen Gedanken ist nichts hinzuzufügen.


    Liebe Grüße

    Lilifee

  • Ich habe viele schöne Erinnerungen und ich glaube ich habe schon mal geschrieben, dass ich bei allem was traurig war, wenn ich niedergeschlagen war, wenn ein unangenehmer Termin zu absolvieren war, wenn ein Unglück passiert ist, immer wusste, dass es etwas gab auf das ich mich freuen konnte und das habe ich dann als Ankerpunkt fürs Durchhalten benutzt.

    Das fehlt jetzt.

    Es gibt nichts mehr worauf ich mich freue, wirklich freue.

    Liebe Gabi,

    es ist verrückt, wie sehr deine Worte meinem Innenleben Ausdruck geben.


    Die Ankerpunkte, ja. Ich würde an der Stelle sogar in zwei Punkten noch weiter gehen - vielleicht ist es für dich anders oder auch ähnlich. SOrry, wenn es nicht zu deinem Empfinden und auch nicht zum Thema passt.


    Der erste Punkt der mir in den Sinn kommt und worüber ich schon oft für+ mich nachdachte: durch die Liebe und Beziehung und Lebenspartnerschaft konnte ich eine stabile und vertrauensvolle Resilienz entwickeln. Dabei geht es für mich nicht nur darum einen unangenehme Termin zu überstehen oder eine anstrengende, schwierige Lebensphase, weil man sich mit dem Lebensmenschen sicher ist, dass auch wieder bessere, schönere Zeiten oder Zeitpunkte komme (- aber ja, das kenne ich auch!), sondern ein Grundvertrauen ins Leben und eine Grundsicherheit im Leben. Und mit dieser Basis war es auch einfach dem Leben freudig und offen für die kleinen und großen schönen Dinge zu begegnen, sie wahrzunehmen und schätzen zu können. Vielleicht ist es in Augen mancher Menschen ein Armutszeugnis, dass man diese Fähigkeit nicht aus eigener Kraft, alleine und für sich selbst entwickeln kann. Das mag vielleicht so sein. Mir ist das egal, weil ich geliebt wurde und lieben durfte und alles was sich daraus entwickelte, ist ein großes Glück für mich. Für mich weiß ich: alleine hätte ich das so niemals erfahren und erleben können.


    Ja, und zweitens: die Ankerpunkte sind nicht nur wichtig, um blöde Tage und schlechte Zeiten zu überstehen. Sie sind grundsätzlich wichtig, weil sie das gemeinsame Leben zu dem gemeinsamen, einzigartigem Leben machen. Deine und Hannes Ankerpunkte sind ausschließlich eure Ankerpunkte, H.s und meine sind ganz andere und so hat jeder Mensch, hat jedes Paar die eigenen, individuellen. Sie geben dem sonst fahlen, dahinplätschernden Alltag Kontur. Salz in der Suppe sagt man doch, oder? Wenn es das nicht mehr gibt, ist das Leben nur noch ein tristes, ödes, konturloses Dahinplätschern. (Und dann ist da ja noch der Schmerz und die Trauer, die Sehnsucht und Einsamkeit. Dazu vielleicht noch Probleme, mit denen man nun alleine fertigwerden muss). Dieses Dasein ohne Ankerpunkte, ohne Freude, aber mit Trauer und Einsamkeit machen es sehr schwer, Lebenssinn und Lebenswillen zu finden.


    Quote

    Ich weiß, manche von euch werden sage, freue dich doch an den kleinen Dingen, die Vögel, die bereits den Frühling besingen, das gute Essen, das du dir zubereitest, die Gespräche mit Freunden.

    Aber das ist es nicht, was ich meine.

    Es stimmt, dass ich mich in den ersten beiden Trauerjahren selbst daran nicht mehr erfreuen konnte und dass es schön langsam wieder wird und dass das auch gut so ist, aber das ist es nicht.

    Ja.

    Manchmal freue ich mich. Oder eher anders: ich bemerke etwas, worüber ich mich im Normalfall freue. Deine Beispiele passen gut, ein Vogel vor dem Fenster, die Katze macht etwas Lustiges,... Ja, ich sehe es und "freue" mich, aber - und das soll in keiner Weise undankbar klingen - es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, der sofort verdampft und kein nachhaltiger Trost ist oder die Leere nicht für eine längere Zeit als diese Sekunde des Erlebnis ein bisschen füllt.

    Meistens spüre ich auch sehr deutlich (- und das ist dann oft ein bitterer Moment), dass die Freude einfach nicht ganz in mich eindringen kann. Ich muss vielleicht auch mal über etwas lachen oder schmunzeln, aber was ich viel stärker wahrnehme ist diese unsichtbare Grenze, Mauer? Schlucht? Die unüberwindbar sind. Es fehlt die Brücke.


    Und vielleicht sind unsere die Brücke, die uns fehlt, um von Gefühlen wie Freude, Hoffnung, Sicherheit, Vertrauen erreicht werden zu können?

    (Ich meine das nicht im plastisch ausgedrückten, esoterischen Sinn, sondern sehe für mich (!) meine Beziehung zu H. wirklich als Fundament an für alles andere.)

    Ohne stabiles Fundament, ohne feststehendes Gerüst kann man so viele freudige Erlebnisse auftürmen und aufstapeln wie man will, sie werden wackeln und einstürzen.


    Es ist vielleicht zu simpel gedacht, aber über diese "Unfähigkeit" optimistisch zu sein, sich zurück ins Leben zu "kämpfen", sich Freude und Glück wieder anzueignen und das UNverständnis von Menschen, die genau das erfolgreich hinkriegen, habe ich schon oft in dem Kontext nachgedacht:


    Die Bedürfnispsyramide von Pawlow (ich weiß auch um die Kritik an diesem Zugang und bin auch zu ungebildet in dieser Thematik um das Konzept vollständig zu begreifen), aber Pawlow hat die menschlichen Grundbedürfnisse einer Art pyramidenförmigen Hierarchie untergeordnet und sagt z.B:


    1. Stufe (unterste Ebene) = Grundbedürfnisse, die für die menschliche Existenz und ein Überleben nötig sind, z.B. Schlaf, Trinken, Essen

    2. Stufe = Sicherheitsbedürfnisse wie Schutz vor akuten Gefahren, aber auch sowas wie Kälte, Wetter, also: Wohnraum/Schutzraum, Kleidung, Sicherheit für wirtschaftlichen Risiken usw.

    3. Stufe = Soziale Bedürfnisse, Beziehungen, Liebe, Freundschaften, Geborgenheit, Körperlichkeit

    4. Stufe = Selbstverwirklichung


    Die Theorie dahinter ist, dass erstmal Stufe 1 erfüllt werden muss, damit sich der Mensch Stufe 2 widmen kann. Ganz einfach und überspitzt-amateurhaft ausgedrückt: jemand der akut am Verdursten ist oder an akutem Schlafmangel leidet, wird vermutlich in dem Moment keine Nerven dafür haben, eine Freundschaft durch irgendeine nette Geste zu pflegen.


    Vielleicht habe ich das ganze Konzept zu wirr oder sogar ganz falsch erklärt, vermutlich ist es auch schon seit hundert Jahren überholt. Für mich persönlich passt es an ganz vielen Stellen nicht, aber was ich damit ausdrücken möchte: für manche Menschen ist die Beziehung und Liebe zu ihrem Lebensmenschen vielleicht existenziell, d. h.: Stufe 1.

    Und wenn so ein elementarer Bestandteil von Stufe 1 wegbricht, ist es nunmal schwer bis unmöglich sich über vorbeifliegende Schmetterlinge zu freuen. Zumindest: aufrichtig und von Herzen zu freuen.


    Das hat dann auch nichts damit zu tun:

    Quote

    Auch dabei gibt es wieder die Kehrseite, weil man es auch ganz anders interpretieren kann: Als Rumjammern, sich gegenseitig runterziehen, nicht die Liebe für den verstorbenen Menschen feiern, sondern sich im Leid suhlen.


    Denn ich glaube, wie man Liebe und Liebes- bzw. Lebensbeziehungen oder Lebensmenschen in sein Leben integriert, um bei dem hoffentlich nicht vollkommen missglücktem Beispiel mit dieser Bedürfnispyramidengeschichte zu bleiben, ob in Stufe 1, 2, 3, 4... ist - meiner Meinung nach !!! - KEINE bewusste Entscheidung.

    Es hat, glaube ich, mit der Persönlichkeitsstruktur zu tun, mit der eigenen Prägung, Lebensgeschichte und sicher noch viel mehr. Es ist auch sicher kein Indikator für das Ausmaß von Liebe oder Beziehungsqualität. Das würde ich niemals behaupten wollen.

    Aber ich glaube, manchen Menschen haben nach dem Verlust ihrer Liebe einfach nur begrenzte Möglichkeiten und Perspektive. Und ich glaube: das ist nicht ihre Schuld und selten eine bewusste Entscheidung.


    Ganz ehrlich: wer leidet denn schon gerne? Wenn ich ein Mittel finden würde oder einen Weg, der zu einem 10% erträglicherem Leben führen würde, der mir ein klitzekleines bisschen Lebensqualität geben würde und so vielleicht auch Hoffnung und Zukunftsperspektive: ich würde diese Gelegenheit sofort schnappen.


    Sorry für die wirren, vielleicht zusammennhangslosen Gedanken, ich hoffe es crasht nicht dein Thema, liebe Gabi.

    An der Stelle deswegen auch besser mal Schluss, obwohl du noch viel viel viel mehr schriebst, womit ich mich identifizeiren kann.


    Danke!


    Liebe Grüße, Sturm

  • Danke Sturm, du bist mir unglaublich ähnlich in den Empfindungen!

    Ich lese gerade am Handy und bin nicht in der Verfassung dir gebührend zu antworten, daher betrachte ich das hier als Platzhalter für eine umfassende Antwort sobald ich wieder die Zeit und den Kopf frei habe dafür.


    Sturm ,


    zum ersten Punkt: Ja diese Resilienz ist genau das was ich meine. Und ja, mir wurde schon oft gesagt und ich habe es auch immer wieder in diversen Ratgebern gelesen, dass es wichtig sei, sich selbst zu lieben und sich selbst zu genügen, weil genaugenommen wäre man ja sowieso immer auf sich selber gestellt, daher wäre es so wichtig mit sich selber klarzukommen bevor man daran denken dürfe eine Partnerschaft einzugehen die auch funktioniere (so als überflüssiges Sahnezuckerl obendrauf auf das sowieso schon perfekte, weil allein gemeisterte Leben^^)

    Wahlweise kam auch folgende Meldung: Ich hätte sowieso schon mehr Glück als Verstand gehabt so eine innige Bezhiehung EINMAL erleben zu dürfen, die meisten Menschen hätten NIE die Gelegenheit gehabt so etwas überhaupt zu erleben,also solle ich dankbar sein dafür und nicht noch mehr verlangen ...

    Inzwischen krieg ich schon so nen Hals wenn ich sowas höre oder lese. Dann denke ich nämlich, na super, ich bin zu einem traurigen Restleben verdammt, weil ich kann unter Garantie NIE MEHR glücklich sein, weil ich das ALLEINE für mich sowieso nicht schaffe.

    Nicht falsch verstehen: Ich mag mich durchaus! Ich finde sogar, dass ich eine ziemlich kluge und starke Frau bin, die ihr Leben hervorragend im Griff hat. Aber glücklich bin ich deswegen noch lange nicht und ich befürchte, das werde ich auch nie mehr werden, denn mit mir alleine, das kann ich einfach nicht!


    Und zum zweiten Punkt:: Ja Anker oder Basis oder wie immer man es nennen will, jedenfalls etwas worüber ich vorher nicht einmal NACHGEDACHT habe weil es so selbstverständlich war, wie der Kitt meines Lebens, so hat es sich angefühlt und ist jetzt einfach verschwunden, sodass alle schönen Gefühle nicht mehr haften bleiben können sondern einfach so durch mich hindurchsickern.


    Und ja, bei der Maslowschen Bedürfnispyramide hakt es definitiv beim Punkt 3.

    3. Stufe = Soziale Bedürfnisse, Beziehungen, Liebe, Freundschaften, Geborgenheit, Körperlichkeit

    Soziale Bedürfnisse werden teilweise erfüllt, Beziehungen habe ich NULL, Liebe ist da, nur die Adressaten sind nicht mehr in dieser Dimension, Freundschaften sind eher Mau, eigentlich nur Bekanntschaften, die teilweise recht freundschaftlich sind, Geborgenheit - Fehlanzeige, Körperlichkeit - praktisch inexistent, wenn ich mich nicht gerade selber befriedigen möchte, um es mal so salopp zu formulieren.
    Also wo bitte, soll da die Selbstverwirklichung herkommen?


    Das mit dem "nicht gerne leiden" sehe ich etwas ambivalenter als du. Ich habe mich schon dabei ertappt festzustellen, dass ich sehr an meiner Trauer hänge, weil sich alles andere so verdammt falsch anfühlt.

    Und da komme ich nun an den Punkt, dass ich mir sage, dass das Leid ein verlorengegangenes Lebenskonzept ersetzt hat. Würde es von jetzt auf gleich wegfallen stünde ich irgendwie nackt da.

    Daraus folgt, dass es mir unmöglich erscheint aktiv etwas gegen das Leid zu tun, aber in einem hast du vollkommen recht!

    Ich warte ungeduldig auf DIE Gelegenheit, meinem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen und wieder voll und ganz ins Leben einzutauchen.

    In Momenten wo mich die Zweifel wieder niederringen wäre es mir allerdings immer noch lieber, ich könnt diese ganze anstrengende Existenz endlich hinter mir lassen!


    Was du geschrieben hast war gut, nicht wirr und ich stelle gerade fest dass ich mich schon wieder nicht kurz fassen konnte mit einer Antwort.


    :30: für dich, Gabi

  • Liebe Tigerlily, liebe Sturm,


    zunächst einfach nur Danke. Ich fühle mich verstanden , wie selten.

    Bisher dachte ich, das ich nicht richtig empfinde, daß in mir etwas nicht angelegt ist, was andere wie selbstverständlich besitzen.


    Vielleicht, habe ich gedacht, liegt es auch an meiner etwas ungewöhnlichen Beziehungkonstellation. Wer lebt schon lebenslang mit seiner Zwillingsschwester zusammen? Dafür habe ich wirklich nicht viel Verständnis bekommen.


    Natürlich gibt es in jedem Leben vielerlei Beziehungen, Verwandte, Schulfreunde,

    Kollegen, etc., aber diese eine, existentielle Person, um die sich unsere irdisches Leben dreht, gab es für mich nur einmal. Und ohne meinen Lebensmenschen kann ich keine wirkliche Lebensfreude mehr fühlen.


    Würde mich über weitere Texte von Euch zu diesem Thema freuen.


    Seid lieb gegrüßt

    Sommermond

  • Liebe Gabi,

    danke für Deinen Text.

    Mir fiel E.T. ein.

    Sein Gefühl nach Hause zu wollen, das verstand ich schon als Kind.

    Ich habe für Dich ein Video in meinen Thread gestellt - bei Dir habe ich mich nicht getraut. :-)

    Herzlichst,

    Tereschkowa