Am 23.11.20 ist das Schlimmste passiert

  • Welchen Sinn hat mein Leben noch?

    "Ich frage mich, wofür es sich noch zu leben lohnt", sagte eine Frau leise. "Meinen Partner musste ich zu früh schon zu Grabe tragen. Nun bin ich allein. Gemeinsam hatte das Leben Sinn. Nun gibt es kein Ziel mehr und nichts, wofür es sich noch zu leben lohnt."

    Es schien, als ob die Frau diese Sätze eher zu sich sprach. Also antwortete die alte, weise Frau nicht darauf, sondern erzählte diese Geschichte:

    In einem fernen Land, lange vor unserer Zeitrechnung, war Folgendes üblich: Wenn ein König starb, so musste seine Gemahlin mit in den Tod gehen, dass sie ihm eine Gefährtin auf dem Weg ins Jenseits sei.

    So wurden die Frauen der Könige mit ihrem Gatten begraben, unabhängig von ihrem Alter. Zwei Ausnahmen gab es für diese Regel. War die Frau sehr krank, so durfte sie weiter leben, denn eine kranke Frau, so sagte man, könne dem König auf dem Weg ins Jenseits keine Hilfe sein, sie würde ihm sowieso bald folgen. Ebenso verhielt es sich, wenn die Frau geistig verwirrt war. Sie würde ihn belasten, sagte man, also lies man einer solchen Frau das Leben.

    Es begab sich nun, dass ein junger König im Kampf schwer verletzt wurde; er rang mit dem Tod, doch starb nach einigen Wochen. Sein Gesicht war noch schmerzverzerrt, als er zu Grabe gelegt wurde. Als man seine Frau holen wollte, sie mit ins Grab zu legen, musste man erfahren, dass der Schmerz um Krankheit und Verlust ihres geliebten Gatten ihren Geist verwirrt hatte.

    Den größten Teil der Tage verbrachte sie damit, mit einem großen Korb durch den Palast, durch Straßen und über Felder zu gehen. Schier endlos betrachtete sie dabei die Pflanzen, den Sonnenuntergang sowie des Nachts die Sterne. Sie lächelte fremden Menschen zu, und spielte mit Kindern auf der Straße. Einige behaupteten, man habe sie mit Tieren sprechen gehört. Nein, diese Frau sollte nicht mit dem König gehen. So behielt sie ihr Leben.

    Mit der Zeit vergaß man sie und den König.

    Jahrhunderte später stießen Forscher auf ein Grab aus jener Zeit. Als man es öffnete fand man darin zwei mumifizierte Menschen, den Leichnam eines jungen Königs und neben ihm den Leichnam einer viel älteren Frau, die einen großen Korb umschlungen hielt. Man rätselte, wer diese Frau sei, da Könige doch ihre Gattinnen mit ins Grab nahmen. Erst als man den Text auf der Schriftrolle entzifferte, die als einzige Beigabe im großen Korb lag, wusste man, wer hier ewige Ruhe fand:

    "Hier bin ich nun, mein Liebster. Ich habe den Weg vollendet, dessen ersten Abschnitt wir gemeinsam gingen, denn schmerzerfüllt und mit leeren Händen wollte ich dir nicht folgen. Ich habe mir Zeit gelassen, die Sonnenstrahlen des Tages zu sammeln, sowie das nächtliche Glitzern der Sterne, den Anblick wunderbarer Blumen, den Duft frisch gemähter Wiesen, die fragenden Blicke der Fremden und das lebendige Lachen der Kinder, auch Trauer und Trost, Einsamkeit und Erfüllung, Sehnsucht und Glück.

    So kann ich dir nun viel von dem mitbringen, was dir nicht mehr vergönnt war. All das wäre für uns verloren gewesen, wenn ich nicht weiter durchs Leben gegangen wäre. Nun haben wir all dies für unseren weiteren Weg in die Ewigkeit."

    Die Forscher, die das Grab geöffnet hatten, berichten, dass man im Gesicht des verstorbenen Königs deutlich ein Lächeln erkannte.

    Als die weise Frau, die zwischen ihren Büchern saß, diese Erzählung beendet hatte, blieb es still. Über die Wangen einiger Zuhörer liefen Tränen.

    Niemand sah die Frau an, die mit ihrer Frage danach, welchen Sinn ihr Leben habe, diese Erzählung ausgelöst hatte, bis plötzlich jemand sie spontan und lange umarmte. Und von irgendwoher klang ein "Danke" in den Raum.


    Text: Frank Maibaum / Aus seinem Buch:

    Liebe wird sein, Liebe, was sonst!

  • "Hier bin ich nun, mein Liebster. Ich habe den Weg vollendet, dessen ersten Abschnitt wir gemeinsam gingen, denn schmerzerfüllt und mit leeren Händen wollte ich dir nicht folgen. Ich habe mir Zeit gelassen, die Sonnenstrahlen des Tages zu sammeln, sowie das nächtliche Glitzern der Sterne, den Anblick wunderbarer Blumen, den Duft frisch gemähter Wiesen, die fragenden Blicke der Fremden und das lebendige Lachen der Kinder, auch Trauer und Trost, Einsamkeit und Erfüllung, Sehnsucht und Glück.

    So kann ich dir nun viel von dem mitbringen, was dir nicht mehr vergönnt war. All das wäre für uns verloren gewesen, wenn ich nicht weiter durchs Leben gegangen wäre. Nun haben wir all dies für unseren weiteren Weg in die Ewigkeit."

    :2: für diesen Text. Ich lese diese so tröstenden Worte und denke an den Platz für mich neben Dir in "unserem" Grab .


    Ein Leben danach macht trotzdem Sinn.

  • Heute morgen habe ich folgendes Buch entdeckt:


    forum.aspetos.com/attachment/9452/


    Ich habe die 1. Rezension gelesen und war geneigt mir das Buch zu bestellen. Es scheint sehr traurig zu sein. Und trotzdem sind alle Rezensionen sehr positiv.

    Hat vielleicht jemand von Euch dieses Buch schon gelesen?



    Kurzbeschreibung

    Irvin D. Yalom, einer der angesehensten Psychotherapeuten Amerikas, wird am 13. Juni 2021 neunzig Jahre alt. Er gilt als Klassiker der existentiellen Psychotherapie, seine Lehrbücher und Romane erscheinen weltweit und erreichen Millionen. Seine Frau Marilyn Yalom, eine renommierte Kulturwissenschaftlerin und Autorin, starb im letzten Herbst nach 65jähriger Ehe. Als klar war, dass ihre Krankheit zum Tode führen würde, begannen beide ein Buch zu schreiben - das am Ende Irvin D. Yalom alleine fertigstellen musste. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe und herausragenden intellektuellen Beziehung. Ein großes Alterswerk, das alle existentiellen Themen berührt, die uns angehen.

    Pressestimmen

    "Ein bestürzendes Buch über Vergänglichkeit und Abschied. Und ein ergreifend schönes über die Liebe.« ― Stern

    »›Unzertrennlich‹ ist ein Denkmal für die Liebe.« ― Peter Pisa, Kurier

    Über den Autor und weitere Mitwirkende



    Irvin D. Yalom wurde 1931 als Sohn russischer Einwanderer in Washington, D.C. geboren. Er gilt als einer der einflussreichsten Psychoanalytiker in den USA und ist vielfach ausgezeichnet. Seine Fachbücher gelten als Klassiker. Seine Romane wurden international zu Bestsellern und zeigen, dass die Psychoanalyse Stoff für die schönsten und aufregendsten Geschichten bietet, wenn man sie nur zu erzählen weiß.

    Marilyn Yalom (1932-2019) war Mitbegründerin und Senior Scholar am Clayman Institute for Gender Research an der Stanford University. Sie hat zahlreiche Sachbücher veröffentlicht. Über 65 Jahre war sie mit dem Buchautor und Psychoanalytiker Irvin D. Yalom verheiratet.

    Theresa Donovan Brown ist preisgekrönte Autorin von sowohl Sachbüchern als auch Belletristik zum Thema Freundinnen. Sie hat Creative Writing an der Stanford University studiert und einen MBA von der Haas School of Business der Berkeley University.

  • Ja, es bei war uns bei der Trauerliteratur- habe ein bißchen quergelesen.


    Schön geschrieben, sicher sehr ehrlich, er berichtet davon, von den großen Brüsten der Freundinnen seiner verstorbenen Frau " plötzlich" magisch angezogen zu werden usw.


    Ein großer Psychiater, bestens vernetzt, schreibt im hohem Aler über seine auch im hohem Alter gegangene Ehefrau., große Famile, Freundeskreis, Wohlstand


    war schön geschrieben, aber ich habe mich mit meinem Schmerz und meinen Todesumständen nicht wiedergefunden


    ich bin auch nicht magisch von den Geschlechtsteilen von irgendwelchen Männern angezogen...


    aber sicher sehr schön und selbstreflektierend geschrieben...


    vlg

    Gini+Bettina

  • Lese gerade

    WEiß

    von Han Kang

    Kürzestgeschichten über Trauer " ein wunderschöner Text über die hauchdünne Membran, die Leben und Tod voneinder trennt" svenska dagbladet


    eher versponnen , kurze Geschichten

  • Hallo Ulfwilli,

    Sei willkommen in unserem Forum, in dem eigentlich niemand gerne sein wollte.

    Du schreibst hier in meinem "Wohnzimmer". So nennen wir hier einen Forumsthread.

    Jeder Neue legt sich in der für ihn passenden Rubrik ein Wohnzimmer an. Einen Namen hast Du ja schon.

    Nun mußt Du im Forum die Zeileb

    VERLUST DES PARTNERS

    Anklicken und auf neues Thema gehen. Dann suchst Du Dir eine Überschrift, schreibst die rein und fertig ist Dein Wohnzimmer.

    Ralfsheidemarie

  • wenn dein partner in deinen armen stirbt und der arzt vorher meinte , ich drehe den sauerstoff runter damit sie es leichter hat

    Liebe/r ulfwilli,


    willkommen in diesem Forum, in dem nie jemand von uns sein wollte, und doch froh sind das es dieses Forum gibt.

    Zu Deinem Verlust das tut mir unendlich leid, es ist das schlimmste was einem passieren kann.

    Vielleicht magst Du wie es RalfsHeidemarie schon geschrieben hat ein eigenes Wohnzimmer aufmachen und etwas mehr schreiben was Dir passiert ist.

    Sei Dir sicher jeder hier versteht den Schmerz und das was Du durchmachst Du bist nicht allein, auch wenn Du vielleicht momentan das Gefühl hast.


    Vlg. Linchen

  • Woran merke ich, daß meine Trauer sich verändert hat?

    10 Zeichen der Veränderung:

    😥 Ich weine nicht mehr jeden Tag

    😩 Ich werde nicht mehr so oft getriggert

    😋 Ich habe manchmal Hunger

    😳 Ich kann wieder manche Filme gucken

    😴 Ich schlafe etwas weniger


    🧐 Ich plane in die Zukunft

    🥺 Ich bin nicht mehr so oft im Forum

    😍 Meine Sehnsucht wird zärtlich

    😨 Ich grübel viel weniger

    😇 Ich möchte nicht mehr oft auch tot sein


    Was hat sich noch nicht verändert?

    🙃 Ich lebe immer noch oft im Bett

    😎 Ich gehe selten raus und wenn, dann

    🤨 will gleich wieder zurück nach hause

    🥴 Mir passieren Ungeschicklichkeiten

    🙄 Ich habe 0 🐐🐏 Bock / 0 Antrieb


    😑 Ich kann mich nicht konzentrieren

    😣💦 Ich Dusche nicht oft

    🥳 Ich bin nicht fröhlich

    😱 Ich erschreckte mich oft doll

    🤤🍷Ich trinke zu viel Alkohol


    Ralfsheidemarie

  • Danke, liebe Ralfsheidemarie,

    deine 10 Zeichen sind eine Hilfe zu sehen, dass es weitergeht....

    ich werde das auch mal ausprobieren in der Hoffnung, dass es mir hilft nach vorne zu schauen. Im Moment bin ich in einem Trauerloch, wo die negativen Gedanken überwiegen...

    LG Sonnenblumen

  • Liebe Sonnenblumen 🌻🌻🌻

    so ein "Loch" ist mir auch sehr gut bekannt. Und dann sind Gedanken und Gefühle richtig miteinander verfilzt.

    Ich habe dann Schwierigkeiten diese Beiden zu unterscheiden und zu trennen.

    Als ich vor ca. 30 Jahren meine erste bioenergetische Therapie gemacht habe fragte mich die Therapeutin ganz oft, was ich fühle.

    Und meine Antwort waren meine Gedanken. Dann fragte sie nochmal nach meinen Gefühlen und ich wußte oft gar nicht was sie meint. Ich konnte diese Beiden nicht auseinander halten. Sie waren zusammengewachsen, verfilzt.

    Manchmal entdecke ich heute noch Gefühle, bei denen mir nicht bewußt war, daß es Gefühle sind.

    Zum Beispiel das Wort Dankbarkeit. Das kannte ich natürlich schon immer. Aber es war mir eigentlich nur vertraut mit einem negativen Beigeschmack weil es öfter von mir erwartet wurde dankbar zu sein. So als Vorwurf und Erwartung.

    Und vor ca. 12 Jahren entdeckte ich, daß es ein Gefühl ist. Und spürte es auch in mir drin. Ich las von Dankbarkeit Steinchen, die man in der Hosentasche mit Sicht trug und wenn man es ausversehen oder extra anfasst, dann schaut man sich um wofür man in diesem Augenblick dankbar sein kann.

    Oder, da# man abends beim Schlafen gehen 3 Situationen aufschreibt für die man an diesem Tag dankbar sein kann.


    Dieses für mich damals neue Gefühl hatte so etwas zartes, leichtes. Es gehört zu den positiven Gefühlen aber nicht aufregend toll oder überschwänglich wie Freude oder Glück. Sondern ruhig, ausgleichend und tief. Eine wirklich schöne Entdeckung.


    Neulich habe ich das Wort wohlwollend neu entdeckt. Da denke ich drüber nach, ob es auch ein Gefühl ist. Ich glaube schon. Bin mir aber nicht sicher.


    Das wichtigste bei dem Erkennen von Gefühlen und dem Trennen der Gefühle und Gedanken ist die Tatsache, daß diese Beiden sich gegenseitig beeinflußen und steuern und aufputschen.

    Wenn ich also negative Gefühle habe liegt das oft an meinen negativen Gedanken.


    Versuche ich dann die Gedanken zu stoppen und was anderes Positives zu denken, dann verändern sich auch meine Gefühle ins Positive.

    Und das Gefühl der Dankbarkeit kann ich auch erzeugen, wenn ich in meiner Trauer sehr traurig bin.

    Es gibt sehr viele Gefühle, ich wollte immer schon mal eine Sammlung anfangen. 🤔🤭🗂️


    Ralfsheidemarie

  • Guten Morgen Ralfsheidemarie


    Deine Liste ist wirklich sehr gut. Kann ich fast alle Punkte unterschreiben. Nur mit dem Alk hab ich's nicht so, ich vertrag nix und schnell wird mir übel <X.


    Bei mir war am Schlimmsten, dass ich die ersten Monate keine Musik hören konnte. Das hat sich Gott sei Dank wieder gebessert.

    Die Antriebslosigkeit finde ich so extrem. Es müssten so viele Dinge getan werden, aber die Trauer liegt auf mir wie ein Fels.

    Ich muss mich zusammenreißen - raus und bewegen und die momentane Trauerphase, die mich seit Tagen mal wieder im Griff hat, überstehen.


    Dir und allen Trauernden eine gute Zeit

    Mario