Mein Mann ist mit dem Flugzeug abgestürzt, seitdem ist alles anders.

  • Wieder einmal ein kleines Update von mir.

    Meine tiefe Sehnsucht nach einer Schulter zum Anlehnen, nach einem Menschen, der zu mir gehört wird immer größer.

    Die Vermutung, die ich schon lange hatte nämlich, dass die Freundesebene, die bei mir recht gut bestückt ist, nicht das ist was ich so vermisse, sondern dass es die Beziehungsebene ist die im Argen liegt.

    Seit dem Tod meines Mannes und meines Cousins, der auf seine Art und Weise auch immer für mich da war, ist da nur mehr ein riesiges klaffendes wundes Loch.


    Es ist eine Tatsache, dass ich ganz alleine für mich auf dieser Welt da stehe und dass dieser Umstand die Trauer, die sowieso immer da ist und ihren eigenen wellenförmigen Verlauf hat, für mich auf unerträglice Art und Weise verstärkt.


    Es gibt niemanden mehr mit dem ich über meinen Mann und meine Familie reden kann.

    Es gibt niemanden mehr mit dem ich meine Entscheidungen, Sorgen und Nöte beprechen kann.

    Das ist es was mir zusätzlich so sehr zu schaffen macht.


    Und deshalb bin ich auch das Wagnis, mit dem neuen Mann, von dem ich geschrieben habe eine Beziehung zu versuchen eingegangen.

    Ich muss sagen es war von Anfang an gegen mein Bauchgefühl, aber seine Begeisterung, das Gefühl begehrt und verstanden zu werden hat mir geschmeichelt und mich dazu veranlasst mein Herz zu öffnen und mich der Situation hinzugeben.

    Leider hat es für uns Beide nicht geklappt.

    Er musste einsehen, dass ich viel zu viel für ihn bin, dass er etwas anderes in mir gesehen hat, als ich tatsächlich lebe.

    Ich musste einsehen, dass ich mich weder so weit verbiegen kann, noch mich soweit verbiegen möchte, um eine Beziehung zu beginnen, die nicht auf Liebe basiert, sondern nur auf Begehren (seinerseits) und Einsamkeit.

    Es hat keinen dramatischen Bruch gegeben, was übrig geblieben ist, ist eine lose Bekanntschaft, wie etliche andere auch.


    Und ich stehe wieder ganz am Anfang.


    Was ich daraus gelernt habe ist, dass man nichts erzwingen kann, dass aber für mich und ich spreche hier nur für mich, eine gelungene neue Partnerschaft mein Schlüssel für ein erfülltes neues Leben sein kann.

    Ich habe nämlich in den Anfangsmomenten mit diesem neuen Freund, wo wir Dinge gemeinsam gemacht haben und es schien als wäre mehr möglich eine gewisse Fülle in meinem Inneren gespürt, die ich schon verloren geglaubt habe, eine Fülle, die in meinem echten Leben, dem Leben mit meinem Hannes und meiner Familile ganz normal war.

    Ein ganz klein wenig davon habe ich auch beim Zusammensein mit meinem Cousin gespürt, aber es war zuwenig um meine Einsamkeit zu lindern, weil damals alles noch viel frischer war und wir nie die Chance hatten zu entdecken, was das Leben noch für uns bietet, denn er ist ja vorher gestorben.


    Nun ist da nur mehr diese Leere in mir und ich kämpfe täglich darum, von meiner Einsamkeit, der Leere und dem Schmerz nicht komplett überschwemmt zu werden.

    Im Klartext: Es geht mir wie immer seit dreieinhalb Jahren und für mich ist klarer denn je, so möchte ich nicht noch jahrelang weiterleben.


    Nun habe ich noch einen Trumpf im Ärmel, das ist die Reha, die am 19. Jänner beginnt und so sehr ich diese Chance herbei sehne wächst doch die Angst in mir, dass sich auch diese Hoffnung nicht erfüllt, wie so vieles, das ich in meiner langen Trauerzeit schon unternommen habe.

    Die Aussicht, bis an mein Lebensende jedem neuen Tag mit der Sorge begegnen zu müssen, wie ich ihn wohl überstehen kann, der Außenwelt ein heiteres Bild zu bieten, um das was ich mir so mühsam erarbeitet habe nicht auch noch zu verlieren, weil Miesepeter niemand mag, ist einfach nur schrecklich.

    Die Alternative, mich vom Leben zurückzuziehen und für mich alleine zu bleiben, um so sein zu können, wie ich mich fühle, die ich bei einigen Witwen, die mir persönlich bekannt sind, beobachten kann ist nicht minder schrecklich.

    Was also tun?

    Vermutlich das Gleiche was ich schon seit dem Tod meines Mannes tue:

    Zur Psychologin gehen und zu meiner Schamanin, wo ich frei über meine Kümmernisse reden kann.

    Mit anderen Trauernden über Skype in Konakt treten und daraus Kraft fürs Weiterleben schöpfen.

    Bekannte treffen, mir ihre Neuigkeiten, Sorgen und Kümmernisse anhören.

    Mit den Hunden meiner Bekanntschaften spazieren gehen, wenn sie selber nicht wollen oder keine Zeit haben.

    Alleine stundenlang spazieren zu gehen und zu wandern.

    Die Wohnung in Ordnung halten und die Gräber zu pflegen.

    Seminare zu besuchen, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, sofern das wegen Corona möglich ist.

    Bücher zu lesen und im Internet zu surfen.

    Und so irgendwie meine Tage hinter mich zu bringen, in der Gewissheit, dass auch ich irgendwann einmal sterben darf.


    Ich weiß allerdings wirklich nicht, wielange ich noch die Kraft für diese für mich so anstrengende Variante eines Lebens, das ich so nie wollte aufbringen kann.

    Eine letzte Alternative gibt es noch, vor der ich allerdings bislang zurückgeschreckt bin, die aktive Suche nach einem passenden Partner per Partnerschaftsinstitut.

    Und ich kann euch sagen, seit heute bin ich mürbe genug, um auch diese letzte aller Möglichkeiten zu versuchen, ich habe mich bei Contacta, einem Partnerschaftsinstitut angemeldet und habe nächste Woche einen persönlichen Termin.

  • Liebe Gabi,


    schön wieder von Dir zu lesen, auch wenn das, was Du mitzuteilen hast, weit entfernt ist von schön. Schmerzhaft zu lesen, das Dein Partnerneuanfang nicht das gegeben hat, was Du Dir gewünscht hast. Von Herzen wünsce ich Dir , daß Du jemandem begegnest, zu dem Du "ja" sagen kannst. Das ist vielleicht auch darum so schwierig, weil Du mit dem perfekten Partner viele Jahre leben durftest.


    Es ist schwer alleine zu sein, niemanden zu haben, mit dem man wenigstens über die alltäglichen Kümmernisse und Sorgen sprechen kann, jemanden, um den man sich kümmern kann, von "in den Arm nehmen " will ich gar nicht sprechen. Auch nach 20 Monaten fehlt mir mein Zwillingsherz wie am ersten Tag.


    Ich kann mir vorstellen, daß es Dir gelingt, Dein Ziel zu erreichen, weil Du so bewunderswürdig weiter kämpft. Ich hoffe, Du findest in der Reha neue Kraft , um weitergehen zu können.


    Ich habe mich gefreut, daß Du mein Wohnzimmer besucht hast, Danke hierfür.


    Mach Dir trotz bisherigem Misserfolg keinen Druck.


    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Dein Wunsch in Erfüllung geht.


    Ganz liebe Grüße

    Sommermond

  • Ich freue mich ab und an von Dir zu hören :2:,Ich hoffe Deine Reha wird Dir gut tun.Nochmehr hoffe ich das Du nochmal einen für Dich passenden Menschen begegnest mit dem Du Dich nahe und vertraut fühlst .Ich finde Dich sehr mutig .Liebe Grüße Kikiro

  • In ein paar Tagen sind es genau dreienhalb Jahre dass Hannes tot ist.

    Seit er nicht mehr da ist kämpfe ich mich Tag für Tag voran.

    Zuerst ist mein Cousin mein Mitkämpfer gewesen, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, so waren wir uns beide doch gegenseitig Halt und Stütze auch in den schweren Zeiten seit Corona.

    Auch er ist gestorben, morgen ist es 7 Monate her.

    Und nicht nur er ist gestorben, auch ein weiterer treuer Freund mit dem ich immer reden konnte, für den ich da war wann immer er reden wollte, so wie er für mich da war und immer versuchte mich aufzuheitern, wenn es mir wieder schlecht ging.

    Das letzte Silvester, als mein Cousin Uli schon um 20h schlafen ging, weil es ihm nicht gut ging hat dieser Freund, sein Name ist Ludwig, mich angerufen und mich gefragt, was ich wohl mache.

    Nichts habe ich gesagt, worauf er ankam mit einer Flasche Sekt und wir plaudernd, Toast essend und Sekt trinkend bei mir zuhause die Zeit bis Mitternacht verbrachten.

    Inmitten des Silvesterfeuerwerks habe ich ihn noch die halbe Strecke nach Hause begleitet bevor wir uns verabschiedeten.

    Dank Corona und Ulis Zustand war es das letzte Mal, dass wir uns so nahe waren.

    Danach haben wir uns nur mehr auf der Straße getroffen, ich bemerkte im Frühjahr, dass es ihm nicht so gut ging, aber er wimmelte ab und ich bin der Sache nicht nachgegangen, weil ich mit der Pflege meines Cousins zu sehr beschäftigt war..

    Ich habe ihm dann berichtet, dass Uli gestorben ist und er wollte es sich nicht nehmen lassen zur Beerdigung zu kommen.

    Er kam nicht und ich war sehr beunruhigt, weil ich ihn als sehr zuverlässig kannte und er meinen Cousin immer sehr geschätzt hatte.

    Auf dem Nachhauseweg von Ulis Beerdigung bekam ich den Anruf von einer Freundin, die er seit ihrer Krebserkrankung betreut hatte, dass man ihn in einer Blutlache liegend daheim aufgefunden hatte.

    Am nächsten Tag durfte er sterben, was eine gute Nachricht war, denn ein lebenswertes Leben wäre nicht mehr möglich gewesen.

    Ludwig war ein sehr eigenständiger, lebendiger, freiheitsliebender und freundlicher Mensch.

    Er war ein Mann, ehrbar, humorvoll und ein echter Freund.

    Ludwig war bereits der vierte Mann in meinem Leben der diese Welt verlassen hat, denn am 24. Juli 2017 ist mein geliebter Vater Josef, von allen liebevoll Teddy genannt im Alter von 93 Jahren als Erster von den Vieren friedlich in meinen Armen gestorben.

    Auch ihn vermisse ich unendlich, denn er war mir sehr ähnlich, wir sahen nicht nur gleich aus, wir hatten auch den selben Humor und einen sehr ähnlichen Charakter.

    In den letzten Jahren seines Lebens waren wir ganz eng miteinander verflochten, es ging ihm nicht mehr ganz so gut und wir waren fast immer zusammen, besonders, weil ich die letzten Jahre meines Berufslebens im Homeoffice arbeitete.

    Auch mein Hannes hat meinen Vati geliebt, wir waren schon seit Muttis Tod im Jahr 2000 ein unzertrennliches Kleeblatt, weil auch Hannes Eltern bereits gestorben waren.

    Ich lebte in einer Art Kokon aus Liebe und Geborgenheit mit aufrichtigen, tapferen und sehr liebevollen Männern seit dem Tod meiner Mutter.

    Zuerst den Großteil meines Lebens mit Mutti, Vati und Hannes, nach der großen Katastrophe mit Uli, meinem Cousin und Ludwig, dem treuen Freund, den ich kurz nach Hannes Tod auf dem Friedhof kennenlernen durfte, vermutlich war er ein Engel, als Trost und Hilfe nach meinem großen Verlust vom lieben Gott zu mir geschickt.

    Nun sind sie alle tot und ich bin alleine übriggeblieben.

    Ich habe einige sehr gute Bekannte und meine alte Freundin und mit allen habe ich guten Kontakt, ja es ist sogar so, dass ich, seit ich alleine lebe mit viel mehr Frauen Kontakt habe als jemals zuvor in meinem Leben.

    Ich möchte ihren Beitrag zur Stabilisierung meines Lebens nicht kleinreden, denn ich habe in diesen letzten grauenhaften dreieinhalb Jahren neue Rituale und Strategien des Überlebens entwickelt.

    Zu diesen Strategien gehört ein stetiger Fluss an Kommunikation.

    Noch nie in meinem Leben habe ich dermaßen viel telefoniert, geskypt und gezoomt als in den letzten dreieinhalb Jahren.

    Dieser extreme Kontakt nach Außen war einfach damals nicht notwendig.

    Ganz einfach.

    Es war ein anderes Leben, mein Leben, unser Leben ...


    Jetzt, in diesem neuen, ungewollten, ganz und gar nicht freiwilligen Leben hatte ich offenbar noch eine Art Schonzeit eingebaut mit liebevollen Männern, die mir eine nicht mehr vorhandene Struktur (Hannes und Vati) so gut sie konnten zu ersetzen versuchten.

    Natürlich hat das nicht funktioniert, dennoch hat es mir den so dringend benötigten Halt gegeben bis die höheren Mächte befanden, dass ich jetzt reif wäre, die anderen Seiten des Lebens kennen zu lernen.

    Mangel, Selbsthass, Wollust, Gier, ein ganzes Potpourri an Gefühlen der Angst und des Lebenskampfes.

    War ich vorher sehr naiv, immer an das Beste in den Menschen zu glauben?

    Nein, ich glaube nicht.

    Ich glaube immer noch, dass alle Menschen dieser Erde sich nach Liebe sehnen und glücklich sein wollen.

    Leider macht ihnen ihre Angst zumeist einen fetten Strich durch die Rechnung und es gibt Auswüchse an Verhaltensweisen von denen ich vorher entweder nichts wusste oder wenn dann nur vom Hörensagen.

    Ich hatte nun dieses spezielle Erlebnis mit Wolfram, vor dem mich von Anfang an mein Bauchgefühl gewarnt hat.

    Andererseits bin ich froh, dass ich mich darauf eingelassen habe, denn ich habe soviel daraus gelernt, wie man aus Büchern niemals lernen könnte.

    Ich habe noch niemals erlebt wie sehr man empathisches Verhalten imitieren kann ohne echte Gefühle zu besitzen.

    Ich habe diese Sache nun endgültig beendet und nur die Erfahrung, kein Bedauern, mitgenommen.

    Das besondere daran ist, dass mich diese Erfahrung gestärkt hat anstatt mich niederzuschmettern, vermutlich habe ich sie gebraucht, um wieder ein Stück weiter zu mir selber zu finden.

    Naja und immerhin weiß ich jetzt was ich unter keinen Umständen will und brauche.

    Wolfram tut mir leid, weil er sich so sehr selber im Weg steht, aber da muss er selber drauf kommen, ich kann und will ihm da nicht weiterhelfen.

    Ich gehe meine Weg weiter, die nächste Station ist REHA, wie ich hoffe eine weitere Stufe zu mehr Selbsterkenntnis.


    Den Wunsch nach einer neuen Partnerschaft habe ich nicht aufgegeben, auch wenn ich die Chance, einen zu mir passenden Mann, der mich mag und mit mir von Herzen zusammen sein möchte, realistisch gesehen als sehr, sehr gering erachte.

    Vielleicht ist mein Kontingent an liebvollen Menschen, mit denen ich in engere Beziehung treten darf, für dieses Leben ausgeschöpft?

    Sehr viele Menschen haben soviel Liebe und Wohlwollen, wie ich erleben durfte niemals erfahren und wissen gar nicht wie sich das anfühlt.

    Ich hoffe nicht, dass es so ist, aber wer weiß was noch alles kommt, vielleicht kapituliere ich früher oder später und wähle als Lebensbegleiter, so wie viele andere, einen Hund der mich aufrichtig liebt und den ich von Herzen umsorgen kann.

    Ganz allein kann ich mir eine Zukunft mit einem lebenswerten Leben jedenfalls nicht vorstellen.

  • Liebe Gabi,

    Du hast viel erlebt, und bist immer noch mutig. Du gehst immer weiter und weiter. Egal was kommt, du bist die Frau die den Wind dagegen braust. Hut ab vor dir. Auch wenn ich weiß, das es dir sicherlich manchmal weh tut.

  • Liebe Gabi,


    Du bist, weiß Gott, eine wahre Kämpferin, ein Mensch, der liebt und geliebt sein will, das gehört für Dich unabdingbar zu einem sinnvollen Leben. Ich glaube, das es so für viele Menschen ist, auch wenn sie sich oft nicht tief auf die Liebe einlassen können. Wir haben als Menschen nicht so viele Optionen, ein wirklich erfülltes Leben führen zu können. Du hast die Gabe, Menschen an Dich heran zu lassen und ihnen verantwortungs- und respektvoll zu begegnen.

    Alles wäre leichter, wenn Du ein oberflächlicher Mensch wärst, aber das bist Du nicht.


    Ich wünsche Dir von Herzen, daß die Reha Dir Ruhe und Gelegenheit gibt, über Deine Zukunftswünsche tief nachzudenken. Es ist wird Dir vielleicht gut tun, Zeit für Dich zu finden.


    Liebe Grüße

    Sommermond

  • Liebe Gabi, Du bist eine liebenswerte, starke Frau, Du gibst nicht auf auch wenn das Leben Dir immerzu schlimm mitspielt, darum wirst Du den richtigen Weg für Dich finden.

    Die Sehnsucht nach der Liebe, Geborgenheit und Vertrautheit die es mit dem verstorbenen Partner gab lässt einem das Bauchgefühl missachten.


    Leider, ist es mir auch so ergangen. Ich kann mich nur nicht so einfach aus der neuen Beziehung zurückziehen weil es der psychische und körperliche Zustand des Mannes um den ich mich nun kümmere nicht zulässt.

    Wir sind zu unterschiedlich und haben eigentlich nichts, als den Wunsch nicht alleine zu sein, gemeinsam.

    Jetzt ist es für mich nur mehr Nächstenliebe mich um einen Menschen zu kümmern der alleine und schwer körperbehindert ist. Ich muss Ihn dazu bringen von anderer Stelle Hilfe anzunehmen, dann erst kann und werde ich mich zurück ziehen. Das ist jetzt mein Ziel für das kommende Jahr.

    Ich wünsche Dir für Deine bevorstehende Reha das Beste, liebe Grüße, Karo

  • Danke liebe Ros!

    Und danke liebe Sonne für dein "Versteh dich"

    Ich sende euch ganz liebe Grüße zurück und wünsche euch vor allem Frieden im Herzen, um alles was noch so im Leben geschieht dadurch besser auszuhalten!


    Nun sind die Feiertage vorbei, ich konnte sie ganz angenehm mit Freunden verbringen und hatte immer etwas zu tun, so dass ich abgelenkt war, aber für mich hat es sich nicht richtig angefühlt Weihnachtswünsche zu schreiben und Wünsche fürs neue Jahr zu schicken auch nicht.

    Die Zeit ist ein Strom in dem mein Leben mitfließt, ganz ohne mein Zutun vergeht es einfach und die Tage reihen sich aneinander, endlos, ohne Auffälligkeiten und das was früher angenehme Unterbrechungen im Alltag waren ist für mich bedeutungslos geworden, denn ein neues Jahr macht für mich keinen Unterschied mehr.

    Der einzige Grund, warum ich den Ablauf der Zeit begrüße ist, dass mich jeder Tag meinem Ziel, das Leben hinter mir zu lassen näherbringt, ebenfalls ganz ohne mein Zutun.

    Das was ich noch tun muss: Die endlosen Tage, die vor mir liegen, mit Leben zu füllen, mit Beschäftigung, mit Ablenkung.

    Von Sinn zu sprechen wäre schon zu viel, allerdings bin ich froh, wenn ich anderen Gutes tun kann und tue das so oft wie möglich, auch wenn die Gelegenheiten gerade in dieser seltsamen Zeit noch weniger geworden sind.

    Das Paradoxe ist, dass es mir gut geht wenn ich mit Menschen zusammen bin, dass ich dann kurzfristig aufblühe und alle sich freuen dass es mir schon so viel besser geht.

    Aber am Ende des Tages bin ich wieder alleine daheim und sehne mich nach meinem alten Leben, nach meinem Hannes, nach meinem Vati und letztendlich auch nach meiner Mutti, die schon so lange tot ist und sogar nach meiner Hündin Mimi, die unser Leben 17 Jahre lang begleitet hat.

    Ich bin der meisten meiner Illusionen beraubt worden und versuche nun mit dem was geblieben ist klar zu kommen.

    Ich habe heute wieder mal im Forum quergelesen, all die schrecklichen Schicksale, Menschen die um ihr Leben kämpfen, andere, die ihr LIebstes kürzlich verloren haben, auch im wirklichen Leben erzählen mir meine Mitmenschen von schweren Schicksalen, von Kampf, aber auch von Lebensmut und von Lebensfreude.

    Ich höre zu, demütig und still und habe keine Antworten mehr, die ich anderen vermitteln könnte.

    Gleichzeitig sehe ich wie gut es mir geht im Vergleich zu anderen und schäme mich zugeben zu müssen, dass die Wunde in meinem Herzen immer noch blutet.

    Dass ich es nicht schaffe neuen Lebensmut zu fassen, trotz aller Maßnahmen und Bemühungen, die ich unternommen habe, um zu erreichen, dass es mir besser geht, dass ich wieder im Leben stehe und nicht nur am Rande, einsam und alleine.


    Deswegen schreibe ich nur mehr so wenig, denn ich habe nichts Positives beizutragen, kann niemanden aufmuntern und schon gar niemandem sagen, dass es irgendwann wieder besser und letztendlich auch wieder gut wird.

    Ich weiß es ist möglich, denn anderen ist es gelungen, sich mit dem Leben nach einem großen Verlust neu zu arrangieren und ihr Leben wieder freudig und bewusst zu genießen.

    Diese Menschen sprechen von einer größeren Tiefe, einer größeren Lebensfreude, von einem Gewinn, der nach der Verarbeitung ihrer Trauer entstanden ist.

    Ich dachte immer, wenn ich mich nur genug anstrenge, dann schaffe ich das auch irgendwann.

    Denn ich möchte meine Liebsten nicht enttäuschen, indem ich einfach aufgebe, ich weiß das hätten sie nicht gewollt.

    Aber inzwischen bin ich an einem Punkt der Hoffnungslosigkeit angelangt.

    Und deswegen schreibe ich kaum mehr im Forum, vor allem nicht den Neutrauernden, denn diese haben es verdient, dass sich diejenigen melden, die ihnen Mut zusprechen können.

    Ich denke dennoch oft an euch alle, die mir so lange treue Begleiter hier waren und fühle mit euch mit.

    Alles Liebe Gabi



  • Ich stimme dir, Gabi, und somit auch dir, Pia, in vielem zu, besonders deinen Worten (sinngemäß) ... es geht mir in vielem äußerlich doch gut, aber im Inneren schmerzt eine Wunde ... sie schmerzt sehr ... wem noch eingestehen, wie sehr? Morgen 1 Jahr und 6 Monate ... mein Empfinden ist ein ganz anderes.

    Mischi ?(

  • Dass ich es nicht schaffe neuen Lebensmut zu fassen

    Deswegen schreibe ich nur mehr so wenig, denn ich habe nichts Positives beizutragen, kann niemanden aufmuntern und schon gar niemandem sagen, dass es irgendwann wieder besser und letztendlich auch wieder gut wird.

    Aber inzwischen bin ich an einem Punkt der Hoffnungslosigkeit angelangt.

    das trifft alles genau auf mich zu. danke für deine worte, gabi.

    liebe grüße

    flora

  • Liebe Gaby,

    Ich komme aus der „neuen Zeit“ der Trauernden und lese gerade darum „quer“ hier im Forum.


    Deine Worte haben mich zutiefst berührt . Deine tiefgründige Beschreibung mit soviel Empathie sind für mich herzergreifend ehrlich und auch gepaart mit großer Angst.
    Ich spüre einen so wunderbaren Menschen ,der das tiefe ehrliche Glück noch einmal verdient hat.


    Bei mir ist am 14.11. 2021 die Welt stehen geblieben. Nach schwerer ( seit Juni bekannter Lungenkrebserkrankung) , und im Sommer großer Hoffnung hat es mein geliebter Mann nicht geschafft. Wir waren 44 Jahre verheiratet. Er liebte das Leben.
    Jetzt weine ich jeden Tag , bin verzweifelt, sehe kein Leben mehr für mich.
    Auch ich war ein lebensfroher Mensch . Nichts davon ist mehr in mir .


    Und jetzt lese ich bei sovielen die Verzweiflung, die immer noch da ist . Nach einem Jahr, nach zwei Jahren …..


    Es gibt nur noch das Leben davor/ danach. Ich habe so eine tiefe Liebe in mir, die ich meinem Mann nicht mehr schenken darf und er kann sie nicht mehr erfahren.

    Ich wünsche dir alles liebe dieser Welt. Und wünsche mir dass du deine Gedanken und Erfahrungen hier weiterhin vermitteln möchtest.
    Ich mag wie du schreibst und es hilft mir


    Liebe Grüße Bärbel

  • Liebe Bärbel,

    Ich habe dir schon in deinem Thread geantwortet, ich freue mich, dass dir das Schreiben in diesem Forum hilft, mir hilft es auch immer noch.


    Die letzten Tage waren für mich recht entspannt, heute habe Ich wieder gemerkt auf welch tönernen Füßen meine Normalität immer noch steht.

    Heute war einer der seltenen Tage, an denen ich absolut gar nichts zu tun hatte und überraschenderweise hat mir das nicht soviel ausgemacht wie sonst.

    Bis am Nachmittag, als ich per WhatsApp in einen Konflikt zwischen zwei Bekannten geraten bin.

    Ich habe mich unüberlegt und voreilig hineingemischt und habe bis jetzt am Abend gebraucht, um die Wellen wieder zu beruhigen.

    Und jetzt sitze ich da und vermisse meinen Hannes so unglaublich!

    Natürlich geht das auch wieder vorbei und es ist jetzt nun mal so, dass ich mich um mich und meine Belange ganz alleine kümmern muss und dass das jetzt bis zu meinem Lebensende so sein wird, nachdem ich die 60 Jahre bis zum Tod meines Mannes immer ein privilegiertes Leben voller Liebe und Geborgenheit führen durfte.


    Damit MUSS ich jetzt leben, egal ob ich mich damit abfinden kann oder nicht.

    Das mache ich auch und manchmal bin ich ganz schön stolz auf mich, dass ich nicht aufgegeben habe.

    Aber der Punkt ist der:

    Ich komme zwar inzwischen mit fast allem klar ohne durchgehend zu weinen, aber diese Vorgabe das Positive im Leben zu sehen, mir etwas Gutes zu tun, zu mir zu stehen und mir Ziele zu setzen und meine Wünsche zu erleben, die kann ich beim besten Willen nicht durchsetzen.

    Mir mangelt es an Zielen und Wunsch habe ich nur mehr diesen einen, den auszusprechen nicht sehr populär ist.

    Nächste Woche um diese Zeit habe ich schon gepackt, damit ich am Mittwoch früh in die Reha fahren kann.

    6 Wochen Auszeit.

    Ich bin in gespannter Erwartung, freuen kann ich mich nicht.

    Ob es nur sechs Wochen Zeitvertreib werden, oder ob dieser Aufenthalt eine Wende in irgendeiner Hinsicht bringt, weiß ich nicht.

    Aber ihr könnt sicher sein, dass ich euch berichten werde.