Auf der Suche nach neuer Kraft

  • liebe Blaumeise,

    ich glaube , das dieses nachfolgende Zitat für dich UND immer wieder für uns ALLE hilfreich ist


    Es kommt darauf an, den Körper mit der Seele

    und

    die Seele mit dem Körper zu heilen

    Oskar Wilde


    ich wünsche dir<3 und uns allen dass das immer wieder gelingt , wenn es erforderlich ist


    Gute<3 Gesundung<3

    deine Sverja

  • Liebe Blaumeise,


    ich bin tief berührt von der starken, tapferen Blaumeise so eine erschütternde Lebensgeschichte zu lesen.

    Es ist unglaublich mutig von dir, dich so offen deinen Gefühlen zu stellen und gleichzeitig so gründlich aufzuräumen, dass du sogar vor deiner Geburtsurkunde nicht Halt machst.

    Ich musste schmunzeln, als ich das gelesen habe und gleichzeitig bin ich mir der tiefen Symbolik dieses "Fehlers" bewusst.


    Du hast einen schweren Lebensweg und bist daran gewachsen.

    Egal was noch passiert, ich wünsche dir so sehr, dass du die Liebe in dir in allen Fasern deiner Existenz spüren kannst, dass du erkennst wie stark du wirklich bist, egal wie sich die äußeren Umstände deines Lebens entwickeln.

    Ich umarme dich herzlich und sende dir soviel Liebe wie ich im Moment aufbringen kann, alles, alles Gute! Deine Gabi

  • Hallo ihr lieben Weggfährten, <3


    im Augenblick bin ich sooo stolz auf mich, denn ich habe es geschafft, trotz enormer Müdigkeit, trotz rabenschwarzer Gedanken aus dem Bett zu krabbeln Und zu duschen Und was sauberes anzuziehen. (war in den letzten Tagen gar nicht so selbstverständlich! :13:) Am liebsten würde ich mich gleich wieder ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und wegdösen - dem Leben einfach davonschlafen..

    Aber das tue ich nicht!

    Ich schreibe mir jetzt eine kleine To-Do-Liste - 3 Dinge will ich mir aufschreiben und mindestens eines davon erledigen. Das verspreche ich jetzt. Eine Aktivität muss dabei sein, die ich ausser Haus tätigen muss. Denn ein Aufenthalt draussen - und sei er noch so kurz - tut gut und hilft

    mir IMMER


    Letzten Freitag wurde ich aus der Klinik wieder entlassen. Man hat mich dort wieder "aufgepäppelt"- mit AB Infusionen, hochdosiertem Kortison, gutem Essen und angelächelt werden. Ich muss sagen, ich habe Glück mit diesem KH (bin da ja inzwischen fast "zuhause")

    Ich habe mich nach reiflicher Überlegung für eine weitere Chemo entschlossen. Diese Chemo erfolgt diesmal allerdings in Tablettenform.

    Die Ärzte sind zuversichtlich und ich will es auch sein...

    ! nur manchmal....


    Eigentlich wollte ich keine Chemo mehr machen. Ich mache das in erster Linie für meinen Sohn. Er hängt schwer in den Seilen, ist depressiv und kommt mit dem Tod seines Vaters überhaupt nicht zurecht. Ich kann/darf ihn jetzt nicht alleine lassen und will ihm, unter anderem, auch zeigen, dass Aufgeben (wobei auch immer) keine Option ist.

    Seine Schwester kommt mit dem Tod ihres Vaters besser klar. Sie ist ja auch im Gegensatz zu ihm sehr extrovertiert, hat viele soziale Kontakte, spricht mit Gott und der Welt über ihre Probleme und erfährt dadurch auch ein wenig Halt. Er dagegen ist extrem introvertiert, verschließt sich und will alles mit sich alleine ausmachen. Ich mache mir grosse Sorgen um ihn.


    In mir tobt ein Durcheinander der Gefühle.


    So bin ich zur Zeit auch sehr wütend auf Klaus.

    Warum hat er seine Krebsbehandlung abgelehnt? Warum wollte er nicht kämpfen?

    Er hat SOFORT nach dem Auffinden des Tumors eine Behandlung abgelehnt. Dabei war der Tumornoch sehr klein! Laut Ärzten hätte wahrscheinlich eine einfache Operation ausgereicht, da noch alles im Anfangsstadium war.

    Aber nein,

    Klaus war stur.!! Er wollte nicht ins KH, ging einfach nicht mehr zum Arzt und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Selbst als alles schlimmer wurde, unternahm er nichts.


    Er ging dann - im späteren Verlauf - zwar hin und wieder in die Notaufnahme (immer nachts), ließ sich von dort aber immer wieder postwendend nach Hause bringen, verweigerte Aufnahme auf Station....


    Und wir waren hilflos...


    Es war eine schlimme Zeit...


    Er weigerte sich und fertig aus.!


    Natürlich mussten wir das akzeptieren, er war schließlich erwachsen und hatte das Recht sein Leben so zu gestalten, wie er es wollte.


    Für mich ist/war das alles ein versteckter Suizid!


    Und das macht mich rasend!!

    Das hängt wahrscheinlich mit dem Suizid meiner Mutter zusammen, an dem ich mich gerade abarbeite.


    Warum hat Klaus nicht an seine Kinder gedacht??? Daran gedacht, was er ihnen antut? Waren sie es ihm nicht wert zu kämpfen?

    Bitte versteht mich richtig. Ich würde alles verstehen, wenn Klaus überhaupt EINE Behandlung begonnen hätte und er sie nicht mehr ertragen hätte oder wenn er austherapiert gewesen wäre und so weiter. Aber nein. er hat einfach alles vor sich hinwachsen lassen bis hin zu seinen Metastasen. Jedesmal wenn man ihn auf der Notaufnahme auf neue Tumore hinwies, hat er das Gespräch kurzerhand beendet und ist abgehauen.:4: :4:

    Das Einzige was er akzeptierte waren Schmerzmittel.


    Darüber bin ich sooooo zornig. Und mein Zorn wächst ins Unermessliche. Ich habe Klaus gedanklich schon angeschrieen und etliche derbe Schimpfwort dabei benutzt.


    Das alles drückt die Trauer um ihn in den Hintergrund.

    Ist das schlimm? Oder ist das auch eine Form von akzeptabler Trauer. - Diese unbändige Wut auf ihn, dieser Zorn...


    Und doch - er fehlt mir so.


    Solche widersprüchliche Gefühle....


    Das macht mich ganz irre.


    ICH kämpfe doch auch.!

    Warum hat er es nicht?

    Ich bin doch auch nicht stark, bin schwach und versuch auch für die Kinder (und zu sein.


    Mensch Klaus - warum hast du uns im Stich gelassen?

    Warum hast du einfach den Kopf in den Sand gesteckt, bist vor der Verantwortung weggelaufen. Vor der Verantwortung für die Kinder und vor der Verantwortung für dich selbst.

    Es war doch gar nichts hoffnungslos... Du hattest doch noch ALLE Chancen!!

    Ein Versuch nur....

    Sorry, ich empfinde das im Augenblick als feige. Dabei warst du sonst doch nie feige.


    Ich muss jetzt aufhören. Ich steigere mich sonst nur noch mehr in diese negativen Gefühle. Dabei liebe ich ihn doch.


    Total wirr alles


    Gruß

    blaumeise

  • Liebe Blaumeise,


    Ich kann Dein Hadern mit der Entscheidung von Klaus zwar verstehen, aber es gibt keinerlei Gewissheit, dass er seinen Krebs mit Chemo überstanden hätte. Letztlich sterben viele Chemopatienten trotzdem, oder sie sterben statt an Krebs an der Chemo. Ich persönlich würde weder Chemo noch Strahlentherapie machen. Aber es muss eben jeder für sich selbst entscheiden, wo er das geringere Risiko sieht.


    LG,

    Sky / Robert

  • Lieber Robert,


    danke, dass du mir geschrieben hast. Aber weißt du, anfangs ging es bei Klaus nicht um Chemo oder Strahlentherapie,

    sondern "nur" um die Entfernung eines kleinen Tumors, bei dem es noch gar nicht sicher war, dass dieser bösartig war. Das andere hätte ich ja verstanden. Klaus war gesund und stark. Eigentlich wäre es wie eine Gallenoperation, Blinddarmoperation oder ähnliches gewesen. Jetzt mal vereinfacht gesagt. Klaus hat sich keinerlei Chance gegeben, er hat einfach alles vor sich hin wachsen lassen und Das macht mich sauer.


    Robert, du hast Recht. Jeder muss für sich selbst entscheiden und niemand hat das Recht, ihm eine andere Entscheidung aufzuzwingen.


    Doch in diesem Fall gibt es Kinder, die auch mit dieser Entscheidung leben müssen, die die Konsequenzen tragen müssen.

    Es gibt auch eine Verantwortung die man ihnen gegenüber trägt und die wäre in diesem Fall gewesen, nach Alternativen, nach Möglichkeiten zu suchen. Zumindest empfinde ich das so. Dass er das nicht getan hat - nicht einmal im Ansatz - damit hadere ich. Ich hadere damit, dass er nach dem ersten Befund keinen Arzt mehr aufsuchte. Hätte sich bei dieser OP herausgestellt, dass der Tumor bösartig ist, hätte ich seine Entscheidung nachvollziehen können. :!:Er hätte mein vollstes Verständnis gehabt.:!: So fällt es mir schwer - besonders im Hinblick auf seine Kinder.


    Ja, Robert0 und auch damit hast du Recht. VIELE sterben an Krebs. VIELE sterben an den Folgen der Chemo.

    ABER

    VIELE bezwingen den Krebs. Nicht jeder stirbt zwangsläufig.

    Das sehe ich in meiner Selbsthilfegruppe. Hier gibt es einige, die schon viele Jahre "gut" damit leben, und ich kenne auch einige, die inzwischen schon viele Jahre als geheilt gelten.

    Jeder Krebs ist individuell, nicht vergleichbar. Man weiß nicht, wie die Krankheit bei einem selbst verläuft und Prognosen sind nur Prognosen. Man kann nur spekulieren. Es gibt halt GsD nicht den Blick in die Kristallkugel. Alles ist möglich!


    Krebs ist ein Arschloch - ohne Zweifel.

    Krebs ist unberechenbar - ohne Zweifel

    Krebs macht Angst - ohne Zweifel

    Krebs bringt Leid - ohne Zweifel


    Ich bin selbst daran erkrankt - mit erfolgreich verlaufender OP und Chemo. Später wurde bei einer Kontrolluntersuchung dann wieder etwas entdeckt. Neue Behandlung. Und jetzt wieder neue Tablettenchemo. Aber dieses Thema will ich in diesem Forum nicht weiter vertiefen. Ich will damit nur sagen:

    ich weiß um diese Ängste, die man bei einer solchen Diagnose hat... ich weiß um die Einsamkeit, Verzweiflung und der Angst vor OP,Chemo. Ich kann die Gedanken und die Gefühle von Klaus gut nachfühlen und

    trotzdem

    bin ich zur Zeit wütend über seine Verhaltensweise....



    Vor einigen Jahren habe ich mir tatsächlich sehr lange gewünscht eine todbringende Krankheit, bevorzugt Krebs, zu bekommen. Ich dachte damals, das ich das Leben nicht ertragen könnte, sah in nichts mehr einen Sinn.. . Ich unternahm damals sogar einen Suizidversuch und wachte in der Intensivstation auf. War keineswegs happy darüber, gefunden worden zu sein. Monatelang war ich böse darüber...

    Und jetzt, jetzt bin ich darüber froh.Wäre ich gestorben, hätte ich viele schöne Momente nicht mehr erleben können, genauer, gesagt dürfen. . Ich habe inzwischen Glücksmomente erlebt, von denen ich nie gedacht hätte, sie je zu erleben.:!: Jetzt sehe ich mein Leben als kostbar an, als Geschenk.:!: Und manchmal habe ich Angst, dass ich meine Diagnose nur bekam, weil ich mein Leben wegwerfen wollte, sozusagen als Strafe für diesen Wunsch, eine potentiell tödliche Erkrankung zu bekommen.

    Jetzt wo ich definitiv weiß, dass es einen Weg durch die Dunkelheit gibt,

    Jetzt wo ich weiß, dass das Leben lebenswert ist - trotz allem Schmerz, trotz Leid. Jetzt wo ich weiß, dass sich alles verändert, dass ich nur Geduld brauche...

    Jetzt wo ich endlich weiß, dass ich trotz allem gerne lebe... Jetzt kam dieser Krebs daher.... Scheixxx


    Ich weiß jetzt gar nicht warum ich das jetzt schreibe. Hat aber wahrscheinlich seinen Grund.


    blaumeise, die sich gerade - aus welchem Grund auch immer - schämt.


    Ihr müsst mich jetzt nicht verstehen, ich tue es auch nicht.

  • Liebe Blaumeise,


    Ich kann Dich (und auch Klaus) durchaus verstehen, auch wenn ich nicht in allem der gleichen Meinung bin (wäre auch seltsam). Ich will aber auch nicht mehr viel zu Statistiken sagen, weil jeder Mensch seine ganz persönlichen Chancen hat. Und nachdem Du Dich zu einer weiteren Chemo entschlossen hast, benötigst Du dafür alle positiven Gefühle der Welt!


    Eines kann ich Dir aber versichern: Krebs zu bekommen, hat nichts mit einem Suizidversuch zu tun! Deshalb brauchst Du Dich mit absoluter sicherheit nicht zusätzlich zu quälen.


    Alles, alles Liebe und viel Glück!!!

    Robert

  • Liebe Blaumeise,

    ich wünsche dir für deinen persönlichen Weg das Beste.

    Eines kann ich Dir aber versichern: Krebs zu bekommen, hat nichts mit einem Suizidversuch zu tun! Deshalb brauchst Du Dich mit absoluter sicherheit nicht zusätzlich zu quälen.

    Dieser Ansicht habe und hatte ich auch immer voll und ganz<3


    Und nachdem Du Dich zu einer weiteren Chemo entschlossen hast, benötigst Du dafür alle positiven Gefühle der Welt!

    das stand zwar davor aber ich habe es als letztes hineingestellt , weil es völlig stimmt:

    "du benötigst dafür alle positiven Gefühle der Welt".


    Ja, das stimmt <3

    neben dem hilfreichen visualisieren könnten dir auch noch kinesiologische Sitzungen hilfreich sein...


    SHANTI ... das entspricht mir jetzt am meisten


    <3Sverja<3

  • Liebe Blaumeise! Ich freue mich von dir zu lesen! :)


    Aber weißt du, anfangs ging es bei Klaus nicht um Chemo oder Strahlentherapie,

    sondern "nur" um die Entfernung eines kleinen Tumors, bei dem es noch gar nicht sicher war, dass dieser bösartig war. Das andere hätte ich ja verstanden. Klaus war gesund und stark. Eigentlich wäre es wie eine Gallenoperation, Blinddarmoperation oder ähnliches gewesen. Jetzt mal vereinfacht gesagt. Klaus hat sich keinerlei Chance gegeben, er hat einfach alles vor sich hin wachsen lassen und Das macht mich sauer.

    Da kann ich dich schon verstehen, weil Klaus auch zu Anfang die Entfernung des Tumors nicht gemacht hat! Vielleicht wäre es gar nie zur Chemo gekommen und wenn, dann hätte er noch immer entscheiden können, ob er eine machen will oder nicht!

    Aber keiner weiß, was in Klaus vorgegangen ist, viele Menschen verschließen sich bei einer Krankheit und wollen auch nicht darüber reden, das ist für die anderen natürlich sehr schwierig!

    Wenn du deine Gefühle zulässt, auch den Zorn, dann ist das sicher auch gut so,damit du das vielleicht irgendwann ein bisschen verarbeiten kannst! :30:


    Ich schicke dir für deine Behandlung auch ganz viele positive Gedanken und drück dich mal! :24:

    LG Andrea

  • Liebe Karin <3

    Lieber Robert <3

    Liebe Sverja <3


    ich danke euch für eure guten Wünsche. Mir bedeutet das sehr viel. Sie sind Balsam für meine wunde Seele.


    Liebe Sonne <3

    es fällt mir zur Zeit sehr schwer, mein "Gefühlskaleidoskop" zu akzeptieren. Es gibt auf dem Trauerweg keine angemessene oder unangemessene Gefühle. Die Gefühle schwanken und sind widersprüchlich. Ich weiß das, vergesse es aber hin und wieder, gestehe dies anderen zu - aber nicht mir.

    Zitat Sonne: "Wenn du deine Gefühle, zulässt, auch den Zorn, dann ist das auch sicher gut so, damit du das, vielleicht irgendwann ein bisschen verarbeiten kannst!"

    Danke, dass du mir das wieder in Erinnerung gebracht hast.

    Diese "Erlaubnis" von dir - auch Zorn zu haben - hat mich ein Stückchen aus meinem Sumpf hochgezogen. Es ist nämlich für mich eine sehr schwierige Lektion, zu lernen, mich nicht wegen bestimmten Gefühlen wie z. Bsp. Zorn, Wut selbst zu verurteilen - besonders meinen lieben Verstorbenen gegenüber. Es ist schwierig für mich, zu akzeptieren, dass ich - zumindest im Moment - halt so empfinde.

    Und Zorn - auf Klaus, auf meine Mutter, auf meinen leiblichen Vater - ist eben da. Darüber bin ich so erschrocken und habe mich so geschämt. Es ist mir schwergefallen, über diesen Zorn, hier in diesem Forum zu schreiben. Hier schreiben ja alle nur mit grosser Liebe, voller Sehnsucht, Trauer von ihren Lieben. Wut, Zorn sind hier kein Thema und so kam ich mir irgendwie wie ein "Allian" vor, wie eine eiskalte, "böse", lieblos Frau und hatte auch tatsächlich Angst für meine offenen Worte abgelehnt zu werden. Daher, nochmals danke, für dein Verständnis.


    Meine Gefühle sind Gefühle, Sie sind einfach da und können sich nur verändern, wenn ich sie benenne, annehme, mich mit ihnen auseinander setze, sie nicht leugne. Dann haben sie die Möglichkeit, irgendwann tatsächlich zu verschwinden und müssen sich nicht im Unterbewusstsein verstecken und von dort aus Unheil bringen.


    Ich liebe Klaus. Doch genau wie zu seinen Lebzeit empfinde ich jetzt nach seinem Tod, an manchen Tagen eine ungewöhnlich große Liebe und Vertrautheit und an anderen Tagen eine stumme Wut und Verzweiflung. Und das ist in Ordnung:!:


    Liebe Sonne, da gibt es noch etwas, was ich dir schon lange schreiben wollte. Es tut gut dich zu lesen. Du findest immer Worte, die mich (und andere wahrscheinlich auch) aufbauen und bereichern. Dein Name ist Programm. Wenn du hier schreibst, geht die Sonne auf. :):love:

    Danke, dass du da bist.


    Ich wünsche allen, die gerade hier lesen

    (und mir selbst;)) eine lebbare Zeit mit vielen guten Augenblicken


    Geht sanft mit euch um.


    Für alle das Beste


    blaumeise :24:

  • Es ist mir schwergefallen, über diesen Zorn, hier in diesem Forum zu schreiben. Hier schreiben ja alle nur mit grosser Liebe, voller Sehnsucht, Trauer von ihren Lieben. Wut, Zorn sind hier kein Thema und so kam ich mir irgendwie wie ein "Allian" vor, wie eine eiskalte, "böse", lieblos Frau und hatte auch tatsächlich Angst für meine offenen Worte abgelehnt zu werden. Daher, nochmals danke, für dein Verständnis.

    Liebe Blaumeise! :)

    Also ich glaube ja, dass Liebe und Wut sehr eng aneinander liegen! Wer liebt, ist auch mal wütend aufeinander, das sind ja alles tiefe Gefühle!

    Und in deinem Falle hast du auch das Recht, wütend zu sein, auf deine Mama und auch auf Klaus! Weil sie etwas getan haben, das du nicht verstehst, das du vielleicht anders gemacht hättest! Und vielleicht auch deshalb, weil du machtlos warst, denn du konntest es nicht ändern!

    Ich glaube, das ist der Knackpunkt, dass man etwas nicht ändern konnte, aber bei deiner Mama warst du ein Kind und Klaus wollte sich nicht helfen lassen! Dies zu akzeptieren, ist sicher nicht einfach!

    Darum lasse deine Wut zu, sie gehört zu dir und vielleicht verraucht sie, in dem Wissen, das sie zu dir gehört, gleich wie die Liebe zu dir gehört, die du zu deinen Lieben empfindest! :24:

    Liebe Sonne, da gibt es noch etwas, was ich dir schon lange schreiben wollte. Es tut gut dich zu lesen. Du findest immer Worte, die mich (und andere wahrscheinlich auch) aufbauen und bereichern. Dein Name ist Programm. Wenn du hier schreibst, geht die Sonne auf. :):love:

    Danke, dass du da bist.

    Danke, das freut mich wirklich<3, weil ich nicht immer ganz sicher bin, ob es richtig ist, hier zu schreiben!

    Ich bin ja nicht in tiefer Trauer, ich hatte natürlich auch schon Verluste in meinem Leben, aber nicht so schlimme wie ihr alle!

    Ich habe ja hauptsächlich hier wegen Bowie zu schreiben begonnen, an die ich nach wie vor sehr oft denke, auch wenn sie nicht mehr so oft schreibt!

    Aber inzwischen bin ich hier, weil ich viele, die hier schreiben, wirklich in mein Herz geschlossen habe und wenn ich jemand mag, dann interessiert es mich halt auch, wie es dem anderen geht! <3:24:


    Ich wünsche dir für heute einen Tag mit einigen Sonnenstrahlen! :24: LG Andrea

  • Liebe Forumsfreunde,<3


    ich bin fertig, müde, erschöpft.


    Mir ist schlimm ums Herz, mein Körper streikt.


    Die Nebenwirkungen meiner Chemo haben mich voll im Griff.


    Heute verbrachte ich fast den ganzen Tag auf der couch.


    Im Moment geht es mir etwas besser und ich nutze diese Pause, um hier zu lesen bzw um hier bei euch, mal wieder mein Herz auszuschütten.


    Trotz Durchfall, Fußschmerzen etc kreisen heute meine Gedanken um meine Mutter.


    Vorhin bin ich sogar über mich erschrocken, denn ich lag auf der Couch, hab an nichts gedacht und plötzlich rief ich ganz laut "Mama". Das passiert mir seit Tagen öfters, dabei bin ich doch schon erwachsen....


    Ich sehne mich nach ihr.... Dann werde ich wütend... Dann vermisse ich sie.... Dann.... Alles im Wechsel.

    Alte Fragen tauchen auf und quälen mich.


    Ich habe ihren Suizid eben nicht verarbeitet. Habe lange Jahre alles in mich hineingefressen, überspielt, verdrängt, weggeschoben. Das alles rächt sich jetzt.


    Jetzt sitze ich da mit meiner nicht aufgearbeiteten alten Trauer.


    Ihr Schienentod nimmt derzeit einen gewaltigen Raum in meiner Gedankenwelt ein und raubt mir, dringend notwendige, Lebensenergie.


    Es rächt sich nun, dass ich jahrzehntelang den Schmerz nicht zuließ.

    Ich glaube, es ist der einzige Tod meiner Lieben, den ich noch nicht genügend betrauert habe.


    Als Kind durfte ich das nicht und dadurch habe ich gelernt, den Schmerz in mir zu verschließen. Ich hatte ja auch keinen, dem ich mich anvertrauen konnte.

    Damals war Suizid ja ein absolutes Tabuthema.

    Selbst als ich als Erwachsene Frau wegen Depressionen in Therapie war, sprach ich nicht darüber. Ich schwindelte den Therapeuten bzgl. der Todesart an. (Scham)

    und so habe ich diesen Verlust auch nicht bewußt "abschließen" können.


    Um so mehr bin ich froh, hier in diesem Forum darüber schreiben zu können auch wenn der Suizid schon Jahrzehnte her ist und das Grab meiner Mama schon längere Zeit eingeebnet ist.


    Was Mama betrifft, bin ich noch immer das kleine Mädchen von 11 Jahren.


    Für mich ist ihr "Weglaufen", ohne einen Brief zu hinterlassen, so schwierig zu verstehen. Immer denke ich: wäre ich es ihr wert gewesen, hätte sie sich irgendwie anders verabschieden können...Wenigstens irgendwie zeigen können: ich hab dich lieb... du bedeutet mir viel... aber ich kann halt nicht mehr.


    Doch wahrscheinlich hatte sie dafür keine Kraft mehr und das macht mich noch viel trauriger.


    Wie verzeiht man dieses wortlose Weggehen, den zugefügten Schmerz?


    Wie akzeptiert man, dass es für SIE keinen anderen Ausweg gab?

    Dass SIE sich nicht helfen lassen wollte? (So auch bei Klaus)


    Ich glaube, damit ich richtig um sie trauern kann, muss ich wohl erst verzeihen und vergeben. Oder was meint ihr?


    Ich muss wohl die Tat verzeihen bzw RESPEKTIEREN.


    Kann ich das?


    Eine schwere Lektion.

    I

    ch glaube, ich muss lange daran buchstabieren, denn momentan überwiegt der Zorn.


    Trauer und Wut liegen so nahe beieinander.


    Seit meinem 11.Lebensjahr vermisse ich die "Leichtigkeit des Seins"


    Ach, ich drehe mich mal wieder im Kreis.


    Danke fürs "Zuhören"


    blaumeise :24:

  • Ach liebe Blaumeise....in vielem kann ich dich soooo gut verstehen... Heute habe ich auch nach meiner Mama gerufen und geweint...

    Ich schicke dir einfach eine ganz feste Umarmung und viele gute Gedanken und Kraft und Mut...gib nicht auf <3<3<3

  • Liebe Blaumeise,


    ich weiß nicht ob es mir zusteht das zu sagen aber ich denke deine Mutter hat als sie den Suizid begangen hat nicht verstanden, wie sehr sie dir weh tut...aber das weißt du sicher selbst...dass sie wahrscheinlich in ihrer Wahrnehmung eingeengt war...


    ich wünsche dir einfach dass du die Kraft hast diese Trauer und all den Schmerz gut einzuordnen und auch dein Leben zu spüren, deine Kraft und all das Gute und die Liebe die du gibst...und gut zu dir bist.


    Auch ich hab schon in schlimmen Momenten nach meiner Mutti gerufen ,und auch in ganz leichten

    das bleibt glaube ich das ganze Leben so...


    ich wünsche dir viel Kraft

    und alles, alles Gute


    m

    Die Wahrheit triumphiert nie, nur ihre Gegner sterben aus (Max Planck)


    rilke.de/briefe/160703.htm


    VORÜBUNG FÜR EIN WUNDER


    Vor dem leeren Baugrund
    mit geschlossenen Augen warten
    bis das alte Haus
    wieder dasteht und offen ist

    Die stillstehende Uhr
    so lange ansehen
    bis der Sekundenzeiger
    sich wieder bewegt

    An dich denken
    bis die Liebe
    zu dir
    wieder glücklich sein darf

    Das Wiedererwecken
    von Toten
    ist dann
    ganz einfach

    (Erich Fried)

  • Liebe Blaumeise,


    deine Mutter war wohl tief in ihrer Verzweiflung gefangen und ihr war nicht bewusst, dass sie deine Seele durch ihren Freitod erschüttert hat.


    Trotzdem durfte sie dich nicht so verlassen... das belastet dich dein ganzes Leben... und darf eine Mutter eigentlich ihrem Kind nicht zumuten. So sehe ich das.


    Ich hoffe und wünsche dir alles Gute.

    Meine Gedanken sind bei dir... vielleicht hilft es dir ein wenig.


    Meine Mutter war auch mit mir

    und meiner Behinderung überfordert. Ab meinem 12. Lebensjahr war ich eigentlich ihre Mutter und sie mein Kind. Das hat mich geformt, aber nicht nur zum Guten.


    Habe ab da immer an ihrer Liebe zu mir gezweifelt und tue es auch heute noch... über ihren Tod hinaus, den ich begleitet habe.


    LG Luise