Mein Mann ist mit dem Flugzeug abgestürzt, seitdem ist alles anders.

  • liebe Gabi,


    ja, es ist eine bittere erkenntnis, dass nur ein anderer trauernder wirklich und wahrhaftig nachempfinden kann wie wir uns fühlen.... aber noch nicht einmal jeder trauernde kann es nachempfinden wie ich aus eigener erfahrung heraus weiss - und das finde ich fatal.....


    ich glaube zum verständnis der trauer gehört nicht nur selbst-durchgemachte trauer sondern ebenso eine gewisse art von herzensbildung - wenn die nicht vorhanden ist kann es kein verständnis geben....


    und wenn wir mal irgendwann "drüben" sind, wird nicht mehr äussere schönheit oder menschliche bildung interessieren, sondern lediglich die schönheit und bildung des herzens und der seele....


    ob ich persönlich noch irgendwann einmal sagen kann "das leben ist schön" oder ob sich ein wohlgefühl einstellen wird, sei dahin gestellt.... ich kann es mir null komma null vorstellen....


    das einzige was mir noch bleibt, ist mittelmaß.....


    ich hatte alles was es geben kann... für mein herz... ich hatte alles was es geben kann... in einem leben.... es fehlt lediglich noch das mittelmaß....


    Und noch schöner wäre es, wenn es tatsächlich Heilung für meine Seele geben würde, sodass ich irgendwann in tiefempfundenem Gefühl sagen kann: "Das Leben ist schön"

    Und das wäre dann wirklich ein Wunder.

    ja, das wäre wirklich schön....


    alles liebe von Bine

  • Ihr Lieben, ja, das Leben mit meinem Mann war schön, vor 2 Jahren mitten im Advent wurde es in einem Augenblick zerstört... mein Verstand, mein Herz, mein Körper erinnern sich wie schön es war und ich gäbe alles noch einmal dieses Gefühl zu erleben....aber in diesem Leben werde ich es nie mehr erleben... und manchmal bringt mich die Verzweiflung an den Rand meiner Kraft... ach diese unendliche Sehnsucht.. die Sehnsucht bleibt, den Sinn in diesem ungewollten Leben habe ich noch nicht gefunden, aber ich lebe, obwohl ich manchmal nicht weiß wie...

    ein stiller Gruß zur Nacht, Adi

    .

  • Liebe Adi,


    wie gut ich Dich verstehe. Jedes einzelne Wort hätte von mir sein können. Mein Mann ist letztes Jahr Anfang Dezember gestorben. Trost gibt es ja leider keinen, aber ich sende Dir eine stille sanfte :24:


    Lilifee

  • Jetzt habe ich mich minutenlang durch meine Benachrichtigungen und die Pinguin Invasion gelesen und freue mich dass ich auch einen haben darf!

    Liebe Gabi,

    natürlich!

    Heute früh dachte ich mir:

    Dies ist ein geeigneter Tag, um die Pinguine los zu lassen und wenn Ihr dann alle ins Forum kommt wimmelt es überall von ihnen... wer einen Pinguin hat ist zwar immer noch traurig, doch nicht mehr allein. Pinguine sind sehr treu.

    Herzlichst,

    Tery

  • Dies ist ein geeigneter Tag, um die Pinguine los zu lassen und wenn Ihr dann alle kommt in Form kommt wimmelt es überall von ihnen... wer einen Pinguin hat ist zwar immer noch traurig, doch nicht mehr allein. Pinguine sind sehr treu.


    Liebe Tereschkowa,


    was für eine nette Idee. Nachdem ich meinen gefunden hatte, habe ich mich auch schon über die Invasion gewundert. Nochmal :2: für die treuen Begleiter.


    Liebe Grüße

    Lilifee

  • Wieder Mal hab ich einen weiteren Tag rumgekriegt.

    Wie jeden Tag seit dem 14. Jui 2018 ...


    DIe Hoffnung, dass sich irgendetwas Grundlegendes ändert hat sich bisher nicht erfüllt.

    OK, ich bin ruhiger geworden.

    Ich gehe keiner Erwerbsarbeit mehr nach und ich habe das diffuse Gefühl in mir, zu versumpfen.


    Ich habe ja geschrieben, dass ich akzeptiert habe, dass ich noch weiterleben muss, aus Gründen, die bislang im Dunklen liegen.

    Ich habe bisher so gut ich konnte versucht, mich zum Weiterleben zu motivieren und einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, dass ich absolut keinen Sinn mehr in meinem Dasein sehe und auch nicht das Gefühl habe, mein Leben wäre etwas Kostbares, Schützenswertes.

    Und dem Wissen, dass ich es erstens nicht fertigbringe mir etwas anzutun und zweitens die Möglichkeit nicht außer Acht lasse, dass ich tatsächlich in der Zukunft noch irgendeine Aufgabe haben könnte, wenn ich mir auch im Moment nicht im Entferntesten vorstellen kann, was das sein könnte.


    Die Entschlossenheit, am Leben zu bleiben besteht noch immer, keine Sorge, aber ich muss mich immer mehr dazu zwingen, regelmäßig aufzustehen und mich zu bewegen, rudimentäre Sozialkontakte einzuhalten und einfach dafür zu sorgen, dass mein Leben in Ordnung ist.

    Im Gegensatz zu anderen muss ich mich nicht neu entdecken, ich weiß genau wer ich bin und deswegen mache ich mir auch Sorgen, was passieren könnte, wenn ich alle Hoffnung fahren lasse, wenn ich mich darauf einlasse, mich zu entspannen und einfach dem Augenblick zu leben.


    Ich weiß einfach nicht mehr was ich tun soll.

    Aber nichts tun ist auch keine Option.


    Kann das irgendjemand von euch verstehen?


    Vermutlich nicht, denn es gibt nur wenige Menschen, die das Leben an sich in Frage stellen, so wie ich.

    Der Grund, warum ich akzeptiert habe, dass ich noch dableiben muss ist nicht, weil ich mir denke, mein Leben könnte noch etwas Schönes für mich bereit haben, sondern die innere Gewissheit, dass auch das vorzeitige Sterben keine Option für mich ist.

    Die Freiheit, die ich habe und über die ich auch froh bin, ist die, dass ich niemandem mehr heile Welt vorspielen muss.

    Die wenigen Menschen, mit denen ich Kontakt habe wissen über mich Bescheid und die anderen geht es nichts an.

    Es gibt nichts mehr zu reden.

    Umso mehr gibt es zuzuhören.

    Und da habe ich die Entdeckung gemacht, dass die Lebenswirklichkeit sehr vieler Menschen, die ich kenne, am Zerbrechen ist.

    Tatsächlich geht da draußen etwas Beunruhigendes vor sich, etwas Großes.

    Etwas, das meine ganz persönliche Trauer bei weitem überschreitet, der Grund warum ich im Herzen froh bin, dass meine Mutti, mein Vati und mein Liebling Hannes und auch unser aller Herzenshund Mimi bereits in Sicherheit auf der anderen Seite gelandet sind.


    Ich habe eine Scheißangst und ich könnte bei Gott auf dieses Leben, das ich absolut nicht als Geschenk empfinde, verzichten.

    Wenn ich bloß wüsste, was zu tun ist.

    Tun gibt einem die Kontrolle über das Leben zurück.

    Die Tatsache, dass alles beendet und absolut nichts zu tun ist in meinem Leben macht mich wahnsinnig.


    Heute,

    genau gesagt, seit 2 Stunden und 21 Minuten,

    ist ein neuer Tag,

    der Neunhunderterste seit mein Leben zu Ende gegangen ist.

  • Ja, liebe Gabi, ich verstehe das. Ganz ganz genau. Den Punkt dieses Befindens.


    - Wo ich nichts mehr tun kann, wird etwas für mich getan. - Diesen Satz erzeugte mein Gehirn vor einiger Zeit aus heiterem Himmel. Ich habe ihn aufgeschrieben.


    Liebe Grüße

    Kaja

  • Liebe Gabi,


    ich weiß einfach nicht mehr was ich tun soll.

    Aber nichts tun ist auch keine Option.


    Kann das irgendjemand von euch verstehen?

    Ja.

    Ich.

    Sehr, sehr gut.

    Tatsächlich geht da draußen etwas Beunruhigendes vor sich, etwas Großes.

    Ja.

    Doch es kündigte sich bereits viel länger an als es die meisten Menschen wahrhaben möchten oder können.

    Aber das macht es nicht besser.

    Weder für uns persönlich, noch als Solches.


    Ich habe eine Scheißangst

    Ich auch.


    Tun gibt einem die Kontrolle über das Leben zurück.

    Die Tatsache, dass alles beendet und absolut nichts zu tun ist in meinem Leben macht mich wahnsinnig.

    Ja.

    Ja.

    Wie Du vielleicht bei mir gelesen hast, versuche ich gerade Kontrolle zu gewinnen in dem ich

    mein (ehemaliges) soziales Umfeld "aufräume".

    Das gibt mir Kontrolle und Würde zurück. Und Blick.

    Denn mit all diesem Geröll kann ich weder sehen, noch gehen.

    Gehen im doppelten Sinn.

    Es macht für mich Sinn, ohne dass ich über einen grundsätzlichen Sinn meines Lebens nachdenken muss

    oder etwas entscheiden müsste, das in der Zukunft liegt.

    Vieles, sehr vieles bzw. wahrscheinlich alles was ich tue seit ich wieder etwas klarer nachdenken kann

    sind nach diesem Kriterium ausgewählt: Sinnhaft ohne Sinndruck. (Klingt wirr, aber mir fällt nichts bessere ein.)

    Denn ich bin nicht in der Lage mir mein weiteres Leben auch vorstellen zu könne oder zu wollen.

    Ich kann nach wie vor nicht wollen. Ich würde gerne wollen können, wie Du weißt... aber...


    Dazu habe ich auch einen Trick, um mich zu überlisten:

    Ich stelle mir vor zu gehen.

    Wegzugehen.

    Irgendwohin.

    Das wohin definiere ich nicht.

    Vielleicht auch zu P.

    Von meiner jetzigen Position aus, brauche ich kein Ziel.

    Denn ich frage mich zunächst,

    was ich noch zu tun habe bevor ich gehen kann.

    Aufräumen.

    Ordnen.

    Sichern.

    Klären.

    Dazu fällt mir dann immer etwas ein.

    Das klingt furchtbar banal, aber es funktioniert und gibt mir Ruhe und das Gefühl der Kontrolle.

    (Bitte nicht denken, dass ich es schaffe meine Tricks immer umzusetzen.

    Nein, oft sitze ich stundenlang - oder sind es ganze Tage? - wie versteinert da und weine.)


    Vielleicht brauchst Du auch Tricks, um Dich zu überlisten?

    Die Psyche ist ein Biest, aber nicht so schlau, dass man sie nicht mit ihren eigenen Waffen

    zumindest kurzfristig hinters Licht führen könnte.


    Danke für Deinen Text.

    Ich verstehe Dich oft sehr, sehr gut.

    Zumindest glaube ich das.

    Hoffentlich schläfst Du jetzt schon.

    Herzlichst,

    Tereschkowa

  • Liebe Gabi,

    danke für Deine Zeilen, die mir einerseits klarmachen, dass ich mich nicht allein in solchem Gedankenkarussel befinde, mir aber andererseits zeigen, daß eine starke Frau, für die ich Dich halte, so tiefe Ängste hat.


    Ich stehe nicht am Anfang meines Lebens, sodass mir auch keine Traumbilder für die Zukunft mehr zur Verfügung stehen , die eine realistische Zielsetzung nicht erforderlich zu machen schienen.


    Ich frage mich, ob es eines Planes für mein Restleben , von dem ich hoffe, dass es nicht so lange dauert, bedarf.


    Ich kann mich den Gedanken von Tereschkova anschließen , Aufräumen und Klären sind Aufgaben, denen ich nachkommen, so gut es gerade geht. Da folge ich meinem Verstand.


    Aber mein Herzens- und Seelenzustand fragen oft quälend nach dem Sinn, den mein Leben noch haben kann, da kann ich Deine Gedanken sehr gut verstehen.


    Angst aufgrund von Ereignissen im allgemeinen versuche ich, meist sogar erfolgreich, zu verdrängen.


    Ich wünsche Dir für heute wenigstens eine kleine Zuversicht, damit Du ein wenig vom Gedankenkarussel ausruhen kannst


    Liebe Grüße

    Sommermond

  • Liebe Gabi,

    Quote

    Ich habe ja geschrieben, dass ich akzeptiert habe, dass ich noch weiterleben muss, aus Gründen, die bislang im Dunklen liegen.

    Ich habe bisher so gut ich konnte versucht, mich zum Weiterleben zu motivieren und einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, dass ich absolut keinen Sinn mehr in meinem Dasein sehe und auch nicht das Gefühl habe, mein Leben wäre etwas Kostbares, Schützenswertes.

    Und dem Wissen, dass ich es erstens nicht fertigbringe mir etwas anzutun und zweitens die Möglichkeit nicht außer Acht lasse, dass ich tatsächlich in der Zukunft noch irgendeine Aufgabe haben könnte, wenn ich mir auch im Moment nicht im Entferntesten vorstellen kann, was das sein könnte.

    ich glaube, für die meisten Menschen ist das nicht nur schwer zu begreifen, sondern kommt für sie einem Paradoxon gleich. Natürlich bin ich mir nicht sicher, aber ich glaube (und fürchte), sehr genau zu wissen was du meinst.


    Das alles hat nichts mit akuter Suizidalität oder Suizidalität generell zu tun (- der 1. Punkt, den viele nicht verstehen). Es ist einfach ein Weiterleben mit der Gewissheit, dass es keine Basis, keinen Grund, keinen Sinn und kein Ziel mehr gibt, denen dieses Weiterleben zu Grunde liegt (- der 2. Punkt, der oft nicht verstanden wird: diese innere Gewissheit). Natürlich weiß man nicht, was die Zukunft bringt. Auch wenn ich nicht ausschließe, dass noch etwas kommen kann, das mich berührt oder etwas in meinem Leben besser macht, reicht es mir persönlich nicht aus, einen Sinn in eine Eventualität oder eine vielleicht kommende Möglichkeit zu legen, deren Eintreffen absolut ungewiss ist und von der ich auch so gar keine Vorstellung habe, weil es ja nichts Konkretes gibt, was ich mir wünsche oder ich noch erreichen will.

    Als ich das für mich erstmals so erkannt habe, hat mich das in einen ganz extremen Zustand von nackter Angst und zugleich Ruhe versetzt. Es war keine Panik, es war eine ruhige, klare, bohrende Angst.

    Kennst du die Filme von Lars von Trier? Das ist ausdrücklich keine Empfehlung, sie sind kompliziert, extrem eigenwillig und fragwürdig und laufen tatsächlich stellenweise über ewig erscheinende Minuten in Zeitlupe ab. Die Handlungen der Protagonisten sind oft sinn- und ziellos und man weiß meistens von Anfang an, dass alles mit einer Katastrophe oder im Nichts enden wird. Eigentlich egal, man weiß: es wird enden. Dieses Wissen macht es eigentlich unerträglich, diese Filme anzuschauen, sie werden von diesem zähen Gefühl der zeitlupenlangsamen Hilf- und Sinnlosigkeit getragen. Aber das sind nur Filme, man ist nur Zuseher. Das Gefühl beim Anschauen ist nur ein Schatten eines Gefühls, mehr nicht.


    Jedenfalls kommt es mir oft so vor wie dieses Gefühl (- und zwar das echte, reale Gefühl. Nicht sein Schatten), wenn ich realisiere, wie viel übriges Leben noch da ist und, dass ich einfach weiß, dass es nicht mehr gut werden und keinen Sinn, kein Ziel mehr geben kann (- ja, vielleicht kleine Sinne und kleine Ziele, aber nicht den elementaren, lebensnotwendigen Sinn, den ich in meinem Leben mit H. hatte). Oft kommt mir alles so vor, wie in den Zeitlupen-Szenen aus den Lars von Trier-Filmen. Es geht langsam, so schrecklich langsam Richtung Ende, aber das ist gar nicht das Problem. Das Problem ist die Zeit bis dahin und ihre vollkommene Zwecklosigkeit. Es wird einfach nicht mehr gut.


    Quote

    Die Tatsache, dass alles beendet und absolut nichts zu tun ist in meinem Leben macht mich wahnsinnig.

    Das verstehe ich, ich glaube mir ginge es auch so. Vielleicht sind Tereschkowas Tricks wirklich eine gute Idee.


    Ich halte mich mit einem vielleicht absurden, dummen "Pflichtgefühl", einer Art Treueschwur an H. über Wasser.

    Zu meinen persönlichen Angelegenheiten habe ich fast gar keine Verbindung mehr, leider.

    Aber ihre liegen mir am Herzen.

    Ihr Patenkind, solange es noch Kontakt gibt. (Leider spüre ich, dass meine Bemühungen bei weitem nicht ausreichen und ich den bereits entstandenen Abstand nicht wieder aufholen kann).

    Ihre Katzen (- die auch meine Katzen sind, aber innerlich bin ich manchmal so stumpf und kalt, dass ich selbst ihnen gegenüber nur mechanisch agieren kann. Es tut mir so leid, aber ich weiß nicht, wie ich es ändern kann).


    Und dann noch ganz, ganz kindische Kleinigkeiten, zum Beispiel:


    Es gibt hier stapelweise ungelesene Bücher. Wir haben immer viel gelesen, vor allem H., aber man kauft nun man schneller Bücher, als man sie lesen kann. Das Wissen, dass sie für immer ungelesen bleiben, ist mir unerträglich und in meinem Kopf hat sich der Gedanke festgesetzt, dass das nicht sein darf.

    Die Krux daran ist, dass ich es aber nicht schaffe, eines dieser ungelesenen Bücher auch nur aufzuschlagen. Viele sind von Reisen mitgebracht oder aus Antiquariaten oder von Flohmärkten und ich kann mich bei fast jedem erinnern, woher wir es haben. Ein Buch, um das ich seit Wochen kreise, hat auf der Rückseite noch das Preisschild kleben. Gekauft in einem Buchgeschäft in Berlin. Ich kann mich so gut an diesen Tag erinnern und ich mussmussmuss das Buch (und alle anderen) lesen, aber ich kann's nicht.

    Es ergibt keinen Sinn, aber vielleicht ist es unter anderem dieser kleine, kindische, sich spießende Kreislauf aus müssen und nichtkönnen, der ein Bleiben und Ausharren irgendwie rechtfertigt. Ich weiß auch nicht.


    Ich wünschte auch, ich wüsste, was zu tun ist.


    Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Gabi

    Ich verstehe dich - ich empfinde meine Situation ähnlich....

    1060 Tage gelebt werden - überleben - keine Ahnung warum - im grausigen Endloskaltenschrecklichenwozutunnel in Endlosschleife ziellos umherirrend .

    Ich weiss nicht, worauf ich warten und hoffen soll.

    Mein Leben ist gelebt.

    Ich weiss auch nicht, was zu tun ist, ausser froh sein, dass wieder ein Tag geschafft ist.

    Ich würde gerne jemandem, der sich freut am Leben , von meiner Lebenszeit abgeben.

    Was da gerade in der Welt abgeht, ist für mich so surreal und überhaupt nicht fassbar. Ich habe zwar meine Theorie dazu... aber mehr vielleicht ein anderes Mal

    BRIJA

  • liebe Gabi, ihr lieben

    Und dann noch ganz, ganz kindische Kleinigkeiten, zum Beispiel:


    Es gibt hier stapelweise ungelesene Bücher.

    ich könnte zu allem etwas schreiben, aber irgendwie hakt es heute in meinem kopf....


    weigen deinen/euren büchern, liebe Sturm möchte ich nur sagen: ich finde das absolut nicht kindisch:24:mir geht es da ganz genauso.... Roger war nicht die größte leseratte der welt, da war ich weiter vorne als er, aber er wenn er etwas gelesen hat, dann konnte er sich nicht mehr davon los reissen... ich brachte eigentlich die bücher mit in unsere beziehung und mit den jahren fand er interesse daran...


    ach, so viele bücher die er nicht mehr lesen konnte aber noch lesen wollte, wenn... ja, wenn.... er wieder zuhause ist, wenn er wieder gesund ist... wenn....


    das schlimmste für mich war ein buch, dass er zu weihnachten 2018 bekam.... ich delegierte gerne geschenkideen an andere und somit bekam sein absoluter buchwunsch "die kreuzfahrer" von wladimir kaminer, meine mutter zugeschustert, sie schickte das paket und Roger durfte es am krankenbett auspacken...


    er war zu der zeit schon garnicht mehr in der lage irgendetwas überhaupt zu lesen, aber er freute sich so sehr über dieses buch.... und ich sollte es sofort in seine schublade am bett legen... alleine DAS war alles wert gewesen...


    und dann, am 31.12., da nahm ich das buch aus der schublade und nahm es mit nach hause.... und es steht nun im bücherregal und ich, ich schaffe es nicht es zu lesen, obwohl ich es soooo gerne lesen würde - für ihn.... mir geht es also ganz genauso wie dir, liebe Sturm...


    nein, alle seine bücher bleiben da wo sie sind - im regal, ob ich sie nun lese oder nicht....


    es gab ein lied von marianne rosenberg - übrigens eine von Roger geliebte sängerin zu früheren zeiten - sie singt "er gehört zu mir wie sein name an der tür" und genauso gehören seine bücher zu mir und genauso gehören die bücher von deiner H. ebenfalls zu dir, liebe Sturm...


    ja, was ist der ansatz zu sinnvollem unsinnigem leben???


    ich weiss es nicht, ich weisss es auf keinen fall...


    lieber gruß von Bine

  • Es ist ein schreckliches Gefühl, ein Leben zu leben, das man so nicht wollte. Oft denke ich, könnte ich ihm doch folgen, mit ihm dort weiter machen. Ich habe angefangen Ordnung zu machen, Ordner auf Vordermann gebracht, mich von Dingen getrennt , von denen ich glaube, sie nicht mehr zu brauchen, ein Testament beim Notar hinterlegt, die Grabstelle neben ihm im Ruheforst gekauft...

    Ich frage mich, was ist meine Aufgabe, die hier noch zu vollbringen ist..??

    Liebe Grüße

    Johanna

  • ja Johanna, das ist es, ein schreckliches Gefühl....

    Aber alle Achtung, du hast alles geregelt...

    Die Frage, nach deiner, meiner, unserer Aufgabe...tja...ich denke es wird wohl irgendeine sein....welche...das frag ich, du, wir sich ....Tag täglich...

  • Ich habe ebenfalls alles geregelt.

    Wenn ich gehe, dann ohne einen BLick zurück, ohne das Gefühl etwas versäumt zu haben, ohne Schuldgefühle und ohne ein Chaos zu hinterlassen.

    Das gibt mir ein gewisses Gefühl der Zufriedenheit und Freiheit.

    Wozu ich noch dableiben muss, das entzieht sich schon zweieinhalb Jahre lang meiner Kenntnis, obwohl ich andererseits anderen Menschen helfen konnte, wie ich es nicht hätte tun können, wäre ich mitgestorben.


    Das Merkwürdige dabei ist, dass ich trotz aller Trauer seit dieser Behandlung bei der Schamanin, nicht mehr sofort sterben möchte.

    Wenn ich mal wieder so weit war, dass ich es vor Sehnsucht nicht mehr aushielt, war dieser Gedanke, diese Verlockung des Todes sofort da.

    Nun ist es eher so, dass ich mich frage, was würde ich drüben machen?

    Und dann beschleicht mich so ein seltsam unfertiges Gefühl.

    Es ist nicht so, dass ich gerne lebe und noch auf irgendetwas warte, auch die Neugier hält sich in Grenzen, habe ich doch das Gefühl schon alles Lebenwerte erlebt zu haben, aber inzwischen denke ich mir nicht nur, dass es einen Grund haben muss, warum ich noch da bin, inzwischen fühle ich das auch!


    Und ich weiß auch, wie es sich anfühlt, angekommen zu sein, mir wurde vor geraumer Zeit ein Traum geschenkt, der mich dieses ganz spezielle Gefühl fühlen ließ, so wie eine Erinnerung, eine Belohnung zum Mutmachen. Es war einfach sagenhaft und hat eine blasse Erinnerung hervorgehoben, wohl um mir zu helfen nicht aufzugeben.


    Momentan habe ich eine ruhige Phase und kann diese heuer so speziell ruhige Zeit in Ruhe und (fast schon) Kontemplation verbringen.

    Das tut mir gut und das ist mehr, als ich über die schrecklichen letzten Jahre sagen kann.


    Ich möchte euch allen gerne Mut machen.

    Mut daran zu glauben, dass die Trauer ein Freund ist.

    Mut, in den Schmerz hineinzugehen und alles zu tun, was euch das Bauchgefühl rät.

    Mut, auf den Wellen des Lebens zu surfen, mal ganz unten, mal oben und spezell die neutrale Mitte zum Ausruhen zu verwenden.

  • liebe Tigerlilly Gaby

    Ich lese auch sehr gerne in Deinem Thread , du gibst immer ein wenig Hoffnung zum weitermachen, egal wie die Trauer im Moment aussieht und die Hoffnung auf ein Leben danach, selbst wenn ich wieder verzweifle und mein Kopf sagt nein, das hast du dir alles nur eingebildet.

    Mit dem Regeln für danach, dass werde ich jetzt auch mal machen, dann hat man eine Aufgabe und die Nachkommen brauchen sich keine Sorgen zu machen ob alles richtig ist.

    Bin jetzt am Anfang vom 2. Trauerjahr und es fühlt sich wie hier oft geschrieben schlimmer noch an, die Gewissheit, da kommt nichts mehr, es war kein Albtraum, es ist die Realität.

    Die Trauer wird nie mein Freund sein, ein Freund fühlt sich anders an, werde aber versuchen, ob ich es schaffe, keine Ahnung mit der Trauer zu leben bis ich sterbe.

    Einen von Herzen <3 Lieben Gruß und danke :2: für Deine lieben Beiträge

    Petronella