Auf der Suche nach neuer Kraft

  • Hallo Ihr Lieben da draußen,


    eine gefühlte Ewigkeit habe ich nicht mehr in einem eigenen thread geschrieben sondern nur sporadisch bei anderen.


    Doch jetzt habe ich das Gefühl, ich bräuchte für mich wieder ein eigenes "Wohnzimmer", denn es geht mir sehr schlecht und ich will nicht mit meinen Sorgen, einen anderen thread sprengen.


    Ursprünglich wollte ich meinen alten Faden : "Aufgeben ist keine Option" unter "Dies und Das" wieder aufleben lassen, aber irgendwie passt er nicht mehr so richtig zu mir. Ich tue mir derzeit sehr schwer mit diesem Motto.


    Ich habe das Gefühl, ich falle und falle... ins Bodenlose und nirgendwo ist ein Haltegriff, an dem ich mich festhalten kann.

    Aber will ich mich denn festhalten... mich nicht aufgeben?...Ganz ehrlich - ich weiß es nicht so genau.


    Früher war ich trotz schwerer Schicksalsschläge immer ein Stehaufmännchen. Ich kam immer wieder irgendwie, irgendwann auf die Beine - auch bei den vielen Trauerfällen ( leibliche Eltern, Pflegeeltern, vertrauteste Freundin) die ich durchleiden musste. Das hat zwar immer lange gedauert (Monate, ja manchmal Jahre), aber jedesmal wurde der Schmerz im Laufe der Zeit sanfter, erträglicher. Es gab immer mehr kurze Lichtblicke und irgendwann kam auch wieder die Lust zu leben. Das Wichtigste: damals verspürte ich immer einen Hauch Zuversicht, Hoffnung in mir.

    Doch jetzt ist alles anders.

    All das Wissen nützt mir nichts.

    Ich weiß zwar vom Kopf her - und wie gesagt aus eigener Erfahrung - dass Trauer seine Zeit braucht, dass ich Geduld benötige, dass ich mich nicht unter Druck setzen darf, dass Trauer in Wellen kommt, dass das Auf und Ab der Gefühle normal ist und und und. Nur - das hilft mir gerade nicht! Mein Verstand weiß das... aber mein Gefühl spielt nach eigenen Regeln. Alle meine bewährten Bewältigungsstrategien

    fruchten nicht. Und das macht mir Angst. Ich habe Angst, dass ich bald ganz liegen bleibe und nicht mehr hoch komme.

    Ich habe Angst nicht mehr aufstehen zu können - und schlimmer noch - ich habe Angst, nicht mehr aufstehen zu wollen

    Ich habe es auch sooo satt, dauernd wieder aufstehen zu müssen, nach vorne schauen zu müssen, Verantwortung für mich übernehmen zu müssen, Verantwortung für die Kinder zu tragen... Ich würde am liebsten dauerschlafen... wäre so bequem.... Und irgendwie tue ich das... Ich komme kaum aus dem Bett....


    Es ist egal, was ich zu mir selbst sage. Auf alles weiß ich ein "Ja - Aber". So, als ob ich gar nicht wollte, dass es mir wieder halbwegs besser geht. Es ist so, als würde ich mich selbst bestrafen..


    Ich grüble und grüble. All meine Kraft vergeude ich in sinnlosem Grübeln und suhlen in Selbstmitleid. Ja, ich bemitleide mich selbst... und ich weiß das... und ja, es gefällt mir nicht.


    Aber, ich fühle mich zentnerschwer vor lauter Kummer und Selbstmitleid. Bleischwer zieht es mich nach unten. Kann kaum einen Fuß vor den anderen setzen. Die Augen brennen so stark, dass ich kaum was sehe. Ich würde so gerne weinen, aber es kommen keine Tränen. Die Tränen bleiben in mir drin, dabei ist in mir ein Meer von ungeweintenTränen.


    Was gäbe ich dafür, weinen zu können.


    2018 war ich lange Zeit stationär wegen schweren Depressionen und Suizidgedanken. Der Aufenthalt in der Klinik und die Elektroschocktherapie hatten mir geholfen. Selbst die kurz darauf erfolgte schlimme Diagnose und die darauf folgende Chemo und Operation habe ich ohne Depressionen überstanden. Klar war ich niedergeschlagen, traurig etc. aber nicht depressiv (so wie ich D. kenne). Und jetzt?

    Ich habe das Gefühl das Monster ist wieder da und zieht mich gnadenlos in seinen Schlund. Diese glotzäugige, glitschige Kröte, die auf meinem Herzen sitzt und mir die Luft zum Atmen nimmt.


    Oder ist das einfach "nur" die Trauer?


    Am 13. Januar war der erste Todestag von Klaus, dem Vater meiner Kinder.

    Die Erinnerungen sind so lebendig. Besonders an die beiden Monate vor seinem Tod (da wohnte er bei mir und schlief auf der Couch im Wohnzimmer, 1 Tag nach seinem Tod (Krebs) wäre das Pflegebett gekommen ). Freitags brachten wir ihn ins KH und mein Sohn und ich blieben dann bis Sonntag bei ihm im Zimmer. (waren nur für Toilettengang draußen)

    K. wollte ja nie ins KH aber er konnte sich Freitags nicht mehr bewegen. Inzwischen bereue ich, dass wir ihn nicht zuhause sterben ließen. Mein Sohn quält sich heute noch immer mit diesen Gedanken. Er sagt, wir hätten K. ins KH gebracht, so wie man einen Hund zum einschläfern zum Tierarzt bringt (das sind seine Worte) Er will sich das nicht verzeihen, denn im KH haben sie alle lebensverlängerten Maßnahmen eingestellt. ( K hatte eine Patientenverfügung). Für ihn ist das fast "Mord" und ich weiß nicht, wie ich ihn von diesem Gedanken abbringen kann... Ich habe ihm zwar versucht zu erklären, dass K dadurch "leichter" sterben durfte... aber mein Sohn blockt ab und quält sich.... und ich fühle mich hilflos dabei.


    Schlimm ist auch, dass meine Bekannten mir das Recht zu trauern absprechen. Wir lebten getrennt und hatten damals bei der Trennung so was wie einen Rosenkrieg. Sehr übel das Ganze. Später haben wir wieder zueinander gefunden. Wir waren zwar kein Liebespaar aber er wurde mein bester Freund, mein Seelenpartner, mein Fels in der Brandung. Trennung mitgerechnet kannten wir uns und 28 Jahre. Aber meine Bekannten verstehen nicht das ich trauere. Noch weniger verstanden sie, dass ich ihn aufnahm und für ihn in seinen letzten Tagen da war. Eine meinte sogar, ich hätte kein Rückgrat.


    Zu der Trauer um K. kommen bei mir zudem alte Verlassenheitsängste wieder hoch. Ich verlor meine Mutter mit 11 Jahren. Sie hat mich einfach verlassen (Suizid), ohne Abschied und ohne Abschiedsbrief. War einfach weg, sie hat mich hilflos zurück gelassen... Später starben meine Pflegeeltern und dann meine engste und vertraueste Freundin und jetzt fühle ich mich von Klaus verlassen - gleich zweimal.


    So viele Verluste! (nicht mitgerechnet Tante und Onkel, habe außer meinen Kindern keine lebende Verwandte mehr)

    Meine Kindheit habe ich verloren, meinen Lebensmut, meine Gesundheit...


    Du meine Güte, jetzt komme ich wieder ins Jammern.

    Jeder trägt sein Päckchen - nur meine ich manchmal, ich wäre die Einzige, die schwer zu tragen hat.


    Hier im Forum zu lesen, relativiert dann so manches.....


    Es hat jetzt gut getan, hier zu schreiben. Völlig unzensiert und gerade so, wie es mir in den Kopf gekommen ist. Bitte seht mir nach, wenn einiges wirr rüber kommt. Ich lese nicht mehr nach, sonst schicke ich meine Jammertirade nicht ab.


    Danke fürs Lesen


    Allen wünsche ich eine gute Nacht und morgen einen erträglichen Tag.



    blaumeise :24:

  • Liebe Blaumeise,


    ich nehme dich mal ganz fest in den Arm und möchte einfach nur mit dir weinen...

    du empfindest Selbstmitleid und du hast Grund dazu.


    Denke einfach nur mal an dich... alle anderen sollen sich an die eigene Nase fassen.


    Dieses Selbstmitleid empfinde ich auch... irgendwie ist es auch angebracht.

    Ich tue mir so leid, weil ich auch anderen an meiner Stelle Mitleid entgegen bringen würde.


    Also müssen wir uns beide dafür nicht verurteilen... wir dürfen klagen und jammern.


    Ich glaube, das es der erste Schritt ist um weiterzuleben...wir denken wieder an uns... und das ist wichtig... wäre es auch für unsere Liebsten...denn nur wer sich selber liebt, kann Liebe geben... auch über den Tod hinaus.


    Das will ich... und deshalb...


    LG Luise

  • Liebe Blaumeise,


    auch wenn ich gerade nicht schreibe.


    Ich bin aus tiefstem Herzen bei DIR.


    Gedanklich so häufig, aber ich finde kaum Worte, seit Wochen.


    Und wenn ich was schreibe, dann nur wirre Sachen.


    Ich nehme DICH ganz fest in meine Arme.


    Ich sende DIR positive Gedanken und hoffe, dass DICH einige erreichen.


    Ein Teil meines Herzens habe ich DIR ja schon vor längerer Zeit gegeben.


    Ich schreibe DIR, wenn die Nebel aus meinem Kopf verschwunden sind.



    Allerliebste Grüße und wirklich zärtliche Umarmung,

    Uwe.

  • Hallo ihr Lieben,


    Wieder so ein schrecklicher Tag ohne Perspektive. Ich verliere immer mehr an Kraft.


    Doch zuerst:

    liebe Luise,<3

    lieber Robert, <3

    liebe Karin, <3

    liebe Isabel <3

    und liebe alle, die

    ihr mir ein "verstehe dich" geschickt habt<3

    VIelen, vielen Dank für eure Worte, Gedanken, Wünsche und Nähe. Das tat so gut.


    Heute ist wieder so ein "wie-um-alles-in-dieser-Welt-soll-ich-das-aushalten" Tag.


    Mitte Januar habe ich ein neues Jahr ohne Klaus angefangen und mir wird immer schmerzlicher bewusst, dass ich keine neue Situationen mehr zusammen mit Klaus erleben darf. Situationen an die ich mich irgendwann erinnern werde, mich daran erfreuen kann

    .. und dass die alten Erinnerungen, von Tag zu Tag älter werden und langsam aber sicher verblassen bis sie evtl. sogar ganz aus meinem Gedächtnis verschwunden sind. Genauso wie die Erinnerung an seine Stimme, an seinen Gang, an seinen Geruch, an die Art seines Lächelns.... Irgendwann wird es so sein wie bei Mutter. Ich kann mich überhaupt nicht mehr an ihr Aussehen erinnern (leider besitze ich kein einziges Photo von ihr :13:) , geschweige denn an ihre Stimme oder an ihren Körper. Selbst die Stimme meiner Pflegeeltern habe ich nicht mehr im Ohr....Und das schmerzt!


    Bilder von Klaus kann ich (noch) nicht ansehen. Die habe ich alle in der hintersten Schublade verstaut.Es tut einfach nur weh, ihn auf Bildern zu sehen...Es tut weh, ihn lachen zu sehen...


    Klaus fehlt mir unendlich. Doch an manchen Tagen bin ich schrecklich wütend auf ihn. Er hat eine Behandlung seiner Krebserkrankung vehement abgelehnt. Schon ganz am Anfang seiner Erkrankung. Ohne wenn und aber, ganz konsequent, ohne gesprächsbereit zu sein, ohne abwägen der Vor und Nachteile einer Behandlung. Er konnte dann so richtig ausfällig werden, wenn man ihn darauf ansprach.

    Kaus sollte operiert werden (die Ärzte sprachen von einer guten Heilungschance! ), aber einen Tag vor der OP sagte Klaus einfach die OP ab. Er hatte Angst, nach der OP evtl. als Pflegefall aufzuwachen. Nichts konnte ihn umstimmen und wir hatten anfangs deswegen oft heftigen Streit. Er ging sogar soweit,. uns (meinem Sohn und mir) vorzuwerfen, wir wollten ihn als Pflegefall sehen.... wir würden ihn umbringen wollen etc. Alles völlig irrational. (dabei war er ansonsten realistisch). Aber er war strikt gegen die Behandlung. Hat lieber Vogel Strauß Politik betrieben. Selbst als es ihm immer schlechter ging, verweigerte er eine Behandlung. Der Krebs wucherte und wucherte und gegen Ende hatte Klaus Hirnmetastasen... Es war schlimm für uns, bei seinem Verfall tatenlos zusehen zu müssen .Ich hätte verstanden, wenn er eine Chemo abgebrochen hätte, wenn er die Behandlung nicht ertragen hätte .

    Aber nein, er hat einfach gar nichts getan.. Hat einfach alles laufen lassen... hat sich KEINE Chance gegeben, hat nichts ausprobiert. Wir waren machtlos und zum Zuschauen verdammt, schließlich war Klaus erwachsen.

    Das schwerste war für mich,

    zu akzeptieren, dass er das Recht hatte, für sich SO zu entscheiden., dass er kampflos aufgab.

    Ich habe anfangs oft an sein Verantwortungsgefühl den Kindern gegenüber appelliert aber das führte nur zu Wutausbrüchen seinerseits. Heute werfe ich mir vor, ihn nicht vehementer gedrängt zu haben.,die Gespräche nicht geschickter geführt zu haben... Vielleicht könnte er heute noch leben...


    aber vielleicht war es aber auch ein versteckter Suizid.??? Ein Suizid, bei dem er nicht selbst Hand an sich legen musste.


    Über diese Möglichkeit haben wir nie gesprochen und daran habe ich zu knabbern. Hätte ich ihm durch geschickter Gesprächsführung helfen können? Aber das bringt jetzt nichts mehr. Geschehen ist geschehen und nichts ist mehr zu ändern.

    Jedenfalls bin ich manchmal so wütend auf ihn, auf einen Fatalismus... und dann schäme ich mich, weil ich so wütend bin.


    Schön dass es dieses Forum gibt und ich hier all meine Gedanken aufschreiben kann. Ausserhalb des Forums kann ich meine Trauer und meine Gedanken nicht äußern, denn in meinem Umfeld sind keine Ohren für mich da. Ganz im Gegenteil. Man fühlt sich genervt, wenn ich von Klaus sprechen will. Ich habe das nur einige Male versucht, bin jedoch bald verstummt. Da

    Dabei bin ich bin ganz und gar nicht aufdränglich.(glaube ich zumindest von mir) Schon meine ersten Sätze werden/wurden immer abgewürgt. Sie sagen: "nun mach mal halblang, schließlich habt ihr getrennt gelebt" ...oder "er hat dich zutiefst verletzt, gedemütigt wie kannst du das vergessen, warum trauert du dann so"?...Eine ehemals Freundin meinte sogar: "ich wußte ja gar nicht, dass du eine Dramaqueen bist, das passt so gar nicht zu dir". Es wird behauptet, ich würde Klaus nachträglich verklären, ihn idealisieren...

    Aber alle vergessen: wir hatten ja auch viele gute und schöne Jahre miteinander und wurden nach der Trennungsphase wieder beste Freunde.(auch das haben die wenigsten verstanden) Und 28 Jahre ist eine lange Zeit. Das alles soll ich vergessen? Darf keinen Trauerschmerz empfinden?? Klaus war und ist einTeil meines Lebens, meines Schicksals. Ich kann das doch nicht einfach so ausradieren Er hat mich doch auch geprägt...Ohne ihn wäre ich doch nicht die, die ich heute bin.


    Ich habe im letzten Jahr gelernt, bzgl Klaus und meiner Trauer, zu schweigen und zu schlucken.

    Nach außen hin setze ich eine Maske auf und habe mich zu einer "als ob Frau" entwickelt. Ich tue so "als ob". Blaumeise funktioniert, blaumeise stemmt alles allein, blaumeise ist optimistisch, blaumeise hat ihr Leben im Griff. Das bezieht sich nicht nur auf die Trauer sondern auch auf meine Krankheit. Auch da spiele ich die Tapfere, Unverwüstliche... Dabei ist das Mist - das genaue Gegenteil ist der Fall:13:Aber wer will das schon hören?


    Andererseits fällt es mir auch schwer, mich anderen anzuvertrauen. Es liegt also nicht nur an meinen Bekannten ,dass

    ich mich unverstanden und ungehört fühle. Ich trage schon meinen Teil dazu bei.

    In der Regel kann ich immer erst dann reden, wenn das allerschlimmste vorbei ist. Ich neige dazu, mich bei Kummer und Schmerz zu isolieren. Ich habe dann immer den Wunsch, mich zu verstecken, unsichtbar zu sein. Das war schon als Kind so. Schon als Kind wollte ich meinen Schmerz allein und im Geheimen tragen. Das gab mir immer die Sicherheit: wenn ich nicht darüber spreche, erspare ich mir die Scham. Könnt ihr das nachvollziehen? Scham ist schon mein ganzes Leben ein großes Thema für mich.


    Aber jetzt schweife ich ab.


    So, nun füttere ich noch meine beiden Katzen (echte Seelentröster:love:) und dann werde ich ein Weilchen spazieren gehen. Vielleicht wird dadurch mein Kopf etwas klarer und vielleicht kann ich dabei auch ein wenig Kraft schöpfen.


    Euch allen alles Liebe und danke fürs Lesen


    Ach ja, bitte entschuldigt mein schlechtes Deutsch - ist halt nicht meine Muttersprache.


    blaumeise :24:

  • Liebe Blaumeise,


    also für Dein Deutsch brauchst Du Dich ganz sicher nicht entschuldigen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es nicht Deine Muttersprache ist, Chapeau.


    Das mit dem Krebs und den schulmedizinischen Behandlungen ist so eine Sache. Viel zu oft wird da leider nur den Interessen der Pharmaindustrie gedient. Ich kann daher die Skepsis von Deinem Klaus ganz gut verstehen und würde das nicht unbedingt als eine Art von Suizid sehen. Hätte er denn einen Grund dazu gehabt, bzw. etwas in dieser Richtung geäußert? Auch die Angst als Pflegefall zu enden halte ich für nachvollziehbar. Letztlich muss diese Entscheidung jeder für sich selbst treffen.


    Es ist auch schön und durchaus nicht selbstverständlich, dass Ihr es geschafft habt, nach dem Ende Eurer Beziehung so ein freundschaftliches Verhältnis zu haben. Das begrenzte Verständnis aus Deinem Umfeld wundert mich auch nicht wirklich, selbst bei bestehenden Partnerschaften geht es vielen von uns da kaum besser.


    LG und einen Knuddler an Deine Katzen (falls sie gerade dazu aufgelegt sind),

    Sky / Robert

  • Lieber Robert,


    hab Dank für deine Worte.

    Meine Katzen haben sich über diesen zusätzlichen Knuddler gefreut. Soll dich von ihnen zurückknuddel... :love:


    Ich hoffe, du hattest einen erträglichen Tag.


    blaumeise :24:

  • Als ich mein Trauerkleid anlegte,

    tröstete man mich.


    Warte, bald trägst du wieder rot.


    Ich kaufte mir ein Blaues und Rotes und Goldgelbes.

    Zog es über das Schwarz,

    das mir anwuchs wie eine zweite Haut.


    Siehst du, hörte ich sie sagen,

    es geht schon wieder.

    Die Zeit heilt eben alles.


    Ab und zu stiehlt sich ein Loch in das Bunt,

    lässt einen Blick zu auf das schwarze Darunter.

    Wohlmeinende nähenes rasch wieder zu.


    Wieviel ehrlicher wäre es mit den Löchern.

    Renate Salzbrenner



    Danke, dass hier bei euch mein buntes Kleid Löcher haben darf. <3


    Alles Liebe für euch


    blaumeise :24:

  • Liebe Blaumeise! Ich habe deine Beiträge gelesen und es tut mir leid, dass es dir im Moment so schlecht geht! Ich kann deine Fragen leider nicht wirklich beantworten, aber ich möchte dir eine tröstende Umarmung schicken und hoffe, du siehst bald wieder ein Licht am Ende des Tunnels! :30:

    LG Andrea

  • Danke, dass hier bei euch mein buntes Kleid Löcher haben darf. <3

    Liebe Blaumeise,

    Hier ist für all das Platz <3


    Du schreibst über die Wut die du manchmal empfindest. Es ist nachvollziehbar wenn Behandlungen gar nicht erst angenommen werden, da immer die Frage offen bleibt, ob es den geholfen hätte, ob man Zeit gewonnen hätte. Diese Wut ist ganz menschlich, und vielleicht kannst du auch ihr einen Platz des Ausdrucks geben. Vielleicht einen Brief schreiben mit allem was in dir vor geht, was dich wütend macht und ihn dann verbrennen. Das Feuer in Trauerritualen hat eine ungeheure Kraft. Nur als Idee...


    Ich wünsch dir tröstende Momente mit deinen Katzen <3

    Isabel

  • hallo Blaumeise,

    Deine "Maske" ist ungesund und verlängert die Zeit des Verarbeitens - das Unverständnis Deiner Umgebung ist leider alltäglich und fast jede/r hier hat dies erfahren müssen; deshalb: trenn Dich von diesen Personen, damit Du Deine Maske abnehmen kannst. Die Art und Länge Deiner Trauer bestimmst NUR DU, niemand sonst!

    Auch die Selbstvorwürfe und -Zweifel kennt so ziemlich jede/r hier trauernde/r Hinterbliebene. Immer wieder fragt man sich, was man hätte anders oder besser machen können. Wenn Dein Klaus sich so entschieden hat, ist das halt so - stell Dir vor, seine Angst wäre Wirklichkeit geworden - wie groß wären DANN die Vorwürfe, die Du Dir machen würdest..., die Dein Sohn Dir machen würde?

    Für Deinen Sohn scheint es ebenso zwiespältig, Euer Klaus hatte eine Verfügung - hättest Du diese mißachtet, hätte er Dir ebenfalls Vorwürfe gemacht. Vielleicht hat er hat auch ein Problem mit der Entscheidung, dass sein Vater sich gegen eine Behandlung oder lebensverlängernde Maßnahmen ausgesprochen hat; wenn ich das richtig gelesen habe, wurden ihm im KH keine Medikamente zum schnelleren Gehen verabreicht? In diesem Fall sind die Vorwürfe Deines Sohnes irrational - wahrscheinlich hättest Du es Deinem Sohn nicht wirklich Recht machen können - er hätte immer wieder etwas gefunden, was Du angeblich falsch gemacht hast.

    Ich habe meine Mutter verloren, als ich 8 Jahre alt war und ihre letzten Worte waren: "...nein, lasst mich bei meiner Tochter bleiben..."

    Sie kam nicht mehr zurück.

    Ich bin viele lange Jahre mit der "Schuld" herum gelaufen, dass meine Mutter ohne mich noch leben würde weil sie dann rechtzeitig ins KH gekommen wäre.

    Im Nachhinein weiß ich es besser aber ich hätte mir eine psychologische Betreuung gewünscht, um zu verstehen und zu verarbeiten.

    Letztlich hat es über 30 Jahre gedauert, bis ich die Vergangenheit komplett aufarbeiten konnte...

    Das sie Alkoholikerin war, wurde mir erst später bewusst - mit 8 kannte ich diesen Begriff noch nicht...

    Ich würde sie gern HEUTE noch fragen, warum sie zur Alkoholikerin wurde

    Selbst als Kind sucht man nach der/dem Schuldigen und sofern sich mehrere Menschen in näheren Umfeld befinden, ist es meist die der Verstorbenen und sich selbst am nächsten stehende Person.

    Heute, nachdem ich 2018 MEINE Seelenverwandte, beste Freundin und Lebensgefährtin verloren habe, suche ich nicht nach der Schuldigen, denn ich WEISS, wer sie auf dem Gewissen hat; das ändert aber nichts DARAN, dass ich mich immer wieder gefragt habe, ob ich etwas hätte anders oder besser machen können, um es zu verhindern.

    Heute bemitleide ich mich weil ich mich seit ihrem Tod einfach nur einsam fühle, etwas, was ich vorher nicht kannte, ich bemitleide UNS weil wir UNSERE Träume nicht mehr verwirklichen oder einfach nur beisammen sein können; es tut mir SO Leid, dass sie nicht mehr an dem, was ich tue, teilhaben kann - und - ich tue MIR Leid weil ich mich nicht mehr mit ihr austauschen oder mich anlehnen kann. Ist es tatsächlich Selbstmitleid? wenn es mir (manchmal auch körperlich) wehtut, ihre Abwesenheit so unumstößlich wahrzunehmen???

    MIT ihr war ich ein "Stehaufmännchen", stark, und immer da wenn Hilfe gebraucht wurde - und jetzt?

    werde ich aggressiv, wenn jemand von mir die gleiche Stärke erwartet/verlangt - diese Kraft ist mit ihr gegangen, steht mir nicht mehr zur Verfügung und es fällt mir schwer, alles zu bewältigen - auch die Frage, wozu ich es denn bewältigen soll, hat sich mir oft gestellt - DAS, was nach ihr geblieben ist, ist NICHTS, was lebenswert erscheint, also wieso sollte ich jeden Morgen aufstehen oder irgendetwas erledigen?

    Der Schritt in die Depression ist WINZIG KLEIN, so klein, dass viele es oft nicht oder zu spät merken.

    ALLES, was Du hier schreibst, was Du fühlst oder nicht fühlst, was Dein nicht verstehendes Umfeld vom Stapel lässt, ist (leider) STINKNORMAL

    was ganz und gar nicht normal ist, ist, dass man nach einer gescheiterten Beziehung ein innige Freundschaft aufbauen und haben kann, etwas, was die meisten Menschen NIEMALS erleben werden und deshalb auch nicht verstehen - dazu braucht man STÄRKE und den Willen, darum zu kämpfen, keine Inkonsequenz!


    was Deine Wut angeht: UND BITTE NICHT FALSCH VERSTEHEN!!!

    Deine Wut ist ebenso egoistisch, wie seine Entscheidung, Behandlung und lebensverlängernde Maßnahmen abzulehnen

    EUCH geht es schlecht weil ER DIESE SEINE Entscheidung getroffen hat, eine Entscheidung, welche auf der Angst, ein Pflegefall werden zu können, basiert

    durchaus verständlich - egoistisch aber vollkommen nachvollziehbar - auch ich habe diverse Klauseln in meiner Verfügung, welche bestimmte Vorgehensweisen ausschließen - eine Entscheidung, welche ICH FÜR MICH getroffen habe und hoffe, dass sich die damit beauftragte Person daran hält und die Ärzte entsprechend instruiert.

    Meine Lebensgefährtin hat ganz klar gesagt, dass sie die Auflagen MEINER Verfügung nicht erfüllen kann und sie deshalb nicht möchte, dass SIE diejenige ist, die sich darum kümmern muss - eine ganz klare Aussage, mit der ich aber irgendwie fertig werden musste.

    versuch Dir vorzustellen, WIE SCHLIMM es gewesen wäre/sein würde, wenn er tatsächlich zum Pflegefall geworden wäre - für EUCH UND für ihn

    das würdest Du nicht wollen, nicht für ihn, nicht für Deinen Sohn, nicht für Dich

    Ich knuddel Dich ganz sanft und hoffe, dass Dein Sohn irgendwann ebenfalls VERSTEHT......

  • Ich habe dir nicht oft genug gezeigt,

    dass ich dich liebe.

    Nun schreie, sage, flüsterte und bete ich es,

    als könne meine Liebe auf Lichtflügeln dich erreichen.


    Ich lasse sie dir hinterher fliegen und ahne,

    dass sie ohne wärmende Hände, einem gestutzten Vogel gleicht.


    In leisen Minuten höre ich deine Antwort:

    Verteile sie an die Lebenden

    zu meinem Gedenken.

    Renate Salzbrenner

  • Hallo miteinander,


    sehr bedrückende und schwere Tage liegen hinter mir.

    Ich fühle mich so müde, so ausgelaugt und stehe ganz, ganz weit neben mir. Kann kaum einen klaren Gedanken fassen.


    Letzten Donnerstag war ich auf einer Beerdigung. Der Sohn einer Bekannten hat sich das Leben genommen. Seine Lebensgefährtin starb im Herbst 2019 an Bauchspeichelkrebs und er hat das alles nicht verkraftet. Zurück bleiben ein sehr pflegebedürftiger, schwer kranker Vater und eine ebenfalls kranke Mutter. Beide schwer getroffen von dem Suizid. Die Mutter ist am Grab fast zusammengebrochen. Als ich das bemerkte, wurde ich plötzlich so zornig auf den Verstorbenen (warum hat er daaas seinen alten Eltern angetan...?), Ich verspürte keinerlei Mitgefühl mehr mit ihm und hätte am allerliebsten meine Wut ganz laut herausgebrüllt. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass mein Zorn gar nicht ihm galt, sondern meiner Mutter.!


    Ich habe es auf dem Friedhof kaum ausgehalten, zitterte, fror erbärmlich und hatte das Bedürfnis einfach wegzurennen. Auch auf Klaus wurde ich irgendwie böse, denn er war ja auch nicht da, um mich aufzufangen. (ist ja seit einem Jahr auch tot). Ich bin aber dann doch geblieben - nicht aus Stärke sondern aus Feigheit, denn ich wollte nicht auffallen.... Zum sog. Leichenschmaus bin ich trotz Einladung nicht gegangen. Mir fehlte einfach die Kraft. Habe versprochen in den nächsten Tagen vorbei zu kommen, aber im Moment habe ich Angst, mein Versprechen nicht halten zu können. Fürchte mich irgendwie vor diesem Besuch... Ich will meinen Bekannten beistehen und gleichzeitig habe ich Angst etwas falsch zu machen. Dabei weiß ich, dass ich nichts falsch machen kann.. Trotzdem würde ich mich am liebsten vor dem Besuch drücken. So geht es wahrscheinlich den Menschen, denen wir vorhalten, uns nach dem Tod unserer Lieben im Stich zu lassen. Es schlagen 2 Seelen in ihrer Brust.


    Die Beerdigung hat mich sehr aufgewühlt und alte, vernarbte Wunden wurden wieder aufgerissen.


    Plötzlich wurde ich Jahrzehnte zurück katapultiert. Sah mich wieder als 11jähriges Mädchen. Damals hat sich meine Mutter umgebracht. Und am Donnerstag kam es mir so vor, als wäre gerade erst ein Tag vergangen, seit man sie gefunden hat und es mir gesagt wurde.

    Sie wurde gefunden, mitten auf der Bahnstrecke, vom Zug überrollt. Vorher hatte sie ihr Fahrrad noch sorgfältig abgestellt und abgeschlossen. Sie hat in der Nacht das Haus verlassen und ist mit ihrem Fahrrad außerhalb des Dorfes gefahren. Es gab kein Abschiedsbrief, keine Umarmung, kein "es tut mir leid" kein "denk dran, ich hab dich lieb"...Wortlos ist sie gegangen und hat auf so grausame Art und Weise alle Brücken hinter sich abgebrochen.


    So viele Jahre sind nun vorbei - da dürfte ich doch nicht mehr so reagieren? Oder doch?

    Ich dachte, ich hätte meiner Mutter verziehen. Warum bin ich jetzt so durcheinander, so zornig?

    Anscheinend habe ich alles doch noch nicht so richtig verarbeitet.


    Ich fühle ich mich so verloren, so heimatlos. Ich bin so erschrocken über die Heftigkeit meiner Gefühle. Ich habe das Gefühl, als wäre ich mitten in einem Tsunami.Komme einfach nicht klar mit mir.


    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich Jahrzehntelang nicht über die Art ihres Todes sprechen konnte. Erst durfte ich nicht, dann konnte ich es nicht. Ich war schon über 30 und schwanger, als ich Klaus davon erzählte. Vorher sagte ich jedem immer, meine Mutter wäre an einem Herzinfarkt verstorben...

    Jahrelang diese Lüge...! Aus Scham! Aus Schuldgfühlen heraus.! Klaus hat es von mir erst erfahren, als ich Panik schob, keine gute Mutter sein zu können.... meinem Kind ein unglückliches Leben zu bescheren,... es nicht lieben zu können.... ihm "Selbstmordgene" zu vererben...


    Ich bin damit aufgewachsen, dass Mama verschwiegen wurde. Nach der Beerdigung wurde nicht mehr von ihr gesprochen. Es war als hätte sie es nie gegeben. Ihr Tod war eine Schande für die Familie. (Suizid galt damals noch als Todsünde) Es gab keine Gedenktage, weder an ihrem Todestag, noch an ihrem Geburtstag. Es wurden keine Geschichten von ihr erzählt, Bilder wurden weggeräumt... Sie war von heute auf morgen weg...

    Ich war damals mit dem Schock, mit meiner Verzweiflung, dem Unverständnis, meiner Angst völlig allein... und meine Seele kämpft immer noch.

    Ich hätte so dringend Unterstützung gebraucht. Ich war doch erst 11 Jahre alt - ein Kind. Doch damals war "Selbstmord" ein Tabuthema. Dafür gab es keine Therapie, keine Trauer Begleiter, keine Bücher... und meine Verwandten waren wahrscheinlich selbst überfordert und hilflos. Manchmal denke ich auch, vielleicht wollten sie mich auch nur "schützen".,wollten nicht in der Wunde rühren.. Viel geredet wurde eh nicht in meiner Familie, über Gefühle schon gar nicht und gezeigt wurden sie schon zweimal nicht.

    Im Dorf wurde getuschelt und jeder Gang durchs Dorf wurde zu einem Spießrutenlauf (zumindest empfand ich es so). Vor allem die Reaktionen meiner Schulkameraden waren verletzend. So sprachen sie von der "kilometerlangen Leich",die gefunden wurde, von "alles Matsch", "Mus" (um nur ein Beispiel zu nennen). Kinder können grausam sein und ich konnte niemanden davon erzählen und mich anvertrauen. Damals habe ich gelernt, alles mit mir selbst auszumachen.

    Daher war ich nicht gerade unfroh als mein Vater mich bald darauf innerhalb der Verwandtschaft weiterreichte und seine Geliebte (sie war es schon während der Ehe) zu sich ins Haus nahm. Irgendwann kam ich dann in eine Pflegefamilie. Dort fand ich die besten Eltern, die man finden kann.


    Aber sie konnten mir auch nichts von Mama erzählen, sie kannten sie ja nicht.


    Ich kann auch niemanden mehr fragen wie sie war. Alle Personen, die sie kannten, sind tot. Es fehlt mir ein grosser Teil meiner Wurzeln.


    Es ist schlimm, dass ich kaum Erinnerungen an Mama habe - zumindest keine frohe, glückliche Erinnerungen. Ich sehe sie immer im Bett liegend, entweder vor sich hinstarrend oder weinend. Meistens vor sich hinstarrend. Ich saß oft an ihrem Bett und hielt ihre Hand und hatte Angst.... Ich wollte immer alles richtig machen, war ein liebes, braves Mädchen, das keine Widerworte gab. Sehr lange glaubte ich nach ihremTod, nicht lieb genug gewesen zu sein und dass sie

    mit einer "bräveren Tochter" nicht hätte sterben wollen, sondern weiterleben wollen.

    Noch heute fühle ich mich oft nicht wert genug, nicht gut genug, , denn Ich war es nicht wert, dass Mama

    sich für das Leben und für mich entschieden hat. Lieber wollte sie sterben...


    Nach ihrem Tod habe ich meine Trauer tief in mir vergraben.


    Im Laufe der Jahre habe ich alles dafür getan, mich selbst zu zerstören und mich zu bestrafen.

    Unter anderemllll fraß ich im wahrsten Sinne des Wortes alles in mich hinein. (Gefühle, Lebensmittel... ) und ich wog mit 14 Jahren 70 kg. Auch die Hölle der schweren lDepressionen habe ich kennengelernt.


    Vor 10 Jahren kam ich dann in eine Klinik. (Diagnose :Posttraumatische Belastungsstörung) Dort begann ich mich zum ersten Mal mit dem Suizid auseinanderzusetzen., weinte zum allerersten mal um meine Mutter.Daraufhin ging es mir einige Jahre besser und dann schlug die Depression wieder hammerhart zu. Alle Medis halfen nicht, ich hatte zwanghafte Suizidgedanken. Es war so schlimm, dass ich mich selbst in die Psychiatrie einliefern ließ. Danach kam ich dann für längere Zeit in eine psychosomatische Klinik. Eine Elektroschocktherapie half mir dann aus dieser Depression.

    Seit dieser Zeit habe ich keine Suizidgedanken mehr. Im Gegenteil. Trotz schwerer Erkrankung möchte ich leben. Sehe das Leben als das kostbarste Geschenk an, das wir bekommen können,!!

    Es gibt für alles eine Lösung. Sei sie noch so versteckt und wir sie mühsam und unter Schmerzen finden müssen. Auch wenn der Weg dazu sehr, sehr hart ist, Ängste auslöst...


    Ich habe in einer Schublade das Bild eines Emus. Das Tier kann angeblich nicht rückwärts laufen - sinnbildlich gesehen:es muss es immer in die Zukunft sehen. Das Bild anzusehen hilft mir oft.


    Doch momentan hilft es nicht.


    Ich bin so durcheinander. Bin so böse auf Mama und gleichzeitig schäme ich mich für dieses Gefühl.


    Wut, Trauer, Enttäuschung - alles ist ineinander verknuddelt und ich kann nichts entwirren.


    Ein absolutes Gefühlschaos.


    Es ist nicht der Tod meiner Mutter der mich quält, sondern die Art und Weise. Sich einfach aus der Verantwortung zu ziehen. Keine Hilfe zu suchen, sich nicht helfen zu lassen. Vielleicht ist das auch der Grund, dass ich so empört darüber war, als Klaus sich einer Krebstherapie verweigerte.?!?


    Wer so etwas nicht selbst durchgemacht hat, hat keine Ahnung, wie es sich anfühlt, für den Rest des Lebens damit klar kommen zu müssen, dass man für den geliebten Menschen nicht Wert genug gewesen war, sich dem Leben zu stellen.


    Stirbt jemand durch Krankheit bzw Unfall dann kann man sich damit trösten, dass der geliebte Mensch uns nicht freiwillig verlassen hat, dass er bei uns bleiben wollte Aber bei Suizid? Da hatte der Tote es noch in der Hand. Er hat den Tod vorgezogen.. nicht uns.


    Mama, ich bin so verletzt, so wütend.


    Dabei dürfte ich das nicht.

    Ich müsste dich verstehen, dir verzeihen. denn ich habe ja auch einen Suizidversuch hinter mir.Damals dachte ich, ich täte das Beste für meine Familie. Dachte, wenn es mich nicht mehr gibt wäre alles gut. Niemand müsste mehr wegen mir leiden. Die Kinder bekämen dann irgendwann eine bessere Mutter...


    Vielleicht hast auch Du so gedacht!

    Ich weiss ja sehr gut, welch verworrenen Gedanken die Depression einem einflüstert. Wie hilflos man zeitweise diesen Gedanken ausgeliefert ist.


    Ich hätte daher allen Grund dir zu verzeihen. Aber warum kann ich das nicht? Warum bin ich so wüend?

    Warum messe ich mit zweierlei Maß?


    Ich merke, dass das Thema "Suizid meiner Mutter" noch lange nicht zu Ende ist.

    Aber darf ich das hier thematisieren, es ist doch schon jahrzehntelang her.


    Sorry für die verworrenen Zeilen


    blaumeise :24:total durcheinander