Erinnerungen an Liebgewonnenes

  • Guten Morgen,


    habe vor einiger Zeit mein altes Wohnzimmer geschlossen und all Beiträge entfernen lassen.


    Zuvor habe ich mir alles sehr genau angesehen.


    Ich sah,ich habe mich kontinuierlich verändert.


    Meine Sprachlosigkeit über den Tod meines Mannes ist gelöst,ich darf mit jeden Menschen in


    meiner Umgebung über ihn sprechen,alle hören mir zu.


    Meine Wut und Unverständnis ist kleiner geworden.Versuche von außen auf das Geschehen


    zuschauen und sehe , es war für meine Liebsten so richtig.


    Natürlich besucht mich weiterhin die dicke Tante mit ihrem breiten Popo(Trauer).


    Sie darf und soll es sogar.


    Aber inzwischen habe ich verstanden,sie wird immer wieder schlank und setzt sich dann in eine


    Ecke.Von dort winkt sie mir immer zu.


    Sitzt sie ruhig in der Ecke,darf ich aufräumen,darf ich den Raum mit neuen Deko. Stücken füllen.


    Meint meine dicke Tante ,sie müsste sich wieder zeigen,gut dann ist das so. Aber ich kann


    gleichzeitig mein etwas verändertes Wohnzimmer anschauen.


    Meine Texte in den Wohnzimmern der Mitglieder habe ich nicht gelöscht,ich möchte dort die Einrichtung


    nicht durcheinander bringen.



    Nun sind viele Mitglieder ganz oder teilweise in den “geschützten“ Raum umgezogen.


    Hier darf ich jetzt schreiben was ich möchte, so las ich es in einem Beitrag.



    Ist das tatsächlich so ?



    Ich lese viele Beiträge, sehe die tiefste Trauer.


    Mein Weg ist oft ein anderer,mag es aber nicht mehr so deutlich schreiben.habe das Gefühl ,es ist


    nicht erwünscht.


    Da ich mein Leben trotz der Rückschläge wieder positiver sehe, “Trauer “ich dann nicht mehr ?


    Ich für mich weiß es,mein engster Kreis weiß es.


    Sie merken es ,wenn ich mich in Gesprächen minutenlang zurück ziehe.



    Sehe an an den täglichen Zugriffen,meine Beiträge werden gelesen



    Es wird von Verarbeiten oder Intrigieren gesprochen.


    Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht.


    Es gibt ein Lied von Marianne Rosenberg : Er gehört zu mir.



    Ich sehe es tatsächlich so,alles gehört zu mir.


    Ich habe diese Menschen geliebt, jetzt gehört diese Trauer zu mit.


    Es liegt an mir,weiterzugehen oder zu verharren.


    Ich glaube,diese gegangenen Menschen schauen auf mich,sie unterstützen mich in meinem


    Weitergehen.


    Da ich in den letzten 30 Monaten viele kleine positive Dinge erlebt habe,lohnt sich für mich mein


    Weitergehen


    Ich habe niemals erwartet,dass so gut wie vorher wird, aber es ist manchmal anders gut.


    Das nehme ich ohne ein schlechtes Gewissen an.


    Meine liebsten Menschen stehen hinter mir, auch wenn ich Unverständnis ernte.


    Ich wünsche einen ruhigen Tag,

    Karin

  • Liebe Karin,


    darf ich folgende "Gedankensplitter" in deinem thread einstellen?


    Ich finde, da passen sie hin.

    Ich lösche sie aber auch gerne, wenn du es möchtest.



    Eine These von Viktor Frankl:

    Wenn jemand von schwerem Leid betroffen ist, das sich nicht verhindern ließ oder sich nicht bessern lässt - könnte es sein, dass die Haltung und die Art, mit der er dieses Leid trägt und erträgt, seine ganz spezielle Aufgabe im Leben ist?


    Und nochmal Viktor Frankl

    "Es gibt etwas, was ihr mir nicht nehmen könnt: meine Freiheit, zu wählen, wie ich auf das, was ihr mir antut, reagiere."


    Carl Gustav Jung

    "Nur was ich annehme, kann ich verändern. "


    Richard von Weizsäcker

    "Die Hoffnung führt uns weiter als die Furcht"



    Gruß zur Nacht


    blaumeise :24:

  • liebe "Sie sind gegangen"

    Du schreibst

    Da ich mein Lebentrotz der Rückschläge wieder positiver sehe, “Trauer “ich dannnicht mehr ?

    Ich glaube generell, dass Trauer eine ganz individuelle Verarbeitungsweise ist und dass jeder von uns auf eine andere Art mit dem Verlust umzugehen versucht. Und ich glaube auch, dass es da kein Richtig oder Falsch gibt. Der eine fühlt sich schlecht dabei, wenn es ihm gut geht, und ein anderer kann seine Positive Energie zulassen und sich der Zukunft öffnen. Trauern ist ein Prozess. Jeder geht da seinen eigenen Weg. Im Idealfall erreicht der Trauernde sein seelisches Gleichgewicht und kann auch wieder Glück empfinden . Ich finde es gut, wenn Du positive Sichtweisen hast, nach allem was du erlebt hast. Ich denke es gibt aber auch Menschen, die länger brauchen und die vielleicht einfach nicht positiv sein könne, weil sie immer noch blockiert sind.

    Daher meine ich, dass jede Form der Trauer eine Berechtigung hat.

    Alles Liebe

    Waltraud

  • Guten Morgen Waltraud,

    Ich finde es gut, wenn Du positive Sichtweisen hast, nach allem was du erlebt hast. Ich denke es gibt aber auch Menschen, die länger brauchen und die vielleicht einfach nicht positiv sein könne, weil sie immer noch blockiert sind.

    Daher meine ich, dass jede Form der Trauer eine Berechtigung hat.

    dem stimme ich zu.


    Auch dir einen ruhigen Tag.


    Karin

  • Liebe Freundin,


    ich habe gestern oft an dich gedacht.Wie schön,dass du den ganzen Tag persöliche Begleitung hattest.


    So konntet ihr euch über deinen Liebsten unterhalten.




    Vor einiger Zeit durfte ich mir dieses Lied gemeinsam mit meinem Liebsten anhören.


    Es tut mir gut,macht aber auch Wehmut.


    Komm gut durch den Tag,

    Karin

  • Guten Morgen,


    Vorgestern habe ich zum 3.Mal meine Wohnung mit Weihnachtsdekoration geschmückt.



    Im Jahr 2018 fiel es mir unheimlich schwer.


    Bei jedem Teil,welches in die Hand nahm,flossen meine Tränen.


    Aber mein Mann sah mir immer beim dekorieren zu,er gab entsprechende Kommentare


    ab.


    Darum bemühte ich mich ,auch 2018 es genauso zumachen.


    Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern,wie erschöpft ich im Anschluss war.


    Aber es war für mich richtig so.


    Den Weihnachtsbaum stellte ich nicht auf,das war die Aufgabe von meinem Liebsten.



    Im Jahr 2019 bekam meine Wohnung wieder ihre gewohnte Dekoration.


    Natürlich war alles mit Trauer und Wehmut besetzt.


    Etwas war aber anders.


    Fragte meinen Sohn und Schwiegertochter,ob sie den Baum bei sich aufstellen möchten.


    Sie nahmen ihn mit Freude an,die Enkelkinder schmückten ihn zusammen mit meiner


    Schwiegertochter.


    Als ich zu Besuch kam und ich sah,dass der Baum geschmückt war,kam Friede in mir auf.


    Alle Kugeln und Kerzen hatte mein Liebster in der Hand gehabt.


    Dieser Platz für den Baum war richtig.



    Vorgestern dekorierte ich mit Freude.


    Hielt ständig Zwiesprache mit ihm. Hatte das Gefühl,er schaut mir lächeln zu.


    Ja,meine Trauer und Wehmut sind nicht verschwunden.


    Ich fühle mich geliebt,ich habe so viele Erinnerungen.


    Jedes dieser Dinge erzählt eine Geschichte


    Nein,Erinnerungen ersetzen nicht die lebenden Menschen,aber ich habe wenigstens das.


      



    Ich wünsche einen ruhigen Tag,

    Karin

  • Und was Trauer angeht: Du wirst merken, dass sie in Wellen kommt. Wenn das Schiff untergeht, wenn du ertrinkst mit all den Wrackteilen um dich herum. Alles, was um dich herumschwimmt, erinnert dich an die Schönheit und Größe, die das Schiff hatte, dass es jetzt nicht mehr gibt. Alles, was du tun kannst, ist, dich auf dem Wasser treiben zu lassen. Du findest ein Wrackteil, an dem du dich eine Weile festhältst. Vielleicht ist es ein Gegenstand. Vielleicht ist es eine schöne Erinnerung oder ein Foto. Vielleicht ist es eine andere Person, die auch auf dem Wasser treibt. Für eine Zeit lang ist alles, was du tun kannst, lebendig zu bleiben.

    Liebe Karin

    das hast Du schön beschrieben, genauso ist es, schwimme schon die ganze Woche mit einem kleinen Wrackteil , jeden Moment das Gefühl,

    ich lasse einfach los. Heute früh habe ich es etwas fester zu packen gekriegt und etwas Luft gekriegt.

    Ich hoffe, dass diese Wellen irgendwann einen größeren Abstand haben.

    Liebe Grüße Petronella