Mein Herz ist zerbrochen

  • Mir geht es gerade so furchtbar. Ich glaube ich habe annähernd 24 Stunden durchgeweint, nur unterbrochen durch Schlaf.


    Ich wollte gestern seinen Kleiderschrank ausräumen. Der Plan war: ich hebe mir ein paar ganz typische Kleidungsstücke auf, der Rest geht an eine soziale Einrichtung.

    Was soll ich sagen, ich hab's einfach nicht geschafft, hatte fast schon Panikattacken deswegen.

    Total irrationaler Gedanke: ich kann nicht alles weggeben, denn wenn er dann wiederkommt, hat er ja nichts mehr zum Anziehen?

    Dabei weiß mein Verstand natürlich, daß er NIEMALS wieder kommt, niemals wieder Kleidung braucht;(


    Die Gedanken zerreißen mir das Herz, es ist einfach sooo schlimm. Ich kann, ich WILL einfach nicht begreifen dass unserer gemeinsame Zeit hier zu Ende ist. Wie soll man sowas je überwinden? Warum muss man so Grausames durchmachen?

    Was hab ich Schlimmes verbrochen, dass ich so bestraft werde....


    Fast seine gesamte Kleidung ist jetzt in Umzugskartons in meinem Keller. Auch nicht der schönste Ort der Aufbewahrung ;(

    Aber ich bekomme die Kleidung beim besten Willen nicht in meinem kleinen Appartement mehr unter uns seine Wohnung muss ja leergeräumt werden;(


    Seit dem Aufwachen fließen schon wieder nur noch Tränen...

    Ich finde einfach keinen Trost.

  • Liebe Nora,


    es ist alles noch so sehr frisch bei Dir. Ich kann Dich so sehr gut verstehen. Es kann im Kopf noch gar nicht ankommen, wird es vielleicht nie, ist es bei mir nach 7 Monaten auch noch nicht.

    Dein Schatz ist in allem was Du tust immer noch bei Dir, obgleich anders, eben nicht mehr physisch, aber er ist da, glaube mir. Er sieht alles, was Du tust und machst. Er sieht Deine tiefe Trauer und ist ebenso traurig, dass es Dir so sehr schlecht geht. Lass seine Sachen im Keller und gib sie nicht weg, musst Du ja auch gar nicht.

    Vielleicht hilft es Dir ein wenig, mit ihm zu reden denn er hört alles, was Du sagst….

    Mir helfen immer Meditationen, die ich bei YouTube gefunden habe, z.B. von Franziska Behlert zur Trauer. Dann bin ich meinem Dirkie immer ganz nah und danach gehts mir wenigstens für den Tag besser oder ich kann am Abend besser einschlafen…

    Fühl Dich verstanden und lieb gedrückt:30:

    Uschi

  • Liebe Nora :24:,

    ich kann Dich gut verstehen, mir geht es ähnlich. Die Kleidung habe ich auf Drängen anderer relativ frühzeitig an eine karitative Organisation gespendet und es später bereut. Seitdem bin ich sehr vorsichtig beim "aussortieren" und höre auf mein Herz. Schiebe sie von A nach B und kann mich auch nach 9 Monaten noch nicht davon trennen. Lass Dir Zeit...

    Liebe Grüße Ingrid

  • Liebe Uschi,


    Danke Dir<3 Die Meditation werde ich auf jeden Fall suchen und ausprobieren.


    Ja, das wäre wohl wirklich der einzigste Trost, der mir helfen würde: zu wissen daß er noch da ist und dass wir uns irgendwann wiedersehen.

    Etwas "irdisches" kann mich nicht mehr trösten.


    Mir tut es immer so gut wenn ich von anderen Leuten höre dass sie auch daran glauben dass unserer Liebsten nach dem Tod nicht "weg" sind sondern in anderer Form weiterleben.

    Ich glaube im Prinzip auch selber dran aber es tut einfach sooo gut wenn mir andere das immer wieder "bestätigen"<3


    Liebe Grüße

    Nora

  • Liebe Ingrid,


    Danke für deine Erfahrungen. Ja, ich habe gestern einfach wohl auch auf mein Herz gehört, deswegen wohl auch diese Panikattacken als es daran ging die Sachen wegzugeben. Mein Herz hat wohl einfach massiv Einspruch eingelegt<3

    Obwohl es total irrational ist und es sicher auch in seinem Sinne wäre, die Sachen zu spenden. Und auch sonst bin ich eigentlich ganz "gut" im Aussortieren - war aber auch noch nie in dieser furchtbaren Situation die Sachen eines lieben verstorbenen Menschen wegzugeben.


    Muss zugeben, ich habe es selber immer belächelt wenn ich von anderen gehört habe, dass sie die Dinge eines Verstorbenen nicht weggeben können.

    Jetzt weiß ich es besser.

  • Liebe Nora,

    Diese Ausnahmesituation, die Du jetzt erlebst ist mit nichts von dem, was Du vorher kanntest vergleichbar. Es gibt natürlich Dinge, die Du jetzt erledigen musst. Da muss man leider durch. Aber alles das, was nicht dringend ist, solltest Du einfach später erledigen, dann, wenn Du Dich danach fühlst. Wenn man zu sehr zwingt oder gegen sein Herz/Gefühl arbeitet dann tauchen so Dinge wie Panikattacken auf, die Die ganz klar zeigen, dass Du gegen Dich arbeitest. Diesen Anteil sollte man so gering wie möglich halten, es zwingt Dich niemand und falls doch, lassende nicht zu. Mein Mann hat Ende April Todestag und dann werden seine Kinder, die Exfrau und ich seine Sachen zusammenstellen und jeder behält, was er haben möchte. Der Rest geht an die Kleiderkammer. Ich nehme dich einiges mit, wovon ich mich (zumindest jetzt) noch nicht trennen kann/mag.

    Es ist bei Dir viel zu früh, klar, die Wohnung muss geräumt werden. Aber nimm das mit, was Dir wichtig ist und stelle es bei Dir im Keller unter. Du weißt dann, dass es da ist und kannst es Dir ansehen oder hochholen. Das ist echt wichtig.

    Ich wünsche Dir, dass Du den Tag heute einigermaßen überstehst….

    Lg Herzschmerz

  • Liebe Nora,


    ich kenne auch diese Gedanken wie du sie geschildert hast bzg. warum ich, warum muss ich das alles durchmachen und warum werde ich so bestraft.

    Ich habe diese Gedanken auch immer wieder mal. Ich weiß auch nicht warum diese Gedanken kommen, vielleicht ist es auch ein Teil der Trauer, auch um

    das eigene Leben.


    Was die Kleidung von deinem Partner angeht, das kenne ich nur zu gut. Bei dir kommt noch erschwerend hinzu das du seine Wohnung räumen musst

    und selbst nicht soviel Platz hast.

    Ich denke, diese Verzweiflung sich von Kleidung oder anderen Dingen zu verabschieden gehört auch zu der Trauer.Schwerer wenn man keine Wahl hat den Zeitpunkt selbst zu bestimmen. Mein Mann ist jetzt im dritten Jahr tot. Ich habe

    es noch nicht wirklich geschafft etwas zu räumen. Sein Kleiderschrank ist noch voll von seinen Sachen und auch sonst.

    Ein paar Dinge habe ich geschafft weg zu tun. Das war so, Augen zu, Gefühl ausschalten und irgendwie versuchen nicht darüber nachzudenken.

    Mir könnte auch ein bisschen mehr Platz in unserer Wohnung gut tun, wir hätten schon längst räumen müssen als mein Mann noch lebte.


    Diese ganzen Situationen die wir als übrig gebliebene ertragen müssen ist sehr sehr schwer. Für mich fühlt es sich auch immer wie ein Verrat an. Dann versuche ich nicht so streng mit mir selbst zu sein wenn ich Handlungen machen muss die ich eigentlich nicht möchte.


    Aber bei jedem ist das anders. Manche brauchen sehr lange für diese Handlungen und andere haben den inneren Impuls relativ schnell zu handeln.

    Wichtig ist glaube ich es nicht zu bewerten vor allen Dingen dann nicht wenn man auch noch aus einer gezwungenen Situation handlen muss.


    Ich verstehe dich und fühle dich lieb gedrückt.


    Anja

  • Hallo,

    ja das Problem der Kleidung, ich habe 90% aller ihrer so schönen "Klamotten" mittlerweile an die Kleiderkammer gegeben, oder halt entsorgt.

    Das war auch bei mir sehr schwer, ich wollte es so schnell wie möglich hinter mich bringen. Ich habe für mich aber eine Lösung gefunden, dies alles besser zu verarbeiten.


    Ich habe Utis schönste Anziehsachen aussortiert und wieder in den Schrank gepackt, immer jeweils ein Teil, immer ihr Lieblingsstück. Angefangen bei der Jacke, über die Hose, das T-Shirt, die Schuhe, ihr Rucksack, etc.


    Sogar ein Paar Socken, und Unterwäsche liegen noch im Schrank, ihre Uhr, ihre Tasche, also eine Komplettausstattung. Ich weiß, dass ich sie auf dieser Welt wohl nicht mehr in den Arm nehmen kann, aber auf alle Fälle wären noch ihre schönsten Sachen vorhanden.


    Ich schaue nicht mehr bewusst in den Schrank, das tut zu weh, aber zu wissen, dass dort ihre schönsten Sachen noch aufbewahrt sind, das gibt mir ein besseres Gefühl, und diese Dinge bleiben auch dort, bis ich irgendwann auch nicht mehr auf dieser Welt lebe.


    Vielleicht kann dies ja auch eine Hilfestellung für andere sein, alles kann, nichts muss.....


    Tommi



  • Liebe Nora

    .Ich dachte das gleiche,er hat ja dann nichts mehr zum anziehen😭

    Ich hab heute auch keinen guten Tag.

    Er fehlt überall und ich fühl mich innerlich so zittrig irgendwie.

    Grad hab ich wieder keinen Bock mehr hier auszuharren und würde am liebsten Hinterhersterben😭Ich will zu meinem Ollie und zu meinem Hund😭😭😭

  • Liebe Nora,


    ich verstehe das auch so gut ... Ich musste ja die Wohnung meiner Mutter ausräumen und stand plötzlich inmitten von so vielen Dingen und Erinnerungen, dass ich am liebsten gar nichts entsorgt hätte. Ich hab deshalb so viele Sachen, Garderobe, Bücher, Küchenutensilien, Kleinkram, mitgenommen - und mir damit meine eigene Wohnung vollgestellt. Aber ich habe es einfach nicht fertiggekriegt, ihre Sachen wegzugeben oder womöglich wegzuschmeißen. Es waren doch ihre Sachen, die sie kurz vorher noch benutzt hatte ...

    Deshalb: Wenn Du die Möglichkeit und den Raum hast, nimm lieber ein Teil mehr mit als zuwenig. Sortieren kannst Du auch später noch.


    Ich schicke Dir viele liebe Grüße und eine vorsichtige Umarmung

    Tine

  • Liebe Uschi,

    ich habe die Meditation von Franziska Behlert ausprobiert. Sie ist wirklich wunderschön und hat ein bisschen Erleichterung gebracht.

    Danke<3


    Ihr Lieben anderen,

    Euch auch ein liebes Dankeschön für Eure Antworten und Erfahrungen<3 Es tut mir gut zu wissen daß Aussortieren für fast niemanden einfach ist.

    Ich werde mir nun definitiv alle Zeit der Welt nehmen und erstmal einlagern was geht.

  • Liebe Nora,

    ich bin 3 Monate, nachdem meine Frau gestorben ist, umgezogen. Eine gute Freundin durfte sich Schuhe und Kleidung aussuchen. Eine andere Freundin hat aus der neuen Kleidung, die sich meine Frau noch gekauft hat, ein Kissen gemacht.

    Einiges habe ich aussortiert. Das wollte sie sowieso machen. Aber den Rest, 8 Kartons habe ich mitgenommen und in den Schrank getan. Und sicher. Der Verstand sagt, wofür. Es ist für das Herz, es braucht es (noch). Irgendwann werde ich bereit sein alles auszudünnen. Hochzeitskleid und ein paar andere Dinge werden immer bei mir sein. Es ist okay, zwinge dich zu nichts.

    Liebe Grüße Billi 🌻

  • Liebe Nora,


    bitte höre weiterhin auf dein Herz und überstürze nichts mit dem Weggeben.


    Seit der Stunde NULL kann ich sogar meine eigene Kleidung kaum noch (er)tragen, in der ich so glücklich war. Zwei Jahre lang konnte ich nichts davon auch nur anrühren. Dann habe ich begonnen, die Sachen schön herzurichten, zu fotografieren und bei einer Secondhandplattform zu verkaufen. Das hilft mir und ich hab nicht so das Gefühl, die Sachen zu "entsorgen".


    Alles Liebe

    *** Niobe

  • Liebe Niobe

    Ich dachte schon ich bin die Einzigste,die selbst ihre eigene Kleidung nicht mehr ertragen kann😔Mein Bambi Jogginganzug,den er so witzig fand,mag ich nicht mehr anziehen😢

    Die Sachen,die ich immer zum Ausgehen mit ihm anhatte.... unerträglich 😭

    Aber verkaufen will ich die Sachen dann doch nicht.

    Viele liebe Grüße ❤️

    Steffi❤️

  • Ihr Lieben,

    ich danke Euch für Eure Antworten und Erfahrungen in Bezug auf die Kleidung unserer Liebsten.


    Ich konnte die ganze Woche über kaum was schreiben, war einfach zu traurig. Mir geht es gefühlt immer schlechter. Gestern waren es genau 10 Wochen, die ich nun alleine bin. Manchmal denke ich, erst jetzt kommt so langsam das richtige Begreifen, daß er für immer weg ist. Es gibt Momente da ersticke ich fast an der Verzweiflung.

    Sie schwappt über mir zusammen wie riesige Wellen und ich bekomme keine Luft mehr.


    Die ewige Frage: Warum?? Warum war es ihm nicht vergönnt, weiter zu leben? Warum muss ich so leiden?

    Wie soll ich hier noch irgendwie weitermachen, möglicherweise ja noch Jahrzehnte?

    Mein weiteres Leben erstreckt sich vor mir wie eine öde, leere Wüste. Es gibt nichts, worauf ich mich freuen könnte - Materielles sowieso nicht mehr. Aber auch andere an sich schöne Dinge - Feiern mit Freunden z.b. - werden nie mehr das Gleiche sein wie "früher".


    Mir fehlt die ZWEISAMKEIT einfach so sehr;( Dass es einfach klar war: man verbringt das Wochenende zusammen, plant zusammen das Essen, wacht zusammen auf...

    Der ganz normale Alltag. Gemeinsam alt werden. Es war alles, was ich je wollte, meine Idealvorstellung von meinem Leben. Wir wollten beide keine Kinder, nur einander.


    Jetzt stelle ich das in Frage, habe das Gefühl ich habe mein Leben irgendwie falsch gelebt. Hätten wir doch zusammenziehen, heiraten und Kinder haben sollen? Vielleicht hätte ich dann doch mehr auf seine Gesundheit aufpassen können. Oder ich hätte zumindest in der gemeinsamen Wohnung bleiben können. Hätte Erinnerungen an eine schöne Hochzeitsfeier. Oder es gäbe vielleicht ein Kind, in dem er weiterlebt...

    Natürlich alles Blödsinn, ich kann es ja nicht mehr ändern und unser Leben WAR eben einfach anders, unkonventioneller und wir wollten es beide so haben.

    Aber die Gedanken sind einfach da: Hätte ich gewusst, dass er mit 52 Jahren nicht mehr leben würde, hätte ich wohl einiges anders gemacht. Noch mehr Zeit mit ihm verbracht. Beim einen oder anderen Streit milder reagiert. Besser auf seine Gesundheit geachtet, ihn früher zum Arzt geschleppt...


    Ich denke momentan viel an unser Kennenlernen, die ersten gemeinsamen Jahre. Ich würde am liebsten die Zeit zurückdrehen und alles nochmal erleben, vielleicht intensiver erleben.


    Ich kann es einfach nicht fassen dass unsere gemeinsame Geschichte beendet ist. Es ist einfach so grausam.

    Ich hoffe so, so sehr auf ein Wiedersehen. Ich arbeite daran, an ein Wiedersehen fest zu GLAUBEN. Es ist der letzte Strohhalm den ich noch habe.


    Traurige Grüße

    Nora

  • Liebe Nora

    Fühl dich ganz fest gedrückt ❤️

    Ich empfinde genau wie du.

    Ich weiss gar nicht was ich da hinzufügend noch schreiben sollte😔😭ich fühl mich leer und habe Wut auf die ganze beschissene Welt.Auf Menschen,die sich über Schwachsinn und Kleinigkeiten aufregen,mit denen ich sofort tauschen würde😒

    Ich hoffe du hast trotzdem ein einigermaßen erträgliches Wochenende 🙏🌹

    Herzlichst

    Steffi ❤️